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Kulturszene Hamburg: Kampfansage + mehr

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Es wird angenommen, dass die feindliche Übernahme der Schiffesammlung des Altonaer Museums, zugunsten der tammschen Stiftung geplant ist. Die ehemalige Direktorin des Museums für Hamburgische Geschichte stellte seinerzeit fest, dass die Qualität der Schiffe-Sammlung Tamms, im neuen „Internationalen Schifffahrtsmuseum“ in der Hafencity, bei Weitem nicht, an die der öffentlichen Museen in Hamburg heranreichen würde: „Loyalität“ seitens des neuen Bürgermeisters lässt grüßen? Es kursierte seinerzeit das Gerücht, die Tamm-Stiftung werde um die Sammlung aufzupeppen, Schiffe aus dem Altonaer Museum etc. überstellt bekommen… Es wird inzwischen unter Künstlern und Medienleuten die Frage diskutiert, ob die Immobilien Firma Dahler & Company, in der die Frau des Bürgermeister Franchising mit hochwertigen Immobilien betreibt, für die Immobilie Altonaer Museum vermittlerisch zuständig wird oder bereits ist?  jst,  Fotos: Jörg Stange, gfok

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Kulturszene Hamburg

Kampfansage

Von Till Briegleb | 24.09.2010, 09:01
Während die reiche Stadt Hamburg wieder in Champagnerlaune ist, drohen dem Altonaer Museum und dem Schauspielhaus die Schließung. Ein groteskes Vorgehen.
http://www.sueddeutsche.de/kultur/kulturszene-hamburg-kampfansage-1.1003963

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Spardebatte | 11.10.2010

Schauspielhaus droht mit Pleite

Kultursenator findet, das Schauspielhaus könnte auch mit weniger Produktionen und Regisseuren arbeiten. Das Theater hält das für realitätsfremd. VON PETRA SCHELLEN
http://www.taz.de/1/nord/hamburg/artikel/1/schauspielhaus-droht-mit-pleite/

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Protest

Thalia wird politisch

Das Theater ruft zum Widerstand gegen die Sparpläne der Kulturbehörde auf: Es holt die Betroffenen auf die Bühne. VON Daniela Barth | 08.10.2010
http://www.taz.de/1/nord/hamburg/artikel/1/thalia-wird-politisch/
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„Hey Stuth, don’t make it bad“

Von Birgit Reuther | 9. Oktober 2010, 07:24 Uhr
Vom Gängeviertel bis zur Staatsoper demonstrierte Hamburgs Kultur am Thalia-Theater Geschlossenheit gegen die Sparpolitik des Senats
http://www.abendblatt.de/kultur-live/article1657350/Hey-Stuth-dont-make-it-bad.html


Kulturpolitik

Protest, Wut und Tränen – Hamburgs Kulturkrise

Hamburg (dpa) – «Ich bin jetzt Anwalt für Kultur!»
Künstler gehen auf die Barrikaden und viele stellen die kulturelle Kompetenz des 54-jährigen Fliegenträgers infrage.
http://www.zeit.de/news-102010/7/iptc-bdt-20101007-167-26714328xml

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Fotos: Jörg Stange

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Solidarität mit dem Altonaer Museum und dem Hamburger Schauspielhaus

Mit großer Bestürzung und Sorge haben die Freundeskreise der Hamburger Kunsthalle und des Museums für Kunst und Gewerbe von den geplanten Sparmaßnahmen im Kulturbereich erfahren.
Dr. Ekkehard Nümann, Vorsitzender des Vorstands der Freunde der Kunsthalle: „Ich bin sprachlos. Mit der Schließung des Altonaer Museums und der Etatkürzung am Schauspielhaus werden Dämme brechen, die das Hamburger Kulturleben zu verwüsten drohen.“ Peter Voss-Andreae, Vorsitzender der Justus Brinckmann Gesellschaft, warnt eindringlich vor den Folgen dieser drastischen Einschnitt „Schon sehr bald werden wir unsere Stadt nicht wieder erkennen. Geschichte, Kunst und Theater müssen künftig Großevents und Marketing-Aktionen weichen.“
Die Vorstände erklären sich uneingeschränkt solidarisch mit den betroffenen Institutionen und werden ihre Mitglieder aufrufen, sich den Protesten gegen diese phantasielose Form von Kulturpolitik anzuschließen. | 24.9.2010

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Kontakt:
Dr. Ekkehard Nümann
Vorsitzender des Vorstands der
Freunde der Kunsthalle e. V.
c/o Notariat Spitalerstraße
http://www.freunde-der-kunsthalle.de
mail(at)notariatspitalerstrasse.de Tel. 040 / 32 32 42 – 0

Dr. Kathrin Erggelet Geschäftsführerin Freunde der Kunsthalle e. V. Glockengießerwall 20095 Hamburg Tel. 040 / 428 54 – 3214 Fax  040 / 428 54 – 3207 Mail  erggelet(at)freunde-der-kunsthalle.de | Peter Voss-Andreae Vorsitzender des Vorstands der Justus Brinckmann Gesellschaft e. V. Freunde des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg http://www.justusbrinckmann.org pvossandreae(a)gmx.de Tel. 040 / 24 52 91.

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Pressemitteilung

Hamburger Sparpläne bedrohen die kulturelle Grundversorgung

Deutscher Kulturrat fordert den Hamburger Senat auf, eine Kehrtwende einzuleiten

Berlin, den 24.09.2010. Nach dreitägiger Beratung hat der Hamburger Senat sein Sparpaket vorgelegt. Im Kulturetat sollen im kommenden Jahr allein ca. 6,8 Millionen Euro eingespart werden.

Diese drastischen Einsparungen schlagen sich auf die Kulturlandschaft der Elbmetropole dramatisch nieder. Das Altonaer Museum steht kurz vor der Liquidierung. Der Senat erhofft sich so Einsparungen von 3,5 Millionen Euro. Eine Milchmädchenrechnung, denn Personalkosten laufen aufgrund der Verträge zuerst einmal weiter.

Weitere Millionenkürzungen kommen auf die Bücherhallen zu, Privattheater und Elbphilharmonie sehen finanziell schweren Zeiten entgegen. Und auch das Schauspielhaus wird mit erheblichen Kürzungen konfrontiert. 1,2 Millionen Euro werden im nächsten Jahr gestrichen. Neben diesen massiven Einschnitten im Bereich der Kultur soll die sogenannte „Kulturtaxe“ dafür sorgen, dass Geld in die leeren Kassen gespült wird. Die Verantwortlichen versprechen sich jährliche Einnahmen von 10 Millionen Euro.

Die Einnahmen durch die „Kulturtaxe“, gespeist aus einem Zuschlag auf Übernachtungsgebühren in Hamburger Hotels, sollen zu drei Vierteln u.a. in Festivals oder Ausstellungen fließen. Ein Viertel soll zur Verbesserung des Marketings und des Kulturtourismus genutzt werden. Während die kulturelle Grundversorgung in Hamburg stark zurückgefahren wird, investiert die Stadt in den Tourismus.

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: „Was in Hamburg passiert, ist nicht nur grob fahrlässig, es ist der systematische Ausverkauf von Teilen der Kultur. Kürzungen in dieser Höhe und die Schließung eines Traditionsmuseums in der Stadt kommen einem Kultur-Harakiri gleich. Das Aushängeschild des Altonaer Museums sind Angebote für Kinder und Jugendliche. Die Schließung dieses Hauses ist daher besonders unverständlich. Kulturangebote, die sich an eine breite Bevölkerungsschicht richten, werden buchstäblich weggespart. Projekte, die für den Tourismus attraktiv sind, werden begünstigt. Mit dieser Strategie beendet der Senat seine bisherige Schwerpunktsetzung auf das Thema kulturelle Bildung.“  25.09.2010

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Anmerkungen zum Sparkurs in Norddeutschland

Von Annette Schneider

Das Altonaer Museum in Hamburg wird geschlossen. Die Weserburg in Bremen verkauft 53 ihrer Bilder, darunter ein auf 8 Millionen Euro geschätzten Gerhard Richter. Damit werden innerhalb weniger Tage gleich zwei Tabus bisheriger staatlicher Museumsarbeit gebrochen: Anmerkungen zum Sparkurs in Norddeutschland | Von Annette Schneider

dradio Hören: Museumslandschaft verramscht

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Deutscher Museumsbund ist gegen geplante Gemälde-Auktion durch Weserburg-Museum aus Kostengründen

Der Präsident des Deutschen Museumsbunds, Volker Rodekamp, kritisiert die Entscheidung des Bremer Museums Weserburg, zwei seiner wichtigsten Gemälde auf dem internationalen Auktionsmarkt anzubieten, um laufende Kosten zu decken:

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1279454/

dradio Hören: „Da wird die Substanz aufs Spiel gesetzt“

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WIR SIND DAS ALTONAER MUSEUM!

Und wir bleiben es auch!

Liebe Freunde des Altonaer Museums,

die Herren im Hamburger Senat haben beschlossen, das Altonaer Museum zu schließen. Wir haben beschlossen, das zu verhindern. Die geplante Schließung des Museums als symbolischer Akt einer restriktiven Sparpolitik stellt einen regelrechten Skandal dar. Ein seit mehr als hundert Jahren bestehendes Haus mit einer einzigartigen Sammlung und Geschichte darf nicht den kulturfeindlichen Zielen des Hamburger Senats zum Opfer fallen.

Wir brauchen deshalb jede nur mögliche Unterstützung, damit dieser katastrophalen Entwicklung Einhalt geboten werden kann:

Unterschriftenlisten

Mit Ihrer Unterschrift können Sie gegen die Beschlüsse des Hamburger Senats protestieren. Anbei sende ich Ihnen eine Unterschriftenliste. Legen Sie diese bitte an möglichst vielen Stellen aus, sammeln Sie Unterschriften und geben Sie die Listen im Altonaer Museum ab!

Demonstration für das Altonaer Museum am 25. September ab 11 Uhr

Treffen am Bahnhof Altona unter dem Motto:

Alle wollen das Selbe, Bürgermeister Aalhaus in die Elbe!

Altonaer Museum und SEFA bleiben!

Wir fordern alle Hamburger auf sich unserem Aufruf gegen die irrwitzigen Sparpläne des Senats anzuschließen und dies gemeinsam Kund zu tun. Wir wenden uns gegen die geplante Schließung des Altonaer Museums und rufen alle interessierten Hamburger auf empört euch und macht mit. Am Samstag den 25. September rufen wir zu einer Demonstration gegen den Sparhammer aus dem Senat auf. Die Forderung nach Denkmalsschutz für die SEFA kann mit wenigen Klicks auf der Homepage von Anna Elbe von jedem selbst in die Hand genommen werden. Macht mit! Treffen 11:00 vor dem ehemaligen Bismarckbad, heute Burger King. Weiter gehen wir zum Altonaer Museum und zur Seefahrtschule an der Rainvilleterrasse nahe Elbchaussee. Veranstalter sind die Partei Die Linke und die Gewerkschaften.

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Solidaritätsfest am 03. Oktober ab 10 Uhr im Altonaer Museum

Am 03. Oktober werden wir im Altonaer Museum ab 10 Uhr ein Solidaritätsfest mit Führungen durchs Museum, einer Podiumsdiskussion und einem kulturellen Begleitprogramm veranstalten. Auf diese Weise möchten wir den Hamburgern noch einmal zeigen, was sie mit den Beschlüssen des Senats verlieren.

Wir möchten Sie herzlich zu diesem Soli-Fest einladen! Bringen Sie Ihre Familien und Ihre Freunde mit!

Ihr Team des Altonaer Museums

Wir sind das Altonaer Museum!
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Stiftung Historische Museen Hamburg

Altonaer Museum für Kunst und Kulturgeschichte

PR und Marketing

Matthias Seeberg

Museumstraße 23

22765 Hamburg

Tel. 040 428 135 2678

Fax 040 428 135 1913

matthias.seeberg(at)altonaermuseum.de

http://www.altonaermuseum.de

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Feuerloescher TV war am 25. September 2010 in Altona unterwegs und konnte sich von verschiedenen Protesten und Protestformen ein paar Bilder machen und Statements einfangen.

Mit Statements von u.a. Fette Mieten Party – Initiative Recht auf Wohnraum, dem Direktor vom Altonaer Museum, dem frühreren Direkor vom Museum für Hamburgische Geschichte, von annaelbe Aktivisten, Bezirkspolitikern und KünstlerInnen.
Es geht darum, die steigenden Mieten für Wohnraum und die damit verbundene Verdrängung der ursprünglichen Bevölkerung durch die perverse Vermarktung der Immobilienhaie endlich zu stoppen und sich seiner Rechte zu besinnen.

Sogar die Stadt selbst behauptet, die Miete für ihre eigenen kulturellen Betriebsstätten nicht mehr aufbringen zu können?!
Anstatt dem Treiben der Immobilienwirtschaft und den Banken mit ihren Zinsen endlich mal ein Ende zu machen, verkaufen sie einfach mal eben alles an dieselben. Ist das ein Symptom von Schizophrenie oder ein typisches, psychopathologisches Phänomen in unserer Gesellschaft?

Traditionell lassen sich die Altonaer ja nichts gefallen, desshalb sollten wir uns also lieber auf einen heissen Herbst gefasst machen…

Es kann doch nicht angehen, daß momentan die letzten städtischen, öffentlichen Gebäude und das Gemeinwesen in Altona und wahrscheinlich sogar nicht nur in Altona – privatisiert werden soll und wir gucken bei dieser Enteignungswelle einfach nur zu?

SO NICHT! WIR WISSEN WIE DAS GEHT!
Eingestellt von Feuerloescher TV
http://feuerloescher-tv2.blogspot.com/2010/09/proteste-in-altona.html

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Musikstadt. Kunsthalle. Schauspielhaus. Elbphilharmonie. Große Ziele, leere Kassen. In Hamburg steht die neue kulturpolitische Führung unter Senator Stuth vor schwierigen Aufgaben. Und der größte Teil der Kulturszene fragt sich, wie es weitergeht. Was wird geschehen: Folgt man weiterhin dem kulturökonomischen Ansatz der Creative City Richard Floridas? Wie löst man das Problem der Flächenkonkurrenz zwischen Immobilienentwicklern und Kreativen? Kann ein ausgewogeneres Verhältnis zwischen punktuellen und medienwirksamen kulturpolitischen Interventionen hergestellt werden?

Die internationale Konferenz ‚Music City. Hamburg?! Musikalische Annäherungen an die kreative Stadt‘ versucht Antworten auf diese aktuellen Fragen im Hinblick auf die vielschichtigen Schnittpunkte von Musik und Stadt zu finden. Im Rahmen von Vorträgen und Diskussionen international renommierter Wissenschaftler auf den Gebieten der Musiksoziologie, Kulturgeografie und kultureller Stadtentwicklung gilt es, aktuelle Forschungsergebnisse und Entwicklungen kritisch unter die Lupe zu nehmen und anhand des Beispiels Hamburg zu diskutieren.

Das dreitägige Programm umfasst neben der theoretischen Einführung die thematischen Schwerpunkte ‚Stadt, Musik & Creative Diversity‘, ‚Performing & Marketing‘, ‚Politics & Policies‘ und die Vorstellung empirischer, auf die Stadt Hamburg bezogene, Forschungsergebnisse. Vortragstitel wie ‚Bauen für Musik. Die Elbphilharmonie aus kulturgeschichtlicher Sicht‘, ‚Wie klingt die Stadt wenn sie vermarktet wird? Zum Zusammenhang von urbanen Musikpraktiken, Ortmythen und Werbung’ oder ‚Musik als Standortfaktor: Die ökonomische Sichtweise‘ zeigen die breite thematische Anlage.

Als Referenten treten u.a. auf: Adam Krims (University of Nottingham), Bastian Lange (Humboldt Universität Berlin), Martin Cloonan (University of Glasgow), Malte Friedrich (ISoMe Berlin), Andreas Gebesmair (Institut Mediacult Wien) und Alexander Grimm (Goethe-Universität Frankfurt/Main).

Als Ergänzung zu den eher wissenschaftlich orientierten Vorträgen diskutieren kontrovers besetzte Roundtables mit Akteuren des Hamburger Kulturlebens die Themen ‚Kulturelle Vielfalt in Hamburg‘, ‚Vermarktung der Musikstadt Hamburg‘ und ‚Förderung und politische Strategien‘ am Beispiel der Hansestadt. Hierbei sind u.a. vertreten: Egbert Rühl (Kreativgesellschaft), Alexander Steinhilber (BKSM), Christoph Twickel (Journalist und Autor), Andrea Rothaug (RockCity e.V.), Kurt Reinken (STEG), Kai-Michael Hartig (Körber-Stiftung), Katja Scheer (Netzwerk Musik von den Elbinseln), Fahrid Müller (GAL) und Andy Grote (SPD).

Die Ergebnisse der Konferenz sollen 2011 in Buchform erscheinen.
Programm und Informationen zur Teilnahme findet Ihr im angehängten Programm.

Robin Kuchar, M.A.
Institut für Kulturtheorie, Kulturforschung und Künste
Scharnhorststraße 1, Raum C1.113
21335 Lüneburg
Fon. 04131-677 1306
Mail. robin.kuchar(at)leuphana.de

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metainfo & medienwatch
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Financial Times Paul Krugman: Verrückte an der Macht

Europas Marsch in die nächste Wirtschaftskrise

Bereits im Sommer sprach Paul Krugman, der im vergangenen Jahr mit dem Nobelpreis für Wirtschaft ausgezeichnet wurde, von „Verrückten“, die sich an der Macht befänden – insbesondere in Europa – und die Wirtschaft in die nächste Krise steuerten, um damit die gefürchtete „Double-Dip-Rezession“ auszulösen. Die Entwicklung in den neuen Niedergang beschreibt aktuell auch in der Financial Times der deutsche Wirtschaftswissenschaftler Gustav Horn: „Die Konjunktur ist nur fit gespritzt“.
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Wie auch von uns in früheren Beiträgen ausgeführt, bemüht sich die deutsche Wirtschaftspolitik – und ihr folgend die Regierungen vieler EU-Staaten – die Fehler zu wiederholen, die bereits zur Zeit der großen Depression zu Beginn der 30er-Jahre in den Ruin (und zum Aufstieg des Nazi-Regimes in Deutschland) führten: damals war es Reichskanzler Brüning, der mit immer neuen Notverordnungen und Sparmassnahmen die Wirtschaftstätigkeit nahezu zum Stillstand brachte, sie quasi zu Tode sparte.
Dieser ruinöse Ansatz wird heute in Europa wiederholt, begründet damit, dass die überschuldeten Staatshaushalte saniert werden müssten. In extremer Form wird die wirtschaftliche Strangulierung dabei praktiziert gegenüber den von der Finanzkrise besonders getroffenen Ländern, wie Griechenland, Spanien und Irland, aber auch in den vergleichsweise finanziell stabilen Staaten, wie Deutschland und Frankreich wird die Austrocknung der Ökonomie – mit Ausnahme der Exportwirtschaft – durch Sparmassnahmen voran getrieben.
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Dass diese Wirtschaftspolitik zur Selbstkannibalisierung führt wurde inzwischen von verschiedenen Ökonomen erklärt: besonders das Zurückfahren öffentlicher Investitionen durch Sparmassnahmen sowie die weitere Dämpfung der Binnennachfrage, des Konsums der Bevölkerung bewirken negative Effekte auf die Entwicklung der Wirtschaft, weiter einbrechende Steuereinnahmen und konterkarieren damit das Sparziel der Haushaltssanierung: die Schulden vergrößern sich in dieser Abwärtsspirale, während die Wirtschaft weiter schrumpft.
Gustuv Horn erklärt entsprechend, es sei aktuell der falsche Zeitpunkt zum Sparen.
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Nach den Einschätzungen verschiedener Ökonomen, wie Krugman und anderen, verdankt sich die aktuell positive Wirtschaftsentwicklung, wie sie in Deutschland zu spüren ist, insbesondere den Effekten staatlicher Konjunkturprogramme, die seit dem Ausbruch der Krise aufgelegt wurden – hierunter etwa die deutsche Abwrackprämie – von denen aber keine nachhaltige Wirkung zu erwarten sei.
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Deutschland: parasitäre Scheinblüte

Insbesondere schwimmt dabei die deutsche Wirtschaft quasi parasitär auf den Konjunkturmassnahmen anderer Länder: die Konjunkturmassnahmen etwa in China, dessen Wirtschaftsoutput dem deutschen ungefähr vergleichbar ist, umfassten mehr als den 20-fachen Betrag des deutschen Konjunkturpakets und halfen damit unter anderem der deutschen Automobilindustrie wieder auf die Beine.
Auch in den USA war ein sehr viel umfassenderes Konjunkturpaket aufgelegt worden. Allerdings versandete hier ein Großteil der Mittel im Terrain der maroden Finanzindustrie, ihrer Zombie-Banken und -Konzerne.
Da große Teile dieser Konjunkturspritzen insbesondere von den jeweiligen Oberschichten / der wirtschaftlichen Elite abgeschöpft wurden, konnte die deutsche Automobilindustrie, die besonders das Segment der S-Klasse bedient, dadurch neue Geschäftserfolge verbuchen, nachdem der Effekt der Abwrackprämie verraucht war.
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Desinformationskampagnen zur Ablenkung von den tatsächlichen Ursachen

Bei der Diskussion über die Notwendigkeit der Haushaltssanierung und der hier gezogenen Schlussfolgerung, dass durchgreifende Sparmassnahmen unabwendbar seien, wurde gleichzeitig von Politikern und Medien durchweg ausgeklammert, wodurch der vielfach hohe Schuldenstand verursacht wurde: so war auch durch eine Studie der EU festgestellt worden, dass die finanziellen Schwierigkeiten Griechenlands nicht, wie etwa in der Kampagne der BILD-Zeitung behauptet, verursacht waren durch Schlendrian, mangelnde Arbeitsdisziplin der Bevölkerung und allgemein unsolides Geschäftsgebaren oder Korruption; fraglos waren auch diese Faktoren dort im Spiel, jedoch nicht in nennenswert höherem Umfang, als in vielen anderen Staaten der EU. Die Hauptursache hingegen bestand offenbar in den extensiven Massnahmen der Bankenrettung im Zusammenhang der Finanzkrise, und damit ähnlicher Bedingungen, wie sie aktuell in Irland zu konstatieren sind.
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Auch in Deutschland werden die Sparzwänge insbesondere durch den hohen Aufwand der Bankenrettungsmassnahmen forciert. Dieser Hintergrund wird gleichzeitig von den Medien praktisch durchweg verschwiegen und stattdessen der Eindruck erzeugt, der Schlendrian, die Neigung zur hemmungslosen Verschuldung sei beim Staat zu suchen, bei Ausgaben für Klimaschutz, für Soziales, für Renten und anderen Budgetposten, die der breiten Bevölkerung zugute kommen.
Während weitere 40 Milliarden, die von der Hypo Real Estate beansprucht werden, um damit die Deutsche Bank und andere Gläubiger abzufinden, als selbstverständlich und unumgänglich abgebucht werden, wird gleichzeitig damit als nur wenig kritikwürdig sondern mehr oder weniger unumgänglich hingenommen, dass dies gegenfinanziert wird, indem durch die Streichung des Elterngeldes für alleinerziehende ALG2-Empfänger diese noch weiter in die Armut getrieben werden.
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Förderung der prekär-krisenhaften Entwicklung durch die Medien

Diese zunehmend krassen Unverhältnismäßigkeiten werden ermöglicht durch eine Medienlandschaft wie in Deutschland, die hier Bundeskanzlerin Merkel in Anbetracht ihrer Banken- und konzernfreundlichen politischen Ausrichtung meist nur milde kritisiert und die wesentliche Hintergundinformationen – etwa zum Verbleib immenser Beträge aus öffentlichen Mitteln zur Bankenrettung – ausblendet und insgesamt Argumentationszusammenhänge im Sinn der großen Banken und Konzerne herstellt.

Während dabei kritische Informationen zum Geschäftsgebaren der Großkonzerne und Banken meist milde vorgetragen und relativiert werden, ist andererseits festzustellen, dass gern Gelegenheiten wahrgenommen werden, um verschiedene Gruppen der Bevölkerung gegeneinander auszuspielen nach dem bekannten Muster „divide et impera“.
So werden Beschäftigte in Gegensatz gebracht zu „arbeitsscheuen“ Arbeitslosen, „fleißige“ Deutsche gegen „faule“ Griechen, Deutsche Einheimische gegen Muslime usw.
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Divide et Impera

Dies Spiel der Medien gestaltet sich in Deutschland (etwa in Form der Kampagnen der BILD-Zeitung, durch extensive Publizität zugunsten spaltender Populisten, wie Thilo Sarrazin und andere) sehr erfolgreich und verhindert damit, dass sich die Bevölkerung solidarisch verhält gegenüber Politikern, Banken und Großkonzernen, die die öffentlichen Kassen, das Gemeinwesen plündern, einen insgesamt prekären Zustand herstellen, den sie wiederum ausnutzen, um mit den so erzielten Notlagen weitere Geschäfte zu machen und Gewinn zu erzielen. – 24.09.10 1518 | gw

http://www.ftd.de/politik/konjunktur/:aufschwung-die-konjunktur-ist-nur-fit-gespritzt/50167356.html
http://krugman.blogs.nytimes.com/2010/06/07/madmen-in-authority
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32635/1.html
http://www.heise.de/tp/blogs/8/147792
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33359/1.html

Metainfo: Originalartikel bzw. ergänzende Info hier

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„Kunstwissenschaft ist Klimaforschung“ Kunst und Wissenschaft im Altonaer Museum 2009 Gunnar F. Gerlach, Mojib Lativ noroomgallery => [::]

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medienwatch.wordpress.com | medienwatch.de | meta-info.de

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Written by medienwatch & metainfo

September 27, 2010 um 06:43

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