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Bertelsmann Stiftung: Privatisierungen im Bildungsbereich | Diskursethische Analyse

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Oberlandesgericht Recht des Billigen-08

jus est ars boni et aequi = „Das Recht ist das Handwerk des Billigen und Gerechten“

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„Im Neoliberalismus sind die Wirtschaft und die Gesellschaft der Menschen als Ganzes nicht zu erkennen und zu erklären. Die Gesellschaft zeigt sich als ein Gebilde einer Vielzahl von Individuen, die allein für ihr persönliches Glück verantwortlich sind. Diese Tatsache macht eine staatliche Steuerung solch einer Gesellschaft unmöglich. Die Regulation übernimmt in der neoliberalen Wirtschaft der freie Markt. Innerhalb dieses Marktes ist die Maximierung des individuellen Nutzens die grundlegende Motivation für die sich darin bewegenden Menschen. Die Steuerung der Prozesse erfolgt durch den Wettbewerb, der die effiziente Leistung des Marktes regelt und die gewünschten Ergebnisse hervorbringt“

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Neoliberale Bildungskonzepte

Diskursethische Analyse unter besonderer Berücksichtigung der Einführung von Finanzierungs- und Wirtschaftlichkeitskonzepten durch die Bertelsmann Stiftung

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Von Mark Lange

I. Einleitung
Ausgehend von meiner Beschäftigung mit dem Thema Privatisierungen im Bildungsbereich, stieß ich schon bald auf die Bertelsmann Stiftung und ihre Reformarbeit. Die Arbeit dieser Stiftung erschien mir bald als bestimmend für eine neoliberal geprägte Bildungspolitik. Die Vielzahl der Arbeitsfelder, vom Kindergarten bis zur Weiterbildung, ergab aber kein einheitliches Bild der dahinter stehen den Konzepte und war für eine gründliche Auseinandersetzung zu weitläufig. Ich begrenzte daher meine Recherchen auf den Bereich der Hochschulen und verschaffte mir ein grundlegenderes Bild der dort erfolgten Reformen. In der Beschäftigung mit den Konzepten stellte ich eine gewisse Aussparung dieser Themen in den Erziehungswissenschaften fest, obwohl die umgesetzten Vorstellungen eine Vielzahl von Auswirkungen im Geltungsbereich der Disziplin haben. Die Veränderungen der Bildungspolitik und der Institutionen, in denen pädagogisches Handeln stattfindet, sind ein zentrales Feld dieser Wissenschaft und damit wichtiges Untersuchungsfeld. Bestätigt fand ich diese Annahme in der Kenntnisnahme der Arbeiten von Ingrid Lohmann, Professorin für Erziehungswissenschaft an der Universität Hamburg. Sie hat meines Erachtens den Bereich der Privatisierung und Neoliberalisierung im Bildungsbereich exemplarisch aus der Sicht der Erziehungswissenschaft bearbeitet.
In der weiteren Planung der Arbeit wurde mir klar, dass für die Analyse der Bertelsmann Stiftung und des Hochschulbereiches zusätzliche Konzeptionen von internationalen Organisationen hinzugezogen werden müssten. Um eine Einschätzung der gesamten Entwürfe als neoliberale Bildungskonzepte ableiten zu können, war es meines Erachtens zusätzlich nötig, eine kurze historische Darstellung der Ideologie des Neoliberalismus der Gesamtdarstellung voran zu stellen.

Nach diesen Vorüberlegungen entwickelte ich folgendes Vorgehen:
Die Arbeit geht von der These aus, dass sich seit den 1970er Jahren eine zunehmende Durchsetzung von neoliberalen Überzeugungen und Konzepten in vielen Bereichen der Gesellschaft zeigt. Seit den 1990er Jahren wird auch der Bildungsbereich davon nicht mehr ausgenommen.
Ausgehend von einer Darstellung des Neoliberalismus, seinen Grundüberzeugungen und Argumentationen, soll dargestellt werden, dass der Bildungsbereich verändert und umstrukturiert werden soll. Es stellt sich dabei die Frage nach den Orten, in denen diese Veränderungen konzipiert und geplant werden.
Diese Frage wird anhand einer Beschreibung von Organisationen und Gesetzesvorhaben auf internationaler, europäischer und nationaler Ebene erörtert. Die Institutionen des Internationalen Währungsfonds, der Weltbank, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und verschiedenste Lobbyverbände und ihre Arbeit werden im Hinblick auf ihre Reformvorstellungen für ein modernes Bildungssystem untersucht und dargestellt. Erste Arbeitszusammenhänge mit der Bertelsmann Stiftung und den untersuchten Organisationen sollen dabei aufgezeigt werden.
Meine Auseinandersetzung mit dem Thema der neoliberalen Bildungskonzepte auf nationaler Ebene konzentriert sich auf die Bertelsmann Stiftung als ausgewähltem Beispiel der vorliegenden Arbeit. Sie ist meines Erachtens zentral im Blickfeld der Öffentlichkeit und der entscheidende Reformmotor in einer Umstrukturierung des Bildungswesens in der Bundesrepublik. In vielen Kommentaren wird die Stiftung daher als „heimlicher“ Bildungsminister bezeichnet.
Der zweite Teil der Arbeit nimmt eine Einschätzung der Bertelsmann AG, ihrer Verflechtungen als Weltkonzern und die Gründung der Bertelsmann Stiftung und des Centrums für Hochschulentwicklung vor. Am Beispiel von zentralen Publikationen der Stiftung sollen die Vorstellungen und Ziele für den Bildungsbereich dargestellt und beurteilt werden.
Es folgt eine Analyse des Centrums für Hochschulentwicklung. Diese zeitlich später gegründete Organisation beschäftigt sich ausschließlich mit Fragen der Hochschulreform. Die Betrachtung der vorgeschlagenen Reformkonzepte soll dabei im Mittelpunkt der Arbeit stehen. Des Weiteren geht es um eine Darstellung der Arbeitsweisen des Centrums für Hochschulentwicklung und seine Einbindung unterschiedlichster Bündnispartner, wie z.B. gewerkschaftsnaher Stiftungen. Im dritten Teil der Arbeit soll ein exemplarisches Beispiel für ein neoliberales Bildungskonzept im Mittelpunkt der Darstellung stehen. Da die Arbeit einen Schwerpunkt auf Fragen der Finanzierung und Wirtschaftlichkeit an den Hochschulen legt, wird die Einführung von Studiengebühren als bekannteste Maßnahme im Zentrum stehen.

Im zweiten und dritten Teil der Arbeit soll immer wieder auf Überschneidungen der Konzepte mit den im Neoliberalismus gefundenen Überzeugungen hingewiesen werden, um am Ende zu einer abschließenden Einschätzung neoliberaler Bildungskonzepte zu gelangen. Es soll die Frage beantwortet werden, ob die dargestellten Reformen als neoliberale Bildungskonzepte zu bezeichnen sind, und was diese charakterisiert.
Die Arbeit soll einen ersten Schritt zu einer vertiefenden Auseinandersetzung mit diesen Reformen im Bildungsbereich leisten. Die Analyse versucht sich dazu an einem möglichst großen Rahmen, ist sich aber bewusst, dass dabei vertiefende Einzelbetrachtungen auf weitere Arbeiten verschoben werden müssen.

II. Methodische Überlegungen
Jeder wissenschaftlichen Auseinandersetzung stehen auch methodische Überlegungen zugrunde. Die Begründung des Vorgehens soll klarmachen, was für Ziele der Autor mit seiner Arbeit erreichen möchte.
In meinen Überlegungen und Vorarbeiten zum Thema dieser Arbeit ging es mir um die gründliche Durcharbeitung der verfügbaren Literatur, der offiziellen Publikationen der Bertelsmann Stiftung und denen der genannten internationalen Organisationen, aber auch der kritischen Literatur aus der Erziehungswissenschaft und den Nachbardisziplinen. In der Darstellung dieser beiden Pole soll dem Leser die Stoßrichtung der Überlegungen klar, und eine kritische Auseinandersetzung ermöglicht werden. In diesem Sinne ist die Arbeit kompilatorisch, d.h. sie beruht auf Zusammenstellung verschiedener Schriften und Publikationen. Zudem soll die Arbeit aber auch eine Analyse des beschriebenen Gegenstandes im Sinne der Diskursethik sein. Dieser von Habermas vertretene Ansatz bildet eine methodische Grundlage des Vorgehens dieser Arbeit.
Die Diskursethik hat den Versuch, in einem Diskurs zu einer formallogischen Letztbegründung zu gelangen, zu überwinden versucht. Dieser Diskurs würde dabei in einen unendlichen Regress oder einen logischen Zirkel münden, oder abgebrochen werden. Was versucht die Diskursethik zur Lösung dieses Problems vorzuschlagen? Die Letztbegründung soll nicht mittels formallogischer Deduktion erfolgen, sondern mit der „Reflexion auf die subjektiv-intersubjektiven Bedingungen der Möglichkeit intersubjektiv gültiger Argumentation“ (Apel 1997).
Es geht hierbei um den Darstellung von Argumenten und guten Gründen, die mit dem Ziel einer Verständigung ausgetauscht werden. Im Diskurs wird von der gegenseitigen Anerkennung der beteiligten Menschen als mündige Personen, zwischen denen eine vernunftgeleitete Auseinandersetzung möglich ist, ausgegangen.

Habermas schreibt dazu:

„Die Beteiligten können einander nur überzeugen wollen, wenn sie pragmatisch unterstellen, dass sie ihr „Ja“ und „Nein“ einzig durch den Zwang des besseren Arguments bestimmen lassen“ (Habermas 1991, S. 132).

In diesem Sinne soll die Arbeit die Analyse des Gegenstandes aus unterschiedlichen Blickwinkeln leisten und auf diese Weise einen Diskurs im angesprochenen Sinne führen. Erst im Nachvollzug können der Leser und der Autor selbst Schlüsse aus dem geführten Diskurs ziehen. Dabei lässt es sich nicht vermeiden, dass die persönliche Meinung des Autors immer wieder in der Darstellung klar wird. In der Arbeit werde ich daher immer wieder persönliche Meinungen und Tendenzen in der Argumentation darstellen und vertreten. Trotzdem erhebe ich den Anspruch, dass die Gegenargumentation immer möglichst vollständig zur Sprache kommt und in ihrer Logik klar wird. Die persönliche Stellungnahme zu den analysierten Argumenten soll aber nicht unterbleiben.
Die folgende Untersuchung geschieht allein in der Auswertung der derzeit verfügbaren Literatur zum jeweiligen Themenkomplex. Aktuelle Entwicklungen wurden – wenn möglich – einbezogen.

1. Teil: Die zunehmende Durchsetzung neoliberal geprägter Bildungskonzepte
1.1 Ausgangslage
Verschiedene Autoren (Lohmann 2004 und 2005; Schöller/Bultmann 2003; Keller 2000) vertreten die Meinung, dass sich seit den siebziger Jahren, teilweise auch erst mit Beginn der achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts, zunehmend eine Durchsetzung von neoliberalen Konzepten in vielen Bereichen der Gesellschaft feststellen lässt. Seit den 1990er Jahren ist auch der Bildungsbereich nicht mehr ausgenommen und es wird häufig von einer „marktorientierten Monetarisierungsoffensive“ gesprochen (Lohmann 2005), die den ganzen Bildungsbereich in zunehmend betriebswirtschaftliche Strukturen zwängt. Zu den Entwicklungen gehören die Veränderungen der Bildungslandschaft durch Privatisierungen, die Kommerzialisierung von öffentlichen Bildungseinrichtungen, vermehrtes Sponsoring und vielfältige Verfahren des Benchmarkings und der Ranking-Listen. Zudem ist eine öffentliche Diskussion um verschiedene Modelle der Bildungsfinanzierung, die Einführung von Wettbewerbsprinzipien in Bildungseinrichtungen und der vermehrte Einfluss von Konzernen, Lobbyorganisationen und Stiftungen auf den Bildungsmarkt festzustellen (vgl. Lohmann 2000, S.267f). Folglich kann durchaus von grundlegenden Veränderungen im Bildungssystem gesprochen werden, und es ergibt sich die Frage, ob sich diese Konzepte als „neoliberal“ bezeichnen lassen.
In seinem Buch „Hochschulreform und Hochschulrevolte“ (Keller 2000) spricht Keller bereits im Jahre 2000 von einem festzustellenden „neoliberalen Bildungsbegriff“, der diesen Veränderungen eigen sei. Ausgehend von Umstrukturierungen des öffentlichen Sektors im Sinne des New Public Managements und der postmodernen Gesellschaftstheorie, kommt er zu der Einschätzung, dass in der Bildungspolitik ein Paradigmenwechsel seit den 90er Jahren zu beobachten sei.
Die Bildungspolitik würde in diesem Zusammenhang von einem neoliberalen Bildungsbegriff ausgehen, den er folgendermaßen charakterisiert:

„In der Vorstellungswelt des Neoliberalismus fungiert Bildung letztlich als abhängige Variable der ökonomisch-technischen Entwicklung. Aus dem Recht auf Bildung ist eine Qualifizierungspflicht jeder und jedes einzelnen geworden“ (ebd., S.327f).

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| 9. Oktober 2009

Hier bitte weiterlesen:

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Neoliberale Bildungskonzepte.pdf (135 Seiten)

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Sonntag, 15. August 2010

Kommentar

Zur Gemeinnützigkeit der Bertelsmann Stiftung

Wanfried (9.3.09): Bei der Bertelsmann Stiftung handelt es sich nach vielen soziologischen Ansichten und Untersuchungen um eine Institution die vergleichbar ist mit einer ausgelagerten steuerbefreiten Marktforschungs-, Marketing- und Vertriebsabteilung der Bertelsmann AG und Ihrer Tochterunternehmen, insbesondere der Arvato AG. Von Michael Krämer
http://glocalist.com/news/kategorie/kommentare/titel/kommentar-zur-gemeinnuetzigkeit-der-bertelsmann-stiftung/

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Handelsblatt

Enthüllungsbuch: Schlimme Vorwürfe gegen Bertelsmann-Stiftung

Lobbyismus vor Gemeinnutz? Das neue Buch des Münchener Journalisten Thomas Schuler, „Bertelsmann Republik Deutschland: Eine Stiftung macht Politik“, wirft der Bertelsmann-Stiftung Machtmissbrauch vor. Der Konzern reagiert prompt: Der Mohn-Vertraute Thielen weist die Kritik an der Gemeinnützigkeit scharf zurück:
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/enthuellungsbuch-schlimme-vorwuerfe-gegen-bertelsmann-stiftung%3B2634046

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Schmutzige Wäsche: Die Frau des Bigamisten

Die Frau des Übervaters

Von Rita Flubacher. Aktualisiert am 15.10.2009
Nach jahrelangem Hintenanstehen drängt sie jetzt nach vorne: Liz Mohn regiert nun über Europas grössten Medienkonzern Bertelsmann.

Reinhard Mohns Ehe: „Der Weg dorthin führte durch Abgründe menschlichen Verhaltens“

http://www.tagesanzeiger.ch/panorama/leute/Die-Frau-des-Bigamisten/story/16959446

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weiterführende links:

https://medienwatch.wordpress.com/?s=Bertelsmann

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Der Beitrag wurde vom Autor Mark Lange autorisiert | Foto + Bildbearbeitung: «Oberlandesgericht» Jörg Stange, Gunnar F. Gerlach GfoK-Kunstarchiv

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