medienwatch & metainfo (gfok)

Medienrecherche: Politik | Wissenschaft | Kunstprojekte

Haus des Widerstands: „Verschlußsache Weltvergiftung“

with 3 comments

haus-des-widerstands-01

Seite 6 – Nr. 224 – Hamburger Abendblatt. Feuilleton. Sonnabend/Sonntag (1994)

.

„Haus des Widerstands“

Konzept (erarbeitet 1993/94 Kunst, Politk + Wissenschaft)

archiv.abendblatt.de/ha/1994/pdf/19940924.pdf/ASV_HAB_19940924_HA_006.pdf

*

[aktive archive°] Das ursprüngliche Konzept »Haus des Widerstands« (Idee: Stange, Gerlach, Buchmann) umfasst 26 A4 Seiten

.
.

..

Erinnern und erforschen

Hamburger Künstler und Wissenschaftler für ein „Haus des Widerstandes“
(foto: taz/Kampnagel/Fundeshalle)

Das Widerstand nicht immer nur als Reaktionsform auftritt, beweist ein sich aus verschiedenen Gruppen formierendes Projekt mit dem Arbeitstitel „Haus des Widerstandes“ – Zentrum für Widerstandsforschung“. Während sich gerade erste Widerstände gegen den Kampnagel-Bebauungsplan formieren, wird nun die Konzeption für ein Zentrum für Widerstandsforschung in der alten Fundushalle auf dem Kampnagel-Gelände in die Diskussion gebracht. Der Rest der Halle, die zur Häfte abgerissen werden soll, soll der Kampnagel-GmbH zur Verfügung gestellt werden – zum Beispiel für ein Haus des Widerstands?

Kampnagel ist ein archäologisch interessanter Ort der Industrie-Entwicklung. Willi Bredel literarisierte das Gelände, im Zweiten Weltkrieg wurden hier Zwangsarbeiter gepeinigt, während in dem Gürtel der Schumacher-Architekturen von der Jarrestadt bis zum Dulsberg auch die Kräfte des Widerstandes arbeiteten – von altgedienten SPD-Leuten, KPDler bis zur anarchisch-libertären Roten Hilfe. Im vergangenen Jahrzehnt nun hat sich Kampnagel zu einem internationalen Forum für verschiedenste Kunst- und Kommunikationsformen entwickelt.

Das von dem Hamburger Künstler Jörg Stange und GAL-Politiker Cornelius Buchmann mit Hilfe des Kunstwissenschaftlers Gunnar F. Gerlach, der Autorin Gabriele Leidloff und des Politiker Volker Stranz erarbeitete Konzept wurde bereits am 4. Mai interessiert im Kultur-Ausschuß des Bezirks Nord aufgenommen und wird morgen in der Bezirksversammlung vorgestellt.

Es geht nicht um ein Museum im herkömmlichen Sinne. Vielmehr sollen Mitarbeiter und Publikum im Mittelpunkt stehen. Wissenschaftliche und historische Dokumentationen und Forschungsprojekte sollen daneben Hintergründe und Auswirkungen von Zivilcourage und Engagement gegen Unterdrückung und Barbarei aufarbeiten.

Archive und Bibliotheken sollen dem Besucher genauso zur Verfügung stehen, und Ausstellungen wollen zu politisch, ökologisch und sozial motivierter Kunst zur Diskussion herausfordern. Das selbst-referentielle L-Art pour L-Art wird aktiv ersetzt durch einen über sich selbst hinausweisenden Kunst- und Wissenschaftsbegriff – so wie die Erstellung des Konzeptes aus Diskussionen und Arbeitskreisen von Bildenden Künstlern, Literaten und Politikern entwickelt wurde. Das Interesse geht aber weit über diesen Kreis hinaus: Unterstützung erhält die Initiative durch den Verband deutscher Schriftsteller, durch die Schriftsteller Gerda Zorn, Arie Goral und Peggy Parnass, die Fachgruppe bildende Kunst in den IG Medien, die Ärzte gegen den Atomtod IPPNW, die Willi-Bredel-Stiftung und Brecht-Tochter Hanne Hiob.

Die Fundushalle – oder die verbleibende Hälfte – wirft natürlich Finanzierungsprobleme auf. Nicht nur die Renovierung, auch die laufenden Kosten werden Unterstützung durch Politik und Wirtschaft erfordern. Gerade das weltoffene Hamburg könnte hier ein Zeichen setzen: nicht nur gegen die neue Barbarei, sondern für eine geschichtliche Erinnerung, für ausländische Freunde, für einen innovativen Kunstbegriff und für eine lebendige Wissenschaft. So kann aus einem erzwungenem, bloß reaktiven Dagegen ein konstruktives, gestaltbares Dafür werden.

Moritz von Kärnten

(Arbeitstitel: „Haus des Widerstands“. In der Folge, fanden auf Kampnagel, finden transformiert(e) durch/in verschiedenen Projekten und über Kampnagel hinaus Ein/Ausstellungen, operative Performances°, Installationen° etc. statt).

.

.

.

.

TAZ-Bericht Gunnar F. Gerlach
24.04.1995 Karte: Jörg Stange


..

Verschlußsache Weltvergiftung

Ein Symposium gegen die Verklärung von Energiepolitik

Am 26. April 1986 wurde die atomare Apokalypse in Tschernobyl Wirklichkeit.
In der Ukraine wurden 2,5 Millionen Einwohner verstrahlt – die Fälle von Schilddrüsenkrebs bei Kindern der Region haben sich seither um das 20fache erhöht. In der Evangelischen Akademie fand nun zu diesem Thema am Samstag ein Symposium Europa ohne Atomenergie – ein Ost-West-Dialog statt.

Bezeichnenderweise waren von politischer Seite nur Vertreter der Grünen/Bündnis 90 bereit, über alternative Energiepolitik zu diskutieren. Aus der Bonner SPD-Baracke kamen fadenscheinige Absagen: „Auf Grund der zu geringen Informationen kann sich die SPD zu diesem Thema nicht öffentlich äußern!“ Dabei hat die Empfängerin des Alternativen Nobelpreises 1992, die ukrainische Journalistin Alla Jaroshinskaja, einst die geheim gehaltenen Dokumente der Katastrophe unter anderem deswegen entwendet, um die Weltöffentlichkeit aufzuklären. Die Publikation Verschlußsache Tschernobyl liegt zudem in Deutsch seit 1994 vor (Basis Druck Verlag, Berlin, 29,80 Mark).

Von diesem Symposium erhofften sich die Initiatoren nun authentische Berichte von Umweltaktivisten der ehemaligen Ostblockländer, deren Informationen so gut wie nie in den Westen gelangen. Die Problematik einer zukünftigen, gemeinsamen Ost-West-Energie-Politik und die dringend notwendige Zusammenarbeit bei Alternativ-Projekten steht immer noch unter dem Einfluß „einer Atom-Lobby in Ost und West, die im Kalten Krieg getrimmt wurde“, so der Konsens.

Eindringlich und solidarisch brachte sich auch die Kunst ins Bild: Jörg Stange von artbase schuf mit dem Architekten D. Brockmöller ein anspielungsreiches Veranstaltungs-Logo, daß auch in Zukunft Wirkung zeigen sollte: Das Bild „Die Akte Tschernobyl 1495-1986“ setzt da Vincis Abendmahl mit einem Chemikalien versprühenden MI-8-Hubschrauber über dem zerstörten KKW in Beziehung. Statt des Blicks in die perspektivische Landschaft das Grauen der Perspektivlosigkeit.

Wie gering unser Wissen um Atom-Lobby und politisch-wirtschaftliche Kalküle ist, zeigten die Hinweise auf die unselige Rolle des französischen Energiekonzerns EDF, der seine ostpolitischen Interessen gegen jede ökologische Vernunft betreibt, oder die Aufklärung über den hier nie bekannt gewordenen AKW-Unfall A1 Jaslovske Bohunice in der Tschechoslowakei (1976/77) – die zerstörten Brennstäbe sollen noch vor Ort herumliegen.

Gunnar F. Gerlach

.

Wir konnten 1995 parallel zum Symposium erfahren, dass laut Auskunft von engagierten und vernetzten europäischen Imkern, die erhöhte Radioaktivität durch interne Untersuchungen der Imker im Honig nachgewiesen wurde. Die Imker in u.a. Dänemark und Schweden wunderten sich, da keine Informationen über einen Atom-Gau vorlagen. Jörg Stange

.

abendmahl_die_akte_tschernobyl-stange-1995

 

.

In Zusammenarbeit mit Hartwig Zillmer und der Evangelischen Akademie Hamburg

.

.

Suchmaske: Uran Atom (metasynapse)

http://news.web-hh.de/index11.php?such=Uran&suche=man&rubrik=

Uran Atom

http://news.web-hh.de/index11.php?such=Atom&suche=man&rubrik=

.

.

.

Aus der Eisenzeit

Übersetzungsformen der Moderne

Kampnagel K3 1994

Katalog:

https://medienwatch.wordpress.com/morsetext-materialien/

Written by medienwatch & metainfo

Februar 17, 2009 um 00:38

3 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. -Im gleichen Jahr, in dem sich die Tschernobylkatastrophe ereignete, fanden 2 mittelgroße Reaktorunfälle statt, einer in den USA und einer im Süden Deutschlands. Nur-keiner spricht darüber !!!
    – Seither wird die Weltbevölkerung ( besonders die in den Kriegsgebieten Lebenden!) laufend mit radioaktiven Stoffen ,in Form von Waffen, DU genannt
    ( Insider sprechen von Atomwaffen !!) mittels Bomben, Granaten und Kugeln freigesetzt, verseucht.
    Darüber spricht man auch nicht.
    Was soll das unqualifizierte Gelabere über Tschernobyl, wenn man andere gefährlichere Dinge, die heute und hier passieren, einfach außen vor läßt.
    Kann mir das jemand mal erklären ? B. Queck

    Nivht so voreilig losqua(r)ken: Der Vorwurf ist unbegündet! Der Beitrag wurde unter [aktive archive] eingestellt. Den Blick über die beschränkte Behauptung wagen? Lesen hilft! hier: (einige Links sind durch Providerwechsel 2012, leider nicht mehr vorhanden)
    Suchmaske: Uran Atom

    http://news.web-hh.de/index11.php?such=Uran&suche=man&rubrik=

    Uran Atom

    http://news.web-hh.de/index11.php?such=Atom&suche=man&rubrik=

    Queck

    August 26, 2009 at 10:12

    • Danke für die Kritik. Siehe Links oben: Beiträge der letzten Jahre.

      medienwatch

      Oktober 20, 2009 at 23:52


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: