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All the Same: Was gilt, wenn alles gleich und gültig ist? + Mehr

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All the Same

Was gilt, wenn alles gleich und gültig ist?

Zwei Workshops für Studierende, Künstlerinnen und Künstler sowie Theorieinteressierte

Unsere Gesellschaften stecken in einer Krise der Gleichheit — weil wir vom Ziel der Egalität weit entfernt sind: Der Abstand zwischen Arm und Reich wird immer größer, von Chancengleichheit keine Rede. Andere Ungleichheiten werden durch Intoleranz, Angst, Besitzstandwahrung, Neid gepflegt. All dem zum Trotz findet jede weltanschauliche Richtung ihr passendes Gleichheits-Argument: Neoliberale Entsolidarisierungs-Kampagnen propagieren, man müsse nur wollen, dann sei jeder Aufstieg möglich. Anderswo wird Toleranz zum Synonym für Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal anderer oder dient der Vermeidung eigener Standpunkte.
Unter all das mischt sich der Ruf nach neuen, alten Werten, die gleichgemacht worden seien. Werte, die dafür Sorge tragen, dass soziale und geografische Abstände gewahrt bleiben, die Meinungshoheit garantieren und Besitz schützen. Werte aber andererseits auch, die gesellschaftliches Leben organisieren, Maßstäbe für Handeln oder Nichthandeln, für den Umgang miteinander definieren.
Der rasante gesellschaftliche und ökonomische Wandel der letzten Jahre erzeugt das Gefühl, dass nichts mehr gleich ist, dass nicht mehr genug Gleiches in der Gesellschaft vorhanden ist, nicht mehr genug für alle gültig, um einen gemeinsamen Maßstab zu definieren. Und gleichzeitig: dass zuviel Gleichgültigkeit herrscht, dass unterschiedslos die unterschiedlichsten Biografien und Identitäten gleichgesetzt werden und auch wir selbst immer mehr den anderen gleichen, ununterscheidbar werden.

Die Herbst-Akademie des steirischen herbst 2009 spielt mit dem Begriff „All the Same“, der einerseits das Desinteresse kennzeichnet, das wir gegenüber der Gegenwart, der Zukunft und der Vergangenheit entwickeln.
Und der andererseits gleiche Gültigkeit fordert: Gleichberechtigung, Achtung vor anderen kulturellen Werten, Lebensformen und Kulturen, das Zurückstecken nur eigener Interessen. Als soziales Anliegen, als Utopie ebenso wie als Alltagsforderung. In diesem Kontext bilden zwei Workshops für je zwanzig junge, internationale Künstlerinnen, Künstler, Theoretikerinnen und Theoretiker eine Art Rückgrat des Festivals und folgen seinen leitmotivischen Überlegungen.

Workshop I (05/10 – 10/10/2009)
The Long Memory of Cocaine
Die Moderne und der Wandel von Wert und Arbeit
Von Max Hinderer (D)
Mit John Barker (GB) & Jorge Hurtado (BOL)

Die Moderne ist für uns kein Stilphänomen, sondern sie beginnt mit der ersten kolonialen Eroberung, ihrer Bereicherung und ihren Genoziden: Eduardo Galeano’s „Open Veins of Latin America“ (1973) beschreibt die strukturierte Ausbeutung Latein Amerikas und die produktive Macht seiner Einwohner durch die Kolonialisierung bis zum heutigen Tag. Das ausgebeutete Silber und Gold, das im 16. und 17. Jahrhundert aus den Kolonien in Schiffen nach Europa transportiert wird, generiert hier eine unglaubliche Akkumulation von Kapital, die zeitgleich zu dem von Marx beschriebenen Prozess der „ursprünglichen Akkumulation“ in England stattfindet und als Beginn der kapitalistischen Moderne begriffen werden kann. Doch was für die Habsburger Könige von Spanien das Silber war, war für die Thatcher / Reagan-Ära das Kokain. In besonderem Maße spiegeln sich Geschichte und Brüche der Moderne jedoch in dem Un-Verhältnis, das das natürliche Coca-Blatt, millenarische Kulturpflanze der Andenregionen, und das Kokain, ein deutsches Pharmaprodukt aus dem späten 19. Jahrhundert, zueinander unterhalten. Dennoch ist es das gute Gedächtnis des Kokains, das die koloniale Ausbeutung der Silberminen mit Wall Street und Produzenten und Produzentinnen immaterieller Arbeit heute verbindet. Der Workshop bietet eine ökonomiekritische Lektüre des Verhältnisses von Moderne, dem Unverhältnis von Coca / Kokain und immaterieller Arbeit.
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Max Hinderer *lebt als Autor und Kunstkritiker in Berlin.

*John Barker*, 1948 in Nord-London geboren, wurde 1971 als Mitglied der „Angry Brigade“ zu einer zehnjährigen Gefängnisstrafe verurteilt und begann zu schreiben. 1986 war er in Drogengeschäfte verwickelt. Nach seiner Flucht wurde er 1990 verhaftet und zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Auf deutsch erschien 2001 sein Roman „Termingeschäfte“ beim DuMont Verlag in Köln. Barker veröffentlicht regelmäßig politische und kulturkritische Essays u.a. für das Londoner Mute-Magazine.

*Jorge Hurtado Gumucio* ist Psychater und spezialisiert auf dem Gebiet psychoaktiver Substanzen. Als solcher untersucht er den Nutzen von Coca-Blätter-Kosum gegen die Kokainabhängigkeit. Außerdem ist er Direktor und Gründer des Coca-Museums La Paz, Bolivien, und versteht sich als drogenpolitischer Aktivist für die Belange der Andinen Kulturen. Hurtado hat verschiedene Bücher zum Thema Coca/Kokain veröffentlicht, u.a. „Cocaine the Legend“, La Paz 1995, die ins Englische und Französische übersetzt wurden.

Workshop II (12/10 – 17/10/2009)
Stratagames: A Theatre of Operations
Von Tomislav Medak, Sergej Goran Pristaš & Ivana Ivkovic / BADco. (HR) Mit Bryan Finoki (USA), Marko Peljhan (SI), Ana Vujavnovic (RS) & Dmitry Vilensky (RS)

Künstlerische Handlungen müssen, so wird es erwartet, eindeutig und überzeugend sein, sobald politische oder soziale Aspekte ins Spiel kommen — Ergebnisse sollen präsentiert und Vermittlungsprozesse durchgeführt werden. Doch dieser Ruf nach Klarheit impliziert eine bestimmte Vorstellung davon, was Kunst ist und was sie leisten kann.
Unzufrieden mit diesem gönnerhaften Zugang setzen wir uns mit Dispositiven und Situationen auseinander, in denen das Werk uneindeutig, polarisierend, voller Widersprüche wird. Wir möchten herausfinden, wie Strategeme, Strategien und Handlungsweisen in das Werk einfließen können — um seine Eindeutigkeit zu erschüttern, um die strategischen Beweggründe beider Seiten ins Spiel zu bringen und gegeneinander auszuspielen.
Dabei wählen wir den Weg strategischer Interventionen — von uns als „Stratagames“ bezeichnet — aus den Bereichen Theater, Kunst, Technik, Architektur und Politik und machen Gebrauch von Brettspielen, militärischen Konzepten, Spieltheorien, illusionistischen Kunstgriffen, politischen Tricks und dem ganzen Arsenal erdenklicher Manipulationen, Machinationen, Konfrontationen und Aushandlungsprozesse.

Kopräsentation NXTSTP, unterstützt durch das Kulturprogramm der Europäischen Union

Für weitere Informationen und Anmeldeformulare siehe:
http://www.steirischerherbst.at/2009/deutsch/micro2009/hak_ausschreibung.php
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@ Steirischer herbst 2009
Im Rahmen der herbst-Akademie gibt es auch heuer wieder zwei internationale Workshops für Künstlerinnen und Künstler, sowie Theorieinteressierte.

Die Anmeldefrist läuft bis 31/07/09

http://www.steirischerherbst.at/2009/deutsch/micro2009/index.php

herbst-Akademie 2009

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Ein weiterer Hinweis für morgen:

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trottoir:

Freitag, 19. Juni 2009 bis Sonntag, 28. Juni 2009
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Antonia Puscas

»bio – rolex«

»Mechanical trees grow up to their full height and cut themselves down.« (Laurie Anderson)

Medial narkotisiert ist uns idealerweise die Oberfläche längst zur Heimat und Orientierung geworden. Von den Widrigkeiten der alten Heimat scheinbar erlöst, plätschern wir clickend und selbstvergessen im Meer der Möglichkeiten. Wer übt, kann nix. Wer ** zeigt, zeigt nix. Außer der guten Figur, darf sich alles ändern.

Solcherart narkotisiert haben wir es einfach nicht anders verdient. Ab ins »bio – rolex«- Aufwachzimmer! (Jörg Rode)

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http://www.trottoir-hh.de/aktuell/detail/datum/2009/06/19/antonia-puscas.html

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Eröffnung der Ausstellung am Freitag 19.6.09 um 20 Uhr

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Tip(p) = 3

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kunsthasserstammtisch-09

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noroomgallery präsentiert den KunstHasserStammTisch*

mit Bazon Brock
am Samstag, dem 20. Juni 2009, 21.30 Uhr im Panoptikum, Spielbudenplatz 3

https://medienwatch.wordpress.com/panoptikum-noroomgallery-prasentiert-den-kunsthasserstammtisch-bazon-brock/


„Nur das erkannte Falsche ist noch wahr. Eine erkenntnistheoretische Huldigung an die Lüge als die Retterin der Wahrheit.“

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Bazon Brock ist an diesem Wochenende noch wie folgt zu hören und zu sehen:

Freitag, 19. Juni, 20.00 Uhr, Harburger Kunstverein

„Über die negative Affirmation“

Samstag, 20. Juni, 15.00 – 18.00 Uhr und Sonntag, 21. Juni, 12.00-16.30 Uhr, Hamburger Kunstverein

„Kritik der Wahrheit aus dem Geiste der Utopien. Das Prinzip Hoffnungsglück.“

* Plattform für performative Kunstkritik

Mit freundlicher Unterstützung der Behörde für Kultur, Sport und Medien der Hansestadt Hamburg

Doppelsendungen bitten wir zu berücksichtigen.

www.bazonbrock.de
www.panoptikum.de
www.kvhbf.de
www.kunstverein.de
www.noroomgallery.com

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+++ Heute im Radio: DeutschlandFunk 15.05 Uhr »Kunsthasserstammtisch« (mit Jan Holtmann) wird besprochen +++

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15:05 Uhr

Corso

Kultur nach 3

– Wo fängt Kunst an – wo hört Kunst auf? Zum 20. Mal
diskutiert der Kunsthasser-Stammtisch in Hamburg.
– Der Sound der Autobahn:
Die A40 – Symphonie erscheint auf CD.
– Michael Schmidt-Ospach, Geschäftsführer der Filmstiftung NRW, über den internationalen Filmkongress „Krise kommt -Kino bleibt“
– „Wüstenhund“-Premire heute in
Berlin: Portrait des jungen Theaterautors Paul Brodowsky

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http://www.dradio.de/dlf/vorschau/

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Gunnar F. Gerlach: 1969 Die erneute Erwartung des eingeborenen Menschensohnes «Angry Bridade» etc.
https://medienwatch.wordpress.com/gunnar-f-gerlach-1969-die-erneute-erwartung-des-eingeborenen-menschensohnes/

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