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U-N-I = Die Zeit observieren oder absorbieren!?

with one comment

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Die Zeit observieren oder absorbieren!?

Von Armin Digging

In meiner Verzweiflung über Titel und dazugehörige Ausstellung dieser Ankündigung schreiben zu wollen und durch diese Verzweiflung, wen wundert’s verschreiben zu müssen, nehme ich mir die Freiheit das Verschreiben wörtlich zu nehmen. Einer Ausstellung die den Titel „ You Can Absorb A Lot By Watching“ trägt und zu ihrem Titel gewiss eine kontextuelle Beziehung pflegt, möchte ich durch ihn, den Titel, näher rücken und verschieben, bis es mir gelingt durch dieses Ver-Schreiben und Ver-Schieben, die Gebrochenheit des Erwarteten zu Um-Schreiben, aus Angst es könnte verschwunden sein, kommt man dem ES beim Be- zu nahe.
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Für meine Zwecke fiktioniere ich erst mal einen Begriffsraum. Dazu nehme ich logischerweise nur die Begriffe und lasse sinnige Übersetzungen und Interpretationen erst mal weg. So können wir, wenn sie mir folgen möchten, mit „You“ eine Fiktion des sozialen Raumes projizieren.
In diesem verankern wir das Können als Kompetenz des Einzelnen im Gemeinen und das gemeine Können als Summe der Einzelnen im Wesen von: WAS!?
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“… A Lot By …” – lässt auf eine Menge schließen und diese vermehrt sich sich beim beobachten und observieren. Diese Menge entsteht beim observieren, geht (“… By …”)  bei/in ihm auf – wird absorbiert. Es entsteht also eine Menge und sie verschwindet wieder.
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Im Begriff “Watching” gibt es diese Resonanz von Bedeutung zum Kontext und reziprok von Kontext zur Bedeutung in einer bildlichen und metaphorischen Weise. Das englische Wort für Uhr „Watch“ schreibt dem Messinstrument von Zeit nicht nur das Beobachten als Eigenschaft von Jemandem der mit diesem die Zeit misst und beobachtet zu, sondern zeigt auch stündlich, minütlich und sekündlich mit dem Zeiger, dass Zeit selbst Beobachtung ist und die Mechanik nur Mittel zum Zweck ist. Das Mittel um ES zu messen. Was nun die Zeit oder die Beobachtung?
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Durch die Zeit wird Beobachtung absorbiert und umgekehrt absorbiert seinerseits die Beobachtung die Zeit. So vergeht die Zeit beim Beobachten und mit der Zeit verschwindet auch der Beobachter.
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In einer Figur erscheint mir diese doppelte Identität ganz und gar aufzugehen und unerwartet kohärent zu sein. Nicht wie sie vielleicht voreilig glauben das Teilchen- und Welleproblem in der Physik. Sicherlich auch keine schlechte Metapher. Gerade in der Physik ist es eine ganz banale Erkenntnis und keine Verwunderung, wenn sich Beobachtung und Phänomen nur schwer tatsächlich und kausal trennen lassen.
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In Styria und in dem Ort wo ich aufgewachsen bin, gibt es weiße Schimmel. Eine weiße Pferderasse, namentlich die Lipizzaner, werden da in einem ehemaligen K.u.K.-Gestüt auch heute noch für die Wiener Hofreitschule gezüchtet. Diese zu- und abgerichteten weißen Schimmel sind die Verkörperung der Uhr, die Überwindung des körperlichen Mangels. Der aufgeführte Tanz der weißen Schimmel in der Wiener Hofreitschule vor staunenden Touristen läuft wie ein Uhrwerk perfekt ab. Niemand würde sich an diesem Vergleich stören. Zum Zeitvertreib sieht man dem weißen Schimmel, dem Uhrwerk, zu und sieht förmlich wie die Zeit vergeht. Wie man sie beim Beobachten absorbiert.
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Der weiße Schimmel, der Lipizzaner, hat auch einen Gegenpart. Es gibt auch sein Gegenteil.
Der Lipizzaner repräsentiert also das Uhrwerk, die Mechanik, die Messung, die Beobachtung.
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Das Gegenteil, ebenfalls ein Schimmel, kommt in dem Einhorn, dem Fabelwesen zur Geltung.
Es ist, wenn es sich zeigt, schon verschwunden – wie die Zeit und nicht zu fassen, auch wenn wir verzweifelt versuchen sie zu fangen. Und – weder das Einhorn, noch die Zeit wurden tatsächlich je gesehen. Beide sind schon vor dem gesehen werden durch das Beobachten verschwunden.
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Ohne Zweifel absorbiert man die Zeit beim Beobachten oder den Beobachter mit der Zeit. Dazwischen taucht was auf? Ein kurzes Vergnügen: Eine zwischen Lipizzaner und Einhorn eingespannte Ausstellung, die sich keine Zeit lässt mit Schimmeln.
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4. Dezember – 24. Dezember 2009

“You Can Absorb A Lot By Watching”

Mauli Aberpenk, Hélène Concorde, Le Toy Devot, Rieter Doth, Mason Freeways, Schorsch Kracht, Max Neumann, Schwanz Schwalbers, Simon, Weissli und Fisch, Willi Zweifalt
Eine Ausstellung von Willi Zweifalt

Eröffnung: Freitag 4. Dezember 2009 um 19:00 Uhr
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Armin Digging ist zur Zeit Vorsitzender im Aufsichtsrat der Kunsthalle Black Hole in Liverpool.
Er legt großen Wert darauf nur mit „Digg“ angesprochen zu werden und stammt aus einem Provinznest in Styria, wohin er niemals zurückkehren möchte, aller höchstens verschimmelt.

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Ort:
20535 Hamburg

Strasse:
Carl-Petersen-Str. 33

Kontakt:
r.kollegger[at]u-n-i.de
http://www.u-n-i.de

Written by medienwatch & metainfo

Dezember 5, 2009 um 19:10

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