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HafenCity: Kontinuität von Kisten, Kästen, Klassen und Kapital

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Fotos: Jörg Stange

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Gunnar F. Gerlach

Anmerkungen zur Kontinuität von Kisten, Kästen, Klassen und Kapital als Transportmittel und versuchter Transformation

Seit der Aufklärung gilt nicht nur der Leitgedanke einer Kunst die im Auge des Betrachters erst (mit) entsteht. Auch Formen des Humors in Spott, Satire und Ironie sind abhängig vom jeweiligen Betrachterstandpunkt, seinem Vorwissen, seiner Perspektive und seinem Ziel (ästhetisch, ideologisch, politisch etc.). Insofern erweist sich der zu fordernde bifokale Blick am Grassbrookhafen zwischen der neuen architektonischen Be- und Verbauung und dem gegenüberliegendem Künstlerdorf (als Festival-Ort) für die einen als ironisch sehr gut gespiegelter Reflex auf die phantasielose Container- und Schuhkarton-Architektur, für die anderen erscheinen die Container als zu einfache Um- und Entgegensetzungsform. Beide Seiten der Anschauung dieser Medaille (Kapital, Humankapital) können gute Gründe für ihre Argumentation vorweisen: zumindest im Sinne einer solitären Stellung des Präfix‘ „sub“, etymologisch gedeutet als „unter“, ließe sich dies als eine ästhetische Praxis mit ironischem Verweis auf ein „Unter-Sehen(visto) und laufen“ deuten.

Müßig auch die Frage nach der Qualität der sogenannten „0ff-“ oder „Underground“, gar „Rest-Avantgarde-Kunst“, da diese Begriffe selbst seit 20 Jahren als Labels- und Marken-Zeichen im Kontext post-post-moderner Ökonomisierung und Funktionalisierung der Kunst kaum noch Aussagewert besitzen. Hinzu kommt die Unmöglichkeit einer Vorstellung (Vision) von „Avantgarde“ in globalisierter Gleichzeitigkeit der eigentlich kulturell und regional spezifisch differenzierten Phänomene Theorie und Praxis der Künste. Wenn alles synchron und parallel läuft, wer schreitet dann wohin noch voran? Noch fragwürdiger wird dann zusätzlich ein Spiel über die Selbstdarstellungs- und Karriere-Bande, welche Off-Szene denn nun „besser“ sei…(‚Besser‘ oder ‚Schlechter‘ sind wohl insgesamt keine ernst zu nehmenden, ästhetisch-philosophischen Kriterien der Beurteilung von Kunst oder der Ästhetik zugeschriebenen Ge-Bilden; dies können sie nur sein innerhalb einer spätbürgerlich geprägten Frage nach Geschmacks-Urteilen, die sich bei genauerer Ansicht wiederum als Klassen- und Kasten-Fragen herauskristallisieren).

Die konstruktiv zu stellende Frage, die einer ernsten Diskussion bedürfte, wäre doch eher nach der Form-Inhalts-Korrelation zu stellen: Kisten, Kästen und Kontainer – auf denen das Wort „Kapital“ durchaus historisch legitim und sinnfällig als Logo angebracht ist – bilden als Produkte (inklusive der anhängenden, weiterbearbeitenden Technologien) und als (Transport-) Mittel durchaus den materiellen Reichtum der Freien und Hansestadt Hamburg. Als Vehikel des Kunst-Transfers, auch im Sinne der Dreifachgesichtigkeit des Begriffes „Vision“ (Vorstellung, Erscheinung, Traumgesicht) ist man dann doch zunächst irritiert: sollte ein sich selbst als affirmativ-subversiv verstehendes Projekt schon formal in die Falle eines einseitigen und zynischen „Kapital“-Begriffes gegangen sein und in seinem eigenen (und berechtigtem) Anliegen die Kunst als HumanKapital (im Sinne der Deutschen Bank etc.) in TransportKisten des Warenhandels stecken?

Zumindest scheint hier die Phantasie nicht unbedingt an die Macht gelangt zu sein, zumal sich so besonders bei der Eröffnung der Eindruck eines „Elb-Vergnügens“ (in Analogie zu Alstervergnügen und Weihnachtsmarkt) eher vermittelte, als der Wille zu ins Reale und Alltägliche eingreifenden (operativen) Kunst – die ja immerhin nicht zum Mainstream zu zählen wäre. Nichts gegen Feste und Feiern, aber sind denn Name und Logo der Stadt jetzt schon umgewandelt in „Feier und Container Stadt Hamburg“? Bei genauerer Betrachtung bedeutet „sub“ ja zudem auch „ein wenig“; zusammengedacht mit dem Begriff „Vision“ als Erscheinung, ergäbe sich dann ein Kunst-Festival-Name, der lautet: „Ein wenig Vorstellung“…

Da ist doch allen Beteiligten zu wünschen, im Laufe der nächsten Tage die Aktionen etwas hellsichtiger, halluzinatorischer und radikal eingreifender zu gestalten. Und ansonsten bleibt bestehen: Kein Krieg der Szenen! Bedenkt: „Karthago soll zerstört werden“.

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noroomgallery-hafenCity-medienwatch-700-09Operativer Produktions Cont. 23 Noroomgallery (Mobile Redaktion), Gunnar F. Gerlach, Jan Holtmann

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subversiv-operative-tatlin-zeitung-medienwatchChto delat, St. Petersburg (Zeitung mit Rev:Turm Tatlin)

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Wanted, in vino veritas [Henning Christiansen] Blockbau Bernd Jasper

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HafenCity Kunstfestival – subvision. kunst. festival. off.

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Der nachfolgende Diskussionsbeitrag (echo-Liste, Ausschnitt) zeigt auf, in welchen Kontexten, bzw. in welchen Ansätzen die Bandbreite der kritischen Befragung von „Subvision“, der Beteiligten und sich verweigernden oder distanzierten KünstlerInnen der „Offszene“ und ausserhalb des „Off“ individuelle Kritik, in einem gewissen Konsens, gegenüber des HafenCity GmbH-Projektes angesiedelt ist. [ Der Text: „Die Privatisierung des kritischen Diskurses“ wurde autorisiert. Anm. jst ]

[echo] Subvision: Die Privatisierung des kritischen Diskurses

„die fragestellungen kapitalgesteuerte stadtbau, privatisierung von ressourcen und infrastruktur sind globale erscheinungen, passiert nicht nur in hamburg. wird in den arbeiten auf dem festival mehr als einmal thematisiert.“

Dieses Argument kann auch schön illustrieren, warum Menschen nicht auf die Straße gehen, wenn sie erfahren, dass Banken 480 Milliarden Euro als sog. Rettungsschirm gestiftet bekommen… Im oben zitierten Satz wird gesagt: Was mit der HafenCity passiert, passiert „global“, und deshalb darf sich Widerstand nicht lokal orientieren. Eine fatale Fehleinschätzung in einer gewissen Hinsicht: Es gibt einen lokalen Diskurs, eine lokale Pressearbeit. Diese Elemente werden mit subvision – durchaus subversiv – bekämpft.

Der politische Widerstand der lokalen Künstlergruppen gegen die Stadtentwicklungspolitik wird durch subvision an ihren zentralen Gelenkstellen gebrochen: Die wenigen wirksamen Mittel der Künstler sind ihre konkreten Arbeiten – deren Austauschbarkeit nun bewiesen ist – sowie eine solidarische Öffentlichkeitsarbeit – die gezielt untergraben wird.

Als Beispiel für den Schaden, den das subvision-Festival der lokalen kritischen Künstlerszene zugefügt hat, mag folgender „Bericht“ gelten (Forums(?)beitrag, der auf der „Die rote Fahne“-Frontpage verlinkt ist): hier

Weitere Beispiele wurden bereits herumgeschickt. Dadurch, dass ein Diskurs in die Breite getrieben wird, („ein breiteres und unerschiedlicheres publikum“) – zunächst natürlich erstrebenswert -, ist noch nicht garantiert, dass er eine breitere Wirkung entfalten wird. Analysiert man den Sachverhalt genauer, zeigt sich, dass eine breite Diskussion auch genau das Gegenteil bewirken kann. Entscheidend dabei ist, wer die Diskussion dominiert und wie sie in jenem aufgeht, was man als allgemeines Diskurs-Simulakrum bezeichnen könnte.

Ein interessantes Ergebnis der Vorfälle ist die Fragestellung, ob bei der Präsentation auf dem HafenCity-Gelände eine Öffentlichkeit überhaupt angesprochen wird. Rein formal handelt es sich ja um Privatgelände. Das Festival ist eine Spielart sozialintegrativer Unternehmenspolitik, wie Vattenfall-Sportveranstaltungen auch. Aber auch in anderen kontextuellen Aspekten zeichnet sich ab, dass der zu beobachtende Vorgang eine Assimilierungsmaßnahme ist. Es handelt sich, etwas plakativ dargestellt, um eine Diskurs-Privatisierung. Es ist also nicht so, wie der Kommentator der Süddeutschen, Olaf Bargheer, meint, dass die Linke sich nur aus Gewohnheit selbst zerfleischen würde. Es ist vielmehr so, dass der kritische Diskurs privatisiert wird und die Linke auf ihrem Medusa-Floß in der Elbe dümpelt. „Die rote Fahne“ weht jedenfalls auf dem Privatgelände…

Meinem Text liegt der Gedanke zugrunde, dass kritische Kunst sich dadurch definiert, bestehende Diskursformen aufzubrechen. So gesehen ist bei subvision Köttering der interventionistische Künstler – er bricht die linken Diskursformen auf, indem er sie von rechts finanzieren lässt – und die eingeladenen „Künstler“ sind das Material. Ein weiterer Beitrag zur Frage: Gibt es rechte Intellektuelle? (*)

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Off-Kultur

Mitmachen oder nicht?

In der Hafencity findet das Festival „Subvision“ statt. Für einige Künstler ist es eine Chance zur Präsentation, andere überlegen, ob man sich nicht instrumentalisieren lässt. VON KLAUS IRLER

http://www.taz.de/regional/nord/nord-aktuell/artikel/1/mitmachen-oder-nicht/

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HafenCity: Substanzielles in Subversivem, oder das Versionem im Subvisionellen des Subvisuellen

2009/08/28/hafencity-substanzielles-in-subversivem-oder-das-versionem-im-subvisionellen-des-subvisuellen/.

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(*) „Für die Soziologie (Joseph Schumpeter folgend) sind Intellektuelle Menschen, die zu reden und zu schreiben verstehen und mit ihrer Kritik öffentlich Dinge zur Sprache bringen, die an sich außerhalb ihrer eigenen Sachkompetenzen und Verantwortungsbereiche liegen. Ihre Erfolgschance beruht auf der Legitimitationsfähigkeit durch in der jeweiligen Gesellschaft verbindliche Grundwerte und liegt vor allem in ihrem Störpotenzial“

http://de.wikipedia.org/wiki/Intellektueller

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Gunnar F. Gerlach

„Die eingreifende, operierende künstlerische Erkenntnis und Handlung hingegen in tatsächlichen individuellen und gesellschaftlichen Systemen und Fiktionen ist experimentell eher geeignet gestalterische und reflexive Tätigkeiten zwischen Sinnlichkeit und Reflexion ( die Künste, die Philosophie, der Schamanismus) als konkret heilende Bewußtwerdung und Konstruktive Vergessens-Seinsweise gleichgewichtig zu integrieren. Das zur Tat gewordene Wort und Bild versucht dabei alle möglichen, un-möglichen und para-möglichen Erkenntnisse sinnlicher und theoretischer Differenzierungen sensibel , sensitiv und surreal in einen Prozeß zu überführen, der in den flutenden und fruchtbaren Strom von realistischen und DaDa-istischen Haltungen mündet. Die Operationen sind dabei Ausdruck, Denk- und Sinnbild eines Dreistromlandes von Theorie, Praxis und Traum, die gemeinsam im Fluß sind – fluktuierende Dialektik. In diesem Zusammenhang beruft sich die „operative Kunst“ auf eine wissenschaftliche, historische, philosophische, anthropologiache und kunstwissenschaftliche Verknüpfung und Assoziation, die u. a. von Goya, Courbet und Morris über Tretjakov, Benjamin, Brecht und Breton zu Duchamp, Beuys, Böhmler, Brehmer und Hiltmann führt“

https://medienwatch.wordpress.com/gesellschaft-fur-operative-kunst/

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Das Wort vom Casinokapitalismus | Abschied vom Sozialstaat | Rekord-Neuverschuldung

https://medienwatch.wordpress.com/2009/07/03/das-wort-vom-casinokapitalismus-abschied-vom-sozialstaat/

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Hafencity = „U 4 / 2011″ von Iso-lation X nach Iso-lation Y
Für den schnellen Transport zur Erreichbarkeit von A wie Arbeit und B wie Beliebigkeit

https://medienwatch.wordpress.com/hafencity-u-4-2011-von-iso-lation-x-nach-iso-lation/

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