medienwatch & metainfo (gfok)

Medienrecherche: Politik | Wissenschaft | Kunstprojekte

» Schreibtischtäter « Mappenwerk im Bleimantel

with 4 comments

scheibtischtaeter-mappenwerk-richheimer-stange-4001.

»Schreibtischtäter« 1989/92 = Erinnerung an Karl-Heinz Richheimer 1920-1993 Text von Karl-Heinz Richheimer für das Mappenwerk im Bleimantel  (Jörg Stange) Streiflichter aus dem Hamburger Widerstand VVN: Friedemann-Richheimer-Kreis: Hamburger Zweig der Weisse Rose


Die nachfolgenden Beiträge trugen dazu bei, dass Leben und Wirken des Malers und Schriftstellers Karl-Heinz Richheimer, während des NS-Regimes, in konkrete Beziehung zu setzen…

Die Spinne

Sehenswert: Wie Adenauers Kanzleramtschef Hans Maria Globke* aus dem Schatten der Lichtgestalt trotz brauner Vergangenheit ins Zentrum der Macht kam, zeigt Arte in einem Portrait. Es gab viele Mitläufer der Nazis, die es nach dem Zusammenbruch der NS-Diktatur in Deutschland verstanden, sich bestens mit den neuen Verhältnissen in der Nachkriegszeit zu arrangieren. Nur ganz wenigen aber gelang so ein nahtloser Übergang wie dem Ministerialbeamten Hans Maria Globke: Einstmals einer der Kommentatoren von Hitlers Rassegesetzen, stieg Globke nach dem Krieg zum Staatssekretär im Kanzleramt auf, wo er jahrelang als rechte Hand von Konrad Adenauer wirkte. Von Ch. Kohl

Der Mann hinter Adenauer

(Deutschland, 2008, 52mn)

WDR

Regie: Bernhard Pfeltschinger, Jürgen Bevers

(…) 1949 wird in der neu gegründeten Bundesrepublik Deutschland der erfahrene Jurist Dr. Hans Maria Globke* ins Bundeskanzleramt berufen. Wegen seiner Vergangenheit im Reichsinnenministerium wagt es Kanzler Adenauer noch nicht, ihn zum Staatssekretär zu ernennen, aber der verschwiegene, effizient arbeitende rheinische Katholik wird auf Anhieb Adenauers Vertrauter und zum im Verborgenen agierenden Schattenmann.

Globke verfügt über den „Reptilienfonds“, mit dem er die erwünschte innen- und außenpolitische Stabilität auch durch Geldzahlungen sichert. Und er spielt zunehmend in der neuen Regierungspartei CDU die entscheidende Rolle. Der bestinformierte Mann in Bonn beeinflusst als engster Berater Adenauers die Richtlinien der Politik. Globke ist sicher das prominenteste Beispiel für die bruchlose Kontinuität von Karrieren im Staatsdienst vor und nach 1945.

http://www.arte.tv/de/woche/244,broadcastingNum=928130,day=5,week=41,year=2008.html

Staatssekretär Hans Josef Maria Globke° =http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Globke
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
.
.

TAZ-Bericht Mechthild Bausch
vom 21.08.1992 | Karl-Heinz Richheimer, Maler und Schriftsteller


„All die Erschlagenen, wer lebt für die?“

Der Hamburger Künstler Heinz Richheimer hat die Internierung in zwei KZs überlebt.  Über seine Erinnerungen, sein Leben, über Schuldgefühle und Bewältigung sprach er mit taz-Redakteurin Mechthild Bausch. Vorbei an Wiesen und Feldern, Kühen, sogar ein Pferd, das am Ufer eines kleinen Flusses steht und den Kopf ins Wasser hängt. Es ist heiß, das Fenster ganz heruntergelassen. Auch Heinz Richheimer muß gerade diesen Weg gekommen sein, über die Autobahn Richtung Geesthacht, Ausfahrt Curslack, es ist ja ausgeschildert: Gedenkstätte Neuengamme fünf Kilometer, durch das Dorf und über den Deich, wo eine Straße, die links abgeht, „Zwischen den Zäunen“ heißt.

Er steigt aus dem Auto, vom Beifahrersitz, und geht um den Wagen herum. Freundlich sieht er aus, bedächtig, fast ein bißchen abwesend, jedenfalls nicht sehr aufgeregt. Er spricht nicht laut, er kann nur flüstern, eine Verhärtung der Stimmbänder sei der Grund, sagt er. Wir gehen hinüber zu dem großen schwarzen Würfel, dem Dokumentenhaus des ehemaligen Konzentrationslagers, das auf dem kurzgeschorenen Rasen steht. Er schaut gar nicht um sich, blickt auf den Boden oder sucht mit den Augen nach seinen Begleitern. Ob irgend etwas so ist wie in seiner Erinnerung? „Nein“, sagt er, und das Rauschen der vielen Bäume ist fast so laut wie das rauhe Flüstern. „Aber das ist ja auch ein halbes Jahrhundert her.“ Was er damals bei seiner Ankunft im Lager wahrgenommen habe? „Ich erinnere mich an einen Wagen mit Gummirädern, der von Menschen statt von Tieren gezogen wurde.“

Sonderbefehl RU: „Rückkehr unerwünscht“

„6. Juni“ steht am Ende ganz zuoberst auf meinem Notizblock, die Scheu läßt einen wohl zunächst nach Daten greifen. Wegen Bombenangriffen auf die Innenstadt wurden die Häftlinge des Gefängnisses Fuhlsbüttel im Juni 1944 nach Neuengamme gebracht, darunter auch der „Polizeihäftling“ Heinz Richheimer, damals 24 Jahre alt. Im gleichen Transport waren seine Freunde Max Kristeller, Felix Jud und Jürgen Friedemann, mit denen er 1942 eine Widerstandsgruppe in Hamburg gegründet hatte, die Flugblätter verteilte, Verfolgte des Nazi-Regimes versteckte und Kontakte ins „feindliche Ausland“ unterhielt.

Direkte Verbindung bestand auch zu den UKE-Ärzten Heinz Lord, John Gluck und dem Studenten Frederik Geussenhainer, die ihrerseits Kontakt zur Weißen Rose in München hielten. Auch sie waren in dem Transport
vom Gefängnis Fuhlsbüttel ins KZ Neuengamme.

Für Heinz Richheimer und Jürgen Friedemann war Neuengamme nur eine Durchgangsstation auf dem Weg ins österreichische KZ Mauthausen, wohin sie schon wenige Wochen später mit „Sonderbefehl RU“ – „Rückkehr unerwünscht“ – deportiert wurden. Auch John Gluck, Max Kristeller und Frederick Geussenhainer kamen später dorthin. Von allen hier Genannten erlebte Geussenhainer die Befreiung nicht mehr.

Heinz Richheimer war nach den „Nürnberger Rassegesetzen“ ein „Halbjude“. Sein Vater, ein aus Heidelberg stammender Kaufmann jüdischer Herkunft, überlebte Nazizeit und Krieg, indem er sich mit Frau und Familie in einer Hamburger Wohnung versteckte. In Fuhlsbüttel gab es einen Aufseher namens „der Lange Paul“, erinnert Heinz Richheimer sich. „Und ich war so wahnsinnig blond und sah so arisch aus, und der Lange Paul fragte mich, wie ich als deutscher Mann überhaupt dahin käme.“ Beim Transport nach Neuengamme habe ihn der Lange Paul in die Bauchdecke getreten, und, als er ihn dann wiedererkannte, sich „quasi noch entschuldigt“.

Ein Weg führt über den grünbewachsenen Boden hinüber zu dem rekonstruierten „Plattenhaus“, eine Art behelfsmäßiges Einfamilien-Musterhaus, das KZ-Häftlinge nahe des Grabens, der das Gelände von der Zufahrtsstraße trennte, aufbauen mußten. Im Plattenhaus, in dem heute ein Büro ist, treffen sich Heinz Richheimer, sein Freund Jörg Stange und Detlev Garbe, Leiter der Gedenkstätte, zu einem ersten Gespräch: Die Mitarbeiter der Gedenkstätte erstellen eine Dokumentation über das Leben ehemaliger KZ-Häftlinge. Das Projekt umfaßt bereits Gesprächsprotokolle mit über 100 ehemaligen Gefangenen aus ganz Europa.

„Sagen Sie, ich war Block 17, wo war das denn?“, fragt Heinz Richheimer und erfährt, daß die Holzbaracken des damaligen „Quarantänelagers“, in dem die Polizeihäftlinge isoliert wurden, nach dem Krieg abgerissen worden sind. Auch an die Ziegelbrennerei erinnert Richheimer sich noch und erkundigt sich, ob es die noch gibt. Sie steht noch, und er ist vor zehn Minuten daran vorbeigegangen.

Heinz Richheimer fragt nach einer Scheibe Brot. Eine Scheibe Brot gibt es hier nicht, dafür aber Kekse. Er erzählt dann, wie er im KZ Mauthausen Auftragsporträts zeichnete und dadurch „Vorzugsposten“ bekam. Irgendwann habe „Hamburg rückgefragt, ob wir etwa noch leben“. Dann habe man ihn gefoltert. „Ich hatte ein neues Deutschlandlied geschrieben“, sagt er und stimmt unvermittelt und mit heiserer Stimme eine Strophe an: „Sie sollen die Ketten tragen. Wir wollen die Freien sein“. Er habe das Lied gesungen, und, als die Folterer, erst völlig erstaunt, weiter mit dem Ochsenziemer auf ihn eingeschlagen hätten, wieder von vorne angefangen. „Ich kam da raus und habe nur gelacht“, sagt er, „ich habe keine Schmerzen gespürt, obwohl mein Rücken blutig geschlagen war.“

„Wer das KZ überlebt hat, fühlt sich oft schuldig“

Da hatte es sich auch schon herumgesprochen, das mit seinem Deutschlandlied, er sei eine Art Held gewesen. Nach ihm war ein Zeuge Jehovas dran. „Wie hießen die noch damals?“, fragt er in die Runde. „Bibelforscher“. Und als entfessele dieses Wort einen Sturm der Erinnerungen, bricht er plötzlich in ein irres Lachen aus, das eigentlich kein Lachen, sondern ein Schmerz ist. „Bibelforscher“, wiederholt er. „Den haben sie mit Hunden zu Tode gehetzt.“

„Wissen Sie“, sagt er, und das ist bei unserer zweiten Begegnung, die eine Woche später in seiner Wohnung in Alsterdorf stattfindet, „es ist oft so, daß Menschen, die das KZ überlebt haben, große Schuldgefühle haben, weil sie glauben, die anderen, die Toten, sind für sie gestorben. Auch ich habe jahrzehntelang Alpträume gehabt, daß einer von ihnen vor meinem Bett steht und mich anklagt. Am besten kommt man darüber hinweg, wenn man in einer quasi adäquaten Situation etwas für jemand anderen tut.“ Und so habe er über 20 Jahre lang seine Frau gepflegt, die an Multipler Sklerose litt.

Von der Terrasse des Wohnzimmers geht der Blick ins Grüne, ein Kanal, Büsche, Bäume, dahinter versteckt Reihenhäuser. Von weitem ist das Autorauschen der Alsterkrugchaussee zu hören. An den Wänden hängen Bilder, die Heinz Richheimer gemalt hat, Aquarelle, Federzeichnungen, auch Ölbilder. In einem Bücherregal lehnen Fotopostkarten von Francois Truffaut und Audrey Hepburn.

Man könne sich die Aufbruchsstimmung, die direkt nach dem Krieg geherrscht habe, sicher heute nicht mehr vorstellen, sagt er. Ida Ehre gründete ihre Kammerspiele, Wolgang Borcherts Draußen vor der Tür wurde dort
uraufgeführt… In einem Zimmer, in dem Richheimers Bilder aufbewahrt sind, steht auch ein in warmen Ölfarben gemaltes Porträt von Ida Ehre.

Nach der Rückkehr aus Mauthausen, ein Weg, den er zusammen mit Jürgen Friedemann zu Fuß begann, widmete er sich, nachdem er wieder einigermaßen bei Kräften war, der Malerei, dem Zeichnen, schrieb und drehte Dokumentarfilme, spielte Kabarett und traf sich mit all jenen, die ähnliches wie er er- und überlebt hatten: mit dem Buchhändler Felix Jud und Max Kristeller, der eine Galerie eröffnete, in der Heinz Richheimer seine Bilder ausstellte.

„Ein Jude ist für mich jemand, der verfolgt ist“

1958, im gleichen Jahr, als sie von Margaret Richheimers Krankheit erfuhren, zog das Ehepaar in die Alsterdorfer Wohnung ein. Auf der Terrasse konstruierte Heinz Richheimer eine große Sonnenuhr aus Glas für seine Frau.
Er baute Rollstühle aus Rattan und Metall zusammen, auch eine Rampe vom Wohnzimmer nach draußen, über die er sie in den Garten fuhr. Viele Fotos von Schwänen und Enten, die in den Garten, sogar in die Wohnung kamen, kleben in seinen Fotoalben, und noch viel mehr Fotos von Margaret, die er Mäggi nennt, und für die er Kleider schneiderte und der er jeden „Hochzeitstag“ im Monat eine rote Rose schenkte.

Nach dem Tod seiner Frau fand er bald darauf eine neue Liebe – und heiratete sie. Als er seine in dieser Zeit entstandenen erotischen Zeichnungen ausstellte, hätten das einige seiner Bekannten nicht verstanden, ihm fast übelgenommen. Gekümmert habe ihn das aber nicht.
Seine zweite Frau und er trennten sich nach einigen Jahren, und dann kam Corinna, seine um fast 30 Jahre jüngere Freundin, für die er ein ganzes Heft voller Liebesgedichte geschrieben hat, auch das Märchen von dem Bart, der, wenn man liebt, viel schneller wächst.

Ob er eine jüdische Identität habe, frage ich Heinz Richheimer am Ende des Gesprächs. Nein, sagt er, und, nach einer Pause: „Ein Jude ist für mich jemand, der verfolgt ist.“ Aber ähnlich wie der Jude und Schriftsteller Jurek Becker einmal auf diese Frage geantwortet hat, gebe es vielleicht so etwas wie ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das diese jüdische Identität ausmache. Er selbst fühle sich zum Beispiel Menschen vertraut wie der Frau in seiner Nachbarschaft, die lange Jahre an einer schweren Krankheit gelitten habe. „Verstehst du, was ich meine?“

Über Heinz Richheimer wurde das erste Mal am 12. Juni dieses Jahres in der taz geschrieben. Beziehungsweise: Heinz Richheimer schrieb selbst.
Ausgangspunkt war eine Arbeit seines Freundes, des Hamburger Künstlers Jörg Stange, der seine Installation in der ehemaligen Polizeiwache in der Eppendorfer Martinistraße 40 in einem Mappenwerk dokumentierte. Heinz Richheimer kannte diese Wache noch aus Nazi-Zeiten.

Sein Bericht, den die taz damals veröffentlichte, wurde Teil des Mappenwerks, das inzwischen Jörgen Bracker, Direktor des Museums für Hamburgische Geschichte, gekauft hat. Gemeinsam wurde das Konzept für eine Art biographische Ausstellung von und über Heinz Richheimer entworfen, die das Museum 1993 zeigen wird.

Einen seltsamen Begriff von eines Menschen Zeit zeigt indes die Kulturbehörde: Jörg Stange hatte dort schriftlich angeregt, den heute 72jährigen Richheimer für seinen Widerstand im ‚Dritten Reich` zu ehren, etwa, so schlug er vor, mit einer neuen Ida-Ehre- oder Wolfgang-Borchert-Medaille. In dem Antwortschreiben bedankte sich jetzt der leitende Regierungsdirektor Klaus-Peter Dencker im Namen der Senatorin „für den Hinweis“ und fährt fort: „Der Senat hat bisher zu den sogenannten ‚runden` Geburtstagen oder bei ganz aktuellen Anlässen Ehrungen vorgenommen.
Die nächste Möglichkeit wäre der 75. Geburtstag von Herrn Richheimer.“ TAZ-HAMBURG 21.08.1992

.

[..] Neben Maurice Sachs wurden weitere Spitzel in die Gruppen eingeschleust, so die Gestapo-Agentin Yvonne Glass-Dufour, die als „Widerstandskämpferin pazifistischer Gesinnung“ auftrat und sich im Frühjahr 1943 in dem Kreis der Candidates of Humanity Vertrauen schaffte. Zudem fand sie Zugang in den Kreis um Heinz Rasche und Karl Heinz Richheimer, sowie um Jagda Hoppstock-Huth (Hochmuth, Seite 402 f.)
Ein weitere Aktivität war die Geldsammlung für die Familie des im zweiten Weiße Rose Prozess verurteilten und am … hingerichteten Professors Kurt Huber. Da er als Volksfeind hingerichtet wurde, wurde der Witwe keine Pension ausgezahlt. Sowohl in Hamburg wie in München sammelten Hans Leipelt und Marie Luise Jahn Geld für die Witwe. Sie wurden schließlich im Oktober 1943 denunziert und verhaftet. (siehe Berichte Marie Luise Jahn und Dorle Zill, Hochmuth Seite 408)[..]

Weiße Rose Hamburg
http://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fe_Rose_Hamburg

http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Emma7stern/Wei%C3%9Fe_Rose_Hamburg#Der_Tod_von_John_Gluck_und_Heinz_Lord

.
“All die Erschlagenen wer lebt für die?

Heinz Richheimer
Biographie im Rahmen linke Seite:

.
HEINZ RICHHEIMER
Geboren am 31. Januar 1920 in Güstrow,
1923/24 Umzug der Familie Richheimer nach Hamburg.
Schulbesuch – Realgymnasium und Mittelschule – muß abgebrochen werden:
Heinz Richheimer gilt als “nichtarisch”.
Normale Berufsausbildung aus gleichem Grund unmöglich.
1938 Als Dekorateur und Plakatmaler tätig.
1941 Illegales Studium der Malerei bei dem während des ‘Dritten Reiches`
“nicht erwünschten” Ivo Hauptmann, Enkel des Dramatikers Gerhart Hauptmann.
1942 Bildung der Widerstandsgruppe Friedemann-Richheimer.
1944 Verhaftung durch die Gestapo. Transport über Fuhlsbüttel
und Neuengamme in das Konzentrationslager Mauthausen (Österreich).
Sonderbefehl: “Rückkehr unerwünscht”.
1945 Erste öffentliche Ausstellung bei Max Kristeller in Hamburg.
1947 Künstlerischer Leiter eines kleinen Theaters.
1948 Texte und Bühnenbilder für das “literarische Cabaret”.
1940/50 Autor, Regisseur und Produzent mehrerer Dokumentarfilme.
1953 Längere Arbeitslosigkeit, Aushilfsarbeiten.
1956/57 Wandgemälde in Sgraffito- Technik (12×3 Meter), u.a. im Sitzungssaal
der Kalitransportgesellschaft, City-Hochhaus am Klosterwall 4.
1958 Beginn von Margaret Richheimers Krankheit.
1960/62 Entstehung des Romans “Die Kathedrale von Lima”,
erschienen 1962 im Marion-von- Schröder-Verlag.
1963 bis heute Restaurierungsarbeiten an kleineren Antiquitäten.
1964 bis 1979 Hauptsächlich schriftstellerische Arbeiten:
Roman “Leonidas oder die Würde des Menschen”
(nicht veröffentlicht).
Ernste Satire “Lemuel Gullivers Reisen in das Land der Demokraten”
(Fragment).
Gleichzeitig Bilder, Porträts und Plastiken.
1979 bis 1986 Entstehung der Erzählung “Die Seifenblase”.
1980 Erotische Zeichnungen, Ausstellung.
1983 bis 1992 Die “Corinna- Bilder”.
Zwei kürzere Prosastücke:
“Die Wiedergeburt des achtbeinigen Tieres” und “Das letzte Wort”.
Ein Band “Liebesgedichte”.
1992 “Eine Geschichte in Eppendorf” für die Dokumentation:
“Schreibtischtäter” (Mappenwerk von Jörg Stange).


» Schreibtischtäter «

Zur Erinnerung an Karl-Heinz Richheimer 1993 gest.

Der Maler und Schriftsteller Karl-Heinz Richheimer war Mitgründer der Widerstandsgruppe „Richheimer-Friedemann-Kreis“ (so genannt in „Streiflichter aus dem Hamburger Widerstand“, VVN). Die Gruppe von jungen Widerständlern verteilte u.a. Flugblätter der „Weisse Rose“ und war vernetzt mit Ärzten des UKE Prof. Degkwitz, Dr. Lord*, Dr. Gluck*, Dr. Geussenheiner* -ihren Söhnen und Freunden. Öffentliche Anerkennung, oder jegliche Form von „Wiedergutmachung“ nach erlittender KZ Haft in Neuengamme und Mauthausen -auch Mordhausen genannt, ist ihm bis zu seinem Tode versagt geblieben. Eine Anregung Dritter, an die damalige Kultursenatorin und die Kulturbehörde wurde mit einem „Dankeschön“ beantwortet und man werde den Vorschlag prüfen. Es wurde darauf hingewiesen das „Ehrungen“ zu sogennannten „Runden Geburtstagen“ zelebriert würden. „Man wolle es prüfen“ – den „Runden Geburtstag“ erlebte Heiner Richheimer nicht mehr: Es wurde noch nicht einmal ein Kranz geschickt -geschweige denn ein Wort in Form eines Nachrufs verloren…

Durch persönliche Empfehlung des Historiker Prof. Ulrich Bauche und dem Direktor des Museum für Hamburgische Geschichte Prof. Jörgen Bracker konnten wir gemeinsam erreichen, dass das Mappenwerk „Schreibtischtäter“ vom MfHG als Dauerleihgabe für die Gedenkstätte Neuengamme angekauft und archiviert wurde. Eine erwünschte Ausstellung, seitens des Museums zu Lebzeiten von Karl-Heinz Richheimer, scheiterte, weil die Kulturbehörde Mittel für einen adäquaten Dokumentations-Katalog versagte. Der Anspruch an die Ausstellung, sollte keine Anerkennung seiner Lebensleistung, sondern ausschliesslich Zeitzeugenschaft sein: „Geschichte eines Jahrhundert -gesehen im Leben eines einzelnen Menschen“, -so der Maler und Schriftsteller Karl-Heinz Richheimer in einer handschriftlichen Hinterlassenschaft… Seine Gemälde und Schriften befinden sich eingelagert auf einem ungeheizten Dachboden in Kartons verstaut. Ein aussergewöhnlich aussdrucksstarkes Portrait von Ida Ehre ist auch dabei… (jst)

*= UKE Ärzte Dr. Lord, Dr. Gluck => „Cap Arcona“ [etc…]

Bild-Mappenwerk oben: »Schreibtischtäter« = [Stempel der Allierten 1946 = TELECOMES CENSORSHIP PASSED] Mappenwerk im Bleischuber | Material: Pappe, Karton, Holz, Blei, A3 | 1992, Karl-Heinz Richheimer 1920 – 1993, Installation in der „Alte Wache“ Martinistrasse, (Jörg Stange), mit Bildtafeln und einem Erlebnisbericht von Karl-Heinz Richheimer für dieses Mappenwerk, -über die NS-Zeit und die Phase der Nachkriegszeit.

.

TAZ-Bericht Mechthild Bausch | 11.03.1993

Plötzlich dem Tod begegnet

Der Autor und Maler Heiner Richheimer starb 73jährig in Hamburg

***

Jetzt ist die Zeit,

wo ich nur warten kann

und hoffen, daß es mich

ganz plötzlich trifft.

Und alle Pläne,

was noch kommen soll,

sind Schall und Rauch!

***

Heiner Richheimer, der vor nicht allzu langer Zeit diese Zeilen schrieb, starb am Montag im Alter von 73 Jahren in Hamburg. Sein Tod, so schmerzlich traurig er für die ist, die ihn kannten, enthebt ihn der Verlängerung eines Leidens, dessen weitere medizinische Behandlung er wohl ganz bewußt abgelehnt hatte.

Der Lebensgeschichte von Heiner Richheimer eine Öffentlichkeit zu verleihen, dieser Versuch ist in der taz mehrfach unternommen worden. Ein weiterer wird ihm nun nachgetragen: Die Ausstellung im Museum für Hamburgische Geschichte über den „Zeitzeugen Heiner Richheimer“, die er mit seinen Freunden in den letzten Monaten zusammenstellte, soll im Laufe dieses Jahres gezeigt werden.

Geboren wurde Heiner Richheimer 1920 in Güstrow. Weil sein Vater Jude war, mußte er in Hamburg die Schule abbrechen. 1942 gründete er eine Widerstandsgruppe, deren Mitglieder 1944 an die Gestapo verraten und inhaftiert wurden. Vom KZ Neuengamme wurde Heiner Richheimer ins österreichische KZ Mauthausen deportiert. Nach seiner Rückkehr nach Hamburg begann er seine Bilder auszustellen und arbeitete als Regisseur und Schriftsteller. In seiner autobiographischen Erzählung „Die Seifenblase“ schreibt er, ganz sanft, über das Sterben seiner Frau. Auch Heiner Richheimer war jetzt nicht allein. M. Bausch

[PDF]

E:ExportScansExportHAB_SEITEN_ 9520215.pdfASV_HAB_19520215_HA_003.pdf

Google Dateiformat: PDF/Adobe Acrobat ↑
Hamburger Abendblatt – Seite 3. FREITAG er: — UM sr““ rgen «« ^F“ mon ….. Hamburg lebenden Maler Heinz Richheimer dem Original nach empfunden „Frühstück im Freien“ (Eduard Manet/HeinzRichheimer).
archiv.abendblatt.de/ha/1952/pdf/19520215.pdf/ASV_HAB_19520215_HA_003.pdf –

19.02.2009 Taz | Weiße Rose im Norden

http://www.taz.de/!5167519/

.

Weiße Rose Hamburg

http://www.zeit.de/1970/12/Weisse-Rose-Hamburg?page=1

.

01.02.2010
Interview mit Herbert Diercks zu Hamburger Ausstellung
„Der Widerstand war zersplittert“

Die erste Hamburger Ausstellung über den Widerstand zwischen 1933 und 1945 ist derzeit im dortigen Rathaus zu sehen. Kam der Widerstand zunächst aus der Arbeiterbewegung, stießen später auch Aktivisten aus dem Bürgertum dazu:

http://www.taz.de/1/nord/artikel/1/der-widerstand-war-zersplittert/
.

.

„Mit aller Kraft verdrängt“

Anna von Villiez  stellt ihr Buch vor, das den Prozess der umfassenden beruflichen und gesellschaftlichen Entrechtung der rund 450 als »nicht arisch« diffamierten Ärzte Hamburgs im Nationalsozialismus beschreibt. Mehr als ein Fünftel der Hamburger Ärzteschaft wurde durch die nationalsozialistische Gesetzgebung aufgrund ihrer jüdischen Herkunft entrechtet. In der Geschichte des städtischen Ärztewesens kam jüdischen Ärzten bis 1933 eine wichtige Rolle zu. In Hamburg zeugt davon unter anderem das Israelitische Krankenhaus auf St.Pauli. Innerhalb weniger Jahre revidierten die Nationalsozialisten diese Entwicklung radikal, bis 1938 mit dem Approbationsentzug die medizinische Qualifikation jüdischer Ärzte annulliert wurde. Während der Großteil sich ins Ausland retten konnte, kamen 38 Ärzte und sechs Ärztinnen in den Vernichtungslagern um. Das Buch untersucht die schrittweise »Ausschaltung«, dann offene Verfolgung der »nichtarischen« Ärzte und berücksichtigt dabei die Rolle der Hamburger Ärzteschaft und ihrer Organisationen.

Mittwoch, 17. März 2010, 19.00 Uhr

Gedenkstätte Plattenhaus Poppenbüttel

Kritenbarg 8, 22391 Hamburg (S-Bahnhof Poppenbüttel (S1))

.

http://www.kz-gedenkstaette-neuengamme.de/?id=424

http://www.kz-gedenkstaette-neuengamme.de.

.

.

Der Mann hinter Adenauer

http://www.sueddeutsche.de/kultur/136/313044/text/

.

.

schreibmaschine-medienwatch-stange-300

.

.

.

Nr. 80 vom 04.04.1963, Seite 11Original-Zeitungsseite als PDF ansehen

.

Pankow ermittelt gegen Staatssekretär Globke

Tschechoslowakei beschuldigt sieben Deutsche

Deutsche Presse-Agentur – ap

Berlin, 4. April 1963

Gegen den Staatssekretär im Bundeskanzleramt Dr. Hans Globke hat der Pankower Generalstaatsanwalt Josef Streit ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Sollte die Zone nach Abschluß der Ermittlungen ein Strafverfahren gegen Globke eröffnen, wäre das der zweite Propaganda- SchauprozeB gegen einen Bonner Politiker.

Vor wenigen Jahren hatte (wie berichtet) das Oberste Zonen-Gericht gegen den früheren Bundesvertriebenenminister Oberländer (CDU) in Abwesenheit verhandelt und ihn zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt

Pankower SED -Funktionäre hatten später nacb dem Rücktritt Oberländers wiederholt angedeutet, daB als nächster Globke „abgeschossen“ werden solle.

Pankow hat bekanntgegeben, daß bei den jetzt eingeleiteten Ermittlungen geklärt werden soll, ob Globke für die Verfolgung und Ausrottung von Millionen Juden, Slawen und Angehörige anderer Völker im „Dritten Reich“ verantwortlich gewesen sei.

Der Zonen-Generalstaatsanwalt Streit soll, wie Pankow behauptet, der Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe vorgeschlagen haben, Vereinbarungen über alle Fragen zu treffen, die für ein mögliches Strafverfahren gegen Globke von Bedeutung seien. Eine Antwort auf dieses Angebot sei nicht eingegangen.

Globke steht schon seit Jahren wegen angeblicher Mitwirkung an einem Kommentar zu den Nürnberger Rassegesetzen während des NS-Regimes im Mittelpunkt von Angriffen. Als im Jerusalemer Eichmann-Prozeß sein Name genannt wurde, leitete die Bonner Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen ihn ein, das jedoch eingestellt wurde. (…)

erschienen am 04.04.1963

bitte hier im weiterlesen:

[Hamburger Abendblatt Link]

*Frederik Geussenheiner =>[::]

.

.

Literatur im NS-Staat  2 | 8 | 2010

Von Gehorsam und Gerangel

Rudolf Walther
Bevor Bücher verbrannt, Schriftsteller, Verleger und Buchhändler verfolgt wurden, begann die freiwillige Selbstgleichschaltung des Literaturbetriebs im Nazi-Deutschland. Der Duisburger Bibliothekar Jan-Pieter Barbian beschreibt den Prozess in seinem Buch:
http://www.fr-online.de/kultur/literatur/von-gehorsam-und-gerangel/-/1472266/4526294/-/index.html

.

.


.

medienwatch.wordpress.com 

Mappenwerk «Schreibtischtäter» : Karl-Heinz Richheimer, Jörg Stange, Gunnar F. Gerlach GfoK Aktive Archive

Written by medienwatch & metainfo

Januar 16, 2009 um 17:49

4 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. […] Im Raum: Mappenwerk «Schreibtischtäter» (Karl-Heinz Richheimer u. Jörg Stange) Das Mappenwerk im Bleimantel entstand 1989/91 während einer Hausbesetzung im Zusammenhang mit dem Atelier-Notstand in Hamburg.  in einer ehemaligen Polizeiwache (Martinistrasse)   Die Schreibmaschine ein Geschenk der Autorin Gerda Zorn (Eisenstuhl). Nicht einsehbar auf diesem Foto eine weitere Tisch-Installation mit Mappenwerk gebunden mit B-Laken des LBK, eingelegt Fragment einer Schieferplatte vom Dach des Wasserturms (Schanzenpark) Ergänzendes Bildmaterial => 1 [::]  => 2 [::] […]


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: