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Archive for the ‘Kunst & Kultur’ Category

Pop Life: Warhol, Haring, Koons, Hirst, …

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Pop Life: Warhol, Haring, Koons, Hirst, …

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„Gute Geschäfte sind die beste Kunst“ – die Ausstellung Pop Life nimmt Andy Warhols berüchtigte Provokation zum Ausgangspunkt, um das Vermächtnis der Pop Art und den Einfluss ihrer bedeutendsten Vertreter vollkommen neu zu interpretieren. Pop Life zeigt die verschiedenen Methoden, mit denen sich Künstler seit den 1980er Jahren auf die Massenmedien eingelassen haben, und wie sie dabei ihre künstlerische Persönlichkeit bewusst als „Marke“ geschaffen und kultiviert haben. Neben Werken von Andy Warhol werden Arbeiten von Keith Haring, Jeff Koons, Damien Hirst , Richard Prince, Martin Kippenberger, Tracey Emin, Takashi Murakami und anderen gezeigt. Die Ausstellung umfasst etwa 320 Exponate, darunter Gemälde, Zeichnungen, Photographien, Zeitschriften, Skulpturen, Videos, Merchandisingobjekte, einen Shop und Rauminstallationen.
Pop Life argumentiert, dass sich Andy Warhols radikalste Lektion im Werk jener Künstler der folgenden Generationen spiegelt, die die Alltagskultur nicht nur in ihren Bildern reproduzieren, sondern die sich darüber hinaus strategisch in die Mechanismen des Marktes, der Massenmedien und der allgegenwärtigen Präsenz der Werbung einschmuggeln, um ein Publikum weit über die Galerien hinaus zu erreichen.
Die Verbindung von Kultur und Kommerz wird gemeinhin als Verrat an den Werten der modernen Kunst angesehen. Pop Life hingegen zeigt, dass für viele Künstler nach Warhol erst in dieser Verschmelzung eine Interaktion mit der gegenwärtigen Welt überhaupt möglich wird.
Ein zentrales Thema der Ausstellung ist der Aspekt des Performativen, der sich in der Selbstdarstellung und dem Rollenverständnis der Künstler innerhalb der Medienwelt und des Kunstbetriebes offenbart. Die Künstler agieren selbst an den entscheidenden Stellen u. a. als Fälscher, als Prominente, als Verleger, als Kunsthändler, als Galeristen, als Geschäftsinhaber, als Kuratoren, als TV-Moderatoren oder gar als Auktionator. Sie schleusen sich getarnt in die Funktionsmechanismen des Produkt- und In formationskreislaufs ein und decken diese dabei auf, ohne selbst Position zu beziehen. Hierin liegt der doppelbödige, zugleich affirmative und kritische Gehalt von Pop Life.
Die Ausstellung beginnt mit einem Schwerpunkt auf dem Spätwerk Warhols und seinen für diese Zeit charakteristischen Unternehmungen als TV-Persönlichkeit, als Werbeikone und als Herausgeber der Zeitschrift Interview. Unter den Höhepunkten befinden sich eine Reihe seiner anfänglich umstrittenen

Serien, die als Retrospectives (Retrospektiven) oder Reversals(Umkehrungen) bekannt wurden. In der Wiederaufnahme der Bilder berühmter Pop-Ikonen der 1960er Jahre, nehmen die Retrospectives Installationen von Künstlern wie Martin Kippenberger oder Tracey Emin vorweg. Diese folgen, wie Warhol, in offensiver Weise dem Impuls der Selbst-Mythologisierung. Den Entwurf ihrer öffentlichen Person und deren Verbreitung als Marke verstehen sie als grundlegendes Rüstzeug ihrer Profession.
Pop Life wird Rekonstruktionen von Keith Harings Pop Shop und die selten zusammengeführten Arbeiten von Jeff Koons’ Serie Made in Heaven zeigen. Haring eröffnete den Pop Shop im Jahre 1986 in der Lafayette Street in New York um seine zur Marke gewordene künstlerische Handschrift in Merchandising-Produkten wie T-Shirts, Spielsachen und Magneten an ein möglichst großes Publikum zu vertreiben. Jeff Koons’ Serie Made in Heaven wurde erstmals auf der Biennale von Venedig 1991 gezeigt. In ihr preist der Künstler seine eheliche Vereinigung mit dem italienischen Pornostar Ilona Staller, genannt La Cicciolina, in aller Öffentlichkeit an.
Martin Kippenberger widmet Pop Life in Hamburg mehrere Räume, darunter eine spezielle, nur hier zu sehende Präsentation mit frühen Werken aus der Sammlung der Hamburger Filmautorin Gisela Stelly Augstein. In den schwarzweißen Fotovermalungen der Serie Un Tedesco in Firenze, den „Ideentafeln“ und einer Fülle von Briefen und Postkarten an die von Kippenberger verehrte Stelly Augstein lässt die Ausstellung hautnah die Anfänge des glänzenden Selbstdarstellers und Gesellschaftsanalytikers miter leben, der mit Provokation und Spott in der Tradition von Dada und Fluxus an der Demontage des traditionellen Kunstbegriffs arbeitete.
Ein weiterer Teil der Ausstellung ist den so genannten Young British Artists gewidmet und rückt deren frühe Unternehmungen in den Mittelpunkt. Darunter befindet sich der Shop von Tracey Emin und Sarah Lucas, den die beiden Künstlerinnen im Londoner Stadtteil Bethnal Green eröffneten, und in dem sie Arbeiten schufen und verkauften. Berühmte Werke von Gavin Turk sind ebenso vertreten wie speziell ausgewählte Arbeiten aus Damien Hirsts spektakulärer Sotheby’s-Auktion Beautiful Inside My Head Forever im September 2008. Eine eigens in Auftrag gegebene neue Installation des japanischen Künstlers Takashi Murakami, der ein eigenes weltweit agierendes Unternehmen zur Verbreitung seiner Kunst betreibt, wird in einem der abschließenden Räume zu sehen sein.
Der Besuch einiger Ausstellungsräume ist nicht für Besucher unter 18 Jahren zugelassen. Zur Ausstellung erscheint im DuMont Verlag ein reich bebilderter Katalog mit Beiträgen von: Jack Bankowsky, Catherine Wood, Alison M. Gingeras, Scott Rothkopf und Nicholas Cullinan.
Nach London und Hamburg wird die Ausstellung zum Abschluss der Tournee in der National Gallery of Canada in Ottawa gezeigt.

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Der Künstler als …

In der zeitgenössischen Kunst ist die Vielfalt möglicher Rollenbilder unbegrenzt. In der Nachfolge von Andy Warhols Rollenspiel erfinden sich die Künstler mit Blick auf die wechselnden Mechanismen des Kunstbetriebs fortwährend neu. Bei genauerem Hinsehen werden jedoch auch hier die seit der Antike überlieferten Künstlermythen und Vorstellungen vom Genius immer wieder Neu aufgegriffen, sei es in affirmativer, kritischer oder ironisierender Absicht. => [;;]

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Kuratoren London: Catherine Wood (Tate Modern) mit Jack Bankowsky und Alison M. Gingeras Kuratoren Hamburg: Dr. Annabelle Görgen-Lammers und Dr. Daniel Koep

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Eine Ausstellung der Tate Modern, London, in Zusammenarbeit mit der Hamburger Kunsthalle.
12. Februar bis 9. Mai 2010
Galerie der Gegenwart

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Mit freundlicher Unterstützung durch unsere Medienpartner:

Hamburger Kunsthalle ⋅ Stiftung öffentlichen Rechts
Ansprechpartner ⋅ Mira Forte
Glockengießerwall T + 49 (0) 40 – 428 131 204
D-20095 Hamburg F + 49 (0) 40 – 428 542 978
http://www.hamburger-kunsthalle.de
presse[at]hamburger-kunsthalle.de

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KUNSTZEITUNG im April
Was kommt nach der Business-Kunst? Antworten geben Johanna und Luca Di Blasi
http://www.lindinger-schmid.de/kunstzeitung_aktuell.html

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Martin Kippenberger (1953-1997) [Privé-Paris – zuviel geredet}

Hamburg Dez. 1976 Sammlung Gisela Stelly Augstein © Nachlass Martin Kippenberger, Photo: Christoph Irrgang (::)

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Rio Reiser: «Hallo Hallo – Ist da die Irrenanstalt» [Markthalle°]

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1. FC Köln: Bundesliga 1976/1977 – Spielplan, News, Spieler …
FC Köln: Bundesliga Saison 1976/1977 – Alle Ergebnisse, Tabellen, Spielplan und … Mittwoch, 08.12.1976. 025, 1. FC Köln · Queen´s Park Rangers · 4:1 (3:1) …
sport-dienst.fussball.de/fussballvereine/1fckoeln/1977/ – Im Cache | Super Hoops´ // Kippenbergers Polaroid-Datums-Angaben = parallel Ereignisse 😉


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foto: jst gfok

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Martin Kippenberger (1953-1997) => [::]

Bitte nicht nach Hause schicken, 1983 Öl auf Leinwand, 120 x 100 cmPrivatsammlung, Berlin © Nachlass Martin Kippenberger, Galerie Gisela Capitain, Köln | Photo: Lothar Schnepf

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Piotr Uklanski foto: jst gfok

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Gavin Turk: CHE, 1999  foto: jst gfok

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Warhol | Kippenberger

© 2010 Veröffentlichung nur gestattet im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle. Jede andere Nutzung ist nicht gestattet. Die Bilder dürfen nicht angeschnitten oder mit Schrift überschrieben werden. Ausnahmen sind mit der VG Bild-Kunst bzw. für A. Warhol mit der Artists Rights Society, New York, zu klären. /

© 2010 Publication only allowed in connection with reports of the exhibition. Any other use is not allowed. The photos should not be cropped or overwritten with any form of text. Exceptions only with permission of VG Bild- Kunst or, for A. Warhol of Artists Rights Society, New York.

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foto: jst gfok

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foto: jst gfok


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.foto: jst gfok


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 Martin Kippenberger: Yuppi Du | Bad Painting

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Fotos: Vergrössern durch Doppelklick


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Zeitreis(en)

Gebrechen des Kopfes

Kleine Kulturgeschichte der menschlichen Dummheit

Von Peter Zaun

Dummheit: Ein zeitloses Charakteristikum des Menschseins, der vielleicht facettenreichste Begriff der Kulturgeschichte. Einmal kommt sie als unverzichtbare Ingredienz zur Förderung instinktsicherer Überlebensstrategien daher; dann wieder als Laster, bei dem die Konsequenzen des eigenen Handelns unbedacht bleiben.

Für Immanuel Kant ist sie ein „Gebrechen des Kopfes“, eine Konsequenz des „biegsamen Herzens“. Die Geschichte hält staunende, ärgerliche und resignierende Kommentare über sie bereit; niemals bewundernde =

Manuskript zur Sendung als PDF-Dokument oder im barrierefreien Textformat

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/zeitreisen/1163289/

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Hamburger Museen

Kritik an Kultursenatorin: „Totengräberin der Kunsthalle“

Der Ex-Kunsthallen-Chef Werner Hofmann attackiert Kultursenatorin Karin von Welck. Der Streit in Hamburgs Museumspolitik geht in eine neue Runde.
http://www.abendblatt.de/hamburg/article1560145/Kritik-an-Kultursenatorin-Totengraeberin-der-Kunsthalle.html

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KIPPENBERGER HÖREN
Ein Live-Hörspiel von Oliver Augst und Rüdiger Carl unter Mitwirkung von Sven-Åke Johansson

Mit Texten, O-Tönen und der Stimme von Martin Kippenberger

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The Brandos | Gunfire at Midnight

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Seite in Bearbeitung

Fotos: Jörg Stange, Gunnar F. Gerlach GfoK Kunstarchiv

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medienwatch.wordpress.com

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März 30, 2010 at 14:16

Veröffentlicht in Hamburger Kunsthalle, Kunst & Kultur

Hamburg: Schritte zur Museumsentwicklung | Kritik an Kultursenatorin: „Totengräberin der Kunsthalle“

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satyr-quell(e) foyer: rathaus hamburg, gfok

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Weitere Schritte zur Museumsentwicklung

Neue Finanz- und Führungsstruktur bei Hamburger Museumsstiftungen – Fonds für Sonderausstellungen geplant

23.03.2010, 13:34 Uhr

Zur Fortsetzung des 2007 gestarteten Museumsentwicklungsplans hat der Senat heute weitere Maßnahmen beschlossen, um durch strukturelle Veränderungen bei der Aufstellung der Wirtschaftspläne und der Führungsstruktur bei den Hamburger Museumsstiftungen dauerhaft eine finanzielle Stabilität zu erreichen. Grundlage der Drucksache bilden die Empfehlungen der 2009 von der Expertenkommission vorgelegten Zwischenbilanz zur Entwicklung der Museumsstiftungen.

Die wirtschaftliche Analyse der Experten ergibt, dass die Summe der Zuschüsse und der regulären Erträge für den Grundbetrieb der einzelnen Häuser im Prinzip ausreicht, die Mittel für Sondermaßnahmen aber eingeworben werden sollten. Daher soll in den Wirtschaftsplänen in Zukunft zwischen Museumsbetrieb und Sondermaßnahmen unterschieden werden. Für die Finanzierung von Sonderausstellungen wird der Senat bei der Bürgerschaft zum Haushalt 2011/2012 die Einrichtung eines zentralen Fonds in Höhe von 2 Mio. Euro pro Jahr beantragen. Über die Vergabe der Mittel soll eine Jury entscheiden. Um die Museen dabei zu unterstützen, in den Jahren 2010 bis 2012 ausgeglichene Jahresergebnisse erzielen, wird den Stiftungen eine zinslose Liquiditätshilfe für die bis Ende 2009 aufgelaufenen Fehlbeträge gewährt. Bei erfolgreicher Konsolidierung stellt der Senat für 2013/2014 eine weitere Entschuldung in Aussicht. Der Zuschuss für die Kunsthalle soll im Jahr 2010 einmalig um 1,9 Mio. Euro erhöht werden, um die Stiftung von den finanziellen Problemen durch die Rückabwicklung der Versicherungssumme für das gestohlene und wieder aufgetauchte Gemälde „Nebelschwaden“ von Caspar David Friedrich zu entlasten.

Für eine konsequente Umsetzung der neuen Finanzstrukturen wird das Controlling innerhalb der Stiftungen und der Behörde für Kultur, Sport und Medien (BKSM) optimiert und klare Ziel- und Leistungsvereinbarungen zwischen Stiftungsräten und Vorständen sowie zwischen der BKSM und den Stiftungen vereinbart. Um die Verantwortlichkeiten eindeutig und verbindlich festzulegen, werden die Stiftungsräte und Vorstände neu organisiert, sowie Kuratorien als Beratungsgremien installiert. Um im Vorstand museumsfachliche wie wirtschaftliche Kompetenzen zu gewährleisten, kann er jeweils aus bis zu zwei Personen bestehen. Bei der Stiftung Historische Museen sollen die vier Direktoren der jeweiligen Museen nicht mehr im Vorstand vertreten sein, sondern ein Generaldirektor als Mitglied des Vorstands bestellt werden. Auch hier kann der Vorstand aus bis zu zwei Personen bestehen. Um die Arbeit der Vorstände noch effektiver begleiten zu können, werden die Stiftungsräte um die Hälfte der Mitglieder verkleinert. Die Freie und Hansestadt Hamburg wird darin durch die Behörde für Kultur, Sport und Medien und die Finanzbehörde mehrheitlich vertreten sein. Weitere Mitglieder sind jeweils ein externer Sachverständiger, ein Vertreter der Freundeskreise, ein Personalratsmitglied der jeweiligen Stiftung und, bei der Stiftung Historische Museen, der Landrat des Landkreises Harburg. Darüber hinaus soll die Beratung durch Vertreter der Freundeskreise und andere Persönlichkeiten weiter ausgebaut werden – durch Kuratorien, die vor allem bei Sonderausstellungen, Veranstaltungen und der Neugestaltung von Dauerausstellungen mit entscheiden. Die Stiftungsausschüsse der vier stadt- und kulturgeschichtlichen Museen gehen in ein gemeinsames Kuratorium bei der Stiftung Historische Museen über.

Die erfolgreich begonnene digitale Grundinventarisierung für die Sammlungsbestände aller vier Museumsstiftungen soll mit hoher Priorität weiter verfolgt und in den nächsten fünf Jahren abgeschlossen werden. Um die Erfassung der Sammlungsbestände der Stiftung Historische Museen noch in diesem Jahr fortzusetzen, werden für 2010  bei der Bürgerschaft Mittel in Höhe von 500.000 Euro beantragt. Die für das Gesamtprojekt benötigten investiven Mittel sollen für den Haushalt 2011/12 angemeldet werden. Außerdem wird die Errichtung eines zentralen Kulturspeichers mit Priorität weiterverfolgt. Auf Grundlage der 2007 vorgelegten Machbarkeitsstudie und darauf folgenden Erhebungen wird die BKSM mögliche Immobilien identifizieren und unter Einbeziehung von Architekten und Planungsbüros die Investitions- und Betriebskosten für einen zentralen Kulturspeicher prüfen. Der Ausbau des Hafenmuseums und die Neugestaltung der Dauerausstellungen der Museen sollen nach erfolgreicher Konsolidierung und Abschluss der Planungen für den zentralen Kulturspeicher weiter verfolgt werden. Die konzeptionellen Grundlagen dafür werden bereits jetzt geschaffen, zum Beispiel durch die Entwicklung eines Masterplans zum Ausbau des Hafenmuseums durch das Studio Andreas Heller, der im Herbst 2010 vorliegen soll.

Mehr zum Museumsentwicklungsplan finden Sie unter www.hamburg.de/kulturbehoerde/2134004/museumsentwicklung.html

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Pressestelle der Behörde für Kultur, Sport und Medien Ilka von Bodungen Pressesprecherin Hohe Bleichen 22 20354 Hamburg Stadtplan » HVV-Verbindung »

http://www.hamburg.de/pressearchiv-fhh/2182660/2010-03-23-bksm-museumsentwicklung.html

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Warum Alfred Lichtwark 1886 gefragt wurde, ob er das Amt des Direktors der Hamburger Kunsthalle übernehmen wolle, welche vorher nur von einer Person des Senats verwaltet wurde, ist unklar:

„Wir wollen nicht ein Museum, das dasteht und wartet, sondern ein Institut, das thätig in die künstlerische Erziehung unserer Bevölkerung eingreift.“

* „Freie und Abrissstadt Hamburg“, dieser in Architekten-Foren des Internets sehr häufig zitierte Ausspruch Lichtwarks bezog sich auf die Planungen, die Arbeiterwohnungen im Hafen abzureißen und dafür die Speicherstadt zu bauen.

* „Es gibt in unserem Zeitalter kein Kunstwerk, das so aufmerksam betrachtet würde wie die Bildnisfotografie des eigenen Selbst, der nächsten Verwandten und Freunde, der Geliebten.“ [::]


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Widerspruch des Freundeskreises der Hamburger Kunsthalle

»Mit dem Kopf durch die Wand«

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PDF Download Widerspruch Freunde 22.3.2010

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Interview mit dem ehemaligen Direktor der Hamburger Kunsthalle Prof. Dr. Uwe M. Schneede zur aktuellen Museumspolitik in Hamburg

Die Emanzipation des Museums wird zum Scheitern gebracht

Nicole Büsing und Heiko Klaas: Herr Schneede, die staatlichen Museen sollen wieder direkt der Kulturbehörde unterstellt werden. Hat sich das unter anderem von Ihnen mit angestoßene Modell der weitgehenden Selbständigkeit nicht bewährt?
http://www.kunstmarkt.de/pagesmag/kunst/_id208040-/journal_berichtdetail.html?_q=

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Museumsreform in Hamburg

Kultursenatorin rudert zurück – ein Sieg für die Freundeskreise

Von Maike Schiller und Matthias Gretzschel

24. März 2010

Anders als geplant behalten Hamburgs Museumsförderer in den Stiftungsräten auch in Zukunft Sitz und Stimme – ein Teilerfolg.

http://www.abendblatt.de/kultur-live/article1432530/Kultursenatorin-rudert-zurueck-ein-Sieg-fuer-die-Freundeskreise.html

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TAZ | 24.03.2010
KOMMENTAR: PETRA SCHELLEN ÜBER ENTMÜNDIGTE MUSEEN

Die Spaltung gesät:

[..] Auch in ihrer Entscheidungsfreiheit will die Senatorin die Museen beschneiden: Nicht die Direktoren, die für sowas ja bezahlt wurden, sollen künftig die Ausstellungspolitik ihrer Häuser bestimmen. Sondern eine Jury, die von der Kulturbehörde einzusetzen ist. Sie wird Jahr für Jahr neu entscheiden, wer wie viel bekommt aus dem Zwei-Millionen-Euro-Ausstellungs-Fonds [..]

http://www.taz.de/1/nord/hamburg/artikel/?dig=2010%2F03%2F24%2Fa0173&cHash=63ded14483

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TAZ | 26.03.2010
Petra Schellen

Schwere Geschütze gegen Kultursenatorin

MUSEEN Kunsthallen-Förderer beschuldigt Karin von Welck, teure Ausstellungen durchgeboxt zu haben.
http://www.taz.de/1/nord/hamburg/artikel/?dig=2010%2F03%2F26%2Fa0188&cHash=252e379c56

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Hamburger Kulturpolitik

Nach Gutsherrinnenart

TAZ | 30.03.2010
Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) ist die Subkultur egal. Aber auch hochkulturell geht vieles schief: Die Elbphilharmonie frisst Geld ohne Ende und die Museen werden gegängelt. VON PETRA SCHELLEN
http://www.taz.de/1/leben/kuenste/artikel/1/nach-gutsherrinnenart/

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Von Welck verteidigt Kehrtwende in Museumspolitik

Von Katja Engler

24. März 2010, 04:00 Uhr

Kultursenatorin plant einen Fonds für Sonderausstellungen und will mehr Macht im Stiftungsrat:

http://www.welt.de/die-welt/vermischtes/hamburg/article6905560/Von-Welck-verteidigt-Kehrtwende-in-Museumspolitik.html

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HA-Archiv

Museumsentwicklung: Altonas Direktorin konnte sich nicht durchsetzen
Museumsdirektorin wirft das Handtuch
Von Matthias Gretzschel 22. März 2007, 00:00 Uhr

Die Reform der Hamburger Museen sorgt für Unruhe: Gestern trat Bärbel Hedinger, Direktorin des Altonaer Museums, zurück.

http://www.abendblatt.de/kultur-live/article850846/Museumsdirektorin-wirft-das-Handtuch.html

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Hamburger Museen

Kritik an Kultursenatorin: „Totengräberin der Kunsthalle“

Der Ex-Kunsthallen-Chef Werner Hofmann attackiert Kultursenatorin Karin von Welck. Der Streit in Hamburgs Museumspolitik geht in eine neue Runde.
http://www.abendblatt.de/hamburg/article1560145/Kritik-an-Kultursenatorin-Totengraeberin-der-Kunsthalle.html

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Hamburg: Kulturpolitik

Ein Tornado ungelöster Konflikte

Von Till Briegleb | 20.07.2010, 17:07 | Sueddeutsche Zeitung
Museumsreform, Elbphilharmonie, Gängeviertel: Hamburgs zurückgetretene Kultursenatorin Karin von Welck hinterlässt einen Scherbenhaufen mehr

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medienwatch.wordpress.com | medienwatch.de | meta-info.de | fotos: »satyr-quell(e)« rathaus-foyer-hamburg 09 + kunsthalle wird raThaus, »midas + andere t(h)ore 09« jörg stange, gunnar f. gerlach gfok kunstarchiv

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März 23, 2010 at 12:45

FRISE Künstlerhaus Hamburg präsentiert: Vom Ursprung der Welten

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kp-2.

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Die Ausstellung “Vom Ursprung der Welten” in der FRISE erlaubt einen eher privaten Einblick in das Schaffen KP Brehmers, das von (Selbst-)ironischer Distanz geprägt war und den Gestus des Künstlers zu Gunsten einer inhaltlich, politischen Botschaft abzustreifen suchte. Sie widmet sich den Hintergründen für den Werkkomplex “Seele und Gefühl eines Arbeiters”, den er auch in eine musikalische Partitur übersetzte, den (Vor-)zeichnungen zu seinen Editionen und Auflagen aus den 70ziger und den 80ziger und den Filmtagebüchern aus den 80ziger Jahren.
KP Brehmer lehrte von 1971 bis 1997 an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg.

Ursprünglich sollte “Vom Ursprung der Welten” eine geplante umfangreiche Werkschau in der Kunsthalle ergänzen, die aber aus Kostengründen verschoben werden musste. Wir haben uns entschlossen die Ausstellung trotzdem zu realisieren – gewissermaßen als Vorspann. “Vom Ursprung der Welten”, ist ein Anfang im Künstlerhaus FRISE und wir freuen uns darauf, dass es in Hamburg hoffentlich bald mehr von einem Werk zu sehen gibt, dessen erstaunliche Aktualität und politische Hellsichtigkeit in den Jahren seit KP Brehmers Tod 1997 nicht verloren gegangen ist.

Die Forderung nach einer Demokratisierung der Kunst, die ihr Bewusstsein veränderndes Potential als Instrument des kritischen Widerstands begreift, hat im vergangenen Jahr in Hamburg eine Renaissance erlebt. Mit dem Untertitel “Kunst – Politik und was daran persönlich ist”, soll diese Ausstellung auch eine Verbindung zum aktuellen, (kunst-)politischen Diskurs in Hamburg herstellen. Ausgerechnet hier haben die Künstler mit ihrer Forderung “Recht auf Stadt” im vergangenen Jahr vehement politisch Stellung bezogen. Auch bei der Istanbul Biennale im vergangenen Jahr ging es unter dem Titel der :“Denn wovon lebt der Mensch”, um die politische Dimension der Kunst. Kein Zufall wohl, das die Werkgruppe “Seele und Gefühl eines Arbeiters” und andere Werke KP Brehmers dort wegweisend vertreten waren.

KP Brehmers Versuch die kommerziellen Strukturen der Kunstverwertung durch unlimitierte oder falsch deklarierte Auflagen, Andrucke und Sonderausgaben zu unterwandern, soll in dieser Ausstellung weitergeführt werden. Analog zu der Kunstpostkarten Edition von 1964/66: Serie I., in der es heißt: “Meinen Freunden in´s Poesiealbum geschreiben, nicht Eurem Kunstproduct sondern dessen Abbildung gehört die Zukunft. Werft Eure Paletten auf den Misthaufen. Laßt Eure Producte in Druckmaschinen rotieren. Die Kunstpostkarte in jedes Haus! Chagall, Beuys, Vostell über alle Mädchenbetten! (Aus den kleinen Manifest der Kunstpostkarte)… wird zu der Ausstellung im Künstlerhaus FRISE eine Edition von 12 Kunstpostkarten zu einer Werkfassung des Komplexes: “Seele und Gefühl eines Arbeiters” (undatiert) herausgegeben.

Ganz im Sinne des Erfinders lassen sich die 12 Karten im “do it yourself” Verfahren zu einem Werkblock KP Brehmers zusammenstellen. Unser Dank gilt besonders: Sebastian Brehmer, Anna Brenken, Gunnar F. Gerlach und allen, die an dieser Ausstellung mitgewirkt haben.

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Zu dem Werkkomplex “Seele und Gefühl eines Arbeiters” werden wir eine Postkarten-Edition mit einer Auflage von 50 Stück herausgeben, die 12 Karten ergeben zusammen gesetzt eine Arbeit.

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Fotos: Jörg Stange, gfok

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Eröffnungsrede Gunnar F. Gerlach (Fragment)

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«Tagebuchfilm» KP Brehmer

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.Claus Böhmler

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Super 8 Überblendung: Carl Vogel zu Besuch bei KP Brehmer in seiner Datscha in Vietze

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Oskar Schlemmer, Triadenballet

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»Tagebuchfilm« KP Brehmer, Datscha in Vietze

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«Chat Noir» KP Brehmer

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Vogel-Notation(en)

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KP Brehmer …eigendtlich bin ich Surrealist.

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KP Brehmer

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Kunst – Politik und was daran persönlich ist

KP Brehmer

Eröffnung: Mi. 3. März ab 20 Uhr _ es spricht Gunnar F. Gerlach
Ausstellung vom 3. März 2010 – 28. März 2010
Öffnungszeiten: Sa & So, 16-19 Uhr und nach Absprache
Filmabend: Mittwoch, den 10. März 20 Uhr
KP Brehmers Filmtagebücher und andere Filme, mit einer Einführung von Gunnar F. Gerlach und einem anschließenden Gespräch.
Gesprächsrunde: Mittwoch, den 24. März 20 Uhr
“Kunst und Politik und was daran persönlich ist…” Positionen des aktuellen, politischen Engagements der Künstlerinnen in Hamburg.
Eine Gesprächsrunde mit Christine Ebeling, Michel Chevalier u. a.

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Gustav Courbet: Ursprung der Welt => [::]

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Judith Hamann, Sabine Mohr, Christine Ebeling, MIchel Chevalier

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Michel Chevalier | durch anklicken lesbar

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vergrössern: anklicken

Auf der „Dadamesse“ waren Dadaisten aus Köln, Dresden, Zürich und Paris beteiligt. => [::] MoMa =>[::]


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Michel Chevalier

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.durch anklicken lesbar

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http://www.frise.de/cms/3-0-Aktuell.html

Homepage: www.kpbs.de
Kontakt: Sabine Mohr
Tel.: 040 – 45 55 (14 Uhr)

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Vortrag Gunnar F. Gerlach

[Filmabend: Mittwoch, den 10. März 20 Uhr | Teil 2]

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Weiteres BildMaterial wird eingestellt. (Vortrag Gunnar F. Gerlach in Bearbeitung)

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Weiterführende LInks:

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“Sicht-Agitation!“ = Schlüsselbilder und Bilderschlüssel + Ohne Metapher + etc.

https://medienwatch.wordpress.com/2009/05/26/sicht-agitation-schlusselbilder-und-bilderschlussel/

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Das Was ist das Schwierigste

https://medienwatch.wordpress.com/gerhard-richter-das-was-das-schwierigste-ist/

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Kritisches Denkvermögen gefordert

Von GUNNAR F. GERLACH – Er war ein politischer Künstler im besten Sinne: KP Brehmer. Dies würdigte schon die documenta 1972 in Kassel, als sie ihn im Eingangsbereich des Museums Fridericianum präsentierte – mit seiner für Furore sorgenden Arbeit „Korrektur der Nationalfarben“ (gemessen an der Vermögensverteilung):

https://medienwatch.wordpress.com/kp-brehmer-kritisches-denkvermogen-gefordert/

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https://medienwatch.wordpress.com/2009/04/13/klimaabend-noroomgallery-prasentiert-arche-archive-ein-klimaabend-mit-mojib-latif-und-gunnar-gerlach/

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Richard Hamilton: Die Welt neu ordnen

[::] Im Geiste Duchamps entstanden reziproke Readymades. Wahrnehmungs-Umkehrungen und Kontext-Verschiebungen sind auch das Thema der druckgrafischen Bearbeitung. Damit wählte Hamilton Techniken, die seinen Analysen und Inhalten bis heute entsprechen. Das erklärt, warum er für Künstler Vorbildcharakter erhielt. Künstler, für die Gestaltung stets ein Synonym von Politik war, wie u. a. KP Brehmer, konnten ihre Haltungen von der Reflexionslinie Duchamp-Picabia-Hamilton-Cage ableiten. Der Eingriff in die Wahrnehmung bezieht sich dennoch mit Achtung und Selbstironie auf die Geschichte der Kunst selbst. Hamiltons Bearbeitungen des Nordirland-Konflikts bezeugen das so nachdrücklich wie seine Studien zu Velazquez’ “Las Meninas”, die er durch den analytisch-kubistischen Blick Picassos bricht und erweitert [..]

https://medienwatch.wordpress.com/2009/02/02/richard-hamilton-die-welt-neu-ordnen/

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KUNST
Deutsche Werte | Spiegel  21.06.1971
Der Berliner Graphiker KP Brehmer, der mit seiner Kunst eine „Visualisierung politischer Prozesse“ anstrebt, wird erstmals in einer großen Einzelausstellung vorgestellt:

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Herbert Marcuse (1955)

dradio-Wissen = Hör-Bar/Hör-Saal:

»Gleichgültigkeit der Kultur«

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arte-tv | foto: jst-gfg gfok

Montag, 12. April 2010 um 23.40 Uhr

Wiederholungen:
15.04.2010 um 04:25

Der Ursprung der Welt

ARTE F
Regie: Jean-Paul Fargier

Die Dokumentation erzählt, wie eines der geheimnisvollsten Werke der westlichen Kunst entstand, verschwand und wieder auftauchte.

1866 malte Gustave Courbet das „nackteste Nacktbild“ der Kunstgeschichte, den Schoß einer Frau. Der detailliert dargestellte Torso einer liegenden Frau, die weibliche Genitalregion im Zentrum des Bildes schockierte den Kunstbetrieb bis ins Mark, ein solch obszönes Manifest eines schonungslosen Realismus hätte man selbst dem realistischen Großmeister Courbet nicht zugetraut. Folgerichtig verschwand das Bild für lange Jahre vor den Augen der Öffentlichkeit. 1995 wurde es in die Sammlung des Pariser Musée d’Orsay aufgenommen, und auch wenn es nicht mehr in dem Maße schockiert, es provoziert nach wie vor.
http://www.arte.tv/de/programm/242,dayPeriod=evening.html#anchor_3111160

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Montag, 12. April 2010 um 00.10 Uhr

Wiederholungen:
Keine Wiederholungen

Gustave Courbet, die Ursprünge seiner Welt

(Frankreich, 2007, 52mn)
ARTE F
Regie: Romain Goupil
Stereo 16:9 (Breitbildformat) Nativ HD

Diese Dokumentation spannt den Bogen von Courbets großem Genrebild „Ein Begräbnis in Ornans“ bis zu seinem wohl bekanntesten Gemälde „Der Ursprung der Welt“. Sie beleuchtet die Auseinandersetzungen mit seinen Feinden und Neidern ebenso wie sein Engagement in der Pariser Kommune. Dabei stellt das filmische Porträt den „Maler des Wahren“ in den Mittelpunkt, den Künstler, der mit den ästhetischen Regeln seiner Epoche brach und die Kunst von der ihr zugewiesenen Rolle freimachte.

Schritt für Schritt zeichnet diese Dokumentation über den französischen Maler Gustave Courbet dessen Hinwendung zur realistischen Darstellung nach. Sie versucht das Wesen seiner Malerei zu erfassen, indem sie in einzelnen Werken inhaltlichen wie materiellen Details nachspürt. Sie sucht die Orte auf, die Courbet prägten, und verdeutlicht parallele Entwicklungen in der bildlichen Darstellung wie Daguerreotypie und Fotografie. Ähnlich wie der Maler, der mit diesen Verfahren zu jonglieren wusste, seine Modelle fotografierte und seine Gemälde serienweise reproduzierte, benutzt Filmemacher Romain Goupil Karikaturen und Stiche, die Courbet als Figur des öffentlichen Lebens zeigen.
Wie ein roter Faden zieht sich eine Stimme aus dem Off durch den Film, die Zitate aus Courbets zahlreicher Korrespondenz liest. Darin verleiht er immer wieder seinen Zweifeln und Schwierigkeiten Ausdruck, erläutert seinen künstlerischen Standpunkt, fordert und beklagt sich, äußert seine Hoffnungen und rühmt sich seiner Erfolge.
Eine zweite Stimme kommentiert Courbets kunst- und gesellschaftskritische Positionen. Zwar nimmt der heutige Betrachter den bilderstürmerischen Elan des Malers kaum noch wahr. Doch Courbet brach mit den künstlerischen Konventionen, indem er sich ihrer ebenso gekonnt, wie ironisch bediente. Damit befreite er die Kunst von der ihr zugewiesenen Rolle. Auch die Geschichte des aufsehenerregenden Bildes „Der Ursprung der Welt“, die Polemik um dieses Gemälde und sein Schicksal werden behandelt. Darüber hinaus geht es um Courbets Engagement in der Pariser Kommune und die anschließenden juristischen Konsequenzen.
Eine dritte Off-Stimme macht sich zum Sprachrohr der Angriffe, denen der Maler ausgesetzt war. Von seiner Ankunft in Paris bis zu seinem Tod war er immer wieder Zielscheibe heftiger Anfeindungen. Diese Tatsache weist indirekt auf die Tragweite der von Courbet bewirkten Veränderungen in der Malerei hin.

Das Künstlerporträt verknüpft zwei Ebenen: zum einen die visuelle mit Gemälden, zeitgenössischen Fotografien, Selbstporträts, Karikaturen und Bildern der von Courbet gemalten Orte und zum anderen die klangliche Ebene mit Courbets Briefen, seinen theoretischen Positionen und den Argumenten seiner Kritiker.
http://www.arte.tv/de/programm/242,day=3,dayPeriod=night,week=15,year=2010.html

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FSK-Radio zum Thema | 23.07.2010

„Diktatur und Krieg haben den künstlerischen Aktivismus in Mitteleuropa, wie er mit dem Dadaismus begann, vernichtet.

Durch den Strom des Exils verschob er sich auf den amerikanischen Kontinent.
Dieser Band beleuchtet den Avantgardismus im frühen 20. Jahrhundert anhand der Fotografie, des Tanzes, surrealistischer Gruppierungen etc., um sich dann dessen Weiterentwicklungen bis in die jüngste Vergangenheit zuzuwenden.
Die Beiträger/-innen, darunter Theoretiker und Künstlerinnen aus New York, lassen die kulturellen Differenzen zwischen Europa und den USA verstehbar werden und zeigen, dass Avantgarde und politischer Aktivismus aufs Engste zusammengehören.

Lutz Hieber ist Professor für Kultursoziologie an der Leibniz Universität Hannover. Seine Forschungsschwerpunkte sind Kultursoziologie, Soziale Bewegungen, Soziologische Theorie und Queer Theory.“

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1. Teil des Interviews (Hauptteil) Download Anhören
Länge 46:57 Minuten
Name/Größe 20100723-quotavantg-35201.mp3 / 44024 kB
Dateiformat MPEG-1 Layer 3, 128 kbit/s, Stereo, (44100 kHz)
Datum 23.07.2010/17:07

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2. Teil des Interviews  Download = http://www.freie-radios.net/mp3/20100723-quotavantg-35202.mp3

http://www.freie-radios.net/35201

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medienwatch.wordpress.com | medienwatch.de | meta-info.de

Bilder + Exponate von Anna Brenken, Sebastian Brehmer | Fotos/Videos+Ei-gif.Animation: Jörg Stange, Gunnar F. Gerlach gfok [aktive archive] Brehmer 1978  Filmtagebuch (4 Jahre)

Written by medienwatch & metainfo

Februar 25, 2010 at 16:24

Gunnar F. Gerlach: 1969 Die erneute Erwartung des eingeborenen Menschensohnes

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Gunnar F. Gerlach

1969: Die erneute Erwartung des eingeborenen Menschensohnes

Ein Versuch über Erfindung und Realität von Mythen und Missverständnissen in Pop, Kultur und Politik zwischen Hoffnung und Horror

„Man beginnt allmählich einzusehen, daß zur künstlerischen Vollendung einer Mordtat doch etwas mehr gehört als zwei Dummköpfe, einer, der tötet, und einer, der getötet wird, ein Messer, eine Brieftasche und eine dunkle Gasse. Formgebung, meine Herren, Sinn für Gruppierung und Beleuchtung, poetisches Empfinden und Zartgefühl werden heute zu einer solchen Tat verlangt.“

Thomas De Quincey, „Der Mord als eine schöne Kunst betrachtet“, 1827/1854

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„Ja, ja, ja, ja, nee, nee, nee, nee“

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27. März 1969: Fluxus-Konzert „…oder sollten wir es verändern?“ Joseph Beuys: Klavier; Henning Christiansen: Geige; Städtisches Museum, Mönchengladbach

Bereits das Aufschreiben des von Legenden umwobenen Jahres 1969 gleicht mittlerweile der Erwähnung eines Mythos aus bedeutender Zeit zwischen Schauen und Schaudern: befangen in emotionalen Zwillingspaaren von „Euphorie und Exzess“, „Pop und Politik“, „Aufbruch und Untergang“, „Hoffnung und Horror“. In der Tat gehören die nur im fließenden Übergang zu begreifenden Jahre 1968/69 in den Bereich jener historisch-wissenschaftlichen Kategorie der „Schwellenzeit“, die durch ein Höchstmaß irritierender Vorgänge, Prozesse und Realitäten in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen gekennzeichnet ist und evidente Aus- und Nachwirkungen bis in die aktuelle Gegenwart zeitigt. Wer denkt schon an eigene, erinnernde Zusammenhänge zwischen dem „White Album“ der Beatles und dem kongenialen Künstler Richard Hamilton als Gestalter von Cover und Poster dieser Inkunabel, der psychedelisch-konzeptuell werdenden Musik der scheinbar so heiter surfenden Beach Boys, dem Altamont-Debakel der Rolling Stones während der Live-Performance von „Under my Thumb“ und der Parallelität von ‚Love, Peace and Happiness‘ während des Woodstock-Festivals mit der begleitenden Realität einer Mordserie, die Charles Manson in Los Angeles mit seiner „Family“ inszenierte und realisierte? Alles dies geschieht in weniger als einem Jahr, und ist auf reale bis surreale Art und Weise miteinander verstrickt . Wer registriert schon mit Bewusstsein die in den letzten 30 Jahren entstandenen (Pop-)Kulte und Manson bezogene Medien: T-Shirts, Poster, Anstecker, Aufnäher und Bücher, die Internetpräsenz neben Publikationen im Audio- und Video-Bereich, und weiß darum, dass Charles Manson den Rekord als Strafgefangener mit den meisten E-Mails, Briefen und Grußkarten hält? Dieser Komplexität der parallelen Ereignisse gerecht werden zu wollen, kann im folgenden nur als Versuch begriffen werden, einzelne Segmente zu betrachten, um sie in einer oszillierenden Horizontlinie begreifen zu lernen.

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Tatorte, Tote und Trivialmythen

Schwül soll es gewesen sein in dieser Nacht vom 8. auf den 9. August 1969 als auf der schmalen Straße am Cielo Drive, Haus 10 050, oberhalb von Bel Air, Los Angeles, an einer Ecke der Garage und dem Zaun elektrische Weihnachtskerzen leuchteten. Von der Schauspielerin Candice Bergen waren sie angeschafft worden, die bei dem vorherigen Mieter des Anwesens, Terry Melcher, Sohn der Schauspielerin Doris Day mit dem Posaunisten Al Jordan, gewohnt hatte. Terry Melcher, Mitorganisator des Monterey Pop Festivals (das als Durchbruch der neuen Rockmusik angesehen wurde), Fernseh- und Plattenproduzent, wurde 1968 durch den Schlagzeuger der Beach Boys, Dennis Wilson (1944–1983), mit einem gewissen Charles Manson bekannt gemacht. Nun waren hier, im Sommer der euphorischen Jugend-, Studenten- und Außenseiter-Bewegung von Woodstock, über der Lichtdurchfluteten „Stadt der Engel“ fünf Leichen zu finden. Eine Vision hatte sich zum Trauma gewandelt, denn drei Mädchen aus “gutem Hause“ waren in diesen Bungalow eingefallen und „metzelten alle in einem Mordrausch nieder, der wahrhaftig nur mit der Raserei mythischer Bacchantinnen zu vergleichen war“1. Eines der Opfer war prominent: Die Frau des Kult-Regisseurs Roman Polanski, die mittlerweile zur Neu-Ikone Hollywoods avancierte Schauspielerin Sharon Tate. Die Getötete, bekannt geworden durch die Filme „Tanz der Vampire“ und „Das Tal der Puppen“, lag nun im geblümten BH und dazu passendem Bikini-Höschen blutverschmiert vor dem Sofa: jung, blond, hochschwanger.

Diesem als „Schlachthaus“ beschriebenem Horror-Szenario folgte ein weiteres in der folgenden Nacht. Das Ehepaar LaBianca – Supermarktbesitzer, wohnhaft im Haus 3301 Waverley Drive in Los Angeles – wurde ebenfalls abgeschlachtet. An der Tür der gemieteten Villa von Polanski und Tate hatte die blutige Inschrift „PIG“(Schwein, Slang für ‚Bulle‘) gestanden. Der tote Mr. LaBianca bekam ins bloße Fleisch das Wort „War“ (Krieg) geritzt. Mit Blut geschriebene Inschriften fanden sich an drei weiteren Flächen im Haus: Hoch oben an der nördlichen Wand standen die Worte „DEATH TO PIGS“ (Tod den Schweinen), an der gegenüberliegenden Wohnzimmerwand klebte blutig das Wort „RISE“ (erhebt Euch) und auf der Kühlschranktür standen zwei Worte, von denen das erste auch noch falsch geschrieben war: „Healter Skelter“ – Drunter und Drüber!

Sollten diese Schmierereien, die heute, zynisch betrachtet, wie frühe Graffitis und alternative Fresken wirken, nur „Zufalls-Produkte“ einer durchgedrehten Band(e) sein, die das Schutzschild „Hippie“ und „Revolte“ ohne jegliche Reflexion, aus reiner mordender Blutgier vor sich hertrugen? Und waren die in diesem Umfeld ventilierten Namen und Begriffe wie „The Beatles“, „fünfter Beatle“, „Jesus Christus“, „Weathermen“, „Hitler“, „Sympathy for the Devil“, „Revolution 9/Revelation 9“ bloße Hirngespinste oder kurz geschlossene (von Mythen, Sozialisationen, Drogen, Narzissmen und Verzweiflungen ausgelöste) Aktionen und Pseudo-Performances einer gegen die Eiseskälte des US-amerikanischen Kapitalismus reagierenden, jungen Generation? Produkte genau dieser gesellschaftlichen Entwicklung zwischen Hoffnung, Hype und Horror, Super-Luxus oder einem Leben „Under the Bridge“?

Das in dieser Zeit ein neues Bewusstsein am Werden war, eine neue Sensibilität und Sensitivität genauso, wie die Verheißung dionysischen Rausches durch die Kombination aus „Sex & Drugs & Rock’n Roll“ kombiniert mit politischen Reflektionen und neuen, alltagstauglichen Praktiken zwischen Rock-Musik und Mini-Rock, gegen eine narzisstische, auf Karriere, Konkurrenz, Kampf und auch individuellen Krieg hin erzogene, vermeintliche Elite, ist eindeutig.

Rudolf Herz: ZUGZWANG 

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Mord, Musik und Manson

Charles Milles Manson kam 1968 nach Los Angeles und hatte bereits die Hälfte seines Lebens in Besserungsanstalten verbracht. Als uneheliches Kind zur Welt gekommen hatte er bis 1967 bewaffnete Überfälle, Autodiebstähle, Scheckfälschungen und Zuhälterei als Delikte begangen. Während seiner letzten Haft im Gefängnis Terminal Island hatte er eine geradezu obsessive Liebe für die Beatles entwickelt und sich autodidaktisch das Gitarre spielen und Song schreiben beigebracht. Jetzt, nach seiner Entlassung, war er in San Francisco in der Haight-Ashbury-Szene untergekommen, wo er sich von den anderen Freaks in Aussehen und Haltung nicht unterschied. Hier „begann er auch, seine ‚Family‘ um sich zu scharen – junge attraktive Mädchen, nicht selten aus besserer Familie, alle mit dem einen oder anderen psychischen Knacks und entsprechend empfänglich für die Schmeicheleien eines ernsten, charismatischen ‚Hippies’“.2 „Just follow the music, just follow the sound“ ist auf einem der von Manson und der Family komponierten Folk-Rock-Songs zu hören.3 Mit der wachsenden Gefolgschaft junger Frauen, die von der „Philosophie“ des ehemaligen Zuhälters beeindruckt waren, wuchs bei Manson eine rassistische Ideologie mit seinem Anspruch auf Führerschaft und die Vision einer neuen Welt. Und auch seine „Family“ wurde nun autoritärer geführt. Seine Auffassungen waren ein religiös-politischer und musikalischer Mischmasch aus biblischer Offenbarung, Scientology, Interpretationen von Beatles-Kompositionen (besonders vom im November 1968 erschienenem „White Album“) und eigenen Song-Texten über einfachste zwei- bis drei- Akkord „Hippie-Lagerfeuer-Klampfen-Lieder“ mit pseudo-engelsgleichen Hintergrundgesängen seiner weiblichen Todesengel.

elena-kovylina-2008-220p-jstManson zog in der Hoffnung auf einen Plattenvertrag mit seiner Familie nach L.A., wo sich Folgenschweres ereignete als der Drummer und Sänger der damals schon legendären „Beach Boys“, der 1983 verstorbene, depressive Dennis Wilson, zwei Anhalterinnen der Manson-Family in sein Haus am Sunset Boulevard mitgenommen hatte. Als Wilson eines Tages vom Einkaufen nach Hause kam, war plötzlich Charles Manson mit der ganzen „Family“ bei ihm eingezogen. Manson und Wilson sollen sich gut über Musik unterhalten haben und spielten gemeinsam Gitarre, begannen sogar zusammen Songs zu schreiben. Wilsons Brüder, Brian und Carl, produzierten davon ein Demo-Band und machten Manson mit dem Produzenten Terry Melcher bekannt. Eben jenem vormaligen Mieter des späteren Schlachthauses am Cielo Drive 10 050. Melcher jedoch soll die Musik von Manson verspottet haben. Eine seiner Kompositionen, „Cease to Exist“, schaffte es 1969 dennoch auf die B-Seite einer Beach-Boys-Single. Das Lied, für 100.000 Dollar abgekauft, wurde zum Zorn Mansons stark verändert und erschien unter dem Titel „Never Learn Not to Love“.

Okkultismus und vermeintliche Avantgarde waren eine unselige Gemeinschaft geworden und Manson und seine Hippie-Rock-Band „The Family“ zogen sich auf die Spahn Movie Ranch zurück, die etwas abseits im Norden von Los Angeles gelegen war. Er verkündete seinen JüngerInnen christusgleich von seiner Vision eines schwarzen Aufstandes gegen die Weißen. Auf Grund ihrer Rasse seien sie jedoch nicht fähig, sich selbst zu organisieren und würden ihn daher zu ihrem neuen Führer wählen und zum Herrscher über die Welt machen. Unter dem Death Valley (Tal des Todes), rund 400 km von der Spahn-Ranch entfernt, sei „The Hole“, eine Höhle als Eingang zum Paradies, in der man sich vor den zukünftigen Unruhen verstecken könnte und später würden alle vom neuen „Menschensohn“ (Man Son) und den Beatles – den vier Engeln – in die Seligkeit geführt. Schlüsselwort für diese Phantasterei war „Helter Skelter“, seine Hommage an einen Song vom „Weißen Album“, „dessen Text er völlig ungebrochen als persönliche Botschaft der Beatles interpretierte, als Bestätigung seiner apokalyptischen Vision“.4

Aber Helter Skelter ließ auf sich warten. Manson verkündete nun, dass man den Negern zeigen müsse, wie man das macht. Am 8.8.1969 brachen dann Patricia Krenwinkel, Tex Watson, Susan Atkins und Linda Kasabian auf zum Cielo Drive. Die bizarr-tödliche Melange aus Wahn und Wirklichkeit kurz vor Woodstock (14.-17.8.1969) wurde zu einer Realität analog zu der Szenerie, die der Dramatiker Heiner Müller (mit Bezug auf seine eigene Biografie und Andy Warhols Kunstpraxis) am Ende seiner „Hamletmaschine“ mit Hinweis auf die „scaring phonecalls“ von Susan Atkins beschrieben hatte: „Es lebe der Hass, die Verachtung, der Aufstand, der Tod. Wenn sie mit Fleischmessern durch eure Schlafzimmer geht, werdet ihr die Wahrheit wissen“.5 Wie bei einem Hitler, analysierte der einstige Manson-Ankläger Vincent Bugliosi, sei hier der verhinderte Künstler-Ehrgeiz in Vernichtungswut umgeschlagen6 als Manson seinen ‚Judgement day‘ plante und ausführte: „All You Need Is Love“ und „Revolution“ der Beatles waren ins Gegenteil verquert und in eine grausame „Magical Mystery Tour“ (im Dezember 1967 erschienen) umgeschlagen. Mit dem Titel „Piggies“ vom „White Album“ waren von George Harrison die feisten Bürger gemeint, die in ihren „gestärkten weißen Hemden“ mit ihren „Piggie-Weibchen“ zum Dinner gehen und mit „Gabel und Messer ihren Speck verzehren“. Im fröhlichen Original-Song heißt es: „In ihrem Leben fehlt etwas//was sie brauchen ist eine Tracht Prügel“. Und DEATH TO PIGS und PIGS stand an den blutigen Tatorten. Und eine Gabel steckte im rundlichen Leib des Opfers Leno LaBianca.

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Charles Manson, der sich selbst als verborgenen „fünften Beatle“ sah, hielt sich jetzt auch für den „fünften Engel“ bezogen auf das 9. Kapitel der biblischen Offenbarung des Johannes, jener Apokalypse, die das Neue Testament mit einer Vision des Grauens beschließt und die Wiederkehr des eingeborenen Menschensohnes, Jesus Christus, beschwören sollte: „Und der fünfte Engel…tat den Brunnen des Abgrundes auf,…und es ward verfinstert die Sonne… und es ward ihnen gesagt, dass sie nicht sollten Schaden tun dem Gras auf Erden…, sondern allein den Menschen, die nicht haben das Siegel Gottes an ihren Stirnen…“7 Nach Mansons Meinung waren die vier Engel die Beatles, die Führer, Sprachrohre und Propheten. Und für Susan Atkins, die die ausgeführten Morde als „schön“ empfunden haben soll8, wie für die beiden anderen Jüngerinnen, bedeutete das schützende Kreuz das „Siegel Gottes“, das sie sich noch im Gefängnis mit heißen Nadeln in die Stirn ritzten – Tattoos als bekennende Insignien der Leidenschaft.

Die gefährdete Phantasie zwischen „Surrealismus und Terror“9, mit der der selbsternannte, neue Menschensohn Man Son, seine „Family“ beeindruckte, war Wirklichkeit geworden. Da war sogar die „bottomless pit“, der „Brunnen des Abgrunds“ in der kalifornischen Wüste des Death Valley Realität. Und der Name der Band(e) schien dem harmoniesüchtigen Zeitgeist harmlos eingeschrieben, wie die Namen so vieler anderer Bands: Sly and the Family Stone, Frank Zappa and The Mothers of Invention. Mansons Weltgerichts-Phantasie war dem Zeitgeist der Rock- und Pop-Bewegungen auf den Leib geschneidert und wie viele parallele Irrläufer der Zeit in den Bannkreis von Satanismus und schwarzer Magie geraten. Aus einem berechtigten Aufruhr gegen die kapitalistische Oberschicht und ihren ökonomischen Interessen geschuldeten, eigenen Exzessen in Vietnam und gleichzeitigen rassistischen „Riots“ (Unruhen) in „Gods Own Country“ war ein Alptraum erwachsen – ein Aufbruch in Dimensionen der anderen Art.

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Hintergründe, Hipsters und Halluzinogene

Es ist kein Zufall, dass die afro-amerikanische Band „The Versatiles“, die für den ‚California Soul` stand, ihren Durchbruch im Bereich der Pop-, Soul- und Rock-Musik erst mit dem Song „Up, Up and Away“ feierte und in diesem Moment „The Fifth Dimension“ hieß. Weltberühmt wurde sie 1969 durch ihre erfolgreiche Medley-Adaption aus dem bis heute populären Musical „Hair“: „Aquarius & Let the Sunshine in“. Der vermeintliche „Summer of Love“ war durch pop- und rockmusikalische, poetische und politische Werke und Akte längst in die Realität kapitalistisch günstiger Verkaufszahlen transformiert worden. Das der „fünften Dimension“ zugehörige Album der gleichnamigen, erfolgreichen Gruppe hatte bezeichnenderweise den Titel: „The Age of Aquarius“ – das Zeitalter des Wassermanns. Dieser Titel ging, dem Zeitgeist geschuldet, schwanger mit der Hoffnung auf eine völlig neue gesellschaftliche Praxis, die in den bis dahin konservativen Kategorienbildungen in Alltag, Politik, Kunst und Musik und ihren strengen Abgrenzungen, keine Möglichkeit auf Gegenwart und Zukunft mehr sah. Den revoltierenden Gedanken aus dem Geist der deutschen Romantik verpflichtet bis hin zur Verehrung Hermann Hesses – und hier besonders dem Protagonisten Harry Haller in seinem „Steppenwolf“ (die nach diesem Roman gleichnamig benannte Band „Steppenwolf“ um den ursprünglich deutschstämmigen John Kay, spielte harten Rhythm & Blues mit rockigen Einflüssen: „Born to be Wild“!) – hatte eine Generation die Vision, Klassenschranken nieder zu reißen und scheinbar antagonistische Elemente miteinander zu verknüpfen: Esoterik mit Politik, „Sit In“ mit „Action“, elektrisch verzerrte Instrumente (zumeist Gitarre und Bass) mit poetischen, romantischen und realistischen Weltbeschreibungen (die Poeten der Beat-Generation in den USA, in Deutschland die Apologeten der so genannten 68er), innere Emigration (Natur, Liebe, Weltabgewandheit, Gurus) und Heldentum der Revolte auf der vermeintlich proletarischen Straße der universellen Revolte (The Rolling Stones und ihr legendärer Hit „Street Fighting Man“).

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Diese Kombination aus Religion, Poesie, Esoterik, politischer Praxis (auch aus dem Geist der Gegner Bakunin und Marx/Engels), Rausch und Ekstase für die nicht nur alltägliche, sondern auch zukünftig erwünschte Lebenspraxis, wurde prägend für diese Zeit. Nach der Auffassung damaliger Esoteriker, Okkultisten und anglo-indischen Theosophen (heute: New Age-Anhängern) stand damit die zweite Hälfte des so grausamen 20. Jahrhunderts im „Wassermann-Zeitalter“. Das Symbol sowohl des gleichnamigen Tierkreiszeichens als auch des Sternbildes ist die doppelte Wellenlinie. Sie sollte nach zeitgenössischer Auslegung Schwingungen und Elektrizität (ähnlich dem Zeichen für Wechselspannung) zeigen. Gemäß dieser Auffassung trat vor ca. 2150 Jahren der Frühlingspunkt in das Sternbild der Fische. Für die Hippiekosmologie war Jesus von Nazareth, der Verkünder einer neuen Zeit, in der die Liebe als menschliches, mikrokosmisches Abbild der Sonne die Herrschaft über die Menschen gewinnt: „Love, Peace and Happiness“ in Ansehung eines neuen Zeitalters aus Geschlechter- und Klassen-Harmonie, aus vermeintlich körperkultureller Nacktheit und revolutionärem Kampfgeist. Timothy Learys Buch und Theorie einer „Politics of Extasy“, unter Einfluß psychedelischer, bewusstseinserweiternder Drogen wie LSD und Psylocibin, Marihuana und Haschisch geschrieben, sowie Theorien über das neu zu bestimmende Verhältnis von Sexualität und Gesellschaft im politischen Kampf speisten diese heterogenen Vorstellungswelten. In der äußerst anregenden und erhellenden Einführung von Christoph Grunenberg im Katalog „Summer of Love – Psychedelische Kunst der 60er Jahre“ beschreibt der Autor diesen Sachverhalt im Kapitel „Politik der Ekstase: Kunst für Geist und Körper – Von ‚psychodelisch‘ zu ‚psychedelisch’“ wie folgt: „Timothy Leary, oberster Guru des LSD-Kults und laut Präsident Nixon ‚der gefährlichste Mann in Amerika‘ (…) erklärte sich bescheiden zum ‚Sprachrohr‘ und fragte: ‚Sind wir über Messiasse und Märtyrer nicht hinaus?‘, während er gleichzeitig am New Yorker Village Theater als ‚Reinkarnation Christi‘ angekündigt wurde. Veranstaltungen der von Leary gegründeten League of Spiritual Discovery (L.S.D.) kombinierten religiöse Zeremonien mit psychedelischen Lightshows und offenbarten den stark spirituellen Aspekt in Learys Lehre, die eine Art Ersatzreligion für eine säkularisierte, materialistische Gesellschaft bot. Für Leary waren ’spiritual discovery‘ und politische Opposition eng miteinander verknüpft. Gleichzeitig lehnte er die Politik als irrelevant ab und vertrat die Auffassung, eine radikale Veränderung des ‚Systems‘ sei nur durch fundamentale Bewusstseinsveränderung möglich. (…) Trotz seiner messianischen Auftritte repräsentierte Leary die ‚kultivierte‘ Seite der psychedelischen Bewegung (…).“10

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Aber auch innerhalb der Bewegung existierten folgenreiche Antagonismen. Der anarchische Hedonismus, u. a. eines Ken Kesey und seinen Merry Pranksters, wollte durch spielerische Experimente mit Drogen bis zum Wahnsinn und ostentativer Extrovertiertheit provozieren und durch Tabubrüche gezielt Empörung hervorrufen. Mit einem kaum voraus zu ahnendem Paukenschlag sollte das mythisch verbrämte und bis heute legendärste Festival aller Zeiten in Woodstock zur Ein- und Ausgangstür für die folgenden Szenarien werden. Tosende Wellen, die Europa erreichten, die politisch-philosophische Debatten erhitzten, ideologisch besetzten, und die westdeutsche Atmosphäre befeuerten. Die Schwingungen der elektrifizierten Bewegung, „Vibrations“, wurden mehr als das Kürzel des legendären Beach Boys Hits „Good Vibrations“. Es war der westdeutsche Literaturkritiker und Autor Helmut Salzinger, der in seinem bis heute gültigem Standard-Essay aus dem Jahre 1972, „Rock Power oder Wie musikalisch ist die Revolution“, die Musik-, Design-, Kunst-Welt und ihre nur dialektisch zu fassenden Verkaufsstrategien und Wirksamkeiten von Rock-Musik als einen die Gesellschaft verändernden Prozess analysierte. Er brachte ihre bis in die Gegenwart gültige Doppelbödigkeit durch einen ironisch-verzweifelten Blick zur Sprache: „Woodstock Nation bedeutet Verweigerung, bedeutet Abkehr, bedeutet Subversion. Woodstock Nation bedeutet den Bruch mit der bestehenden Gesellschaft, mit ihren Gesetzen, Traditionen, Werten und Normen.“11 Plakate und Buchtitel (wie im Falle von u. a. Rolf-Ulrich Kaiser) trugen im Jahr 1969 Titel wie „Underground? Pop? Nein! Gegenkultur!“

Irrsinn, Ideologie und Ikonographie

Neben der Ästhetik von Platten-Covern, Plakaten und Kunstwerken spricht die Ästhetik der Selbstdarstellungen und Inszenierungen der Musiker und Künstler Bände – auch für die weiteren Entwicklungen der Rock- und Pop-Musik: von John Lennon und Jim Morrison (Sänger von The Doors, Song-Titel u.a. „Break on through (to the other Side)“, „The End“) bis zu Charles Manson erscheint ein Bildtypus, der an alter, christlich-humanistischer Malerei seit der Dürer-Zeit orientiert ist und Christus als einen Weltschmerz und Weltwissen tragenden Mann zeigt, der seine Jünger und weiblichen Engel um sich geschart hat. Die männlichen Hauptdarsteller erscheinen dabei als christusgleiche Erlöser und markieren symbolisch einen Aspekt, der sich auch in den schwarz-magischen und bewusst provozierenden Songs und Texten bis in die Gegenwart fortgesetzt hat. Sie sind zu bewusst Tabubrechenden Schockmomenten geworden, die sich als Gegenkultur gewinnbringend vermarkten lassen. Die Trivialisierung der Rock-Mythen und Pop Art-ikonischen Grundmuster hatten sich in Parallel-Erscheinungen zwischen Mansons „Family“ und anderen Cliquen, Bands und Banden in der Musikbranche als werbeträchtig herauskristallisiert: „Manson mochte keinen Plattenvertrag bekommen haben, er hatte trotzdem das Zeug zum Rockstar – das wallende Haar und der Jesusbart, eine Kiste voll Songs, die schönen und unterwürfigen jungen Mädels, die ihm zuliefen und die man andernorts, etwa in Zappas Szene oder Vito Paulekas‘ Studio, als Groupie bezeichnet hatte.“12

Das Phänomen des Rockstars, in Anlehnung an die biblische Heilslehre mit dem für die Menschheit geopferten Menschensohn, wurde gesellschaftlich approbiert und reif für ein Musical: „Jesus Christ Superstar“. Als Folge von „Hair“ wurde der Mythos auf universelle Erlösung im Zeichen und Zeitalter des Wassermanns bis heute auch medien- und marktwirksam beschworen. Charles Manson erschien als Hippie-Christus am Kreuz auf Druckgraphiken und als Titelheld auf populären Magazinen vom „Tuesday’s Child“ bis zum „Rolling Stone“. Einen Kult- und Ikonenartigen Status erreichte das Cover des „Life“-Magazins vom 19. Dezember 1969 und wurde zu einer Art Markenzeichen für spätere Manson-Devotionalien.

Auch der selbst malende Rock-Performer und bekennende „Anti-Christ“ Marilyn Manson trägt bewusst seinen Namen: Nicht um seine Bewunderung für Charles Manson auszudrücken, sondern um die Extreme der US-amerikanischen ökonomischen und kriegstreibenden Realität kritisch als provokantes Statement zwischen Marilyn Monroe als Pop-Ikone und Charles Manson als Anti-Pop-Ikone zusammenzufassen. Tragik und Irrsinn des Systems werbeträchtig vermarktbarer Starkulte zwischen Pop Art und Rock Musik sollen verdeutlicht werden. Auf seiner CD „Portrait of an American Family“ (1994) veröffentlichte er ein Lied von Charles Manson: „My Monkey“.

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Die Geschichte der nachäffenden Affen im Kontext einer ernst gemeinten und berechtigten Revolte gegen den Vietnam-Krieg, rassistische Ideologien und Unruhen gegen eine ökonomisch herrschende Klasse bis hin zur ikonisch-werbeträchtigen Ausbeutung von Corporate Identities, Namen und Logos lassen sich bis in die Jetzt-Zeit fortschreiben. So, wie der Name „Charles Manson and The Family“ ins kollektive Gedächtnis eingebrannt und vermarktbar ist, kann und muss nun nach den realen Folgen der RAF und ihren buchstäblichen Transformationen in den Bereich trivialisierender Mythen und verkaufsträchtiger Ikonographisierungen gefragt werden. Deutsche Rock-Bands mit prägenden Namens-Kürzeln wie BAP und DAF hätte es ohne sie kaum gegeben. Pop-Kultur und Film-Industrie sind auch so noch immer Bestandteil einer Kulturindustrie, die „Aufklärung als Massenbetrug“ (Horkheimer/Adorno) meistbietend an Spezialisten der Genres verkauft und von ihnen lebt. Der „neue Mensch“ im Sinne eines Joseph Beuys, sollte ja nicht nur ein Rocker sein, der seinen Willen bestätigt, auch nicht nur Hippie, der sein Gefühl gutheißt, und auch kein bloßer Theoretiker, der nur Reflexion will. Er möge alle diese Kräfte in sich vereinigen. „It’s a long way to the top, if you wanna Rock’n Roll“ (AC/DC)…

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(1) Zit. nach Der Spiegel, Nr 49, 28. Jg., 2. Dezember 1974, S. 122 (ohne Angabe des Autors).

Mit dieser Ausgabe begann die vierteilige Spiegel-Serie „US-Staatsanwalt Bugliosi über den Mordfall Sharon Tate“. In Heft 49 finden sich unter der Rubrik „Deutschland“ bezeichnenderweise auch zwei Artikel über „Baader-Meinhof“: „Verwirrspiel um Terroristen“ und „Interview mit Jean-Paul Sartre über seinen Besuch bei Andreas Baader“.

(2) Michael Walker: Laurel Canyon – Im legendären Tal des Rock’n‘ Roll, Berlin 2007, S. 174.

(3) Charles Manson: „The Family Jams“, „A Gambling Man Come From Natchez“, 1970/1997.

(4) Walker 2007, S. 174.

(5) Heiner Müller, „Die Hamletmaschine“, zit. nach: Revolutionsstücke, Hrsg. v. Uwe Wittstock, Stuttgart, 1995, S. 46. Zu Müllers Erwähnung von Susan Atkins, einer der Täterinnen am Cielo Drive, vgl. Heiner Müller, „Krieg ohne Schlacht“, Köln, 1994, S. 294.

(6) Zit. nach: Der Spiegel, Nr 49, 28. Jg., 2. Dezember 1974, S. 124 (ohne Angabe des Autors).

(7) Die Bibel, Neues Testament, Die Offenbarung des Johannes.

[8] Vgl. : Spiegel, Nr. 50, 28. Jg., 9. Dezember 1974, S.110.

(9) Vgl. Karl Heinz Bohrer: Die gefährdete Phantasie, oder Surrealismus und Terror, München 1970.

(10) Christoph Grunenberg: „Politik der Ekstase: Kunst für Geist und Körper – Von ‚psychodelisch‘ zu ‚psychedelisch’“, in: Ausst.-Kat. Summer of Love – Psychedelische Kunst der 60er Jahre, hrsg. v. Christoph Grunenberg, Tate Liverpool, London; Schirn Kunsthalle, Frankfurt; Kunsthalle, Wien, 2005-2006, S. 14-15.

(11) Helmut Salzinger, Rock Power oder Wie musikalisch ist die Revolution?, Reinbek bei Hamburg 1972/1982, S. 195.

(12) Walker 2007, S. 182.

micheel-meinhofgrab-kunsthalle-stange-gerlach09

(°)

Zum Kurzfilm G(ebt) 8(cht) zum Segeln und Kegeln = Auf dem Grabstein von Ulrike Meinhof steht/stand (Siehe Installation in der Hamburger Kunsthalle) mit Kreide geschrieben: „Freiheit ist nur im Kampf um Befreiung möglich“. Dieser Text, ein Lenin-Zitat, wurde 2007 in dem Mattejat-Film, mit Gesang in der adäquaten Film-Sequenz unterlegt, -während die „fliegende Kamera“ Richtung Zaun Heilgendamm (Heimkind) unterwegs ist: Aber hören sie, hört selbst. Gradzeichen klicken zwischen der Klammer (oben). Oder in weniger guter Auflösung -daher geringere Datenmenge zur Übertragung hier => [::]


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https://medienwatch.wordpress.com/2009/01/14/man-son-1969-vom-schrecken-der-situation/

https://medienwatch.wordpress.com/322/

https://medienwatch.wordpress.com/man-son1969-pressetermin-bildmaterial/

http://www.hamburger-kunsthalle.de/manson/catalog/gerlach.htm

http://www.hamburger-kunsthalle.de/manson/catalog/haenlein.htm

man-son-wenn-asthetik-auf-politik-trifft-medienbeitrage-zur-ausstellung

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Am 10. Dezember starb Henning Christiansen

Wir sind tief traurig (gfok)

https://medienwatch.wordpress.com/henning-christiansen-ist-gestorben/

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Foto I: Joseph Beuys

„I like Amerika – America likes me“ 1974

`69, 2009 Stefan Hunstein*

Rudolf Herz 1995 | 2009 Zugzwang (H D)

Teresa Margolles, Caida Libres* / Freier Fall

Stephan Huber: =>[::]<=Parallele Intervention im Bonner Kunstmuseum

(Marionetten + Film in d. Ausstellung)

SW-Foto: Josephine Meckseper RAF + Jean Baudrillard (Bücher), Installation Schaufenster

Till Gerhard, Foto: Kunsthalle

Stefan Micheel, Installation

Pressetermin:

Galerie der Gegenwart, Kunsthalle Hamburg 2009

Bildmaterial: Jörg Stange, gfok

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*Triptychon Manson Hells Angel, Mondfahne
* Menschenfett aus einer Leichenhalle in Mexico

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Man Son 1969. Vom Schrecken der Situation

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Courtesy Joe Coleman 2007

As You Look Into the Eye of the Cyclops, So the Eye of the Cyclops Looks Into You, 2003
Verschiedene Materialien, 167,6 x 95,3 x 53,3 cm

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Hamburger Kunsthalle 30. Januar bis 26. April 2009

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Rückblickend auf das Jahr 1969 werden 20 internationale Künstler und Künstlerinnen eingeladen, die Frage der Ambivalenz der Extreme dieser Zeit weit reichender gesellschaftlicher Reformprozesse mit neuen Arbeiten aufzugreifen.

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1969 oder die Ambivalenz der Extreme

Die Ausstellung MAN SON 1969. Vom Schrecken der Situation widmet sich dem Reiz und der Gefahr der Extreme. Ausgangspunkt sind historische Ereignisse in Ästhetik und Politik, Lebenskunst und Gegenkultur der 1960er Jahre, deren Bedeutung bis heute umstritten ist. Rückblickend auf das Jahr 1969 werden 35 internationale Künstler und Künstlerinnen eingeladen, die Frage der Ambivalenz der Extreme dieser Zeit weit reichender gesellschaftlicher Reformprozesse mit neuen Arbeiten aufzugreifen. Die zeitgenössischen Positionen werden mit drei Gemälden aus verschiedenen Epochen, darunter Meister Franckes Christus als Schmerzensmann und John, der Frauenmörder von GeorgeGrosz, in Beziehung gesetzt. Charles Manson, geboren 1934, ist eine zentrale Figur der amerikanischen Hippie-Kultur. Er gilt als Anstifter der Morde an dem prominenten Filmstar Sharon Tate und sechs weiteren Personen im August 1969. Sein Name und sein Image dienen aufgrund einer höchst umstrittenen Medien-Popularität als Stichwortgeber der Ausstellung

Die Mitte des letzten Jahrhunderts ist gekennzeichnet durch weltweite Kolonialkämpfe und tabubrechende Liberalisierungen. Der seinerzeit beispiellose Krieg in Vietnam rief große Protestbewegungen in Europa und Amerika hervor, die neben dem politischen Einfluss neue freiheitliche Lebensformen suchten. Insbesondere das Jahr 1969 markiert einen Zeitraum, der starke gegensätzliche Strebungen, sowohl innerhalb der Gesellschaft als auch innerhalb ihrer Protestkultur, erkennen lässt. Es war nicht nur das Datum der ersten Mondlandung am 20. Juli zu verzeichnen, sondern zugleich auch der Umschwung der öffentlichen Meinung gegen Vietnam.

Die Morde der so genannten Manson-Family in Hollywood am 9. und 10. August schockierten die Öffentlichkeit. Auf das heiter friedliche Woodstock-Festival, vom 15. bis 18. August im Staat New York, folgte am 6. Dezember das Rockfestival in Altamont/Kalifornien, bei dem es zu einem tragischen Todesfall während eines Auftritts der Rolling Stones kam. Die sprichwörtliche Flower-Power erschien vielen nicht länger als unschuldiger Friedenswunsch.

Charles Manson lebte für ungefähr zweieinhalb Jahre von Ende 1967 bis 1969 mit der so genannten Family in einer Art Endzeit-Kommune zurück gezogen in Kalifornien. Nach der Mordserie im August 1969 war eine Täterschaft lange unklar. Aufgrund einer Indiskretion wurden schließlich Manson und vier seiner Gefolgsleute Anfang Dezember gefasst und wegen Massenmordes zum Tode verurteilt. Der turbulente Prozess begann 1970, dauerte 225 Tage und erregte großes Medieninteresse, auch aufgrund der Selbstdarstellungen der Angeklagten. Nach der vorübergehenden Abschaffung der Todesstrafe in Kalifornien (1972-1977), wurde das Urteil in lebenslange Haft umgewandelt. Allen Beteiligten wird bis heute jede Begnadigung verweigert. Die Schreibweise Man Son (frei übersetzt als „Menschensohn“) ist eine von Manson gelegentlich eingesetzte Bedeutungsverschiebung seines Namens.

Parallel zu diesen Ereignissen radikalisierten sich die westlichen Studentenbewegungen. Zukünftige Terroristen der RAF flohen im November 1969 aus Deutschland nach Paris. Ihre Gewalt gegen Sachen eskalierte später im Mord. Unter diesen Gesichtspunkten vollzog sich im Jahr 1969 in Amerika und Deutschland eine Gratwanderung, auf deren Weg manch alternativer Lebensentwurf und gesellschaftliche Utopie in ihr gewalttätiges Gegenteil verkehrt wurde – andere scheiterten oder passten sich den Gegebenheiten an. Heute sind Selbstverwirklichung, Kreativität und Flexibilität, die damaligen Leitmotive für eine individuelle Lebenskunst, Schlagworte geworden, um einen viel zitierten ‚neuen Geist des Kapitalismus’ durchzusetzen.

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[medienwatch.de | Galerie der Gegenwart] Die Ausstellung MAN SON 1969. Vom Schrecken der Situation widmet sich dem Reiz und der Gefahr der Extreme. Ausgangspunkt sind historische Ereignisse in Ästhetik und Politik, Lebenskunst und Gegenkultur der 1960er Jahre, deren Bedeutung bis heute umstritten ist.
[Foto: Josephine Meckseper RAF Tray, 2002 C-Print, 50.8 x 40.6 cm © Courtesy Galerie Reinhard Hauff]

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Die eingeladenen Künstler und Künstlerinnen verhandeln das Thema der Ausstellung, die Ambivalenz der Extreme um 1969, aus ihrer aktuellen Warte und streifen sowohl die Person als auch die Geschehnisse um Charles Manson nur am Rande. Sie entwickeln Perspektiven, die beispielsweise Gruppenbildung als ein Geschehnis zwischen Freiheit und Zwang ansprechen, die Manipulation, Erziehung und Anpassung zum Thema machen, die den musikalischen Hintergrund der Zeit und das Phänomen einer nahezu religiösen Legendenbildung aufgreifen. Der Name und das Image von Manson dienen aufgrund seiner höchst umstrittenen Medien-Popularität als Stichwortgeber der Ausstellung – sein Konterfei landete im Dezember1969, nach der Ausgabe über die Mondlandung, auf dem Titelblatt des Life-Magazins.

Den Auftakt zur Ausstellung bilden drei Gemälde aus verschiedenen Epochen. Zu einem mittelalterlichen „Schmerzensmann“ und einer modernen Lustmord-Darstellung aus der Sammlung gesellt sich eine heutige Position hinzu, die beide Aspekte erneut aufgreift.

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Meister Franckes Andachtsbild Christus als Schmerzensmann ist um 1435 entstanden. Es zeigt das religiöse Motiv von Christi Passion als Todeserwartung. Die malerische Überhöhung von Leid, Eros und Tod lässt sich als Ausdruck der Opferbereitschaft und zugleich als Erlösung deuten. In enger Verbindung mit der Passion steht die biblische Bezeichnung des so genannten „Menschensohn“, mit dem Jesus Christus gemeint war.

George Grosz (1893-1959) verwandelt mit John, der Frauenmörder im November 1918 das Thema Eros und Thanatos in einen imaginären Lustmord. Bei aller Verschiedenheit der Interpretationen dieses Bildes, wird die Formensprache bei Grosz übereinstimmend als Gesellschaftskritik an den politischen Zuständen der Weimarer Republik aufgefasst. Diese Haltung ist von großem Einfluss, unter anderem für den Amerikaner Joe Coleman.

Joe Coleman , geboren 1955 in Norwalk/Connecticut, erinnert mit seiner akribischen Pinselarbeit und den ausschweifenden Darstellungen von Gewalt an burleske Traditionen der Malerei. Er portraitiert unter anderem auch Massenmörder und Staatsfeinde aus der Geschichte Amerikas wie zum Beispiel Charles Manson. Colemans Inspiration bezieht sich ausdrücklich auf die in der Weimarer Republik vorherrschende Mentalität zwischen Dekadenz und Kriegsschrecken, die er im heutigen Amerika wieder erkennt.

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George Grosz John, der Frauenmörder, 1918

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In diesen Beispielen aus drei Epochen wird der Schrecken der Situation unterschiedlich beantwortet. Im mittelalterlichen Bild verbindet er sich mit der religiösen Hoffnung des Einzelnen auf Erlösung. Zur Zeit des ersten Weltkriegs gilt der künstlerische Einsatz bei Grosz dem diesseitigen gesellschaftlichen Wandel. Coleman zeigt seine Kritik in altmeisterlicher Feinmalerei durch die Groteske und mit einem Lachen. Die gemeinsame Präsentation von historischen und zeitgenössischen Positionen lässt sich überkreuzende Logiken, Parallelen und Widersprüche zwischen Geschehnissen in Europa und den USA erkennen. Ein erneuter Blick auf die Zeit der 1960er Jahre und ihre Auswirkungen erscheint viel versprechend. 1969 oder die Ambivalenz der Extreme

Die Ausstellung MAN SON 1969. Vom Schrecken der Situation widmet sich dem Reiz und der Gefahr der Extreme. Ausgangspunkt sind historische Ereignisse in Ästhetik und Politik, Lebenskunst und Gegenkultur der 1960er Jahre, deren Bedeutung bis heute umstritten ist. Rückblickend auf das Jahr 1969 werden 35 internationale Künstler und Künstlerinnen eingeladen, die Frage der Ambivalenz der Extreme dieser Zeit weit reichender gesellschaftlicher Reformprozesse mit neuen Arbeiten aufzugreifen. Die zeitgenössischen Positionen werden mit drei Gemälden aus verschiedenen Epochen, darunter Meister Franckes Christus als Schmerzensmann und John, der Frauenmörder von GeorgeGrosz, in Beziehung gesetzt. Charles Manson, geboren 1934, ist eine zentrale Figur der amerikanischen Hippie-Kultur. Er gilt als Anstifter der Morde an dem prominenten Filmstar Sharon Tate und sechs weiteren Personen im August 1969. Sein Name und sein Image dienen aufgrund einer höchst umstrittenen Medien-Popularität als Stichwortgeber der Ausstellung

Folgende Künstler und Künstlerinnen verschiedener Generationen nehmen an der Ausstellung teil:

Achim Bitter, Joe Coleman, L utz Dammbeck, Dellbrügge & de Moll, Martin Eder, Stefan Exler, Peter Friedl, Till Gerhard, Douglas Gordon, Elmar Hess, Franka Hörnschemeyer, Andreas Hofer, Laura Honse, Stephan Huber, Stefan Hunstein, Susanne Klein, Elena Kovylina, Thomas Kunzmann, Sigalit Landau , Almut Linde, Teresa Margolles, Josephine Meckseper, Stefan Micheel, Aurelia Mihai, Karin Missy Paule, M + M, Rotraut Pape, Susi Pop, Astrid Proll, Chris Reinecke , Gregor Schneider, Dennis Scholl, Andreas Seltzer , Cindy Sherman, Susanne Weirich und Günter Zint (angefragt).
Aus der Sammlung kommen hinzu:

Max Beckmann, Joseph Beuys, Dan Graham, Meister Francke, George Grosz, Jenny Holzer, Ilya Kabakov, Edward Kienholz, Bruce Nauman, Richard Serra.

Zur Ausstellung erscheint eine Website sowie ein Katalog mit der Dokumentation aller künstlerischen Beiträge und Essays von Bommi Baumann, Truman Capote, Ursula Cyriax, Belinda Grace-Gardner, Gunnar Gerlach, Tom Kummer, Jan Metzler, Susanne Pfeffer, Nora Sdun sowie eine Einführung von Frank Barth und Dirck Möllmann.

Kuratoren der Ausstellung: Frank Barth, Dirck Möllmann

Photos (Kunsthalle) frei im Zusammenhang mit der Veröffentlichung zur Ausstellung: Presseservice

Meister Francke
Christus als Schmerzensmann,
um 1435
Öltempera auf Eichenholz,
92,5 x 67 cm
© Hamburger Kunsthalle / bpk
Photo: Elke Walford

George Grosz
John, der Frauenmörder, 1918
Öl auf Leinwand,
86,5 x 81,2 cm
© Hamburger Kunsthalle / bpk
Photo: Elke Walford

http://www.hamburger-kunsthalle.de/archiv/seiten/manson.html

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Katalog-Text(e)

Belinda Grace Gardner

http://www.hamburger-kunsthalle.de/manson/catalog/gardner.htm

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Gunnar F. Gerlach

1969 Die erneute Erwartung des eingeborenen Menschensohnes

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Bildmaterial + Text:

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gunnar-f-gerlach-1969-die-erneute-erwartung-des-eingeborenen-menschensohnes/

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http://www.hamburger-kunsthalle.de/manson/catalog/gerlach.htm

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Kunsthalle Website: Stand 2. Januar 2009

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Galerie der Gegenwart =

MAN SON

http://www.hamburger-kunsthalle.de/manson/


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Seminare

4. April 2009 (12:00 Uhr – 16:00 Uhr) Charles Manson: Paranoia, Politik und Popmusik Seminar mit Prof. Gunnar F. Gerlach, Veronika Schöne, M. A., Florian Britsch, M. A.anmelden

Das legendenumwobene Jahr 1969 hat mittlerweile zweifelhaften Kultstatus erlangt: Um die Figur des selbsternannten Erlösers, „verkannten Künstlers“ und Mordanstifters Manson hatte sich eine Gruppe gebildet, die Pop und Politik mit der eigenen Paranoia zu einer wilden Weltanschauung vermengte und schließlich auch vor Mord nicht zurückschreckte. In ihr kristallisierten sich jedoch nicht nur die Vorstellungen von ein paar versprengten Verrückten, sondern die eigentümliche, auch emotionale Befangenheit einer ganzen Generation, die zwischen Euphorie und Exzess, Hoffnung und Horror schwankte. Die nur im fließenden Übergang zu begreifenden Jahre 1968/69 sind im Bereich von Pop- und Rock-Kultur, Kunst und Publikationen eine bizarre Melange aus Religion, Esoterik, Poesie, Musik und Politik. So entstanden Mythen und Missverständnisse mit bis heute spürbaren Auswirkungen.

Nach einem kurzen Rückblick auf die Avantgarden des frühen 20. Jahrhunderts mit ihrem Hang zu okkulten und spiritistischen Theorien und ihrem geradezu fanatischen Glauben an die Erlösungskraft der Kunst und die Auserwähltheit des Künstlers wenden wir uns den sechziger Jahren zu: Das inzwischen legendäre „White Album“ der Beatles mit kryptischen Lyrics, experimentellen Sounds und der revolutionären Gestaltung des britischen Pop-Artisten Richard Hamilton, dem Manson Aufrufe zum Aufruhr entnommen haben will; das langsame Abdriften der scheinbar so heiter surfenden Beach Boys ins Psychedelisch-Konzeptuelle; das Altamont-Debakel der Rolling Stones und die Gleichzeitigkeit von Woodstock-Festival und Manson-Morden sind nur einige der Phänomene, denen das Seminar nachgehen will. Ihre Hintergründe sollen mit musikalischen, visuellen, literarischen und theoretischen Positionen zu Sprache, Ton und Bild kommen.

LEITUNG Prof. Gunnar F. Gerlach, Veronika Schöne, M. A., Florian Britsch, M. A.
TERMIN Samstag, 4. April 2009, 12 bis 16 Uhr
KOSTENBEITRAG

http://www.freunde-der-kunsthalle.de/h/seminare_&_vortrAege_34.php?eventid=19

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© 2008/09 Veröffentlichungen sind nur gestattet im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Ausstellung der Hamburger Kunsthalle.

Jede andere Nutzung ist nicht gestattet.


© 2008/09 Publication only allowed in connection with reports of an exhibition.
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Januar 14, 2009 at 01:03

Einstellungsraum: Dialektik der Entsteuerung

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[ Als Spielkarte – vor der Rede verteilt ]

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„Der Wagenlenker von Delphi“

Von Gunnar F. Gerlach

Es gibt sozusagen zwei Motive, die ich der Dialektik der Entsteuerung voranstellen möchte und zwar den kleinen Versuch, die scheinbare Ordnung der verordneten Diskurse mit konstruktiver Störarbeit in kritischer Idylle gegenzuverwirren.

Ich beginne mit drei Zitaten:

1. Johann W. v. Goethe
2. André Breton
3. Theodor W. Adorno

Altmeister Goethe sagt 1805 in den Annalen oder Tag- und Jahresheften:
Was hilft es, die Sinnlichkeit zu zähmen, den Verstand zu bilden, der Vernunft die Herrschaft zu sichern – die Einbildungskraft dauert als der mächtigste Feind. Sie hat von Natur einen unwiderstehlichen Trieb zum Absurden, der selbst im gebildeten Menschen mächtig wäre gegen alle Kultur, die Anstand und Hoheit Fratzenlügner bildend, mitten in der anständigen Welt wieder zum Vorschein kommt.
Fast 150 Jahre später, 1941, fordert André Breton, zu der Zeit hart attackiert von den hardcore-Leuten der kommunistischen Partei: Was nützt uns diese Vernunft, wenn sie von einer Generation zur nächsten nur in den Wahnsinn neuer Kriege führt.

Zitat 3 – Theodor W. Adorno in „Meditation zur Metaphysik“, 1966, Teil übrigens der „Negativen Dialektik“:
„Was einmal der Geist als seinesgleichen zu bestimmen oder zu konstruieren sich bemühte, bewegt sich auf das hin, was dem Geist nicht gleicht, was seiner Herrschaft sich entzieht und woran sie doch als absolut Böses offenbar wird. Die summarische sinnferne Schicht des Lebendigen ist Schauplatz des Leidens, das in den Lagern alles Beschwichtigende des Geistes und seiner Objektivationen der Kultur ohne Trost verbreitet. Unbewusstes Wissen flüstert den Kindern zu, was da von der zivilisatorischen Erziehung verdrängt wird ins “ was ist das?“ und „wohin geht es?“.

Ja, genau das ist die Frage: „wohin geht das“ und „was ist das“ und was soll diese kleinen assoziativen Gedankenschiffchen in drei kleinen Ausfahrten auf das ungewisse Gewässer lenken, steuern und navigieren.

Der 1. Punkt wäre dann die Frage: zu welchem Ziel und Zwecke steuern, lenken und navigieren wir in geistigen und künstlerischen Angelegenheiten zur Zeit und welchem dialektischen Prozess, Sinn einer Dialektik der Aufklärung, müssen wir dabei begegnen?

2. Was leitet und lenkte mich persönlich in meine künstlerisch, philosophische Projektarbeit in die Irrenanstalt nach Bedburg – Hau, in die Umgebung von Joseph Beuys und den Begriff der sozialen Plastik.

Und 3.: Welche Zwischenergebnisse lassen Ableitungen für eine andere, künstlerisch philosophische und vielleicht sogar kunsttheoretische und kunsthistorische Praxis treffen.
Beginnen wir also, etwa analog zu Silke, mit dem Versuch, aus der Etymologie sozusagen, eine Grundsteuerung zu erkennen. Da wir das bei Silke gehört haben, verkürze ich das sehr stark: lenken – tatsächlich zu lank und lache – kommt eben auch von Hüfte und Gelenk und dessen Wirkung ist ungeläufig, dass es eben auch vom Geh-Lenk kommt. Joseph Beuys, erinnere ich nur: ich denke sowieso mit dem Knie, sagte er übrigens als eine Studentin während eines Vortrages im Getümmel gegen ihn fiel, ihm fast das Bein zerbrochen hatte, am Kniegelenk hängen blieb mit ihrer Schädeldecke. Das ist schon spannend…
Steuer von stiura, mhdt.. Bedeutung ist zunächst Stütze und Unterstützung und ziemlich kurz danach – Steuer, Ruder – und natürlich dann späterhin – Silke (Peters) hatte auch schon drauf hingewiesen – im Zusammenhang mit dem Schiff – also das Steuerbord, die rechte Seite des Schiffes lenken.

Das würde mich jetzt assoziativ noch mal wieder an Noras Vortrag über den Wagenlenker erinnern, wozu ich jetzt nichts ausführen werde, weil ich dazu demnächst ’ne größere Ausstellung kuratieren soll zum Thema der Navigation.
Ich erinnere nur daran, dass Mythologisches bei Heraklit – so in der Aeneis -, dass der Steuermann nämlich, auftaucht. Der heißt Palinurus. Palinurus ist jener einzig befähigte Steuermann, der mit Aeneas nämlich gen Rom in Italien segeln kann, wo keiner die Gewässer kennt, und mit dessen Glück Aeneas zu dem wahnsinnigen Plan der Gründung eines Weltreiches aufbricht.
Allerdings, kurz bevor sie sozusagen in die Untiefen geraten, verlässt der Steuermann das Schiff.

Und Vergil gibt 5 Thesen an. Eine davon ist u.a.: Aeneas hätte seine damalige Freundin, die er heiraten wollte, so schlecht behandelt, dass es dann dem Palinurus peinlich war, das mit anzusehen, dass so ein Typ dann auch noch ein Weltreich gründen soll.
Immerhin erfahren wir aber dadurch, dass das Problem des Steuerns und Lenkens immer auch im Zusammenhang mit dem Schiff und dem Ziel eben bestimmt war und dass das gar nicht so ist, wie wir das eigentlich denken.
Dieser Zielpunkt nämlich ist ja auch ein „Erziehen“. Etymologisch Erziehen und zielen geht ja unmittelbar zusammen. Da gibt es einen berühmten Mann namens Bazon Brock, der hat sich auch schon die Frage gestellt, wer erzieht eigentlich die Erzieher?, die ja auch Autor, autorhaft, autooperativ gelenkte Systeme sind.

Wenn wir also den Begriff der Navigation bestimmen und Einhal- tung des Kurses – fast sprachlich dem 16. Jhdt. entlehnt -, so lateinisch navigatio, navigationis – die Schifffahrt, also navigare – schiffen, segeln, fahren zu navis – Schiff und zu agere – in Bewegung setzen. Zunächst in mehr allgemeiner Bedeutung verwendet, dann Spezialisierung auf das Wort Nautik und basiert tatsächlich auf dieser Entsprechung von griech. naūs, nauti.

Dann käme man dazu: mit welchem Schiff schwimmen wir eigentlich auf dem schmalen Grat zwischen Vernunft und Wahnsinn. Symbolisch in der Kunstgeschichte hat das Schiff ja folgende Bedeutung – auch religiös – die Arche Noah als Hort des Lebens und der Hoffnung in einer sonst wüsten Welt, sozusagen als Symbol Mitglied zu werden auf diesem Schiff, durch das das Leben gerettet werden kann.
Die Analogie kennen wir auch. Sie wird für jeglichen Sakralbau auch heute noch mit den Begriffen Mittel-, Quer- und Seitenschiff verwendet.
Die Fahrt mit dem Schiff wird dann häufig auch als Lebensweg interpretiert. Der Steuermann ist auf den Schutz, die Gnade Gottes angewiesen, der ihm die richtigen Winde schickt und ihn vor Unwettern schützt.

Frage bleibt dann: Wohin das Ganze?

Wir haben mit diesem Schiff auch wieder abendländisch eine doppelte Bedeutung, nämlich mit der schönen Metapher bei Michèle Foucault, mit dem Narrenschiff (stultifer navis), aus der er auch die literarisch, philosophisch, bildnerische Wirklichkeit seit dem 15. Jhdt. angenommen hatte. Nun weiß die neueste Forschung, dass unser Bild ein etwas falsches…- Foucault war nämlich davon ausgegangen, dass sich hier nun genau jene fatale Herrschaft, die wir heute im Kapitalismus haben, dokumentiert – weil die, die anders sind, auf die Schiffe gesetzt werden – ohne Steuermann – um hier in den elenden Tod einfach entsorgt zu werden, also so eine Art frühes KZ ohne Steuermann.

Die psychoanalytische Forschung hat nun herausgefunden, dass es sich dabei, bei diesem Narrenschiff, tatsächlich um eine Metapher handelt; denn das sei eher früheren Fastnachts- und Karnevalsbräuchen zugestanden gewesen, dass sich Leute verkleiden. Nichtsdestotrotz halte ich insofern gerne an dem Gedanken des Narrenschiffes, das sein Ziel sucht, fest: ein ZIEL, mhdt. zil, wird dabei deutlich vorausgesetzt, ein Ziel und erreichen, aber auch das Bestellen des Feldes und sich beeilen. Und es steht etymologisch im Zusammenhang – und das finde ich wichtig – mit dem Lebensende und dem Tod und dem Wort für passend.

Mit Hüfte und Gelenk stetig ans Lebensende denkend versuchen wir, uns in Bewegung zu setzen, um Passendes zu finden, passend zu der Fest- und Fragestellung: Was ist Verstehen und Verständnis als Zielbestimmung unter der Voraussetzung des Satzes von Adorno, dass es kein wahres, bzw. richtiges Leben im falschen Leben geben könne?
Dies ist bei ihm logisch und folgerichtig hervorgegangen aus Überlegungen, die Moderne und Modernität im Sinne z.B. Beaudelaires kennzeichnen, mit den Worten Henry Lefèbres „in der gesellschaftlichen Praxis brechen heute die Bilderwände auf zwischen dem Spontanen und dem Abstrakten, zwischen Natur und Technik, zwischen Natur und Kultur. Deren Verhältnis ist ausschließlich im Rahmen eines dialektischen Konfliktes zu erfassen.“
Da diese Art mit dialektischen Betrachtungen aus politisch-ökonomischer Ideologie des Turbokapitalismus ausgegrenzt wird, befinden wir uns also innerhalb der zum Unverständnis und zur Wertelosigkeit entgrenzten globalisierten Zeichensysteme, die uns vermeintlich verwirren sollen: Konsum- Freiheit als Frustbewältigung zur eigenen Unmündigkeit. Der Autor steuert nicht mehr sich selbst, also quasi, um einer komplexen und komplizierten Fahrwassermarkierung zu entgehen.

Also wenn er nicht mehr den Weg richtig oder falsch oder dagegen oder dafür geht und die sog. Normalität bezeichnet, also eine Norm, die längst keine mehr ist, was ist dann unnormal, was ist dann gesund und was ist dann krank und was bedeutet dies dann für eine künstlerischen und philosophische Praxis, die um die hegelsche Tatsache, aus der nur zweifach wahr ist, das nur insofern etwas in sich selbst einen Widerspruch hat und Widerstand leisten kann, das Antrieb und Tätigkeit besitzt. Ferner, dass Autonomie im Sinne einer Erziehung zur Mündigkeit, – Selbststeuerung als kreative Fähigkeit -, nicht mehr vorhanden ist und auch verbindliche Ziele der Ethik und Ästhetik der Subjekte Platz machen müssen für eine Objektivierung von Produktion.

Ware und Person als Warenobjekte

In diesem Zusammenhang – möchte ich kurz ausführen -, ein wunderbarer Aufsatz von Jean Beaudrillard über die Absolutheit der Ware, wo er auf geniale Art und Weise darauf kommt, dass Beaudelaire der wahre Vorgänger von Andy Warhol ist.
Die gleiche Tragik, die sich daran anknüpft, wenn Menschen schon nicht mehr zwischen Subjekt und Objekt unterscheiden, wie es in Noras Ausführungen ja auch ganz klasse zur Sprache kam.

Dann muss man das natürlich auch weiterfragen, was wir überhaupt von Kunst und ihren Gegenständen haben wollen.
Wenn nämlich Objekte Objekte machen, müssen wir uns vom Begriff des Subjektes natürlich verabschieden und dann würden wir uns innerhalb einer neuen Logik einbezogen finden, die dann natürlich erst recht, sozusagen, die Frage stellt, was ist dann Werbung, was ist dann Objekt, was ist ’n Produkt und was ist dann noch Kunst, vor allem freie Kunst, wenn – dann noch angehängt – der Begriff der freien Kunst sowieso abhängig ist von einem Begriff der Freiheit, der aus der Renaissance kommt, also aus dem 15./16. Jhdt., nämlich der neoplatonischen Akademie zu Florenz und schon lange gar nichts mehr mit unserer Bestimmung von a) frei und b) Autonomie zu tun hat.

Dazu habe ich auch mal ’nen Aufsatz geschrieben. Da geht es darum, wie wir Duchamps und den Gedanken des ready mades eigentlich weiterdenken müssen. Wenn also die gefakte Signatur als Steuerungsmechanismus „dies bin ich selbst“ oder bei Goya „Io lo visto“ – ich habe dies gesehen – den Krieg, Euren Wahnsinn, Eure Paradoxie, Eure Scheiße auf deutsch gesagt, und ich als Künstler habe immer noch die Autonomie, dies einfach wiederzugeben, dann muss man sich natürlich fragen, was jetzt innerhalb von eigentlich nur 150 Jahren eigentlich wirklich passiert ist, dass sozusagen hinterm Berg fast jeder verschwindet, sodass wir mit Recht a) sagen können: sehr häufig ist mittlerweile das Werk klüger als der Autor, also der sich selbst steuern will, und zweitens mit Heiner Müller: „ganz häufig ist dann auch noch die Metapher klüger als das Werk“.

Wenn also die nun bekannten herkömmlichen Wege, Pfade und auch Sehwege im doppelten Sinne so vom Rudern und Steuern als vom mal-so-gucken besetzt sind, können wir in unserer von außen idealökonomisch und politisch verordneten Steuerlosigkeit diese vielleicht konstruktiv dialektisch als Instrument be- nutzen.

Wir nutzen das Missverständnis, das zumeist negativ bewertet wird, und beginnen einen konstruktiven Nutz- und Spielraum fruchtbar zu machen.

Missverständnisse nutzbar zu machen – da gibt es ein wunderschönes kunsthistorisches Beispiel: Als der großartige Wiliam Morris <zum Kern seines Ansatzes kam, Anm. E.S.>, noch sogar kurz bevor er die Arts- and Crowd-Bewegung gegründet hat, (in der Hoffnung sozusagen, eine Kunde von Nirgendwo, also Nirgendwo noch gedacht als Utopia, zu verwirklichen, indem er die Künste enthierarchisiert und den geistigen Mittätern sozusagen am Gesamtgebilde des Gesamtkunstwerkes eine gleiche Stellung einräumt, also dem kleinen Glasschneider die selbe Stellung sozusagen wie dem großen Architekten oder dem hervorragenden Maler, aber auch dem Schnitzer für irgendein Geländer) – da ist nämlich das Missverständnis aufgetreten, dass er durch die Verkehrung des Mittelalters als einer nahezu harmonischen Tauschgesellschaft eigentlich auf die Idee kam, <Folgendes zu formulieren Anm. E.S.> – sozusagen zur Enthierarchisierung und diese Gedanken sozusagen in einem sozialen Mittelweg sah zwischen Bakunin, also freie Assoziation der frei Assoziierten contra Marx – , der Behauptung eben, wir brauchen eine vermittelnde Institution. Er nannte sie Partei, die Menschen erst in diese Höhe tragen muss. Da kam jener Gedanke her, der späterhin in dem sogenannten Arbeitsmarkt für Kunst 1919 – Gropius – Caesar Klein / Hamburger Maler und Bildhauer – und dann zum Bauhaus geriet.
Wir gehen den Weg in die kritische Idylle mit einer tradierten, aber wirksamen Kraft, der sogenannten, aber oft désavouierten ‚Innerlichkeit‘ als Störarbeit im Heineschen Sinne. Als Ort und Gegenort zugleich begegnen sich nun in der Wildnis als Restnatur, und im wilden Denken als contralogischem Humus zwischen Geflecht und Gestaltung, Gegenwelten. Idealität und Realität in Riss und Lücke, Bruchlinien und Abgründe, über die wir ein gespanntes Seil der Hoffnung spannen.

Michèle Foucault prägte hierfür den Begriff: Heterutopia, Orte, die in einem realen Raum Räume bilden, die unvereinbar schei- nen und nur im Übergang fassbar sind. Denken heißt Überschreiten sagte Ernst Bloch und heißt es auch für Foucault – also unsere Discursebene sozusagen- : was ist Philosophie heute, ich meine „philosophische Aktivität“, wenn ich die kritische Arbeit des Denkens an sich selber, den Auto-Autor und wie weit es möglich wäre, an das zu denken. Also arbeiten wir seit Kant nicht nur mit der Arbeit an den Kategorien und der Differenzierung, sondern auch mit der Innerlichkeit als Bedeutungsinversion, die der kapitalsverordneten Schizophre- nie, wie es bei Déleuze und Guattarie zu lesen ist, vergleichbar ist. Also eine surreale Praxis, d.h. sich selbst rhizomatisch zu entwickeln.

Auf nach Bedburg-Hau

*“Eine merkwürdige Reise in die innere Mongolei mit Ausflügen zu Erlebnis-Freiheitsparks, Gehegen des Wilden und der Tollheit – eine Phantasmaorgie über Geschehenes, Gesehenes, Gespürtes, Gedachtes und Geglaubtes.“

Vorausgesetzt habe ich damals-, und das möchte ich noch erwähnen, wir haben dann überlegt, kann man einen Katalog machen, wenn man zweieinhalb Wochen mit 15 Leuten sich ständig in dieser Fragestellung bewegt: wer ist innen, wer ist außen. Keiner weiß mehr genau, warum wer grinst, warum wer stolpert, holpert, ist es ein Arzt, ein Freigänger, ein Entflohener, ist man selbst schon drin? Man begegnet Menschen, die sind genauso monomanisch sich selbst vorbringend und spinnen, wie man selber und was markiert den Unterschied? Also dachte ich mir wieder, zwei Motti müssen dem Ganzen vorangehen: „Wahr sind nur die Gedanken, Gedanken, die sich selbst nicht verstehen“ (Adorno)
und – mein Lieblingssatz – Max Ernst – „Man muss die Realität nicht so sehen, wie ich bin.“

Anfahrt: Schneeregenmatschiges Grau bei einbrechender Dämmerung an den Gestaden des Niederrheins kann eine zarte Farbe der Erwartung sein: bizarre Konstruktion einer Stadt- silhouette mit Hafenhang, die aus mittelalterlicher Burg- und Kirchenarchitektur ihre eigene Höhe ins Licht industrie- städtischer Architektur eines ausgehenden Jahrtausends speist.

Sichern die erstaunten Augen die Spuren des atmosphärisch-geografisch bedingten Mystizismus zwischen Schmerzensmännern und letzten heiligen Josephs und Hanns Dieters?
Entstanden in diesen heiligen Gefilden die letzten poetischen Gedanken, die ein Hagenbuch wieder einmal, neulich, zugegeben hat? „Wer nicht denken will, fliegt raus“ und „ohne Rose geht hier gar nichts mehr“ als letzt Aufforderung und Mahnung nicht nur an die Deutsche Bank, sondern auch an jene nicht ge- und benannte, zumeist willkürlich und selbstverleugnend lebende, amorphe Masse, die sich Staat nennt. Nation oder Bevölkerung? Anfahrten ins Nichts wecken zumindest keine Erwartungen. Und doch verführt ein Name wie ,Emmrich‘ dazu, reflexartig eine linke Klebe mit Aussenrist von der linken Eckfahne des Feindterrains in den hintengelegenen, entgegengesetzten und damit entlegensten Winkel vor dem inneren Auge zu sehen: „Ecken// Winkel // Cézanne// Dank“ verdichtete einst der Meister der Holzwege und etymologisch / existentialistischen Entschlüsselungskunst im Prozess substantieller Wahrnehmung und innerem Verständnis gegenüber und mit dem großen Berggucker, der das Immergleiche ins Immerneue, Poetische der Malerei erhob. Mit der linken Klebe Einkehr, rechte Heimkehr nach Kleve – durch sinnliches Grau nach Bedburg – Hau.
Weites Land heißt nicht „waste land“, liegen aber hier in der Blickempfindung nahe beieinander. Melancholie bei der Wahrnehmung des Immergleichen hat auch schöne Seiten. Zu schöne, wie sich bei Gewahrwerdung eines kleinstadtgroßen Gebietes herausstellt. Bizarr wie stahlgläserne Wolkenkratzer im schnee-romantischen Hochgebirge zur Weihnachtszeit: eine idyllische Feriensiedlung, ästhetisch zwischen bäuerlichen Schwarzwaldhöfen und Blockbauten schwebend, in denen Ferienmachen möglich schiene? Langsam, sehr langsam kriecht Argus in die Iris, erspäht die geschickt getarnten Drähte von Verschlägen, Zäunen, Käfigen. Camouflierter Stacheldraht schafft jene eben nicht mehr semipermeablen Lamellen, die zwischen Innen und Außen zwar augenscheinlich nur schwer zu scheiden vermögen, in der steinharten Realität aber nicht nur Welten, sondern Weltanschauungen und ihre resultierenden Verhalten, Haltungen und Handlungen ideologisch trennen.
In aller Ambivalenz zumindest im Vorschein entstehen Orts- und Menschenassoziationen. Nicht enthalten allerdings jenes heroisch-erotische Toxicologicum surrealer Provinienz, das aus dem schwer verifizierbaren Augensinn die steingewordene Tatsache einer Irrenanstalt macht. Und doch hier scheint seit 96 Jahren der deutsche Wald eine heilsbringende Metapher geworden zu sein…..
Aufnahme
…Was wohl die Unfreiwilligen und unfreiwilligen Freigänger seit 1908, dem Baubeginn der Rheinischen Kliniken, für ein Wohlbefinden des Freizeitgefühl mit sich rumgetragen haben und weiterhin tragen? Mythen über Mythen: Wald, Wiese und Flur, Wanderer, Via Romana, Antoniusorden vom heiligen Antonius, Joseph Beuys (und die Gebrüder van der Grinten) und der Rhein – schon immer der mythologisch, mystisch und romantisch rauschhaft nährende Strom der Dichter, Denker, Meistermaler…“Die Zeit vergeht, die Erinnerung bleibt“…“Menschen, die wir lieben“ // bleiben für immer, // denn sie hinterlassen Spuren // in unseren Herzen“…“Du hast die Welt nicht mal gesehen //und musstest doch schon von uns gehen. // Mußt einen langen Weg beschreiten // auf dem dich niemand kann begleiten //……„Mit den Flügeln der Zeit fliegt die Traurigkeit davon“ schrieb Jean de la Fontaine….
Führung
…Und sei auch kein materielles Wesen nur aus sich selbst heraus tätig, wie Jean-Jaques bereits es erkannte, fährt er doch fort, dies gleich wieder in eine poetische Ambiguität – der auf Handlung gerichteten Erkenntnis im Verhältnis zu einem möglichen Subjekt zu betrachten, denn der redliche Mann, wie er ihn sich vorstellt, ist ein Kämpfer, der am liebsten nackt streitet. Auch die Masken und Rollen – Verschwiegenheit, Verstellung und Vorstellung – sind nur Instrumente der Macht. Von einem „ich aber bin es“ zu einem „je suis un autre“ liegt eine hauchzart -güldene Folie künstlerischer Technikbeherrschung als Mittel, Medium – nicht Selbstzweck.

Und Technik ist mit dem frischen Max ein Kniff, ,die Welt so einzurichten, dass wir sie nicht erleben müssen‘. Was für eine tief empfundene Sicht auf das Leben: „Aufatmen“ -die Verzweiflungen wechseln. Das Auto fährt allein“! Und sie reisen und kreisen in Kreisen: in Reisekreisen.
Vertikale Kreisel, teleskopische Kegel: Wahrnehmungen der Veränderungen in der Längsneigung. Richtungskreiseln. Korrektursignale zu Quer und Seit und Hoch: der Auto(r)pilot als Operateur im unsichtbar Sicht- und Sinnbaren und -lich(t)en. Es gibt keine Gespenster in Bildern – nur Geist, der zwischen schmerzendem ‚ICHundWELT‘ und rauschhaft-euphorischem Erfahren von „der ganze Wahnsinn auch ohne mich und Ich“ oszilierend, ein zu bergender und entbergender ist. Gottfried Benn spricht friedlich aus der Höhe heilenden geiste(rn)s:

„Tauchen musst du können, musst du lernen,
einmal ist es Glück und einmal Schmach,
gib nicht auf, du darfst dich nicht entfernen,
wenn der Stunde es an Licht gebrach. „

Aus diesem kurzen ,Dazwischen‘, nämlich inter-esse, also dem „Dazwischen“ sage ich also dem Zeichen/Bezeichneten einen letzten Rest von selbssteuerndem Trieb mit gestalterischer Selbsttätigkeit zu. Ganz so, wie es vielleicht dieser Tage in einer fröhlich humorvollen Entgrenzung von Kapital und Spiel, von Fieber und Wahn für das Spiel mit dem Fußball erlebbar ist. Noch einmal König Fußball:
Sein Geburtsjahr wird ja allgemein mit 1564 angegeben. Doch schon Shakespeare warnte vor der Brutalität des Spiels:

„Fortrollen soll ich. Bin ich denn ein Ball, den man mit Füßen tritt und vorwärts stößt, hin und rück und nach Lust schlägt mich ein jeder? Soll das noch lange Zeit währen, so näht mich erst in Leder.“***

Und ungeachtet der Verletzungsgefahr meinte ein uns allen bekannter 1759 geborener Regimentsmedicus – wir würden heute Mannschaftsarzt sagen – ;

„Wort gehalten wird in jenen Räumen
jenem schönen gläubigen Gefühl.
Wage du zu irren und zu träumen.
Hoher Sinn geht oft mit kindschem Spiel“.

Und in diesem Zusammenhang wird bei Platon u.a. der Begriff der „Heiligen Scheu“ eingeführt.

Diese Spielform also, antik zwischen Agon und Illings, ist die in Bewegung und Prozessualität des wechselseitigen Kampfes sich bedingender Temperamente und Kräfte von apollinisch und dionysisch im Sinne Nietzsches.
Kraft, Gedächtnis und Einfallsreichtum, also Agon, gegen oder in Rivalität zu Rotation und Fallbewegung, die in sich selbst einen organischen Zustand der Verwirrung und des außer sich Geratens – extasis – erreichen sollen mit dem Ziel, zu einem reflektierenden Selbst in dem Begreifen und Verstehen notwen- diger und sozialer Abhängigkeiten zu gelangen. Also wie im Spiel.

Soziale Kompetenz des Steuerns wird so über die Dialektik der Entsteuerung zu einer künstlerischen und philosophischen Haltung und – hoffentlich – immer wieder auch zu einer Handlung.
Und hier müsste eigentlich ein Plaidoyer der operativen Kunst im Sinne Sergej Tretjakovs folgen, aber davor möchte ich Euch bewahren.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit. (Vortrag im Einstellungsraum e.V)
___________

* Gunnar F. Gerlach:
Aufatmen – die Verzweiflungen wechseln
12 Künstler in der Anstalt
Hrsg. Uwe Schloen
Huck – Finn – Verlag Amsterdam, Hamburg 2005

***W. Shakespeare: Komödie der Irrungen, 2.Akt, 1. Szene, Dromio.

Einstellungsraum e.V. (Transcript Elke Suhr) […] >


 


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Januar 9, 2009 at 13:34

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07.06.2007
G-8-Kunstaktionismus Der Protest der Anderen
Mach Dich nackig! Am Rande des G-8-Gipfels kommt auch die Kunst nicht zu kurz: Hippies frönen beim „nackten Block“ der Freikörperkultur, Künstler schicken meerseits von Heiligendamm der Kanzlerin Wasserspielzeug. Franziska Bossy war beim Protest-Segeln mit Lach-Yoga dabei.
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/g-8-kunstaktionismus-der-protest-der-anderen-a-486060.html

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