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Manipulation durch Medieninformation: die vergiftete Mischung

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Wie man Demokratie zur Farce werden lässt

Selbst die große Mehrheit der Intellektuellen, der Medienkonsumenten mit akademischem Hintergrund laesst sich heute taeuschen und manipulieren, am Gaengelband fuehren durch die Verfahrensweisen der großen Medien. Diese arbeiten dabei selten in eigener Sache, sondern erfuellen wiederum Propaganda- und PR-Auftraege im Auftrag einer kleinen Elite aus den Fuehrungsetagen der Großkonzerne, von Oligarchen, Plutokraten, von Politikern und anderen Mitgliedern einer Herrschaftselite, die untereinander vernetzt mithilfe der Meinungsindustrie demokratische Strukturen zur Farce werden lassen.

Das Geheimnis der Wirkungsweise der Medienmanipulation und Desinformation liegt in der Mischung, die dem Medienkonsumenten praesentiert wird und die ihn unmerklich die Propagandabotschaft schlucken laesst. Erst in juengster Zeit sind einige der Kritiker der zu beobachtenden Dynamik aufmerksam geworden auf die Mechanismen der Taeuschung, die dennoch ueberwiegend ihren Zweck erfuellt und die demokratische Verhaeltnisse, die diese Bezeichnung verdienen, im Keim erstickt: wer keine zuverlaessigen Informationen oder nur verfaelscht-einseitige Darstellungen der realen Gegebenheiten und Vorgaenge erhaelt, ist nicht mehr faehig, angemessene Entscheidungen zu treffen, auch wenn ihm „demokratische“ Strukturen zu diesem Zweck verfuegbar sind.

Vergiftete Mischung

Zur Taeuschung etwa akademisch vorgebildeter Teilnehmer am oeffentlichen Diskurs, von Meinungsfuehrern in ihrem jeweiligen Umfeld, denen nicht vorab Leichtglaeubigkeit unterstellt werden kann, dient eine Mischung des redaktionellen Angebots der großen Medien, die es ermoeglicht, Desinformation und Propaganda an ihre Konsumenten zu uebermitteln, ohne dass ihnen dies bewusst wuerde.

Diese Mischung konstituiert sich dabei (vereinfacht dargestellt) etwa wie folgt: ein Blatt oder ein Sender, der eine akademisch vorgebildete Zielgruppe bedient, wird hierzu einen Anteil an substanziell / qualitativ fundierter, nicht selten kritischer Information, Berichterstattung, Analyse produzieren und veroeffentlichen, das, was der Leser / Zuschauer erhofft und erwartet, was verdient als „serioeser Journalismus“ etikettiert zu werden.

Hier begegnet man etwa einem Heribert Prantl bei der SZ und anderen Journalisten, die dem Leser mit ihrer kritischen Analyse oder Kommentar „aus dem Herzen sprechen“. Dieser Anteil an kritisch-serioesem Journalismus laesst sich beziffern in der Groeßenordnung von etwa 10 – 20%. Diese Quote wiederum ist abhaengig von der jeweiligen tagespolitischen Situation: sie sinkt signifikant in einer Situation, in der wichtige Weichenstellungen propagandistisch begleitet abzuwickeln sind, wenn etwa bedeutsame Abstimmungen des Parlaments bevorstehen, wie dies der Fall war anlaesslich der HartzIV-Gesetzgebung, der Abstimmung ueber EU-Verfassung / Lissabon-Vertrag, Bankenrettung usw., wenn es gilt, zentrale Projekte der dominierenden Elite oeffentlich absegnen zu lassen. Sobald die jeweilige Huerde genommen wurde, ist zu beobachten, wie der kritische, der serioese Anteil  an den journalistischen Beitraegen wieder in die Hoehe schnellt: so wird der moegliche Eindruck, es sei einseitig / parteiisch oder propagandistisch berichtet worden, anschließend verwischt: dies ist ein wesentlicher Vorgang, da keins der Blaetter / der Sender, die Intellektuelle oder Meinungsfuehrer bedienen, sich den Ruf leisten kann, unkritisch-propagandistische Berichterstattung zu betreiben. Die Aufrechterhaltung eines kritischen Profils ist deshalb eine zentrale Aufgabe und Funktion, die besonders von seiten der sogenannten links-liberalen Presse zu gewaehrleisten ist; sie wuerde sich selbst entwerten – in ihrer Funktion als manipulierend-steuerndes Instrument der herrschenden Elite – sobald sie dies „kritische Profil“ nicht mehr glaubhaft illustrieren kann und sich damit dem Milieu der propagandistischen Meinungsmache – etwa im rechts-populistischen Spektrum der Boulevardpresse – zugesellt.

Zu dem erwaehnten Anteil von ca. 10 – 20% an kritisch-substanzieller Berichterstattung ergaenzen sich etwa 50 – 60% an Beitraegen eines Journalismus, der Banalitaeten und Belanglosigkeiten serviert. Diese Beitraege zeichnen sich dadurch aus, dass ihr Inhalt in der politischen Substanz bedeutungslos ist, keine relevante Information oder Analyse enthaelt, oder dass Argumente oder Darstellungen wiedergekaeut werden, die die Klarheit einer kritischen Analyse verwischen und vernebeln. Hier wird ein in der Tendenz mediokres Niveau des Diskurses generiert, das nicht selten entlang der intellektuellen Guertellinie operiert, oder gelegentlich darunter. Dabei wird nie (oder nur selten) mit falschen oder verfaelschten Informationen hantiert. Gern werden hier populaere Themen verhandelt, die sich mit Kinderschaendern und anderen Kriminaldelikten befassen, mit Naturkatastrophen, Grubenungluecken, mit den Affaeren von Fussballermillionaeren oder Ministergattinnen, anderweitig Anekdotisches, die Produktion von Medienlegenden betrieben. Auch werden ggf. anliegende politische Themen anhand von Einzelschicksalen verhandelt, die den Diskurs auf eine emotionalisierte Ebene verlagern.

In diesem Bereich laesst sich unterm Strich das Mass an aufklaererischer Substanz als +-Null summieren, waehrend gleichzeitig nicht selten unterschwellige Botschaften (Medienmythen) transportiert werden und die Klarheit einer kritisch-politischen Wahrnehmung und Erkenntnisfaehigkeit verwaessert und getruebt wird.

Nach dem (an dieser Stelle grob) analysierten Schema der Berichterstattung, wie es insbesondere fuer die links-liberal pluralistischen Medien gelten kann, verbleibt ein Anteil von 15 – 25%.

Dieser Anteil wird ausgefuellt von Propaganda, von Medienkampagnen im Sinn der herrschenden Oligarchie, der Elite, konstituiert durch die Spitzen der großen Banken und Konzerne, von Plutokraten, Medienmogulen (hier koennen etwa Murdoch, Bertelsmann und Springer Erwaehnung finden), von Think-Tanks und gutvernetztem Fuehrungspersonal, das mit ihnen verbunden ist (hier seien etwa Wolfgang Clement, Peer Steinbrueck, Thilo Sarrazin und natuerlich die Fuehrungsriegen von CDU und FDP aber auch zum Teil der Gruenen erwaehnt).

Dieser Teil der Beitraege, Kommentare, Berichterstattung widmet sich der Agenda dieser Elite, ob die Durchsetzung von HartzIV, der EU-Verfassung, der Pluenderung der oeffentlichen Kassen durch die Banken oder durch exzessive Subventionen des Staates an Großkonzerne z.B. durch oeffentliche Auftraege (hier kann auch S21 als Referenz dienen) oder auch die Agenda der global ausgerichteten westlichen Elite der NATO-Staaten und ihrer Strategien, z.B. im Mittleren Osten. Hier werden auch Kampagnen betrieben gegen Staaten, die sich nicht bereitwillig den Wuenschen und Forderungen der westlich-neoliberal ausgerichteten Elite unterwerfen, die nicht Spekulanten und westlichen Investmentbanken auf ihren Devisenmaerkten uneingeschraenkt operieren lassen oder die keine unkontrollierten Eingriffe westlicher Investoren in ihre industrielle Substanz oder ihre Rohstoffressourcen erlauben.

Zu nennen sind hier etwa China, Russland, Iran, Venezuela, Simbabwe und andere Laender, die regelmaessig von deutlich negativ eingefaerbten Kampagnen ueberzogen werden. Es soll hiermit nicht erklaert werden, dass diese Laender keinen Anlass zu berechtigter Kritik boeten. Jedoch wird die im Einzelfall berechtigte Kritik in der Regel stark ueberzogen, waehrend gleichzeitig ueber „befreundete Staaten“, deren Regierungen deutlich gewalttaetige, repressive und autokratisch-demokratiefeindliche Zuege tragen – ob Saudi-Arabien, Aegypten, Tunesien, Kolumbien usw. –  die schuetzende Hand gehalten wird.

Ziel dieser propagandistischen Kampagnen sind auch nicht selten Personalentscheidungen bei der Besetzung von Fuehrungsaemtern großer Parteien oder zur etwa Verhinderung unliebsamer Regierungsbildungen. Ein Beispiel lieferte die Diskussion zur Kanzlerkandidatur der SPD zur Bundestagswahl 2009, als der Partei die Besetzung durch Frank-Walter Steinmeier effektiv aufgezwungen wurde: in einer massiven Kampagne wurde damals der SPD verdeutlicht, dass jeder andere Kandidat konfrontiert wuerde mit destruktiver Begleitung der großen Medien und damit jede Diskussion ueber eine Alternative erstickt. Vorher war der bisherige Parteivorsitzende Guenther Beck in einer Medienkampagne demontiert worden.

Politiker, die mit der dominierenden Elite eng vernetzt sind, und die sich damit fuer erweiterte Aufgaben der Fuehrung oder Regierungsaemter qualifiziert haben, werden in Presseartikeln haeufig als tuechtig, zuverlaessig und souveraen charakterisiert; Kritik ueber sie wird nur gelegentlich veroeffentlicht und bleibt dann moderat oder wird haeufig kurz darauf relativiert oder durch einen anderen Kommentator ausgebuegelt.

So wird erreicht, dass diese Politiker in den hierzu veroeffentlichten Umfrageergebnissen beste Platzierungen erzielen.

Das Umgekehrte geschieht, sobald Politiker erkennen lassen, dass sie geneigt sind, die Interessen der Bevoelkerung, des Umweltschutzes, der Menschenrechte usw. in nachhaltiger Weise verfolgen und dabei die Interessen der dominierenden Elite zu stoeren drohen. Dies war zu beobachten im Fall von Oskar Lafontaine oder Andrea Ypsilanti, die unter intensivem Beschuss der Medien schließlich kapitulieren mussten: Ypsilanti bedrohte die Interessen der großen Energiemonopole mit ihren Absichten, in Hessen eine Struktur zur Durchsetzung nachhaltiger Energien zu etablieren. Lafontaine bedrohte unter der Regierung Schroeder die Entwicklung der neoliberalen Finanzpolitik und war nicht bereit, den Jugoslawienkrieg zu unterstuetzen..

Im Jahr 2002 wiederum erzielten SPD und Gruene gegen den Widerstand der großen Medien, die auf den Erfolg einer schwarz-gelben Koalition unter Merkel setzten, einen unerwarteten Wahlsieg. Es entstand damals der Eindruck, dass eine Politik gegen den Druck der Medien moeglich sei. Hieraus folgten die Absage an eine Beteiligung am Irakkrieg sowie Diskussionen bei der SPD ueber die Moeglichkeiten einer linken Politik. Hierauf reagierten die Medien massiv und bemuehten sich Gerhard Schroeder als Versager und Verlierer abzustempeln. Die damals intensive Medienkampagne gegen Rot-Gruen endete erst, nachdem die Regierung die Agenda 2010 auf ihre Tagesordnung gesetzt hatte.

Im Ergebnis bleibt festzustellen, dass ungeachtet landlaeufiger Vorstellungen von den Funktionsweisen demokratischer Strukturen eine Politik gegen die – heute in wenigen Haenden finanzkraetiger Konzerne oder Medienmogule – stark konzentrierten – Medien nicht moeglich ist: waehrend der Buerger/Waehler je einmal in 4 Jahren die Moeglichkeit erhaelt, mit seiner Stimme Einfluss zu nehmen, sind die gewaehlten Parlamentarier und Politiker tagtaeglich konfrontiert mit der Berichterstattung der Presse und anderen Medien. Entsprechend stellte etwa Joschka Fischer fest „Gegen die BILD-Zeitung kann man nicht regieren“.

Innerhalb der SPD – und aehnlich bei den Gruenen – sind in dieser Hinsicht zwei Stroemungen zu beobachten: zum Einen eine Parteibasis, die sich orientiert an den im Parteiprogramm festgelegten Werten und Idealen der Partei. Zusammen mit einigen (wenigen) Politikern wird der Versuch gemacht, diese Werte (Soziale Gerechtigkeit usw.) durchzusetzen, ungeachtet der Resonanz der Medien. Ihnen gegenueber steht die Fuehrungsebene mit dem Bewusstsein, dass sie – als Regierungspartei – nur handeln koennen im Einklang mit den Vorschriften der Medien, die sie andernfalls unter massiven Beschuss nehmen oder ihre politische Karriere ruinieren. Ihnen folgen auch diejenigen Parteimitglieder, die sich eine politische Karriere erhoffen und damit die Notwendigkeit der Anpassung erkennen und akzeptieren. gw
http://www.meta-info.de?site=metainfo&lid=33643

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Written by medienwatch & metainfo

Oktober 19, 2010 um 18:20

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