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Fukushima: düsterer Ausblick und lauernde Desaster

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Während in Deutschland die Medien zur Tagesordnung übergegangen sind und nur noch selten eine Meldung zum japanischen Nukleardesaster die Presse erreicht, lassen sich heute zwei Feststellungen zum Verlauf der Katastrophe ableiten: die Medienarbeit und Informationspolitik – ob in Japan oder international – ist insgesamt als sehr professionell und erfolgreich zu betrachten: zugunsten der Nuklearindustrie, die einen vollständigen Blackout ihrer Geschäfte abwenden konnte. Zugleich entpuppt sich das Desaster selbst als viel gravierender, als bisher angenommen.

Die Bestandsaufnahme der Vorfälle in Fukushima fällt von Woche zu Woche düsterer aus: inzwischen ist nicht mehr zu leugnen, dass selbst eine Kontrolle der Atomruine – etwa in der Form, in der sie nach einigen Wochen in Tschernobyl durch die Abdeckung des Katastrophenreaktors erreicht werden konnte – in diesem Jahr nicht mehr realistisch ist. Die Probleme und Risiken bleiben auf absehbare Zeit unbeherrschbar und überfordern den Betreiberkonzern Tepco selbst, wie auch die internationale Expertise der Nuklearindustrie: in drei Reaktoren befindet sich eine unkontrollierte Kernschmelze Und darüberhinaus geht die vermutlich größte Gefahr von dem vierten Reaktor aus, dessen Gebäude vom Einsturz bedroht ist während sein Inventar, das eine Neigung zu unkontrollierbaren Kettenreaktionen („Rekritikalität“) zeigt in einem solchen – etwa durch Nachbeben ausgelösten – Fall das Land mit umfassenden Emissionen bedroht. Der Brand im Brennelementebecken des vierten Reaktors hatte bereits im März starke Freisetzungen von radioaktivem Material der Brennstäbe verursacht, die von keiner Schutzhülle mehr aufgehalten wurde.

Die Versuche, die Reaktoren zu kühlen, produzieren täglich tausende Tonnen an kontaminiertem Wasser, die vielfach ungehindert durch Lecks aus den Reaktoren austreten und Keller und Gräben füllen. Unter den gegebenen Bedingungen wird das Kühlwasser durch unmittelbaren Kontakt mit den zerstörten Brennstäben oder der Kernschmelze hochradioaktiv verseucht. Auch das zwischenzeitlich vorgesehene Konzept, das Kühlwasser in einem Kreislauf einzusetzen und dabei die radioaktiven Stoffe herauszufiltern, ist nicht realistisch:das Material, das sich in den Filtern ansammelt, droht diese zu zerstören durch die hohen Temperaturen, die von der Radioaktivität verursacht werden. Die Radioaktivität schliesst ausserdem aus, dass sich Arbeiter den Filtern nähern, um sie auszutauschen.
Umfassende Verseuchung durch austretendes Kühlwasser betrifft auch das Grundwasser von Fukushima.

Wer die Informationspolitik der Japaner nach dem Nukleardesaster beobachtete, konnte leicht zu dem Schluss gelangen, man habe dort nichts mehr im Griff, die Politik sei ebenso vollkommen überfordert, wie der Kraftwerksbetreiber Tepco. Dieser Schluss mag in technischer und organisatorischer Hinsicht mit Blick auf das Katastrophenmanagement zutreffen. Wer nun jedoch einen Blick wirft auf die Resultate dieses Durcheinanders, dieser Belege der Unfähigkeit auf höchster Ebene, kommt zu der Feststellung, dass die Opfer, die Betroffenen dieser „Inkompetenz“ nicht ihre Urheber selbst sind, sondern die allgemeine Bevölkerung, die unter den Konsequenzen zu leiden hat. Gleichzeitig funktionieren jedoch die diversen Ansätze der Schdensbegrenzung durch Vernebelung und Verwirrung des Publikums seitens der Verursacher.
Als Urheber zu betrachten ist dabei letztlich die globale Nuklearindustrie und die ihr zugewandten Politiker. In den vergangenen Monaten war leicht zu erkennen, dass die Muster ihrer Geschäftstätigkeit und Energiepolitik in den westlichen Staaten weitgehend identisch sind: die Intransigenz, die Verdrängung der Risiken, die Leichtfertigkeit im Umgang mit den Gefahren, die Neigung, die Kosten zu minimieren ungeachtet der Konsequenzen, die Verfilzung von staatlichen Kontrollbehörden mit privaten Kraftwerksbetreibern, die Leugnung von Störfällen und Emissionen solange, bis sie nicht mehr in Abrede zu stellen sind, die Kumpanei von Medien und Politikern mit den Energiekonzernen und ihrem Management: die Unterschiede sind geringfügig, ob man den Blick auf Japan, die USA, Frankreich oder Deutschland richtet.

In Japan wurden nun unter dem Druck der Öffentlichkeit Fehler und Kontrollverluste eingeräumt. In anderen Ländern, in denen die Nuklearindustrie einen relevanten Anteil an der Stromerzeugung hat, dominieren weiterhin deren Bemühungen, das Desaster als japanischen Sonderfall hinzustellen.
Dass die Atomkonzerne auch hier eng vernetzt sind mit den Kontrollbehörden und gemeinsam mit diesen jedes Risiko solange bestreiten, bis das reale Eintreten eines Schadens nicht mehr zu leugnen ist, wird nur selten von den Medien berichtet. So wurde immer behauptet, ein Bruch des Reaktor-Sicherheitsbehälters, des Containments, sei praktisch undenkbar. Dieser Fall ist in den Reaktoren Fukushima 1 – 3 aufgetreten. Risse des Containments waren allerdings auch vorher bereits bei amerikanischen Reaktoren bekannt geworden – ohne die Kontrollbehörde daran zu hindern, zu bestreiten, dass ein solcher Fall möglich sei.

In Deutschland stellen sich die Nuklearkonzerne auf den Standpunkt, dass der Betrieb der Reaktoren ihr gutes Recht sei und der Versuch von seiten der Politik, dies Recht einzuschränken, als illegitim zu betrachten sei. Dieser Versuch wird naheliegenderweise von der schwarz-gelben Koalition unter Agela Merkel unterstützt, indem das Atomausstiegsgesetz so schlecht begründet wird, dass es den Energiekonzernen eine Steilvorlage für juristische Gegenmassnahmen und hohe Entschädigungsforderungen liefert.

Als Zweck dieses Vorgehens kann angenommen werden, dass auf diesem Weg die Atomkonzerne schadlos gehalten werden sollen – auf Kosten von Steuerzahler und Gemeinwesen – während gleichzeitig der Öffentlichkeit vorgespiegelt wird, man bemühe sich ernsthaft um einen wirksamen Atomausstieg. Die Probleme seien in der Komplexität der Energiepolitik bzw. der technischen Gegebenheiten zu suchen und seien beim besten Willen nicht vorteilhafter zu lösen – dabei wäre etwa ein simpler Weg, den Konzernen die Haftung für das Risiko des Betriebs der Kraftwerke aufzuerlegen – keie Versicherung ist bisher bereit dies Risiko zu übernehmen, das bisher per Gesetz dem Staat übertragen wurde. Auch die Auflage, die Sicherheitsanforderungen auf einen Level zu heben, auf dem durch einen bei anderer Gelegenheit gern zitierten Terrorangriff keine Gefährdung der Bevälkerung verursacht würde, hätte die Abschaltung aller Atomkraftwerke zur Konsequenz. Damit läge die Last bei den Kraftwerksbetreibern anstatt bei der Öffentlichkeit, beim Steuerzahler, wie es die schwarz-gelbe Regierung bezweckt. Stattdessen wird es, wie bei früheren Gelegenheiten, ein Gesetzestext oder Vertrag etwa der Kanzlei Freshfields geben, wie er z.B. im Fall der LKW-Maut dafür sorgte, dass die (juristischen) Asse an die Großkonzerne überreicht wurden, während dem Staat / dem Steuerzahler nur die Nieten bleiben – ein Ergebnis, das von den Medien anschließend als bedauerlich aber alternativlos erklärt wird. gw – 10.06.11 0034  metainfo

http://www.fairewinds.com/

http://www.chrismartenson.com/blog/exclusive-arnie-gundersen-interview-dangers-fukushima-are-worse-and-longer-lived-we-think/58689

Originalartikel bzw. ergänzende Info hier


http://news.web-hh.de/?newsfull=1&lid=33716&rubrik=politik

 

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Written by medienwatch & metainfo

Juni 12, 2011 um 11:17

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