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Le Monde + Taz : Philosoph Badiou = Das Reale dieses Krisenspektakels

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KP Brehmer | 1970 »Korrektur der Nationalfarben, gemessen an der Vermögensverteilung« Foto: jst|08 Museum-Fridericianum Kassel: Ktlg. 1998, Schwarz = Mittelstand | Rot = restl. Haushalte | Gold = Grosskapital

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„Totaler Bruch mit dem Kapital-Parlamentarismus, nah am Realen der Völker erfundene Politik, Souveränität der Idee: alles ist da, das uns vom Krisenfilm freimacht und uns der Fusion lebendigen Denkens und organisierter Aktion übergibt“

Das Reale dieses Krisenspektakels

Der französische Philosoph Alain Badiou polemisiert gegen die Moral des Kapitalismus: Manager müssten sich wie „Raubtiere“ benehmen, die jetzige Ordnung basiere auf „Banditentum“. VON ALAIN BADIOU

Der Kapitalismus-Kreuzer versinkt: Spektakel oder Wirklichkeit?

So wie man sie uns präsentiert, ähnelt die globale Finanzkrise einem dieser schlechten stereotypen Filme, der von der Erfolgsfabrik ausgeheckt wurde, die man heute das „Kino“ nennt. Nichts fehlt, inklusive der überraschenden Wendungen, die für Angst und Schrecken sorgen: Unmöglich ist es, den Schwarzen Freitag aufzuhalten , alles bricht zusammen, alles wird zusammenbrechen? Aber die Hoffnung bleibt. Im Vordergrund, verstört und zusammengedrängt wie in einem Katastrophenfilm, die Schar der Mächtigen, die Feuerwehrmänner des Finanzbrands – Sarkozy, Paulson, Merkel, Brown, Trichet und andere -, die tausende Milliarden in das Loch stecken. „Rettet die Banken!“ Dieser edle, humanistische und demokratische Ruf schallt aus der Brust jedes Politikers und Journalisten. Ein Happy End, ich glaube und fühle es, ist für die direkten Akteure des Films, das heißt für die Reichen, ihre Dienerschaft, ihre Parasiten, für diejenigen, die sie beneiden, und für diejenigen, die sie beweihräuchern, sowohl in Anbetracht der Welt als auch der Politiken, die sich in ihr entfalten, unausweichlich.
Wenden wir uns vielmehr den Zuschauern dieser Show zu, der sprachlosen Masse, die das Halali der in Bedrängnis geratenen Banken wie einen weit entfernten Lärm vernimmt, die von den wirklich ermüdenden Wochenenden der kleinen glorreichen Truppe der Regierungschefs eine bloße Ahnung hat. Sie sieht die astronomischen und unverständlichen Summen an sich vorbeiziehen und vergleicht sie automatisch mit den eigenen Ressourcen, oder sogar, bei einem sehr beachtlichen Teil der Menschheit, mit der eindeutigen Nichtressource, die den bitteren und zugleich tapferen Boden ihres Lebens ausmacht. Ich behaupte, dass dort das Reale ist und dass wir zu ihm nur Zugang haben werden, wenn wir uns von der Leinwand des Spektakels abwenden, um die Masse jener zu berücksichtigen, für die der Katastrophenfilm samt seinem kitschigen Ausgang (Sarkozy küsst Merkel und alle Welt weint vor Glück) niemals etwas anderes als ein Schattenspiel war. (…)
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Bitte LInk benutzen

http://www.taz.de/1/archiv/dossier-finanzkrise

Aus dem Französischen von Frank Ruda.

Der Text erschien ursprünglich in der Tageszeitung „Le Monde“.

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Written by medienwatch & metainfo

Dezember 31, 2008 at 09:41