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Hamburg: Eltern mit behinderten Kindern besetzen leerstehende Wohnanlage in Hamburg

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Eltern mit behinderten Kindern besetzen leerstehende Wohnanlage in Hamburg

An alle Freunde und Unterstützer von Nicos Farm e.V. und an alle, die es werden möchten:

Seit heute früh (12.12.2009) protestieren die Mitglieder des gemeinnützigen Vereins „Nicos Farm e.V.“ und Eltern mit ihren behinderten Kindern mit einer Hausbesetzung friedlich gegen die behindertenfeindliche Politik des Hamburger Senats.

Zwei Jahre lang haben wir uns vergeblich bemüht, das ehemalige Altenpflegeheim am Holstenkamp 119 als Wohnraum für Eltern mit behinderten Kindern zu nutzen. Ziel unseres Projektes ist es, Familien mit behinderten Kindern das Leben durch Gemeinschaft zu erleichtern und einen Ort zu schaffen, an dem die Kinder auch im Erwachsenenalter bleiben und nach ihren Möglichkeiten wirken können. Dafür haben wir ein umfangreiches Konzept erstellt und dies dem Hamburger Senat vorgestellt. (Das Konzept steht auf unserer Homepage http://www.nicosfarm.de als Download zur Verfügung)

Die Anlage böte Platz für etwa 20 Familien mit Kindern unterschiedlicher Behinderungen. Ein wesentlicher Aspekt unseres Konzeptes ist es, dass die Kinder nicht, wie sonst notwendig, nach der Loslösung von den Eltern in einem Pflegeheim untergebracht werden, sondern dass sie auf der Wohnanlage, die wir „Nicos Farm“ genannt haben, in ihrem Umfeld verbleiben.

Darüber hinaus soll hier eine kulturelle Begegnungsstätte geschaffen werden, die u.a. Künstlern Raum bietet, im Stadtteil zwischen behinderten und nichtbehinderten Menschen vermittelt, sowie generationsübergreifend die Bewohner der benachbarten Seniorenanlage mit einbezieht. Freischaffende Künstler könnten auf dem Areal ein reiches Betätigungsfeld finden. Ein Streichelzoo soll u.a. den Kontakt zu Kindern der Nachbarschafft erleichtern.

Weil es in der Vergangenheit Missverständnisse über die Ziele unseres Vereins gegeben hat, sei an dieser Stelle ausdrücklich erwähnt, dass es von unserer Seite sehr erwünscht ist,  verschiedenen Gruppen einen Raum zum Leben zu ermöglichen. Nachdem wir uns um diese Wohnanlage beworben haben, wurden zwei der Häuser obdachlosen Jugendlichen, den Holstenpunx, zur Verfügung gestellt. Die gesamte Anlage – die Mehrgeschosshäuser eingeschlossen – böte Raum für unterschiedliche Interessengruppen, die zu einer Bereicherung der Gesamtanlage führen könnte. Darum wäre ein buntes Miteinander absolut erstrebens- und wünschenswert.

Mithilfe der Politik entstünde hier  im Stadtteil  ein soziales Leuchtturmprojekt, das über die Grenzen Hamburgs hinaus beispielgebend sein könnte.

Der Senat hat bisher alle unsere Bemühungen ignoriert und keinerlei Gesprächsmöglichkeiten angeboten. Unser Konzept liegt allen Senatsmitgliedern vor. Bislang gab es keinerlei Bereitschaft, unser Projekt zu erörtern.

Wir haben nicht einmal um finanzielle Unterstützung gebeten, sondern lediglich um die Überlassung der Wohnanlage. Weil unsere Kinder eben nicht frühzeitig in ein Pflegeheim abgegeben werden, ergäbe sich für die Allgemeinheit eine jährliche Ersparniss von ca. 1,5 Mill. €uro. Auch diese Tatsache stößt bei den verantwortlichen Politikern auf völlige Ignoranz.

Um den  Zynismus, der uns entgegengebracht wird zu verdeutlichen, sei gesagt, dass uns die alte Schießanlage im Volkspark als Ausweichort angeboten wurde.  Sie ist jedoch nicht bebaut und nach Aussage der Polizei, die sie derzeit nutzt, mit Munitionsresten und Kampfstoffen  aus 2 Weltkriegen kontaminiert.

Auch die Erfahrung von Journalisten, die auf das geplante Wohnprojekt aufmerksam geworden waren und darüber berichten wollten, belegen, dass die „Angelegenheit Holstenkamp“ im Senat offenbar unter Verschluss gehalten wird. Auch sie beklagen mangelnde Auskunftsbereitschaft bei den Recherchen und bezeichnen die ablehnende Haltung der Verantwortlichen inzwischen als Einschränkung der Pressefreiheit.

Inzwischen haben wir – zunächst über Dritte – erfahren, dass die Anlage im kommenden Jahr an Familien abgegeben werden soll. Mittlerweile liegt uns ein Schreiben gleichen Inhalts von der Sozialbehörde vor, die diese Aussage bestätigt.

Wir kommen zu dem Schluss, dass, nach Auffassung des Hamburger Senats, Eltern mit behinderten Kindern wohl  keine Familie sind und prüfen derzeit, inwieweit bei dieser Entscheidung gegen die UN-Resolution über den Umgang mit behinderten Menschen verstoßen wurde.

Wir sehen darum  keine andere Möglichkeit, als mit dieser Hausbesetzung, die wir absolut friedlich durchführen werden, eine breite Öffentlichkeit auf dieses unglaubliche Verhalten des Hamburger Senats aufmerksam zu machen.

Hausbesetzung ist ein Rechtsbruch. Darum galt es abzuwägen. Aus Sorge um die Zukunft unserer behinderten Kinder, mit dem Ziel vor Augen, ihnen eine menschenwürdige Perspektive zu bieten, können wir die Besetzung moralisch vertreten.

Darum bitten wir um Verständnis für diese Maßnahme und bitten Sie um Ihre Unterstützung.

Wir brauchen dringend Hilfe im Kampf gegen die Politik und bitten um Ihre Solidarität.

Behinderung geht uns alle an. Jeder von uns kann direkt oder indirekt davon betroffen werden. Gesundheit ist ein Geschenk, das uns jederzeit wieder genommen werden kann.

Wir laden Sie sehr herzlich am Sonntag, den 13. Dezember (ab 9 Uhr)  zum Adventsfrühstück und / oder Adventskaffee in den Holstenkamp 119 ein (letztes Haus in der Sackgasse)

Arnold Schnittger

1. Vorsitzender Nicos Farm e.V.

Kontakt:

Nicos Farm e.V., Wandsetwiete 2, 22047 Hamburg, Tel. 0176 49 88 32 76,

E-Mail: info[at]nicosfarm.de

Weitere Informationen unter

http://www.nicosfarm.de

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BAHRENFELD

Wut auf Behörden: Eltern besetzen Haus

Aus Wut, Frust und Enttäuschung über Hamburgs Behörden und einen „ignoranten Senat“ haben Eltern schwerbehinderter Kinder am Wochenende auf dem Gelände der ehemaligen Altenpflege am Holstenkamp (Bahrenfeld) eines der acht seit sieben Jahren leer stehenden Häuser besetzt.

VON RENATE PINZKE

http://www.mopo.de/2009/20091215/hamburg/panorama/wut_auf_behoerden_eltern_besetzen_haus.html

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Written by medienwatch & metainfo

Dezember 12, 2009 at 13:21