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Hamburg: Schritte zur Museumsentwicklung | Kritik an Kultursenatorin: „Totengräberin der Kunsthalle“

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Weitere Schritte zur Museumsentwicklung

Neue Finanz- und Führungsstruktur bei Hamburger Museumsstiftungen – Fonds für Sonderausstellungen geplant

23.03.2010, 13:34 Uhr

Zur Fortsetzung des 2007 gestarteten Museumsentwicklungsplans hat der Senat heute weitere Maßnahmen beschlossen, um durch strukturelle Veränderungen bei der Aufstellung der Wirtschaftspläne und der Führungsstruktur bei den Hamburger Museumsstiftungen dauerhaft eine finanzielle Stabilität zu erreichen. Grundlage der Drucksache bilden die Empfehlungen der 2009 von der Expertenkommission vorgelegten Zwischenbilanz zur Entwicklung der Museumsstiftungen.

Die wirtschaftliche Analyse der Experten ergibt, dass die Summe der Zuschüsse und der regulären Erträge für den Grundbetrieb der einzelnen Häuser im Prinzip ausreicht, die Mittel für Sondermaßnahmen aber eingeworben werden sollten. Daher soll in den Wirtschaftsplänen in Zukunft zwischen Museumsbetrieb und Sondermaßnahmen unterschieden werden. Für die Finanzierung von Sonderausstellungen wird der Senat bei der Bürgerschaft zum Haushalt 2011/2012 die Einrichtung eines zentralen Fonds in Höhe von 2 Mio. Euro pro Jahr beantragen. Über die Vergabe der Mittel soll eine Jury entscheiden. Um die Museen dabei zu unterstützen, in den Jahren 2010 bis 2012 ausgeglichene Jahresergebnisse erzielen, wird den Stiftungen eine zinslose Liquiditätshilfe für die bis Ende 2009 aufgelaufenen Fehlbeträge gewährt. Bei erfolgreicher Konsolidierung stellt der Senat für 2013/2014 eine weitere Entschuldung in Aussicht. Der Zuschuss für die Kunsthalle soll im Jahr 2010 einmalig um 1,9 Mio. Euro erhöht werden, um die Stiftung von den finanziellen Problemen durch die Rückabwicklung der Versicherungssumme für das gestohlene und wieder aufgetauchte Gemälde „Nebelschwaden“ von Caspar David Friedrich zu entlasten.

Für eine konsequente Umsetzung der neuen Finanzstrukturen wird das Controlling innerhalb der Stiftungen und der Behörde für Kultur, Sport und Medien (BKSM) optimiert und klare Ziel- und Leistungsvereinbarungen zwischen Stiftungsräten und Vorständen sowie zwischen der BKSM und den Stiftungen vereinbart. Um die Verantwortlichkeiten eindeutig und verbindlich festzulegen, werden die Stiftungsräte und Vorstände neu organisiert, sowie Kuratorien als Beratungsgremien installiert. Um im Vorstand museumsfachliche wie wirtschaftliche Kompetenzen zu gewährleisten, kann er jeweils aus bis zu zwei Personen bestehen. Bei der Stiftung Historische Museen sollen die vier Direktoren der jeweiligen Museen nicht mehr im Vorstand vertreten sein, sondern ein Generaldirektor als Mitglied des Vorstands bestellt werden. Auch hier kann der Vorstand aus bis zu zwei Personen bestehen. Um die Arbeit der Vorstände noch effektiver begleiten zu können, werden die Stiftungsräte um die Hälfte der Mitglieder verkleinert. Die Freie und Hansestadt Hamburg wird darin durch die Behörde für Kultur, Sport und Medien und die Finanzbehörde mehrheitlich vertreten sein. Weitere Mitglieder sind jeweils ein externer Sachverständiger, ein Vertreter der Freundeskreise, ein Personalratsmitglied der jeweiligen Stiftung und, bei der Stiftung Historische Museen, der Landrat des Landkreises Harburg. Darüber hinaus soll die Beratung durch Vertreter der Freundeskreise und andere Persönlichkeiten weiter ausgebaut werden – durch Kuratorien, die vor allem bei Sonderausstellungen, Veranstaltungen und der Neugestaltung von Dauerausstellungen mit entscheiden. Die Stiftungsausschüsse der vier stadt- und kulturgeschichtlichen Museen gehen in ein gemeinsames Kuratorium bei der Stiftung Historische Museen über.

Die erfolgreich begonnene digitale Grundinventarisierung für die Sammlungsbestände aller vier Museumsstiftungen soll mit hoher Priorität weiter verfolgt und in den nächsten fünf Jahren abgeschlossen werden. Um die Erfassung der Sammlungsbestände der Stiftung Historische Museen noch in diesem Jahr fortzusetzen, werden für 2010  bei der Bürgerschaft Mittel in Höhe von 500.000 Euro beantragt. Die für das Gesamtprojekt benötigten investiven Mittel sollen für den Haushalt 2011/12 angemeldet werden. Außerdem wird die Errichtung eines zentralen Kulturspeichers mit Priorität weiterverfolgt. Auf Grundlage der 2007 vorgelegten Machbarkeitsstudie und darauf folgenden Erhebungen wird die BKSM mögliche Immobilien identifizieren und unter Einbeziehung von Architekten und Planungsbüros die Investitions- und Betriebskosten für einen zentralen Kulturspeicher prüfen. Der Ausbau des Hafenmuseums und die Neugestaltung der Dauerausstellungen der Museen sollen nach erfolgreicher Konsolidierung und Abschluss der Planungen für den zentralen Kulturspeicher weiter verfolgt werden. Die konzeptionellen Grundlagen dafür werden bereits jetzt geschaffen, zum Beispiel durch die Entwicklung eines Masterplans zum Ausbau des Hafenmuseums durch das Studio Andreas Heller, der im Herbst 2010 vorliegen soll.

Mehr zum Museumsentwicklungsplan finden Sie unter www.hamburg.de/kulturbehoerde/2134004/museumsentwicklung.html

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Pressestelle der Behörde für Kultur, Sport und Medien Ilka von Bodungen Pressesprecherin Hohe Bleichen 22 20354 Hamburg Stadtplan » HVV-Verbindung »

http://www.hamburg.de/pressearchiv-fhh/2182660/2010-03-23-bksm-museumsentwicklung.html

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Warum Alfred Lichtwark 1886 gefragt wurde, ob er das Amt des Direktors der Hamburger Kunsthalle übernehmen wolle, welche vorher nur von einer Person des Senats verwaltet wurde, ist unklar:

„Wir wollen nicht ein Museum, das dasteht und wartet, sondern ein Institut, das thätig in die künstlerische Erziehung unserer Bevölkerung eingreift.“

* „Freie und Abrissstadt Hamburg“, dieser in Architekten-Foren des Internets sehr häufig zitierte Ausspruch Lichtwarks bezog sich auf die Planungen, die Arbeiterwohnungen im Hafen abzureißen und dafür die Speicherstadt zu bauen.

* „Es gibt in unserem Zeitalter kein Kunstwerk, das so aufmerksam betrachtet würde wie die Bildnisfotografie des eigenen Selbst, der nächsten Verwandten und Freunde, der Geliebten.“ [::]


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Widerspruch des Freundeskreises der Hamburger Kunsthalle

»Mit dem Kopf durch die Wand«

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PDF Download Widerspruch Freunde 22.3.2010

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Interview mit dem ehemaligen Direktor der Hamburger Kunsthalle Prof. Dr. Uwe M. Schneede zur aktuellen Museumspolitik in Hamburg

Die Emanzipation des Museums wird zum Scheitern gebracht

Nicole Büsing und Heiko Klaas: Herr Schneede, die staatlichen Museen sollen wieder direkt der Kulturbehörde unterstellt werden. Hat sich das unter anderem von Ihnen mit angestoßene Modell der weitgehenden Selbständigkeit nicht bewährt?
http://www.kunstmarkt.de/pagesmag/kunst/_id208040-/journal_berichtdetail.html?_q=

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Museumsreform in Hamburg

Kultursenatorin rudert zurück – ein Sieg für die Freundeskreise

Von Maike Schiller und Matthias Gretzschel

24. März 2010

Anders als geplant behalten Hamburgs Museumsförderer in den Stiftungsräten auch in Zukunft Sitz und Stimme – ein Teilerfolg.

http://www.abendblatt.de/kultur-live/article1432530/Kultursenatorin-rudert-zurueck-ein-Sieg-fuer-die-Freundeskreise.html

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TAZ | 24.03.2010
KOMMENTAR: PETRA SCHELLEN ÜBER ENTMÜNDIGTE MUSEEN

Die Spaltung gesät:

[..] Auch in ihrer Entscheidungsfreiheit will die Senatorin die Museen beschneiden: Nicht die Direktoren, die für sowas ja bezahlt wurden, sollen künftig die Ausstellungspolitik ihrer Häuser bestimmen. Sondern eine Jury, die von der Kulturbehörde einzusetzen ist. Sie wird Jahr für Jahr neu entscheiden, wer wie viel bekommt aus dem Zwei-Millionen-Euro-Ausstellungs-Fonds [..]

http://www.taz.de/1/nord/hamburg/artikel/?dig=2010%2F03%2F24%2Fa0173&cHash=63ded14483

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TAZ | 26.03.2010
Petra Schellen

Schwere Geschütze gegen Kultursenatorin

MUSEEN Kunsthallen-Förderer beschuldigt Karin von Welck, teure Ausstellungen durchgeboxt zu haben.
http://www.taz.de/1/nord/hamburg/artikel/?dig=2010%2F03%2F26%2Fa0188&cHash=252e379c56

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Hamburger Kulturpolitik

Nach Gutsherrinnenart

TAZ | 30.03.2010
Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) ist die Subkultur egal. Aber auch hochkulturell geht vieles schief: Die Elbphilharmonie frisst Geld ohne Ende und die Museen werden gegängelt. VON PETRA SCHELLEN
http://www.taz.de/1/leben/kuenste/artikel/1/nach-gutsherrinnenart/

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Von Welck verteidigt Kehrtwende in Museumspolitik

Von Katja Engler

24. März 2010, 04:00 Uhr

Kultursenatorin plant einen Fonds für Sonderausstellungen und will mehr Macht im Stiftungsrat:

http://www.welt.de/die-welt/vermischtes/hamburg/article6905560/Von-Welck-verteidigt-Kehrtwende-in-Museumspolitik.html

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HA-Archiv

Museumsentwicklung: Altonas Direktorin konnte sich nicht durchsetzen
Museumsdirektorin wirft das Handtuch
Von Matthias Gretzschel 22. März 2007, 00:00 Uhr

Die Reform der Hamburger Museen sorgt für Unruhe: Gestern trat Bärbel Hedinger, Direktorin des Altonaer Museums, zurück.

http://www.abendblatt.de/kultur-live/article850846/Museumsdirektorin-wirft-das-Handtuch.html

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Hamburger Museen

Kritik an Kultursenatorin: „Totengräberin der Kunsthalle“

Der Ex-Kunsthallen-Chef Werner Hofmann attackiert Kultursenatorin Karin von Welck. Der Streit in Hamburgs Museumspolitik geht in eine neue Runde.
http://www.abendblatt.de/hamburg/article1560145/Kritik-an-Kultursenatorin-Totengraeberin-der-Kunsthalle.html

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Hamburg: Kulturpolitik

Ein Tornado ungelöster Konflikte

Von Till Briegleb | 20.07.2010, 17:07 | Sueddeutsche Zeitung
Museumsreform, Elbphilharmonie, Gängeviertel: Hamburgs zurückgetretene Kultursenatorin Karin von Welck hinterlässt einen Scherbenhaufen mehr

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März 23, 2010 at 12:45

» Schreibtischtäter « Mappenwerk im Bleimantel

with one comment

scheibtischtaeter-mappenwerk-richheimer-stange-4001

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»Schreibtischtäter« 1989/92 = Erinnerung an Karl-Heinz Richheimer 1920-1993 Text von Karl-Heinz Richheimer für das Mappenwerk im Bleimantel  (Jörg Stange) Streiflichter des Hamburger Widerstands VVN: Richheimer-Friedemann-Kreis: sogenannter Hamburger Zweig der Weisse Rose


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TAZ-Bericht mechthild bausch
vom 21.08.1992

„All die Erschlagenen, wer lebt für die?“

Der Hamburger Künstler Heinz Richheimer hat die Internierung in zwei KZs überlebt. Über seine Erinnerungen, sein Leben, über Schuldgefühle und Bewältigung sprach er mit taz-Redakteurin Mechthild Bausch.

Vorbei an Wiesen und Feldern, Kühen, sogar ein Pferd, das am Ufer eines kleinen Flusses steht und den Kopf ins Wasser hängt. Es ist heiß, das Fenster ganz heruntergelassen. Auch Heinz Richheimer muß gerade diesen Weg gekommen sein, über die Autobahn Richtung Geesthacht, Ausfahrt Curslack, es ist ja ausgeschildert: Gedenkstätte Neuengamme fünf Kilometer, durch das Dorf und über den Deich, wo eine Straße, die links abgeht, „Zwischen den
Zäunen“ heißt.

Er steigt aus dem Auto, vom Beifahrersitz, und geht um den Wagen herum. Freundlich sieht er aus, bedächtig, fast ein bißchen abwesend, jedenfalls nicht sehr aufgeregt. Er spricht nicht laut, er kann nur flüstern, eine Verhärtung der Stimmbänder sei der Grund, sagt er. Wir gehen hinüber zu dem großen schwarzen Würfel, dem Dokumentenhaus des ehemaligen Konzentrationslagers, das auf dem kurzgeschorenen Rasen steht. Er schaut gar nicht um sich, blickt auf den Boden oder sucht mit den Augen nach seinen Begleitern. Ob irgend etwas so ist wie in seiner Erinnerung? „Nein“, sagt er, und das Rauschen der vielen Bäume ist fast so laut wie das rauhe Flüstern. „Aber das ist ja auch ein halbes Jahrhundert her.“ Was er damals bei seiner Ankunft im Lager wahrgenommen habe? „Ich erinnere mich an einen Wagen mit Gummirädern, der von Menschen statt von Tieren gezogen wurde.“

Sonderbefehl RU: „Rückkehr unerwünscht“

„6. Juni“ steht am Ende ganz zuoberst auf meinem Notizblock, die Scheu läßt einen wohl zunächst nach Daten greifen. Wegen Bombenangriffen auf die Innenstadt wurden die Häftlinge des Gefängnisses Fuhlsbüttel im Juni 1944 nach Neuengamme gebracht, darunter auch der „Polizeihäftling“ Heinz Richheimer, damals 24 Jahre alt. Im gleichen Transport waren seine Freunde Max Kristeller, Felix Jud und Jürgen Friedemann, mit denen er 1942 eine Widerstandsgruppe in Hamburg gegründet hatte, die Flugblätter verteilte, Verfolgte des Nazi-Regimes versteckte und Kontakte ins „feindliche Ausland“ unterhielt.

Direkte Verbindung bestand auch zu den UKE-Ärzten Heinz Lord, John Gluck und dem Studenten Frederik Geussenhainer, die ihrerseits Kontakt zur Weißen Rose in München hielten. Auch sie waren in dem Transport vom Gefängnis Fuhlsbüttel ins KZ Neuengamme.

Für Heinz Richheimer und Jürgen Friedemann war Neuengamme nur eine Durchgangsstation auf dem Weg ins österreichische KZ Mauthausen, wohin sie schon wenige Wochen später mit „Sonderbefehl RU“ – „Rückkehr unerwünscht“ – deportiert wurden. Auch John Gluck, Max Kristeller und Frederick Geussenhainer kamen später dorthin. Von allen hier Genannten erlebte Geussenhainer die Befreiung nicht mehr.

Heinz Richheimer war nach den „Nürnberger Rassegesetzen“ ein „Halbjude“. Sein Vater, ein aus Heidelberg stammender Kaufmann jüdischer Herkunft, überlebte Nazizeit und Krieg, indem er sich mit Frau und Familie in einer Hamburger Wohnung versteckte. In Fuhlsbüttel gab es einen Aufseher namens „der Lange Paul“, erinnert Heinz Richheimer sich. „Und ich war so wahnsinnig blond und sah so arisch aus, und der Lange Paul fragte mich, wie ich als deutscher Mann überhaupt dahin käme.“ Beim Transport nach Neuengamme habe ihn der Lange Paul in die Bauchdecke getreten, und, als er ihn dann wiedererkannte, sich „quasi noch entschuldigt“.

Ein Weg führt über den grünbewachsenen Boden hinüber zu dem rekonstruierten „Plattenhaus“, eine Art behelfsmäßiges Einfamilien-Musterhaus, das KZ-Häftlinge nahe des Grabens, der das Gelände von der Zufahrtsstraße trennte, aufbauen mußten. Im Plattenhaus, in dem heute ein Büro ist, treffen sich Heinz Richheimer, sein Freund Jörg Stange und Detlev Garbe, Leiter der Gedenkstätte, zu einem ersten Gespräch: Die Mitarbeiter der Gedenkstätte erstellen eine Dokumentation über das Leben ehemaliger KZ-Häftlinge. Das Projekt umfaßt bereits Gesprächsprotokolle mit über 100 ehemaligen Gefangenen aus ganz Europa.

„Sagen Sie, ich war Block 17, wo war das denn?“, fragt Heinz Richheimer und erfährt, daß die Holzbaracken des damaligen „Quarantänelagers“, in dem die Polizeihäftlinge isoliert wurden, nach dem Krieg abgerissen worden sind. Auch an die Ziegelbrennerei erinnert Richheimer sich noch und erkundigt sich, ob es die noch gibt. Sie steht noch, und er ist vor zehn Minuten daran vorbeigegangen.

Heinz Richheimer fragt nach einer Scheibe Brot. Eine Scheibe Brot gibt es hier nicht, dafür aber Kekse. Er erzählt dann, wie er im KZ Mauthausen Auftragsporträts zeichnete und dadurch „Vorzugsposten“ bekam. Irgendwann habe „Hamburg rückgefragt, ob wir etwa noch leben“. Dann habe man ihn gefoltert. „Ich hatte ein neues Deutschlandlied geschrieben“, sagt er und stimmt unvermittelt und mit heiserer Stimme eine Strophe an: „Sie sollen die Ketten tragen. Wir wollen die Freien sein“. Er habe das Lied gesungen, und, als die Folterer, erst völlig erstaunt, weiter mit dem Ochsenziemer auf ihn eingeschlagen hätten, wieder von vorne angefangen. „Ich kam da raus und habe nur gelacht“, sagt er, „ich habe keine Schmerzen gespürt, obwohl mein Rücken blutig geschlagen war.“

„Wer das KZ überlebt hat, fühlt sich oft schuldig“

Da hatte es sich auch schon herumgesprochen, das mit seinem Deutschlandlied, er sei eine Art Held gewesen. Nach ihm war ein Zeuge Jehovas dran. „Wie hießen die noch damals?“, fragt er in die Runde. „Bibelforscher“. Und als entfessele dieses Wort einen Sturm der Erinnerungen, bricht er plötzlich in ein irres Lachen aus, das eigentlich kein Lachen, sondern ein Schmerz ist. „Bibelforscher“, wiederholt er. „Den haben sie mit Hunden zu Tode gehetzt.“

„Wissen Sie“, sagt er, und das ist bei unserer zweiten Begegnung, die eine Woche später in seiner Wohnung in Alsterdorf stattfindet, „es ist oft so, daß Menschen, die das KZ überlebt haben, große Schuldgefühle haben, weil sie glauben, die anderen, die Toten, sind für sie gestorben. Auch ich habe jahrzehntelang Alpträume gehabt, daß einer von ihnen vor meinem Bett steht und mich anklagt. Am besten kommt man darüber hinweg, wenn man in einer quasi adäquaten Situation etwas für jemand anderen tut.“ Und so habe er über 20 Jahre lang seine Frau gepflegt, die an Multipler Sklerose litt.

Von der Terrasse des Wohnzimmers geht der Blick ins Grüne, ein Kanal, Büsche, Bäume, dahinter versteckt Reihenhäuser. Von weitem ist das Autorauschen der Alsterkrugchaussee zu hören. An den Wänden hängen Bilder, die Heinz Richheimer gemalt hat, Aquarelle, Federzeichnungen, auch Ölbilder. In einem
Bücherregal lehnen Fotopostkarten von Francois Truffaut und Audrey Hepburn.

Man könne sich die Aufbruchsstimmung, die direkt nach dem Krieg geherrscht habe, sicher heute nicht mehr vorstellen, sagt er. Ida Ehre gründete ihre Kammerspiele, Wolgang Borcherts Draußen vor der Tür wurde dort
uraufgeführt… In einem Zimmer, in dem Richheimers Bilder aufbewahrt sind, steht auch ein in warmen Ölfarben gemaltes Porträt von Ida Ehre.

Nach der Rückkehr aus Mauthausen, ein Weg, den er zusammen mit Jürgen Friedemann zu Fuß begann, widmete er sich, nachdem er wieder einigermaßen bei Kräften war, der Malerei, dem Zeichnen, schrieb und drehte Dokumentarfilme, spielte Kabarett und traf sich mit all jenen, die ähnliches wie er er- und überlebt hatten: mit dem Buchhändler Felix Jud und Max Kristeller, der eine Galerie eröffnete, in der Heinz Richheimer seine Bilder ausstellte.

„Ein Jude ist für mich jemand, der verfolgt ist“

1958, im gleichen Jahr, als sie von Margaret Richheimers Krankheit erfuhren, zog das Ehepaar in die Alsterdorfer Wohnung ein. Auf der Terrasse konstruierte Heinz Richheimer eine große Sonnenuhr aus Glas für seine Frau.
Er baute Rollstühle aus Rattan und Metall zusammen, auch eine Rampe vom Wohnzimmer nach draußen, über die er sie in den Garten fuhr. Viele Fotos von Schwänen und Enten, die in den Garten, sogar in die Wohnung kamen, kleben in seinen Fotoalben, und noch viel mehr Fotos von Margaret, die er Mäggi nennt,
und für die er Kleider schneiderte und der er jeden „Hochzeitstag“ im Monat eine rote Rose schenkte.

Nach dem Tod seiner Frau fand er bald darauf eine neue Liebe – und heiratete sie. Als er seine in dieser Zeit entstandenen erotischen Zeichnungen ausstellte, hätten das einige seiner Bekannten nicht verstanden, ihm fast übelgenommen. Gekümmert habe ihn das aber nicht.
Seine zweite Frau und er trennten sich nach einigen Jahren, und dann kam Corinna, seine um fast 30 Jahre jüngere Freundin, für die er ein ganzes Heft voller Liebesgedichte geschrieben hat, auch das Märchen von dem Bart, der, wenn man liebt, viel schneller wächst.

Ob er eine jüdische Identität habe, frage ich Heinz Richheimer am Ende des Gesprächs. Nein, sagt er, und, nach einer Pause: „Ein Jude ist für mich jemand, der verfolgt ist.“ Aber ähnlich wie der Jude und Schriftsteller Jurek Becker einmal auf diese Frage geantwortet hat, gebe es vielleicht so etwas wie ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das diese jüdische Identität ausmache. Er selbst fühle sich zum Beispiel Menschen vertraut wie der Frau in seiner Nachbarschaft, die lange Jahre an einer schweren Krankheit gelitten habe. „Verstehst du, was ich meine?“

Über Heinz Richheimer wurde das erste Mal am 12. Juni dieses Jahres in der taz geschrieben. Beziehungsweise: Heinz Richheimer schrieb selbst.
Ausgangspunkt war eine Arbeit seines Freundes, des Hamburger Künstlers Jörg Stange, der seine Installation in der ehemaligen Polizeiwache in der Eppendorfer Martinistraße 40 in einem Mappenwerk dokumentierte. Heinz Richheimer kannte diese Wache noch aus Nazi-Zeiten.

Sein Bericht, den die taz damals veröffentlichte, wurde Teil des Mappenwerks, das inzwischen Jörgen Bracker, Direktor des Museums für Hamburgische Geschichte, gekauft hat. Gemeinsam wurde das Konzept für eine Art biographische Ausstellung von und über Heinz Richheimer entworfen, die das Museum 1993 zeigen wird.

Einen seltsamen Begriff von eines Menschen Zeit zeigt indes die Kulturbehörde: Jörg Stange hatte dort schriftlich angeregt, den heute 72jährigen Richheimer für seinen Widerstand im ‚Dritten Reich` zu ehren, etwa, so schlug er vor, mit einer neuen Ida-Ehre- oder Wolfgang-Borchert-Medaille. In dem Antwortschreiben bedankte sich jetzt der leitende Regierungsdirektor Klaus-Peter Dencker im Namen der Senatorin „für den Hinweis“ und fährt fort: „Der Senat hat bisher zu den sogenannten ‚runden` Geburtstagen oder bei ganz aktuellen Anlässen Ehrungen vorgenommen.
Die nächste Möglichkeit wäre der 75. Geburtstag von Herrn Richheimer.“ TAZ-HAMBURG 21.08.1992

“All die Erschlagenen wer lebt für die?
HEINZ RICHHEIMER
Geboren am 31. Januar 1920 in Güstrow,
1923/24 Umzug der Familie Richheimer nach Hamburg.
Schulbesuch – Realgymnasium und Mittelschule – muß abgebrochen werden:
Heinz Richheimer gilt als „nichtarisch“.
Normale Berufsausbildung aus gleichem Grund unmöglich.
1938 Als Dekorateur und Plakatmaler tätig.
1941 Illegales Studium der Malerei bei dem während des ‚Dritten Reiches`
„nicht erwünschten“ Ivo Hauptmann, Enkel des Dramatikers Gerhart Hauptmann.
1942 Bildung der Widerstandsgruppe Friedemann-Richheimer.
1944 Verhaftung durch die Gestapo. Transport über Fuhlsbüttel
und Neuengamme in das Konzentrationslager Mauthausen (Österreich).
Sonderbefehl: „Rückkehr unerwünscht“.
1945 Erste öffentliche Ausstellung bei Max Kristeller in Hamburg.
1947 Künstlerischer Leiter eines kleinen Theaters.
1948 Texte und Bühnenbilder für das „literarische Cabaret“.
1940/50 Autor, Regisseur und Produzent mehrerer Dokumentarfilme.
1953 Längere Arbeitslosigkeit, Aushilfsarbeiten.
1956/57 Wandgemälde in Sgraffito- Technik (12×3 Meter), u.a. im Sitzungssaal
der Kalitransportgesellschaft, City-Hochhaus am Klosterwall 4.
1958 Beginn von Margaret Richheimers Krankheit.
1960/62 Entstehung des Romans „Die Kathedrale von Lima“,
erschienen 1962 im Marion-von- Schröder-Verlag.
1963 bis heute Restaurierungsarbeiten an kleineren Antiquitäten.
1964 bis 1979 Hauptsächlich schriftstellerische Arbeiten:
Roman „Leonidas oder die Würde des Menschen“
(nicht veröffentlicht).
Ernste Satire „Lemuel Gullivers Reisen in das Land der Demokraten“
(Fragment).
Gleichzeitig Bilder, Porträts und Plastiken.
1979 bis 1986 Entstehung der Erzählung „Die Seifenblase“.
1980 Erotische Zeichnungen, Ausstellung.
1983 bis 1992 Die „Corinna- Bilder“.
Zwei kürzere Prosastücke:
„Die Wiedergeburt des achtbeinigen Tieres“ und „Das letzte Wort“.
Ein Band „Liebesgedichte“.
1992 „Eine Geschichte in Eppendorf“ für die Dokumentation:
„Schreibtischtäter“ (Mappenwerk von Jörg Stange).

» Schreibtischtäter «

Zur Erinnerung an Karl-Heinz Richheimer 1993 gest.

Der Maler und Schriftsteller Karl-Heinz Richheimer war Mitgründer der Widerstandsgruppe „Richheimer-Friedemann-Kreis“ (so genannt in „Streiflichter des Hamburger Widerstands“, VVN). Die Gruppe von jungen Widerständlern verteilte u.a. Flugblätter der „Weisse Rose“ und war vernetzt mit Ärzten des UKE Prof. Degkwitz, Dr. Lord*, Dr. Gluck*, Dr. Geussenheiner* -ihren Söhnen und Freunden. Öffentliche Anerkennung, oder jegliche Form von „Wiedergutmachung“ nach erlittender KZ Haft in Neuengamme und Mauthausen -auch Mordhausen genannt, ist ihm bis zu seinem Tode versagt geblieben. Eine Anregung Dritter, an die damalige Kultursenatorin und die Kulturbehörde wurde mit einem „Dankeschön“ beantwortet und man werde den Vorschlag prüfen. Es wurde darauf hingewiesen das „Ehrungen“ zu sogennannten „Runden Geburtstagen“ zelebriert würden. „Man wolle es prüfen“ – den „Runden Geburtstag“ erlebte Heiner Richheimer nicht mehr: Es wurde noch nicht einmal ein Kranz geschickt -geschweige denn ein Wort in Form eines Nachrufs verloren…

Durch die persönliche Empfehlung des Historiker Prof. Ulrich Bauche und dem Direktor des Museum für Hamburgische Geschichte Prof. Jörgen Bracker konnten wir gemeinsam erreichen, dass das Mappenwerk „Schreibtischtäter“ vom MfHG als Dauerleihgabe für die Gedenkstätte Neuengamme angekauft und archiviert wurde. Eine erwünschte Ausstellung, seitens des Museums zu Lebzeiten von Karl-Heinz Richheimer scheiterte, weil die Kulturbehörde Mittel für einen adäquaten Dokumentations-Katalog versagte. Der Anspruch an die Ausstellung, sollte keine Anerkennung seiner Lebensleistung, sondern ausschliesslich Zeitzeugenschaft sein: „Geschichte eines Jahrhundert – gesehen im Leben eines einzelnen Menschen“, so der Maler und Schriftsteller Karl-Heinz Richheimer in einer handschriftlichen Hinterlassenschaft… Seine Gemälde und Schriften, befinden sich eingelagert auf einem ungeheizten Dachboden in Kartons verstaut. Ein aussergewöhnlich aussdrucksstarkes Portrait von Ida Ehre ist auch dabei… Jörg Stange

*= UKE Ärzte Dr. Lord, Dr. Gluck => „Cap Arcona“ [etc…]

Bild | Mappenwerk oben: »Schreibtischtäter« = [Stempel der Allierten 1946 = TELECOMES SENSORSHIP PASSED] Mappenwerk im Bleischuber | Material: Pappe, Karton, Holz, Blei, A3 | 1992, Karl-Heinz Richheimer 1920 – 1993, Installation in der „Alte Wache“ Martinistrasse, (Jörg Stange), mit Bildtafeln und einem Erlebnisbericht von Karl-Heinz Richheimer für dieses Mappenwerk, -über die NS-Zeit und die Phase der Nachkriegszeit.

 

*Frederik Geussenheiner u.a

http://www.abendblatt.de/extra/service/944949.html?url=/ha/1994/xml/19940913xml/habxml940709_12736.xml

TAZ-Bericht Mechthild Bausch

11.03.1993

Plötzlich dem Tod begegnet

Der Autor und Maler Heiner Richheimer starb 73jährig in Hamburg

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Jetzt ist die Zeit,

wo ich nur warten kann

und hoffen, daß es mich

ganz plötzlich trifft.

Und alle Pläne,

was noch kommen soll,

sind Schall und Rauch!

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Heiner Richheimer, der vor nicht allzu langer Zeit diese Zeilen schrieb, starb am Montag im Alter von 73 Jahren in Hamburg. Sein Tod, so schmerzlich traurig er für die ist, die ihn kannten, enthebt ihn der Verlängerung eines Leidens, dessen weitere medizinische Behandlung er wohl ganz bewußt abgelehnt hatte.

Der Lebensgeschichte von Heiner Richheimer eine Öffentlichkeit zu verleihen, dieser Versuch ist in der taz mehrfach unternommen worden. Ein weiterer wird ihm nun nachgetragen: Die Ausstellung im Museum für Hamburgische Geschichte über den „Zeitzeugen Heiner Richheimer“, die er mit seinen Freunden in den letzten Monaten zusammenstellte, soll im Laufe dieses Jahres gezeigt werden.

Geboren wurde Heiner Richheimer 1920 in Güstrow. Weil sein Vater Jude war, mußte er in Hamburg die Schule abbrechen. 1942 gründete er eine Widerstandsgruppe, deren Mitglieder 1944 an die Gestapo verraten und inhaftiert wurden. Vom KZ Neuengamme wurde Heiner Richheimer ins österreichische KZ Mauthausen deportiert. Nach seiner Rückkehr nach Hamburg begann er seine Bilder auszustellen und arbeitete als Regisseur und Schriftsteller. In seiner autobiographischen Erzählung „Die Seifenblase“ schreibt er, ganz sanft, über das Sterben seiner Frau. Auch Heiner Richheimer war jetzt nicht allein. M. Bausch

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[..] Verfolgung

Neben Maurice Sachs wurden weitere Spitzel in die Gruppen eingeschleust, so die Gestapo-Agentin Yvonne Glass-Dufour, die als „Widerstandskämpferin pazifistischer Gesinnung“ auftrat und sich im Frühjahr 1943 in dem Kreis der Candidates of Humanity Vertrauen schaffte. Zudem fand sie Zugang in den Kreis um Heinz Rasche und Karl Heinz Richheimer, sowie um Jagda Hoppstock-Huth (Hochmuth, Seite 402 f.)

Ein weitere Aktivität war die Geldsammlung für die Familie des im zweiten Weiße Rose Prozess verurteilten und am … hingerichteten Professors Kurt Huber. Da er als Volksfeind hingerichtet wurde, wurde der Witwe keine Pension ausgezahlt. Sowohl in Hamburg wie in München sammelten Hans Leipelt und Marie Luise Jahn Geld für die Witwe. Sie wurden schließlich im Oktober 1943 denunziert und verhaftet. (siehe Berichte Marie Luise Jahn und Dorle Zill, Hochmuth Seite 408)

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„All die Erschlagenen, wer lebt für die?“

http://de.wikipedia.org/wiki/John_Gluck

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Der Mann hinter Adenauer

http://www.sueddeutsche.de/kultur/136/313044/text/

 

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Nr. 80 vom 04.04.1963, Seite 11Original-Zeitungsseite als PDF ansehen

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Pankow ermittelt gegen Staatssekretär Globke

Tschechoslowakei beschuldigt sieben Deutsche

Deutsche Presse-Agentur – ap

Berlin, 4. April 1963

Gegen den Staatssekretär im Bundeskanzleramt Dr. Hans Globke hat der Pankower Generalstaatsanwalt Josef Streit ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Sollte die Zone nach Abschluß der Ermittlungen ein Strafverfahren gegen Globke eröffnen, wäre das der zweite Propaganda- SchauprozeB gegen einen Bonner Politiker.

Vor wenigen Jahren hatte (wie berichtet) das Oberste Zonen-Gericht gegen den früheren Bundesvertriebenenminister Oberländer (CDU) in Abwesenheit verhandelt und ihn zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt

Pankower SED -Funktionäre hatten später nacb dem Rücktritt Oberländers wiederholt angedeutet, daB als nächster Globke „abgeschossen“ werden solle.

Pankow hat bekanntgegeben, daß bei den jetzt eingeleiteten Ermittlungen geklärt werden soll, ob Globke für die Verfolgung und Ausrottung von Millionen Juden, Slawen und Angehörige anderer Völker im „Dritten Reich“ verantwortlich gewesen sei.

Der Zonen-Generalstaatsanwalt Streit soll, wie Pankow behauptet, der Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe vorgeschlagen haben, Vereinbarungen über alle Fragen zu treffen, die für ein mögliches Strafverfahren gegen Globke von Bedeutung seien. Eine Antwort auf dieses Angebot sei nicht eingegangen.

Globke steht schon seit Jahren wegen angeblicher Mitwirkung an einem Kommentar zu den Nürnberger Rassegesetzen während des NS-Regimes im Mittelpunkt von Angriffen. Als im Jerusalemer Eichmann-Prozeß sein Name genannt wurde, leitete die Bonner Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen ihn ein, das jedoch eingestellt wurde. (…)

erschienen am 04.04.1963

bitte hier im weiterlesen:

[Hamburger Abendblatt Link]

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Die nachfolgenden Beiträge trugen dazu bei, dass Leben und Wirken des Malers und Schriftstellers Karl-Heinz Richheimer, während des NS-Regimes, in Beziehung zu setzen.

Die Spinne

Sehenswert: Wie Adenauers Kanzleramtschef Hans Maria Globke aus dem Schatten der Lichtgestalt trotz brauner Vergangenheit ins Zentrum der Macht kam, zeigt Arte in einem Portrait. Es gab viele Mitläufer der Nazis, die es nach dem Zusammenbruch der NS-Diktatur in Deutschland verstanden, sich bestens mit den neuen Verhältnissen in der Nachkriegszeit zu arrangieren. Nur ganz wenigen aber gelang so ein nahtloser Übergang wie dem Ministerialbeamten Hans Maria Globke: Einstmals einer der Kommentatoren von Hitlers Rassegesetzen, stieg Globke nach dem Krieg zum Staatssekretär im Kanzleramt auf, wo er jahrelang als rechte Hand von Konrad Adenauer wirkte. Von Ch. Kohl

http://www.sueddeutsche.de/kultur/136/313044/text/

Arte Text zum Film:

Der Mann hinter Adenauer

(Deutschland, 2008, 52mn)
WDR
Regie: Bernhard Pfeltschinger, Jürgen Bevers

(…) 1949 wird in der neu gegründeten Bundesrepublik Deutschland der erfahrene Jurist Dr. Hans Maria Globke ins Bundeskanzleramt berufen. Wegen seiner Vergangenheit im Reichsinnenministerium wagt es Kanzler Adenauer noch nicht, ihn zum Staatssekretär zu ernennen, aber der verschwiegene, effizient arbeitende rheinische Katholik wird auf Anhieb Adenauers Vertrauter und zum im Verborgenen agierenden Schattenmann.
Globke verfügt über den „Reptilienfonds“, mit dem er die erwünschte innen- und außenpolitische Stabilität auch durch Geldzahlungen sichert. Und er spielt zunehmend in der neuen Regierungspartei CDU die entscheidende Rolle. Der bestinformierte Mann in Bonn beeinflusst als engster Berater Adenauers die Richtlinien der Politik. Globke ist sicher das prominenteste Beispiel für die bruchlose Kontinuität von Karrieren im Staatsdienst vor und nach 1945.Adenauers Vertrauter und zum im Verborgenen agierenden Schattenmann.
Globke verfügt über den „Reptilienfonds“, mit dem er die erwünschte innen- und außenpolitische Stabilität auch durch Geldzahlungen sichert. Und er spielt zunehmend in der neuen Regierungspartei CDU die entscheidende Rolle. Der bestinformierte Mann in Bonn beeinflusst als engster Berater Adenauers die Richtlinien der Politik. Globke ist sicher das prominenteste Beispiel für die bruchlose Kontinuität von Karrieren im Staatsdienst vor und nach 1945.
http://www.arte.tv/de/woche/244,broadcastingNum=928130,day=5,week=41,year=2008.html

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Januar 27, 2009 at 20:21

AUSSTELLUNG „EMBEDDED ART“ in der Berliner Akademie der Künste

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embedded-medienwatch-stange6001

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[°°] Die Kunst dient in der Ausstellung „Embedded Art“ vor allem der Aufklärung, der Künstler findet sich hier in seiner Rolle als Mahner und Seismograf gesellschaftlicher Umbrüche und Ungerechtigkeiten wieder. Mehr:  http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/ausstellung-embedded-art-auf-tuchfuehlung-mit-dem-taser-a-602914.html

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medienwatch.wordpress.com

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Written by medienwatch & metainfo

Januar 23, 2009 at 20:14

Veröffentlicht in operative kunst

Einstellungsraum: Dialektik der Entsteuerung

wagenlenker-invertiert-stange

[ Als Spielkarte – vor der Rede verteilt ]

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„Der Wagenlenker von Delphi“

Von Gunnar F. Gerlach

Es gibt sozusagen zwei Motive, die ich der Dialektik der Entsteuerung voranstellen möchte und zwar den kleinen Versuch, die scheinbare Ordnung der verordneten Diskurse mit konstruktiver Störarbeit in kritischer Idylle gegenzuverwirren.

Ich beginne mit drei Zitaten:

1. Johann W. v. Goethe
2. André Breton
3. Theodor W. Adorno

Altmeister Goethe sagt 1805 in den Annalen oder Tag- und Jahresheften:
Was hilft es, die Sinnlichkeit zu zähmen, den Verstand zu bilden, der Vernunft die Herrschaft zu sichern – die Einbildungskraft dauert als der mächtigste Feind. Sie hat von Natur einen unwiderstehlichen Trieb zum Absurden, der selbst im gebildeten Menschen mächtig wäre gegen alle Kultur, die Anstand und Hoheit Fratzenlügner bildend, mitten in der anständigen Welt wieder zum Vorschein kommt.
Fast 150 Jahre später, 1941, fordert André Breton, zu der Zeit hart attackiert von den hardcore-Leuten der kommunistischen Partei: Was nützt uns diese Vernunft, wenn sie von einer Generation zur nächsten nur in den Wahnsinn neuer Kriege führt.

Zitat 3 – Theodor W. Adorno in „Meditation zur Metaphysik“, 1966, Teil übrigens der „Negativen Dialektik“:
„Was einmal der Geist als seinesgleichen zu bestimmen oder zu konstruieren sich bemühte, bewegt sich auf das hin, was dem Geist nicht gleicht, was seiner Herrschaft sich entzieht und woran sie doch als absolut Böses offenbar wird. Die summarische sinnferne Schicht des Lebendigen ist Schauplatz des Leidens, das in den Lagern alles Beschwichtigende des Geistes und seiner Objektivationen der Kultur ohne Trost verbreitet. Unbewusstes Wissen flüstert den Kindern zu, was da von der zivilisatorischen Erziehung verdrängt wird ins “ was ist das?“ und „wohin geht es?“.

Ja, genau das ist die Frage: „wohin geht das“ und „was ist das“ und was soll diese kleinen assoziativen Gedankenschiffchen in drei kleinen Ausfahrten auf das ungewisse Gewässer lenken, steuern und navigieren.

Der 1. Punkt wäre dann die Frage: zu welchem Ziel und Zwecke steuern, lenken und navigieren wir in geistigen und künstlerischen Angelegenheiten zur Zeit und welchem dialektischen Prozess, Sinn einer Dialektik der Aufklärung, müssen wir dabei begegnen?

2. Was leitet und lenkte mich persönlich in meine künstlerisch, philosophische Projektarbeit in die Irrenanstalt nach Bedburg – Hau, in die Umgebung von Joseph Beuys und den Begriff der sozialen Plastik.

Und 3.: Welche Zwischenergebnisse lassen Ableitungen für eine andere, künstlerisch philosophische und vielleicht sogar kunsttheoretische und kunsthistorische Praxis treffen.
Beginnen wir also, etwa analog zu Silke, mit dem Versuch, aus der Etymologie sozusagen, eine Grundsteuerung zu erkennen. Da wir das bei Silke gehört haben, verkürze ich das sehr stark: lenken – tatsächlich zu lank und lache – kommt eben auch von Hüfte und Gelenk und dessen Wirkung ist ungeläufig, dass es eben auch vom Geh-Lenk kommt. Joseph Beuys, erinnere ich nur: ich denke sowieso mit dem Knie, sagte er übrigens als eine Studentin während eines Vortrages im Getümmel gegen ihn fiel, ihm fast das Bein zerbrochen hatte, am Kniegelenk hängen blieb mit ihrer Schädeldecke. Das ist schon spannend…
Steuer von stiura, mhdt.. Bedeutung ist zunächst Stütze und Unterstützung und ziemlich kurz danach – Steuer, Ruder – und natürlich dann späterhin – Silke (Peters) hatte auch schon drauf hingewiesen – im Zusammenhang mit dem Schiff – also das Steuerbord, die rechte Seite des Schiffes lenken.

Das würde mich jetzt assoziativ noch mal wieder an Noras Vortrag über den Wagenlenker erinnern, wozu ich jetzt nichts ausführen werde, weil ich dazu demnächst ’ne größere Ausstellung kuratieren soll zum Thema der Navigation.
Ich erinnere nur daran, dass Mythologisches bei Heraklit – so in der Aeneis -, dass der Steuermann nämlich, auftaucht. Der heißt Palinurus. Palinurus ist jener einzig befähigte Steuermann, der mit Aeneas nämlich gen Rom in Italien segeln kann, wo keiner die Gewässer kennt, und mit dessen Glück Aeneas zu dem wahnsinnigen Plan der Gründung eines Weltreiches aufbricht.
Allerdings, kurz bevor sie sozusagen in die Untiefen geraten, verlässt der Steuermann das Schiff.

Und Vergil gibt 5 Thesen an. Eine davon ist u.a.: Aeneas hätte seine damalige Freundin, die er heiraten wollte, so schlecht behandelt, dass es dann dem Palinurus peinlich war, das mit anzusehen, dass so ein Typ dann auch noch ein Weltreich gründen soll.
Immerhin erfahren wir aber dadurch, dass das Problem des Steuerns und Lenkens immer auch im Zusammenhang mit dem Schiff und dem Ziel eben bestimmt war und dass das gar nicht so ist, wie wir das eigentlich denken.
Dieser Zielpunkt nämlich ist ja auch ein „Erziehen“. Etymologisch Erziehen und zielen geht ja unmittelbar zusammen. Da gibt es einen berühmten Mann namens Bazon Brock, der hat sich auch schon die Frage gestellt, wer erzieht eigentlich die Erzieher?, die ja auch Autor, autorhaft, autooperativ gelenkte Systeme sind.

Wenn wir also den Begriff der Navigation bestimmen und Einhal- tung des Kurses – fast sprachlich dem 16. Jhdt. entlehnt -, so lateinisch navigatio, navigationis – die Schifffahrt, also navigare – schiffen, segeln, fahren zu navis – Schiff und zu agere – in Bewegung setzen. Zunächst in mehr allgemeiner Bedeutung verwendet, dann Spezialisierung auf das Wort Nautik und basiert tatsächlich auf dieser Entsprechung von griech. naūs, nauti.

Dann käme man dazu: mit welchem Schiff schwimmen wir eigentlich auf dem schmalen Grat zwischen Vernunft und Wahnsinn. Symbolisch in der Kunstgeschichte hat das Schiff ja folgende Bedeutung – auch religiös – die Arche Noah als Hort des Lebens und der Hoffnung in einer sonst wüsten Welt, sozusagen als Symbol Mitglied zu werden auf diesem Schiff, durch das das Leben gerettet werden kann.
Die Analogie kennen wir auch. Sie wird für jeglichen Sakralbau auch heute noch mit den Begriffen Mittel-, Quer- und Seitenschiff verwendet.
Die Fahrt mit dem Schiff wird dann häufig auch als Lebensweg interpretiert. Der Steuermann ist auf den Schutz, die Gnade Gottes angewiesen, der ihm die richtigen Winde schickt und ihn vor Unwettern schützt.

Frage bleibt dann: Wohin das Ganze?

Wir haben mit diesem Schiff auch wieder abendländisch eine doppelte Bedeutung, nämlich mit der schönen Metapher bei Michèle Foucault, mit dem Narrenschiff (stultifer navis), aus der er auch die literarisch, philosophisch, bildnerische Wirklichkeit seit dem 15. Jhdt. angenommen hatte. Nun weiß die neueste Forschung, dass unser Bild ein etwas falsches…- Foucault war nämlich davon ausgegangen, dass sich hier nun genau jene fatale Herrschaft, die wir heute im Kapitalismus haben, dokumentiert – weil die, die anders sind, auf die Schiffe gesetzt werden – ohne Steuermann – um hier in den elenden Tod einfach entsorgt zu werden, also so eine Art frühes KZ ohne Steuermann.

Die psychoanalytische Forschung hat nun herausgefunden, dass es sich dabei, bei diesem Narrenschiff, tatsächlich um eine Metapher handelt; denn das sei eher früheren Fastnachts- und Karnevalsbräuchen zugestanden gewesen, dass sich Leute verkleiden. Nichtsdestotrotz halte ich insofern gerne an dem Gedanken des Narrenschiffes, das sein Ziel sucht, fest: ein ZIEL, mhdt. zil, wird dabei deutlich vorausgesetzt, ein Ziel und erreichen, aber auch das Bestellen des Feldes und sich beeilen. Und es steht etymologisch im Zusammenhang – und das finde ich wichtig – mit dem Lebensende und dem Tod und dem Wort für passend.

Mit Hüfte und Gelenk stetig ans Lebensende denkend versuchen wir, uns in Bewegung zu setzen, um Passendes zu finden, passend zu der Fest- und Fragestellung: Was ist Verstehen und Verständnis als Zielbestimmung unter der Voraussetzung des Satzes von Adorno, dass es kein wahres, bzw. richtiges Leben im falschen Leben geben könne?
Dies ist bei ihm logisch und folgerichtig hervorgegangen aus Überlegungen, die Moderne und Modernität im Sinne z.B. Beaudelaires kennzeichnen, mit den Worten Henry Lefèbres „in der gesellschaftlichen Praxis brechen heute die Bilderwände auf zwischen dem Spontanen und dem Abstrakten, zwischen Natur und Technik, zwischen Natur und Kultur. Deren Verhältnis ist ausschließlich im Rahmen eines dialektischen Konfliktes zu erfassen.“
Da diese Art mit dialektischen Betrachtungen aus politisch-ökonomischer Ideologie des Turbokapitalismus ausgegrenzt wird, befinden wir uns also innerhalb der zum Unverständnis und zur Wertelosigkeit entgrenzten globalisierten Zeichensysteme, die uns vermeintlich verwirren sollen: Konsum- Freiheit als Frustbewältigung zur eigenen Unmündigkeit. Der Autor steuert nicht mehr sich selbst, also quasi, um einer komplexen und komplizierten Fahrwassermarkierung zu entgehen.

Also wenn er nicht mehr den Weg richtig oder falsch oder dagegen oder dafür geht und die sog. Normalität bezeichnet, also eine Norm, die längst keine mehr ist, was ist dann unnormal, was ist dann gesund und was ist dann krank und was bedeutet dies dann für eine künstlerischen und philosophische Praxis, die um die hegelsche Tatsache, aus der nur zweifach wahr ist, das nur insofern etwas in sich selbst einen Widerspruch hat und Widerstand leisten kann, das Antrieb und Tätigkeit besitzt. Ferner, dass Autonomie im Sinne einer Erziehung zur Mündigkeit, – Selbststeuerung als kreative Fähigkeit -, nicht mehr vorhanden ist und auch verbindliche Ziele der Ethik und Ästhetik der Subjekte Platz machen müssen für eine Objektivierung von Produktion.

Ware und Person als Warenobjekte

In diesem Zusammenhang – möchte ich kurz ausführen -, ein wunderbarer Aufsatz von Jean Beaudrillard über die Absolutheit der Ware, wo er auf geniale Art und Weise darauf kommt, dass Beaudelaire der wahre Vorgänger von Andy Warhol ist.
Die gleiche Tragik, die sich daran anknüpft, wenn Menschen schon nicht mehr zwischen Subjekt und Objekt unterscheiden, wie es in Noras Ausführungen ja auch ganz klasse zur Sprache kam.

Dann muss man das natürlich auch weiterfragen, was wir überhaupt von Kunst und ihren Gegenständen haben wollen.
Wenn nämlich Objekte Objekte machen, müssen wir uns vom Begriff des Subjektes natürlich verabschieden und dann würden wir uns innerhalb einer neuen Logik einbezogen finden, die dann natürlich erst recht, sozusagen, die Frage stellt, was ist dann Werbung, was ist dann Objekt, was ist ’n Produkt und was ist dann noch Kunst, vor allem freie Kunst, wenn – dann noch angehängt – der Begriff der freien Kunst sowieso abhängig ist von einem Begriff der Freiheit, der aus der Renaissance kommt, also aus dem 15./16. Jhdt., nämlich der neoplatonischen Akademie zu Florenz und schon lange gar nichts mehr mit unserer Bestimmung von a) frei und b) Autonomie zu tun hat.

Dazu habe ich auch mal ’nen Aufsatz geschrieben. Da geht es darum, wie wir Duchamps und den Gedanken des ready mades eigentlich weiterdenken müssen. Wenn also die gefakte Signatur als Steuerungsmechanismus „dies bin ich selbst“ oder bei Goya „Io lo visto“ – ich habe dies gesehen – den Krieg, Euren Wahnsinn, Eure Paradoxie, Eure Scheiße auf deutsch gesagt, und ich als Künstler habe immer noch die Autonomie, dies einfach wiederzugeben, dann muss man sich natürlich fragen, was jetzt innerhalb von eigentlich nur 150 Jahren eigentlich wirklich passiert ist, dass sozusagen hinterm Berg fast jeder verschwindet, sodass wir mit Recht a) sagen können: sehr häufig ist mittlerweile das Werk klüger als der Autor, also der sich selbst steuern will, und zweitens mit Heiner Müller: „ganz häufig ist dann auch noch die Metapher klüger als das Werk“.

Wenn also die nun bekannten herkömmlichen Wege, Pfade und auch Sehwege im doppelten Sinne so vom Rudern und Steuern als vom mal-so-gucken besetzt sind, können wir in unserer von außen idealökonomisch und politisch verordneten Steuerlosigkeit diese vielleicht konstruktiv dialektisch als Instrument be- nutzen.

Wir nutzen das Missverständnis, das zumeist negativ bewertet wird, und beginnen einen konstruktiven Nutz- und Spielraum fruchtbar zu machen.

Missverständnisse nutzbar zu machen – da gibt es ein wunderschönes kunsthistorisches Beispiel: Als der großartige Wiliam Morris <zum Kern seines Ansatzes kam, Anm. E.S.>, noch sogar kurz bevor er die Arts- and Crowd-Bewegung gegründet hat, (in der Hoffnung sozusagen, eine Kunde von Nirgendwo, also Nirgendwo noch gedacht als Utopia, zu verwirklichen, indem er die Künste enthierarchisiert und den geistigen Mittätern sozusagen am Gesamtgebilde des Gesamtkunstwerkes eine gleiche Stellung einräumt, also dem kleinen Glasschneider die selbe Stellung sozusagen wie dem großen Architekten oder dem hervorragenden Maler, aber auch dem Schnitzer für irgendein Geländer) – da ist nämlich das Missverständnis aufgetreten, dass er durch die Verkehrung des Mittelalters als einer nahezu harmonischen Tauschgesellschaft eigentlich auf die Idee kam, <Folgendes zu formulieren Anm. E.S.> – sozusagen zur Enthierarchisierung und diese Gedanken sozusagen in einem sozialen Mittelweg sah zwischen Bakunin, also freie Assoziation der frei Assoziierten contra Marx – , der Behauptung eben, wir brauchen eine vermittelnde Institution. Er nannte sie Partei, die Menschen erst in diese Höhe tragen muss. Da kam jener Gedanke her, der späterhin in dem sogenannten Arbeitsmarkt für Kunst 1919 – Gropius – Caesar Klein / Hamburger Maler und Bildhauer – und dann zum Bauhaus geriet.
Wir gehen den Weg in die kritische Idylle mit einer tradierten, aber wirksamen Kraft, der sogenannten, aber oft désavouierten ‚Innerlichkeit‘ als Störarbeit im Heineschen Sinne. Als Ort und Gegenort zugleich begegnen sich nun in der Wildnis als Restnatur, und im wilden Denken als contralogischem Humus zwischen Geflecht und Gestaltung, Gegenwelten. Idealität und Realität in Riss und Lücke, Bruchlinien und Abgründe, über die wir ein gespanntes Seil der Hoffnung spannen.

Michèle Foucault prägte hierfür den Begriff: Heterutopia, Orte, die in einem realen Raum Räume bilden, die unvereinbar schei- nen und nur im Übergang fassbar sind. Denken heißt Überschreiten sagte Ernst Bloch und heißt es auch für Foucault – also unsere Discursebene sozusagen- : was ist Philosophie heute, ich meine „philosophische Aktivität“, wenn ich die kritische Arbeit des Denkens an sich selber, den Auto-Autor und wie weit es möglich wäre, an das zu denken. Also arbeiten wir seit Kant nicht nur mit der Arbeit an den Kategorien und der Differenzierung, sondern auch mit der Innerlichkeit als Bedeutungsinversion, die der kapitalsverordneten Schizophre- nie, wie es bei Déleuze und Guattarie zu lesen ist, vergleichbar ist. Also eine surreale Praxis, d.h. sich selbst rhizomatisch zu entwickeln.

Auf nach Bedburg-Hau

*“Eine merkwürdige Reise in die innere Mongolei mit Ausflügen zu Erlebnis-Freiheitsparks, Gehegen des Wilden und der Tollheit – eine Phantasmaorgie über Geschehenes, Gesehenes, Gespürtes, Gedachtes und Geglaubtes.“

Vorausgesetzt habe ich damals-, und das möchte ich noch erwähnen, wir haben dann überlegt, kann man einen Katalog machen, wenn man zweieinhalb Wochen mit 15 Leuten sich ständig in dieser Fragestellung bewegt: wer ist innen, wer ist außen. Keiner weiß mehr genau, warum wer grinst, warum wer stolpert, holpert, ist es ein Arzt, ein Freigänger, ein Entflohener, ist man selbst schon drin? Man begegnet Menschen, die sind genauso monomanisch sich selbst vorbringend und spinnen, wie man selber und was markiert den Unterschied? Also dachte ich mir wieder, zwei Motti müssen dem Ganzen vorangehen: „Wahr sind nur die Gedanken, Gedanken, die sich selbst nicht verstehen“ (Adorno)
und – mein Lieblingssatz – Max Ernst – „Man muss die Realität nicht so sehen, wie ich bin.“

Anfahrt: Schneeregenmatschiges Grau bei einbrechender Dämmerung an den Gestaden des Niederrheins kann eine zarte Farbe der Erwartung sein: bizarre Konstruktion einer Stadt- silhouette mit Hafenhang, die aus mittelalterlicher Burg- und Kirchenarchitektur ihre eigene Höhe ins Licht industrie- städtischer Architektur eines ausgehenden Jahrtausends speist.

Sichern die erstaunten Augen die Spuren des atmosphärisch-geografisch bedingten Mystizismus zwischen Schmerzensmännern und letzten heiligen Josephs und Hanns Dieters?
Entstanden in diesen heiligen Gefilden die letzten poetischen Gedanken, die ein Hagenbuch wieder einmal, neulich, zugegeben hat? „Wer nicht denken will, fliegt raus“ und „ohne Rose geht hier gar nichts mehr“ als letzt Aufforderung und Mahnung nicht nur an die Deutsche Bank, sondern auch an jene nicht ge- und benannte, zumeist willkürlich und selbstverleugnend lebende, amorphe Masse, die sich Staat nennt. Nation oder Bevölkerung? Anfahrten ins Nichts wecken zumindest keine Erwartungen. Und doch verführt ein Name wie ,Emmrich‘ dazu, reflexartig eine linke Klebe mit Aussenrist von der linken Eckfahne des Feindterrains in den hintengelegenen, entgegengesetzten und damit entlegensten Winkel vor dem inneren Auge zu sehen: „Ecken// Winkel // Cézanne// Dank“ verdichtete einst der Meister der Holzwege und etymologisch / existentialistischen Entschlüsselungskunst im Prozess substantieller Wahrnehmung und innerem Verständnis gegenüber und mit dem großen Berggucker, der das Immergleiche ins Immerneue, Poetische der Malerei erhob. Mit der linken Klebe Einkehr, rechte Heimkehr nach Kleve – durch sinnliches Grau nach Bedburg – Hau.
Weites Land heißt nicht „waste land“, liegen aber hier in der Blickempfindung nahe beieinander. Melancholie bei der Wahrnehmung des Immergleichen hat auch schöne Seiten. Zu schöne, wie sich bei Gewahrwerdung eines kleinstadtgroßen Gebietes herausstellt. Bizarr wie stahlgläserne Wolkenkratzer im schnee-romantischen Hochgebirge zur Weihnachtszeit: eine idyllische Feriensiedlung, ästhetisch zwischen bäuerlichen Schwarzwaldhöfen und Blockbauten schwebend, in denen Ferienmachen möglich schiene? Langsam, sehr langsam kriecht Argus in die Iris, erspäht die geschickt getarnten Drähte von Verschlägen, Zäunen, Käfigen. Camouflierter Stacheldraht schafft jene eben nicht mehr semipermeablen Lamellen, die zwischen Innen und Außen zwar augenscheinlich nur schwer zu scheiden vermögen, in der steinharten Realität aber nicht nur Welten, sondern Weltanschauungen und ihre resultierenden Verhalten, Haltungen und Handlungen ideologisch trennen.
In aller Ambivalenz zumindest im Vorschein entstehen Orts- und Menschenassoziationen. Nicht enthalten allerdings jenes heroisch-erotische Toxicologicum surrealer Provinienz, das aus dem schwer verifizierbaren Augensinn die steingewordene Tatsache einer Irrenanstalt macht. Und doch hier scheint seit 96 Jahren der deutsche Wald eine heilsbringende Metapher geworden zu sein…..
Aufnahme
…Was wohl die Unfreiwilligen und unfreiwilligen Freigänger seit 1908, dem Baubeginn der Rheinischen Kliniken, für ein Wohlbefinden des Freizeitgefühl mit sich rumgetragen haben und weiterhin tragen? Mythen über Mythen: Wald, Wiese und Flur, Wanderer, Via Romana, Antoniusorden vom heiligen Antonius, Joseph Beuys (und die Gebrüder van der Grinten) und der Rhein – schon immer der mythologisch, mystisch und romantisch rauschhaft nährende Strom der Dichter, Denker, Meistermaler…“Die Zeit vergeht, die Erinnerung bleibt“…“Menschen, die wir lieben“ // bleiben für immer, // denn sie hinterlassen Spuren // in unseren Herzen“…“Du hast die Welt nicht mal gesehen //und musstest doch schon von uns gehen. // Mußt einen langen Weg beschreiten // auf dem dich niemand kann begleiten //……„Mit den Flügeln der Zeit fliegt die Traurigkeit davon“ schrieb Jean de la Fontaine….
Führung
…Und sei auch kein materielles Wesen nur aus sich selbst heraus tätig, wie Jean-Jaques bereits es erkannte, fährt er doch fort, dies gleich wieder in eine poetische Ambiguität – der auf Handlung gerichteten Erkenntnis im Verhältnis zu einem möglichen Subjekt zu betrachten, denn der redliche Mann, wie er ihn sich vorstellt, ist ein Kämpfer, der am liebsten nackt streitet. Auch die Masken und Rollen – Verschwiegenheit, Verstellung und Vorstellung – sind nur Instrumente der Macht. Von einem „ich aber bin es“ zu einem „je suis un autre“ liegt eine hauchzart -güldene Folie künstlerischer Technikbeherrschung als Mittel, Medium – nicht Selbstzweck.

Und Technik ist mit dem frischen Max ein Kniff, ,die Welt so einzurichten, dass wir sie nicht erleben müssen‘. Was für eine tief empfundene Sicht auf das Leben: „Aufatmen“ -die Verzweiflungen wechseln. Das Auto fährt allein“! Und sie reisen und kreisen in Kreisen: in Reisekreisen.
Vertikale Kreisel, teleskopische Kegel: Wahrnehmungen der Veränderungen in der Längsneigung. Richtungskreiseln. Korrektursignale zu Quer und Seit und Hoch: der Auto(r)pilot als Operateur im unsichtbar Sicht- und Sinnbaren und -lich(t)en. Es gibt keine Gespenster in Bildern – nur Geist, der zwischen schmerzendem ‚ICHundWELT‘ und rauschhaft-euphorischem Erfahren von „der ganze Wahnsinn auch ohne mich und Ich“ oszilierend, ein zu bergender und entbergender ist. Gottfried Benn spricht friedlich aus der Höhe heilenden geiste(rn)s:

„Tauchen musst du können, musst du lernen,
einmal ist es Glück und einmal Schmach,
gib nicht auf, du darfst dich nicht entfernen,
wenn der Stunde es an Licht gebrach. „

Aus diesem kurzen ,Dazwischen‘, nämlich inter-esse, also dem „Dazwischen“ sage ich also dem Zeichen/Bezeichneten einen letzten Rest von selbssteuerndem Trieb mit gestalterischer Selbsttätigkeit zu. Ganz so, wie es vielleicht dieser Tage in einer fröhlich humorvollen Entgrenzung von Kapital und Spiel, von Fieber und Wahn für das Spiel mit dem Fußball erlebbar ist. Noch einmal König Fußball:
Sein Geburtsjahr wird ja allgemein mit 1564 angegeben. Doch schon Shakespeare warnte vor der Brutalität des Spiels:

„Fortrollen soll ich. Bin ich denn ein Ball, den man mit Füßen tritt und vorwärts stößt, hin und rück und nach Lust schlägt mich ein jeder? Soll das noch lange Zeit währen, so näht mich erst in Leder.“***

Und ungeachtet der Verletzungsgefahr meinte ein uns allen bekannter 1759 geborener Regimentsmedicus – wir würden heute Mannschaftsarzt sagen – ;

„Wort gehalten wird in jenen Räumen
jenem schönen gläubigen Gefühl.
Wage du zu irren und zu träumen.
Hoher Sinn geht oft mit kindschem Spiel“.

Und in diesem Zusammenhang wird bei Platon u.a. der Begriff der „Heiligen Scheu“ eingeführt.

Diese Spielform also, antik zwischen Agon und Illings, ist die in Bewegung und Prozessualität des wechselseitigen Kampfes sich bedingender Temperamente und Kräfte von apollinisch und dionysisch im Sinne Nietzsches.
Kraft, Gedächtnis und Einfallsreichtum, also Agon, gegen oder in Rivalität zu Rotation und Fallbewegung, die in sich selbst einen organischen Zustand der Verwirrung und des außer sich Geratens – extasis – erreichen sollen mit dem Ziel, zu einem reflektierenden Selbst in dem Begreifen und Verstehen notwen- diger und sozialer Abhängigkeiten zu gelangen. Also wie im Spiel.

Soziale Kompetenz des Steuerns wird so über die Dialektik der Entsteuerung zu einer künstlerischen und philosophischen Haltung und – hoffentlich – immer wieder auch zu einer Handlung.
Und hier müsste eigentlich ein Plaidoyer der operativen Kunst im Sinne Sergej Tretjakovs folgen, aber davor möchte ich Euch bewahren.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit. (Vortrag im Einstellungsraum e.V)
___________

* Gunnar F. Gerlach:
Aufatmen – die Verzweiflungen wechseln
12 Künstler in der Anstalt
Hrsg. Uwe Schloen
Huck – Finn – Verlag Amsterdam, Hamburg 2005

***W. Shakespeare: Komödie der Irrungen, 2.Akt, 1. Szene, Dromio.

Einstellungsraum e.V. (Transcript Elke Suhr) […] >


 


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Hut/Zeichen/Animation: jörg stange | gfok

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Januar 9, 2009 at 13:34

Veröffentlicht in Kunst & Kultur, operative kunst

Gunnar F. Gerlach: OHNE METAPHER – KP Brehmer

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brehmer-eye-cream

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Gunnar F. Gerlach


OHNE METAPHER – KP Brehmer, oder:
Wie einer auszog „ein bißchen über das richtige Leben“ zu lehren

„Es gibt keinen anderen Weg, den sinnlichen Menschen vernünftig zu machen, als daß man denselben zuvor ästhetisch macht.“

Friedrich Schiller

„Ein weiterer Aspekt des „Readymades“ ist sein Mangel an Einmaligkeit weil die
Replik eines „Readymades“ die gleiche Botschaft übermittelt;…“

Marcel Duchamp

„Weiter vor allem wurde aus der modernen Technik die künstlerische Montage gezogen, als Hilfsmittel in einer keineswegs mehr fertig oder eindeutig geschichteten Welt. Es ist eine Auswechslung, die bisher nur in der Groteske bekannt war, nun aber reicht sie vom frühen Photoklebebild (…) bis in die jähsten Verfremdungs-Einsätze, aus scheinbar wo ganz anders her, bei Brecht.“

Ernst Bloch

Worte können nur schwer das visuelle Werk eines Künstlers beschreiben der in visuellen und geistigen Zwischenreichen surreal agierte. (1) Wenn sie sich auch noch zu einer nachrufenden Erzählung über den Lehrer und die Lehre eines Künstlers verdichten sollen, der 21 Jahre – seit 1976 – an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg zwischen Künstler-Kollegen, Studenten, Kunstwissenschaftlern, Freunden (2) und der von ihm initiierten Galerie Vorsetzen kommunikative Netze knüpfte, können nur zentrale Aspekte Erwähnung finden.

Am 16. Dezember 1997 verstarb der Künstler und HfbK-Professor für Freie Kunst, KP Brehmer, plötzlich und unerwartet an den Folgen eines Herz- und Hirnschlages. Geboren am 12. 9.1938 in Berlin, wurde er bereits in jungen Jahren bekannt und zu einem der wichtigsten Vertreter einer sich politisch artikulierenden Kunst. Als einer der Hauptvertreter der „Grafik des Kapitalistischen Realismus“ neben Sigmar Polke und Gerhard Richter entwickelte der gerlernte Reprotechniker und Klischeeätzer nach weiteren Ausbildungen an der Kunstgewerbeschule in Krefeld und Kunstakademie Düsseldorf eine aus der dem Surrealismus von Max Ernst und der Pop Art á la Richard Hamilton entwickelte, ganz eigene Formensprache, die in dauernden Zwischenzuständen oszillierte. Er nahm den optischen Menschen ernst und entlarvte zugleich die Suche nach Sinn, in dem er mit Farbskalen und ihren vermeintlichen Bedeutungen surreales Spiel trieb: seine „Korrektur der Nationalfarben, gemessen an der Vermögensverteilung“ legte bereits 197O frei, was jetzt globale Vernichtungs-Bedrohung ist: Das Großkapital in leuchtendem gold-gelb nimmt nimmt 7/8 der installierten Fahne ein. Spitzfindig wurde das dem alltäglichen Blick entgehende – z.B. die ideologische Bedeutung von Briefmarken als „Deutschen Werten“ – mit visuellen Mitteln enttarnt, wie die „Braunwerte“ am Beispiel des Testbildes im deutschen Fernsehen. KP Brehmer entsprach damit jenem von Herbert Read in seinem Buch „Erziehung durch Kunst“ analysiertem „optischen Typus“, der dem einfühlenden und integrierten Typus gleichgestzt werden kann: „…; er geht von der Umwelt aus und baut aus seinen optischen Erfahrungen eine synthetische Darstellung seiner Einzelwahrnehmung auf“. Dabei arbeitete er immer wieder mit den Möglichkeiten medialer Transformationen um zwischen Museums-, Sammler- und Volks-Ausgaben zu differenzieren, denn das „sind verschiedene Wege, Vertriebswege in dem Medienkomplex, als den ich den ganzen Kunstbereich betrachte“, formulierte er bereits 1971 bei seiner ersten großen Einzel-Ausstellung im Hamburger Kunstverein weitsichtig. Das handwerklich und technisch erlernte muß in Beziehung stehen zu den jeweiligen gesellschaftlichen Produktionsverhältnissen, medialen Transformationen und der Notwendigkeit einer über alle Klassen und Schichten hinausweisenden Praxis.

Die verständnissinnigen Medienschichten zwischen Trivialität und Bedeutung, Schein und Tiefe, verwiesen bei ihm auf das zweigeteilte Goethesche Glück, wo die höchste Höhe einzig zu finden sei in der nächsten Nähe. Und dies wiederum fand seinen unmittelbaren Niederschlag im Umgang mit Menschen. Die Kunst reguliert und verbessert im Idealfall die gegebenen Bedingungen, hin zu intensiverer und genauerer Beobachtung in der eine innere und äußere qualitative Wahrnehmungssteigerung zu finden ist: Die „ideale Landschaft“ meditiert sich jeder Betrachter selbst zusammen. Den Zustand einer die Natur nicht mehr intuitiv begreifenden Gesellschaft ironisierend, überließ, es KP Brehmer der Statistik, hieraus Schlüße zu ziehen: das auf Zahlen reduzierte Gefühl wird zum Emblem der Unfähigkeit die Sinne in einem auf die tatsächliche, dialektische Realität zu richten. In der provozierten Ironie des sich selbst auf statistische Werte reduzierenden Menschen erscheint zugleich ein Hoffnungsstrahl, der auf die Möglichkeiten der Künste zielt. Sie dürfen mit beiden Seiten spielerischen Umgang pflegen. Schiller ließ freundlich grüßen und Ernst Bloch, der deutsch-deutsch-wißbegierige und literarisch philosophierende Großgeist, interpretierte „Goethes Zeichnung > Ideallandschaft <“ als einen Schriftzug Goethes im Geiste der „glücklichen Küsten mit feenhaften Bauten“ von Claude Lorrain: “ Hier lernt man atmen. Dies Blatt wirkt körperlich ein. Nur einer mit breiter Brust konnte das hinsetzen. Die Sonne, der Tempel bedienen sich des Raums….Im Bild ist etwas gut geworden.“ Geprägte Form, die lebend sich entwickelt, verweist hier auf jene wohl überlegte Mitte, über die Bloch sagt: „Das Bild lehrt viel, nicht zuviel.“ Hierin ist der von seiner Kriegs- und Nachkriegs-Erfahrung geprägte, strebende und lebende Mensch, Freund und Lehrer KP Brehmer wiederzuerkennen.

Am Naturmaß, am Umgang mit dem in seinen Widersprüchen und im Kapitalismus zum Überleben notwendigen Schizophrenien, wie Deleuze und Guattari dies analysierten, zeigt sich der Mensch genauer und tiefer – zwischen der Intuition zur Natur, dem analytischen Verstand (erlernbarem Wissen) zur Technik und der synthetischen Leistung, die für die Kunst als Erfindung von spezifischen Form-Inhalts-Korrelationen unabdingbar ist. In die Kurve gehen wie ein junger Hirsch, sagt der Volksmund. Zwischen den Extremen ein „bißchen das richtige Leben“ spüren und stiften. Dies vermittelte er stets mit großem Einfühlungsvermögen für die jeweils herauszuarbeitenden Qualitäten von Studenten und Freunden. Kleine Hinweise, ein kurzes, fast beiläufiges Herüberschieben einer Literatur, eines Kataloges, einer Abbildung oder eines musikalischen Werkes, trafen zumeist zielsicher das Interesse des Adressaten. Ohne jegliche Besserwisserei, als Gleicher unter Gleichen, war damit ein Rat gegeben, womit sich das Gegenüber beschäftigen sollte, um dem individuell erwünschten Ergebnis näher zu kommen. Hierin wurde KP Brehmer die Möglichkeit einer sozial gelingenden, intensiveren Kommunikationsebene in den letzten Jahren zunehmend wichtiger, als die letztlich doch nur auf Ding- und Warenfetischismus, Machtkampf und Eitelkeit hinauslaufende, individuelle Kunstproduktion.

„3o Jahre Arbeit in Kunst“ und „Schamanismus mit Klangbeispielen“ waren in den frühen 90er Jahren zwei von ihm gewählte Ausstellungstitel in der Galerie Vorsetzen in Hamburg mit programmatischem Charakter. Die Kunst als Arbeit definiert, entzerrt sie von hierarchischen und auf Ausgrenzungen abzielenden, bürgerlichen Bestimmungen. Die Natur des Klanges, kombiniert mit der Erinnerung an sozial notwendige Rituale für Auge und Ohr, wird zu einer Heilungsmetapher. Idealistisch und realistisch in Einem, drückte sich darin ein praktischer Eingriff ins Leben aus: die Realität des Scheiterns erkennen, aber nicht darin (selbst-) verliebt sein, sondern auf Veränderung setzen. Die Dinge der Welt sind von Menschenhand gemacht, also kann die Handlung mit Herz und Hirn positiv verändernd einwirken. Das erinnerte stets an die Überlegungen des sowjetischen Revolutionärs Sergej Tretjakov und seine Überlegungen zu einer operativen Kunst: „Wir haben keine Veranlassung, die Erzeugnisse der Kunst trotz all ihrer Verschiedenartigkeit und ihres spezifischen Charakters aus der Reihe der Dinge herauszugreifen. Die Erzeugnisse der Kunst sind die Instrumente zur Bearbeitung der menschlichen Emotionen. Das Erzeugnis der Kunst ist das Werkzeug für die direkte oder indirekte soziale Handlung.“

Die indirekte soziale und kommunikative Handlung drückte sich bei KP Brehmer als eine Art Lehre in und an der Natur aus. Die Einladungen an Studenten und Freunde aufs Land in seine Datscha in Vietze (Landkreis Lüchow-Dannenberg) dienten dazu in entspannter Atmosphäre das Wahrnehmen wieder ernst zu nehmen: als ein Wahrnehmen des wahrnehmens ohne normative Vorgaben. Der Moment des individuellen Entscheidens kreiert das Ich und gebiert durch repressionslose, freiwillige Auswahl den auch sinnlich vernünftigen Menschen. Hierin war KP Brehmer Rationalist. Angemessenes Verhalten und Handeln bis hin zum Kleiden verlangen ein Höchstmaß an präziser Wahrnehmung. Toleranz genüber dem anderen und fremden wird dann ein Gebot der Vernunft. Gleichermaßen muß zur Regulierung und Herstellung „des richtigen Lebens“, über das man „ein bißchen reden“ kann und muß, Einfühlungsvermögen und Intuition mit in den Hauptstrom einfließen. Ohne Sinnlichkeit, verstanden als aktive Arbeit an der für die Erkenntnis notwendigen Naivität und Sentimentalität (Friedrich Schiller!), kommen Mensch, Ding und Kunst nicht in ein ausgewogenes Maß. Die Liebe zur Natur, zu Pflanze, Kreatur und Mensch, ist dabei ein Glück des Empfangens. Deshalb muß die Freude des Gebens und Abgeben könnens dem Nehmen zur Seite gestellt werden. Die KP Brehmer auszeichnende Großzügigkeit im materiellen und immateriellen basierte damit stets auf dem Vertrauen und dem Wissen um die im Individuum ruhenden Selbstheilungskräfte, die durch soziale Handlungen in Bewegung gebracht werden müßen.

Der als Gärtner verkleidete Künstler hegt und pflegt sich selbst und die anderen. Und dazu gehörten wie selbstverständlich auch die berauschenden, die Sinne anregenden, Stoffe der Natur: „KP Brehmer ohne vin rouge gibt es nicht!“ Einer dieser klassischen, mit Augenzwinkern ausgesprochenen Sätze eines Künstler, der mit Aby Warburg – dessen Bilderatlas „Mnemosyne“ er bewunderte – um die Notwendigkeit des situationistischen Ein- und Ausschwingens wußte. Die Herstellung einer Atmosphäre bestimmt das Klima in dem sich etwas entwickelt. In diesem Sinne ist Klimaforschung Kunstwissenschaft.

Das Vetrauen in Menschen, denen er stets mit Neugier, Wärme, Verständnis und Solidarität begegnete, charakterisierte seine Lehre. Nur in der Transformation des Scheins erscheint die subversive Energie der Kunst: zwischen Subjektivität und Objektivität steht der noch erst werdende Mensch. Zwischen diesen Zeilen ist das „Leben ein bißchen zu lesen“. Dieses sich scheinbar einer objektiven Beschreibung entziehende „Gefühl“ ist jenes „zwischen den Fingerkuppen“, wie einer seiner berühmten Aufsteller (Nr.25, 1967) auf orale und taktile sexuelle Bedürfnisse aufmerksam machte. Das Freilegen von Stoff und Medienschichten animierte ihn auch dazu seine Aktivitäten auf das Reisen und Sammeln von chinesischer und afrikanischer Kunst zu lenken, denn für ihn gab es genauso wie für Johann Gottfried von Herder keine unterdrückenden Hierarchien in den Künsten, sondern historisch-gesellschaftliche Bedingtheit und Gleichzeitigkeit ästhetischer Erfahrungen. Dabei ist der eigentliche Mutterboden aller Kunst das Volk und Volksnähe ist ein künstlerisches Wertekriterium. Alle Völker sind künstlerischer Leistungen von Weltrang fähig und die Theorie von der linearen Abkunft der europäischen Hochkultur Versailler Prägung ist eine teleologische, volks- und kunstfeindliche Vergewaltigung der Geschichte. Kunst ist ein Welt- und Menschenphänomen, das wir in wechselseitiger Achtung, Verantwortung und Verpflichtung uns selbst und dann den anderen gegenüber leben lernen können. Die Märchenerzähler in Afrika sagen über eine Geschichte, die etwas ist, das sie allen gehört. Und so ist eine Erzählung von KP Brehmer, dem Menschen, Freund, Künstler und Lehrer vielleicht bezeichnend für seine Auffassung von den künstlerischen Räumen zwischen und über der Realität.

Im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung in einem Doppelröhren-Bunker aus dem II. Weltkrieg in Hamburg-Eppendorf (Mai 1995), der „Sub-Bühne“, erzählte er unter dem Titel „Braunkohlen in Berlin“ die Geschichte seiner Rettung aus dem Keller des Hauses, in dem er als Kind wohnte. 1945 sollte das Haus durch sowjetische Soldaten gesprengt werden. Seine Mutter suchte verzweifelt ihren kleinen Sohn, und erinnerte sich daran, daß sich der kleine KP eine Höhle in den Braunkohlen gebaut hatte. Als sie im Keller ankam, wollte ein Soldat das Haus schon sprengen. Die Mutter erinnerte (!) plötzlich – und wie von Geisterhand gelenkt – ein paar polnische Worte ein, die sie selbst von ihrer Großmutter kannte und die nun in dieser panischen Situation wieder aufschienen. Der russische Soldat verstand glücklicherweise die polnischen Wort-Brocken, erkannte die Situation und half beim Suchen des kleinen Kindes. Sie fanden den kleinen KP hinter den Braunkohlen schlafend, dort, wo er so gerne spielte und konnten ihn rechtzeitig retten. In dem Moment, da der Soldat aus seiner eigenen Realität heraustrat und durch menschliches Verständnis, Mitleidsfähigkeit und Vetrauen in einen Zwischenraum über der Realität hineintrat, war eine Rettung möglich. So erst versteht man den von KP Brehmer noch acht Tage vor seinem Tod ausgesprochenen Satz: „Eigentlich bin ich ein Surrealist:“ Diese Energie wird über den Tod hinaus bei Kollegen, Studenten und Freunden im Gedächtnis bleiben.

Anmerkungen

1) KP Brehmer liebte das übermäßige zitieren und die daraus resultierenden Anmerkungen in Texten nicht, deshalb verzichte ich hier darauf. 1994 sagte er einmal zu mir:“Laß das doch lieber mit dem zitieren Deiner Lieblinge Adorno und Bloch. Du brauchst das gar nicht. Wenn ich die lesen will, verdiene ich genug Geld, um mir deren Zeugs zu kaufen. Ich will Dich lesen. Denk´mal drüber nach.“

2) Mein Dank geht an jene Freundinnen und Freunde, mit denen ich bis heute über den von mir als sehr schmerzhaft empfundenen Tod des Freundes KP sprechen konnte und die mir geholfen haben, die Dinge angemessen zu sehen: Anna Brenken, Claus Böhmler, Bogomir Ecker, Achim Hoops, Ernst Kretzer, Shan Fan, Jörg Stange, Julia Sudeck, Maria Tokyo und Chrisdian Wittenburg.

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http://archiv.fridericianum-kassel.de/ausst/bremer-sauer.html

KP Brehmer | Eye Cream 1967| Kunsthalle Hamburg |  Foto: jst (Ausschnitt)

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Dezember 16, 2008 at 17:13

Jochen Lempert Eingriff in der Sammlung Wilde

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13. April bis 1. Februar 2009

Jochen Lempert wurde eingeladen, eine Präsentation einzurichten, die eigene Werke zu solchen aus der Sammlung Ann und Jürgen Wilde ins Verhältnis setzt. Damit ist Jochen Lempert nach Heidi Specker, Vibeke Tandberg und Christopher Müller der vierte in dieser Ausstellungsreihe, die Künstlerinnen und Künstlern, die mit eigenen Arbeiten in dieser Sammlung vertreten sind, Einblick in und Zugriff auf diese ermöglicht.
Jochen Lemperts Eingriff in die Sammlung Wilde ist ein poetisches Spiel mit inhaltlichen und formalen Assoziationen und Verweisen. Der Künstler studierte Biologie und experimentierte mit dem Medium Film bevor er sich der Fotografie zuwandte. Im Zentrum seiner Arbeit steht eine Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten des Mediums ebenso wie eine Auseinandersetzung mit der Wahrnehmung und Visualisierung des Animalischen.

Seit ihren frühen Jahren ist die Fotografie Instrument der Forschung. Die in ihr liegenden Möglichkeiten‚ objektiver‘ Dokumentation dienen der anschaulichen Visualisierung von Forschungsergebnissen. Es sind vor allem diese Indienstnahmen, die die technologischen Entwicklungen der Bildmedien vorangetrieben haben.
Jochen Lemperts lapidar anmutenden Umgang mit den fotografischen Materialien und dem bereitstehenden Repertoire apparativer Möglichkeiten legt allerdings auf den ersten Blick eine Spur in ein durchaus auch kritisches Verständnis von Wissenschaftlichkeit und Objektivität. Es ist eine poetische Langzeitstudie über die Entstehung und Entwicklung von Lebensformen bis hin zu ihren Domestizierungen, die Lempert betreibt. Das von ihm fotografisch fixierte Meeresleuchten etwa wird hervorgerufen durch mechanische Reizungen, die auf Ansammlungen von Mikroorganismen einwirken. Was der Künstler da erzeugt, indem er das fotografische Papier von solchen Mikroorganismen belichten lässt, sind Bilder der Urformen des Lebens. Gordius etwa ist der Gattungsname für eine Lebensform einfachsten Aufbaus, eines im Wasser lebenden sich selbst verschlingenden Wurms, der von Linné das erste Mal beschrieben wurde.
Eine streng wissenschaftliche Herangehensweise würde es erfordern, all die fixierten Lebensformen und Artenvielfalten in einer Darstellungsweise anzubieten, die Vergleichbarkeit nach objektiven Kriterien ermöglicht. Wo Lempert dies tut – etwa im Block der hier ausgestellten Vogelköpfe – gerät dies zu einer sinnlich-poetischen Persiflage auf solche Traditionen und Gesinnungen.
Was sich über die Geste der Systematisierung legt, ist der Eindruck physiognomisch anmutender Individualität.

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Dass Sichtbarkeit Wahrheiten produziert, war eine Grundannahme der Physiognomie, einer in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur Blüte kommenden Wissenschaft, die aus vermeintlich verallgemeinerbaren physischen Merkmalen Neigungen etwa zu kriminellen Handlungen ableitete und letztlich zu Ideen der Rassenhygiene mit all ihren weit reichenden Folgen führte. Bei Lempert ist Sichtbarkeit immer in erster Linie Licht. Das Meeresleuchten steht dafür ebenso wie das Feuer, das sich in einer die Sonne verdunkelnden Wolke wieder findet, wie die Sonnenstrahlen auf dem Laub, das sich wiederum der Fotosynthese verdankt, wie die dank fossiler Energien leuchtenden nächtlichen Hochhausfenster, wie die Leuchtkäfer auf der von Duane Michals fotografierten Hand. Lee Friedlanders Aufnahme eines Schattens wendet Lempert ins Licht. Nun ist es der Mann, der sich mit drei pelzigen Damen konfrontiert sieht. Das Porträt Hans Arps, aufgenommen von Florence Henri, selbst eine Meisterin der sich in Spiegeln brechenden Lichts, zeigt den Künstler als aus jenem Organischen schöpfend, in das er selbst einzugehen scheint. Die „Weidenmeise“, aufgenommen von Lempert, findet ihren Ort in einer Schilflandschaft an der Wackenitz – einem Wasserlauf, an dem Renger-Patzsch fotografierte, Lempert als Biologe tätig war und den Johannes Bobrowksi in poetischen Worten besang.

Jochen Lempert bietet die Sammlung Wilde als einen möglichen Ort‚ wilden Denkens’ in der Tradition des Ethnologen und Anthropologen Claude Lévi-Strauss dar. Er referiert visuelle Dokumente elementarer Strukturen von Verwandtschaft – wobei er die von Lévi-Strauss vertretene Trennung von Kultur und Natur ebenso zur Diskussion stellt wie das Medium, in dem er arbeitet.
I. Schube

Presse und Öffentlichkeitsarbeit: Dr. Isabelle Schwarz

© Jochen Lempert
Oiseaux – Vögel, 1997
9-teilig, 170 x 140 cm (je 54 x 48 cm)
Silbergelatine Baryt
Sammlung Ann und Jürgen Wilde / Sprengel Museum Hannover
Abb.: courtesy Sabine Schmidt Galerie, Köln

© Jochen Lempert
o. T.
2007, 30 x 24 cm
Silbergelatine Baryt
Abb.: courtesy Sabine Schmidt Galerie, Köln © Jochen Lempert

Fotoarbeiten: Jochen Lempert

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Keiner rechnet so genau wie der Wilde

Claude Lévi-Strauss ist tot

03.11.2009, 19:52

Von Fritz Göttler

Ein Wanderer auf Nebenpfaden, doch alle führten sie in die Mitte der Gesellschaft: Zum Tod des Ethnologen Claude Lévi-Strauss

Er war die große Figur des vorigen Jahrhunderts, die graue Eminenz, der Wissenschaftler, der als Ethnologe begann, aber von Anfang an alles in seinem universalen Blick hatte, die Menschen und ihre Gesellschaft, die Gegenwart und die Vergangenheit, die Politik und die Kultur, das Ordinäre und das Virtuose, das Rohe und das Gekochte =

http://www.sueddeutsche.de/kultur/936/493285/text/

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Ein Interview (1972, mit englischen Untertiteln) mit dem strukturalistischen Ethnologen Claude Lévi-Strauss, der am 30. Oktober im Alter von 100 Jahren starb … bleibt zusätzlich anzumerken, dass Lévi-Strauss in seiner Jugend- und Studentenzeit in der SFIO, der Groupe d’Études Socialistes und als Generalsekretär der Étudiants socialistes aktiv war

http://entdinglichung.wordpress.com/2009/11/04/claude-levi-strauss-1908-2009/

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Zum Tod von Claude Levy-Strauss

Fernab von allem Kitsch

Der Begründer der strukturalen Anthropologie ist kurz vor seinem 101. Geburtstag in Paris gestorben. Was von Claude Levy-Strauss aktuell bleibt. VON CORD RIECHELMANN

Es gibt ein Foto, auf dem Claude Lévi-Strauss mit einem schwarzen Vogel, der auf seiner Schulter sitzt, zu sehen ist. Die beiden wirken vertraut, aber es bleibt ein Rest an Distanz zwischen Vogel und Lévi-Strauss.

http://www.taz.de/1/leben/koepfe/artikel/1/fern-ab-von-allem-kitsch/

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medienwatch.wordpress.com | medienwatch.de | metainfo.de

Written by medienwatch & metainfo

Dezember 14, 2008 at 20:54

THE YES MEN Trailer

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Written by medienwatch & metainfo

November 15, 2008 at 16:49

Veröffentlicht in operative kunst