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Archive for the ‘Sprengelmuseum’ Category

Jochen Lempert Eingriff in der Sammlung Wilde

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13. April bis 1. Februar 2009

Jochen Lempert wurde eingeladen, eine Präsentation einzurichten, die eigene Werke zu solchen aus der Sammlung Ann und Jürgen Wilde ins Verhältnis setzt. Damit ist Jochen Lempert nach Heidi Specker, Vibeke Tandberg und Christopher Müller der vierte in dieser Ausstellungsreihe, die Künstlerinnen und Künstlern, die mit eigenen Arbeiten in dieser Sammlung vertreten sind, Einblick in und Zugriff auf diese ermöglicht.
Jochen Lemperts Eingriff in die Sammlung Wilde ist ein poetisches Spiel mit inhaltlichen und formalen Assoziationen und Verweisen. Der Künstler studierte Biologie und experimentierte mit dem Medium Film bevor er sich der Fotografie zuwandte. Im Zentrum seiner Arbeit steht eine Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten des Mediums ebenso wie eine Auseinandersetzung mit der Wahrnehmung und Visualisierung des Animalischen.

Seit ihren frühen Jahren ist die Fotografie Instrument der Forschung. Die in ihr liegenden Möglichkeiten‚ objektiver‘ Dokumentation dienen der anschaulichen Visualisierung von Forschungsergebnissen. Es sind vor allem diese Indienstnahmen, die die technologischen Entwicklungen der Bildmedien vorangetrieben haben.
Jochen Lemperts lapidar anmutenden Umgang mit den fotografischen Materialien und dem bereitstehenden Repertoire apparativer Möglichkeiten legt allerdings auf den ersten Blick eine Spur in ein durchaus auch kritisches Verständnis von Wissenschaftlichkeit und Objektivität. Es ist eine poetische Langzeitstudie über die Entstehung und Entwicklung von Lebensformen bis hin zu ihren Domestizierungen, die Lempert betreibt. Das von ihm fotografisch fixierte Meeresleuchten etwa wird hervorgerufen durch mechanische Reizungen, die auf Ansammlungen von Mikroorganismen einwirken. Was der Künstler da erzeugt, indem er das fotografische Papier von solchen Mikroorganismen belichten lässt, sind Bilder der Urformen des Lebens. Gordius etwa ist der Gattungsname für eine Lebensform einfachsten Aufbaus, eines im Wasser lebenden sich selbst verschlingenden Wurms, der von Linné das erste Mal beschrieben wurde.
Eine streng wissenschaftliche Herangehensweise würde es erfordern, all die fixierten Lebensformen und Artenvielfalten in einer Darstellungsweise anzubieten, die Vergleichbarkeit nach objektiven Kriterien ermöglicht. Wo Lempert dies tut – etwa im Block der hier ausgestellten Vogelköpfe – gerät dies zu einer sinnlich-poetischen Persiflage auf solche Traditionen und Gesinnungen.
Was sich über die Geste der Systematisierung legt, ist der Eindruck physiognomisch anmutender Individualität.

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Dass Sichtbarkeit Wahrheiten produziert, war eine Grundannahme der Physiognomie, einer in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur Blüte kommenden Wissenschaft, die aus vermeintlich verallgemeinerbaren physischen Merkmalen Neigungen etwa zu kriminellen Handlungen ableitete und letztlich zu Ideen der Rassenhygiene mit all ihren weit reichenden Folgen führte. Bei Lempert ist Sichtbarkeit immer in erster Linie Licht. Das Meeresleuchten steht dafür ebenso wie das Feuer, das sich in einer die Sonne verdunkelnden Wolke wieder findet, wie die Sonnenstrahlen auf dem Laub, das sich wiederum der Fotosynthese verdankt, wie die dank fossiler Energien leuchtenden nächtlichen Hochhausfenster, wie die Leuchtkäfer auf der von Duane Michals fotografierten Hand. Lee Friedlanders Aufnahme eines Schattens wendet Lempert ins Licht. Nun ist es der Mann, der sich mit drei pelzigen Damen konfrontiert sieht. Das Porträt Hans Arps, aufgenommen von Florence Henri, selbst eine Meisterin der sich in Spiegeln brechenden Lichts, zeigt den Künstler als aus jenem Organischen schöpfend, in das er selbst einzugehen scheint. Die „Weidenmeise“, aufgenommen von Lempert, findet ihren Ort in einer Schilflandschaft an der Wackenitz – einem Wasserlauf, an dem Renger-Patzsch fotografierte, Lempert als Biologe tätig war und den Johannes Bobrowksi in poetischen Worten besang.

Jochen Lempert bietet die Sammlung Wilde als einen möglichen Ort‚ wilden Denkens’ in der Tradition des Ethnologen und Anthropologen Claude Lévi-Strauss dar. Er referiert visuelle Dokumente elementarer Strukturen von Verwandtschaft – wobei er die von Lévi-Strauss vertretene Trennung von Kultur und Natur ebenso zur Diskussion stellt wie das Medium, in dem er arbeitet.
I. Schube

Presse und Öffentlichkeitsarbeit: Dr. Isabelle Schwarz

© Jochen Lempert
Oiseaux – Vögel, 1997
9-teilig, 170 x 140 cm (je 54 x 48 cm)
Silbergelatine Baryt
Sammlung Ann und Jürgen Wilde / Sprengel Museum Hannover
Abb.: courtesy Sabine Schmidt Galerie, Köln

© Jochen Lempert
o. T.
2007, 30 x 24 cm
Silbergelatine Baryt
Abb.: courtesy Sabine Schmidt Galerie, Köln © Jochen Lempert

Fotoarbeiten: Jochen Lempert

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Keiner rechnet so genau wie der Wilde

Claude Lévi-Strauss ist tot

03.11.2009, 19:52

Von Fritz Göttler

Ein Wanderer auf Nebenpfaden, doch alle führten sie in die Mitte der Gesellschaft: Zum Tod des Ethnologen Claude Lévi-Strauss

Er war die große Figur des vorigen Jahrhunderts, die graue Eminenz, der Wissenschaftler, der als Ethnologe begann, aber von Anfang an alles in seinem universalen Blick hatte, die Menschen und ihre Gesellschaft, die Gegenwart und die Vergangenheit, die Politik und die Kultur, das Ordinäre und das Virtuose, das Rohe und das Gekochte =

http://www.sueddeutsche.de/kultur/936/493285/text/

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Ein Interview (1972, mit englischen Untertiteln) mit dem strukturalistischen Ethnologen Claude Lévi-Strauss, der am 30. Oktober im Alter von 100 Jahren starb … bleibt zusätzlich anzumerken, dass Lévi-Strauss in seiner Jugend- und Studentenzeit in der SFIO, der Groupe d’Études Socialistes und als Generalsekretär der Étudiants socialistes aktiv war

http://entdinglichung.wordpress.com/2009/11/04/claude-levi-strauss-1908-2009/

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Zum Tod von Claude Levy-Strauss

Fernab von allem Kitsch

Der Begründer der strukturalen Anthropologie ist kurz vor seinem 101. Geburtstag in Paris gestorben. Was von Claude Levy-Strauss aktuell bleibt. VON CORD RIECHELMANN

Es gibt ein Foto, auf dem Claude Lévi-Strauss mit einem schwarzen Vogel, der auf seiner Schulter sitzt, zu sehen ist. Die beiden wirken vertraut, aber es bleibt ein Rest an Distanz zwischen Vogel und Lévi-Strauss.

http://www.taz.de/1/leben/koepfe/artikel/1/fern-ab-von-allem-kitsch/

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Written by medienwatch & metainfo

Dezember 14, 2008 at 20:54