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„Was in China passiert? Nichts.“+ „Kaum jemand liebt die Tugend mehr als die Schönheit“ Konfuzius

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Vor der Verhaftungswelle: Tee, Ahornstempel + andere „Chinoiserien“ Stäbchen + diskursivem Entenhuhn am Fluss mit Peggy Parnass 03.11

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»Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit« Friedrich Schiller

Metaskizze persönlicher Empörung (unredigiert)

„Konfuzius lehrt, dass nur über »Regeln« die Freiheit für das Volk verwirklicht werden könne“. Die Verhaftungswelle in China: seitens Human Watch geschätzte 200 „Regelverstösse“ über (martiale) Willkür eingefädelt sind weder juristisch noch ethisch tragbar, noch kritischen Beobachtern vermittelbar. Da Willkür sich hier offensichtlich u.a. auf den drei Säulen von Infamie, Lüge und ein „indoktriniertes Kader-Kalkül“ zu stützen sucht. Von Verschleppung kann gesprochen werden, wenn nicht einmal die Familie weiß was mit ihren Angehörigen geschieht, wo sie sich überhaupt befinden. Alles aufbegehrende im Keim ersticken und dann Wegducken scheint die Parole und Rolle der Mächtigen im Land zu spiegeln. Der scharf geblasene Wind der Regierung killt die Sanftheit und Sinnlichkeit, der traditionell diskursiv gefeierten Lotusblüte. Die Machtverhältnisse sollten sich ändern. Die sich mental selbst überlebten reaktionären Kader, zugunsten der Offenheit abtreten oder (Pardon) austreten, – auf die Taolette° – zur Reinigung des Selbst.

Nicht nur die Kunst, jeder Mensch, hat das Recht auf Freiheit! Insbesondere über gesellschaftliche Normierung hinaus. Institutionell aufgestellte (fragwürdige) Regeln unbequem, radikal, künstlerisch, interventionistisch, affirmativ-subversiv zu befragen und zu spiegeln. Oder anders die Stimme zu erheben. Ein Volk hat das Recht auf Widerstand, wenn staatlich verordnete Willkür, den Freiheitsbegriff desavouiert und willkürlich ersetzt und damit die Freiheitsrechte der Menschen (eklatant) verletzt. Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist ein Grundrecht des Menschen seit der Aufklärung. Angst vor der Freiheit führt zur Unfreiheit durch (untugendhafte) Polit-Technokraten (Oligarchen). Die Freiheit nicht denken und Leben können, deshalb die jenigen, exemplarisch für all die anderen einzuschüchtern, einzuschränken, wegzusperren (zu foltern?) sucht. Die den Mächtigen im Lande auf die Schliche von korrumpierter Machtfülle und drangsalierender Methodik durch Demütigung etc. gekommen sind? Gefangen in der eigentlichen Klammer von hierachisierender Tradiertheit, anachronistischer Strenge, Zensur und Bevormundun: konnotiert, konterkariert und irrational penetriert, durch Machtverlustängste der Protagonisten. Angetrieben durch eine spießige Elite, die sich über die Folgen ihrer Maßnahmen offensichtlich nicht klar wird, oder in ihrer demonstrativen Arroganz und Überheblichkeit es ihnen einfach „egal zu sein sich anschickt“ – im Ablauf der geschehenen Dinge und Prozesse.

Freiheit fehlgedeutet, als explosive Sprengkraft für ein nicht mehr beherrschbares 1,3 Milliarden Volk? Irrtum! Die Entwicklung noch vor einigen Jahren, wirkte positiv, ohne die symptomatischen Anzeichen überbordener paranoider Ängste der Machtelite, vor einer möglichen explosiven gesellschaftlichen Situation. Die schrittweise Öffnung scheint nach dem Massaker auf dem „Platz des himmlichen Friedens“, (wegen sich nun rächender) Verdrängung unbewältigt. Das Spiegel-Interview mit dem Architekten Gerkan zeichnet diese Ignoranz gegenüber der 3000 Toten, zumeist Studenten, nach. Dieses Trauma ist tief verankert im chinesischen Volk. Im neuen Nationalmuseum findet „Die KUnst der Aufklärung“ statt, ohne jeglichen Hinweis auf das Massaker, obwohl der „Kulturpalast“ genau dort erbaut wurde.. Konkrete Anspielungen von Künstlern auf das Geschehen, werden belauscht und  beobachtet und in Teilen auch verfolgt. Man traut sich nur chiffriert via Andeutung über dieses schreckliche Geschehen zu sprechen. Aufklärung fehl am Platz !

Erste Willkürurteile ließen bereits böses ahnen. Es waren offensichtlich „nur“ sichtbare Einzelfälle: Der Aufschrei, nach der Verhaftung Liu Xiaobo (11 Jahre (!) Gefängnis) war weltweit unüberhörbar. China hat 2000 die UN-Menschenrechtscharta unterzeichnet. Aber das haben andere Länder auch, voran die USA und dennoch werden menschenverachtende Kriege angezettelt. http://www.kantstiftung.de/uncharta.html

Die Akzeptanz, auch im Vertrauen des neoliberalen Europas, dass mit Chinas Hilfe die immensen wirtschaftlichen Probleme zu lösen erhofft, wird durch größere (opportunistische) Annäherung wegen der Wirtschaftskrise an diesem Gedanken möglicherweise scheitern: Ein Trugschluss durch vordergründige Wirtschaftsinteressen in die Leere laufend? Kultureller Dialog nur eine kosmetische Fassade? Es heißt im Machtgefüge des Politbüros, hätten die „Betonköpfe“  die Handlungshoheit erreicht. Statt innerer Harmonie, als das kulturell spirituelle Rückrat Chinas, verschärfte Zensur – darüber hinaus dringen kaum positive Signale nach außen.

Der offene, vertrauensvolle Dialog, ist für die Entwicklung einer offenen Gesellschaft substanziell-strukturelle Voraussetzung. Die gegenwärtigen Tendenzen zeigen eine fatale Gegenentwicklung auf: Unsicherheit, Argwohn, Misstrauen sind treibende toxische Elemente für die allgemeine Verunsicherung der weltpolitischen Situation und Verfassung.

Drangsal und Unterdrückung sind grundsätzlich nicht die falschen Ratgeber sondern tödliches Instrumentarium. Die Chinesen sind es in ihrer Grundstimmung leid nicht offen reden zu können. Namen von Verhafteten traut man sich nicht auszusprechen, aus Angst vor Repression.

Die Besinnung auf einen entspannten Umgang, mit kritischen Fragestellungen weist in die richtige Richtung einer „zwanglosen Sphäre“, im Innern und in der Außenwahrnehmung, wäre dies die wegweisende Erkenntnis und Orientierung. Souverän und Weise würde das Bild des Chinesen in seiner Gastfreundlichkeit der Menschen, adäquat klimatisch in eine die Völker verbindende Umarmung münden. Auch um aus dieser Position, innerer Stärke und Harmonie, gepaart mit menschenfreundlicher Souveränität, „neoliberale Ausbeutungsstrategien“ und andere Anfeindungen im Verteilungskampf, erfolgreich abwehren zu können. Hört auf eure kulturelle Stimme der Vernunft, da sind die gegenwärtigen Intellektuellen „Weisen“ und in der Tiefe Wissenden, die Kultur und die geistigen Schnittstellen für ein offenes dialogisches China.. In geschätzter und geliebter Nähe internationaler Freunde durch persönliche Erfahrung und aufgeklärter Aufrichtigkeit. Mit „more red Humor“ in doppeldeutigen Spielarten kamen die Künstler dialogisch wunderbar zurecht. Über konstruktive Metasynapsen von Kunst und Kultur als Transmitt(l)erstoff, als sinnstiftender Kompass° zur Bewahrung der Tradition, als erweitertes dialogisches Bindemittel sich weniger fremd gewordener Kulturen weltweit.

Kleine Chinoiserie:

Im dialektischen DAO-Aufklärungsdoppel der „6 Pflaumen-Frühlingszweige in einer goldenen Vase“ der „kryptische Subtitel“ des Buches: Ein reicher Apotheker der sich 6 Frauen erlaubt. Das Buch der Bücher: KIN PING MEH [Jin Ping Mei]  健平咩  In engl. „The golden Lotus“. Das verbotene Buch: soweit ich weiss steht es heute noch auf dem Index in China : niemand darf das Buch besitzen, aber alle (!) haben es gelesen. Ein „konfuzianischer Regelverstoss“ der zu ahnden ist? Hat es eine Frau hat es ein Mann geschrieben – Mann/Frau man weiss nicht so genau. Es wird angenommen eher eine Frau wegen der feinsinnigen Details, die eher die sinnlich-perspektivische Sicht der Frau entsprechen. Aber niemand weiss es sicher. Fast fünfhundert Jahre ist es verboten. Wen verhaften? Wie gesagt alle haben es gelesen, das ganze Volk? Die 6 Frühlingspflaumenblütenzweige und die goldene Vase als (museales) Symbol und  „Corpus Delicti“ gleich mit? Die erotische Geschichte Chinas? Ein erotisch-pornografischer Roman aus der Ming Dynastie 1368-1644, schon damals 400 Jahre vordatiert um Spuren zu verwischen. Der Überlieferung nach sollen die Seiten vergiftet gewesen sein – sie waren in der bigotten Moralvorstellung, als Schrift-Zeichen giftig aufgeladen- sie sehen, China hat auch das überlebt: also doch lieber mehr Frau(en) eh Freiheit wagen ? Mit Blumen verbinde ich die Hippieära aber auch die erlittenen polizeilichen Massnahmen meiner Generation, das was die chinesischen Machthaber aus „Lotus“ machen ist weder erotisch sinnlich noch sonst positiv blumig darstell- bzw.vermittelbar. Was bleibt ist eine blutige Vase,  mit Goldrand und Braunstempel auf dem Grund – mit dürren blütenlosen Zweigen – als Ansichtskarte der Tragik im Lande.

Manipulative Meinungshoheit im Westen, sei es durch Behörden verordnet, oder durch ein manipulativ korrumpierend-lobbyistisches Politikverständnis getarnt, gilt es auch hier zu demaskieren. Durch Gewalt ästhetisierende Medien, als Sprachrohre der Täuschung, in Formen von Scheindemokratien einflussreich installiert – mediensystemisch in die Köpfe der Menschen gepflanzt. Die „Vielheit“ an Medien sind kein Garant für aufrichtige „Offenheit“ – da in aller Regel die Muster der Steuerung relativiert dieselben bleiben. Der Kampf um die „falschen Ressourcen“ gebieret Ungeheuer um mit Goya zu sprechen. Goya in China, in der Ausstellung „Die Kunst der Aufklärung“, darin sollten sich nicht nur die Chinesen befragen und kryptisch spiegeln – da hat auch der Rest der Welt ein Übersetzungsproblem. Also China, entlasst euren freigeistlichen Humus und lasst euch durch eure Intellektuellen, eure kritischen Weisen helfen, um euer Ansehen in der Welt und in euch selbst erfahrbar zu machen. Mut zur Freiheit und Offenheit, ist die Chiffre und humanistisches Heilmittel, für eine lebendige Ai (=Liebe) Gemeinschaft in sozialethischer Verantwortung und wirksamer Harmonie im gegensätzlichen Zweiklang des Dao «Dao» = 道 [::] Wu wei = 無爲 / 无为 Wu
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„Es muss niemand verhaftet werden, der „Schein“ trägt sich noch“… Das „Recht auf Widerstand“ ist eine Präambel des Grundgesetzes bei uns. Die „Ästhetik des Widerstands“, ein höherer Auftrag aller Menschen, auch für den Handelsreisenden (!), zur Überwindung des „ungerecht Tragenden“, durch die aufklärende Waffe der Differenz, der Transformation von falscher Dominanz, widersprüchlich pseudorealer Parameter – ganz konkret durch Aufklärung und Gestaltung, die Dinge in Gang zu setzen. Die Dinge in Gang zu setzen, – als Impetus des Freien, des zu befreienden, der zu überwindenden zwanghaften Muster… Die Freiheit, ist die Freiheit immer auch des/der Anderen, in Würde und Achtung des Umgangs in Wechselbeziehung, als konkret lebbares Prinzip einzulösen. Haltung und Handlung, aus aufgeklärter innerer (schöpferischer) Notwendigkeit, des Einzelnen im dialektischen Spiel der Gemeinschaftlichkeit und individuellen Eigenarten der Ein – und Ableitungen, Verästelungen und Verwurzelungen, als individuelle Biographien und subversive Gegenpole – fordert und legitimiert den Gestaltungsprozess, des zu (be)freienden aus gesteuerter Zwanghaftigkeit etc., zur Befähigung und (zwangloser) Bereitschaft zur Mitgestaltung.. Die unkorrumpierte Freiheit, dass ist der Weg, der (tranzendente) Pfad des Mündigen, für eine sozial gerechte und freie Gesellschaft, dass zu erringende Ziel, aller Widerstände zum Trotz, in aller Gegenwärtigkeit und Wahrhaftigkeit der gelebten Stunde, – geschuldet den Kindern und als Spiegelung, erreichter geliebt-gelebter Wirklichkeit: wegweisend für nachfolgende Generationen, dass gilt in der Quintessenz für alle unterdrückten und ausgebeuteten Kulturen und Völker. Insbesondere bei der beliebigen Unterstützung totalitärer Regime und ihrer Machtelite(n), vertraglich abgesichert durch die „Weltbankwerteprioritätenliste“ auf die Ressourcen wie Öl, Uran (Sudan etc.), Wasserprivatierungsaneignungsrechte etc. gedacht. Da ist auch D-Land, zunehmend lauter Nutzniesser zur Sicherstellung des Versorgungshaushalts „nachhaltiger“ Profite durch direkte Verträge, zur weiteren Kontaminierung von (Rest-)Natur und Kontaminierung der Kreatur..  Jörg Stange  10-04-2011

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Lesart | Beitrag vom 25.08.2016
Chinesischer Dissident Liao Yiwu / Erinnerungen an Willkür und Folter

Liao Yiwu im Gespräch mit Frank Meyer

X ….Die Entstehungsgeschichte des Romans ist abenteuerlich. Liao Yiwu begann im Gefängnis mit der Niederschrift – heimlich und gehetzt, weshalb er die eigenen Schriftzeichen später kaum habe entziffern können – „so winzig wie Ameisen“. Die beschriebenen Seiten habe er einen älteren Gefangenen anvertraut, der schon viele Jahrzehnte als Regimegegner im Gefängnis verbracht habe und zuletzt als Putzkraft eingeteilt war – „er fiel schon gar nicht mehr auf „, erinnert sich Liao Yiwu. http://www.deutschlandradiokultur.de/chinesischer-dissident-liao-yiwu-erinnerungen-an-willkuer.1270.de.html?dram:article_id=364025

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Interview | 11. Juli 2011

„China ist zu einem Müllplatz geworden“

Niemand wusste von seinen Fluchtplänen. Die Freiheit zu schreiben war Liao Yiwu wichtiger. Ein Gespräch über China, die Kunst und seine Zukunft: (..) Liao: „Vor dem Haus standen Polizeiwagen, die Polizisten haben immer wieder geschaut, ob ich zu Hause bin. Sie bestellten mich zu vielen „Tee trinken“-Terminen (Synonym für Einschüchterungsgespräche, d. Red.) (..)
http://www.abendblatt.de/kultur-live/article1952721/China-ist-zu-einem-Muellplatz-geworden.html

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focus

China: Nach Ai Weiwei weitere Verschleppungen befürchtet

[..] Gegen Ai wird offiziell wegen Steuerhinterziehung und Pornografie ermittelt [..]
Donnerstag 21.04.2011 |  http://bit.ly/e6XzVw

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Sinologie

China und die Aufklärung

Wer glaubt, man müsse nach der Industrialisierung nun auch die Ideen der Aufklärung nach China bringen, täuscht sich sehr. Das Land hat seine eigenen aufklärerischen Vergangenheiten entdeckt oder findet sie gerade wieder. Von Helwig Schmidt-Glintzer 15. April 2011

Freundschaft im Dissens
Wäre bei der Pekinger Ausstellungseröffnung zur Kunst der Aufklärung ein Diskurs auf Augenhöhe erfolgt, hätten die Außenminister Chinas und Deutschlands in den Worten Goethes vielleicht einander zurufen können:

Sag was könnt‘ uns Mandarinen,
Satt zu herrschen, müd zu dienen,
Sag was könnt‘ uns übrig bleiben
Als in solchen Frühlingstagen
Uns des Nordens zu entschlagen
Und am Wasser und im Grünen
Fröhlich trinken, geistig schreiben,
Schal‘ auf Schale, Zug in Zügen.

http://www.faz.net/s/Rub5C2BFD49230B472BA96E0B2CF9FAB88C/Doc~E3AF01A420093413EAC55534C514CF267~ATpl~Ecommon~Sspezial.html

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Peking

Warum Peking Ai Weiwei verschwinden ließ

VON JOHNNY ERLING –  15.04.2011
[..] Wie jetzt enthüllt wurde, hatte die chinesische Führung dem am 3. April am Flughafen Peking von ihr ohne Haftbefehl verschleppten und seither in Polizeigewahrsam verschwundenen Künstler kurz zuvor noch angeboten, sich mit ihr zu arrangieren. Sie soll ihm einen Sitz als Mitglied in der „Konsultativkonferenz“ in Aussicht gestellt haben. Dies berichtet Hongkongs „South China Morning Post“ unter Berufung auf Mitarbeiter von Ai Weiwei [..]
http://nachrichten.rp-online.de/kultur/warum-peking-ai-weiwei-verschwinden-liess-1.601668

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Ausstellung zur Aufklärung in Peking

Flaschenpost nach China

Ein Gastbeitrag von Tilman Spengler
Die deutsche Ausstellung in Peking ist keine „Alibi-Veranstaltung“. Auch nach der Verhaftung des Bürgerrechtlers Ai Weiwei wäre es falsch, sie zu schließen. Denn Abbrechen ist so doof wie verbieten. 14.04.2011
http://www.sueddeutsche.de/kultur/ausstellung-zur-aufklaerung-in-peking-flaschenpost-nach-china-1.1084967

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Aus Le Monde diplomatique

Imagepflege à la chinoise

Der Exportweltmeister China hat in Sachen Menschenrechte massive Imageprobleme, wie zuletzt die Verhaftung von Ai Wei Wei offenbarte. Ein Fall für die Agentur Xinhua. VON PIERRE LUTHER 15.04.2011
http://www.taz.de/1/politik/asien/artikel/1/imagepflege-a-la-chinoise/

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Ai Weiwei

»Der Mann ist doch Chinese«

Die chinesische Propaganda stellt Ai Weiwei gerne als westlichen Provokateur dar. Dabei steht er mit seiner Kunst fest im Land der Mitte. Er hat die Tradition seiner Heimat wieder mit dem Leben verbunden. Von Mark Siemons, Peking 15. April 2011
http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~E7463410E7F1C49C681E63E2E13F6043F~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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艾未未的自由 foto + bildbeabeitung: jörg stange gfok

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„Genügend Beweise gesammelt“

Dem chinesischen Künstler Ai Weiwei wird nach Informationen der in Hongkong erscheinenden Zeitung „Wen Wei Po“ Steuerhinterziehung und Vernichtung von Buchhaltungsbelegen vorgeworfen. Das berichtete das der Regierung in Peking nahestehende Blatt am Donnerstag. Zudem beschuldigt man ihn des Ehebruchs und der Verbreitung von Pornografie im Internet. Der Künstler soll teilweise geständig sein. 14.04.2011
http://orf.at/stories/2053188/2053183/

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Ai Weiwei

Kriecherei in Fernost

Der Künstler Ai Weiwei wurde in Peking verschleppt – und die Wirtschaft schweigt. Wie das Regime selbst fürchtet der Westen die Instabilität in China und hält still. Von Christian Geinitz
http://www.faz.net/s/Rub4D8A76D29ABA43699D9E59C0413A582C/Doc~E73FEE75A0FD1459282F7A0304A4BCD21~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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Lotusweiher im Kunsthaus Hamburg

„Was in China passiert? Nichts.“

Im Hamburger Kunsthaus verweigerte sich die chinesische Generalkonsulin kritischen Fragen
Hamburg. „Was passiert jetzt in China? Nichts passiert. Chinesische Künstler genießen die große Freiheit.“

http://www.abendblatt.de/kultur-live/article1853186/Was-in-China-passiert-Nichts.html

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Luc Tuymans über Ai Weiwei

Der chinesische Staat ist nervös

Er hat gemeinsam mit Ai Weiwei eine Schau in Peking organisiert – allen Widrigkeiten zum Trotz. Jetzt spricht der belgische Maler Luc Tuymans über die Kraft des Individuums in einem uniformen Staat. 13. April 2011
[..] Als ich das erste Mal in China ankam, war die Ernüchterung groß. Dort ist nichts exotisch. Denn es ist nichts, wie es scheint. Die Menschen werden dominiert von Macht und einer zentralisierten Korruption, der Rest ist Elend. Unter den Reichen zählt nur der Status, die Quantität und das Geld, nicht die Inhalte. Die Mächtigen sind nur an Repräsentationsausstellungen interessiert. Die Uniformität der Intelligenz ist erschreckend [..]
http://www.faz.net/s/RubEBED639C476B407798B1CE808F1F6632/Doc~E36158826BD094F4EB374A6B2AF7B6584~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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„Weltfremd und unglaubwürdig“

Meinhard von Gerkan, Architekt des größten Museums der Welt, über die Kritik an seinen Prestigebauten für das Pekinger Regime und die Verhaftung des Künstlers Ai Weiwei | Redakteure: Susanne Beyer, Martin Doerry und Nora Reinhardt 11.04.2011
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,756259,00.html.

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Debatte um China : Herta Müller: „Diktaturen lernen nur durch Druck“

Essen. Literaturnobelpreis-Trägerin Herta Müller findet harsche Worte zur „Kunst der Aufklärung“ in China. Nach der Festnahme des Konzeptkünstlers Ai Weiwei kritisiert sie die deutsche „Anbiederung“ an das Regime. Kultur, 10.04.2011
http://www.derwesten.de/kultur/Herta-Mueller-Diktaturen-lernen-nur-durch-Druck-id4527600.html

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Gesicht gewinnen

Der Dialog mit China muss auf Augenhöhe geführt werden, nicht mit Kotau / Von André Schmitz 15.04.2011 17:09

http://www.tagesspiegel.de/kultur/gesicht-gewinnen/4067598.html

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memo: China Wochen in Hamburg »Abschied von der Ideologie« Kampnagel 1995, Kurator Li Xianting (Peking) Konzept: Shan Fan, Begrüßung: Senatsdirektor Volker Plagemann, Einführung + Ktlg-Text: Gunnar F Gerlach  Bild „Ein-Kind-Familie“: Zhang Xiaogang. Filmdoku/Fotos: Jörg Stange

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Bagger und Bonzen

Was für Künstler in China möglich ist

Wie leben Künstler in Peking? Wolfram Wickert ist Deutscher, Maler und wurde 1941 in Schanghai geboren. Für den Tagesspiegel gibt der Künstler seine Eindrücke aus China wieder.

http://www.tagesspiegel.de/kultur/was-fuer-kuenstler-in-china-moeglich-ist/4067594.html

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Künstlerhaus Frise  „Vom Ursprung der Welten“ Prof. KP Brehmer, Filmtagebücher, Gastprofessur in China [::]


memo

Konfuzianische Werte im 21. Jh.?

Alte und neue Harmonie – eine Spurensuche zwischen Ost und West

Vernissage zum „Deutsch-Chinesischen Kunstworkshop“, veranstaltet vom Konfuzius-Institut an der Universität Hamburg 21.05.2010

Einführung:
Dr. Carsten Krause, Geschäftsführender Direktor des Konfuzius-Instituts an der Universität Hamburg Prof. Gunnar F. Gerlach, Dozent für Kunstwissenschaften und philosophische Ästhetik, Gastprofessur(en) u.a. an der Kunstakademie Hangzhou, Kurator und Autor, Hamburg Prof. Dr. h.c. Shan Fan, freischaffender Künstler und Geschäftsführer der Design Factory International… (College of Communication Arts and Interactive Media), Hamburg

Ganz im Zeichen seines vor anderthalb Jahren ins Leben gerufenen DEUTSCH-CHINESISCHEN DIALOGs lud das Hamburger Konfuzius-Institut Ende 2009 deutsche und chinesische Studierende und Kulturschaffende aus dem Bereich Kunst und Design zu einem gemeinsamen Workshop ein. Unter der kunsttheoretischen und künstlerischen Leitung der Professoren Gerlach und Shan entwickelten neun Studierende aus Deutschland und China kreative und kritische Ansätze in der Auseinandersetzung mit dem kontroversen Thema „Konfuzianische Werte im 21. Jh.? Alte und neue Harmonie“.
Links
http://www.chinaboard.de/viewtopic.php?t=15600&w=8

Mehr Infos unter
http://venyoo.de/s248006-konfuzianische-werte-im-21-jh-alte-und-neue-harmonie-eine-spurensuche-zwischen-ost-und-west

http://www.konfuzius-institut-hamburg.de/index.php?29&tx_mjseventpro_pi1[showUid]=165

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Gunnar F. Gerlach | Vortrag im Konfuziusinstitut 21.05.2010

Auf der Suche nach „Harmonie“ – gedankliche und bildkünstlerische Versuche eines Brückenbaus: mit konfuzianischen Werten zur aktuellen Gegenwart in der VR China und Deutschland?

„Kaum jemand liebt die Tugend mehr als die Schönheit.(…)“ Konfuzius
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„Wie aber eine Schönheit sein kann, und wie eine Menschheit möglich ist, kann uns weder Vernunft noch Erfahrung lehren.(…)“ Friedrich Schiller
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„Warum, schrieben sie in ihren Büchern, ist die Maschine so schön, warum ist sie das Schönste und dem Auge Wohlgefälligste, was man heute sehen kann? Weil sie durch und durch nützlich ist. Weil an ihr kein einziges Teilchen ist, das keinen Zweck hätte. Weil sie die verkörperte Harmonie ist (….)“ Bertolt Brecht (Me-ti)

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Gegenwärtige, zu oft einseitig von verführtem, ökonomischem Bewußtsein getragene, Entwicklungen in Zeiten einer auch mißverstandenen Globalisierung, zeigen die Notwenidigkeit einer Fragestellung: in welchen Maßverhältnissen und Proportionen stellen wir uns heute die Relationalität von Mensch und Geselllschaft vor? Ist das Individuum oder die Gemeinschaft (Staat) als Subjekt oder Objekt zu fassen, und wie ist das Verhältnis bei beidem von Innen(leben) und Außen(wirkung). Diese alten Fragen sind aktueller denn je in Zeiten auch weltumspannender „Irrungen und Wirrungen“. Gerade der hohe Grad des Respektverhältnisses zwischen der VR China und Deutschland lassen hier ein Forschungs- und Experimentierfeld aufscheinen: in beiden Traditionen und Kulturen sind die philosophischen Fragen der Ethik  von Einzelmensch und sozialer Gemeinschaft verknüpft worden mit Reflexionen zur Ästhetik. Begrifflichkeiten der Proportions- und Perspektivlehren versuchen Maß, Zahl, Gleichgewicht und Mitte in idealistischer, naturalistischer, realistischer oder abstrakter Hinsicht zu erfassen. Integriert werden dabei Erkenntnisse der Naturwissenschaften (u.a. Physik, Biologie, Neuro-Wissenschaften) deren spezifische Begrifflichkeiten auch Instrumente aufklärerischen und dialektischen Denkens sind: Symmetrie, Gleichgewicht, Übereinstimmung  der Teile und des Ganzen in relationaler und dialektischer Verschränkung verweisen auf den Terminus der „Harmonie“ und den Bedingungen seiner Erscheinungs-Möglichkeit. Harmonie wiederum ist ein zentrales Thema philosophischer, religiöser, künstlerischer und politischer Reflexionen, die im Kontext einer Suche nach dem „Schönen“ und seinen Gesetzmäßigkeiten (auch seinen vermeintlichen Gegenbildern, dem „Häßlichen“ und „Grotesken“) die universalen und universellen Phänomene in Zahl- und Maßverhältnissen auszudrücken trachten. Makro- und Mikro-Kosmos, Ganzes und seine Teile, Aussen und Innen sollen sich wechselseitig befruchtend ergänzen zu einer Einheit –  In der chinesischen, philosophischen Tradition erscheint hier die stetig bis in die Gegenwart wiederkehrende Gestalt des Konfuzius (ca. 551 v.u.Z.)   in den Diskursen und Diskussionen in Ost und West. Aber auch die europäische und speziell deutsche, philosophische und ästhetische Debatte kennt hier bedeutende Namen: Heraklit, Sokrates, Platon, Aristoteles bis hin zu Baumgarten, Kant, Schiller, Goethe, Hegel, Marx, Bloch, Horkheimer und Adorno – um nur einige zu nennen.

Die von uns (Dr. Cartsen Krause, Prof. Shan Fan, Prof. Gunnar F. Gerlach) mit zehn kunsttalentierten Teilnehmern aus verschieden gesellschaftlichen Bereichen (vom Kunststudium bis zu ausgebildeten Designern: s. Kurz-Biografien im Anhang) in dem deutsch-chinesischen-Kunstworkshop im Rahmen des Konfuzius- Institutes an der Universität Hamburg mit Vorträgen und praktischen Anleitungen erörterten Fragen und Probleme zwischen Kunst, Politik und Philosophie stellte aktuelle Fragen nach der Möglichkeit „alter und neuer Harmonie für das 21. Jahrhundert“ aus der kritischen Reflektion eines von Konfuzius geprägten „Harmonie“-Begriffes und seinen Transformations-Möglichkeiten.

Kleine Geschichte des Harmonie-Begriffes zwischen Ethik und Ästhetik, Ost und West

Etymoligisch erscheint  „Harmonie“ als „Übereinstimmung, Wohlklang“ und ist in Europa im 16. Jahrhundert entlehnt aus „harmonia“ (griechisch: Fügung, von Zusammenfügen; aus ‚harmos‘: Fuge, Gelenk). Übereinstimmung, Einklang, Eintracht und Ebenmaß verbanden den Begriff  bereits seit den antiken Pythagoräern , bezogen auf die Symmetrie und die Einheit der Proportionen von Maß und Wert bestimmte den Schönheits-Begriff. Verbunden mit der Frage nach der ‚richtigen‘ Lebensführung ist die Harmonie in der chinesischen Tradition auch eine Frage nach der Relation von Innen und Außen und einer anzustrebenden Mitte zwischen den Extremen: Lunyu XIII.23: „Und der Meister sprach: Der edle Mensch strebt nach Harmonie“.

Der Zusammenhang zwischen kosmischen Zahlen- und Maßverhältnissen auf eine (für Menschen unhörbare) Sphärenmusik beeinflußte nicht nur den Instrumentenbau und die Vorstellungenen eines Wohlklanges in der Musik. Bereits Heraklit betrachtete die ethisch und ästhetisch anzustrebende Harmonie als ‚dialektische‘ Einheit der Gegensätze: „Das Widerstrebende vereinige sich, aus den entgegengesetzten (Tönen) entstehe die schönste Harmonie, und alles Geschehen auf dem Weg des Streites.“ Da läßt sich nicht nur Mozarts Kunst- und Musikbegriff vorausahnen,sondern auch Hegels philosophische Gedanken zur Notwendigkeit des Widerspruchs in allem Lebendigen verstehen:„Nur insofern etwas in sich selbst einen Widerspruch hat, bewegt es sich, hat Trieb und Tätigkeit.“(Logik II/1 (IV, 68)). Es handelt sich also darum, Harmonie und Schönheit im Realen, das auch ein widersprüchliches ist zu erforschen. Der Harmonie-Begriff ist somit Instrument und heuristisches Prinzip: in der Vielfalt von objektiven Merkmalen und Beziehungen Strukturgesetze zu suchen – Symmetrie, Asymmetrie, Ganzheit, Struktur und System und ihre Widersprüche!

Entsprechend Finden sich bei Konfuzius bereits die Schwerpunkte der philosophischen Diskurse und Probleme in seiner „Lehre von Maß und Mitte“ (Chung Yung) formuliert und spezifiziert: Ethik, Soziologie, Politik, Pädagogik und Ästhetik (bei ihm: Poesie und Musik) werden befragt auf ihre Wirksamkeit für die zwischenmenschlichen Beziehungen und gegen die „Unmenschlichkeit“ der Nicht-Tugenhaften. Abhängig ist seine Begrifflichkeit jedoch von einem hierarchischen Ordnungsbegriff und einem perfekten System der Anpassung und Unterordnung im Kontext einer „Verewigung“ der Macht, die bis in die Gegenwart auch seine Kritiker findet. Mit den Worten von Simone de Beauvoir: „Konfuzius hat nie daran gedacht, das hierarchische Gefüge der Gesellschaft, in der er aufwuchs, zu ändern. Die große Neuerung, die er einführte – nämlich den Tugendbegriff -, gehörte in den Bereich der individuellen Ethik.“ (aus: „Konfuzianische Ideologie“)

Bertolt Brecht, der selber immer „chinesischer“ wurde (u.a. als „Me-ti“, „Der Tui-Roman“ und die späten Gedichte) hatte bereits davor gewarnt, Karl Marx zu einem Konfuzius zu erniedrigen: „Diese Selbstausbildung ist mit vielem vereinbar, was wir nicht als Tugend loben dürfen, wollen auch wir Musterknaben sein.“ (aus: „Konfutse“)

Konstruktiv bis heute bleiben jedoch jene Überlegungen, die Konfuzius mit Platon gedanklich verbinden lassen: die Forderung nach einer Klarheit der Begriffe und Anschauungen von Worten und Taten im Gleichgewicht. Und gerade jene Suche nach Balance in einer Werte verwirrten Zeit angesichts von Neo-Liberalismus und ökonomischen Totalitarismus innerhalb der Tigerkapitalistischen Zwangs-Globalisierung,scheinen Perspektiven und Auswege aufzuzeigen. Darin stimmt Konfuzius mit Platon überein, darüberhinaus mit Christus, die immer wieder das Umdenken und mit menschlichem Maß Verändernde forderten: Umkehr und Einkehr. Vor jeder Änderung der Gesellschaft muß der Einzelne – nach  Konfuzius- sein Herz ins Lot setzen.

Dieses Herz als Ausdruck des sinnlichen Triebes bedarf aber auch einer verstandesmäßigen Regulierung, wie es nach Friedrich Schillers „Ästehtetische(r) Erziehung des Menschen“ im Spiel sich zwischen Ethik und Ästhetik entwickelt und entfaltet: „Der sinnliche Trieb will, daß Veränderung sei, daß die Zeit einen Inhalt habe; der Formtrieb will, daß die Zeit aufgehoben, daß keine Veränderung sei. Derjenige Trieb also, in welchem beide verbunden wirken (…), der Spieltrieb also würde dahin gerichtet sein, die Zeit in der Zeit aufzuheben, Werden mit absolutem Sein, Veränderung mit Identität zu vereinbaren“. Erinnert dies nicht auf wunderbare Weise an die Forderung des Konfuzius die ‚Wurzel oder Grundlage der Dinge zu erkennen‘ ? „Lernen ohne Denken ist nutzlos, Denken ohne Lernen aber gefährlich“, sprach der Meister – ein Brückenschlag auch für die Gegenwart des Verständnisses und Handelns zwischen Ethik und Ästhetik, Philosophie und Politik, Ost und West, der VR China und Deutschland.

Die im Workshop entstandenen künstelrischen Arbeiten in Ausstellung und Katalog

Die von den Teilnehmern aus China (vier) und Deutschland (sechs) erarbeiteten Bildwerke und installativen Ideen  haben eine Vielzahl der zuvor angeführten Ideen visuelle Realität werden lassen: Widerspruch und Einklang, Übereinstimmungen und Gegensätze zwischen östlichen und westlichen Denk- und Bild-Konzepten, Probleme und Möglichkeiten einer Suche nach „Harmonie“ (Symmetrie, Gleichgewicht)  und Disharmonie zwischen Innen und Außen.

Heike S. Bühler konfrontiert uns mit einem perfomativ gedachten Design zwischen westlicher, auch esoterisch gedachter Religiösität und östlicher Philosophie als Heilsweg: ihre Oblaten (oder Hostien) stimmen ein, auf einen Weg der geistigen Klärung – einem Weg von Innen nach Außen in Analogie zum konfuzianischen Bewußtsein einer Einheit von „Bildung und Charakter im Gleichgewicht“. Bei Evelyn entsteht duch das sich mantra-artige Wiederholen des deutsch kalligraphierten Wortes „Harmonie“ mit Tusche auf chinesischem Reispapier ein „kleines Wunder der Verwandlung“ : aus den destruierten Tusche-Bahnen konstruiert und collagiert sie ein neues Bild. Aus Schrift wird Zeichen, aus Zeichen Zeichnung und Bild: die in Siebdruck übersetzte Handlung wird zu einer Landschaft im Sinne der alten chinesischen Ästhetik der Berg-Ansichten. Diese Landschaft wird Raum für Möglichkeiten einer auch ästhetischen Transfomation.

Im Stil der klassischen, chinesischen Bambus-Malerei (wie sie unserer Tage u.a. auf abstrakt-moderne Weise in Shan Fans „Malerei des Augenblicks  – Malerei der Langsamkeit“: vgl. Katalog u. Vortrag G.F. Gerlach, Sammlung Sigg, 19. Vovember 2009) zeigt uns die Sanftheit und Sanftmut beim Umgang mit der Natur: taostisch „Leere als große Fülle“ zu denken.
Ganz gegenteilig konfrontiert uns Julia mit ihren Farbfeldern, die bewußt keiner vorgegebenen Farblehre in Komplementärkontrasten folgt, sondern die geistige und sinnliche Abstraktionsfähigkeit der technologisch geprägten Gegenwarts-Menschen thematisiert: Signalreize der Extreme (Farbwerte) die in ihrer Vielfalt und in der Zusammenschau eine Möglichkeit von „Harmonie“ und „Gleichgewicht“ ergeben können – und deren Lesart – von oben nach unten, links nach rechts oder umgekehrt – frei ist.
Originale, chinesische Zitate zum Harmonie-Begriff vom Staatspräsidenten der VR China, Hu Jintao, zur „harmonischen chinesischen Gesellschaft“ werden vom zeichenhaften der chinesischen Begriffe in europäische Notenschrift überführt und können so als Vorlage für ein surrealistisch-fluxistisches (Musik-) Spiel mit paralleler Performance werden. Harmonie kann hier in Widerspruch und Streit entstehen und die Zeichen(systeme) sind im Fluß. Auch Mai Ning orientiert sich in seinen gemalten Landschaftbildern an einem Versuch der Synthese zwischen  einer expressiven, europäisch geprägten Landschaftmalerei mit dunkler Farbpalette und dem empathischen erobern der Bildfläche im Geiste der traditionellen chinesischen Landschaftmalerei als Ausdruck einer inneren Haltung zu Natur und Geist: ein Akt der Emanzipation als Bekenntnis zur eigenen Subjektivität, die auch das chaotische visuell zu integrieren trachtet.
Die digital-fotografischen Bildbearbeitungen von Stadtstrukturen aus der militär-strategisch gern genutzten „Vogel-Perspektive“, dem auch klassisch-hierarischen und unterdrückenden „Blick von oben“, von Liang Xu suggerieren eine Analogie zwischen erster und zweiter Natur (Kultur?): der strukturale Großraum Stadt wird zum Körper mit Herz, Hirn, Lunge (Grünflächen) und Blutbahnen (Straßenverläufen) in denen Schöpfung und (Geschlechts-) Verkehr sich ereignen: Spermien und Ovarien liefern den strukturierenden Rhythmus der industriellen und digitalen Schöpfung der Gegenwart im Gemeinwesen..
Die darin bedrohlich zu erlebende Einsamkeit in der Menge und Masse – auch ein wesentliches Kriterium zur Bestimmung des „modernen“ Künstlers seit den industrialisierten Massengesellschaften im 19. Jahrhundert bei Charles Baudelaire  – thematisert Juan JuanYi in iher Malerei: Schwarz und Weiss – auch als Denk- und Sehbild – werden zwischen chinesischer Zen-Malerei und europäischem Tachismus synthetisiert und ergeben eine Kunst und einen Kunstbegriff, der Einfühlung und Abstraktion über vertikale und horizontale, malerische Gesten in einen neuen Zusammenhang und Zusammenklang setzt.
Und eben dies scheinbar Unmögliche der Einheit der auch klischeehaften Gegensätze zwischen östlichem und westlichem Denken und ästhetischem Handeln in Zeichen, Symbol und Zeichnung, gelingt Gesa Köhn in ihrem Triptychon: dekonstruktiv wird aus zerrissenen, klischierten und vorurteils beladenen Super-Zeichen Deutschlands (Deutsche Eiche in gotischer Fraktur typografisch gemalt) und Chinas (dem chinesischen Bambus als Ewigkeitszeichen zwischen Naturschönheit und ökonomischer Nutzbarkeit) eine neue, auch sinnliche Realität geschöpft und als Möglichkeit zur Disposition gestellt.

Wenn im Sinne dieses deutsch-chinesischen Kunstworkshops Ereignisse und Ergebnisse die Gegenwart und Zukunft bestimmen könnten, wäre mehr erreicht als Völkerverständigung: es wäre ein konstruktiver Weg, mit demütiger Bescheidenheit die jeweilige Kultur des anderen aufzunehmen, eine Ein- und Umkehr zu vollziehen, um mit diesem Anlauf einen großen Sprung nach vorne zu vollziehen. Mit den aktuell zu nutzenden Worten von Meister Konfuzius:
„Nicht das soll einen bekümmern, daß man kein Amt hat, sondern das muß einen bekümmern, daß man dafür tauglich werde. Nicht das soll einen bekümmern, daß man nicht bekannt ist, sondern danach muß man trachten, daß man würdig werde, bekannt zu werden.“

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Monty-Python-Sketch „Fußballspiel der Philosophen“

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Weitere Beiträge:

Künstler fordern die Freilassung des chinesischen Künstlers Ai Weiwei + Kollegen = Wandzeitung 11-4-11

https://medienwatch.wordpress.com/ver-di-fordert-die-freilassung-des-chinesischen-kunstler-ai-weiwei/

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Ai Weiwei: Die bestdokumentierte Wunde der Kunstgeschichte

https://medienwatch.wordpress.com/2009/10/14/ai-weiwei-die-bestdokumentierte-wunde-der-kunstgeschichte/

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Taolette° = Kampnagel 1995 (Wortschöpfung von Anna Popova)

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medienwatch.wordpress.com | http://www.meta-info.de | stange.metasynapse.de

Foto: Jörg Stange, Gunnar F. Gerlach Gesellschaft für operative Kunst GfoK [Society of operative Arts]

 

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Written by medienwatch & metainfo

April 13, 2011 um 09:31

2 Antworten

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