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Archive for the ‘Medienkonzern(e)’ Category

ARD Sportschau transportiert über Kinder „nationalistische Kakophonie“ zur Fussball WM

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Neonationalismus aus dem Braunkammergut als FWM-Feldversuch?

ARD Sportschau transportiert über inszenierten Singsang, instrumentalisierter 10-12 jähriger Kinder, „nationalistische Kakophonie“ zur WM aus Sinsheim: „Steht auf wenn ihr Deutsche seid -steht auf wenn ihr Deutschland seid“

Wer zeichnet denn hier verantwortlich? Wer die Kids dazu missbrauchte bleibt ungenannt. Erst gestern war in der Anmoderation im ZDF zu hören: „Das muss für Klose wie ein innerer Reichsparteitag gewesen sein“.

Der Sprechchor: „Steht auf, wenn ihr für Deutschland seid“ wird leider gelegentlich in ein fruchtbar-nationalistisches „Steht auf, wenn ihr Deutsche seid“ verdreht, das unsere Fans aus aller Welt ausschließt. Wichtig ist daher die klare Betonung des „ihr für Deutschland“. Alternativ: „Olé, Olé, Olé, Olé“ oder „So ein Tag. so wunderschön…“

http://direkteaktion.over-blog.de/article-wm-ohne-nationalismus-51761198.html

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„Bündnis für Toleranz“ gegen vermehrte Nazipräsens im Raum Sinsheim

Sinsheim hat ein Naziproblem. Und zwar ein Naziproblem, das laut verschiedener linker Gruppierungen der Öffentlichkeit unbekannt ist oder von ihr ignoriert wird.

Dies war neben einer Kundgebung der NPD in Sinsheim am Freitag, dem 12. März und vermehrten Angriffen von Neonazis auf Linksextreme der Grund, warum sich am vergangenen Donnerstag Mitglieder verschiedener linker Vereinigungen trafen, um dieses Problem zu bekämpfen.

Angehörige der Jusos Sinsheim, der Linken, des DGB, der IGMetall, der AIKO sowie des Bündnis 90/Die Grünen und auch der evangelischen Kirche waren am Abend im Büro der IGMetall in Sinsheim zusammengekommen, um das „Bündnis für Toleranz“ zu gründen.

Dieses Bündnis setzt sich ein gegen Faschismus, Rassismus und Intoleranz. Anfangs kam es zu einer Diskussion über das vermehrte Auftreten von nationalsozialistisch motivierten Gruppierungen in und um Sinsheim.

Hierbei wurde darauf hingewiesen, die Bürger, vor allem Migranten, über angekündigte Kundgebungen von NPD oder anderen Vereinigungen der rechten Szene zu informieren, um sie zu schützen.

Es wurde weiter bemerkt, dass auch durch 1899 Hoffenheim und einige rechte Fanclubs die Nazipräsens in Sinsheim gestiegen sei. Außerdem wurde das Ordnungsamt Sinsheim in der Hinsicht kritisiert, dass es die Erlaubnis für einen Aufmarsch der Nazis gegeben hatte.

Laut den Mitgliedern des Bündnisses für Toleranz würden rechte Aktivisten immer wieder Aktionen in Sinsheim planen, wenn es einmal erlaubt sei. Da es nötig sei, dies zu verhindern, wurde der Monat Mai zum Aktionsmonat ernannt.

Die erste offizielle Veranstaltung ist für den achten Mai, den Befreiungstag, festgesetzt. Es ist ein Fest der Freiheit geplant:

http://www.buendnis-fuer-toleranz-sinsheim.de/index.php/home/aktuelles/2-mitteilungen/7-erstes-treffen-und-gruendung-qbuendnis-fuer-toleranzq

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DFB-Team begeistert Sinsheimer Kids

Die Sinsheimer Nachwuchsfußballer sind begeistert vom ersten Auftritt der deutschen Nationalmannschaft. Paula, Loris, Lothar, Marcel, Janick, Maxi, Clemens und ihre Freunde, drücken Klose & Co auch für das Spiel gegen Serbien die Daumen:

ARD Sportschau Video Sinsheimer Kids: Entweder ist aufgrund der hohen Zugriffsrate das Video nicht erreichbar oder der Clip wurde aufgrund von Protesten abgeschaltet?
http://www.sportschau.de/sp/layout/jsp/komponente/mediaseite/index.jsp?fifawm2010=true&fifawm2010=true&fifawm2010=true&datum=2010-06-14&sw=FIFA-WM-2010

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Dieser LInk funktioniert noch:

http://www.sportschau.de/sp/layout/jsp/komponente/mediaseite/index.jsp?fifawm2010=true&fifawm2010=true&datum=2010-06-14&id=99510#mbContent

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PRESSE  | MITTEILUNG

Ultimate Fighting – BLM-Fernsehausschuss beschließt: DSF muss Programm ändern

Der Fernsehausschuss der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) hat in seiner Sitzung am 18. März 2010 die Genehmigung für die Formate „The Ultimate Fighter“, „UFC Unleashed“ und „UFC Fight Night“ im Programm des Deutschen SportFernsehens (DSF) aufgehoben. Die drei Formate müssen durch andere, genehmigungsfähige Programminhalte ersetzt werden. Der Beschluss soll in Absprache mit dem Anbieter schnellstmöglich umgesetzt werden.

Die drei Formate werden seit März 2009 im Programm des Deutschen SportFernsehen jeweils samstags zwischen 23:00 und 06:00 Uhr ausgestrahlt.

Der Fernsehausschuss hält die genannten Formate durch die Massivität der gezeigten Gewalt für nicht akzeptabel. Die darin stattfindenden Tabubrüche, wie das Einschlagen auf einen am Boden liegenden Gegner, widersprechen dem Leitbild eines öffentlich-rechtlich getragenen Rundfunks nach Art. 111a der Bayerischen Verfassung, in dem u.a. gegenseitige Achtung (Art. 111a Abs.1 Satz 5) und das Verbot der Verherrlichung von Gewalt (Art. 111a Abs. 1 Satz 6) vorgegeben sind.

Zuständig für die Programmentscheidung ist der Medienrat oder ein nach der Geschäftsordnung des Medienrats zuständiger Ausschuss. Im Medienrat wirken die bedeutsamen politischen, weltanschaulichen und gesellschaftlichen Gruppen mit, wie von Art. 111a Abs. 2 Satz 2 der Bayerischen Verfassung für Rundfunk und in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft vorgeschrieben:
http://www.blm.de/de/pub/aktuelles/pressemitteilungen.cfm?eventPress=press.DisplayDetail&pressrelease_ID=1484

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Interview mit dem Soziologie Prof. Vinnai
Es geht wieder los. Seit dem 11. Juni ist wieder WM. Straßenzüge und Autos sind beflaggt, die Leinwände für das Public Viewing aufgestellt, all dies lässt schlimmes erahnen – und Kritik findet sich leider nur vereinzelt statt. Um dennoch ein kleines Licht der Aufklärung erstrahlen zu lassen haben wir mit Professor Vinnai gesprochen. Bis 2005 war Herr Vinnai Professor für analytische Sozialpsychologie an der Universität Bremen. 1970 veröffentlichte er sein Buch „Fussballsport als Ideologie“. Auch danach hat er sich kritisch mit dem Fussball auseinandergesetzt.
Der Beitrag beruht auf einem Interview.

http://www.freie-radios.net/portal/content.php?id=34598

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Wissen, was Klose fühlt #

Innerer Reichsparteitag bei Müller-Hohenstein

Katrin Müller-Hohenstein gerät in der Halbzeitpause des Spiels Deutschland gegen Australien zu stark in Verzückung. Für Miroslav Klose sei sein Tor „ein innerer Reichsparteitag“ gewesen, plappert die ZDF-Moderatorin. Und wie reagiert Oliver Kahn?
http://www.tagesspiegel.de/sport/fussball-wm2010/innerer-reichsparteitag-bei-mueller-hohenstein/1858658.html

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ZDF, WM und Müller-Hohenstein Der „innere Reichsparteitag“ der Netzgemeinde

14.06.2010, 13:38
Ein Kommentar von Lars Langenau

Für ZDF-Moderatorin Müller-Hohenstein war Kloses Tor gegen Australien ein „innerer Reichsparteitag“. Im Netz gab es Proteste – doch die Kirche sollte im Dorf bleiben:
[..] ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz – der Satz sei „eine sprachliche Entgleisung im Eifer der Halbzeitpause“, die „nicht wieder vorkommen“ werde [..]
http://www.sueddeutsche.de/sport/zdf-wm-und-mueller-hohenstein-der-innere-reichsparteitag-der-netzgemeinde-1.958922

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Montag, 14. Juni 2010

Kloses „innerer Reichsparteitag“ ZDF entschuldigt sich

In die Euphorie über das 4:0 zum WM-Auftakt über Australien mischt sich Unmut über ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein. Die stellt in ihrer Halbzeitanalyse fest, für Miroslov Klose sei sein Tor „ein innerer Reichsparteitag“ gewesen. Das ZDF spricht von einer bedauerlichen „Entgleisung“:

http://www.n-tv.de/sport/FussballWM/Meldungen/ZDF-entschuldigt-sich-article920842.html

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Spiegeln in der Kommunikation – symmetrisch und antisymmetrisch

Diese in der Geometrie geläufige Unterscheidung (siehe dazu Hargittai Istvàn und Magdolna) erweist sich auch in der Psychologie als wertvoll. In einer symmetrischen Spiegelung werden Form und Inhalt identisch gespiegelt: ein weißer Schwan spiegelt sich weiß im Wasser. In einer antisymmetrischen Spiegelung wird die Form identisch gespiegelt, während ihr Inhalt in das Gegenteil verkehrt wird. Ein weißer Schwan erschiene in der Spiegelung schwarz, weshalb man auch von einer Spiegelung von Gegensätzen spricht. Fotonegative sind Beispiele für natürliche antisymmetrische Spiegelungen.

Carl Rogers Methode baut auf symmetrischen Spiegelungen sowie das Spiegeln von Gestik und Mimik im Sinne von Heinz Kohut. Frank Farrelly, ein direkter Schüler von Carl Rogers, hat aus dessen Ansatz die Provokative Therapie entwickelt, deren Instrumentarium aus vielen antisymmetrischen Spiegelungen besteht.

Beispiel: Große Passivität kann zur Folge haben, dass ein Mensch viele Chancen verpasst und sich über Verlust an Qualität in seinem Leben beklagt. Eine typische Antwort von Farrelly hebt an dieser Stelle gegensätzliche Folgen hervor: so spricht er gerne anerkennend von Gewinnen, die andere auf Kosten dieser Person haben.

Man provoziert einen Menschen damit nur dann effektvoll zu vermehrter Aktivität, wenn man ihm wohlgesinnt, mit Einfühlung, Herz und Humor begegnet. Gekonnte Anwendung antisymmetrischen Spiegelns erweitert die Möglichkeiten der Kommunikation erheblich, ist jedoch noch kaum erforscht und nirgends Gegenstand von Schulung. [::]

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fotos + bildbearbeitung: jst,gfok

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Juni 16, 2010 at 12:30

Rudolph Bauer: Bürgergesellschaft als Bertelsmann-Projekt

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„Lobbyverschränkte Stiftungsarbeit zur Ablösung staatshoheitlicher Aufgabenbereiche“ (red./jst)

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e-Sonderdruck aus:
Ingo Bode / Adalbert Evers / Ansgar Klein (Hg.):

Bürgergesellschaft als Projekt
Eine Bestandsaufnahme zu Entwicklung und Förderung zivilgesellschaftlicher Potenziale in Deutschland
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2009, Seite 265–291

Rudolph Bauer

Bürgergesellschaft als Bertelsmann-Projekt
Ein kritischer Bericht

Es klingt für wahr paradox: Eine Organisation der Zivilgesellschaft, deren Repräsentanten die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements auf ihre Fahnen geschrieben haben, unterläuft die genuinen Anliegen der Bürgergesellschaft im Interesse eines elitebürgerlichen Projekts. Oder: Eine gemeinnützige Organisation nutzt ihren privilegierten Zugang zu den Medien, um eine unternehmerfreundliche Wirtschafts- und Steuerpolitik zu fordern mit dem Ziel, den Staat in seinen gesellschaftspolitischen Handlungsmöglichkeiten einzuschränken, was dann wiederum durch vermehrtes bürgerschaftliches Engagement ausgeglichen werden soll. Oder weiter: Eine nicht-staatliche Nonprofit-Organisation fordert „weniger Staat“ und besitzt die Aktienmehrheit eines Konzerns, von dessen Tochterunternehmen eines sich anschickt, Dienstleistungsaufgaben der öffentlichen Verwaltung zu übernehmen und gewinnbringend in privatwirtschaftlicher Regie zu betreiben. Schließlich das Paradoxon, dass ein unternehmerischer Global Player mehrheitlich einer als gemeinnützig anerkannten, durch Steuerbefreiung staatlich alimentierten Stiftung gehört, deren Think Tanks sich mit Unterstützung seitens der Konzern-Medien anschicken, politische Mandatsträger in Fragen sowohl der Bildungs-, Wirtschafts-, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik als auch der europäischen, der transatlantischen sowie der internationalen Militär-, Sicherheits- und Migrationspolitik zu beraten, um sie dadurch im Firmeninteresse zu beeinflussen.
Bei den skizzierten Widersprüchen handelt es sich um einige der Paradoxien, die bei der kritischen Analyse einer nicht-staatlichen, gemeinnützigen Nonprofit-Organisation erkennbar werden: der Bertelsmann Stiftung, die sowohl in Deutschland als auch international aktiv ist. Der folgende Beitrag beschäftigt sich hauptsächlich mit der erstgenannten Paradoxie und zeigt auf, dass eine zivilgesellschaftliche Entwicklung nach Maßgabe dieser Stiftung und ihres Programms die Gefahr birgt, jene Anliegen zu konterkarieren, die normativ mit dem originären Konzept der Bürgergesellschaft verknüpft sind. Die Zivil- oder Bürgergesellschaft entpuppt sich, so kann folglich befürchtet werden, zu einer Art Bertelsmann-Projekt. Der folgende Bericht versammelt hierzu kritische Meinungsäußerungen und enthält Informationen, die erforderlich sind, um das „System Bertelsmann“ (Arno Klönne) und dessen Auswirkungen auf die zivilgesellschaftliche Entwicklung zu verstehen.

Um deutlich zu machen, auf welchem begrifflich-theoretischen Vorverständnis die folgenden Ausführungen gründen, wird zunächst der institutionelle Kern der Bürgergesellschaft und deren Funktion beschrieben. In einem zweiten Schritt wird zum einen die Bertelsmann Stiftung vorgestellt, zum anderen die Bertelsmann AG, deren Anteile zu 76,9 Prozent der Stiftung gehören. Aufgrund der Eigentümerstruktur ist eine Verquickung von Stiftung und Konzern zu vermuten, die auch anhand personeller Verbindungen nachgewiesen wird. Das dritte Kapitel beleuchtet die Motive und Ziele des Stifters sowie die Strategien und zivilgesellschaftlichen Bekundungen der Stiftung bzw. ihrer Repräsentanten. Um das bürgerschaftliche Engagement der Stiftung beurteilen zu können, wird viertens untersucht, wie die Stiftung arbeitet und in welcher Weise sie sich praktisch engagiert. Dabei soll auch die Rolle der Konzern-Medien zur Sprache kommen, die als wichtige Akteure der politischen Kommunikation über gesellschaftlichen Einfluss und verdeckte Macht verfügen.
Der abschließende fünfte Teil enthält eine Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse, ergänzt um eine medienwissenschaftliche Betrachtung und den Appell, das Wirken der Bertelsmann Stiftung und die Rolle der Bertelsmann-Medien ebenso wie die der sonstigen Unternehmenszweige des Konzerns wissenschaftlich noch eingehender zu untersuchen1 und dabei kritisch zu analysieren, welchen Einfluss sie auf die zivilgesellschaftliche Entwicklung haben.

Bürger- und Zivilgesellschaft: Das begriffliche Vorverständnis
Um deutlich zu machen, auf welches begriffliche Vorverständnis die folgenden Ausführungen Bezug nehmen, wird zunächst der institutionelle Kern der Bürger- und Zivilgesellschaft beschrieben. Diesen bilden „jene nicht-staatlichen und nicht-ökonomischen Zusammenschlüsse und Assoziationen auf freiwilliger Basis, die die Kommunikationsstrukturen der Öffentlichkeit in der Gesellschaftskomponente der Lebenswelt verankern. Die Zivilgesellschaft setzt sich aus jenen mehr oder weniger spontan entstandenen Vereinigungen, Organisationen und Bewegungen zusammen, welche die Resonanz, die die gesellschaftlichen Problemlagen in den privaten Lebensbereichen finden, aufnehmen, kondensieren und lautverstärkend an die politische Öffentlichkeit weiterleiten“ (Habermas 1994: 443).
Das nicht zuletzt von Jürgen Habermas maßgeblich mitgeprägte Bild der Zivil- oder Bürgergesellschaft hat eine deskriptive und eine normative Seite. Es unterstellt bzw. fordert mündige Individuen, die sich selbstorganisiert zusammenschließen, um autonom an politischen Entscheidungen zu partizipieren und auf staatliche Strukturen Einfluss zu nehmen. Deskriptiv bezeichnet der Begriff somit jenen intermediären Bereich einer Gesellschaft, der zwischen staatlicher, wirtschaftlicher und privater Sphäre – mit anderen Worten: zwischen den formellen Bereichen Staat und Markt sowie dem informell-lebensweltlichen Bereich der Familien, Haushalte, Nachbarschaften, Freundes- und Kollegenkreise (Bauer 1992a: 153 ff.) – angesiedelt ist.
Die nicht-staatlichen und nicht-ökonomischen Zusammenschlüsse und Assoziationen auf freiwilliger Basis sind funktionale Mittler und zeichnen sich durch einen Mix aus Strukturelementen des staatlichen Bereichs, des wirtschaftlichen Sektors und der lebensweltlich-informellen Sphäre aus. Entsprechend weisen sie mit je unterschiedlicher Gewichtung verwaltungsförmig-bürokratische, wirtschaftlich-unternehmerische und informell-personale Merkmale auf (a.a.O.: 159 f.). In ihrer jeweiligen Entwicklung können sie in zeitlicher Abfolge bis zu drei Stadien durchlaufen: das der Solidarisierung und Orientierung, das der Differenzierung und Institutionalisierung sowie dasjenige der institutionellen Transformation durch Etablierung, Professionalisierung und Betriebsförmigkeit (a.a.O.: 158 f.).
In normativer Hinsicht markieren die intermediären Organisationen einen Freiheitsbereich, der es den Individuen gleichberechtigt erlaubt, solidarisch und in organisierter Form sowohl die Leistungsschwäche der informellen Sphäre als auch die Folgen des Staats- und Marktversagens (Salamon 1987; Badelt 1992 a [268:] und b: 1321 ff., 1935 ff.) zu kompensieren. Die Organisationen des Dritten Sektors vermögen ein institutioneller Hebel zu sein zur Partizipation von Bürgerinnen und Bürgern, um gemeinsam die eigenen Bedürfnisse zur Geltung zu bringen und sich gegen die Herrschaftsansprüche von Staat und Wirtschaft zur Wehr zu setzen. Infolge ihrer institutionellen Strukturmerkmale und ihrer gesellschaftlichen Funktion erwachsen den zivilgesellschaftlichen Organisationen des (neben den beiden Sektoren Politik und Ökonomie) „Dritten“ Sektors aus normativer Perspektive vielseitige soziale, politische und ökonomische Aufgaben der Interessenartikulation und -vermittlung.

Bertelsmann Stiftung und Bertelsmann AG: Namen, Zahlen, Fakten
Die Bertelsmann-Stiftung wurde im Jahr 1977 von Reinhard Mohn, dem Chef der Bertelsmann AG, gegründet. So weit bekannt ist, sei es dem 1921 geborenen Stifter dabei vor allem darum gegangen, „dauerhaft zu verhindern, dass Erbschaftssteuern und Erbstreitigkeiten zum Verkauf von Teilen des Konzerns führen“ (Fischler 2006: 37). Mohn habe befürchten müssen, „sein Unternehmen könnte in einem Familienzwist aufgerieben werden“ [Schuler 2004: 231]. Die Stiftung „sollte das Kapitalvermögen der Familie Mohn übernehmen und die Familie auf diesem Wege von der Erbschaftssteuer befreien. Diesen Punkt erledigte er [Mohn] später, 1993, als er der Stiftung insgesamt 68,8 Prozent seiner Kapitalanteile übertrug“ (ebd.). Gegenwärtig besitzt die Bertelsmann Stiftung 76,9 Prozent der Anteile der Bertelsmann AG (Liedke 2006: 63).2

Neben den steuerlichen und Erbschaftsmotiven wird für die durch Reinhard Mohn ins Leben gerufene Stiftung ein weiterer Grund genannt: „Die zweite wichtige Aufgabe der Stiftung bestand in der Fortführung des gesellschaftlichen Engagements von Bertelsmann. Das war wichtig auch für die – heute würde man sagen – ‚Corporate Identity’ als soziales Unternehmen und würde nebenbei zahlreiche Kontakte zu Politikern ermöglichen“ (Schuler 2004: 231). Nach § 2 Absatz 2 lit. b) der Stiftungssatzung betreibt Mohns Programmstiftung „die Erforschung und Entwicklung von innovativen Konzepten der Führung und Organisation in allen Bereichen der Wirtschaft und des Staates, insbesondere durch Systementwicklung und anschließende Implementierung“. Somit gehören zu den Kernthemen der Stiftung bundes- und landespolitische Fragen der Kultur-, Bildungs- und Hochschulpolitik sowie zentralstaatliche Probleme der Wirtschafts-, Arbeitsmarkt- und Gesundheitspolitik, ferner – für die Stiftung eines Medienkonzerns nicht verwunderlich, gleichzeitig aber fragwürdig in Sachen Gemeinnützigkeit – Angelegenheiten der Medienpolitik3. Die Stiftung befasst sich zudem mit Fragen der Außen-, Migrations- und Militärpolitik einschließlich Themen wie die internationale Rolle Europas und die Schaffung einer gemeinsamen europäischen Armee (Bauer 2007b).

Die Stiftungsaktivitäten betreffen nicht zuletzt auch die Kommunalpolitik, und zwar sowohl unmittelbar als auch mittelbar – letzteres, weil sich die von der Stiftung initiierten zentralstaatlichen und landespolitischen Entscheidungen in vielen Bereichen wie z. B. Bildung und Schule, Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit auf die lokale Ebene auswirken und hier konkrete kommunalpolitische Folgen haben4.
Ihre Anteile an der AG hält die Stiftung indirekt durch die Holding-Gesellschaft Johannes Mohn GmbH (Liedke 2006: 63). Die Stimmrechte der Stiftung werden, ebenso wie die Stimmrechte der Familie Mohn, von der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft ausgeübt (ebd.). Angesichts der spezifischen und etwas unübersichtlichen Konstruktion der Eigentümerstruktur gelangt Martin Bennhold jedoch zu dem einhelligen Fazit, „das uneingeschränkte Stimmrecht liegt hauptsächlich bei Mitgliedern der Familie Mohn“ (2006: 78).
Aus dem Gesamtumsatz von rund 18 Milliarden Euro im Jahre 2005 erwuchs dem Konzern ein Gewinn von mehr als einer Milliarde Euro (Liedke 2006: 66), von denen 30 Prozent in Deutschland erwirtschaftet wurden. Daraus resultierte steuerfrei eine Dividendenzahlung der Bertelsmann AG an die gemeinnützige Stiftung in Höhe von rund 100 Millionen Euro. Bei der Bilanzpressekonferenz im März 2007 veröffentlichte Zahlen für das Jahr 2006 bestätigten gegenüber dem Vorjahr eine Umsatzsteigerung um 7,9 Prozent auf 19,3 Milliarden Euro – ein Ergebnis, das weltweit von 97.132 Mitarbeitern erwirtschaftet wurde (Financial Times Deutschland vom 22. März 2007). Der ebenfalls gestiegene Konzernüberschuss wurde für 2006 mit 2,8 Milliarden Euro beziffert.
Bei der erwähnten Bilanzpressekonferenz verkündete der Konzern den Einstieg in das Private-Equity-Geschäft. Zusammen mit den US-amerikanischen Großbanken Morgan Stanley und Citigroup bildet die Bertelsmann AG einen Fond mit dem Ziel, Minderheitsbeteiligungen an einem guten halben Dutzend interessanter Unternehmen aus dem Medienumfeld zu erwerben, diese Firmen über einige Jahre zu begleiten und sie entweder ganz zu erwerben oder mit Gewinn wieder abzustoßen (Financial Times Deutschland, 22. März 2007). Diese Form des „Heuschrecken -Kapitalismus“, den der Konzern schrittweise auszubauen beabsichtigt, veranlasste die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ vom 22. März 2007 zu dem Kommentar, dass „der Gütersloher Medienkonzern mit dem großen Sendungsbewusstsein, der sich viel auf partnerschaftlichen und menschlichen Umgang im eigenen Unternehmen zugute hält […], ein weitaus normaleres Unternehmen ist, als Firmenpatriarch Reinhard Mohn glauben machen will“.
Aus dem ihr überlassenen jährlichen Etat finanziert die operativ tätige Programmstiftung („operating foundation“ – im Unterschied zu „grant-making foundations“2) ihren eigenständigen Organisations- und PR-Apparat sowie eigene Forschungs- und sonstige Projekte. Eine regelmäßige Förderung durch die Bertelsmann Stiftung erfahren auch verschiedene, aus dem engeren Stiftungszusammenhang ausgelagerte Forschungseinrichtungen, beispielsweise das CAP (Centrum für angewandte Politikforschung an der Ludwig-Maximilian-Universität München), das CHE (Centrum für Hochschul-Entwicklung, das von der Stiftung 1994 zusammen mit der Hochschulrektorenkonferenz gegründet wurde und mitverantwortlich ist für die Einführung der Studiengebühren) und das CKM (Centrum für Krankenhaus-Management, eine ebenfalls im Jahr 1994 erfolgte gemeinsame Gründung der Stiftung und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster).
Rund 100 Mitarbeiter sind beim CAP beschäftigt, weitere bei den anderen von der Stiftung finanzierten Einrichtungen CKM und CHE. Die Zahl der am Stiftungshauptsitz in Gütersloh tätigen Wissenschaftler wird mit 300 angegeben (Tagesspiegel, 24. 09. 2006). Fazit: Die Bertelsmann Stiftung verfügt über eine beeindruckende Mannschaft von akademisch qualifizierten, meist noch ziemlich jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, einen hohen Grad an organisatorischer Schlagkraft, ausreichende Finanzmittel und besonders günstige Voraussetzungen für eine publizistisch wirksame Öffentlichkeitsarbeit. Sie ist nach außen unabhängig, unterliegt keiner externen inhaltlichen Kontrolle und verfügt über eine hohe Entscheidungsautonomie sowie über vielfältige Vernetzungskontakte hin zu Medien, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, nicht zuletzt auch zu den Gewerkschaften und zu anderen Stiftungen.
Das Aufgabentableau der Stiftung umfasst vier zentrale Themenbereiche. Für diese lag die Leitungszuständigkeit bis zum Jahreswechsel 2007/08, dem Zeitpunkt des Ausscheidens von Werner Weidenfeld einerseits und der Übernahme des Stiftungsvorsitzes durch Gunter Thielen andererseits, bei jeweils einem der Mitglieder des Stiftungsvorstands. Bei den Themenbereichen handelt es sich um:

1. Bildung (die Leitungszuständigkeit lag hier bei Reinhard Mohn, dem Stifter persönlich);
2. Wirtschaft und Soziales (zuständig war Dr. Johannes Meier, seit 2003 kaufmännischer Geschäftsführer der Bertelsmann-Stiftung);
3. Gesundheit (zuständig war Dr. Brigitte Mohn, Jahrgang 1964, Tochter von Reinhard und Liz Mohn, Gesellschafterin der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft und seit Januar 2008 Mitglied im Aufsichtsrat der Bertelsmann AG, ferner u. a. Vorstandsvorsitzende der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, Mitglied im Aufsichtsrat der Uni Marburg und der Röhm-Klinikum AG);
4. Internationale Verständigung (Leitungszuständiger dieses Themenbereichs war – bis zu seinem freiwilligen Ausscheiden wegen Betrugsvorwürfen im Zusammenhang seiner Tätigkeit bei der Stiftung – der Direktor des CAP, Prof. Dr. Dr. h. c. Werner Weidenfeld).

Innerhalb der genannten Themenbereiche werden verschiedene Arbeitsfelder behandelt, beispielsweise (nachfolgend nur stichwortartig angesprochen) im Themenbereich Bildung: frühkindliche Förderung, Qualitätsentwicklung von Schulen und Schulsystemen, Bibliotheken, Qualifizierung und Weiterbildung; im Themenbereich Wirtschaft und Soziales: Fragen des Wirtschafts- und Sozialstandorts Deutschland, des Wettbewerbs und der Regulierung, des demographischen Wandels sowie der Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik; im Bereich Gesundheit: gesundheitsfördernde Maßnahmen, effiziente Anreizsysteme, koordinierte Versorgungsstrukturen; im Themenbereich Internationale Verständigung: Arbeitsfelder unter Handlungslinien wie „Transnationales Regieren“, „Verständigung schaffen“ und „Transformation gestalten“.

Schlüsselfiguren der Bertelsmann Stiftung sind Reinhard Mohn, Brigitte Mohn, Johannes Meier, die stellvertretende Vorstandsvorsitzende Liz Mohn sowie Gunter Thielen, der neue Vorstandsvorsitzende. Vor seiner zu Jahresbeginn 2008 erfolgten Amtsübernahme sowohl als Vorsitzender des Aufsichtsrats der Bertelsmann AG als auch bei der Stiftung war Thielen Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann AG. Seinen Chefposten im Vorstand der Bertelsmann AG hat inzwischen Hartmut Ostrowski übernommen, der bisherige Leiter der Druck-, Medien- und Servicesparte Arvato.
Vorgänger von Thielen, des jetzigen Vorsitzenden des Vorstands der Bertelsmann Stiftung, war bis zu seiner Amtsniederlegung aus gesundheitlichen Gründen zum Jahresende 2005 Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Heribert Meffert, der der Stiftung jedoch weiterhin noch als Berater verbunden blieb. Meffert hatte den Stiftungsvorsitz im September 2002 nach seiner Emeritierung als Marketing-Professor an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster übernommen. Sein Vorgänger war Gunter Thielen, der somit bereits einmal den Stiftungsvorsitz inne hatte und damals, 2002, vom Stiftungs- in den Konzern-Vorstand gewechselt war.
Am Beispiel der Person von Gunter Thielen lassen sich die enge personelle Liaison von Stiftung und Konzern sowie – damit zusammenhängend – deutliche Interessenverquickungen demonstrieren: einerseits infolge des Rollenwechsels Thielens vom Stiftungsvorsitzenden zum Vorstandsvorsitzenden des Konzerns und wieder zurück auf den schon einmal eingenommenen Posten des Vorsitzenden im Stiftungsvorstand; zum anderen weil Thielen nach seinem Ausscheiden als Vorstandsvorsitzender nunmehr nicht nur erneut den Vorsitz des Stiftungsvorstands übernommen hat, sondern in Personalunion jetzt auch Aufsichtsratvorsitzender der Bertelsmann AG ist. „Auf keiner Ebene ist die Verzahnung der Stiftung mit dem Unternehmen so deutlich wie beim Führungspersonal, denn die Stiftung wird beinahe ausschließlich von ehemaligen Managern des Unternehmens geführt“, schreibt Schuler (2004: 295).
Ein weiteres Verbindungsglied zwischen Konzern und Stiftung ist deren Kuratorium. Es setzt sich aus maximal 14 Mitgliedern zusammen, unter denen folgende Personen dem Gremium ex officio angehören: der Stifter Reinhard Mohn, zugleich Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats der Bertelsmann AG, und Liz Mohn, die auf sich die folgenden Funktionen vereint: die der stellvertretenden Vorsitzenden der Stiftung, die eines Mitglieds im Aufsichtsrat der AG, die der Vorsitzenden der Gesellschafterversammlung, die der Geschäftsführerin der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft mbH und – als Sprecherin der Eignerfamilie – die der Vorsitzenden im vierköpfigen Personalausschuss des Aufsichtsrats der AG. Bei den weiteren Mitgliedern des Kuratoriums handelt es sich um dessen Vorsitzenden Prof. Dr. Dieter H. Vogel, der wie Liz Mohn ebenfalls einer der Gesellschafter der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft mbH ist, sowie um weitere „Persönlichkeiten, die durch ihre Tätigkeit ein besonderes Interesse und praktischen Bezug zu den Aufgaben der Stiftung nachgewiesen haben und über Führungserfahrung und Verständnis für die Fortschreibung von Ordnungssystemen verfügen“.
Die Aufgaben- und Interessenprofile des Konzerns sind wie folgt strukturiert:

1. die Fernseh- und Rundfunksparte RTL Group; 2. der Verlagsbereich Random House; 3. der Zeitschriften- und Druckerei-Sektor Gruner + Jahr; 4. die Musik- und Unterhaltungssparte BMG (Bertelsmann Music Group); 5. der internationale Medien-, Kommunikations- und Servicedienstleister Arvato; 6. der Buch- und Musikclub DirectGroup.

Bei der RTL Group ist die Bertelsmann AG mit mehr als 90 % der Anteile Hauptaktionär. Es handelt sich um Europas größtes TV-, Radio- und Produktionsunternehmen mit Beteiligungen an 34 Fernseh- und 34 Radiosendern in elf europäischen Ländern, u. a. in Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kroatien, Luxemburg, den Niederlanden und Ungarn. In Deutschland gehören zur RTL Group die Sender RTL, RTL 2, Super RTL und VOX sowie Beteiligungen u. a. am n-tv Nachrichtenfernsehen, an Radiosendern (u. a. Antenne Bayern, Berliner Rundfunk, Radio NRW) sowie an den Filmgesellschaften Westdeutsche Universum Film GmbH und Ufa Film und Fernsehen GmbH (Liedtke 2006: 64-67).
Random House, 1998 von der Bertelsmann AG übernommen1, gehört mit 100 % zu Bertelsmann und ist sowohl das weltgrößte englischsprachige Verlagshaus als auch die weltgrößte Buchverlagsgruppe mit jährlich mehr als 9.000 Neuerscheinungen in rund 100 Einzelverlagen. In Deutschland gehören dazu die Buchverlage C. Bertelsmann, Siedler und Goldmann sowie seit 2003 Heyne, DVA, Kösel und Manesse (s. Liedtke 2006: 65). Auch Europas größter Zeitschriften- und Zeitungsverlag, die Verlagsgruppe Gruner + Jahr, gehört mit einem Anteil von 74,9 % zur Ber[275:]telsmann AG. Der Verlag veröffentlicht 285 Zeitschriften und Zeitungen in 20 Ländern, darunter in Deutschland u. a. „Brigitte“, „Capital“, „Eltern for Family“, „Essen & Trinken“, „Financial Times“, „Gala“, „Geo“, „National Geographic“ „Neo“, „PM“ und „stern“ (ebd.).
Die Bertelsmann Music Group BMG bündelt die weltweiten Musikaktivitäten des Konzerns. Die Sony BMG, an der Bertelsmann mit 50 % beteiligt ist, entstand nach dem 2004 vollzogenen Joint Venture mit der japanischen Sony Corporation und hat einen Weltmarktanteil von etwas über 25 % (ebd.). Auf internationalen Märkten vertreten ist auch das Multimedia-, Buchclub- und Marketingunternehmen DirectGroup, an dem die Bertelsmann AG zu 100 % beteiligt ist. Diese Unternehmenssparte hat außer in Deutschland weitere Niederlassungen in China, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada, den Niederlanden, Österreich, Spanien und den USA (ebd.).
Arvato (mit einem Bertelsmann-Anteil von 100 %) gehört im Konzernbereich Media Services mit rund 270 Tochterunternehmen in 37 Ländern zu den größten international vernetzten Medien-, Kommunikations- und Servicedienstleistern (a.a.O.: 66). Zur Arvato-Gruppe gehören mit „arvato print“ modernste Offset- und Tiefdruckereien im In- und Ausland ebenso wie die Firmen Mohn Media Mohndruck (Herstellung von Büchern, Katalogen und Zeitschriften), Digital Services (früher: Sono Press) und „arvato storage media“ (Fertigung von CDs und DVDs). Das Unternehmen ist im Bereich Public-Private-Partnership tätig und bietet sich für das Outsourcing hoheitlicher Verwaltungsaufgaben an (a.a.O.: 68).2 Als erste deutsche Kommune hat die fränkische Stadt Würzburg im April 2007 Arvato den Auftrag erteilt, im Rahmen des Projekts „Würzburg integriert!“ die integrierte Abwicklung sämtlicher Verwaltungsleistungen auf einer zentralen eGovernment-Plattform vorzubereiten und zu implementieren (Spiegel Online, 12. Mai 2007)

Nach Aussagen von Rolf Buch, des neuen Arvato-Vorstandsvorsitzenden, sei die Umstellung inzwischen angelaufen, man stehe mit 30 weiteren deutschen Gemeinden in Verhandlung (Neue Westfälische vom 05./06.04.2008).

Ende 2007 wurde bekannt, dass Arvato einer der Bieter im Rahmen eines Ausschreibungsverfahrens ist, bei dem die Bundeswehr plant, ihre gesamte Logistik im Volumen von 4 – 5 Milliar-[276:]den Euro auszulagern und an private Betreiber zu übergeben (Financial Times Deutschland vom 24.11.2007).
Der jüngste Produktionszweig von Arvato umfasst die sog. „Direct Services“ im Unternehmensbereich AZ Direct. Diese Sparte hat sich auf dem europäischen und außereuropäischen Markt inzwischen als einer der marktführenden Dienstleister in Sachen Kundenbindungssysteme, Finance Services, Eventservice, Call-Center- und Datenmanagement-Lösungen etabliert. Die Bertelsmann-Tochter gilt heute bereits als eines der großen Unternehmen des internationalen Adresshandels (Tangens u. a. 2006: 165). Arvato betreut in Deutschland auch die Bahncard und das Vielfliegerprogramm der Lufthansa (Schuler 2004: 12 f.). Die Firma hat unlängst den Auftrag erhalten, die Fotos der 17 Millionen AOK-Versicherten für die neuen elektronischen Gesundheitskarten zu digitalisieren (Neue Westfälische vom 05./06.04.2008).

Stifter und Stiftung: Motive, Ziele, Strategien
Bei den Projekten und in den Veröffentlichungen der von Reinhard Mohn gegründeten Bertelsmann Stiftung sind zivilgesellschaftliche Themen und Postulate wiederkehrende Topoi. So lautet etwa im Rahmen des Stiftungsprojekts „Corporate Social Responsibility“ (CSR) eines der drei Module: „Zivilgesellschaftliche Akteure einbinden“. Auf der von der Stiftung editierten Internet-Seite „Politik & Zivilgesellschaft“ wird darauf verwiesen, dass das Engagement der zivilgesellschaftlichen Akteure ein wesentlicher Faktor für den Erfolg von CSR-Projekten sei: „Nicht-Regierungsorganisationen treten nicht nur als Warner und Ankläger auf. Oft wählen sie auch einen partnerschaftlichen Weg, um gemeinsam mit Unternehmen Projekte und Strategien zu ökologischen oder sozialen Themen zu entwickeln.“
Im März 2007 hat die Stiftung in Berlin eine Methode vorgestellt, mittels derer sie unter der Devise „Gute Geschäfte – Marktplatz für Unternehmen und Gemeinnützige“ die „allgemeine Idee von Marktplätzen überträgt … auf das bürgerschaftliche Gemeinwesen“ (zitiert nach: Nakos Info 91, Juni 2007, S. 46). Mit einem Leitfaden zum Projektmanagement von „Guten Geschäften“ wirbt die Stiftung für „lokale Engagementpartnerschaften“, damit diese vermehrt „zwischen Unternehmen, Kommunen und Gemeinnützigen in die Wege geleitet werden“
In anderen Veröffentlichungen der Stiftung, wie beispielsweise in einem Flyer des Kompetenzzentrums Kommunen und Regionen (KKR), ist hinsichtlich der Stiftungsziele von Zukunftsfähigkeit und Zukunftssicherung, von Lebensqualität und gestalterischer Bewegungsfreiheit, von Vernunftbündnissen und effizienter Verwaltung sowie von Bürgerkommunen und bürgerschaftlichem Engagement die Rede. Auf lokaler Ebene befürwortet die Stiftung die Berufung von Bürgerbeauftragten, die Einführung eines Petitionswesens und eines aktiven Beschwerdemanagements. Zu ermöglichen seien Bürgeranträge und -begehren. Erwartet wird mehr Bürgerbeteiligung.
In den Empfehlungen und Entwürfen der Stiftung wimmelt es von Formulierungen, die auf unverdächtige Weise den Eindruck ehrenwerter Ziele und bürgernah-innovativer Vorschläge erwecken. In dem zitierten KKR-Flyer heißt es weiter: „Fundament der Stiftungsarbeit ist die Überzeugung, dass Wettbewerb und bürgerschaftliches Engagement eine wesentliche Basis für gesellschaftlichen Fortschritt sind. In zahlreichen Modellprojekten haben wir uns seit 1977 die Verbesserung der Lebensqualität auf kommunaler und regionaler Ebene zum Ziel gesetzt: von der strategischen Steuerung in Politik und Verwaltung, der Beteiligung von Bürgern an lokalen Entscheidungsprozessen über die Leistungsfähigkeit kommunaler Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäuser und Bibliotheken bis hin zur Mobilisierung bürgerschaftlicher Kräfte etwa in Form von Bürgerstiftungen.“
Im Juni 2002 veranstaltete die Stiftung ein Forum mit dem Titel „Bürgergesellschaft in Deutschland: auf dem Weg zu einem neuen Gesellschaftsvertrag“. Wie dem Programm der Konferenz zu entnehmen war, hatte die Tagung das Ziel, „Leitlinien eines neuen Gesellschaftsvertrages zu skizzieren und konkrete Strategien für den deutschen Weg in die Bürgergesellschaft zu entwerfen“. Zu diesem Zweck wurden mehrere Projekte mit jeweils spezifischen Modulen aufgelegt, z. B. das Projekt CIVITAS, ein „Netzwerk bürgerorientierter Kommunen in Deutschland“: Damit war intendiert, zwischen den beteiligten Kommunen einen fachlichen und praktischen Austausch über ihre Erfahrungen bei der Entwicklung und Erprobung von „Strategien zur Stärkung der Bürgergesellschaft und der lokalen Demokratie“ zu ermöglichen und anzuleiten.
Zahlreiche der zivilgesellschaftlich relevanten Projekte der Bertelsmann Stiftung nennen auf der Seite der Zielvorgaben normativ-qualitative Prämissen, beispielsweise Partizipation und Transparenz, Effizienz und Nachhaltigkeit, Zukunftssicherung und soziale Gerechtigkeit. Hinsichtlich der praktischen Anwendung dieser Grundsätze ist die Rede von der Bürger- und Zivilgesellschaft, von Bürgerkommunen und Bürgerstiftungen sowie von Bürgerbeteiligung und [278:] bürgerschaftlichem Engagement. Entsprechend plädiert auch das von der Bertelsmann Stiftung propagierte Konzept „Good (Local) Governance“ für „Partnerschaft, Wirksamkeit und Transparenz im Dreieck zwischen öffentlichem, privatem und drittem Sektor“.
Dieses und weitere Beispiele zeigen, dass die Bürgergesellschaft, das bürgerschaftliche Engagement und der „Dritte Sektor“ in der kommunalpolitischen Konzeption der Stiftung von Bedeutung sind. Folgerichtig drängt sich die Frage auf, welche Intentionen der Stifter mit der Förderung der Bürgergesellschaft und zivilgesellschaftlicher Anliegen verfolgt: Was sind die Motive von Reinhard Mohn und seiner Frau Liz? Welche Erwartungen verbindet das Stifter-Ehepaar mit der Bürgergesellschaft?
Reinhard Mohn ist Unternehmer – allerdings einer, welcher die Erfolge des westdeutschen Wirtschaftswunders in den 1950er Jahren auf eine damals noch recht unkonventioneller Weise nutzte, indem er die Trennung zwischen Arbeitern und Angestellten abgeschafft, seine Mitarbeiter am Firmengewinn beteiligt [Schuler 2004 : 178] und die Betriebsräte zu Partnern erklärt hat (a.a.O.: 11). Nach Mohns Auffassung ist Führung zwar nach wie vor der entscheidende Erfolgsfaktor in allen Lebensbereichen, doch sei der hierarchisch-bürokratische Führungsstil veraltet und durch einen partnerschaftlichen zu ersetzen.
Als „Roter Mohn“ stand er bei der Belegschaft, aber auch beim Großteil seiner deutschen Unternehmerkollegen im Ruf eines arbeitnehmerfreundlichen Firmenchefs und sozial verantwortlichen Arbeitgebers. Später erwarb Mohn sich auch in der breiten Öffentlichkeit einen Ruf als „aufgeklärter Kapitalist“ (ebd.), indem er die Bertelsmann Stiftung gründete und sich publizistisch zunehmend stark machte für „Die gesellschaftliche Verantwortung des Unternehmers“ – so der Titel einer von ihm verfassten Schrift (Mohn 2003; siehe auch Mohn 1986 und 1997).
Die Wirtschaft ist nach Mohns Auffassung dem Staat um vieles voraus. Entsprechend sei „so wenig Staat wie möglich“ wünschenswert. Der Staat habe sich zu modernisieren, indem er sich marktförmige Methoden der Steuerung und des Wettbewerbs zueigen macht. Mit dieser Option einher geht Mohns Forderung nach einer Senkung der Steuern und nach der Privatisierung öffentlicher Aufgaben, sprich: sein Anspruch, den Anteil des öffentlichen Sektors an der direkten und indirekten Bereitstellung von Gütern und Dienstleistungen einzuschränken oder ganz abzuschaffen. Staatliches Handeln sei allenfalls dort angebracht, wo das freie Spiel der marktliberal agierenden Kräfte die Menschen überfordere. Jedoch habe sich der Staat am Vorbild der von Mohn gepriesenen und in seinen Augen über alle Zweifel erhabenen „Unternehmenskultur“ zu orientieren.
Auf die Politik übertragen bedeute dies zum einen, dass Grundsätze wie Subsidiarität, Dezentralisierung, Freiheit, Transparenz, Wettbewerb, Leistung, Effizienz, Bürgerorientierung und Bürgerbeteiligung zusätzliches Gewicht erhalten. Zum anderen seien in der Politik die Entscheidungen der Politiker ebenso zu evaluieren wie in der Wirtschaft die Entscheidungen der Unternehmer. Mohn fordert daher in Politik und Verwaltung die Anerkennung von Grundsätzen des Managements und die Einführung von Kennziffern, Erfolgsrechnungen und Nutzwertanalysen, Budgetierung und Effizienz, Leistungsvergleichen, Wettbewerben und Rankings, gestützt auf die Ergebnisse von Umfragen und Ratings.
Über seine Frau, die seit 1982 mit dem Firmenchef und Stifter verehelicht ist, heißt es in der um 2002 im Verlag der Stiftung erschienenen Broschüre „Liz Mohn: Entscheidung für ein engagiertes Leben“, sie sehe sich „einer Tradition verpflichtet, in der partnerschaftlicher Umgang und Gemeinschaftsorientierung an erster Stelle stehen“. Sie habe sich die Großmutter ihres Mannes, Friederike Bertelsmann, zum Vorbild genommen, „die nicht nur eine starke Persönlichkeit war, sondern bereits als junge Frau soziale und repräsentative Aufgaben übernahm“. An Friederike Bertelsmann bewundere sie deren „Verantwortungsgefühl und ihre soziale, ethische Orientierung auf der Basis christlicher Weltanschauung“ sowie „die Art, menschlichen Werten Vorrang vor Geschäftsinteressen einzuräumen“ (Zitate aus der oben genannten Broschüre der Stiftung).
Versucht man eine Zusammenfassung dessen, was über die Motive des Stifters und seiner Frau in Erfahrung zu bringen ist und welche Zielsetzungen sich aus den Veröffentlichungen und der Stiftungstätigkeit ablesen lassen, dann ergibt sich das mosaikartige Bild einer Strategie-Mixtur aus unterschiedlichen Elementen. Da ist zunächst einerseits das strategische Element des bürgerschaftlichen Engagements. Dieses ist andererseits mit jenen gesellschaftlichen und politischen Reform- und Modernisierungsvorstellungen verknüpft, die charakterisiert werden können durch Stichworte wie Entstaatlichung und Privatisierung, Globalisierung und Marktliberalisierung, Ökonomisierung und Kommerzialisierung, New Public Management und Entlastung der Unternehmen bei Steuern und Sozialabgaben – Stichworte, wie sie auch für die neoliberale Strategie des „Thatcherismus“ kennzeichnend waren (Jessop 1992: 713 f.).
Nach Auffassung von Harald Schumann drängen sich bei Mohn die manageriellen Konzepte so sehr in den Vordergrund, dass es nicht abwegig sei, von einer „Verklärung betriebswirtschaftlicher Methoden zum gesellschaftspolitischen Leitbild“ zu sprechen (in: Der Tagesspiegel vom 24. September 2006). Ralf Altendorf kommentierte Mohns Manager-Mantra aus Betriebswirtschaftlehre und Kennzahlen-Optimismus in der Besprechung eines der Mohn-Bücher mit dem Satz, dass der Autor „offenbar davon beseelt ist, alles zu quantifizieren, um dann die Lösung nur mehr ablesen zu müssen“ (in: Neue Zürcher Zeitung vom 12./13. April 2003) 3. In einer unlängst veröffentlichten Analyse wurden anhand von konkreten Beispielen schwerwiegende methodische Mängel der Stiftungsrankings nachgewiesen. Wegen der Gefahr einer Manipulation der Öffentlichkeit, wie sie aus der Verwendung dieser Rankings resultiert, kommt die Studie zu dem Ergebnis: „Als politischer Kompass weisen sie exakt ins Ungewisse“ (Michalke / Naß / Nitsche 2007: 109).
Das strategische Element des technokratischen Managers mit einem besessenen Hang zu messbaren Ergebnissen resultiert bei Mohn – verständlicherweise – aus seiner Perspektive des weltweit erfolgreich expandierenden Unternehmers und Medientycoons. Der wenig schmeichelhafte Eindruck, den Außenstehende daraus gewinnen mögen, wird zum einen dadurch abgemildert, dass „die Mohns“ Gemeinschaftsorientierung und partnerschaftlichen Umgang beschwören. Sie pflegen den Nimbus der Philanthropen und haben keine Scheu, sich auf „die gesellschaftliche Verantwortung des Unternehmers“ (Mohn 2003) zu berufen: „ ‚Eigentum verpflichtet’ – für Liz Mohn ebenso wie für ihren Mann ist dieser Satz Programm“, heißt es in der bereits zitierten Stiftungsbroschüre über die Unternehmergattin1.
Zum anderen gibt sich die Familie Mohn – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der evangelikalen Tradition des 1835 von Carl Bertelsmann gegründeten Unternehmens (Schuler 2004: 23-30) – als betont wertkonservativ „auf der Basis christlicher Weltanschauung“. Die genannten strategischen Elemente ergeben somit ein schillerndes Gemisch aus unterschiedlichen und zum Teil gegensätzlichen, aber nach vielen Richtungen hin anschlussfähigen Motiven und Zielsetzungen. Ihre reale Bedeutung für die Entwicklung der Bürgergesellschaft und zivilgesellschaftlicher Anliegen wird im folgenden Abschnitt an Hand der Stiftungspraxis untersucht.

Bürgergesellschaft á la Mohn: Arbeitsweise, Aktionen und Adressaten
Bei der Stiftungspraxis lassen sich die nach außen, an bestimmte Adressaten und die Öffentlichkeit, gerichteten Aktionen einerseits und die interne Arbeitsweise andererseits unterscheiden. Letztere lässt sich exemplarisch auf dem Gebiet des kommunalpolitischen Engagements illustrieren (Bauer 2007a). Zu dieser Thematik hat die Stiftung im Jahre 2004 das Kompetenzzentrum Kommunen und Regionen (KKR) eingerichtet. Es dient dazu, das in der Bertelsmann Stiftung entwickelte Wissen für die kommunale Ebene zu bündeln, die zahlreichen einschlägigen Projekte zu unterstützen bzw. zu beaufsichtigen und den Transfer in die Kommunen sicherzustellen.
Das KKR untersteht, ebenso wie das Themenfeld Wirtschaft und Soziales und die „Aktion Demographischer Wandel“, Dr. Johannes Meier, dem Vorstandsmitglied und Geschäftsführer der Stiftung. Im KKR werden Schwerpunktthemen bzw. die dazugehörenden Projekte koordiniert. Schwerpunktthemen des KKR sind: Bürgerorientierung; sozialer Zusammenhalt; demographischer Wandel; Bildung; Gesundheit; kommunale Steuerung; kommunale Wirtschaftspolitik.
Einen weiteren Ansatz der Bündelung von kommunalpolitisch einschlägigen Stiftungsaktivitäten stellen themenfeldübergreifende Projekte und die daraus entwickelten Aktionen dar. Beispielhaft zu nennen sind hier einerseits die schon erwähnte „Aktion Demographischer Wandel“ und zum anderen die „Lokalen Bündnisse für Familie“. Letztere wurden 2003 im Rahmen des themenübergreifenden Projekts „Balance von Familie und Arbeitswelt – Allianz für die Familie“ initiiert. Dass diesen Stiftungsthemen zwischenzeitlich in den Medien – und ebenso von der Politik – breiter Raum zugestanden wurde, darf als hinlänglich bekannt vorausgesetzt werden.

Nach außen hin ist die Stiftung aktiv in Form von Zusammenkünften, Kongressen und Foren, ferner durch die Bildung von Netzwerken, im Rahmen von Wettbewerben, Kampagnen und Initiativen sowie mit Hilfe von Aktionen der Öffentlichkeitsarbeit. So findet beispielsweise das kommunalpolitische Engagement der Stiftung seinen Ausdruck bei den inzwischen regelmäßig stattfindenden Kommunalkongressen. Ein zweitägiger Kongress mit zehn Fachforen1 hat im November 2003 stattgefunden. Im Februar 2005 folgte in Berlin der Kommunalkongress „Strategien für die Zukunft vor Ort“. Weitere Kommunalkongresse fanden am 8. Februar 20062, am 13. Februar 20073 und am 26. Februar 20084 statt, alle ebenfalls in Berlin.
Teilnehmer an den Kommunalkongressen sind in erster Linie handverlesene Funktionsträger aus der lokalen Politik und Verwaltung. Durch die Vorauswahl der Eingeladenen nimmt die Stiftung eine Selektion vor, die sicherstellt, dass das kommunalpolitische Establishment unter sich bleibt. Kongresse und Foren erweisen sich daher als Orte des symbolischen Schulterschlusses von Stiftung und Kommunalpolitik, nicht als Arenen zur Austragung von Kontroversen. Sie dienen der Selbstinszenierung der Stiftung und dazu, in der Außenwirkung Übereinstimmung von Politik, Verwaltung und Stiftung (bzw. „Bertelsmann“ im Allgemeinen!) zu demonstrieren. Bürgerschaftliche Teilnahme im basisdemokratischen Sinne ist hierbei nicht vorgesehen.
Im Rahmen der von ihr ausgeschriebenen Wettbewerbe zeichnet die Stiftung vorbildliches Handeln und positive Vorbilder – bzw. was sie dafür hält – mit Preisen aus. Der Erfolg bei den Wettbewerben hängt von den Kriterien und Entscheidungen einer Jury ab, die sich aus Personen zusammensetzt, deren Auswahl durch die Stiftung erfolgt. Auch hier kann von einer zivilgesellschaftlichen Öffnung und Transparenz keine Rede sein.
Beispielhaft für die Lobbyarbeit der Stiftung sind Kampagnen, die von ihr initiiert wurden oder an denen sie sich als Partner beteiligt hat. Heribert Meffert, 2002 bis 2005 Vorsitzender des Stiftungsvorstands, erklärte in einem Interview zum Stellenwert der Kampagnen und ihrer Lobbyfunktion: „Die Politik braucht Unterstützung. Wir dürfen uns deshalb nicht nur als Think Tank, als Denkfabrik, betätigen, sondern müssen auch kampagnenfähig werden und konkrete Lösungsansätze bieten. Damit steigt natürlich der Einfluss“ (Süddeutsche Zeitung vom 29. April 2005).
Um Einfluss zu gewinnen und auszuüben, pflegt die Stiftung vielfältige Kontakte und Arbeitsbeziehungen zu politischen Repräsentanten und Verwaltungsspitzen. Weitere Ansprechpartner der Stiftung sind „Führungspersönlichkeiten“ aus einzelnen Wirtschaftsunternehmen bzw. aus Wirtschafts- und Unternehmerverbänden. Ferner ist die Stiftung darum bemüht, sich des Wohlwollens führender Vertreter aus Parteien, Kirchen, Verbänden und Gewerkschaften sowie aus wissenschaftlichen Einrichtungen und seitens anderer Stiftungen zu versichern.
Ein weiterer Personenkreis, dem die Stiftung ihre Aufmerksamkeit widmet – und der umgekehrt der Stiftung die gewünschte öffentliche Resonanz im freundlich-milden Klima subalterner Gunst und Wertschätzung verschafft –, rekrutiert sich aus der konzerneigenen Medienlandschaft. Sowohl durch Personalunion auf den Leitungsebenen als auch durch atmosphärische Beziehungspflege entstehen Interessenverquickungen zwischen der Stiftung und den zum Konzern gehörenden Unternehmenszweigen Gruner + Jahr, RTL Group und Random House. Die Bertelsmann Stiftung ist schon deshalb mehr als jede andere Stiftung in der Lage, weit in die Medienlandschaft hineinreichende Kontakte herzustellen und für ihre Belange zu nutzen.
In das Stiftungs-Netzwerk werden auch namhafte Vertreter konzernfremder Medien eingebunden. Klaus-Peter Siegloch etwa, Leiter des ZDF-Studios in Washington, ist – wie oben schon berichtet – Mitglied im Kuratorium der Stiftung. Ebenfalls Kuratoriums-Mitglied war lange Zeit der Vorsitzende der Ludwig-Erhard-Stiftung, Dr. Hans D. Barbier, bis 2002 Ressortleiter für Wirtschaftspolitik der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, „Kurator und Botschafter“ der Initiative Soziale Marktwirtschaft und seit 2003 Chefredakteur und geschäftsführender Herausgeber der Vierteljahreshefte der Friedrich-Naumann-Stiftung.
Zusammenfassend ergibt sich bei der Stiftung das Bild einer Institution, deren Arbeitsweise nicht, wie von ihr vorgegeben, in erster Linie eine Stärkung der Bürgergesellschaft und der lokalen Demokratie zur Folge hat. Der Stiftung geht es weder bei ihren Aktionen noch bei den von ihr bevorzugten Präsentationsformen darum, demokratische Prozesse an der Basis aufzugreifen und diese in uneigennütziger Weise zu fördern, ohne sich dabei selbst in den Vordergrund zu [284:] drängen. Sie tendiert vielmehr dazu, das Konzept der „bürgerorientierten Kommune“ aus der Elite-Perspektive zu entwerfen und es für ein Establishment lokaler Honoratioren, wissenschaftlicher Experten und „Führungspersönlichkeiten“ aus anderen gesellschaftlichen Bereichen verbindlich zu machen. Es mangelt allerdings noch an empirischen Fallstudien, die exemplarisch aufzeigen, dass, wie und mit welchem Erfolg die Stiftung versucht, das bürgerschaftliche Engagement vor Ort im Interesse ihres elitebürgerlichen Verständnisses von Zivilgesellschaft zu funktionalisieren und zu vereinnahmen.

Aktionsformen wie Kongresse, Foren und Kampagnen waren während der Studentenbewegung Ende der 1960er Jahre und in der Folgezeit Organisationsformen sozialer Bewegungen [Raschke 1988; Brand / Büsser / Rucht 1983; Roth / Rucht 2008] und Bestandteile basisdemokratischer Strategien (Roth / Rucht 1991). Sie wollten auf gesellschaftliche, ökologische, ökonomische oder außenpolitische Missstände hinweisen und dienten dazu, Änderungen zu fordern und politische Alternativen einzuklagen. Vietnam-Kongresse, Dritte-Welt-Kampagnen, Jugendhilfe-Foren und Gesundheitstage wollten politische und gesellschaftliche Probleme öffentlich machen. Heute werden diese Aktionsformen von der Bertelsmann Stiftung in einem herrschaftlichen Sinn instrumentalisiert. Sie sind Komponenten einer top-down-gesteuerten Vorgehensweise, die mit den Methoden des Agenda-Setting bestimmte Problemstellungen der Gegenwart (samt vorgegebener Lösungsvorschläge) in den Mittelpunkt stellt, andere aber systematisch ausblendet oder in einer medialen Strohfeuer-Kampagne „verheizt“.
Insgesamt zeigt sich im Zusammenhang des von der Bertelsmann Stiftung zu Stande gebrachten Networking, dass dem von ihr beanspruchten Begriff der Zivilgesellschaft ein elitenbürgerliches Verständnis zu Grunde liegt. Eine so verstandene und in Szene gesetzte Zivilgesellschaft hat nicht vorrangig die Belange der Bürgerinnen und Bürger, gar die der weitgehend ausgegrenzten und ausgeschlossenen sozialen Gruppen im Blick, sondern sie ist im Wesentlichen darauf ausgerichtet, das gesellschaftliche Klima und die politischen Voraussetzungen für eine unternehmer- und wirtschaftsfreundliche Politik zu schaffen und dieselbe als die einzig zukunftsfähige Alternative anzupreisen. Böckelmann und Fischler sprechen in ihrem Buch über das Gütersloher Medienimperium von einem „Lobbyismus der Gegenseitigkeit“ (2004: 249). An dieser Lobby-Börse teilzuhaben wird aber nur denjenigen zugestanden, die über Macht – politische, ökonomische, militärische – und/oder Einfluss – verbandlichen, parteipolitischen, finanziellen, wissenschaftlichen oder medial-kommunikativen – verfügen.
Die den Medienmarkt beherrschende Stellung des mit der Stiftung verbundenen Konzerns hat weitere Konsequenzen zur Folge, die vor dem Hintergrund medienwissenschaftlicher Forschungsergebnisse1 zwar weitgehend plausibel sind, aber im vorliegenden Fall der noch gezielteren empirischen Untermauerung bedürfen: Zum einen scheint die Stiftung ein leichtes Spiel zu haben, um für ihre Vorstellungen den Beifall beispielsweise jener Politiker zu gewinnen, die im Gegenzug dafür ihre in den öffentlichen Arenen notwendige Medienpräsenz erwarten. Zum anderen können in den Medien diejenigen Positionen, die von denen der Stiftung (und des Stifters) abweichen oder kontrovers zu ihnen sind, totgeschwiegen, ignoriert oder negativ etikettiert werden. Drittens ist zu befürchten, dass Autoren, Journalisten und Redaktionsverantwortliche dazu neigen, entsprechende investigative Recherchen zu unterlassen oder deren Ergebnisse in vorauseilendem Gehorsam nicht zu veröffentlichen.
All diese sich subtil ereignenden und äußerst schwierig nachweisbaren Vorgänge bergen die Gefahr, einen demokratietheoretisch fragwürdigen Einheitskonsens zu begünstigen. Als ein zentraler Auslöser dieser Tendenz erweist sich die gesellschaftlich hoch angesehene Bertelsmann Stiftung, die als gemeinnützig privilegiert ist und seitens der Politik sehr geschätzt bzw. dienstwillig hofiert wird.

Zivilgesellschaft als Bertelsmann-Projekt: Zusammenfassung und Appell
Der eingetragene Verein, die Genossenschaft und die Stiftung gelten als Rechtsformen für Nonprofit-Organisationen, die dem Assoziationswesen zuzurechnen sind und den institutionellen Kern der Bürgergesellschaft bilden. Im zivilgesellschaftlichen Verständnis von Jürgen Habermas (1994: 443) sollen diese Organisationen „die Resonanz, die die gesellschaftlichen Problemlagen in den privaten Lebensbereichen finden, aufnehmen, kondensieren und lautverstärkend an die [286:] politische Öffentlichkeit weiterleiten“. Eine Besonderheit im Gesamtspektrum der Nonprofit-Organisationen stellen diejenigen dar, die es sich zum Ziel gesetzt haben, die Zivilgesellschaft, deren Teil sie selbst sind, zu stärken und das bürgerschaftliche Engagement zu fördern. Eine solche Nonprofit-Organisation „in eigener Sache“ ist – ungeachtet weiterer Zwecke, die sie ebenfalls verfolgt – die Bertelsmann Stiftung.
Der vorstehende Beitrag gelangt zu dem Ergebnis, dass das zivilgesellschaftliche Verständnis der Bertelsmann Stiftung elitenbürgerlich verengt ist. Die Stiftung beschränkt sich darauf, die bürgergesellschaftliche Entwicklung am Hauptkriterium von Wirtschafts- und Unternehmerfreundlichkeit auszurichten. Sie misst die Vorzüge des bürgerschaftlichen Engagements vor allem daran, in welchem Umfang dieses kompensatorisch dazu beiträgt, den bisherigen Anteil des öffentlichen Sektors in der direkten und indirekten Bereitstellung von Gütern und Dienstleistungen einzuschränken. Das von der Stiftung vertretene Anliegen einer weitgehenden Ökonomisierung und Kommerzialisierung aller Lebensbereiche ist wie geschaffen, um zivilgesellschaftliche Werte wie Gleichheit, soziale Gerechtigkeit, Partizipation und Solidarität zu konterkarieren – Werte, von denen in den Veröffentlichungen der Stiftung oft und nachdrücklich die Rede ist.
Neben den strategischen Verkürzungen jenes Verständnisses von Bürgergesellschaft, wie es Habermas vertritt, und seiner Vermengung mit anderen Zielen weist die Bertelsmann Stiftung auch in ihrer Praxis zivilgesellschaftliche Defizite auf. Sie operiert als Think Tank, dessen Ergebnisse weitgehend abgeschirmt von der Öffentlichkeit in die Beratungsverläufe der politischen Eliten eingespeist werden. Ihre Meinungsbildungsprozesse, die von keinen öffentlich nachvollziehbaren Debatten begleitet sind, spielen sich vorwiegend in arkan abgeschirmten Gremien ab. Die Stiftung stützt sich vor allem auf technokratische Kontrollverfahren und betriebswirtschaftliche Managementmethoden. Ihre Aktionen werden top-down gestartet und können sich einen Medienapparat zunutze machen, zu dem sie als Eigentümerin der Mehrheitsanteile des Bertelsmann-Konzerns einen privilegierten Zugang hat.
Die Verbindung mit den Medienunternehmen des Bertelsmann-Konzerns ist ein nicht unerheblicher Grund, weshalb die Besetzung des Themas Bürgergesellschaft durch die Bertelsmann Stiftung dazu herausfordert und verpflichtet, deren Einflussnahme auf die zivilgesellschaftliche Entwicklung kritisch zu verfolgen. Das besondere Verhältnis zwischen der Stiftung einerseits und den Unternehmensgruppen des Bertelsmann-Konzerns andererseits beschreiben die Autoren Böckelmann und Fischler [2004 : 238] wie folgt: „Stiftung und Unternehmen zeigen sich derart verbunden, dass man sie kaum unterscheiden kann.“ Die Stiftung lege „einen Schutzschild der Gemeinnützigkeit um den Konzern und entzieht ihn damit der öffentlichen Kritik. … Die Stiftung macht den Konzern unantastbar“ (a.a.O.: 220). „Die Stiftung bildet eine glänzende, regelrecht blendende Fassade für die Geschäfte der Bertelsmann AG“ (a.a.O.: 217).
Das Zusammenspiel zwischen unternehmerischen Wirtschaftsinteressen einerseits und operativer Programmstiftung andererseits werde dadurch ermöglicht, dass es letzterer gelungen sei, ein „Netz gegenseitiger Abhängigkeiten“ zu schaffen (a.a.O.: 219), in das – neben konzerneigenen und konzernfremden Medien – Politik, Wirtschaft und Verbände eingesponnen sind. Reinhard Mohn verfüge „über ein enges Netz zu Politikern aller wichtigen Parteien und versammelt sie an einem Tisch. Man könnte den Eindruck gewinnen, als seien Stiftungssymposien Ausschüsse des Parlaments. Hinter den Kulissen macht die Bertelsmann Stiftung Politik …“ (Schuler 2004: 15). Mit bitter-ironischem Unterton formulieren Böckelmann und Fischler (2004: 216) die Erkenntnis: „Die Stiftung bringt alle an gut gedeckten Tischen zusammen.“
Die Verquickung von Stiftung und Konzern ist nicht zuletzt auch deshalb zivilgesellschaftlich problematisch, weil sich in den vergangenen Jahrzehnten ein zunehmend symbiotisches Verhältnis der Medien sowohl zur Wirtschaft1 als auch zur Politik entwickelt hat. Dieser Umstand verlangt mehr und mehr danach, die wissenschaftliche Aufmerksamkeit auf die Rolle der medialen Kommunikation im Dreieck von Staat, Markt und „Drittem Sektor“ zu lenken bzw. neu zu bestimmen.
Die meisten der Printmedien und die elektronischen Angebote in Fernsehen und Internet weisen heute den Charakter von tauschwertförmigen Waren auf. Als Erzeugnisse der „Kultur-“ und der „Bewusstseinsindustrie“ (Theodor W. Adorno) müssen sie ‚schwarze Zahlen’ schreiben und für ihre Eigentümer Gewinne abwerfen. Da ein Großteil der Informationen zum Wirtschaftsgeschehen auf dem Weg über die zuständigen Ressortredaktionen an die Produzenten und Konsumenten herangetragen wird, spielt die Wirtschaft in den Medien auch als Gegenstand der Berichterstattung und Thema der Kommentierung eine zunehmend wichtigere Rolle. Weil es sich aber so verhält, üben die Medien ihrerseits Einfluss auf die Wirtschaftsentwicklung aus, indem sie gesamtwirtschaftlich positive oder negative Effekte auszulösen vermögen. Medien sind Wirtschaftsakteure und nicht nur – falls überhaupt – neutrale Informationsträger.
Neben ihrer wirtschaftlichen Bedeutung stellen die Medien gerade in der heutigen Zeit eine politisch relevante Größe dar, die nicht nur auf dem Feld der Berichterstattung bzw. des „Politainment“ (Dörner 2001) eine Rolle spielt, sondern alle Bereiche der Unterhaltungs- und Freizeitkultur umfasst. Als signifikante Akteure der gesellschaftspolitischen Kommunikation wirken die Medien sowohl auf der Mikro-, als auch auf der Meso- und Makroebene. Ein Großteil der Medienwirkungsforschung galt bisher der Frage nach den stabilisierenden oder modifizierenden Effekten des Medienangebots auf die individuellen politischen Einstellungen. Politischen Einfluss gewinnen Medien demzufolge u. a. durch die Vermittlung von Deutungsmustern, sog. „Frames“ (Dahinden 2006), und dadurch, dass sie im Rahmen des Agenda-Setting vorgeben, worüber Wähler nachzudenken und mit anderen zu sprechen haben (McCombs 2004).

Auf der Mesoebene ist die Wirkungsdimension der Medien weniger gut erforscht, doch gibt es auch hier ausreichend Hinweise darauf, dass sich die politischen Akteure in Parteien, Parlamenten und Verbänden stärker als früher auf die mediale Kommunikation einstellen (Donges 2006). Die Medienpräsenz von Volksvertretern und Verbändespitzen gehört zum „täglichen Brot“ (bzw. zur täglichen Droge) im politischen Alltag. Die Tatsache schließlich, dass Medienwirkungen auch auf der Makroebene zu beobachten sind, hat Anlass gegeben zu weitreichenden Theoriekonzepten wie dem einer „Mediendemokratie“ oder dem eines neuen Herrschaftstypus: der „Mediokratie“ (Meyer 2001).
Vor dem Hintergrund der folgenreichen ökonomischen und politischen Relevanz der Medien als den bedeutendsten Kommunikator-Agenturen der Gegenwart lassen die wirtschaftsliberal verkürzte Strategie der Bertelsmann Stiftung, ihre elitenbürgerlich ausgerichteten Handlungsansätze, der Top-down-Stil und ihre Verquickung mit der Bertelsmann AG die Befürchtung begründet erscheinen, dass Zivilgesellschaft in dem dabei zu Tage tretenden Verständnis zu einer Art Bertelsmann-Projekt mutiert und somit im ursprünglichen normativen Sinn auf der Strecke bleibt.
Der vorliegende Beitrag ist nicht zuletzt als Aufforderung zu verstehen, das Wirken der Bertelsmann Stiftung und der von ihr finanziell abhängigen Centren (CAP, CHE, CKM) ebenso wie die Rolle der Bertelsmann-Medien und der anderen Unternehmenszweige des Konzerns wissenschaftlich zu untersuchen und den Einfluss des komplexen „Systems Bertelsmann“ auf die zivilgesellschaftliche Entwicklung kritisch zu verfolgen. Mit vergleichendem Blick auf die USA lassen sich außerdem wichtige Argumente zusammentragen, die für eine Beschränkung der Stiftungsanteile am Unternehmen, für das Verbot politischer Lobbytätigkeit von Programmstiftungen und für die unabhängige, rechtlich einklagbare Überwachung ihrer Gemeinnützigkeit sprechen.

Die Tonangeber (= Weitere Beiträge von Rudolph Bauer=) Macht statt Kommune

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Bauer, Rudolph 2007b: Global Player Bertelsmann: In: Blätter für deutsche und internationale Politik, Heft 8, S. 1003-1009
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Bauer, Rudolph 1992b: Vereine und das intermediäre Hilfe- und Dienstleistungssystem. In: Zimmer, S. 151-169
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[290:] Brand, Karl-Werner / Büsser Detlef / Rucht Dieter 1983: Aufbruch in eine andere Gesellschaft. Neue soziale Bewegungen in der Bundesrepublik. Frankfurt am Main, New York: Campus
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Der Autor und eine Liste seiner neueren Publikationen
Bauer, Rudolph, geb. 1939, Dr. phil. Von 1971 bis 2002 an der Universität Bremen Professor der Sozialarbeitswissenschaft mit Schwerpunkt Wohlfahrtspolitik und Soziale Dienstleistungen; Sprecher des Instituts für Lokale Sozialpolitik und Nonprofit-Organisationen. Auslandsaufenthalte 1979/80 am Fremdsprachen-Institut Nr. 1 in Peking und 1989 als Fellow in Philanthropy am Institute for Policy Studies der Johns Hopkins University in Baltimore/Maryland. Neuere Veröffentlichungen: Global Player Bertelsmann. In: Blätter für deutsche und internationale Politik, Heft 8/2007; Kommerz statt Kommune. Bertelsmann(-Stiftung) und Kommunalpolitik. In: Wernicke, Jens / Torsten Bultmann (Hrsg.), Netzwerk der Macht – Bertelsmann, 2. Aufl., Marburg 2007; Die Bertelsmann Stiftung – Wegbereiterin für Arvato Government Services. In: Wernicke, Jens / Torsten Bultmann (Hrsg.), Netzwerk der Macht – Bertelsmann, 2. Aufl., Marburg 2007; Die „Bertelsmannisierung“ der Bürgergesellschaft. In: Krauß, E. Jürgen / Michael Möller / Richard Münchmeier (Hrsg.), Soziale Arbeit zwischen Ökonomisierung und Selbstbestimmung, Kassel 2007; Welfare Culture, Social Services and Service Providers in Germany – Challenged by Economic Globalization. In: Herrmann, Peter (ed.), Human Beings. Between the Individual and the Social, New York 2006; Ist der „Dritte Sektor“ theoriefähig? Anmerkungen über Heterogenität und Intermediarität. In: Birkhölzer, Karl / Ansgar Klein / Eckhard Priller / Annette Zimmer (Hrsg.), Dritter Sektor – Drittes System. Theorie, Funktionswandel und zivilgesellschaftliche Perspektiven, Wiesbaden 2005; Zusammen mit Hans Pfaffenberger: Wie steht es um eine Sozialpolitik der Europäischen Union und was folgt daraus für die Sozialarbeit / Sozialpädagogik? In: Homfeld, Hans Günther / Katrin Brandhorst (Hrsg.), International vergleichende Soziale Arbeit, Baltmannsweiler 2004; Dienstleistung. Zum Schutz vor dem Staat durch den Staat. In: Deufel, Konrad / Manfred Wolf (Hrsg.), Ende der Solidarität? Die Zukunft des Sozialstaats, Freiburg / Basel / Wien 2003; Personenbezogene Soziale Dienstleistungen. Begriff, Qualität und Zukunft, Wiesbaden 2001.

Kontakt: über medienwatch@gmx.de

28.11.2008 | Wir bedanken uns bei Prof. Dr. Rudolph Bauer für die Freistellung zur Veröffentlichung des Aufsatzes

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Fotos & Bildbearbeitung: Jörg Stange | medienwatch


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Dezember 15, 2008 at 11:40

Veröffentlicht in Bertelsmann, Medienkonzern(e)