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Archiv für die Kategorie ‘Henning Christiansen ist nicht Tod

Henning Christiansen ist gestorben

Henning Christiansen ist gestorben

« Man schließt die Augen der Toten behutsam – nicht minder behutsam muss man die Augen der Lebenden öffnen »

Jean Cocteau

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Henning deine Performance ist Teil unseres Lebens

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« Hundertachtzig Hammerschläge für den Frieden » Henning Christansen

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HENNING CHRISTIANSEN JANUAR 1991

“DIE ZEIT STAND STILL” – KANN MAN SCHREIBEN – KANN MAN SAGEN. ABER DAS KANN SIE NICHT. DIE ZEIT STEHT NIEMALS STILL, SIE GLEITET WIE EIN RUHIGER STROM IN DAS SCHWEIGEN. SIE KÜMMERT SICH NICHT DARUM, WAS WIR GETAN ODER NICHT GETAN HABEN. SIE IST UNERBITTLICH UND ERZÄHLT EIGENTLICH NUR DAS: NICHTS IST EWIG, NICHT EINMAL DIE ERDE AUF DER DU STEHST, ODER DER STEIN, DEN DU IN DER HAND HÄLST. NENNE DIE ZEIT UNERSCHÜTTERLICH, AUCH DAS IST SIE NICHT, SIE GEHT UND GEHT EINFACH ZUSAMMEN MIT DIR, SOLANGE DU MITFOLGEN KANNST. DU KANNST SIE NICHT HÖREN, ABER DU KANNST SIE MESSEN UND SIE IN HANDLUNG UMSETZEN, ABER DAS IST MENSCHENWERK, DAS KÜMMERT DIE ZEIT NICHT. DU MUSST SIE ZUM KLINGEN BRINGEN, NUR WIR KÖNNEN SIE SICHTBAR MACHEN – FÜR EINE ZEIT. – WEITER ; – WEITER, – DESHALB KANN MAN BEHAUPTEN, DAS DIE ZEIT DER WICHTIGSTE GRUNDSTOCK DER MUSIK – DES FILMS – ALLER »FLÜCHTENDEN« KUNSTARTEN IST – DIE FLÜCHTIGEN KUNSTARTEN LEBEN VON IHR, SIE FRESSEN GERADEZU DIE ZEIT. OBWOHL DU DIE MUSIK IN DEINEM EIGENEN KOPF HÖREN KANNST, KANNST DU SIE HÖCHSTEN KOMPRIMIEREN. SELBST WENN DU LIEST FRISST DICH DIE ZEIT, ABER SIE FÜLLT DICH AUCH MIT ETWAS ANDEREM, DAS DU IHR DANN WIEDER AN DEN KOPF WERFEN KANNST, WENN SIE DIR ERLAUBT HAT DAS GELESENE ZU VERDAUEN. DU BIST EIN »OPFER DES ZAHNS DER ZEIT« UND »MAN MUSS DEN ZEITPUNKT SEINES BESUCHES KENNEN« PFLEGT MAN ZU SAGEN, UND VERSUCHT ES ZU KONKRETISIEREN, ABER KÜMMERT DIE ZEIT NICHT. LASS DIE ZEIT VERGEHEN, DAS TUT SIE JA SOWIESO, KÖNNTE MAN VORSCHLAGEN, ABER DAS GEHT AUCHT NICHT, DENN DIE ZEIT FORDERT, SIE VERBRAUCHT ENERGIE. ES KÖNNTE FAST SO AUSSEHEN, ALS OB SIE DICH BRAUCHTE, ABER DAS TUT SIE NICHT. IST FÜR DIE MENSCHEN UNUMGÄNGLICH, UNWIDERSTEHLICH. ANSCHEINEND IST AUCH DIE ERDE VON DER ZEIT BEEINFLUSST, ANSCHEINEND NUR, DEN VOM GESICHTS-PUNKT DER ZEIT AUS GESEHEN, IST SIE ES WOHL DOCH NICHT. DIE ERDE DREHT SICH AUF BEFEHL DER ZEIT. DIE WELT DER MENSCHEN DREHT SICH – DAS WELTBILD DER MENSCHEN DREHT SICH – UND WIR NENNEN ES ENTWICKLUNG. IST ES WOHL AUCH, ABER VON DER ZEITPERSPEKTIVE AUS GESEHEN, IST SIE ES AUCH NICHT. WÄHREND DIE ZEIT DIE WELT DREHT, STEHEN WIR MENSCHEN STAUNEND STILL, EGAL WIE SCHNELL WIR LAUFEN ODER WIEVIEL WIR SCHIESSEN. DIE ZEIT IST SO IN JEDEM INDIVIDUUM EINGEBAUT, DASS ES ZWAR AN IHR TEIL HAT, ABER OHNE EINFLUSS AUF IHREN VERLAUF IST. – WHAT TIME IS IT – IS IT WHAT TIME – TIME IS IT WHAT ? – DIE ZEIT DREHT NICHT, DIE ZEIT STEHT STILL UND BEWEGT SICH. SIE WÄCHST NICHT. SIE IST UNSICHTBAR. ABER SIE BRAUCHT ENERGIE AUS DEM ALL. WIE DIESE WELT SICH DREHT, DREHEN WIR. DIE ZEIT LEBT VON DER ENERGIE DES GANZEN UND WIR WERDEN GEZWUNGEN, DIE NOTWENDIGE ENERGIE FÜR DIE ZEIT ZU BESCHAFFEN. DER KRIEG IST DER SCHLIMMSTE FEIND DER ZEIT, ER VERBRAUCHT VIEL ZU VIEL ENERGIE UND ES BLEIBT WENIG ÜBRIG, UM ZU DENKEN, NACHDEM DIE ZEIT IHREN ANTEIL BEKOMMEN HAT. DER MENSCH STEHT ABGESTUMPFT ZURÜCK, VERLASSEN. ABER DIE ZEIT KÜMMERT SICH UM NICHTS, SIE GEHT WEITER – WEITER – WEITER – SIE STEHT SOLID UND RUHIG UND BEWEGT SICH, ALS SEI NICHTS. SO WIE SICH DIESE WELT DREHT, DREHEN WIR. ABER DER ZEIT IST ES EGAL, UNERBITTLICH EGAL. *

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« Hundertachtzig Hammerschläge für den Frieden » Henning Christansen 1991

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Henning Christiansen spricht über Robert Filliou:

KUNSTRADIO

7. 1. 1988


II.

Erinnerungen an den Fluxuskünstler Robert Filliou



Bitte diesen Link: http://www.kunstradio.at/1988A/MP3/07_01_88b.m3u



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A CASSETTE OF THIS PROGRAM CAN BE ORDERED FROM THE “ORF TONBANDDIENST”


Mit dem dänischen Künstler Henning Christiansen, dem amerikanischen Künstler und Dichter Emmett Williams, der 1962 die allererste Reportage über Fluxus schrieb, und dem Organisator der Friedens-Bienale René Block.Henning Christiansen über seinen verstorbenen Freund Robert Filiou: “Robert Filliou ist tot. Mein Gefühl ist, daß er trotz alledem weiterlebt”.

Der Fluxuskünstler Robert Filiou, Begründer der internationalen Friedens-Bienale in Hamburg, verstarb im Dezember 1987 in einem buddhistischen Kloster in Süd-Frankreich.

“Ebenso wie der Dadaismus, Futurismus oder Surrealismus ist Fluxus kein Stil: er war und ist eine Geisteshaltung. Ohne Übertreibung kann gesagt werden, daß Fluxus wie kaum eine andere Idee das Bewußtsein und die Ausdrucksform vor allem der Bildenden Künstler, Komponisten und Theaterleuten verändert hat, obwohl Fluxus selbst weitgehend unbekannt geblieben ist.”

“Natürlich setzt sich die Fluxus-Bewegung aus Individuuen zusammen, die sowohl was ihre Arbeitsweise als auch ihre Persönlichkeiten betrifft, sehr verschieden sind. Ihre grundsätzliche menschliche Einstellung aber ist insofern die gleiche, als es darum geht gegen diese bodenlose Dummheit, Traurigkeit und Bosheit anzukämpfen, die nicht aufhören, unser Leben zu vergiften und für eine Welt, in der Spontanität, Freude, Humor und warum nicht einer Art “höherer Weisheit”. Viele von uns sind vom Zen-Buddhismus beeinflußt sowie wahre soziale Gerechtigkeit und Wohlfahrt. Viele von uns gehören zur politischen Linken, so selbstverständlich wählen, wie die Augen meiner Frau grün sind. Ein großes Programm, ich weiß; trotzdem: wir arbeiten daran. Kunst ist immer noch das, was Künstler machen. Wir stehen damit aber nicht allein da, unsere Ziele sind im Grunde die Ziele aller anderen Menschen, sowie die Fehler anderer auch unsere sind. Was mich betrifft, ist jeder, der mir zumindestens hilft, das Schlimmste abzuwehren, mein Freund, sofern er es wünscht.” (aus einem Brief 1963)


http://www.kunstradio.at/1988A/7_1_88/drei.html

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*Text oben: Henning Christiansen 1991 | Abschrift (jst/gfok) aus dem Katalog:

I6·I·9I

Kunstwissenschaftliche Leitung und Katalog: Gunnar F. Gerlach

» Kunst gegen den Golfkrieg «

Konkret Literatur-Verlag | BBK Hamburg “Woche der Bildenden Kunst”

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Gunnar F. Gerlach

http://www.hamburger-kunsthalle.de/manson/catalog/gerlach.htm

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Henning Christiansen: Kurz vor Weihnachten wurde er auf der dänischen Insel Mön begraben. Mit einigem Aufwand, denn der grüne, schiffsförmige Sarg passte ohne Sägen nicht in die Grube: Nach 76 Jahren ein sehr performativer Schlusspunkt zum Leben von Henning Christiansen. Der Musiker und Kunstperformer war in den sechziger Jahren einer der Mitbegründer der FLUXUS- Bewegung und gestaltete unter anderem den Sound zu fast allen Auftritten von Joseph Beuys. Von 1985 bis 1997 war er Professor für Multimedia an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. 2001 wurde er mit einer Werkschau im dänischen Pavillon der Biennale von Venedig geehrt. Trotzdem ist sein entscheidender Beitrag zur Geschichte der Aktionskunst bis heute leider noch unterbewertet. Hajo Schiff [Taz]

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Memorial für Henning Christansen

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Bienenzucht in Qumran (I)

In tiefer Verbundenheit

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medienwatch.wordpress.com | medienwatch.de | meta-info.de | Foto: (?) Kopenhagen | Site: Jörg Stange, Gunnar F. Gerlach GfoK Kunstarchiv

Written by medienwatch

Dezember 15, 2008 at 21:59

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