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Richard Hamilton: Die Welt neu ordnen

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Kunsthalle Bremen 1998: Andreas Kreul, Richard Hamilton, Gunnar F. Gerlach, Fotos: Jörg Stange ..

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Hamburger Abendblatt Nr. 16 vom 21.07.1998, Seite 006
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Richard-Hamilton-Retrospektive in der Kunsthalle Bremen

Die Welt neu ordnen

Von GUNNAR F. GERLACH

„Druckgrafik produzieren ist meine Obsession!“ Der dies sagt, ist einer der bedeutendsten Vertreter der Pop Art, und seine Bilder atmen noch heute jene Frische, die ihn 1956 berühmt gemacht hat: Unter dem Titel „Richard Hamilton – Subjekt to an impression“ ist dem Pionier der englischen Pop Art eine Ausstellung in der Kunsthalle Bremen gewidmet. 177 Arbeiten, in acht Gruppen unterteilt, dokumentieren die Entwicklung des Künstlers. Am Beispiel der Zeichnungen und Druckgrafiken von 1948 bis zur Gegenwart wird die Bandbreite der spielerischen Möglichkeiten des am 24. Februar 1922 in London geborenen Künstlers gezeigt: Die „Interiors“ betonen die Übergänge zwischen Privatheit und Öffentlichkeit, „Swingeing London“ stellt sich den Drogenproblemen der 60er Jahre, die Landschaften persiflieren den Reklameblick, und „Ulysses“ politisiert das irische Erbe von Joyce. Wie aktuell sein Werk immer noch ist, verdeutlichte die letzte documenta mit seinem Beitrag „Seven Rooms“ in Zusammenarbeit mit Ecke Boncks „Typosophic Society“. Die Anerkennungen durchziehen das Leben von Richard Hamilton: Jetzt hat er auch noch in Bremen den mit 25 000 DM dotierten Kunstpreis der Norddeutschen Landesbank Girozentrale (NORD/LB) bekommen. Trotz einer Herzoperation kam er zur Ausstellungseröffnung. Hamilton ist mit 76 Jahren noch immer jung und voller Energien. Er, den sich die prägende Großgestalt der Kunst des 20. Jahrhunderts, Marcel Duchamp, als kongenialen Nachlaßverwalter auserwählt hatte, reflektiert sehr viele Ebenen der Gegenwartskunst, die durch mediale Ein-, Um- und Aufbrüche geprägt ist. Dabei kommt ihm seine Erfahrung und Begeisterungsfähigkeit zugute: „Es war schon immer die Aufgabe des Künstlers, die Elemente der wechselnden, chaotischen Erfahrung in der Welt auszuwählen und neu zu ordnen. In der Schaffung von Ordnung, Kohärenz und Stabilität aus dem Fluß der Erfahrungen produziert der Künstler ein Bildwerk. Er muß einen Moment der Aufklärung ergreifen, ihm eine endgültige Gestalt geben.“ hamilton-appealing-303 Hamilton erfüllte bereits 1956 seine eigenen Reflexionen. Bei der legendären Ausstellung „This is Tomorrow“ in der Londoner Whitechapel Art Gallery, die Pop-Art-Geschichte begründete, zeigte der Künstler eine Collage, die heute fast jeder kennt: „Just what is it that makes to-days homes so different, so appealing?“ Ein Bodybuilder begegnet u. a. einem Tonbandgerät, einem Fernsehgerät, einem industriellen Schinken und dem nackten Fleisch einer Pin-Up-Schönheit in einem collagiertem Wohnzimmer. Die Gegensätze zwischen einem Museums-Bild und einer Reklame am Picadilly Circus waren aufgehoben. Massenmedien und Konsumgesellschaft bildeten das neue Wahrnehmungsproblem. Die Frage nach Kontexten, Räumen und Wertungen war formuliert. Damals ein Schock, weil die Wirklichkeit in der Kunst auf den Betrachter zurücksprang. Im Geiste Duchamps entstanden reziproke Readymades. Wahrnehmungs-Umkehrungen und Kontext-Verschiebungen sind auch das Thema der druckgrafischen Bearbeitung. Damit wählte Hamilton Techniken, die seinen Analysen und Inhalten bis heute entsprechen. Das erklärt, warum er für Künstler Vorbildcharakter erhielt. Künstler, für die Gestaltung stets ein Synonym von Politik war, wie u. a. KP Brehmer, konnten ihre Haltungen von der Reflexionslinie Duchamp-Picabia-Hamilton-Cage ableiten. Der Eingriff in die Wahrnehmung bezieht sich dennoch mit Achtung und Selbstironie auf die Geschichte der Kunst selbst. Hamiltons Bearbeitungen des Nordirland-Konflikts bezeugen das so nachdrücklich wie seine Studien zu Velazquez‘ „Las Meninas“, die er durch den analytisch-kubistischen Blick Picassos bricht und erweitert. Die Ausstellung in Bremen führt zu Bewußtsein, was Großfoto-verblendeten Künstlern fast in Vergessenheit zu geraten schien: „Will der Künstler nicht einen Großteil seiner althergebrachten Bestimmung verlieren, so wird er die Massenkünste plündern müssen, um die Bildwelt zurückzuerobern, die sein rechtmäßiges Erbe ist.“ Weitsichtige Worte Hamiltons . . . Kunsthalle Bremen, Am Wall 207, bis 18. 10., mi-so 10-17, di 10-21 Uhr, Katalog 58 Mark.

Wahrnehmung als politischer Auftrag: Richard Hamilton hat nach 20 Jahren wieder eine große Retrospektive in Deutschland.

erschienen am 21.07.1998

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Der Text wurde vom Autor für medienwatch freigegeben.
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ArtLyst: http://www.artlyst.com Richard Hamilton, The 88 year old Godfather of Pop Art speaks at the opening of his solo exhibition „Modern Moral Matters“ with introduction by Julia Peyton-Jones and Art World Superstar, Hans Ulrich Obrist see more on: ( http://www.artlyst.com ) The show runs from 3 March – 25 April 2010

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Februar 2, 2009 at 20:58