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Der Sinto Walter Winter überlebt den NS-Terror

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Blinzelbar  –  Große Bergstraße 156  –    Hamburg
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Karin Guth

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„Z3105 Der Sinto Walter Winter überlebt den Holocaust“

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Lesung am 30. Januar 2009 – 20 Uhr

Sinti und Roma leben seit Jahrhunderten in Europa. Die in West- und Mitteleuropa beheimateten Angehörigen dieser Minderheit sind Sinti (Einzahl, männlich: Sinto und Einzahl, weiblich: Sintezza). Diejenigen osteuropäischer Herkunft sind Roma (Einzahl, männlich: Rom, Einzahl, weiblich: Romni). Das Verbindende beider miteinander verwandter Bevölkerungsgruppen ist die gemeinsame Herkunft. Aufgrund sprachanalytischer Untersuchungen des Romanes, d.h. der Sprache dieser Minderheit, wird Indien wegen Ähnlichkeit zum Sanskrit als Ursprungsland der Sinti und Roma angenommen. Als Bezeichnung für die gesamte Minderheit hat sich international die Bezeichnung „Roma“ durchgesetzt, in Deutschland spricht man von Sinti und Roma, weil Sinti in diesem Land seit über 600 Jahren ansässig sind. „Zigeuner“ ist eine Fremdbezeichnung durch die Mehrheitsbevölkerung, die von der Minderheit selbst als diskriminierend abgelehnt wird, da der Begriff Klischees und negative Stereotypen transportiert, seine Anwendung deshalb im Kern rassistisch ist. Sinti und Roma wurden während der nationalsozialistischen Herrschaft ebenso wie die Juden aus rassistischen Gründen verfolgt, deportiert in den Konzentrationslagern ermordet. Aus Hamburg wurden nahezu alle der damals ca. 1200 hier ansässigen Angehörigen dieser Minderheit (weniger als 0,1% der Gesamtbevölkerung in der Stadt) in die Konzentrationslager Belzec und Auschwitz deportiert. Man geht davon aus, daß insgesamt mindestens 500 000 Sinti und Roma im europäischen Machtbereich der Nationalsozialisten dem rassistischen Völkermord zum Opfer fielen.
Nach 1945 hat es Jahrzehnte gedauert, bis der Völkermord an den Sinti und Roma in das Blickfeld der Gesellschaft geriet. Bis heute dauern die Diskussionen um die Gleichbehandlung aller rassistisch Verfolgter an, d.h. der Juden und der Sinti und Roma. Für diese Minderheit und besonders für die wenigen Überlebenden des Holocaust wird dies als andauernde Diskriminierung empfunden.

Karin Guth stellt den Lebensweg eines 1919 geborenen Sinto dar, der in Ostfriesland aufgewachsen ist. Nach zwei Jahren als anerkannter Marine-Soldat wurde er aus der Wehrmacht entlassen und 1943 aus rassistischen Gründen in das von den Nazis so genannte „Zigeunerlager“ von Auschwitz-Birkenau deportiert. Vor der Ermordung aller dort Inhaftierten, d.h. vor der „Auflösung“ des „Zigeunerlagers“ im August 1944 transportierte man ihn zusammen mit anderen „arbeitsfähigen“ Häftlingen in das KZ Ravensbrück und von dort später in das KZ Sachsenhausen. Aufgrund seiner früheren Wehrmachtsangehörigkeit wurde er unmittelbar vor Kriegsende, im April 1945, in SS-Uniform zum Kampf gegen die Rote Armee gezwungen.
Walter Winter überlebte den nationalsozialistischen Völkermord an den Sinti und Roma und baute sich nach 1945 eine erfolgreiche Existenz als Schausteller auf. Der fast Neunzigjährige lebt in Hamburg. Im Rahmen der Vorbereitung eines von Karin Guth initiierten Projekts zur Erinnerung an die Verfolgung der Hamburger Sinti und Roma hat sie Walter Winter 2002 kennen gelernt. In sehr vielen Gesprächen über mehrere Jahre hat Walter Winter ihr seinen Lebensweg in Einzelheiten geschildert. Als einfühlende Erzählerin stellt sie aus seiner Perspektive seine Erlebnisse, Erfahrungen und Reflektionen dar. Es war ihr wichtig, nicht nur seinen Ton zu treffen, sondern seine Erinnerungen mit den historischen Fakten zu ergänzen. Alle Aussagen, die sich auf historisch Belegbares beziehen, hat sie recherchiert und in die Erzählung einfließen lassen.
Dabei geht es nicht nur um die Beschreibung der Situation in den Konzentrationslagern, besonders im so genannten „Zigeunerlager“ in Auschwitz, sondern auch um die Darstellung der Lebensweise einer Sinti-Familie. Der Leser bekommt einen Einblick in die Tätigkeit eines Schaustellers und erfährt vom andauernden Kampf um die Gleichbehandlung der Opfer rassistischer Verfolgung. Erklärende Anmerkungen ergänzen den Text. Ein Abriss über Geschichte und Gegenwart der Sinti und Roma in Deutschland, eine Chronologie der Verfolgung in der NS-Zeit, eine Literaturauswahl sowie Fotos und geografischen Karten finden sich in der Publikation.
Karin Guth hat Philosophie, Kunst und Germanistik in Hamburg und Oxford studiert und auf allen drei Gebieten in der Lehre, u.a. am Johanneum und freischaffend gearbeitet. Sie lebt in Hamburg und befasst sich seit mehreren Jahren intensiv mit dem Thema privater und öffentlicher Erinnerung.

Das Buch von Karin Guth „Z3105″ – Der Sinto Walter Winter überlebt den Holocaust“ erscheint im Januar 2009 im VSA Verlag, ca. 240 Seiten; mit
Fotos und Karten

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http://www.hierunda.de/archiv/archiv-09/Guth_Z3105_Winter_Cover.pdf

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Written by medienwatch & metainfo

Januar 26, 2009 at 13:33