medienwatch & metainfo (gfok)

Medienrecherche: Politik | Wissenschaft | Kunstprojekte

Archive for the ‘Aktion Mensch: Kritik an Tafeln nicht erwünscht!’ Category

Aktion Mensch: Kritik an Tafeln nicht erwünscht!

with one comment

cropped-quadrate-thumpnails-justice-gfok

.

12. Februar 2009
Warnung vor unkritischem Umgang mit „Die Gesellschafter“ von „Aktion Mensch“
Albrecht Müller

Heute erreichten uns gleich mehrere Mails mit Hinweisen auf “Die Gesellschafter”. In einer Mail werden wir darauf aufmerksam gemacht, dass ein leicht kritischer Kommentar zu den “Tafeln” bei “Die Gesellschafter” nicht aufgenommen wurde. Aus Kreisen von Attac erreicht uns folgendes: „Hallo, da viele linke Gruppierungen sich ganz unkritisch an den Gesellschaftern beteiligen, hätte ich die Frage, ob Sie kritisches Material dazu haben.“ – In der Tat haben wir das. Bei uns finden Sie einen vorweihnachtlichen Eintrag vom 22. Dezember 2006: „Aktion Mensch macht neoliberale Propaganda“. Hier werden Gelder, die mit Hinweis auf Behinderte für soziale Zwecke gesammelt werden, für die Organisation einer öffentlichen Debatte mit meist neoliberal eingefärbter Stoßrichtung missbraucht. Meiner im Dezember 2006 formulierten Meinung habe ich nichts hinzuzufügen. Ich kann mich über die Blauäugigkeit mancher Zeitgenossen/innen nur wundern […]

http://www.nachdenkseiten.de/?p=3765

08.02.09

Der geplante Gastkommentar von Stefan Selke beim Politischen Tagebuch der Gesellschafter zensiert!

Alle reden über die Tafeln. Doch Kritik ist in dieser Gesellschaft nicht erwünscht! Gerade diejenige Initiative, die fragt, in welcher Gesellschaft wir leben wollen, erlaubt es sich, unerwünschte Meinungen einfach zu zensieren.

Was ist passiert?

Der geplante Gastkommentar von Stefan Selke im Rahmen des „Politischen Tagebuchs“ wurde von der Redaktion der Aktion Mensch zensiert.

Am 28. Januar wurde ich von der PR-Agentur „blond + braun presse und pr“ aus Köln, gebeten, einen Gastkommentar zur Tafelbewegung zu schreiben. Dieser Kommentar sollte am 6. Februar auf der Webseite diegesellschafter.de der Aktion Mensch veröffentlicht werden.

Was ist daran problematisch?

Das Tagebuch verfolgt folgendes Anliegen: „Im Gesellschafter-Tagebuch verfassen viele wechselnde Autoren Einträge zu tagespolitischen Anlässen oder Ereignissen Ihrer Wahl: subjektiv, persönlich, direkt.“ (Quelle: Webseite die gesellschafter.de/tagebuch)

Mein Kommentar „Tafeln in Deutschland: Von der spontanen Grasswurzel-Bewegung zum selbstverständlichen Pannendienst der Gesellschaft“ wurde von der Reaktion abgelehnt, weil er zu kritisch sei. Die Aufforderung der Aktion Mensch: „Nachdenken, Diskutieren, Handeln“ (Quelle: Webseite die gesellschafter.de) kann also nicht sehr ernst gemeint sein. Statt nachdenken zu fördern wird nachdenken verboten!

Warum Kritik an Tafeln notwendig ist

Tafeln sind keine unhinterfragbare Selbstverständlichkeit. Niemand sollte sich vom Charme der einfachen Idee blenden lassen. Als Soziologe fühle ich mich verpflichtet, auch einen zweiten Blick zu wagen, der auch problematische Seiteneffekte aufzeigt.

Tafeln berühren unser gesellschaftliches Selbstverständnis elementar. Aber genau deshalb ist es notwendig, aufzuklären. Als Wissenschaftler und Bürger kann und muss ich meine Meinung frei äußern dürfen – vor allem wenn ich danach gefragt werde. Es ist daher nicht nur äußert unhöflich, einen bereits verfassten Beitrag abzulehnen. Es ist auch ein Zeichen der doppelmoralischen Kultur einer Aktion, die sich das humanitäre Mäntelchen übergezogen hat, sich aber gegen jede Form von Kritik immunisiert.

Wohin soll das führen?

Mir geht es nicht so sehr darum, das „mein“ Beitrag nicht veröffentlicht wird. Was mich schockiert, ist die Tatsache, dass Kritik systematisch unterdrückt wird. Dies ist kein Einzelfall. Gerade dort, wo eine offene Diskussion notwendig ist, macht sich Konformismus und vorauseilender Gehorsam breit. Hatten wir das nicht alles schon einmal in unserer Gesellschaft?

In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?

Liebe Gesellschafter! Ich möchte vor allem in einer Gesellschaft leben, in der ich als Mensch, Bürger und Wissenschaftler meine Meinung frei äußern kann. Eine Gesellschaft, in der andere Menschen, Bürger und Wissenschaftler die Chance bekommen, sich mit meiner Meinung ebenso kritisch auseinander zu setzen, anstatt diese ängstlich zu unterdrücken. Ich möchte in einer Gesellschaft leben, in der Redaktionen nicht darüber entscheiden, was Leser und Leserinnen wissen wollen und müssen. Ich möchte in einer Gesellschaft leben, in der die eigene (politische) Meinung nicht per se wichtiger ist, als Wahrheit. Mit der Ablehnung meines Gastkommentars hat die Aktion Mensch eine solche Gesellschaft wieder ein Stück unmöglicher gemacht. Darum tut es mir leid, nicht um meine verschwundenen Worte.

Stefan Selke

Hier geht es zum Original-Beitrag.

*

:: link zum Tafelforum.de hier ::

*

„die gesellschafter“ ein tolles projekt ?

Liz Benefiz 13.02.2009 19:11 Themen: Medien Soziale Kämpfe Ökologie

Mal wieder ist ein neues Filmfestival von „den gesellschaftern“ angelaufen und etliche kritische Gruppen machen dort mit. Obwohl es sofort bei der Bekanntmachung der Stiftung „die gesellschafter“ einen kritischen Bericht dazu auf den Nachdenkseiten gab. ( http://www.nachdenkseiten.de/?p=1960).

Ich gebe zu ich gehöre auch zu einer Gruppe, die sich an dem Filmfestival ueberArbeiten beteiligt hatten. Es gab zwar einige kritische Anmerkungen, aber wir hatten gedacht dass die Vorteile überwiegen. Denn wir selber hätten nicht die Möglichkeit gehabt, derart viel Werbung zu machen und somit breitere Bevölkerungsschichten zu erreichen.

Bei dem zweiten Festival ueberMorgen wurde allerdings bekannt, dass die Stadtkoordination des Festivals in Gütersloh an die Bertelsmann-Stiftung vergeben wurde.
Trotz Protest waren die verantwortlichen nicht Bereit die Stadtkoordination zurückzuziehen
.( http://sandimgetriebe.attac.at/6418.html ). Eigentlich hätte so jeder merken müssen, dass „die gesellschafter“ nicht ganz das sind, was sie augenscheinlich vorgeben. Es gab sicher bei „den gesellschaftern“ auch viele die mit Idealismus das Projekt unterstützt haben und „die gesellschafter“ sind sicher nicht äquivalent zur Bertelsmann-Stiftung. Nur bei Betrachtung der Unterstützer des Projekts ( http://diegesellschafter.de/projekt/unterstuetzer/index.php?sid=d9aabbdc4ae21c4dd35a54188edac872 ), ist zu sehen, dass neben Wohlfahrts- und Behindertenverbänden, sowie einigen NGOs fast die ganze deutsche Medienlandschaft vertreten ist. Da ein großer Teil der deutschen Medien indirekt oder direkt zur Bertelsmann AG gehört, besteht für Bertelsmann indirekt über diesen Weg die Möglichkeit Einfluss zu nehmen. D.h. es war nicht nur reine Höflichkeit, wenn trotz Protesten die Vergabe der Stadtkoordination nicht zurückgezogen wurde. Zwar haben die verantwortlichen versichert, dass die Stadtkoordination nicht wieder an die Bertelsmann-Stiftung vergeben wird, aber es ist nicht auszuschließen das es diesmal an die Stadtstiftung GT geht (welche zum größtenteils von der Bertelsmann-Stiftung finanziert wird).

Weiter ist zu beobachten, dass es bei der Auswahl der Filme eine gewisse Tendenz nach rechts und insbesondere weg von der Kritik an deutschen Zuständen gibt. D.h. ein gewisse Beeinflussung von Bertelsmann in Gestalt von Gruner+Jahr ist anzunehmen. Beim ersten Festival gab es z.B. noch einen Film zu HartzIV von kanalb. Beim jetzigen aktuellen Filmfestival ueberMacht ist der einzige Film, welcher aus Deutschland stammt derjenige über Magersüchtige. Dabei gibt es über diesen Themenkreis Macht auch genug deutsche Filme, wie z.B. Filme über den G8-Gipfel. Bei dem Film über „Monsanto mit Macht und Genen“ wird dann die Einflussnahme durch Bertelsmann offensichtlich. Das passende Buch zum Film wird von Random-House/Bertelsmann herausgegeben:
http://www.randomhouse.de/webarticle/webarticle.jsp?aid=14432&mid=2498

Die Praktiken von Monsanto sind absolut kriminell und kritisierenswert. Nur ist Monsanto ein direkter Konkurrent von BASF, welche auch im Bereich Gentechnik aktiv sind. Im Aufsichtsrat der Bertelsmann AG sitzt wiederum der BASF-Chef Jürgen Strube.

Ganz aktuell zeigt sich der Einfluss an der Zensur eines kritischen Beitrages zu den Tafeln eines Soziologieprofessors im Bereich Tagebuch der Webseite von „den gesellschaftern“.
( http://www.nachdenkseiten.de/?p=3765 )
Rudolph Bauer beschreibt den Sinn von Ehrenamt bei der Bertelsmann-Stiftung folgendermaßen:
Die Stiftung beschränkt sich darauf, die bürgergesellschaftliche Entwicklung am Hauptkriterium von Wirtschafts- und Unternehmerfreundlichkeit auszurichten. Sie sieht die Vorzüge des bürgerschaftlichen Engagements vor allem daran, in welchem Umfang dieses kompensatorisch dazu beiträgt, den bisherigen Anteil des Öffentlichen Sektors in der direkten und indirekten Bereitstellung von Gütern und Dienstleistungen einzuschränken.
(Quelle: https://medienwatch.wordpress.com/burgergesellschaft-als-bertelsmann-projekt/)

Da in dem zensierten Beitrag vor allem die kompensatorische Leistung der Tafeln kritisiert wurde ist klar welchen Hintergrund die Zensur hat.

So ich hoffe dieser Artikel dient als Diskussionsanregung und fzs, attac, noya, RAV, mehr Demokratie e.V. und ak vorratsdaten sollten sich mal fragen wofür sie sich haben einspannen lassen.

http://de.indymedia.org/2009/02/241831.shtml

Creative Commons-Lizenzvertrag Dieser Inhalt ist unter einer
Creative Commons-Lizenz lizenziert. <!–

–>

Advertisements

Written by medienwatch & metainfo

Februar 14, 2009 at 13:00