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Akademie der Künste Berlin – unten Adorf oben Adorno.

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Mario Adorf: Böse kann ich auch. Foto: Jörg Stange

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Adorno in der Akademie der Künste

Vorträge 1957–1966
Vitrinenpräsentation am Pariser Platz vom 10. Januar bis 6. Mai 2012

http://www.artslant.com/ber/events/show/196722-adorno-in-der-akademie-der-k%C3%BCnste-vortr%C3%A4ge-19571966

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Akademie der Künste

Appell zur Verteidigung der Kultur

Auf Initiative von Günter Grass, Wolfgang Rihm, Klaus Staeck, Margarethe von Trotta und Wim Wenders hat die Akademie der Künste einen Appell zur Verteidigung der Kultur verfasst. Anlass ist die laufende Debatte zur öffentlichen Kulturförderung.

http://www.adk.de/de/aktuell/pressemitteilungen/index.htm?we_objectID=30847

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Künstler fordern Verteidigung der Kultur

Mehr als 50 namhafte Künstler von Mario Adorf bis Wim Wenders haben in einem gemeinsamen Appell zur Verteidigung der Kultur in Deutschland aufgerufen. Das umstrittene Buch „Der Kulturinfarkt“ sei ein beispielloser Versuch, die Förderung der Kultur durch die öffentliche Hand zu diskreditieren und pauschal als Subvention zu diskriminieren, heißt es in dem am Freitag veröffentlichten Aufruf. Er wurde auf Initiative von Günter Grass, Wolfgang Rihm, Klaus Staeck, Margarethe von Trotta und Wim Wenders von der Akademie der Künste in Berlin verfasst.

http://www.tagesspiegel.de/kultur/kuenstler-fordern-verteidigung-der-kultur/6462916.html

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Vom Bösen des Guten

Hörisch über Adorno
Dem Großprojekt eines Auszugs aus der falschen Welt und dem grundfalschen Leben war bislang kein durchschlagender Erfolg beschieden. … Allzu viele sind offenbar davon überzeugt, dass es allen suggestiven Verwerfungen zum Trotz wenn nicht ein völlig richtiges, so doch ein lebenswertes Leben im falschen gibt. Von Eike Gebhard

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/buechermarkt/252291/

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Seite in Bearbeitung.

Fotos mit frdl. Genehmigung der AdK jst/gfg gfok kunstarchiv / medienwatch

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April 1, 2012 at 20:55

Veröffentlicht in

Dialektik der Aufklärung: Vor 40 Jahren starb der Philosoph Theodor W. Adorno

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Adornohorkhab-wikipedia1..….Theodor W. Adorno (rechts) zusammen mit Max Horkheimer (1965)


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So heißt es in der „Negativen Dialektik“: „Leicht bildet Denken tröstlich sich ein, an der Auflösung der Verdinglichung, des Warencharakters, den Stein der Weisen zu besitzen. Aber Verdinglichung ist die Reflexionsform der falschen Objektivität; die Theorie um sie, eine Gestalt des Bewußtseins zu zentrieren, macht dem herrschenden Bewußtsein und dem kollektiven Unbewußten die kritische Theorie idealistisch akzeptabel. [::]

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Über die Dialektik der Aufklärung

Vor 40 Jahren starb der Philosoph Theodor W. Adorno

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Von Hans-Martin Lohmann

dradio deutschlandfunk 06.08.2009 | Wie mit kaum einem anderen Namen verbindet sich mit Theodor W. Adorno die Wiedereinbürgerung der verfemten Aufklärung in der Bundesrepublik. Der deutsche Jude steht für ein Denken, das – gezeichnet durch den Nationalsozialismus – nicht auswich, sondern sich der Vergangenheit in philosophischer und gesellschaftskritischer Reflexion stellte (…)

„Wenn die Menschheit sich der Erinnerung entäußert und sich kurzatmig erschöpft in der Anpassung ans je Gegenwärtige, so spiegelt sie darin ein objektives Entwicklungsgesetz.“

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Ffm-adorno-denkmal002

Das „Adorno-Denkmal“ auf dem „Theodor-W.-Adorno-Platz“ nur eine Parallelstraße (westlich) vom Institut für Sozialforschung entfernt | flashphoto Wikipedia [::] Vadim Zakharov | Kunst im öffentlichen Raum 2003 | Zum 100. Geburtstag zum Gedenken an Theodor W. Adorno errichtetes Werk. GlasKubus, Installation im GlasKubus u.a.: ein Schreibtisch, ein Schreibtischstuhl, Buch „Negative Dialektik“ und ein Metronom plus Hinweise auf das Wirken Adornos als Philosoph und Musikwissenschaftler.

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Theodor W. Adorno (eigentlich Theodor Ludwig Wiesengrund-Adorno; * 11. September 1903 in Frankfurt am Main; † 6. August 1969 in Visp, Schweiz) war ein deutscher Philosoph, Soziologe, Musiktheoretiker und Komponist.

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Theodor W. Adorno

Leben und Werk

Adorno war, als akademischer Lehrer, Professor für Soziologie und Philosophie und darüber hinaus Musikkritiker und Komponist.

Wegen des gesellschaftskritischen Schwerpunkts seiner Philosophie gilt Adorno als Sozialphilosoph. Er sah in der „Identität“ von Subjekt und Objekt die „Urform von Ideologie“ und vertrat eine ideologiekritische Dialektik, die „auf der Vermittlung des scheinbar Unmittelbaren, und auf der auf allen Stufen sich entfaltenden Wechselseitigkeit von Unmittelbarkeit und Vermittlung insitieren“ sollte als „Versuch, durch immanente Kritik philosophische Standpunkte über sich und über die Willkür des Standpunktdenkens hinauszubringen“ (Wozu noch Philosophie? 1963). Als Intellektueller war Adorno für das Frankfurter Institut für Sozialforschung in den 1950er Jahren wegen seiner Forschungen zum „totalitären Antisemitismus“ und für die Studentenbewegung wegen seiner Kulturkritik zum Verblendungszusammenhang der bürgerlichen Gesellschaft wichtig.

Hauptwerke:

* Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente (1947, mit Max Horkheimer, enthält das Kapitel über Kulturindustrie);
* Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben (1951);
* Negative Dialektik (1966).
* Ästhetische Theorie (1970, posthum).

Frühe Frankfurter Jahre (1903–24)

Aufgewachsen ist Theodor Wiesengrund Adorno in derselben Straße, in der Arthur Schopenhauer lange lebte: der Schönen Aussicht. Sein Geburtshaus stand in der Nr. 9, in der Schönen Aussicht 7 betrieb sein Vater eine Weinhandlung.

Die Eltern des Einzelkindes Theodor („Teddie“) waren der Weingroßhändler Oscar Alexander Wiesengrund (1870–1946) und die Offizierstochter Maria Barbara Calvelli-Adorno (1865–1952), welche korsisch-italienischer Herkunft war und in Wien als ausgebildete Sängerin auch am kaiserlichen Hofe Erfolge hatte. Sein Vater stammte aus einer jüdischen Familie und trat später zum Protestantismus über, bevor er Maria Barbara heiratete, die katholisch war =

http://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_W._Adorno

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Heute!

Zum 40. Todestag am 06.08. Adorno

Sendung am Donnerstag, 06.08.2009, 23.45 bis 1.35 Uhr

http://www.swr.de/kulturdoku/adorno-kluge-marxismus-philosoph/-/id=100882/nid=100882/did=5069632/5zckev/index.html

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Kulturindustrie – Aufklärung als Massenbetrug

„Kulturindustrie – Aufklärung als Massenbetrug“ ist ein Kapitel aus der „Dialektik der Aufklärung“ von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno. In diesem Kapitel analysieren die Autoren die veränderte Produktion und Funktion von Kultur im Kapitalismus.

„Kulturindustrie“ ist ein komplexer und kein statischer Begriff und entzieht sich einer eindeutigen Definition. Mit dem Begriff Kulturindustrie werden meist die Kernthesen des Kapitels gemeint: Alle Kultur wird zur Ware; Kunst definiert sich über ihren ökonomischen Wert, nicht nach ästhetischen Gesichtspunkten, die für die Analyse des autonomen Kunstwerks der bürgerlichen Gesellschaft eine Rolle spielen. So wird das Ästhetische selbst zu Funktion der Ware, indem es die Bilder der Reklame vorbestimmt.

Mit Kulturindustrie meint Adorno die gesellschaftliche Implikation von kulturellen Ereignissen und Erzeugnissen. Adorno beschreibt in ihr die Warenform und die Ideologie derselben als die beiden zentralen Momente kapitalistischer Vergesellschaftung. Kulturindustrie erscheint als Verblendungszusammenhang, der die gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnisse naturalisiert. Dieser „soziale Kitt“, wie Erich Fromm die Ideologie der Kulturindustrie nannte, agiert als Mittel von Herrschaft und Integration. Diese Integration durch die Kulturindustrie beruht auch auf der Feststellung, dass die Produktion immer auch den Konsum reguliert. Die Verwaltungsform von Kultur, die gerade auch den Intellektuellen nötigt, Wissen zu produzieren, das einer Nutzen-Relation unterworfen ist, zeichnet die Kulturindustrie als Herrschaft von oben aus = > [::]

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Waschhaus: Vortrag Gunnar F. Gerlach, bitte nicht waschen… (II Fragment) =[::]=[::]=[::]

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Zum 40. Todestag von Theodor W. Adorno

medienwatch | Adorno existiert literarisch und virtuell, vereinzelt, einsam im medialen „Gaga-Zitate-Dschungel”, als historisches Phänomen dialektischer Intervention weiter. Hier (Link) einige seltene diskursive Beispiele, der Durchdringend von Kunst und Wissenschaft, gegenwärtiger Diskurse aus nächster Nähe von Ersehenem, Erdachtem und Erfühltem, – aus Erkenntnis gespeistem:

https://medienwatch.wordpress.com/texte-diskurse-gunnar-f-gerlach/

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medienwatch.wordpress.com | medienwatch.de | meta-info.de | jörg stange, gunnar f. gerlach gfok aktive archiv(e)

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August 6, 2009 at 08:45

Content-Gipfel für Kultur + Kreativwirtschaft gefordert

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FT-Geigenkasten-gfok-jst

foto + objekt: ftd° jst, gfg-gfok kunstarchiv

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Musikindustrie fordert Content-Gipfel für Kultur- und Kreativwirtschaft

Berlin – Das Umsatzvolumen der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland liegt bei geschätzten 137 Milliarden Euro – Zeit für einen eigenen Content-Gipfel, findet der Bundesverband Musikindustrie (BVMI). Damit sollen „die Bedürfnisse und Herausforderungen der Kultur- und Kreativwirtschaft gesamtgesellschaftlich als [ein] Teil der deutschen Standortpolitik in den öffentlichen Fokus“ gerückt werden“:
http://www.musikmarkt.de/Aktuell/News/Musikindustrie-fordert-Content-Gipfel-fuer-Kultur-und-Kreativwirtschaft

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metainfo

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Rettungsfonds ESM Spanien beantragt Milliardenhilfen für Banken
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/rettungsfonds-esm-spanien-will-banken-mit-40-milliarden-euro-retten-a-870760.html
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Geldwäsche-Skandal in USA kostet HSBC Milliarden
http://www.wallstreetjournal.de/article/SB10001424127887324556304578122222361265806.html?mod=WSJDE_latestheadlines
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Geldwäsche-Skandal in USA kostet HSBC Milliarden
http://de.reuters.com/article/companiesNews/idDEBEE8A401320121105
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Geldwäsche-Skandal kommt HSBC teuer zu stehen
Stuart Gulliver, Chef der größten europäischen Bank, hält Strafzahlungen von deutlich mehr als 1,5 Milliarden US-Dollar für möglich.
http://www.fondsprofessionell.de/news/banken-versicherungen/nid/geldwaesche-skandal-kommt-hsbc-teuer-zu-stehen/gid/1006370/ref/4/
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HSBC droht Milliardenstrafe wegen Geldwäsche
http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/wirtschaft_nt/article110638470/HSBC-droht-Milliardenstrafe-wegen-Geldwaesche.html

Finanzbranche im Wandel
12.11.2012 ·  Keine Woche ohne Skandal in der Londoner City: Geldwäsche, Korruption, Marktmanipulation. Dabei werden die Banken gerade jetzt dringend gebraucht. Eine Analyse.
Von Bettina Schulz, London
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/finanzbranche-im-wandel-keine-woche-ohne-skandal-11957752.html

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Finanzsystem
IWF resigniert vor Kapitalflucht und stimmt Kapital-Kontrollen zu
Deutsche Wirtschafts Nachrichten  |  04.12.12
Aus Sorge um die anhaltende Kapitalflucht aus den europäischen Südstaaten gibt der IWF seinen Widerstand gegen die Kontrolle des Kapitalverkehrs auf. Die Staaten Südamerikas haben ebenfalls mächtig Druck gemacht. Damit könnte eine Periode der Liberalisierung zu Ende gehen.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/12/04/iwf-resigniert-vor-kapitalflucht-und-stimmt-kapital-kontrollen-zu/

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Christian Fuchs

Gesellschaft als kapitalistische Totalität bei Adorno

Theodor Adorno war ein führender Vertreter der Kritischen Theorie, die als sogenannte „Frankfurter Schule“ durch das Frankfurter Institut für Sozialforschung bekannt wurde. Adorno kann als Vertreter der marxistischen Gesellschaftstheorie und Philosophie betrachtet werden.
https://cartoon.iguw.tuwien.ac.at/christian/technsoz/adorno.html

http://www.christian-fuchs.org/

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Seite in Bearbeitung

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Dezember 5, 2012 at 09:50

Veröffentlicht in Allgemein

Llaura I. Sünner »Imitationswerkstatt« in der Trittauer Wassermühle

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Gunnar F. Gerlach

Das Eigentliche ist das Verborgene – oder: Die Fügung von Ding und Welt aus dem Un-Fug

„Es hat eine Zeit gegeben, in der ich durch mich selbst von meinem Leben überzeugt war. Ich erfasse nämlich die Dinge um mich nur in so hinfälligen Vorstellungen, dass ich immer Glaube, die Dinge hätten einmal gelebt, jetzt aber seien sie versinkend. Immer, lieber Herr, habe ich eine Lust, die Dinge so zu sehen, wie sie sich geben mögen, ehe sie sich mir zeigen. Sie sind da wohl schön und ruhig….“ Franz Kafka, Gespräch mit dem Beter
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„Die Zweideutigkeit aber ist kein Zufall. Deutlichkeit bezeichnet den Indifferenzpunkt von objektiver Vernunft und Kommunikation.“ Theodor W. Adorno, Intention und Abbild
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„Höre auf den Klang der einen Hand…“ Zen-Buddhistisches Kōan

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Nähert sich der Betrachter den in weichem und grauen Filz gearbeiteten Objekten und Werken der Künstlerin Llaura I. Sünner, so müßte er in mehrfacher Weise irritiert sein, denn alle in die raumbezogenen Installationen eingearbeiteten Dinge, Geräte, Apparate und Instrumente erscheinen merkwürdig bekannt und unbekannt zugleich: die eigene Wahrnehmung und Erinnerung läßt zunächst die Ge-Bilde in einem funktionalisierten Anwendungs-Kontext als Geräte und Instrumente zur Bearbeitung  von sichtbarer Materie erscheinen. Im nächsten Schritt der Wahrnehmung, bei der genaueren Begutachtung, gerät die Wahrnehmung einer physischen und physikalischen Realität ins Schwanken und Wanken, denn die Dinge selbst scheinen nicht mehr zu sein, was sie vorgegeben haben und erscheinen transformiert in eine psychische und unsichtbare Realität, die parallel zur physikalischen erscheint. Damit öffnet sich eine erweiterte Erkenntnis über die Tatsachenesoterik der scheinbar objektiv gegebenen Realität. Nicht nur, das Zeichen, Bezeichnetes und Bezeichnendes (wie in den Zeichentheorien seit Saussure bekannt) auseinanderfallen, sondern auch die Dinge selbst verweisen auf eine subjektive Sinnlichkeit und Geschichtlichkeit.

Es war der sowjet-russische Dichter und Denker Sergej Tretjakov, der in seinen der Arbeit der Schriftsteller und Künstler gewidmeten Essays in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts eine doppeldeutige Les-Art zuwies: „Die Biografie des Dings hat ein ganz außerordentliches Aufnahmevermögen für die Einbeziehung des menschlichen Materials.“  Damit war nicht nur die subjektive, physische und psychische Aneignung von Material zur Weiter-be- und verarbeitung angesprochen, sondern auch eine Pforte zur Wahrnehmung (Aldous Huxley) subjektiver Sinnlichkeit und Geschichtlichkeit sogar innerhalb einer materialistischen Geschichtsschreibung geöffnet: Das Beharren auf dem Unsichtbaren und Unmöglichen wurde ein Kriterium gelungener sozialer Kommunikation zwischen Kunstwerk-Künstler und Betrachter und die scheinbar nur objektiven Kriterien von Wahrnehmung und Beurteilung wurden in Frage gestellt. Wider das reduzierende und reduzierte Konzept von Aufklärung konnte künstlerische Reflektion auch das sein, was einem Tatsachensinn zwischen Realismus und Idealismus sich bewußt entzieht.

Die Erweiterung des Wahrnehmungs- und Kunstbegriffes erforderte den ‚Kalten Blick‘  (Marcus Steinweg über Heiner Müller, Politik des Subjekts, 2009) zur Wahrnehmung einer anderen Realität aus der Sicht der Verschwisterung von Kunst und Philosophie: „In der Kunst, wie in der Philosophie geht es darum, sich dem Irrealitätsstatus der Realität zu öffnen und zu wissen, dass diese Öffnung eine Bejahung einschließt, die der Bewertung vorausgeht und letztlich entweicht.
Kunst und Philosophie sind Affirmationen, die alles – die Schönheit wie die Grausamkeit und Indifferenz des Lebens, der Welt aufnehmen müssen. Nie geht es darum, für oder gegen etwas zu sein. Nie primär. Kunst und Philosophie verbindet die Weigerung, ihren Realitätskontakt durch Wertungen zu neutralisieren. Es ist klar, dass diese Weigerung einen gewissen Mut verlangt.“

Es ist dieser bewußt gewählte Katastrophismus als künstlerische Strategie, der sich einem Blindflug in Zwischen-räumen und -reichen einer Dynamik überläßt, die ins Abenteuerliche und Unbekannte führen kann. Die Fügung von Ding und Welt aus dem Unfug – dem Un-gefügten als einem Weg ins innerliche und real-phantastische zugleich, wird aus diesem Bewußtsein heraus zur künstlerischen Methode und Strategie der sich – für diese Ausstellung in der Trittauer Mühle als Arbeits- und Ausstellungsort – selbst als „BETRIEBSSCHWESTER“ in Betrieb und Getriebe der Produktionsmittel bezeichnenden Künstlerin. Im Dazwischen-Sein (lat.: inter esse) der scheinbar objektiven Geräte, Apparate und Instrumente schaut sich Llaura I. Sünner parallel in sich selbst um, und erfüllt damit eine Forderung der deutschen Romantiker seit Caspar David Friedrich und Phillip Otto Runge: „…Die Kunst ist ja nur ein Instrument: wie kann denn ein Instrument der Zweck sein?“, formulierte Runge 1803.

Es sind die Töne und Zwischentöne in den Rissen, Lücken und (Soll-)Bruchstellen, in der nur vermeintlich objektiv bestimmbaren Wirklichkeit in den Grenzen einer alles funktionalisierenden, einseitig technoid-ökonomisch gefaßten Wirklichkeit, die im Werkgeräusch von Schraube, Mutter und Instrument den Ton in der „Imitations-Werk-Stadt“ erzeugen:
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„Sinneswahrnehmung findet allein statt…//…Das Hören im Dunkeln, ohne Ablenkung// …Akkustik ohne Geräusch// Materielos// Das innere Auge sieht Musik. Ich mache optische Musik// Optisch dargestellter Ton in weichem Material//…weiiit zu hören (Wahl)…Variation der Töne = Musik“, schreibt die „Betriebsschwester“ als filzig-weiche ‚Mutter‘ im Getriebe: es ist also die Kunst der Un-Fuge, bei der die Musik zwischen den Räumen und Tönen entsteht „im kleinen Mahlwerk“ auf einer „Insel der wohlklingenden, doppeldeutigen Inhalte“.
Zwischen Romantik, Sur-Realismus und ‚pataphysischer Wissenschaft imaginärer Lösungen‘, sind dann mit Theodor W. Adorno ‚wahr nur die Gedanken, die sich selbst nicht verstehen‘: das Eigentliche bleibt verborgen, unsichtbar, auch als ein Denken gegen sich selbst, dass einzig Anspruch hat, das nur scheinbar Gefügte im Ungefügten erst sich offenbaren zu lassen.

[Zitiert aus dem Katalog: „Imitationswerkstatt“, Trittau, 2012]

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Kunstwissenschaftlicher Diskurs: Gunnar F. Gerlach, Begrüßung: Bürgermeister Walter Nussel, Trittau (Film-Fragment aus technischen Gründen: jst/gfok)

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Fotos + Film: Jörg Stange, GfoK

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Filz ist nicht gleich Filz

http://www.lokale-wochenzeitungen.de/uploads/ausgaben/tm/2012_43/tm_12.pdf

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November 1, 2012 at 00:53

Veröffentlicht in Allgemein

Greetings from Leila E-L-S Ballade

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Greetings from Leila als E-L-S Ballade°

DA(DA)GONG (天气新闻起舞在五月) = Zeichen + Zustand: Giotto am G-Tuch halb in den Raum gewendet° dreht sich die Erweiterung im Raum globalisierter Warenwerte zur Wahrnehmung in der wahren Wertefrage. Haus Wahnfried)

MS Faksi(s)mile las in graduierter Distanz im Duktus der Handschrift, des Bildes, der Zeichnung beim erFühlen + erDenken durch subversive Le(e)sbarkeit° (intellegere) beim Trinken in den organischen und organisierten Zuständigkeitsbereichen und Ge(h)flechte.

Von Grinsekatze (Lewis Carroll, Victor Hugo, Gwynplaine, Laurens von Arabien u.a.)

Parabase° in Parabolis (Die Vögel) Figur „HAUBENtaucher°“ als diskursiver Gegenpol des Wi(e)de(r)hopf = die (negativ-)dialektische) Durchdringung der Setzung, Sätze, (als Transmitter-)Stoff – – als Material^^, ist einerseits/andererseits im Erkenntnisprozess fortschreitender Schriften und Schritte, laufender und ruhender (bildhafter) Spiegelungen, auch transgener Metaphern als Subversion im Sinne von Dissidenz in Lebens- + Vorstellungswelten und Anwendung: Ist (k)ein Versuch der metaphorisch-metaphysisch-analytischen Meta-Methodik (un-)sichtbar und/oder im Denkfühl – + als Ergebnis der Zwischenlesbarkeit: z.B. als (v)ervögelter „Über- + Subflug“ von unten/oben gesehen => auguria impetrativa („erbetene Zeichen“) auguria oblativa (unerwünschte Zeichen) etc . erfrischend fruchtbar und gewinnbringend im Wertekontext, der eigentlichen Werte-Wa(h)re => Substanz zu filtern und in den Corpus als OrganO-Indikation(en) humanistischer Verklärung als Indikation zum Subjekt/Objekt der Aufklärung einzuleiten… Parallel angereicherte Parameter: im un/mittelbaren Zusammenhang des Unterlassungsdiskurses° operierend, im interventionistischen, des OO minus Eins Gedankens, im surrealen Delirieren in Echtzeit: „Eine Zeitlang delirierte  Wilson, dann wurde er wieder vernünftig“: beim fröhlichen (V)erflattern eigentlich notwendiger Unterlassung° (Hildesheimer), der scheinbar nihilistischen Negation des oft viel zu verfrüht erfreuten Wortes – des occupierten Begriffs im Neusprech etc. um gängige TAT-Werkbegriffe zu verflachen und semantisch/semiologisch zu unterminieren. Um eine erfolgreiche Unterlassunghaltung zu animieren, bedarf es unabhängiger Institute und kooperierende UNIversitäten in aller Welt. Unterlassung indoktrinierter Ergebnisberichte kontaminierter Intransparenz.  Für die Annäherung an einen (ethischen) Assoziationsbegriff – als Denk u. Handlungsrahmen im Flow der Gestaltungsfrage als unkorrumpierte Erkenntnisanreicherung, als ethisch-humanistische Gewinnmaximierung. Da in der Konsequenz mindestens diskursiv (sub-)generiert, bereits im (Unterlassungs-)Einsatz auch eruptiv temporär vorhanden als SUb-Ressource… Eben als (+-pataphysisch) parallel operierende Performances und T-Plots, erweiterter Sammlung möööglich: über die Codes des ErSchwimmen, erFliegen, erTauchen, Umwandern, — durch erWandern, erSteigen, umSchreiten, = Substrat(e) und Strategien zum umDenken (!). Nicht als „Metapher der Metaphorisierung“ allein: Wahrnehmung und Aneignung des Erkenntnisgewinns zu fördernder negativdialektischer Unterlassung. Substanziell für das geistig dialektische Doppel-Triple – simple anschaulich geoMet(a)risiert als Trans-Pattern dialogischer (ver-)entschlüsselter Reflexionsmatrix der un/sprachlichen Elemente, subTonarten, subFrequencen, wild oszilierender und geordneter Rhizome, axiomatisch kommunizierende Röhren der Verlängerung und Multiplikatoren zur Veränderung. Als Transformation durch die/das Unbekannte im GLASperlenspiel, macht erst dann Bing(o) im Transport. Die Transformation zum „AA(A)-Taucher“ in Ambivalenz (negativ-positiv) angedoppelter Dialektik auf konterkarierenden + kontakarierenden dualierenden Niveaus der Erscheinungen und Verwandlungen in Zwischenstufen. Wider die Entfremdung konsumierbarer Beliebigkeit(en), im Meta-Überwindungs-Flug — im angefreiten Spiel der Kräfte in Deutungs-Deduktion – als „parabler Flug“ im Vorschatten reduktionaler Elemente etc.pp.. (An/Vor)Deutungen, parallel und gegenläufiger Deutungshoheit(en) im Mainstream als Substrom gedacht – eigentlich immer schon angesiedelt. Erweitert und quasi alchemistisch erformt. Bereits in zahlreichen (Ex-)positionierungen passend im Fluss der Ge(h)zeiten vorhanden. (Be-)nutzbar als kleiner und großer axiomatischer (Meta-)Wurf in rhizomatischer Wahrnehmungsmatrix ethisch partikularer Ver/Dichtung – Widerspruch läuft diskursiv: JA/NEIN..  Die er/Schreibung metaprosperierender, polymastischer Knospendichtung affirmativer Poesie: „Da passiert ja WAS“ – dekonstruiert  (Transzendent) und sinnlich materialsiert kopulierende Delta-Zeichen – (Ur-)Zeichnung, Zeichen, Signs  als Merkmale in gebrochenen (Sicht-)Achsen in üppiger +  karger Betrachtung der/des  Dorie Doro°,  in Re:dundanz und Differenz – schon auch im Prozess der Einpflegung in die (un-)vorhandenen semantisch/semiotischen Systeme/Parameter  und Diskurse vorrätig und unterwegs.. etc. BITTE/DANKE

Als dramatisierter „Hüpfflug“ FLUGUNFÄHIGER  über DISSENZ = Riss und Lücke, Falte und Furche, als Meta-Prozesse poetischer Denkbilder + Handlungen = sur-Lingua° = Propolis bewirkend unter Berücksichtigung der Bedeutung, der «(Poli-)valenz der Ceps Crestatus°» – durch das Andere + Anderes im Anderen (Homer) – wird hiermit auch der AUGuren° der Augsburger Puppenkiste, im Leerschnitt und Schritt  – sowie der (subversiven) Oper° als ästhetischer Affront spießiger Bürgerlichkeit- erhellend, auch posthum!  transscriptiv an + ein-gedichteter Stelle der Gesänge und Implementierungen,  gedacht. Fürs weitere Delirieren im Geiste eines A-Begriffs = Aristophanes „Vögel“ in der Transformation des (surreal) Kriminologischen eines Hitchcock etc.. Die gebührende Hinwendung und ethische Würdigung im Re:Animazensuralis° durch Transformation zu erfahren war und wird/ist mitgedacht …, ALLES 大大 (V)errückt ja! oder doch NICHT? Bloss nicht schwoeren: ja ja nein nein beim Essen & Trinken (Essener (Wund-)heilung° Psst! Real im Leben)

Der pataphysische H(²o)-Haubentaucher posiert zeitweilig wie ein P-ENGuin unter (un-)arktischen Bedingungen. Ist seines Zeichens in Form/Gefieder/(Farb-)Codierung her – im/um/am Ball-Gen der Irrungen + Wirrungen, als simulierte Doppelhelix betrachtet f/m,  nur scheinbar (s)einesgleichen. Insbesondere unter der (Ver-)strahlung der Himbeersirupsonne färbt sich das Gefieder und Gefilde gaaanz anders ein. Auch mit geschlossenen Augen, im Blindenquartier des (Un-)erhörten (de)signifikant als Gestaltmittel der anderen Difference… ist in (Sur-)Reminiszenz: ein doppelt verspiegelter Projektionschacht und platonischer H-Schatten, des Pars pro toto, als Vorstellung von Wirklichkeit.  Im Absurditätenkabinett politischer Metonymie/Dichotomie, des Kulissenverschiebersyndromatik° intern unter Fachleuten geläufig. Der politischen Satire gespaltener gleichgeschalteter oligarcher Mischwesenfakturierungen, für götzengleiche Bekenntnisse zum Wa(h)renkomplex im Jetzt und Vorher:  Eine Methode zur (Sprach und Standortverwirrung, als kryptosierte Notationen der Täuschung : Enttarnung in Tateinheit destruktiver Handlungsstränge durch (De-)maskierung – gehört zu den vorrangigen Arbeitsfeldern  psychosozial-operativer Schmerzfeldforschung°. Das Falsche im Sub/Objekt humanistischer Enthumanisierung durch egomane Parameter des (v)erkauften Gemein-Gewesens. Die Sub-Bildung von Gegenwart (sozialethischer) Veränderung als  Grundcodierung, da bellt der Hund WAUWAU (!) im Manuscript dramaturgischer Zeichensetzung (mal höllisch hysterisch, mal tief(st)es Grollen, mal BassBass .. Theorien surflexiv eingeleitet und überführt ins Theorem neu gewonnener Flux-Verortung – als Patras der »Philosophia perennis« als zentralisierte Absolution der Macht des Geldes und der Dinge = Religion als behauptete Rettung (paternalistischer) affirmativer TransModerne in Kontinuität von Riss, Loch und Lücke trat das Kapital als Kitt, als Strategie der/des Clashs der ZZZsss.. als Dauerboni im Rauschen doppelter Entfremdung, gaanz LANGweilig an.

Erwirtschaftete Essenzkredi(T)enzen kreiert als Hommage an die Lüge – eines andern Kapitalbegriffs, der als behauptet determiniert. Die AAA,s als  Synonyme des  Fetisch Ware erwecken nicht nur Zweifel. Es bröselt und bröckelt als Gerölle, knisternd und rauschend zur Überleitung in eine gerechte Form..

Weißer Orleander ist auch eine schöne Pflanze. Aber sie täuscht eine weiße Weste vor. Alle Teile sind giftig insbesondere für Hasen und Hunde etc.* *Dosis fecit venenum (Paracellsius): mehr

(Freiheitszitat = A. Breton = hocherotisch° franzlingua). Zu verstehen als Unverstanden, versteht sich eben nicht von selbst, da liegt die eigentliche Werteschöpfung… Eine imaginierte DaDa-UBU-Werte-Wa(e)hrung° im Sinne eines anderen Kapital – Material und Kunst und Lebensbegriffs..

Kaum verwundert, aber durch WUND verwundelt, steht im Kern  humanistisch ethischer Heilung, via ES° Con(e)verter an: „Alles Aufrichtige ist Kunst und sonst gar nichts“. „Wer verallgemeinert ist ein IDIOT“, sagte schon William Blake. Es kann zwischen den Zeilen und Zeichen des Zustands wahnfreudseelig geTanzt und geLacht werden… wer will schon WARTEN bis die Synchronisation hermetisch ist. Warten stört den Prozess und die Macht des Tanzes, im Rhythmus des Widerstand des (Be-)FraGen,s° – in der (aktiven) Stille der Unterlassung + mehr.. — Dodo leb(b)t, sagt der Andere 爱丽丝 beim Kochen, zwischen dem Geschirr der Ungereimtheiten.. Die Wupper fließt… 渡渡鸟的生活,烹饪达达说.. http://de.wikipedia.org/wiki/%E2%80%99Pataphysik Das Wetter im Sommer 2012. Heute von Grins(e)katze (II) Prognose(n) mit einer Wahrscheinlichkeit von 38% zu warm, 36% normal und 26% zu kalt ausfallen. Ratgeb Global DADAGONG + GAGAGONG. ~ DAGONG Diese Langfristprognose tendiert mit einer höheren Wahrscheinlichkeit zu normalen bis leicht zu warmen Wetter im Sommer 2012夏天 http://www.wetterprognose-wettervorhersage.de/wetter-jahreszeiten/sommer/wetter-sommer-2012.html 概率38%,太热情,转出正常的36%和26%太冷。这些长期的预后往往是更有可能是正常稍暖和的天气,在夏天 Propolis zeugt Omega beim Pinseln + Kegeln… etc.pp = GFG gewidmet. (whatwhat-zyklus°) E-L-S : Else Lasker-Schüler  ELS  http://www.exilarchiv.de/DE/index.php?option=com_content&task=view&id=721&Itemid=1

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Geteert und gefedert (Kunstobjekt: Eldo Hell, Material: Zeitung “Die Welt”, Farbe und Federn, Memo vor dem Hintergrund des von den USA völkerrechtswidrig geführten Krieg in Nicaragua) Ausstellung in einem Hamburger Galerie-Projekt* 1984)

Aufklärung ist nach Kants Worten: “der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.” … “Verstand ohne Leitung eines anderen” ist von Vernunft geleiteter Verstand. (“Dialektik der Aufklärung”, Adorno/Horkheimer)

Schwarz: Anstrich mit utopistischem Auftrag

Meta-Memo | 17.03 2006 |
https://medienwatch.wordpress.com/wahrung-versus-wahrung/

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Written by medienwatch & metainfo

April 19, 2012 at 08:13

Veröffentlicht in

10 Jahre Einstellungsraum 100 Jahre Futurismus

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Medienrecherche: Politik | Wissenschaft | Kunstprojekte

Einstellungsraum: PROGRESSIO „Autos fahren keine Treppen“

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Der EINSTELLUNGSRAUM zur Vermittlung von Projekten zwischen Autofahrern und Fußgängern arbeitet seit 2001, um das Phänomen der Automobilität aus künstlerischer Sicht zu ergründen. Im Rahmen von „Autos fahren keine Treppen“ 2011 wird nun anlässlich von 100 Jahre Futurismus und 10 Jahre EINSTELLUNGSRAUM getagt, um die Relation von anfänglicher Euphorie und aktueller Wertanalyse dieser Erfindung zu reflektieren.

Freitag, 17. Juni 2011
Finissage der Ausstellung von Elke Suhr „Kreuzungen und andere Gebilde“-

PROGRESSIO Tagung mit Elke Suhr und Johannes L.Schröder(Einstellungsraum), Donatella Chiancone-Schneider(Viva il Futurismo!), Gunnar F.Gerlach, Karl-Heinz Meier

Tagungsprogramm
I. Teil
15:00 Uhr: Begrüßung durch die erste Vorsitzende des EINSTELLUNGSRAUM e.V., Frau Elke Suhr und die Leiterin des Istituto Italiano di Cultura Amburgo Frau Renata Sperandio
15:30 – 16:00 Uhr: Karl-Heinz Meier: Die Wandsbeker Chaussee, Bilder aus der Sicht eines Zeitzeugen. 16:00 – 16:30 h Johannes Lothar Schröder: Ströme und Strahlen. Boccionis Großstadtbilder (Vortrag/Präsentation)
16:45 – 17:15 Uhr: Donatella Chiancone-Schneider: Lichtjahre Farbe und Rasanz auf Erden und im Weltall in der Malerei Giacomo Ballas (Vortrag/Präsentation) anschl. Diskussion

II. Teil
17:30 – 18:15 Uhr: Donatella Chiancone-Schneider und Johannes Lothar Schröder: Zukunftsmusik oder Schnee von gestern? Buchpräsentation und Lesung aus den Akten der gleichnamigen Futurismus-Tagung, Köln 2010, in Zusammenarbeit mit VIVA IL FUTURISMO!
18:15-18:45 Uhr: Gunnar F. Gerlach: „…ob die Menschheit die Katastrophe zu verhindern mag?“ (Th.W.Adorno) Kulturpolitische Reflexionen zur Dialektik des Fortschritts (Vortrag) anschl. Diskussion
19:00 – 20:00 Uhr: Abendessen

III. Teil
20:00 – 20:15 Uhr: Ingrid Baireuther: Die öffentliche Hand (Statement)
20:15 – 21:45 Uhr: Elke Suhr: Stirb und Werde. Läuterungsmuster und Ottomotor (Vortrag/Präsentation) anschl. Diskussion

IV. geselliges Zusammensein

Informationen

Datum: Freitag, 17. Juni 2011

Uhrzeit: 15.00 – 20.30 Uhr

Ort: EINSTELLUNGSRAUM, Wandsbeker Chaussee 11, 22089 Hamburg

Veranstaltet von: Istituto Italiano di Cultura

http://www.iicamburgo.esteri.it/IIC_Amburgo/webform/SchedaEvento.aspx?id=395

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Performativer Vortrag: Prof. Gunnar F. Gerlach ob die Menschheit die Katastrophe zu verhindern mag?“ (Th.W.Adorno) Kulturpolitische Reflexionen zur Dialektik des Fortschritts  2. Teil | Fragment

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Written by medienwatch & metainfo

Juni 19, 2011 at 08:21

Veröffentlicht in Allgemein

Einstellungsraum: PROGRESSIO „Autos fahren keine Treppen“

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Der EINSTELLUNGSRAUM zur Vermittlung von Projekten zwischen Autofahrern und Fußgängern arbeitet seit 2001, um das Phänomen der Automobilität aus künstlerischer Sicht zu ergründen. Im Rahmen von „Autos fahren keine Treppen“ 2011 wird nun anlässlich von 100 Jahre Futurismus und 10 Jahre EINSTELLUNGSRAUM getagt, um die Relation von anfänglicher Euphorie und aktueller Wertanalyse dieser Erfindung zu reflektieren.

Freitag, 17. Juni 2011
Finissage der Ausstellung von Elke Suhr „Kreuzungen und andere Gebilde“-

PROGRESSIO Tagung mit Elke Suhr und Johannes L.Schröder(Einstellungsraum), Donatella Chiancone-Schneider(Viva il Futurismo!), Gunnar F.Gerlach, Karl-Heinz Meier

Tagungsprogramm
I. Teil
15:00 Uhr: Begrüßung durch die erste Vorsitzende des EINSTELLUNGSRAUM e.V., Frau Elke Suhr und die Leiterin des Istituto Italiano di Cultura Amburgo Frau Renata Sperandio
15:30 – 16:00 Uhr: Karl-Heinz Meier: Die Wandsbeker Chaussee, Bilder aus der Sicht eines Zeitzeugen. 16:00 – 16:30 h Johannes Lothar Schröder: Ströme und Strahlen. Boccionis Großstadtbilder (Vortrag/Präsentation)
16:45 – 17:15 Uhr: Donatella Chiancone-Schneider: Lichtjahre Farbe und Rasanz auf Erden und im Weltall in der Malerei Giacomo Ballas (Vortrag/Präsentation) anschl. Diskussion

II. Teil
17:30 – 18:15 Uhr: Donatella Chiancone-Schneider und Johannes Lothar Schröder: Zukunftsmusik oder Schnee von gestern? Buchpräsentation und Lesung aus den Akten der gleichnamigen Futurismus-Tagung, Köln 2010, in Zusammenarbeit mit VIVA IL FUTURISMO!
18:15-18:45 Uhr: Gunnar F. Gerlach: „…ob die Menschheit die Katastrophe zu verhindern mag?“ (Th.W.Adorno) Kulturpolitische Reflexionen zur Dialektik des Fortschritts (Vortrag) anschl. Diskussion
19:00 – 20:00 Uhr: Abendessen

III. Teil
20:00 – 20:15 Uhr: Ingrid Baireuther: Die öffentliche Hand (Statement)
20:15 – 21:45 Uhr: Elke Suhr: Stirb und Werde. Läuterungsmuster und Ottomotor (Vortrag/Präsentation) anschl. Diskussion

IV. geselliges Zusammensein

Informationen

Datum: Freitag, 17. Juni 2011

Uhrzeit: 15.00 – 20.30 Uhr

Ort: EINSTELLUNGSRAUM, Wandsbeker Chaussee 11, 22089 Hamburg

Veranstaltet von: Istituto Italiano di Cultura

http://www.iicamburgo.esteri.it/IIC_Amburgo/webform/SchedaEvento.aspx?id=395

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..Mediale Einstreuung°,,

Es kömmt drauf an

In Berlin wurde über Marx nachgedacht

Uwe Justus Wenzel ⋅ Die Anmutung ist derjenigen einer Grabstätte nicht ganz unähnlich. Wer die heiligen Hallen der Humboldt-Universität zu Berlin durch den Haupteingang betritt, wird eines monumentalen Treppenaufgangs aus rotem Marmor und realsozialistischen Zeiten ansichtig. An der Wand, auf die die ersten zwölf Stufen zulaufen, prangt – in goldener Gravur – das Diktum eines ehemaligen Studenten der Universität: «Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern.» Der aus dem Jahr 1845 stammende Satz, die sogenannte elfte Feuerbach-These von Karl Marx, hat seinem Gehalt nach wenig mit einem Grabspruch zu tun – es sei denn, man verstünde ihn als Aufruf, auf dem Absatz kehrtzumachen und der Universität, in der die Welt ja doch auf allerlei Weise «nur» interpretiert wird, den Rücken zu kehren, um draussen vor der Tür die Ärmel aufzukrempeln und zuzupacken. Dann könnte man die Philosophen und die Philosophie begraben und vergessen – und die Universität gleich mit.27. Mai 2011
http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/es_koemmt_drauf_an_1.10716358.html
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Written by medienwatch & metainfo

Mai 28, 2011 at 08:04

Veröffentlicht in Allgemein

Spiegeln in der Kommunikation (gfok)

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Negativdialektische Differenz der Aufklärung

Adorno existiert literarisch und virtuell, vereinzelt – einsam im medialen „Gaga-Zitate-Dschungel”, als historisches Phänomen [auch ´negativ] dialektischer´ Intervention weiter. Hier auf dieser Seite einige seltene diskursive Beispiele, der Durchdringung von Kunst und Wissenschaft, gegenwärtiger Diskurse aus nächster Nähe von Ersehenem, Erdachtem und Erfühltem aus transformierter Erkenntnis gespeistem…

Durch die „erlesene Haltung“, durch Befragung von Ausstellungen als subversiver Spiegel der Gesellschaft und „ihrer“ Kultur, durch Besprechung – unter Nutzbarmachung des parallel einfliessenden diskursiv-kritischen Geistes anderer Denker und Forscher erweiterter Wahrnehmung, befähigter Menschen, durch subtile Sichtung und Drurchdringung des Gegenstands – des Materials in Kunst und Gesellschaft. Die Gesellschaft, das System als gestaltbares Material… Die Situation und das Leben, Masse und Kollektiv, der Einzelne und das „aufgelöste Gemeinwesen“, zum System der Beliebigkeit generiert gilt die Aufmerksamkeit, Betrachtung als analytische und intuitive Operation.

Es ist kein unmittelbarer Adorno-Rekurs, da sind maßgeblich seine Texte zu lesen. Seine vielschichtige Erkenntnistheorie wird leider nicht immanent mit reflektiert und transformiert, – als substanzielle Grundlage dialektischer Betrachtung und Intuition auf Gesellschaft gedacht, eingesetzt. Das universelle Erkenntnisgut Adornos lebt nur dann – wenn sein unbestechlich sezierender Geist und „siebtes Auge“ lebendig vermittelt eingelesen wird: In der Gegenwart zu verankern im Sinne Schillers. „Bildung allein ist es nicht“ (Jean-Jacques Rousseau, Friedrich Schiller etc.). Da muss schon „tiefer gelesen“ werden. „Andere Wahrnehmer“ und „offene Köpfe“ -oder die es werden, mögen unter Berücksichtigung seiner Erkenntnisweite, ihre Wahrnehmung schulen und befragen können – damit Sprache und Impetus überhaupt weiter aufklärend wirken kann… – „ES“ sollte eben nicht in elitären Zirkeln hängen bleiben und durch „geistige Verknappungsgrenzen“ des neoliberal geprägten und prägenden «Bachelor & Master», in Folge eliminiert… Es gibt eben „kein richtiges Leben im Falschen“ – es ist eine kurze radikal erkenntnisreiche Setzung, die ihre Wirkung nicht verfehlen sollte. Erste Zweifel an den Vorgaben und Vorlagen sind ein Anfang zur Änderung, beim „Üben“ in doppelter Entfremdung absurd gespiegelter Wirklichkeit… Jörg Stange
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Kleine Auswahl gesammelter Texte von Gunnar F. Gerlach mit Verweisen + Zitaten von Adorno: Zum 40. Todestag von Theodor W. Adorno
https://medienwatch.wordpress.com/texte-diskurse-gunnar-f-gerlach/

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Fotos+Bildbearbeitung: jst

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(..) Adorno selbst beschreibt negative Dialektik wie folgt: „Es handelt sich um den Entwurf einer Philosophie, die nicht den Begriff der Identität von Sein und Denken voraussetzt und auch nicht in ihm terminiert, sondern die gerade das Gegenteil, also das Auseinanderweisen von Begriff und Sache, von Subjekt und Objekt, und ihre Unversöhntheit, artikulieren will.“[2]

Unter dem „Auseinanderweisen von Begriff und Sache“ ist dabei zu verstehen, dass die Identifikation (Gleichsetzung, wörtlich: Gleichmachung) einer Sache mit einem Begriff darauf beruht, dass die Gemeinsamkeiten verschiedener Sachen als deren Wesen begriffen werden, und die Identifikation damit etwas von der Identität abschneidet. Abstrahieren die Menschen in Begriffen, so üben sie auf die Dinge einen Zwang aus, der aus dieser Nichtidentität von Sache und Begriff resultiert. Adorno beschreibt mit der Negativen Dialektik eine philosophische Kritik an dieser Art identifizierenden Denkens. Er versteht dabei die Methode, die nach der Differenz von Begriff und Sache fragt, auch als sozialkritische Methode, da seiner Meinung nach die Begriffe auf gesellschaftlichen Maßstäben beruhen, und damit Teil eines totalen Verblendungszusammenhangs sind (vergleiche den Artikel kritische Theorie). An der hegelschen Dialektik kritisiert Adorno, dass Bejahung (Affirmation) nicht aus der Verneinung der Verneinung (aus der Negation der Negation) zu erhalten sei: da die Bezeichnung des Nichtidentischen wiederum ein Begriff ist, kann das Nichtidentische selbst nicht vollständig erfasst werden; der aus der Nichtidentität resultierende Widerspruch kann daher nicht auf einer höheren Ebene, synthetisch aufgelöst werden, sondern verkörpert – gemäß Adorno – absolute, unversöhnliche Gegensätze, die durch das begriffliche Denken hervorgerufen würden. Die Unvollständigkeit (die Nichtidentität) des Begriffs des „Nichtidentischen“ macht die kritische Selbstreflexion des dialektischen Denkers notwendig. Insbesondere vor der absoluten Negativität warnt Adorno, da diese als Bejahung der Verneinung selbst Positives sei, und damit die Negation widerriefe (..)
http://de.wikipedia.org/wiki/Negative_Dialektik

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Spiegeln in der Kommunikation – symmetrisch und antisymmetrisch

Diese in der Geometrie geläufige Unterscheidung (siehe dazu Hargittai Istvàn und Magdolna) erweist sich auch in der Psychologie als wertvoll. In einer symmetrischen Spiegelung werden Form und Inhalt identisch gespiegelt: ein weißer Schwan spiegelt sich weiß im Wasser. In einer antisymmetrischen Spiegelung wird die Form identisch gespiegelt, während ihr Inhalt in das Gegenteil verkehrt wird. Ein weißer Schwan erschiene in der Spiegelung schwarz, weshalb man auch von einer Spiegelung von Gegensätzen spricht. Fotonegative sind Beispiele für natürliche antisymmetrische Spiegelungen.

Carl Rogers Methode baut auf symmetrischen Spiegelungen sowie das Spiegeln von Gestik und Mimik im Sinne von Heinz Kohut. Frank Farrelly, ein direkter Schüler von Carl Rogers, hat aus dessen Ansatz die Provokative Therapie entwickelt, deren Instrumentarium aus vielen antisymmetrischen Spiegelungen besteht.

Beispiel: Große Passivität kann zur Folge haben, dass ein Mensch viele Chancen verpasst und sich über Verlust an Qualität in seinem Leben beklagt. Eine typische Antwort von Farrelly hebt an dieser Stelle gegensätzliche Folgen hervor: so spricht er gerne anerkennend von Gewinnen, die andere auf Kosten dieser Person haben.

Man provoziert einen Menschen damit nur dann effektvoll zu vermehrter Aktivität, wenn man ihm wohlgesinnt, mit Einfühlung, Herz und Humor begegnet. Gekonnte Anwendung antisymmetrischen Spiegelns erweitert die Möglichkeiten der Kommunikation erheblich, ist jedoch noch kaum erforscht und nirgends Gegenstand von Schulung. [::]

 

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ARD Sportschau transportiert über Kinder „nationalistische Kakophonie“ zur Fussball WM

https://medienwatch.wordpress.com/2010/06/16/sportschau-transportiert-uber-kinder-nationalistische-kakophonie-zur-fussball-wm/

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Meta Transport(e) GfoK »Vorsicht Kunst!« Gleichschaltung + Widerstand

https://medienwatch.wordpress.com/transportformen-gfok-objekte-etc/?preview=true&preview_id=15034&preview_nonce=50492c33a7

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doppelschwan-kontrollverlust-gfok-stange-gerlach-gfok2011

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Die Welt: Staaten im Würgegriff von Finanzmafia und Politik

https://medienwatch.wordpress.com/2011/06/02/die-welt-staaten-im-wurgegriff-von-finanzmafia-und-politik/

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medienwatch.wordpress.com | Fotos: Jörg Stange, Gunnar F. Gerlach GfoK Kunstarchiv

Written by medienwatch & metainfo

April 25, 2011 at 17:20

Veröffentlicht in

Überlegungen zum Verhältnis von Kunst und Politik

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Zwischenlesung »triple (0)« Gunnar F. Gerlach, Kokoschka-Altar, ev. Kirche Hamburg 2010 Foto: Jörg Stange

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Vortrag von Prof. Gunnar F. Gerlach, Ort: Gustav Heinemann – Bildungsstätte; Vortrag gehalten im Rahmen einer Tagung der „Erich Mühsam Gesellschaft“ (Lübeck) 1996

Modelle operativer Kunst zwischen Avantgarde und Anarchismus

„Wie lange wollen Sie noch beim ersten Schritt bleiben?“ (Joseph Beuys)

Überlegungen zum Verhältnis von Kunst und Politik

Gunnar F. Gerlach

Meine sehr geehrten Damen und Herren, gemäß dem von mir gewählten Titel dieses Vortrages möchte im Folgenden ein Modell der Operativen Kunst in Theorie und Praxis für die gegenwärtige Lage in den bildenden Künsten und der Gesellschaft entwickeln. Neben einer Erläuterung der Begriffe und des Zusammenhanges von Avantgarde und Anarchismus werde ich versuchen meine Thesen zu begründen, was heute eine politische, soziale und revolutionäre Leistung der bildenden Kunst ist und sein könnte. Die Schlußfolgerungen vollziehen sich dann auf der Folie einer problematischen, gegenwärtigen Situation zwischen der Medien – Technologischen Gesellschaft und den Versuchen der Rest-Avantgarden in der bildenden Kunst mit ihnen subversiv umzugehen und zu argumentieren. Die Praxis schließlich unmittelbarer, eingreifender Kommunikations-Akte scheint mir auch zwei Jahre nach Hoyerswerda, Hünxe, Rostock, Lübeck, Magdeburg und Solingen eine adäquate Antwort zu sein, als jede hermetische Gralsuche nach einer wirklich endgültigen und erlösenden Faschismustheorie. In diesem Sinne ist auch eine „House-Aktie“ zu verstehen und unterstützenswert: eine aktive Regulation verfehlter Sozial – Politik mit den Mitteln der künstlerischen Arbeit zu leisten.

Wenn über das Verhältnis von Kunst und Politik reflektiert wird, ist meist ein Problem schon übersehen worden: die künstlerische Tätigkeit ist seit der Renaissance auf individuelle Praxis ausgerichtet, die politische Arbeit orientiert sich an dem gesellschaftlichen Gefüge. Selbstdarstellungen und Narzißmen sind unleugbare Tatsachen auf beiden Seiten, haben aber mehr mit Psychologismen und den jeweiligen, medialen Verwertungs-Systemen und ökonomischen Interessen, Marktorientierungen zu tun. Ginge man davon aus, den Freiheitsbegriff ins Zentrum der Diskussionen zu stellen, ergäbe sich hier eine ganz andere, überraschende Verbindung: das historische Ringen um Freiheit markiert das Engagement von sehr vielen gesellschaftlichen Gruppen, aber ganz besonders jenes von Künstlern und politisch denkenden Menschen oder Politikern. So wird auch verständlich, warum in relevanten, künstlerischen und politischen Theorien, Äußerungen und Handlungen der Begriff Freiheit stehts zentral thematisiert wurde. Heinrich Böll formulierte das Problem bereits vor Jahren wie folgt: „Das ist es, was die Gesellschaft mit der Kunst macht: mit dem Markt erdrücken, Freiheiten in Freiheiten zerteilen.“ Dahinter verbirgt sich auch latent die Kritik an einer historischen Konstruktion, die am Anfang mit dem schillernden Wort Freiheit lockt, um sie am Ende dem gesellschaftlichen Rahmen, dem Markt, als oberster Rationalität einzuverleiben.Bakunin erkannte dieses Dilemma: „Im System der Materialisten, das allein das Natürliche ist, schafft erst die Gesellschaft, weit entfernt davon, die Freiheit zu verringern und zu beschränken, die Freiheit der menschlichen Individuen.

Sie ist die Wurzel, der Baum der Freiheit und ihre Frucht. Deshalb hat der Mensch zu jeder Zeit seine Freiheit nicht am Anfang, sondern am Ende der Geschichte zu suchen, und man kann sagen, das die tatsächliche und vollständige Befreiung des Menschen das große Ziel, das erhabene Ende der Geschichte ist.“ Diese Gegen-Konstruktion zur bürgerlichen Logik hat zwei sehr elementare Metaphern bei sich: Wurzel, Baum und Frucht der Freiheit sind auf Natur hingedacht, und die lernende Praxis am Anfang ist Bedingung der Möglichkeit zur Freiheit am Ende zu gelangen. Nach Ernst Bloch ist Freiheit die Möglichkeit zur Auswahl, also zur distinkten und differenzierten Wahrnehmung, als Basis des individuellen Vernunft-, Geschmacks- und Werturteils. Die Wahrnehmung wird so über den Körper gedacht und vollzieht sich über die innere Formung und Vorstellungskraft: Mit dem Körper Sehen, heißt es z.B. für den anderen offenen Werkbegriff bei Franz Erhard Walther. Hand führt zur Handlung. Auch in den Künsten ist es möglich über ein breitgefächertes Handwerk zu verfügen, um sich dem Urteil einseitig klassen- und gruppenspezifischer Geschmacksurteile zu entziehen. Erst der nach Schiller im Spiel zu sich und seiner Freiheit gelangene Mensch, kann mit der Kunst angemessen und frei seine Mittel und Wirkung erzielen. So werden Hand und Handlung zu einer auf Freiheit und Offenheit gerichteten Haltung – politisch wie künstlerisch. Zwei Künstler, haben in Theorie und Praxis in unserem Jahrhundert am deutlichsten und intelligentesten eine Verbindung von sensiblem, künstlerisch-philosophischem Bewußtsein mit politischer Wirkkraft verbunden und gelebt; André Breton, der Kopf der surrealistischen Bewegung, und Joseph Beuys, der erst die Republik und dann die halbe Welt mit seinen Aktionen und Statements herausforderte.

Breton Satz: „Einzig das Wort ist die Freiheit vermag mich noch zu begeistern“, zieht die Konsequenz aus künstlerischer und politischer Theorie und Praxis, Joseph Beuys erkennt das Freiheitsprinzip generell in Akten der formenden und gestaltenden Tätigkeit und thematisiert hier vollkommen logisch gedacht das schöpferische in jedem Menschen als zentrale Frage aller individuellen und gesellschaftlichen Handlungen und Veränderungen: „… denn Kreativität, das heißt Schöpferkraft, die unfrei wäre, wäre ein Widerspruch in sich selbst. Also ist wahre Wissenschaft der Kreativität prinzipiell Freiheitswissenschaft.“ Dieser Gedanke führt konsequent zur Vorstellung einer „Sozialen Plastik“ der Gesellschaft als einer gestaltbaren Form, als einen in sich arbeitenden, energiegeladenen Organismus. Der schöpferische Widerspruch selbst liegt nach Hegels Dialektik natürlich auch darin, denn nach ihm bewegt sich nur, hat Trieb und Tätigkeit, was „in sich selbst einen Widerspruch hat“. Dieser Widerspruch ist die Kunst selbst; individuelle Obsession und soziale Wirksamkeit unter einen Hut zu bringen; das ist unlogisch, aber wem es gelingt, der macht wirksame Kunst. Denn Kunst, Können kommt aus dem altmittelhochdeutschen und heißt der Trick oder der Dreh etwas darzustellen. Als eine Spielart der Zauberei galt das Bild oder das Abbild also nicht umsonst als magisch aufgeladen und hatte rituellen Charakter. Mit dem Wandel der Zeiten, wandeln sich die Materialien, Techniken und Wertsysteme und ihre „kommunizierenden Röhren“. Es ist eine historische Tatsache, daß der Kampf um und für Freiheit und Gerechtigkeit eine Leidensgeschichte ist. Hier begegnen sich künstlerisches Bewußtsein und politische Utopie erneut – im inneren und äußeren kreativen Umgang mit dem Leid.

Religion, von lateinisch religio, bedeutet das „Zurückgebundensein“ in frommer Scheu. Was bedeutet dies anderes, als sich seiner eigenen Ein-Gebundenheit im gesamten Netz der Vielheiten in Natur und Kultur bewußt zu sein, die Anderen und Fremden Mitmenschen in ihrem spezifischen So-Sein erkennen und achten zu lernen. Die fromme oder heilige Scheu vor den schöpferischen Möglichkeiten der Anderen ist Bedingung für Dialog und Multilog. Edgar Wind, Kulturhistoriker aus dem Panofsky-Kreis bezieht sich in seinem Aufsatz und gleichnamigen Buch „Kunst und Anarchie“ nicht umsonst auf den Begriff der „heiligen Scheu“: „Im allgemeinen fürchten Künstler nicht so sehr den Verlust der Phantasie als ihr Übermaß…/… und doch mit gleicher Stärke, eine heilige Scheu vor der Phantasie, die ihrer Dichtung leben verlieh.“ Wind bezieht sich hier auf Goethe und Baudelaires Praxis der innneren Disziplin. Der Begriff der heiligen Scheu stammt von Platon und kein Philosoph hat den göttlichen Wahnsinn der dichterischen Eingebung- z.B. die Welt retten zu wollen – beredter gepriesen als er; und doch hat er ihn mit Argwohn verfolgt. Dahinter steht die Annahme, der Mensch könne durch seine Vorstellungsgebilde verwandelt werden. Und so sah Platon in der Kunst der Nachahmung ein gefährliches Spiel das zu verwerflichen Charakteren führt.

Goethes Aussage, daß, wer keine Religion habe, möge wenigstens Kunst haben, bezieht sich darauf: in Form gebrachte, gezügelte Vorstellungskraft aus dem Inneren für das Äußere als einem sozialen Raum.

Dies entsprach zudem nahezu prophetisch der Entwicklung in unserem Jahrhundert. Nachdem Nietzsche Gott sterben ließ, und damit unverschuldet der Einseitigkeit instrumentalisierter Vernunft das Begründungsfeld ebnete, ersetzte die Kunst die Kirche. Innerlichkeit als Freiheitsbegriff wurde sukzessive abgeschafft. Shaftesburys „inward form“ beeinflußte die deutschen Geisteswissenschaftler und Künstler. Herder, Humboldt und Hegel folgten ihr genauso wie Caspar David Friedrich und Phillip Otto Runge. Der Rationalismus, besagte instrumentalisierte Vernunft, gegen die Adorno und Horkheimer mit ihrer kritischen Theorie u.a. ankämpften, führte nun in den Terror von Industrie, Technologie, der Kultur-Industrie und ihrer Agenten. Von ihnen leitet sich der gegenwärtige Verdummungs- und Abstumpfungsfeldzug in den Mediengesellschaften ab. Kultur-Technologie ersetzt die Reflexion über eine Korrelation und Relationalität von Form und Inhalt durch technologische Lösungen in einer Kommunikation, die den vom Inhalt befreiten Diskurs über abstrakte Zeichen produziert. Diese Art der instrumentalisierten Vernunft macht KZ´s erst denk- und vorstellbar; losgelöst von innerer Formung, Emotion und Reflexion wird alles einfacher. Technische Lösungen waren noch nie das Problem der Menschheit. Die ökonomischen, emotionalen, ethischen und ästhetischen Probleme sind jedoch bis heute einer Verflüssigung nicht viel näher gekommen. Und so, wie die in ein übergreifendes Herrschaftssystem eingebettete Religion als Kirche in ihr emotionales Gegenteil geführt wurde – von deren inneren Schau als Befreiung zur veräußerlichten, bloßen Form als Unterdrückungs- und Machtinstrument, hat sich auch die Funktion der Künste für die Gesellschaft gewandelt, Museen sind heute Staats- und Markt-Kathedralen ökonomischer, und damit politischer, Kräfte.

Mit ihnen schreibt man die Geschichte des Kapitals auf perfideste Weise fort. Sie repräsentieren nicht mehr Erkenntnisse der philosophischen, sozialen und ästhetischen Reflexion, sondern ein Wertesystem von Shareholder Values, und könnten auch „Dow Jones Memorials“ oder „Gebäude zum Dax“ genannt werden. D.h. auch: der Begriff postmoderne Willkür ist schon wieder ein Gespenst, denn willkürlich ist da nichts. Nur sind es nun die Werte des angeblich freien Marktes, die den Tausch eines vermeintlich bohemiantischen Lebensgefühls gegen Börsenaktien tauschen lassen. Abstraktionswert Geld gegen einen seiner Inhaltlichkeit, Geschichtlichkeit und Geistigkeit beraubten Geschmackswert. Aber über Geschmack läßt sich gerade deshalb köstlich streiten, weil Geschmacksurteile abhängig sind von der Freiheit zur Auswahl, und die ist nun einmal bis heute eine Frage der ökonomischen Möglichkeiten. Geschmacksfragen sind im heutigen Jargon Fragen der Schichten und Zielgruppen – Also doch: Klassenfragen. Aber die Hoffnung, die in der Kunst sich manifestiert, ist auf freie Entfaltung des frei entfalteten Individuums gerichtet, daß sich seiner gesellschaftlichen Bedingt- und Verhältnismäßigkeiten sensibel und intelligent bewußt ist. Freie Assoziation der frei Assoziierten, so hieß es bei Karl Marx immer so schön. Der Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler Aby Warburg hat nicht von ungefähr seinen berühmten Bilderatlas zum Fortleben der Antike „Mnemosyne“ benannt. Mneme ist der aus dem griechischen stammende Terminus für Gedächtnis, Erinnerung. Die mythologische Gestalt der Mnemosyne, Tochter des Uranos und der Gäa, die von Zeus geschwängerte Mutter der Musen; der Künste also. Sie ist die Personifikation von Gedächtnis und Erinnerung. So wird die Betrachtung der Kunstentwicklung bei Warburg aus dem lebensnotwendigen „Zurückgebundensein“ an Gedächtnis und Erinnerung gleichzeitig zur Dokumentation einer Leidgeschichte der Menschheit.

Es ist das Ringen um Freiheit und Ausdruck, daß in jeder Gesellschaft ständig bedroht ist. Besonders dann, wenn art bzw. kunstferne Kategorien ihre erkenntnistheoretischen und praktischen Ergebnisse negieren und als Frage von Angebot und Nachfrage in ein heuchlerisches System transformieren. Um Kunst als Basis, als geistige Ernährungsgrundlage verwirklichen zu können, bedarf es einer Gesellschaft, die eine auf historischer Wahrhaftigkeit basierende Ethik besitzt. Dann könnten nicht nur emotionale, ethische und ästhetische Konzeptionen zu Geschwistern werden. Gesellschaftliche Gestaltung könnte aus der Unmittelbarkeit individueller Formung und seinem Anrecht auf Ausdruck zu einem verwirklichten sozialen Körper wachsen. Der sich seiner Selbst- und Fremdverantwortung bewußte Mensch würde über seine innere Proportionierung im Multilog mit den Experiementen und Ergebnissen der Anderen Mitmenschen ins Offene und Freie aus Vertrauen gehen können. Die Entwicklung einer als Unterstützung für ein soziales Projekt gedachten „House-Aktie“(°) ist an dieser Stelle eine glückliche Übereinkunft von moralischer Phantasie, künstlerischer Innovation und konkreter Hilfeleistung vor Ort. Gunnar F. Gerlach

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(°) „Hausaktie, House-Aktie“ (jst-gfg-gfok 1996)

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[…] *Es ist das Ringen um Freiheit und Ausdruck, daß in jeder Gesellschaft ständig bedroht ist. Besonders dann, wenn art bzw. kunstferne Kategorien ihre erkenntnistheoretischen und praktischen Ergebnisse negieren und als Frage von Angebot und Nachfrage in ein heuchlerisches System transformieren. …”

http://www.subfrequenz.net/fraktallog/?p=4729

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medienwatch.wordpress.com | medienwatch.de | meta-info.de

Foto: Jörg Stange, Gunnar F. Gerlach Gesellschaft für operative Kunst GfoK [Society for operative Arts]

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Written by medienwatch & metainfo

April 15, 2011 at 14:33

Veröffentlicht in

Konfuzius: „Kaum jemand liebt die Tugend mehr als die Schönheit“

with 2 comments

Vor der Verhaftungswelle: Tee, Ahornstempel + andere „Chinoiserien“ Stäbchen + diskursivem Entenhuhn am Fluss mit Peggy Parnass 03.11

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»Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit« Friedrich Schiller

Metaskizze persönlicher Empörung (unredigiert)

„Konfuzius lehrt das über »Regeln« die Freiheit für das Volk verwirklicht werden könne“. Die Verhaftungswelle in China: seitens Human Watch geschätzte 200 „Regelverstösse“ über (martiale) Willkür eingefädelt sind weder juristisch noch ethisch tragbar, noch kritischen Beobachtern vermittelbar. Da Willkür sich hier offensichtlich u.a. auf den drei Säulen von Infamie, Lüge und ein „indoktriniertes Kader-Kalkül“ zu stützen sucht. Von Verschleppung kann gesprochen werden, wenn nicht einmal die Familie weiß was mit ihren Angehörigen geschieht, wo sie sich überhaupt befinden. Alles aufbegehrende im Keim ersticken und dann Wegducken scheint die Parole und Rolle der Mächtigen im Land zu spiegeln. Der scharf geblasene Wind der Regierung killt die Sanftheit und Sinnlichkeit, der traditionell diskursiv gefeierten Lotusblüte. Die Machtverhältnisse sollten sich ändern. Die sich mental selbst überlebten reaktionären Kader, zugunsten der Offenheit abtreten oder (Pardon) austreten, – auf die Taolette° – zur Reinigung des Selbst.

Nicht nur die Kunst, jeder Mensch, hat das Recht auf Freiheit! Insbesondere über gesellschaftliche Normierung hinaus. Institutionell aufgestellte (fragwürdige) Regeln unbequem, radikal, künstlerisch, interventionistisch, affirmativ-subversiv zu befragen und zu spiegeln. Oder anders die Stimme zu erheben. Ein Volk hat das Recht auf Widerstand, wenn staatlich verordnete Willkür, den Freiheitsbegriff desavouiert und willkürlich ersetzt und damit die Freiheitsrechte der Menschen (eklatant) verletzt. Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist ein Grundrecht des Menschen seit der Aufklärung. Angst vor der Freiheit führt zur Unfreiheit durch (untugendhafte) Polit-Technokraten (Oligarchen). Die Freiheit nicht denken und Leben können, deshalb die jenigen, exemplarisch für all die anderen einzuschüchtern, einzuschränken, wegzusperren (zu foltern?) sucht. Die den Mächtigen im Lande auf die Schliche von korrumpierter Machtfülle und drangsalierender Methodik durch Demütigung etc. gekommen sind? Gefangen in der eigentlichen Klammer von hierachisierender Tradiertheit, anachronistischer Strenge, Zensur und Bevormundun: konnotiert, konterkariert und irrational penetriert, durch Machtverlustängste der Protagonisten. Angetrieben durch eine spießige Elite, die sich über die Folgen ihrer Maßnahmen offensichtlich nicht klar wird, oder in ihrer demonstrativen Arroganz und Überheblichkeit es ihnen einfach „egal zu sein sich anschickt“ – im Ablauf der geschehenen Dinge und Prozesse.

Freiheit fehlgedeutet, als explosive Sprengkraft für ein nicht mehr beherrschbares 1,3 Milliarden Volk? Irrtum! Die Entwicklung noch vor einigen Jahren, wirkte positiv, ohne die symptomatischen Anzeichen überbordener paranoider Ängste der Machtelite, vor einer möglichen explosiven gesellschaftlichen Situation. Die schrittweise Öffnung scheint nach dem Massaker auf dem „Platz des himmlichen Friedens“, (wegen sich nun rächender) Verdrängung unbewältigt. Das Spiegel-Interview mit dem Architekten Gerkan zeichnet diese Ignoranz gegenüber der 3000 Toten, zumeist Studenten, nach. Dieses Trauma ist tief verankert im chinesischen Volk. Im neuen Nationalmuseum findet „Die KUnst der Aufklärung“ statt, ohne jeglichen Hinweis auf das Massaker, obwohl der „Kulturpalast“ genau dort erbaut wurde.. Konkrete Anspielungen von Künstlern auf das Geschehen, werden belauscht und  beobachtet und in Teilen auch verfolgt. Man traut sich nur chiffriert via Andeutung über dieses schreckliche Geschehen zu sprechen. Aufklärung fehl am Platz !

Erste Willkürurteile ließen bereits böses ahnen. Es waren offensichtlich „nur“ sichtbare Einzelfälle: Der Aufschrei, nach der Verhaftung Liu Xiaobo (11 Jahre (!) Gefängnis) war weltweit unüberhörbar. China hat 2000 die UN-Menschenrechtscharta unterzeichnet. Aber das haben andere Länder auch, voran die USA und dennoch werden menschenverachtende Kriege angezettelt. http://www.kantstiftung.de/uncharta.html

Die Akzeptanz, auch im Vertrauen des neoliberalen Europas, dass mit Chinas Hilfe die immensen wirtschaftlichen Probleme zu lösen erhofft, wird durch größere (opportunistische) Annäherung wegen der Wirtschaftskrise an diesem Gedanken möglicherweise scheitern: Ein Trugschluss durch vordergründige Wirtschaftsinteressen in die Leere laufend? Kultureller Dialog nur eine kosmetische Fassade? Es heißt im Machtgefüge des Politbüros hätten die „Betonköpfe“ die Handlungshoheit erreicht. Statt innerer Harmonie als das kulturell spirituelle Rückgrat Chinas, verschärfte Zensur – darüber hinaus dringen kaum positive Signale nach außen.

Der offene vertrauensvolle Dialog, ist für die Entwicklung einer offenen Gesellschaft substanziell-strukturelle Voraussetzung. Die gegenwärtigen Tendenzen zeigen eine fatale Gegenentwicklung auf: Unsicherheit, Argwohn, Misstrauen sind treibende toxische Elemente für die allgemeine Verunsicherung der weltpolitischen Situation und Verfassung.

Drangsal und Unterdrückung sind grundsätzlich nicht die falschen Ratgeber sondern tödliches Instrumentarium. Die Chinesen sind es in ihrer Grundstimmung leid nicht offen reden zu können. Namen von Verhafteten traut man sich nicht auszusprechen, aus Angst vor Repression.

Die Besinnung auf einen entspannten Umgang, mit kritischen Fragestellungen weist in die richtige Richtung einer „zwanglosen Sphäre“, im Innern und in der Außenwahrnehmung, wäre dies die wegweisende Erkenntnis und Orientierung. Souverän und Weise würde das Bild des Chinesen in seiner Gastfreundlichkeit der Menschen, adäquat klimatisch in eine die Völker verbindende Umarmung münden. Auch um aus dieser Position, innerer Stärke und Harmonie, gepaart mit menschenfreundlicher Souveränität, „neoliberale Ausbeutungsstrategien“ und andere Anfeindungen im Verteilungskampf, erfolgreich abwehren zu können. Hört auf eure kulturelle Stimme der Vernunft, da sind die gegenwärtigen Intellektuellen „Weisen“ und in der Tiefe Wissenden, die Kultur und die geistigen Schnittstellen für ein offenes dialogisches China.. In geschätzter und geliebter Nähe internationaler Freunde durch persönliche Erfahrung und aufgeklärter Aufrichtigkeit. Mit „more red Humor“ in doppeldeutigen Spielarten kamen die Künstler dialogisch wunderbar zurecht. Über konstruktive Metasynapsen von Kunst und Kultur als Transmitt(l)erstoff und sinnstiftender Kompass zur Bewahrung der Tradition, als erweitertes dialogisches Bindemittel sich weniger fremd gewordener Kulturen weltweit.

Kleine Chinoiserie:

Im dialektischen DAO-Aufklärungsdoppel der „6 Pflaumen-Frühlingszweige in einer goldenen Vase“ der „kryptische Subtitel“ des Buches: Ein reicher Apotheker der sich 6 Frauen erlaubt. Das Buch der Bücher: KIN PING MEH [Jin Ping Mei]  健平咩  In engl. „The golden Lotus“. Das verbotene Buch: soweit ich weiß steht es heute noch auf dem Index in China. Niemand darf das Buch besitzen, aber alle (!) haben es gelesen. Ein „konfuzianischer Regelverstoß“ der zu ahnden ist? Hat es eine Frau oder hat es ein Mann geschrieben – Mann/Frau man weiß nicht so genau. Es wird angenommen eher eine Frau wegen der feinsinnigen Details, die eher die sinnlich-perspektivische Sicht der Frau entspräche. Aber niemand weiß es sicher. Fast fünfhundert Jahre ist es verboten. Wen verhaften? Wie gesagt alle haben es gelesen heißt es, das ganze Volk? Die 6 Frühlingspflaumenblütenzweige und die goldene Vase als Symbol und  „Corpus Delicti“ gleich mit? Die erotische Geschichte Chinas? Ein erotisch-pornografischer Roman aus der Ming Dynastie 1368-1644, schon damals 400 Jahre vordatiert um Spuren zu verwischen. Der Überlieferung nach sollen die Seiten vergiftet gewesen sein – sie waren in der bigotten Moralvorstellung, als Schrift-Zeichen giftig aufgeladen. Sie sehen, China hat auch das überlebt: also doch lieber mehr Frau(en) ehem Freiheit wagen ? Mit Blumen verbinde ich die Hippie-Ära aber auch die erlittenen polizeilichen Maßnahmen meiner Generation. Das was die chinesischen Machthaber aus „Lotus“ machen ist weder erotisch sinnlich noch sonst positiv blumig darstell-  bzw. vermittelbar. Was bleibt ist eine blutige Vase,  mit Goldrand und Braunstempel auf dem Grund – mit dürren blütenlosen Zweigen – als Ansichtskarte der Tragik im Lande.

Manipulative Meinungshoheit im Westen, sei es durch Behörden verordnet, oder durch ein manipulativ korrumpierend-lobbyistisches Politikverständnis getarnt, gilt es auch hier zu demaskieren. Durch Gewalt ästhetisierende Medien als Sprachrohre der Täuschung, in Formen von Scheindemokratie einflussreich installiert – mediensystemisch in die Köpfe der Menschen gepflanzt. Die „Vielheit“ an Medien sind kein Garant für aufrichtige „Offenheit“ – da in aller Regel die Muster der Steuerung relativiert dieselben bleiben. Der Kampf um die „falschen Ressourcen“ gebiert Ungeheuer – um mit Goya zu sprechen. Goya in China, in der Ausstellung „Die Kunst der Aufklärung“, darin sollten sich nicht nur die Chinesen befragen und kryptisch spiegeln. Da hat auch der Rest der Welt ein Übersetzungsproblem. Also China, entlasst euren freigeistlichen Humus und lasst euch durch eure Intellektuellen, eure kritischen Weisen helfen, um euer Ansehen in der Welt und in euch selbst erfahrbar zu machen. Mut zur Freiheit und Offenheit ist die Chiffre und humanistisches Heilmittel, für eine lebendige Ai (=Liebe) Gemeinschaft in sozialethischer Verantwortung und wirksamer Harmonie im gegensätzlichen Zweiklang des Dao «Dao» = 道 [::] Wu wei = 無爲 / 无为 Wu
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Es muss niemand verhaftet werden, der „Schein“ trägt sich noch…

Das „Recht auf Widerstand“ ist eine Präambel des Grundgesetzes bei uns. Die „Ästhetik des Widerstands“, ein höherer Auftrag aller Menschen, auch für den Handelsreisenden, zur Überwindung des „ungerecht Tragenden“, durch die aufklärende Waffe der Differenz. Der Transformation von falscher Dominanz, widersprüchlich pseudorealer Parameter – ganz konkret durch Aufklärung und Gestaltung, die Dinge in Gang zu setzen. Die Dinge in Gang zu setzen, – als Impetus des Freien, des zu befreienden, der zu überwindenden zwanghaften Muster…

Die Freiheit, ist die Freiheit immer auch des/der Anderen, in Würde und Achtung des Umgangs in Wechselbeziehung, als konkret lebbares Prinzip einzulösen. Haltung und Handlung, aus aufgeklärter innerer (schöpferischer) Notwendigkeit, des Einzelnen im dialektischen Spiel der Gemeinschaftlichkeit und individuellen Eigenarten der Ein – und Ableitungen, Verästelungen und Verwurzelungen als individuelle Biographien und subversive Gegenpole.  Fordert und legitimiert den Gestaltungsprozess, des zu (be)freienden aus gesteuerter Zwanghaftigkeit etc., zur Befähigung und (zwangloser) Bereitschaft zur Mitgestaltung.. Die unkorrumpierte Freiheit, dass ist der Weg der (tranzendente) Pfad des Mündigen. Für eine sozial gerechte und freie Gesellschaft, dass zu erringende Ziel, aller Widerstände zum Trotz. In aller Gegenwärtigkeit und Wahrhaftigkeit der gelebten Stunde, – geschuldet den Kindern und als Spiegelung, erreichter geliebt-gelebter Wirklichkeit. Wegweisend für nachfolgenden Generationen, dass gilt in der Quintessenz für alle unterdrückten und ausgebeuteten Kulturen und Völker. Insbesondere bei der beliebigen Unterstützung totalitärer Regime und ihrer Machtelite(n), unverträglich abgesichert durch die „Weltbankwerte“ auf die Ressourcen wie Öl, Uran (Sudan etc.), Wasserprivatierungsaneignungsrechte etc. gedacht. Da ist auch D-Land, zunehmend lauter Nutznießer zur Sicherstellung des Versorgungshaushalts „nachhaltiger“ Profite durch direkte Verträge, zur weiteren Kontaminierung von (Rest-)Natur und Kontaminierung der Kreatur..  Jörg Stange  10-04-2011

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Lesart | Beitrag vom 25.08.2016
Chinesischer Dissident Liao Yiwu / Erinnerungen an Willkür und Folter

Liao Yiwu im Gespräch mit Frank Meyer

X ….Die Entstehungsgeschichte des Romans ist abenteuerlich. Liao Yiwu begann im Gefängnis mit der Niederschrift – heimlich und gehetzt, weshalb er die eigenen Schriftzeichen später kaum habe entziffern können – „so winzig wie Ameisen“. Die beschriebenen Seiten habe er einen älteren Gefangenen anvertraut, der schon viele Jahrzehnte als Regimegegner im Gefängnis verbracht habe und zuletzt als Putzkraft eingeteilt war – „er fiel schon gar nicht mehr auf „, erinnert sich Liao Yiwu. http://www.deutschlandradiokultur.de/chinesischer-dissident-liao-yiwu-erinnerungen-an-willkuer.1270.de.html?dram:article_id=364025

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Interview | 11. Juli 2011

„China ist zu einem Müllplatz geworden“

Niemand wusste von seinen Fluchtplänen. Die Freiheit zu schreiben war Liao Yiwu wichtiger. Ein Gespräch über China, die Kunst und seine Zukunft: (..) Liao: „Vor dem Haus standen Polizeiwagen, die Polizisten haben immer wieder geschaut, ob ich zu Hause bin. Sie bestellten mich zu vielen „Tee trinken“-Terminen (Synonym für Einschüchterungsgespräche, d. Red.) (..)
http://www.abendblatt.de/kultur-live/article1952721/China-ist-zu-einem-Muellplatz-geworden.html

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focus

China: Nach Ai Weiwei weitere Verschleppungen befürchtet

[..] Gegen Ai wird offiziell wegen Steuerhinterziehung und Pornografie ermittelt [..]
Donnerstag 21.04.2011 |  http://bit.ly/e6XzVw

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Sinologie

China und die Aufklärung

Wer glaubt, man müsse nach der Industrialisierung nun auch die Ideen der Aufklärung nach China bringen, täuscht sich sehr. Das Land hat seine eigenen aufklärerischen Vergangenheiten entdeckt oder findet sie gerade wieder. Von Helwig Schmidt-Glintzer 15. April 2011

Freundschaft im Dissens
Wäre bei der Pekinger Ausstellungseröffnung zur Kunst der Aufklärung ein Diskurs auf Augenhöhe erfolgt, hätten die Außenminister Chinas und Deutschlands in den Worten Goethes vielleicht einander zurufen können:

Sag was könnt‘ uns Mandarinen,
Satt zu herrschen, müd zu dienen,
Sag was könnt‘ uns übrig bleiben
Als in solchen Frühlingstagen
Uns des Nordens zu entschlagen
Und am Wasser und im Grünen
Fröhlich trinken, geistig schreiben,
Schal‘ auf Schale, Zug in Zügen.

http://www.faz.net/s/Rub5C2BFD49230B472BA96E0B2CF9FAB88C/Doc~E3AF01A420093413EAC55534C514CF267~ATpl~Ecommon~Sspezial.html

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Peking

Warum Peking Ai Weiwei verschwinden ließ

VON JOHNNY ERLING –  15.04.2011
[..] Wie jetzt enthüllt wurde, hatte die chinesische Führung dem am 3. April am Flughafen Peking von ihr ohne Haftbefehl verschleppten und seither in Polizeigewahrsam verschwundenen Künstler kurz zuvor noch angeboten, sich mit ihr zu arrangieren. Sie soll ihm einen Sitz als Mitglied in der „Konsultativkonferenz“ in Aussicht gestellt haben. Dies berichtet Hongkongs „South China Morning Post“ unter Berufung auf Mitarbeiter von Ai Weiwei [..]
http://nachrichten.rp-online.de/kultur/warum-peking-ai-weiwei-verschwinden-liess-1.601668

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Ausstellung zur Aufklärung in Peking

Flaschenpost nach China

Ein Gastbeitrag von Tilman Spengler
Die deutsche Ausstellung in Peking ist keine „Alibi-Veranstaltung“. Auch nach der Verhaftung des Bürgerrechtlers Ai Weiwei wäre es falsch, sie zu schließen. Denn Abbrechen ist so doof wie verbieten. 14.04.2011
http://www.sueddeutsche.de/kultur/ausstellung-zur-aufklaerung-in-peking-flaschenpost-nach-china-1.1084967

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Aus Le Monde diplomatique

Imagepflege à la chinoise

Der Exportweltmeister China hat in Sachen Menschenrechte massive Imageprobleme, wie zuletzt die Verhaftung von Ai Wei Wei offenbarte. Ein Fall für die Agentur Xinhua. VON PIERRE LUTHER 15.04.2011
http://www.taz.de/1/politik/asien/artikel/1/imagepflege-a-la-chinoise/

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Ai Weiwei

»Der Mann ist doch Chinese«

Die chinesische Propaganda stellt Ai Weiwei gerne als westlichen Provokateur dar. Dabei steht er mit seiner Kunst fest im Land der Mitte. Er hat die Tradition seiner Heimat wieder mit dem Leben verbunden. Von Mark Siemons, Peking 15. April 2011
http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~E7463410E7F1C49C681E63E2E13F6043F~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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艾未未的自由 foto + bildbeabeitung: jörg stange gfok

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„Genügend Beweise gesammelt“

Dem chinesischen Künstler Ai Weiwei wird nach Informationen der in Hongkong erscheinenden Zeitung „Wen Wei Po“ Steuerhinterziehung und Vernichtung von Buchhaltungsbelegen vorgeworfen. Das berichtete das der Regierung in Peking nahestehende Blatt am Donnerstag. Zudem beschuldigt man ihn des Ehebruchs und der Verbreitung von Pornografie im Internet. Der Künstler soll teilweise geständig sein. 14.04.2011
http://orf.at/stories/2053188/2053183/

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Ai Weiwei

Kriecherei in Fernost

Der Künstler Ai Weiwei wurde in Peking verschleppt – und die Wirtschaft schweigt. Wie das Regime selbst fürchtet der Westen die Instabilität in China und hält still. Von Christian Geinitz
http://www.faz.net/s/Rub4D8A76D29ABA43699D9E59C0413A582C/Doc~E73FEE75A0FD1459282F7A0304A4BCD21~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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Lotusweiher im Kunsthaus Hamburg

„Was in China passiert? Nichts.“

Im Hamburger Kunsthaus verweigerte sich die chinesische Generalkonsulin kritischen Fragen
Hamburg. „Was passiert jetzt in China? Nichts passiert. Chinesische Künstler genießen die große Freiheit.“

http://www.abendblatt.de/kultur-live/article1853186/Was-in-China-passiert-Nichts.html

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Luc Tuymans über Ai Weiwei

Der chinesische Staat ist nervös

Er hat gemeinsam mit Ai Weiwei eine Schau in Peking organisiert – allen Widrigkeiten zum Trotz. Jetzt spricht der belgische Maler Luc Tuymans über die Kraft des Individuums in einem uniformen Staat. 13. April 2011
[..] Als ich das erste Mal in China ankam, war die Ernüchterung groß. Dort ist nichts exotisch. Denn es ist nichts, wie es scheint. Die Menschen werden dominiert von Macht und einer zentralisierten Korruption, der Rest ist Elend. Unter den Reichen zählt nur der Status, die Quantität und das Geld, nicht die Inhalte. Die Mächtigen sind nur an Repräsentationsausstellungen interessiert. Die Uniformität der Intelligenz ist erschreckend [..]
http://www.faz.net/s/RubEBED639C476B407798B1CE808F1F6632/Doc~E36158826BD094F4EB374A6B2AF7B6584~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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„Weltfremd und unglaubwürdig“

Meinhard von Gerkan, Architekt des größten Museums der Welt, über die Kritik an seinen Prestigebauten für das Pekinger Regime und die Verhaftung des Künstlers Ai Weiwei | Redakteure: Susanne Beyer, Martin Doerry und Nora Reinhardt 11.04.2011
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,756259,00.html.

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Debatte um China : Herta Müller: „Diktaturen lernen nur durch Druck“

Essen. Literaturnobelpreis-Trägerin Herta Müller findet harsche Worte zur „Kunst der Aufklärung“ in China. Nach der Festnahme des Konzeptkünstlers Ai Weiwei kritisiert sie die deutsche „Anbiederung“ an das Regime. Kultur, 10.04.2011
http://www.derwesten.de/kultur/Herta-Mueller-Diktaturen-lernen-nur-durch-Druck-id4527600.html

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Gesicht gewinnen

Der Dialog mit China muss auf Augenhöhe geführt werden, nicht mit Kotau / Von André Schmitz 15.04.2011 17:09

http://www.tagesspiegel.de/kultur/gesicht-gewinnen/4067598.html

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memo: China Wochen in Hamburg »Abschied von der Ideologie« Kampnagel 1995, Kurator Li Xianting (Peking) Konzept: Shan Fan, Begrüßung: Senatsdirektor Volker Plagemann, Einführung + Ktlg-Text: Gunnar F Gerlach  Bild „Ein-Kind-Familie“: Zhang Xiaogang. Filmdoku/Fotos: Jörg Stange

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Bagger und Bonzen

Was für Künstler in China möglich ist

Wie leben Künstler in Peking? Wolfram Wickert ist Deutscher, Maler und wurde 1941 in Schanghai geboren. Für den Tagesspiegel gibt der Künstler seine Eindrücke aus China wieder.

http://www.tagesspiegel.de/kultur/was-fuer-kuenstler-in-china-moeglich-ist/4067594.html

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Künstlerhaus Frise  „Vom Ursprung der Welten“ Prof. KP Brehmer, Filmtagebücher, Gastprofessur in China [::]


memo

Konfuzianische Werte im 21. Jh.?

Alte und neue Harmonie – eine Spurensuche zwischen Ost und West

Vernissage zum „Deutsch-Chinesischen Kunstworkshop“, veranstaltet vom Konfuzius-Institut an der Universität Hamburg 21.05.2010

Einführung:
Dr. Carsten Krause, Geschäftsführender Direktor des Konfuzius-Instituts an der Universität Hamburg Prof. Gunnar F. Gerlach, Dozent für Kunstwissenschaften und philosophische Ästhetik, Gastprofessur(en) u.a. an der Kunstakademie Hangzhou, Kurator und Autor, Hamburg Prof. Dr. h.c. Shan Fan, freischaffender Künstler und Geschäftsführer der Design Factory International… (College of Communication Arts and Interactive Media), Hamburg

Ganz im Zeichen seines vor anderthalb Jahren ins Leben gerufenen DEUTSCH-CHINESISCHEN DIALOGs lud das Hamburger Konfuzius-Institut Ende 2009 deutsche und chinesische Studierende und Kulturschaffende aus dem Bereich Kunst und Design zu einem gemeinsamen Workshop ein. Unter der kunsttheoretischen und künstlerischen Leitung der Professoren Gerlach und Shan entwickelten neun Studierende aus Deutschland und China kreative und kritische Ansätze in der Auseinandersetzung mit dem kontroversen Thema „Konfuzianische Werte im 21. Jh.? Alte und neue Harmonie“.
Links
http://www.chinaboard.de/viewtopic.php?t=15600&w=8

Mehr Infos unter
http://venyoo.de/s248006-konfuzianische-werte-im-21-jh-alte-und-neue-harmonie-eine-spurensuche-zwischen-ost-und-west

http://www.konfuzius-institut-hamburg.de/index.php?29&tx_mjseventpro_pi1[showUid]=165

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Gunnar F. Gerlach | Vortrag im Konfuziusinstitut 21.05.2010

Auf der Suche nach „Harmonie“ – gedankliche und bildkünstlerische Versuche eines Brückenbaus: mit konfuzianischen Werten zur aktuellen Gegenwart in der VR China und Deutschland?

„Kaum jemand liebt die Tugend mehr als die Schönheit.(…)“ Konfuzius
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„Wie aber eine Schönheit sein kann, und wie eine Menschheit möglich ist, kann uns weder Vernunft noch Erfahrung lehren.(…)“ Friedrich Schiller
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„Warum, schrieben sie in ihren Büchern, ist die Maschine so schön, warum ist sie das Schönste und dem Auge Wohlgefälligste, was man heute sehen kann? Weil sie durch und durch nützlich ist. Weil an ihr kein einziges Teilchen ist, das keinen Zweck hätte. Weil sie die verkörperte Harmonie ist (….)“ Bertolt Brecht (Me-ti)

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Gegenwärtige, zu oft einseitig von verführtem, ökonomischem Bewußtsein getragene, Entwicklungen in Zeiten einer auch mißverstandenen Globalisierung, zeigen die Notwenidigkeit einer Fragestellung: in welchen Maßverhältnissen und Proportionen stellen wir uns heute die Relationalität von Mensch und Geselllschaft vor? Ist das Individuum oder die Gemeinschaft (Staat) als Subjekt oder Objekt zu fassen, und wie ist das Verhältnis bei beidem von Innen(leben) und Außen(wirkung). Diese alten Fragen sind aktueller denn je in Zeiten auch weltumspannender „Irrungen und Wirrungen“. Gerade der hohe Grad des Respektverhältnisses zwischen der VR China und Deutschland lassen hier ein Forschungs- und Experimentierfeld aufscheinen: in beiden Traditionen und Kulturen sind die philosophischen Fragen der Ethik  von Einzelmensch und sozialer Gemeinschaft verknüpft worden mit Reflexionen zur Ästhetik. Begrifflichkeiten der Proportions- und Perspektivlehren versuchen Maß, Zahl, Gleichgewicht und Mitte in idealistischer, naturalistischer, realistischer oder abstrakter Hinsicht zu erfassen. Integriert werden dabei Erkenntnisse der Naturwissenschaften (u.a. Physik, Biologie, Neuro-Wissenschaften) deren spezifische Begrifflichkeiten auch Instrumente aufklärerischen und dialektischen Denkens sind: Symmetrie, Gleichgewicht, Übereinstimmung  der Teile und des Ganzen in relationaler und dialektischer Verschränkung verweisen auf den Terminus der „Harmonie“ und den Bedingungen seiner Erscheinungs-Möglichkeit. Harmonie wiederum ist ein zentrales Thema philosophischer, religiöser, künstlerischer und politischer Reflexionen, die im Kontext einer Suche nach dem „Schönen“ und seinen Gesetzmäßigkeiten (auch seinen vermeintlichen Gegenbildern, dem „Häßlichen“ und „Grotesken“) die universalen und universellen Phänomene in Zahl- und Maßverhältnissen auszudrücken trachten. Makro- und Mikro-Kosmos, Ganzes und seine Teile, Aussen und Innen sollen sich wechselseitig befruchtend ergänzen zu einer Einheit –  In der chinesischen, philosophischen Tradition erscheint hier die stetig bis in die Gegenwart wiederkehrende Gestalt des Konfuzius (ca. 551 v.u.Z.)   in den Diskursen und Diskussionen in Ost und West. Aber auch die europäische und speziell deutsche, philosophische und ästhetische Debatte kennt hier bedeutende Namen: Heraklit, Sokrates, Platon, Aristoteles bis hin zu Baumgarten, Kant, Schiller, Goethe, Hegel, Marx, Bloch, Horkheimer und Adorno – um nur einige zu nennen.

Die von uns (Dr. Cartsen Krause, Prof. Shan Fan, Prof. Gunnar F. Gerlach) mit zehn kunsttalentierten Teilnehmern aus verschieden gesellschaftlichen Bereichen (vom Kunststudium bis zu ausgebildeten Designern: s. Kurz-Biografien im Anhang) in dem deutsch-chinesischen-Kunstworkshop im Rahmen des Konfuzius- Institutes an der Universität Hamburg mit Vorträgen und praktischen Anleitungen erörterten Fragen und Probleme zwischen Kunst, Politik und Philosophie stellte aktuelle Fragen nach der Möglichkeit „alter und neuer Harmonie für das 21. Jahrhundert“ aus der kritischen Reflektion eines von Konfuzius geprägten „Harmonie“-Begriffes und seinen Transformations-Möglichkeiten.

Kleine Geschichte des Harmonie-Begriffes zwischen Ethik und Ästhetik, Ost und West

Etymoligisch erscheint  „Harmonie“ als „Übereinstimmung, Wohlklang“ und ist in Europa im 16. Jahrhundert entlehnt aus „harmonia“ (griechisch: Fügung, von Zusammenfügen; aus ‚harmos‘: Fuge, Gelenk). Übereinstimmung, Einklang, Eintracht und Ebenmaß verbanden den Begriff  bereits seit den antiken Pythagoräern , bezogen auf die Symmetrie und die Einheit der Proportionen von Maß und Wert bestimmte den Schönheits-Begriff. Verbunden mit der Frage nach der ‚richtigen‘ Lebensführung ist die Harmonie in der chinesischen Tradition auch eine Frage nach der Relation von Innen und Außen und einer anzustrebenden Mitte zwischen den Extremen: Lunyu XIII.23: „Und der Meister sprach: Der edle Mensch strebt nach Harmonie“.

Der Zusammenhang zwischen kosmischen Zahlen- und Maßverhältnissen auf eine (für Menschen unhörbare) Sphärenmusik beeinflußte nicht nur den Instrumentenbau und die Vorstellungenen eines Wohlklanges in der Musik. Bereits Heraklit betrachtete die ethisch und ästhetisch anzustrebende Harmonie als ‚dialektische‘ Einheit der Gegensätze: „Das Widerstrebende vereinige sich, aus den entgegengesetzten (Tönen) entstehe die schönste Harmonie, und alles Geschehen auf dem Weg des Streites.“ Da läßt sich nicht nur Mozarts Kunst- und Musikbegriff vorausahnen,sondern auch Hegels philosophische Gedanken zur Notwendigkeit des Widerspruchs in allem Lebendigen verstehen:„Nur insofern etwas in sich selbst einen Widerspruch hat, bewegt es sich, hat Trieb und Tätigkeit.“(Logik II/1 (IV, 68)). Es handelt sich also darum, Harmonie und Schönheit im Realen, das auch ein widersprüchliches ist zu erforschen. Der Harmonie-Begriff ist somit Instrument und heuristisches Prinzip: in der Vielfalt von objektiven Merkmalen und Beziehungen Strukturgesetze zu suchen – Symmetrie, Asymmetrie, Ganzheit, Struktur und System und ihre Widersprüche!

Entsprechend Finden sich bei Konfuzius bereits die Schwerpunkte der philosophischen Diskurse und Probleme in seiner „Lehre von Maß und Mitte“ (Chung Yung) formuliert und spezifiziert: Ethik, Soziologie, Politik, Pädagogik und Ästhetik (bei ihm: Poesie und Musik) werden befragt auf ihre Wirksamkeit für die zwischenmenschlichen Beziehungen und gegen die „Unmenschlichkeit“ der Nicht-Tugenhaften. Abhängig ist seine Begrifflichkeit jedoch von einem hierarchischen Ordnungsbegriff und einem perfekten System der Anpassung und Unterordnung im Kontext einer „Verewigung“ der Macht, die bis in die Gegenwart auch seine Kritiker findet. Mit den Worten von Simone de Beauvoir: „Konfuzius hat nie daran gedacht, das hierarchische Gefüge der Gesellschaft, in der er aufwuchs, zu ändern. Die große Neuerung, die er einführte – nämlich den Tugendbegriff -, gehörte in den Bereich der individuellen Ethik.“ (aus: „Konfuzianische Ideologie“)

Bertolt Brecht, der selber immer „chinesischer“ wurde (u.a. als „Me-ti“, „Der Tui-Roman“ und die späten Gedichte) hatte bereits davor gewarnt, Karl Marx zu einem Konfuzius zu erniedrigen: „Diese Selbstausbildung ist mit vielem vereinbar, was wir nicht als Tugend loben dürfen, wollen auch wir Musterknaben sein.“ (aus: „Konfutse“)

Konstruktiv bis heute bleiben jedoch jene Überlegungen, die Konfuzius mit Platon gedanklich verbinden lassen: die Forderung nach einer Klarheit der Begriffe und Anschauungen von Worten und Taten im Gleichgewicht. Und gerade jene Suche nach Balance in einer Werte verwirrten Zeit angesichts von Neo-Liberalismus und ökonomischen Totalitarismus innerhalb der Tigerkapitalistischen Zwangs-Globalisierung,scheinen Perspektiven und Auswege aufzuzeigen. Darin stimmt Konfuzius mit Platon überein, darüberhinaus mit Christus, die immer wieder das Umdenken und mit menschlichem Maß Verändernde forderten: Umkehr und Einkehr. Vor jeder Änderung der Gesellschaft muß der Einzelne – nach  Konfuzius- sein Herz ins Lot setzen.

Dieses Herz als Ausdruck des sinnlichen Triebes bedarf aber auch einer verstandesmäßigen Regulierung, wie es nach Friedrich Schillers „Ästehtetische(r) Erziehung des Menschen“ im Spiel sich zwischen Ethik und Ästhetik entwickelt und entfaltet: „Der sinnliche Trieb will, daß Veränderung sei, daß die Zeit einen Inhalt habe; der Formtrieb will, daß die Zeit aufgehoben, daß keine Veränderung sei. Derjenige Trieb also, in welchem beide verbunden wirken (…), der Spieltrieb also würde dahin gerichtet sein, die Zeit in der Zeit aufzuheben, Werden mit absolutem Sein, Veränderung mit Identität zu vereinbaren“. Erinnert dies nicht auf wunderbare Weise an die Forderung des Konfuzius die ‚Wurzel oder Grundlage der Dinge zu erkennen‘ ? „Lernen ohne Denken ist nutzlos, Denken ohne Lernen aber gefährlich“, sprach der Meister – ein Brückenschlag auch für die Gegenwart des Verständnisses und Handelns zwischen Ethik und Ästhetik, Philosophie und Politik, Ost und West, der VR China und Deutschland.

Die im Workshop entstandenen künstelrischen Arbeiten in Ausstellung und Katalog

Die von den Teilnehmern aus China (vier) und Deutschland (sechs) erarbeiteten Bildwerke und installativen Ideen  haben eine Vielzahl der zuvor angeführten Ideen visuelle Realität werden lassen: Widerspruch und Einklang, Übereinstimmungen und Gegensätze zwischen östlichen und westlichen Denk- und Bild-Konzepten, Probleme und Möglichkeiten einer Suche nach „Harmonie“ (Symmetrie, Gleichgewicht)  und Disharmonie zwischen Innen und Außen.

Heike S. Bühler konfrontiert uns mit einem perfomativ gedachten Design zwischen westlicher, auch esoterisch gedachter Religiösität und östlicher Philosophie als Heilsweg: ihre Oblaten (oder Hostien) stimmen ein, auf einen Weg der geistigen Klärung – einem Weg von Innen nach Außen in Analogie zum konfuzianischen Bewußtsein einer Einheit von „Bildung und Charakter im Gleichgewicht“. Bei Evelyn entsteht duch das sich mantra-artige Wiederholen des deutsch kalligraphierten Wortes „Harmonie“ mit Tusche auf chinesischem Reispapier ein „kleines Wunder der Verwandlung“ : aus den destruierten Tusche-Bahnen konstruiert und collagiert sie ein neues Bild. Aus Schrift wird Zeichen, aus Zeichen Zeichnung und Bild: die in Siebdruck übersetzte Handlung wird zu einer Landschaft im Sinne der alten chinesischen Ästhetik der Berg-Ansichten. Diese Landschaft wird Raum für Möglichkeiten einer auch ästhetischen Transfomation.

Im Stil der klassischen, chinesischen Bambus-Malerei (wie sie unserer Tage u.a. auf abstrakt-moderne Weise in Shan Fans „Malerei des Augenblicks  – Malerei der Langsamkeit“: vgl. Katalog u. Vortrag G.F. Gerlach, Sammlung Sigg, 19. Vovember 2009) zeigt uns die Sanftheit und Sanftmut beim Umgang mit der Natur: taostisch „Leere als große Fülle“ zu denken.
Ganz gegenteilig konfrontiert uns Julia mit ihren Farbfeldern, die bewußt keiner vorgegebenen Farblehre in Komplementärkontrasten folgt, sondern die geistige und sinnliche Abstraktionsfähigkeit der technologisch geprägten Gegenwarts-Menschen thematisiert: Signalreize der Extreme (Farbwerte) die in ihrer Vielfalt und in der Zusammenschau eine Möglichkeit von „Harmonie“ und „Gleichgewicht“ ergeben können – und deren Lesart – von oben nach unten, links nach rechts oder umgekehrt – frei ist.
Originale, chinesische Zitate zum Harmonie-Begriff vom Staatspräsidenten der VR China, Hu Jintao, zur „harmonischen chinesischen Gesellschaft“ werden vom zeichenhaften der chinesischen Begriffe in europäische Notenschrift überführt und können so als Vorlage für ein surrealistisch-fluxistisches (Musik-) Spiel mit paralleler Performance werden. Harmonie kann hier in Widerspruch und Streit entstehen und die Zeichen(systeme) sind im Fluß. Auch Mai Ning orientiert sich in seinen gemalten Landschaftbildern an einem Versuch der Synthese zwischen  einer expressiven, europäisch geprägten Landschaftmalerei mit dunkler Farbpalette und dem empathischen erobern der Bildfläche im Geiste der traditionellen chinesischen Landschaftmalerei als Ausdruck einer inneren Haltung zu Natur und Geist: ein Akt der Emanzipation als Bekenntnis zur eigenen Subjektivität, die auch das chaotische visuell zu integrieren trachtet.
Die digital-fotografischen Bildbearbeitungen von Stadtstrukturen aus der militär-strategisch gern genutzten „Vogel-Perspektive“, dem auch klassisch-hierarischen und unterdrückenden „Blick von oben“, von Liang Xu suggerieren eine Analogie zwischen erster und zweiter Natur (Kultur?): der strukturale Großraum Stadt wird zum Körper mit Herz, Hirn, Lunge (Grünflächen) und Blutbahnen (Straßenverläufen) in denen Schöpfung und (Geschlechts-) Verkehr sich ereignen: Spermien und Ovarien liefern den strukturierenden Rhythmus der industriellen und digitalen Schöpfung der Gegenwart im Gemeinwesen..
Die darin bedrohlich zu erlebende Einsamkeit in der Menge und Masse – auch ein wesentliches Kriterium zur Bestimmung des „modernen“ Künstlers seit den industrialisierten Massengesellschaften im 19. Jahrhundert bei Charles Baudelaire  – thematisert Juan JuanYi in iher Malerei: Schwarz und Weiss – auch als Denk- und Sehbild – werden zwischen chinesischer Zen-Malerei und europäischem Tachismus synthetisiert und ergeben eine Kunst und einen Kunstbegriff, der Einfühlung und Abstraktion über vertikale und horizontale, malerische Gesten in einen neuen Zusammenhang und Zusammenklang setzt.
Und eben dies scheinbar Unmögliche der Einheit der auch klischeehaften Gegensätze zwischen östlichem und westlichem Denken und ästhetischem Handeln in Zeichen, Symbol und Zeichnung, gelingt Gesa Köhn in ihrem Triptychon: dekonstruktiv wird aus zerrissenen, klischierten und vorurteils beladenen Super-Zeichen Deutschlands (Deutsche Eiche in gotischer Fraktur typografisch gemalt) und Chinas (dem chinesischen Bambus als Ewigkeitszeichen zwischen Naturschönheit und ökonomischer Nutzbarkeit) eine neue, auch sinnliche Realität geschöpft und als Möglichkeit zur Disposition gestellt.

Wenn im Sinne dieses deutsch-chinesischen Kunstworkshops Ereignisse und Ergebnisse die Gegenwart und Zukunft bestimmen könnten, wäre mehr erreicht als Völkerverständigung: es wäre ein konstruktiver Weg, mit demütiger Bescheidenheit die jeweilige Kultur des anderen aufzunehmen, eine Ein- und Umkehr zu vollziehen, um mit diesem Anlauf einen großen Sprung nach vorne zu vollziehen. Mit den aktuell zu nutzenden Worten von Meister Konfuzius:
„Nicht das soll einen bekümmern, daß man kein Amt hat, sondern das muß einen bekümmern, daß man dafür tauglich werde. Nicht das soll einen bekümmern, daß man nicht bekannt ist, sondern danach muß man trachten, daß man würdig werde, bekannt zu werden.“

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Monty-Python-Sketch „Fußballspiel der Philosophen“

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Weitere Beiträge:

Künstler fordern die Freilassung des chinesischen Künstlers Ai Weiwei + Kollegen = Wandzeitung 11-4-11

https://medienwatch.wordpress.com/ver-di-fordert-die-freilassung-des-chinesischen-kunstler-ai-weiwei/

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Ai Weiwei: Die bestdokumentierte Wunde der Kunstgeschichte

https://medienwatch.wordpress.com/2009/10/14/ai-weiwei-die-bestdokumentierte-wunde-der-kunstgeschichte/

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Taolette° = Kampnagel 1995 (Wortschöpfung von Anna Popova)

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medienwatch.wordpress.com | http://www.meta-info.de | stange.metasynapse.de

Foto: Jörg Stange, Gunnar F. Gerlach Gesellschaft für operative Kunst GfoK [Society of operative Arts]

 

Written by medienwatch & metainfo

April 13, 2011 at 09:31

Veröffentlicht in

Künstler fordern die Freilassung des chinesischen Künstlers Ai Weiwei + Kollegen = Wandzeitung 11-4-11

with 2 comments

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„My work is always dealing with real or fake, authenticity and value and how value relates to current political and social understandings and misunderstandings,“

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Human Rights Watch fordert

China: Künstler und Regierungskritiker Ai Weiwei soll freigelassen werden

Niederschlagung der Opposition erreicht neues Ausmaß April 6, 2011
(New York, 6. April 2011) – Die chinesische Regierung soll umgehend den Künstler und Regierungskritiker Ai Weiwei freilassen und die willkürliche Unterdrückung von abweichender politischer Meinung beenden, so Human Rights Watch. Ai wurde am Morgen des 2. April 2011 am Flughafen Peking verhaftet, als er nach Hongkong fliegen wollte. Trotz erheblicher inländischer und internationaler Beachtung des Falls haben sich die chinesischen Behörden geweigert, den Ort, wo Ai festgehalten wird, oder den Grund seiner Verhaftung bekannt zu geben. Isolationshaft ist oftmals der erste Schritt zur Strafverfolgung:
http://www.hrw.org/de/news/2011/04/06/china-k-nstler-und-regierungskritiker-ai-weiwei-soll-freigelassen-werden

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dRadio Hören: Hier

„Wir dürfen nicht anfangen, mit der Wahrheit zu spielen“

Kunsthistorikerin über Aufklärung und Repression in China
Ulrike Münter im Gespräch mit Britta Bürger
Die Festnahme von Ai Weiwei wirft die chinesische Kunstszene und die Hoffnung auf eine Liberalisierung zurück. Ulrike Münter, eine Kennerin der dortigen Gegenwartskunst, stellt den Sinn von Großprojekten wie der deutschen Aufklärungs-Schau in Frage:
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1434397/

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Luc Tuymans über Ai Weiwei

Der chinesische Staat ist nervös

Er hat gemeinsam mit Ai Weiwei eine Schau in Peking organisiert – allen Widrigkeiten zum Trotz. Jetzt spricht der belgische Maler Luc Tuymans über die Kraft des Individuums in einem uniformen Staat. 13. April 2011
[..] Als ich das erste Mal in China ankam, war die Ernüchterung groß. Dort ist nichts exotisch. Denn es ist nichts, wie es scheint. Die Menschen werden dominiert von Macht und einer zentralisierten Korruption, der Rest ist Elend. Unter den Reichen zählt nur der Status, die Quantität und das Geld, nicht die Inhalte. Die Mächtigen sind nur an Repräsentationsausstellungen interessiert. Die Uniformität der Intelligenz ist erschreckend [..]
http://www.faz.net/s/RubEBED639C476B407798B1CE808F1F6632/Doc~E36158826BD094F4EB374A6B2AF7B6584~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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Ausstellung zur Aufklärung in Peking

Flaschenpost nach China

Ein Gastbeitrag von Tilman Spengler
Die deutsche Ausstellung in Peking ist keine „Alibi-Veranstaltung“. Auch nach der Verhaftung des Bürgerrechtlers Ai Weiwei wäre es falsch, sie zu schließen. Denn Abbrechen ist so doof wie verbieten. 14.04.2011
http://www.sueddeutsche.de/kultur/ausstellung-zur-aufklaerung-in-peking-flaschenpost-nach-china-1.1084967

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Aus Le Monde diplomatique

Imagepflege à la chinoise

Der Exportweltmeister China hat in Sachen Menschenrechte massive Imageprobleme, wie zuletzt die Verhaftung von Ai Wei Wei offenbarte. Ein Fall für die Agentur Xinhua. VON PIERRE LUTHER 15.04.2011
http://www.taz.de/1/politik/asien/artikel/1/imagepflege-a-la-chinoise/

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UN-Menschenrechtsrat soll die sich verschlechternde Situation thematisieren

New York, 31. März 2011) – Die Europäische Union, die USA und andere Länder sollen den UN-Menschenrechtsrat auffordern, die sich verschlechternde Menschenrechtslage in China zu thematisieren, so Human Rights Watch.
Es sollen allen verfügbaren Möglichkeiten genutzt werden, einschließlich der „Menschenrechtsdialoge“, um der chinesischen Regierung deutlich zu machen, dass die Verhaftung und Verschleppung von Dutzenden der bekanntesten chinesischen Rechtsanwälte, Menschenrechtsverteidiger und Internetaktivisten während der letzten Wochen nicht akzeptabel sind. Die Regierungen dieser Länder sollen auch ein weiteres Mal betonen, dass China die Verpflichtungen internationaler Menschenrechtsstandards bricht und dass die Menschenrechtsverletzungen dringend beendet werden müssen.

„Ein derartiges Vorgehen gegen Aktivisten in China hat es seit zehn Jahren nicht mehr gegeben”, so Sophie Richardson, Advocacy-Direktorin der Asien-Abteilung von Human Rights Watch. „Wenn Regierungen die Menschenrechte in China wirklich wichtig sind, dann sollen sie nicht wie gewohnt weiter machen, während friedliche Kritiker nacheinander verhaftet werden.“

Seit 16. Februar 2011 sind mindestens 25 Rechtsanwälte, Aktivisten und Blogger von den Behörden festgehalten, verhaftet oder verschleppt worden. Zwischen 100 und 200 andere Personen sind Opfer von repressiven Maßnahmen, die von polizeilichen Vorladungen bis Hausarrest reichen. Die chinesische Regierung hat auch die Internetzensur spürbar verschärft, mehrere Herausgeber liberaler Zeitungen zum Rücktritt gezwungen und neue Einschränkungen für ausländische Medien in Peking verhängt. Foto: Shizhao = Teng Biao, ein bekannter chinesischer Menschenrechtsanwalt, der am 19. Februar 2011 in Peking verschleppt wurde [..]

http://www.hrw.org/de/news/2011/03/31/china-verhaftungen-und-verschleppungen-erfordern-internationale-reaktion

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Guggenheim startet Petition für Ai Weiwei

New York (monopol) – Die amerikanische Solomon R. Guggenheim Foundation hat gemeinsam mit namhaften internationalen Museen eine Online-Petition für die Freilassung des von chinesischen Behörden verhafteten Künstlers Ai Weiwei gestartet. 08.04.2011

Zu den Erstunterzeichnern gehören neben Richard Armstrong, dem Direktor des Guggenheim-Museums auch Michael Govan, Leiter des Los Angeles County Museum of Art, Glenn Lowry, Direktor des New Yorker Museum of Modern Art, Nicholas Serota, Leiter der Londoner Tate, und Chris Dercon, der neue Direktor der Tate Modern.

„Wir, Mitglieder der internationalen Kunst-Community, drücken hiermit unsere Sorge um Ais Freiheit aus und unsere Enttäuschung über Chinas Weigerung, das Versprechen einzuhalten, Kreativität, und Gedankenfreiheit zu gewährleisten.“

Die Institutionen haben am Freitagabend eine Online-Petion freigeschaltet. „Mit der Verwendung von Ai Weiweis Lieblingsmedium zur Herstellung einer ‚sozialen Skulptur‘ hoffen wir, die Freilassung des visionären Künstlers und Freundes zu beschleunigen.“

Ai Weiwei war am Sonntag verhaftet worden. Ihm werden von den Behörden offiziell „Wirtschaftsverbrechen“ vorgeworfen.

http://www.change.org/solomon_r_guggenheim_foundation
http://www.monopol-magazin.de/artikel/20102642/Guggenheim-startet-Petition-fuer-Ai-Weiwei.html

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Bigotter Protest der Medien etc.

Inzwischen dürfte es hinlänglich bekannt sein, dass zahlreiche Künstlerkollegen und andere hunderte (?) engagierte Menschen, an unbekannte Orte verschleppt wurden. Die Appelle sollten entsprechend erweitert werden. Sonst kommt möglicherweise in der Konsequenz, als Tribut sozusagen auf die internationalen, auch durchschaubaren Proteste „nur“ Ai Weiwei frei: ist dann die Luft raus und man kann ungestört zum Tagesgeschäft übergehen? Jörg Stange = 艾未未的自由 + 企業的其它孔斯特勒 gfok 6. April 2011

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(Zerstörte) Arbeiten von Ai Weiwei u.a. der »Revolutionsturm« nach Tatlin im Atelier:

http://www.allmystery.de/i/bsif7Ay_917133317_8d9ffe08db.jpg

http://www.allmystery.de/i/b1SFpxr_aiweiwei_working_lg.jpg

http://stylecrave.de/tribute-to-ai-weiwei/

http://www.muenchenblogger.de/bildergalerie/ai-weiwei-im-haus-der-kunst/ai-weiwei-06

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Medienspiegel

dradio: hören

Abriss des Ai Weiwei Ateliers in Shanghai

http://wissen.dradio.de/china-abriss-des-ai-weiwei-ateliers-in-shanghai.37.de.html?dram:article_id=7816&dram:audio_id=10088&dram:play=1

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* Sendungen A—Z
* ttt – titel thesen temperamente | VIDEO

* ‚Die Kunst der Aufklärung‘ – Deutsche Ausstellung in Peking

http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/431902_ttt—titel-thesen-temperamente/6868288_-die-kunst-der-aufkl-rung—-deutsche-ausstellung-i

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Was ist Aufklärung? ( cn )

Deutsch-Chinesisches Kulturnetz, 2010-11
Nach langjähriger deutsch-chinesischer Planungsarbeit eröffnet am 1. April 2011 die Ausstellung. Die Kunst der Aufklärung im Chinesischen Nationalmuseum in Peking:
http://www.chinesische-gegenwartskunst.de/pages/ausstellungen/aufklaerung.php

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„Weltfremd und unglaubwürdig“

Meinhard von Gerkan, Architekt des größten Museums der Welt, über die Kritik an seinen Prestigebauten für das Pekinger Regime und die Verhaftung des Künstlers Ai Weiwei | Redakteure: Susanne Beyer, Martin Doerry und Nora Reinhardt 11.04.2011
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,756259,00.html

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Protest gegen Festnahme Ai Weiweis

Peking? Dann lieber weiter Eimsbüttel

Die Hamburger Künstlerin Gerten Goldbeck lehnt nach Ai Weiweis Festnahme eine Einladung nach China zur Veranstaltung „printmaking base“ ab.
http://www.abendblatt.de/kultur-live/kunst/article1854657/Peking-Dann-lieber-weiter-Eimsbuettel.html

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艾未未的自由 + 企業的其它孔斯特勒 gfok

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Vernunft und Vorsicht

Kunst aus Dresden, Berlin und München soll den Chinesen die Ideen der Aufklärung nahebringen. Doch die opulente Schau wirkt dabei zu beschaulich. Von Heinrich Löbbers
http://www.sz-online.de/Nachrichten/Kultur/Vernunft_und_Vorsicht/
articleid-2729834

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Verschwundener Künstler Weiwei

Eine neue Stufe der Repression

Der Aufenthaltsort des chinesischen Künstlers Ai Weiwei ist noch immer unbekannt. Seine Frau und seine Freunde sind in großer Sorge. VON JUTTA LIETSCH
http://www.taz.de/1/politik/asien/artikel/1/eine-neue-stufe-der-repression/

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艾未未的自由 + 企業的其它孔斯特勒

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Factbox: Who is Ai Weiwei?

http://www.sbs.com.au/news/article/1513076/Factbox–Who-is-Ai-Weiwei-
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Kolumne
Ai Weiwei
Offenbar fürchtet auch der chinesische Despotismus, der am Sonntagmorgen den Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei verhaften und an einen unbekannten Ort verschleppen ließ, das Individuum als Ultima Ratio der Unabhängigkeit.
http://www.fr-online.de/kultur/spezials/times-mager/ai-weiwei/-/1838190/8299092/-/view/asFirstTeaser/-/index.html

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Chinesische Regierung verstärkt Schikanen gegen Künstler

Ai Weiwei festgenommen, Liao Yiwu an Ausreise gehindert
http://www.abendblatt.de/kultur-live/article1844242/Chinesische-Regierung-verstaerkt-Schikanen-gegen-Kuenstler.html

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Erweiterte + ältere Beiträge:

Verbotene Wahrheiten: In China wurden elf Aktivisten verhaftet darunter der Künstler Ai Weiwei

https://medienwatch.wordpress.com/2009/08/17/verbotene-wahrheiten-in-china-wurden-elf-aktivisten-verhaftet-darunter-der-kunstler-ai-weiwei/

https://medienwatch.wordpress.com/who-is-ai-weiwei/

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艾未未的自由 + 企業的其它孔斯特勒 gfok

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Lassen Sie den chinesischen Künstler Ai Weiwei frei!

Die Fachgruppe Bildende Kunst in ver.di hat mit großem Erschrecken gelesen, dass der Künstler und Documentateilnehmer, Ai Weiwei in Peking verhaftet wurde, bisher ist sein Aufenthalt unbekannt. Kunst mag provozieren und ärgern, sie fordert zu Debatten und Auseinandersetzungen auf, aber sie ist menschlich und sorgsam, deshalb können wir es nicht zulassen und protestieren mit allem Nachdruck gegen die Verhaftung des Kollegen Weiwei, wir fordern von der chinesischen Regierung: Lassen Sie den Künstler Weiwei frei!

http://kunst.verdi.de/

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Offener Brief an den Botschafter der Volksrepublik China in der Bundesrepublik Deutschland, vom 7.4.2011

Protest gegen die Verhaftung des Kollegen Ai Weiwei

Sehr geehrter Herr Botschafter WU Hongbo,

mit großer Bestürzung haben wir den Medien entnommen, dass einer der weltberühmtesten Künstler Ihres Landes, Ai Weiwei, in Beijing verhaftet wurde, ebenso acht seiner Mitarbeiter.

Auch wenn uns noch nicht bekannt ist, welche konkreten Gründe zu diesen Festnahmen geführt haben, sehen wir in diesem Akt nicht nur eine Verletzung individueller Menschenrechte. Vielmehr ist diese Verhaftung ein schwerer Verstoß gegen die Freiheit von Kunst, zugleich aber wird dadurch auch das Ansehen Chinas in der ganzen Welt schwer beschädigt.

Im Namen der Künstlerinnen und Künstler Deutschlands protestieren wir entschieden gegen die Festnahme unseres Kollegen Ai Weiwei und seiner Mitarbeiter und fordern die verantwortliche politische Ebene der Volksrepublik China auf, sie unverzüglich freizulassen.

Wir bitten Sie, Excellenz, unsere Forderung den zuständigen Behörden Ihres Landes zu übermitteln.

Derzeit tagt in Mexico die General Assembly der International Association of Art, IAA, in der nationale Künstlerorganisationen aus fast 100 Ländern vertreten sind und die in Kooperation mit der UNESCO steht. Deren amtierender  Präsident, Liu Dawei, ist ein Bürger Ihres Landes.  Wir haben die General Assembly der IAA aufgefordert, sich unserem Protest anzuschließen, und wir sind sicher, dass die Delegierten in Mexico unserer Aufforderung mit überwältigender Mehrheit zustimmen werden.

Hochachtungsvoll

Werner Schaub               Annemarie Helmer-Heichele

http://www.bbk-bundesverband.de/index.php?id=56

Bigotter Protest der Medien etc.

Inzwischen dürfte es hinlänglich bekannt sein, dass zahlreiche Künstlerkollegen und andere hunderte (?) engagierte Menschen, an unbekannte Orte verschleppt wurden. Die Appelle sollten entsprechend erweitert werden. Sonst kommt möglicherweise in der Konsequenz, als Tribut sozusagen auf die internationalen, auch durchschaubaren Proteste „nur“ Ai Weiwei frei: ist dann die Luft raus und man kann ungestört zum Tagesgeschäft übergehen? jst

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Mittwoch, 06. April 2011

Freund von Ai Weiwei: Chinesische Behörden offenbar nicht an Dialog interessiert

Die Festnahme seines Freundes Ai Weiwei hat ihn überrascht. Schließlich habe dieser sich ja schon häufiger kritisch geäußert, sagte der dänische Künstler Olafur Eliasson im Deutschlandradio Kultur. Ai Weiweis Verhaftung zeige, dass die chinesischen Behörden überhaupt nicht an einem Dialog interessiert seien. Er frage sich selber, was man tun könne, um Druck auf die Chinesen auszuüben, sagte Eliasson weiter. Er sei aber nicht sicher, ob solcher Druck Ai Weiweis Situation verbessern könne. Der regimekritische Künstler Ai Weiwei, der in China nicht ausstellen darf, war am Sonntag auf dem Pekinger Flughafen festgenommen worden.
http://www.dradio.de/kulturnachrichten/201104060700/2

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06. April 2011
China reagiert auf Kritik wegen Ai Weiwei Festnahme
China hat auf die anhaltende Kritik wegen der Verhaftung des Künstlers Ai Weiwei reagiert. In der Staatszeitung «Global Times» beschrieb die Regierung Ai Weiwei als Außenseiter der chinesischen Gesellschaft. Die Forderungen von Menschenrechtsgruppen und ausländischen Regierungen den Künstler freizulassen, seien Ausdruck einer rücksichtslosen Missachtung der Souveränität des Landes.
http://www.kuvi.de/news/22263_china-reagiert-kritik-ai-weiwei-festnahme.html

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weitere Beiträge:

https://medienwatch.wordpress.com/2009/08/17/verbotene-wahrheiten-in-china-wurden-elf-aktivisten-verhaftet-darunter-der-kunstler-ai-weiwei/

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[..] Grundlagen geschaffen für das europäische Verständnis von Meinungsfreiheit und Menschenrechten. Doch solche Debatten können in der Volksrepublik nicht offen geführt werden, sagt Chinas bekanntester Künstler, Ai Weiwei:

„Vor 300 Jahren, im 17. und 18. Jahrhundert haben die Europäer diese wunderbaren Werte hervorgebracht – aber bis heute traut sich China nicht, sich dieser Diskussion zu stellen. Als eine Ausstellung von Ölgemälden ist das Thema Aufklärung aus Sicht der Regierung okay. Aber die dazugehörigen Debatten sind nicht erlaubt. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie.“ [..]

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/fazit/1425818/

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China-Experte Sandschneider zur Verhaftung des Regimekritikers Ai Weiwei

Eberhard Sandschneider im Gespräch mit Gabi Wuttke
Eberhard Sandschneider von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik hält es für wahrscheinlich, dass dem Regimekritiker Ai Weiwei die Grenzen im Umgang mit dem chinesischen Regime bekannt waren. Die Führung in Peking reagiere nun in „sehr altbackenen machtpolitischen Mustern“ [..]

Hören:  dradio flash od mp3 Hier

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Donnerstag, 07. April 2011 08:30 Uhr | Eine, nicht näher begründete Stellungnahme der chinesischen Führung liegt nun vor:

Festnahme von Ai Weiwei: Der Vorwurf lautet „Wirtschaftsverbrechen“

http://www.dradio.de/kulturnachrichten/201104070800/1

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Manipulativ mafiotische Muster im Kunstgeschäft?

+++ Es ist seit Jahren intern bekannt, dass die am westlichen Markt erfolgreichen chinesischen Künstler, einen Grossteil ihrer Verkauferlöse an eine chinesische (inoffizielle) Kulturinstitution abdrücken müssen. Die Rede war von 50%: dieser Frage sollte offiziell nachgegangen werden. jst +++
[..] “ Er atmet tief durch die Nase, als könnte er es riechen. In der Auktion geht das alles über den Tisch. Nicht zu Höchstpreisen, aber immerhin. Es geht um die Show. Der Auktionator mümmelt lächelnd in Richtung einer Fraktion Chinesen: „You have thousand more, it’s yours.“ Die Chinesen haben tausend mehr. Verkauft. Eilig verlassen vier Chinesen den Saal, wie eine offizielle Delegation die Frankfurter Buchmesse.
http://www.brandeins.de/archiv/magazin/-f175dd18f2/artikel/zwei-millionen-in-zwei-minuten.html

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China: Nach der Festnahme von Ai Weiwei

Wo Aufklärung höchste Kunst ist

07.04.2011, 06:33
Ein Kommentar von Henrik Bork
Ai Weiwei soll sich in China wegen Wirtschaftsdelikten verantworten: Damit hat die chinesische Polizei die Verhaftung des Künstlers begründet. Besondere Empörung muss die willkürliche Festnahme in Berlin auslösen. Ein Land, das einen Künstler und Aufklärer wie Ai Weiwei hinter Gittern verschwinden lässt, hat einen neuen moralischen Tiefpunkt erreicht. Nun braucht es ein politisches Signal:

http://www.sueddeutsche.de/kultur/china-nach-der-festnahme-von-ai-weiwei-wo-aufklaerung-hoechste-kunst-ist-1.1082189

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Ai Weiwei „Äußerst nervös“

Ein Besuch in Ai Weiweis Pekinger Künstlerdorf Caochangdi
Ein Atelier im Pekinger Künstlerdorf Caochangdi, gleich in der Nähe von Ai Weiweis Werkstatt. Eine junge Frau öffnet die Tür, sie ist eine gute Freundin Ai Weiweis. »Er hatte eine Vorahnung«, sagt sie:
http://www.zeit.de/2011/15/Ai-Weiwei

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Künstler verschleppt

China erklärt Ai Weiwei zum Wirtschaftsverbrecher

Nach Ai Weiweis Verhaftung wird deutlich: Hinter Chinas Bestreben, ihn nicht weiter als politischen Umstürzler zu verfolgen, steckt Kalkül. Autor: Johnny Erling 7 April 2011 | 19:28
http://www.welt.de/kultur/article13104360/China-erklaert-Ai-Weiwei-zum-Wirtschaftsverbrecher.html

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Jelinek und Ruiss fordern Freilassung von Weiwei

[..] Die Verhaftungen und Anklagen von Personen wie dem Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo, Wu Yuren oder Ran Yunfei basierten auf „willkürlichen Anschuldigungen“ 07.04.2011 – 14:57
http://relevant.at/kultur/literatur/106988/jelinek-ruiss-fordern-freilassung-weiwei.story

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Henkel startet Initiative zur Freilassung Ai Weiweis

Von Ai Weiwei fehlt jede Spur, die Kunstszene weltweit sorgt sich um das Schicksal des bekannten chinesischen Künstlers [..] Von Silke Müller

[..] Henkel, der sich seit vielen Jahren bei Amnesty International für die Abschaffung der Todesstrafe engagiert, kennt Ai Weiwei gut und hat ihn mehrfach in Peking, Berlin und Zürich getroffen. „Wir alle hatten den Eindruck, dass Ai Weiwei immer sehr hart am Wind gesegelt ist, wir haben uns immer schon Sorgen um ihn gemacht“, sagt Henkel. Nun hofft er darauf, dass möglichst viele einflussreiche Vertreter aus Wirtschaft, Kultur und Politik seiner Forderung Nachdruck verleihen, Ai Weiwei sofort frei zu lassen [..]
http://www.stern.de/kultur/kunst/renommierter-chinesischer-kuenstler-henkel-startet-initiative-zur-freilassung-ai-weiweis-1672409.html

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Ai Weiweis Verhaftung in China

Wirtschaftsdelikte als Vorwand

Die chinesische Regierung wirft dem kritischen Künstler Ai Weiwei ungenannte Wirtschaftsdelikte vor. Damit räumt sie erstmals seine Festnahme ein. VON SVEN HANSEN 07.04.2011
http://www.taz.de/1/politik/asien/artikel/1/wirtschaftsdelikte-als-vorwand/

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Chinesische Polizei nimmt erneut Menschenrechtler fest

Die chinesische Polizei geht weiter gegen Dissidenten vor. Sie nahm am Donnerstag die beiden Menschenrechtsaktivisten Ni Yulan und Dong Jiqin fest. Erst am Sonntag war Chinas bekanntester Künstler Ai Weiwei in Peking festgenommen und an einen unbekannten Ort gebracht worden, kurz nachdem der deutsche Außenminister Guido Westerwelle die Ausstellung „Kunst der Aufklärung“ in Peking eröffnet hatte. Dies führte bereits zu Forderungen, die Ausstellung abzubrechen. Zuvor war schon dem Sinologen und Autoren Tilman Spengler, der an der Ausstellungskonzeption beteiligt war, die Einreise nach China verweigert worden, da er „kein Freund des chinesischen Volkes“ sei:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Chinesische-Polizei-nimmt-erneut-Menschenrechtler-fest-1223746.html

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Aufklärung

Liu Xiaobo, Ai Weiwei und die Schuhe Kants

Zwischen Konfuzius und Mao: Westliche Aufklärung ist in China schon lange bekannt.

[..] Es ist also wichtig, dass offen, laut und wiederholt ausgesprochen wird, was derzeit in China an Ungeheuerlichem geschieht. Hunderte Menschen sind in diesen Wochen und Tagen verhaftet worden. Sie sind verschollen, für ihre Angehörigen nicht auffindbar. Sie werden in geheimen Lagern versteckt. Was immer der Wortlauf der chinesischen Gesetze ist – ein Habeas Corpus gibt es nicht. Richter sind in China keine Richter, sondern Vorleser. Sie verlesen Urteile die eine Regierungsabteilung aufgeschrieben hat. Gewaltenteilung, ein Grundgedanke der Aufkärung, gibt es nicht. Das Politbüromitglied Wu Bangguo teilte noch auf dem letzten Volkskongress im März mit, eine Übernahme der westlichen Gewaltenteilung komme nicht in Frage. Es herrscht die Willkür einer einzigen Partei in China [..]
http://www.tagesspiegel.de/kultur/liu-xiaobo-ai-weiwei-und-die-schuhe-kants/4043430.html

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Die über sich selbst unaufgeklärte Aufklärung
Deutsch-chinesischer Dialog

Kommt uns bloß nicht mit Kant

Von Mark Siemons, Peking 28. April 2008

[..] Einen solchen Zustand, in dem die „Unterschiede zwischen den Dingen unscharf und die Entwicklungsmöglichkeiten vieldeutig sind“, stellte der Pekinger Kant-Forscher Han Shuifa dann in den Mittelpunkt seiner Ausführungen, in denen er eine Parabel des antiken chinesischen Philosophen Zhuangzi auslegte. Die mythische Figur Ungestalt trifft da auf zwei schon wesentlich ausdifferenziertere Freunde, die ihm einen Gefallen tun wollen und sich sagen: „Alle Leute haben sieben Löcher zum Sehen, Hören, Essen und Atmen. Ungestalt hat keins. Wir wollen ihm ein paar Löcher bohren.“ Also bohren sie ihm jeden Tag ein Loch, und am siebten Tag, so endet die Parabel, „starb Ungestalt“. Für Han Shuifa ist dieser Hilfsversuch Sinnbild eines über sich selbst nicht aufgeklärten Aufklärungsbegriffs, der eine für alle in gleicher Weise gültige Vernunft annimmt und keine Unterschiede duldet. Der Mensch werde dabei zum bloßen Objekt der Vernunft und deren Manipulationen [..]

http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E7805299719CD45AF9EE9039F2EFEC1F6~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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China, Ai Weiwei und die Aufklärung

Die Kritik der reinen Anti-Vernunft

Von Heiner Roetz
Selbstverliebte Exzentrik oder aufrechter Gang? Bemerkenswert, welchem Vorwurf der inhaftierte Künstler Ai Weiwei in China ausgesetzt ist. So gründlich kann man Konfuzius eigentlich nicht missverstehen. 08.04.2011, 18:14
http://www.sueddeutsche.de/kultur/china-ai-weiwei-und-die-aufklaerung-die-kritik-der-reinen-anti-vernunft-1.1083049

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Kant

[..] Das Gefühl ist dasjenige Subjektive (s. d.) an einer Vorstellung, „was gar kein Erkenntnisstück werden kann“. Durch dasselbe erkenne ich nichts an dem Gegenstande der Vorstellung, obgleich es wohl die Wirkung einer Erkenntnis sein kann. Ästhetische (s. d.) Zweckmäßigkeit hat ein Gegenstand, wenn seine Vorstellung unmittelbar mit einer Lust verbunden ist, ibid. Einl. VII (II 26 f.). Die Urteilskraft (s. d.) enthält die konstitutiven Prinzipien a priori des Gefühls der Lust und Unlust, ibid. Einl. IX (II 35). Alle Beziehung der Vorstellungen, selbst die der Empfindungen, kann objektiv sein, nur nicht die auf das Gefühl, „wodurch gar nichts im Objekte bezeichnet wird, sondern in der das Subjekt, wie es durch die Vorstellung affiziert wird, sich selbst fühlt“, ibid. § 1 (II 39 f.). Lust ist „das Bewußtsein der Kausalität einer Vorstellung in Absicht auf den Zustand des Subjekts, es in demselben zu erhalten“[..]
http://www.textlog.de/32349.html

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Akumalsensis

Und woraus speist sich die Intuition, bei aller erkenntnisreichen Differenz?, doch wohl aus Beidem: der Erkenntnis + dem gefühlt Erfahrenen. Es transformiert sich auch zu Bildern die zu (Traum-)Denkbildern werden können. Nur noch in seltenen Fällen reinen Ursprungs – da synthetische Digital-Eindrücke und plakative Werbung alles Natürliche an Rest-Wahrnehmung überlagern, verdecken oder zukleistern. jst

Vor der Verhaftungswelle: Tee, Ahornstempel + andere „Chinoiserien“ Stäbchen + diskursivem Entenhuhn am Fluss  r. Peggy Parnass 03.11

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„Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit“ Friedrich Schiller

Metaskizze persönlicher Empörung

„Konfuzius lehrt, dass nur über »Regeln« die Freiheit für das Volk verwirklicht werden könne“. Die Verhaftungswelle in China: seitens Human Watch geschätzte 200 „Regelverstösse“ über (martiale) Willkür eingefädelt, sind weder juristisch noch ethisch tragbar noch kritischen Beobachtern vermittelbar. Da Willkür, sich hier offensichtlich u.a. auf den drei Säulen von Infamie, Lüge und ein „indoktriniertes Kader-Kalkül“ zu stützen sucht. Von Verschleppung kann gesprochen werden, wenn nicht einmal die Familie weiss was mit ihren Angehörigen geschieht, bzw. wo sie sich überhaupt befinden. Alles aufbegehrende im Keim ersticken und dann Wegducken, scheint die Parole und Rolle der Mächtigen im Land zu spiegeln. – Der scharf geblasene Wind der Regierung, killt die Sanftheit und Sinnlichkeit, der traditionell diskursiv gefeierten Lotusblüte. Die Machtverhältnisse sollten sich ändern – die sich menthal selbst überlebten reaktionären Kader, zugunsten der Offenheit, abtreten oder (Pardon) austreten auf die Taolette° zur Reinigung des Selbst.

Nicht nur die Kunst – jeder Mensch, hat das Recht auf Freiheit, insbesondere über gesellschaftliche Normierung hinaus, institutionell aufgestellte (fragwürdige) Regeln, unbequem, radikal, künstlerisch, interventionistisch, affirmativ-subversiv zu befragen und zu spiegeln, oder anders die Stimme zu erheben. Ein Volk hat das Recht auf Widerstand, wenn staatlich verordnete Willkür den Freiheitsbegriff desavouiert und willkürlich ersetzt, und damit die Freiheitsrechte der Menschen (eklatant!) verletzt. Das Recht auf freie Meinungsäusserung, ist ein Grundrecht des Menschen seit der Aufklärung. Angst vor der Freiheit führt zur Unfreiheit durch (untugendhafte) Polit-Bürokraten. Die Freiheit, nicht denken und Leben können -deshalb die jenigen exemplarisch, für all die anderen einzuschüchtern, einzuschränken, wegzusperren (foltern?) sucht, die den Mächtigen im Lande auf die Schliche von korrumpierter Machtfülle und drangsalierender Methodik der Demütigung etc. gekommen sind? Gefangen in der eigendlichen Klammer von hierachisierender Tradiertheit, anachronistischer Strenge, Zensur und Bevormundung, konnotiert, konterkariert und penetriert durch Machtverlustängste der Protagonisten. Angetrieben durch eine spiessige Elite, die sich über die Folgen ihrer Massnahmen offensichtlich nicht klar wird, oder in ihrer demonstrativen Arroganz und Überheblichkeit es ihnen einfach „egal zu sein sich anschickt“, im Ablauf der geschehenen Dinge und Prozesse.

Freiheit fehlgedeutet, als explosive Sprengkraft, für ein nicht mehr beherrschbares 1,3 Milliarden Volk? Irrtum! Die Entwicklung, noch vor einigen Jahren, wirkte positiv, ohne die symptomatischen Anzeichen überbordener paranoider Ängste der Machtelite, vor einer möglichen explosiven gesellschaftlichen Situation. Die schrittweise Öffnung scheint nach dem Massaker auf dem „Platz des Himmlichen Friedens“, wegen Verdrängung unbewältigt. Das Spiegel-Interview mit dem Architekten Gerkan zeichnet diese Ignoranz, gegenüber der 3000 Toten, zumeist Studenten, nach. Dieses Trauma ist tief verankert im chinesischen Volk.Im neuen Nationalmuseum, findet „Die KUnst der Aufklärung“ statt ohne jeglichen Hinweis auf das Massaker, obwohl der „Kulturpalast“, genau dort erbaut wurde..

Konkrete Anspielungen, von Künstlern auf das Geschehen, werden belauscht und  beobachtet und in Teilen auch verfolgt. Man traut sich nur chiffriert via Andeutung, über dieses schreckliche Geschehen zu sprechen. Aufklärung fehl am Platz !

Erste Willkürurteile, ließen bereits böses ahnen. Es waren offensichtlich „nur“ sichtbare Einzelfälle: Der Aufschrei, nach der Verhaftung Liu Xiaobo (11 Jahre (!) Gefängnis) war weltweit unüberhörbar. China hat 2000 die UN-Menschenrechtscharta unterzeichnet. Aber das haben andere Länder auch voran die USA und dennoch werden menschenverachtende Kriege angezettelt. http://www.kantstiftung.de/uncharta.html

Die Akzeptanz, auch im Vertrauen des neoliberalen Europas, dass mit Chinas Hilfe die immensen wirtschaftlichen Probleme zu lösen erhofft, wird durch grössere (opportunistische) Annäherung wegen der Wirtschaftskrise an diesem Gedanken möglicherweise scheitern: Ein Trugschluss, durch fordergründige Wirtschaftsinteressen in die Leere laufend? Kultureller Dialog nur eine kosmetische Fassade? Es heisst im Machtgefüge des Politbüros hätten die „Betonköpfe“  die Handlungshoheit erreicht. Statt innerer Harmonie, als das kulturell spirituelle Rückrat Chinas, verschärfte Zensur – darüber hinaus dringen kaum positive Signale nach aussen.

Der offene, vertrauensvolle Dialog, ist für die Entwicklung einer offenen Gesellschaft substanzielle Voraussetzung. Die gegenwärtigen Tendenzen zeigen eine fatale Gegenentwicklung auf: Unsicherheit, Argwohn, Misstrauen sind treibende toxische Elemente, für die allgemeine Verunsicherung der weltpolitischen Situation und Verfassung.

Drangsal und Unterdrückung sind immer die falschen Ratgeber. Die Chinesen, sind es in ihrer Grundstimmung leid nicht offen reden zu können. Namen von Verhafteten traut man sich nicht auszusprechen, aus Angst vor Repression.

Die Besinnung auf einen entspannten Umgang mit kritischen Fragestellungen weist in dei richtige Richtung einer „zwanglosen Harmonie“, im Innern wie in der Aussenwahrnehmung, wäre dies die wegweisende Erkenntnis und Orientierung. Souverän und Weise würde das Bild des Chinesen, in seiner Gastfreundlichkeit der Menschen, adäquat klimatisch eine völkerverbindende Umarmung münden. Auch um aus dieser Position, innerer Stärke und Harmonie, gepaart mit menschenfreundlicher Souveränität, „neoliberale Ausbeutungsstrategien“ und andere Anfeindungen im Verteilungskampf, erfolgreich abwehren zu können. Hört auf eure kulturelle Stimme der Vernunft, das sind die gegenwärtigen Intellektuellen „Weisen“ und „in der Tiefe Wissenden“, um die Kultur und die geistigen Schnittstellen für ein offenes dialogisches China.. In geschätzter und geliebter Nähe internationaler Freunde durch persönliche Erfahrung und aufgeklärter Aufrichtigkeit. Mit „more red Humor“ in doppeldeutigen Spielarten kamen die Künstler dialogisch wunderbar zurecht. Über die Metasynapsen von Kunst und Kultur, als Transmitt(l)erstoff, als sinnstiftender Kompass zur Bewahrung der Tradition, als erweitertes dialogisches Bindemittel sich weniger fremd gewordener Kulturen.

Kleine Chinoiserie:

Im dialektischen DAO-Aufklärungsdoppel der „6 Pflaumen-Frühlingszweige in einer goldenen Vase“ der „kryptische Subtitel“ des Buches: Ein reicher Apotheker der sich 6 Frauen erlaubt. Das Buch der Bücher: KIN PING MEH [Jin Ping Mei]  健平咩  In engl. „The golden Lotus“. Das verbotene Buch: soweit ich weiss steht es heute noch auf dem Index in China : niemand darf das Buch besitzen, aber alle (!) haben es gelesen. Ein „konfuzianischer Regelverstoss“ der zu ahnden ist? Hat es eine Frau hat es ein Mann geschrieben – Mann/Frau man weiss nicht so genau. Es wird angenommen eher eine Frau wegen der feinsinnigen Details, die eher die sinnlich-perspektivische Sicht der Frau entsprechen. Aber niemand weiss es sicher. Fast fünfhundert Jahre ist es verboten. Wen verhaften? Wie gesagt alle haben es gelesen, das ganze Volk? Die 6 Frühlingspflaumenblütenzweige und die goldene Vase gleich mit? Die erotische Geschichte Chinas? Ein erotisch-pornografischer Roman aus der Ming Dynastie 1368-1644, schon damals 400 Jahre vordatiert um Spuren zu verwischen. Der Überlieferung nach sollen die Seiten vergiftet gewesen sein – sie waren in der bigotten Moralvorstellung, als Schrift-Zeichen giftig aufgeladen- sie sehen, China hat auch das überlebt: also doch lieber mehr Frau(en) eh Freiheit wagen ? Mit Blumen verbinde ich die Hippieära aber auch die erlittenen polizeilichen Massnahmen meiner Generation, das was die chinesischen Machthaber aus „Lotus“ machen ist weder erotisch sinnlich noch sonst positiv blumig darstell- bzw.vermittelbar. Was bleibt ist eine blutige Vase mit Goldrand und Braunstempel auf dem Grund – als Ansichtskarte mit dürren blütenlosen Zweigen – als Ansichtskarte der Tragik im Lande..

Manipulative Meinungshoheit im Westen, sei es durch Behörden verordnet, oder durch ein manipulativ korrumpierend-lobbyistisches Politikverständnis getarnt, gilt es auch hier zu demaskieren. Durch Gewalt ästhetisierende Medien, als Sprachrohre der Täuschung, in Formen von Scheindemokratien einflussreich installiert – mediensystemisch in die Köpfe der Menschen gepflanzt. Die „Vielheit“ an Medien sind kein Garant für aufrichtige „Offenheit“ – da in aller Regel die Muster der Steuerung relativiert dieselben bleiben. Der Kampf um die „falschen Ressourcen“ gebieret Ungeheuer um mit Goya zu sprechen. Goya in China, in der Ausstellung „Die Kunst der Aufklärung“, darin sollten sich nicht nur die Chinesen befragen und kryptisch spiegeln – da hat auch der Rest der Welt ein Übersetzungsproblem. Also China, entlasst euren freigeistlichen Humus und lasst euch durch eure Intellektuellen, eure kritischen Weisen helfen, euer Ansehen in der Welt und in euch selbst erfahrbar zu machen. Mut zur Freiheit und Offenheit, ist die Chiffre und humanistisches Heilmittel, für eine lebendige Ai (=Liebe) Gemeinschaft in sozialethischer Verantwortung und wirksamer Harmonie im gegensätzlichen Zweiklangs des Dao «Dao» = 道 [::] Wu wei = 無爲 / 无为
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„Es muss niemand verhaftet werden, der „Schein“ trägt sich noch“… Das „Recht auf Widerstand“ ist eine Präambel des Grundgesetzes bei uns. Die „Ästhetik des Widerstands“, ein höherer Auftrag aller Menschen, auch für den Handelsreisenden (!), zur Überwindung des „ungerecht Tragenden“, durch die aufklärende Waffe der Differenz, der Transformation von falscher Dominanz, widersprüchlich pseudorealer Parameter – ganz konkret durch Aufklärung und Gestaltung, die Dinge in Gang zu setzen. Die Dinge in Gang zu setzen, – als Impetus des Freien des zu befreienden, der zu überwindenden zwanghaften Muster… Die Freiheit, ist die Freiheit immer auch des/der Anderen, in Würde und Achtung des Umgangs in Wechselbeziehung, als konkret lebbares Prinzip einzulösen. Haltung und Handlung, aus aufgeklärter innerer (schöpferischer) Notwendigkeit, des Einzelnen im dialektischen Spiel der Gemeinschaftlichkeit und der Gegensätze: ihren Eigenarten der Ein – und Ableitungen, Verästelungen und Verwurzelungen, als individuelle Biographien und subversive Gegenpole – fordert und legitimiert den Gestaltungsprozess, des zu (be)freienden aus fremdgesteuerter Zwanghaftigkeit, zur Befähigung und Bereitschaft zur Mitgestaltung. Die unkorrumpierte Freiheit, dass ist der Weg, der (tranzendente) Pfad des Mündigen, für eine sozial gerechte Gesellschaft, dass zu erringende Ziel, aller Widerstände zum Trotz, in aller Gegenwärtigkeit und Wahrhaftigkeit der gelebten Stunde, – geschuldet den Kindern und als Spiegelung, erreichter geliebt-gelebter Wirklichkeit: wegweisend für nachfolgende Generationen, das gilt in der Quintessenz für alle unterdrückten und ausgebeuteten Kulturen und Völker. Insbesondere bei der beliebigen Unterstützung totalitärer Regime und ihrer Machtelite, vertraglich abgesichert durch die „Weltbankwerteprioritätenliste“ auf die Ressourcen wie Öl, Uran (Sudan etc.), Wasserprivatierungsaneignungsrechte etc. gedacht. Da ist auch D-Land, abnehmend leiser, zunehmend lauter Nutzniesser zur Sicherstellung des Versorgungshaushalts „nachhaltiger“ Profite durch direkte Verträge, zur weiteren Kontaminierung von (Rest-)Natur und Kontaminierung der Kreatur.. Jörg Stange 10-04-2011

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Gesicht gewinnen

Der Dialog mit China muss auf Augenhöhe geführt werden, nicht mit Kotau / Von André Schmitz 15.04.2011 17:09

http://www.tagesspiegel.de/kultur/gesicht-gewinnen/4067598.html

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Ai Weiwei

»Der Mann ist doch Chinese«

Die chinesische Propaganda stellt Ai Weiwei gerne als westlichen Provokateur dar. Dabei steht er mit seiner Kunst fest im Land der Mitte. Er hat die Tradition seiner Heimat wieder mit dem Leben verbunden. Von Mark Siemons, Peking 15. April 2011
http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~E7463410E7F1C49C681E63E2E13F6043F~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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Lotusweiher im Kunsthaus Hamburg

„Was in China passiert? Nichts.“

Im Hamburger Kunsthaus verweigerte sich die chinesische Generalkonsulin kritischen Fragen
Hamburg. „Was passiert jetzt in China? Nichts passiert. Chinesische Künstler genießen die große Freiheit.“

http://www.abendblatt.de/kultur-live/article1853186/Was-in-China-passiert-Nichts.html

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„Weltfremd und unglaubwürdig“

Meinhard von Gerkan, Architekt des größten Museums der Welt, über die Kritik an seinen Prestigebauten für das Pekinger Regime und die Verhaftung des Künstlers Ai Weiwei | Redakteure: Susanne Beyer, Martin Doerry und Nora Reinhardt 11.04.2011
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,756259,00.html

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Debatte um China : Herta Müller: „Diktaturen lernen nur durch Druck“

Essen. Literaturnobelpreis-Trägerin Herta Müller findet harsche Worte zur „Kunst der Aufklärung“ in China. Nach der Festnahme des Konzeptkünstlers Ai Weiwei kritisiert sie die deutsche „Anbiederung“ an das Regime. Kultur, 10.04.2011
http://www.derwesten.de/kultur/Herta-Mueller-Diktaturen-lernen-nur-durch-Druck-id4527600.html

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memo

Konfuzianische Werte im 21. Jh.?

Alte und neue Harmonie – eine Spurensuche zwischen Ost und West

Vernissage zum „Deutsch-Chinesischen Kunstworkshop“, veranstaltet vom Konfuzius-Institut an der Universität Hamburg 21.05.2010

Einführung:
Dr. Carsten Krause, Geschäftsführender Direktor des Konfuzius-Instituts an der Universität Hamburg Prof. Gunnar F. Gerlach, Dozent für Kunstwissenschaften und philosophische Ästhetik, Gastprofessur(en) u.a. an der Kunstakademie Hangzhou, Kurator und Autor, Hamburg Prof. Dr. h.c. Shan Fan, freischaffender Künstler und Geschäftsführer der Design Factory International… (College of Communication Arts and Interactive Media), Hamburg

Ganz im Zeichen seines vor anderthalb Jahren ins Leben gerufenen DEUTSCH-CHINESISCHEN DIALOGs lud das Hamburger Konfuzius-Institut Ende 2009 deutsche und chinesische Studierende und Kulturschaffende aus dem Bereich Kunst und Design zu einem gemeinsamen Workshop ein. Unter der kunsttheoretischen und künstlerischen Leitung der Professoren Gerlach und Shan entwickelten neun Studierende aus Deutschland und China kreative und kritische Ansätze in der Auseinandersetzung mit dem kontroversen Thema „Konfuzianische Werte im 21. Jh.? Alte und neue Harmonie“.
Links
http://www.chinaboard.de/viewtopic.php?t=15600&w=8

Mehr Infos unter
http://venyoo.de/s248006-konfuzianische-werte-im-21-jh-alte-und-neue-harmonie-eine-spurensuche-zwischen-ost-und-west

http://www.konfuzius-institut-hamburg.de/index.php?29&tx_mjseventpro_pi1[showUid]=165

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Oskar Kokoschka 1914, Chinesische Mauer

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memo



Gunnar F. Gerlach | Vortrag im Konfuziusinstitut 21.05.2010

Auf der Suche nach „Harmonie“ – gedankliche und bildkünstlerische Versuche eines Brückenbaus: mit konfuzianischen Werten zur aktuellen Gegenwart in der VR China und Deutschland?

„Kaum jemand liebt die Tugend mehr als die Schönheit.(…)“ Konfuzius
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„Wie aber eine Schönheit sein kann, und wie eine Menschheit möglich ist, kann uns weder Vernunft noch Erfahrung lehren.(…)“ Friedrich Schiller
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„Warum, schrieben sie in ihren Büchern, ist die Maschine so schön, warum ist sie das Schönste und dem Auge Wohlgefälligste, was man heute sehen kann? Weil sie durch und durch nützlich ist. Weil an ihr kein einziges Teilchen ist, das keinen Zweck hätte. Weil sie die verkörperte Harmonie ist (….)“ Bertolt Brecht (Me-ti)

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Gegenwärtige, zu oft einseitig von verführtem, ökonomischem Bewußtsein getragene, Entwicklungen in Zeiten einer auch mißverstandenen Globalisierung, zeigen die Notwenidigkeit einer Fragestellung: in welchen Maßverhältnissen und Proportionen stellen wir uns heute die Relationalität von Mensch und Geselllschaft vor? Ist das Individuum oder die Gemeinschaft (Staat) als Subjekt oder Objekt zu fassen, und wie ist das Verhältnis bei beidem von Innen(leben) und Außen(wirkung). Diese alten Fragen sind aktueller denn je in Zeiten auch weltumspannender „Irrungen und Wirrungen“. Gerade der hohe Grad des Respektverhältnisses zwischen der VR China und Deutschland lassen hier ein Forschungs- und Experimentierfeld aufscheinen: in beiden Traditionen und Kulturen sind die philosophischen Fragen der Ethik  von Einzelmensch und sozialer Gemeinschaft verknüpft worden mit Reflexionen zur Ästhetik. Begrifflichkeiten der Proportions- und Perspektivlehren versuchen Maß, Zahl, Gleichgewicht und Mitte in idealistischer, naturalistischer, realistischer oder abstrakter Hinsicht zu erfassen. Integriert werden dabei Erkenntnisse der Naturwissenschaften (u.a. Physik, Biologie, Neuro-Wissenschaften) deren spezifische Begrifflichkeiten auch Instrumente aufklärerischen und dialektischen Denkens sind: Symmetrie, Gleichgewicht, Übereinstimmung  der Teile und des Ganzen in relationaler und dialektischer Verschränkung verweisen auf den Terminus der „Harmonie“ und den Bedingungen seiner Erscheinungs-Möglichkeit. Harmonie wiederum ist ein zentrales Thema philosophischer, religiöser, künstlerischer und politischer Reflexionen, die im Kontext einer Suche nach dem „Schönen“ und seinen Gesetzmäßigkeiten (auch seinen vermeintlichen Gegenbildern, dem „Häßlichen“ und „Grotesken“) die universalen und universellen Phänomene in Zahl- und Maßverhältnissen auszudrücken trachten. Makro- und Mikro-Kosmos, Ganzes und seine Teile, Aussen und Innen sollen sich wechselseitig befruchtend ergänzen zu einer Einheit – auch der Gegensätze. In der chinesischen, philosophischen Tradition erscheint hier die stetig bis in die Gegenwart wiederkehrende Gestalt des Konfuzius (ca. 551 v.u.Z.)   in den Diskursen und Diskussionen in Ost und West. Aber auch die europäische und speziell deutsche, philosophische und ästhetische Debatte kennt hier bedeutende Namen: Heraklit, Sokrates, Platon, Aristoteles bis hin zuBaumgarten, Kant, Schiller, Goethe, Hegel, Marx, Bloch, Horkheimer und Adorno – um nur einige zu nennen.

Die von uns (Dr. Cartsen Krause, Prof. Shan Fan, Prof. Gunnar F. Gerlach) mit zehn kunsttalentierten Teilnehmern aus verschieden gesellschaftlichen Bereichen (vom Kunststudium bis zu ausgebildeten Designern: s. Kurz-Biografien im Anhang) in dem deutsch-chinesischen-Kunstworkshop im Rahmen des Konfuzius- Institutes an der Universität Hamburg mit Vorträgen und praktischen Anleitungen erörterten Fragen und Probleme zwischen Kunst, Politik und Philosophie stellte aktuelle Fragen nach der Möglichkeit „alter und neuer Harmonie für das 21. Jahrhundert“ aus der kritischen Reflektion eines von Konfuzius geprägten „Harmonie“-Begriffes und seinen Transformations-Möglichkeiten.

Kleine Geschichte des Harmonie-Begriffes zwischen Ethik und Ästhetik, Ost und West

Etymoligisch erscheint  „Harmonie“ als „Übereinstimmung, Wohlklang“ und ist in Europa im 16. Jahrhundert entlehnt aus „harmonia“ (griechisch: Fügung, von Zusammenfügen; aus ‚harmos‘: Fuge, Gelenk). Übereinstimmung, Einklang, Eintracht und Ebenmaß verbanden den Begriff  bereits seit den antiken Pythagoräern , bezogen auf die Symmetrie und die Einheit der Proportionen von Maß und Wert bestimmte den Schönheits-Begriff. Verbunden mit der Frage nach der ‚richtigen‘ Lebensführung ist die Harmonie in der chinesischen Tradition auch eine Frage nach der Relation von Innen und Außen und einer anzustrebenden Mitte zwischen den Extremen: Lunyu XIII.23: „Und der Meister sprach: Der edle Mensch strebt nach Harmonie“.

Der Zusammenhang zwischen kosmischen Zahlen- und Maßverhältnissen auf eine (für Menschen unhörbare) Sphärenmusik beeinflußte nicht nur den Instrumentenbau und die Vorstellungenen eines Wohlklanges in der Musik. Bereits Heraklit betrachtete die ethisch und ästhetisch anzustrebende Harmonie als ‚dialektische‘ Einheit der Gegensätze: „Das Widerstrebende vereinige sich, aus den entgegengesetzten (Tönen) entstehe die schönste Harmonie, und alles Geschehen auf dem Weg des Streites.“ Da läßt sich nicht nur Mozarts Kunst- und Musikbegriff vorausahnen,sondern auch Hegels philosophische Gedanken zur Notwendigkeit des Widerspruchs in allem Lebendigen verstehen:„Nur insofern etwas in sich selbst einen Widerspruch hat, bewegt es sich, hat Trieb und Tätigkeit.“(Logik II/1 (IV, 68)). Es handelt sich also darum, Harmonie und Schönheit im Realen, das auch ein widersprüchliches ist zu erforschen. Der Harmonie-Begriff ist somit Instrument und heuristisches Prinzip: in der Vielfalt von objektiven Merkmalen und Beziehungen Strukturgesetze zu suchen – Symmetrie, Asymmetrie, Ganzheit, Struktur und System und ihre Widersprüche!

Entsprechend Finden sich bei Konfuzius bereits die Schwerpunkte der philosophischen Diskurse und Probleme in seiner „Lehre von Maß und Mitte“ (Chung Yung) formuliert und spezifiziert: Ethik, Soziologie, Politik, Pädagogik und Ästhetik (bei ihm: Poesie und Musik) werden befragt auf ihre Wirksamkeit für die zwischenmenschlichen Beziehungen und gegen die „Unmenschlichkeit“ der Nicht-Tugenhaften. Abhängig ist seine Begrifflichkeit jedoch von einem hierarchischen Ordnungsbegriff und einem perfekten System der Anpassung und Unterordnung im Kontext einer „Verewigung“ der Macht, die bis in die Gegenwart auch seine Kritiker findet. Mit den Worten von Simone de Beauvoir: „Konfuzius hat nie daran gedacht, das hierarchische Gefüge der Gesellschaft, in der er aufwuchs, zu ändern. Die große Neuerung, die er einführte – nämlich den Tugendbegriff -, gehörte in den Bereich der individuellen Ethik.“ (aus: „Konfuzianische Ideologie“)

Bertolt Brecht, der selber immer „chinesischer“ wurde (u.a. als „Me-ti“, „Der Tui-Roman“ und die späten Gedichte) hatte bereits davor gewarnt, Karl Marx zu einem Konfuzius zu erniedrigen: „Diese Selbstausbildung ist mit vielem vereinbar, was wir nicht als Tugend loben dürfen, wollen auch wir Musterknaben sein.“ (aus: „Konfutse“)

Konstruktiv bis heute bleiben jedoch jene Überlegungen, die Konfuzius mit Platon gedanklich verbinden lassen: die Forderung nach einer Klarheit der Begriffe und Anschauungen von Worten und Taten im Gleichgewicht. Und gerade jene Suche nach Balance in einer Werte verwirrten Zeit angesichts von Neo-Liberalismus und ökonomischen Totalitarismus innerhalb der Tigerkapitalistischen Zwangs-Globalisierung,scheinen Perspektiven und Auswege aufzuzeigen. Darin stimmt Konfuzius mit Platon überein, darüberhinaus mit Christus, die immer wieder das Umdenken und mit menschlichem Maß Verändernde forderten: Umkehr und Einkehr. Vor jeder Änderung der Gesellschaft muß der Einzelne – nach  Konfuzius- sein Herz ins Lot setzen.

Dieses Herz als Ausdruck des sinnlichen Triebes bedarf aber auch einer verstandesmäßigen Regulierung, wie es nach Friedrich Schillers „Ästehtetische(r) Erziehung des Menschen“ im Spiel sich zwischen Ethik und Ästhetik entwickelt und entfaltet: „Der sinnliche Trieb will, daß Veränderung sei, daß die Zeit einen Inhalt habe; der Formtrieb will, daß die Zeit aufgehoben, daß keine Veränderung sei. Derjenige Trieb also, in welchem beide verbunden wirken (…), der Spieltrieb also würde dahin gerichtet sein, die Zeit in der Zeit aufzuheben, Werden mit absolutem Sein, Veränderung mit Identität zu vereinbaren“. Erinnert dies nicht auf wunderbare Weise an die Forderung des Konfuzius die ‚Wurzel oder Grundlage der Dinge zu erkennen‘ ? „Lernen ohne Denken ist nutzlos, Denken ohne Lernen aber gefährlich“, sprach der Meister – ein Brückenschlag auch für die Gegenwart des Verständnisses und Handelns zwischen Ethik und Ästhetik, Philosophie und Politik, Ost und West, der VR China und Deutschland.

Die im Workshop entstandenen künstelrischen Arbeiten in Ausstellung und Katalog

Die von den Teilnehmern aus China (vier) und Deutschland (sechs) erarbeiteten Bildwerke und installativen Ideen  haben eine Vielzahl der zuvor angeführten Ideen visuelle Realität werden lassen: Widerspruch und Einklang, Übereinstimmungen und Gegensätze zwischen östlichen und westlichen Denk- und Bild-Konzepten, Probleme und Möglichkeiten einer Suche nach „Harmonie“ (Symmetrie, Gleichgewicht)  und Disharmonie zwischen Innen und Außen.

Heike S. Bühler konfrontiert uns mit einem perfomativ gedachten Design zwischen westlicher, auch esoterisch gedachter Religiösität und östlicher Philosophie als Heilsweg: ihre Oblaten (oder Hostien) stimmen ein, auf einen Weg der geistigen Klärung – einem Weg von Innen nach Außen in Analogie zum konfuzianischen Bewußtsein einer Einheit von „Bildung und Charakter im Gleichgewicht“. Bei Evelyn entsteht duch das sich mantra-artige Wiederholen des deutsch kalligraphierten Wortes „Harmonie“ mit Tusche auf chinesischem Reispapier ein „kleines Wunder der Verwandlung“ : aus den destruierten Tusche-Bahnen konstruiert und collagiert sie ein neues Bild. Aus Schrift wird Zeichen, aus Zeichen Zeichnung und Bild: die in Siebdruck übersetzte Handlung wird zu einer Landschaft im Sinne der alten chinesischen Ästhetik der Berg-Ansichten. Diese Landschaft wird Raum für Möglichkeiten einer auch ästhetischen Transfomation.

Im Stil der klassischen, chinesischen Bambus-Malerei (wie sie unserer Tage u.a. auf abstrakt-moderne Weise in Shan Fans „Malerei des Augenblicks  – Malerei der Langsamkeit“: vgl. Katalog u. Vortrag G.F. Gerlach, Sammlung Sigg, 19. Vovember 2009) zeigt uns die Sanftheit und Sanftmut beim Umgang mit der Natur: taostisch „Leere als große Fülle“ zu denken.
Ganz gegenteilig konfrontiert uns Julia mit ihren Farbfeldern, die bewußt keiner vorgegebenen Farblehre in Komplementärkontrasten folgt, sondern die geistige und sinnliche Abstraktionsfähigkeit der technologisch geprägten Gegenwarts-Menschen thematisiert: Signalreize der Extreme (Farbwerte) die in ihrer Vielfalt und in der Zusammenschau eine Möglichkeit von „Harmonie“ und „Gleichgewicht“ ergeben können – und deren Lesart – von oben nach unten, links nach rechts oder umgekehrt – frei ist.
Originale, chinesische Zitate zum Harmonie-Begriff vom Staatspräsidenten der VR China, Hu Jintao, zur „harmonischen chinesischen Gesellschaft“ werden vom zeichenhaften der chinesischen Begriffe in europäische Notenschrift überführt und können so als Vorlage für ein surrealistisch-fluxistisches (Musik-) Spiel mit paralleler Performance werden. Harmonie kann hier in Widerspruch und Streit entstehen und die Zeichen(systeme) sind im Fluß. Auch Mai Ning orientiert sich in seinen gemalten Landschaftbildern an einem Versuch der Synthese zwischen  einer expressiven, europäisch geprägten Landschaftmalerei mit dunkler Farbpalette und dem empathischen erobern der Bildfläche im Geiste der traditionellen chinesischen Landschaftmalerei als Ausdruck einer inneren Haltung zu Natur und Geist: ein Akt der Emanzipation als Bekenntnis zur eigenen Subjektivität, die auch das chaotische visuell zu integrieren trachtet.
Die digital-fotografischen Bildbearbeitungen von Stadtstrukturen aus der militär-strategisch gern genutzten „Vogel-Perspektive“, dem auch klassisch-hierarischen und unterdrückenden „Blick von oben“, von Liang Xu suggerieren eine Analogie zwischen erster und zweiter Natur (Kultur?): der strukturale Großraum Stadt wird zum Körper mit Herz, Hirn, Lunge (Grünflächen) und Blutbahnen (Straßenverläufen) in denen Schöpfung und (Geschlechts-) Verkehr sich ereignen: Spermien und Ovarien liefern den strukturierenden Rhythmus der industriellen und digitalen Schöpfung der Gegenwart im Gemeinwesen..
Die darin bedrohlich zu erlebende Einsamkeit in der Menge und Masse – auch ein wesentliches Kriterium zur Bestimmung des „modernen“ Künstlers seit den industrialisierten Massengesellschaften im 19. Jahrhundert bei Charles Baudelaire  – thematisert Juan JuanYi in iher Malerei: Schwarz und Weiss – auch als Denk- und Sehbild – werden zwischen chinesischer Zen-Malerei und europäischem Tachismus synthetisiert und ergeben eine Kunst und einen Kunstbegriff, der Einfühlung und Abstraktion über vertikale und horizontale, malerische Gesten in einen neuen Zusammenhang und Zusammenklang setzt.
Und eben dies scheinbar Unmögliche der Einheit der auch klischeehaften Gegensätze zwischen östlichem und westlichem Denken und ästhetischem Handeln in Zeichen, Symbol und Zeichnung, gelingt Gesa Köhn in ihrem Triptychon: dekonstruktiv wird aus zerrissenen, klischierten und vorurteils beladenen Super-Zeichen Deutschlands (Deutsche Eiche in gotischer Fraktur typografisch gemalt) und Chinas (dem chinesischen Bambus als Ewigkeitszeichen zwischen Naturschönheit und ökonomischer Nutzbarkeit) eine neue, auch sinnliche Realität geschöpft und als Möglichkeit zur Disposition gestellt.

Wenn im Sinne dieses deutsch-chinesischen Kunstworkshops Ereignisse und Ergebnisse die Gegenwart und Zukunft bestimmen könnten, wäre mehr erreicht als Völkerverständigung: es wäre ein konstruktiver Weg, mit demütiger Bescheidenheit die jeweilige Kultur des anderen aufzunehmen, eine Ein- und Umkehr zu vollziehen, um mit diesem Anlauf einen großen Sprung nach vorne zu vollziehen. Mit den aktuell zu nutzenden Worten von Meister Konfuzius:
„Nicht das soll einen bekümmern, daß man kein Amt hat, sondern das muß einen bekümmern, daß man dafür tauglich werde. Nicht das soll einen bekümmern, daß man nicht bekannt ist, sondern danach muß man trachten, daß man würdig werde, bekannt zu werden.“

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Hou Hanru über Ai Weiwei

„Als Künstler ist er völlig uninteressant“

Die Menschenrechte sind zu einem gewaltsamen Slogan mutiert, um Märkte zu öffnen, meint Hou Hanru. Und: Ai Weiwei bedient den politischen Voyeurismus mit Spektakeln. Heute Abend spricht der chinesische Kurator in München. Ein Interview vorab

http://www.monopol-magazin.de/artikel/20103168/Hou-Hanru-Ai-Weiwei-haus-der-kunst.html

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Taolette° = Kampnagel 1995 (Wortschöpfung von Anna Popova)


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medienwatch.wordpress.com | medienwatch.de | meta-info.de

Chipcard Grafik | Foto : Hsü Wei / Jörg Stange, Gunnar F. Gerlach Gesellschaft für operative Kunst GfoK [Society for operative Arts]  (::)

Written by medienwatch & metainfo

April 6, 2011 at 19:34

Veröffentlicht in

Katalogtext Gunnar F. Gerlach: Arbeitsstipendiaten 2007, Kunsthaus Hamburg

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Bernd Jasper (Subvision, Hafencity) Foto: jörg stange,gfok (nicht im Katalog)

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GEBRAUCHSINFORMATION

Der folgende Essay versucht, gängigen Klischees des Katalogvorwortes mit einem autonomen Diskurs über die Fragestellungen und auch gesellschaftlichen Handlungsanweisungen der ausgewählten Künstler als Arbeitsstipendiaten 2007 zu entgehen. Damit einher geht der für einige Leser sicher auch enttäuschende Diskurs der Wahrnehmungen, Verläufe und Schlussfolgerungen des Autors, auf das gängige Muster von allgemeiner Werkbeschreibung der einzelnen Kunstwerke, der Biografie des Autors und einer Interpretation durch den Verfasser zu verzichten und dagegen im Sinne einer von Paul Klee her zu denkenden Methode vorzugehen: wie dieser eine Kunst parallel zur Natur wollte, möchte dieser Text die von den Künstlern praktizierten Methoden und Techniken parallel zum visuellen Geschehen begleiten. Es ist also ein Text mit und nicht über Kunst und Künstler.

Ausgangs-, Anhalts- und Aussichtspunkte – Versuch über die von den Künstlern und ihrer Kunst gestellten Fragen

„Vernichtet sei der Wahn, der den Menschen untertan macht seinem eigenen Werke, dem Eigentume. Das höchste Gut des Menschen ist seine schaffende Kraft, das ist der Quell, dem ewig alles Glück entspringt, und nicht im Erzeugten selbst, im Betätigen eurer Kraft liegt wahrer höchster Genuß.“ Richard Wagner, „Die Revolution (1849)“

„Wenn es sich um Wort oder Schrift handelt, beweist das Versichern zweifellos weniger eine Sicherheit, als einen Wunsch danach, der von einigen grundsätzlichen Zweifeln herrührt. Das Sicherste und auch das Geheimste in uns ist der Zustand, der sich selbst genügt und keineswegs danach verlangt sich auszudrücken.“  Rene Crevel, „Revolution, Surrealismus, Spontanität“

„Die Kluft erweitert sich so gibt es zwar Raum für Erfindung und Kreation, also für Freiheit, aber auch und nicht minder – für Zweifel und Unsicherheit.“   Henri Lefebvre,  „Einführung in die Modernität“

In bewegten und bewegenden gesellschaftlichen Zeiten der Ab-, Um- und Aufbrüche geraten ins Voraus gesetzte Vorstellungen, Werte und Ergebnisse ins Wanken und Wechseln. So wie die jährliche Zusammenstellung von auswählender Jury und ausgewählten Künstlern für ein Arbeitsstipendium für Bildende Kunst der Freien und Hansestadt Hamburg (im vorliegenden Falle für das Jahr 2007) sich wandelt, verändert sich parallel auch die Erwartungshaltung des betrachtenden Publikums – manchmal sogar radikal. Innerhalb eines so komplexen und komplizierten Geflechts der zu realisierenden und realisierten ästhetischen Erfindungen und den stetig als Erwartungen an die Kunst gestellten auch ethischen Dimensionen der Kunstwerke (also ihrer Wertigkeit in differenzierten sozialen Sphären: Kunst als Spiegel gesellschaftlicher Zustände und die kritische und soziale Kompetenz des Künstlers, Errungenschaften der sogenannten Moderne, Reflexion der Institutionen und auch ihres instrumentell rationalisierten Bewusstseins in Relation zu den funktional ökonomisierenden Tendenzen der politischen Gegenwart), müssen Fragen nach den Filtern innerhalb kultureller Produktionen gestellt werden.

Die auf allen Seiten  des Kunstprozesses zwischen Produktion und Rezeption existierenden Versuchungen, Verunsicherungen, Zweifel, Verwerfungen und Behauptungen überkommen uns im Geflecht ästhetischer und theoretischer Thesen von Schulen, (Kunst)Hochschulen, Universitäten, Museen, Kunstvereinen, Galerien, Off-Projekten, Liebhabern, Sammlern und Künstlern entweder wie readymade-artige Versatzstücke, die nach einer neuen Reflexion und Orientierung (Navigation) rufen, in den schier unendlichen Wogen des Vorstellungs-, Meinungs- und Thesenmeeres – oder andererseits wie erstarrt auf eine überdimensionierte Welle starren lassen, der wir (analytisch-reflexiv) hilflos ausgeliefert sind. Kunstgeschichte, Kunstwissenschaft und philosophische Ästhetik können mit ihren Diskursen über Ästhetik, Anti-Ästhetik und Anästhetik insofern helfen, als sie sich aus den historischen Voraussetzungen von Einzelnem und Gesellschaft  eine Argumentationslinie bauen können, die Einsicht und Durchschau schaffen können. Aber mit der Erklärung, warum  etwas geworden ist, wie es ist, sind wir dennoch allein gelassen mit der Frage, welche Kunst und was an und in ihr von Wert – gar von überdauerndem – ist oder sein könnte.
Der missverstandene Relativismus einer zunehmend nach formalistischen und ökonomischen Kriterien urteilenden Gegenwart erzeugt damit auch eine der Kunst selbst nicht gut zu Gesichte stehende Willkür und Beliebigkeit, die gerade ihrem eigenen, berechtigten Anspruch nach reflektierter und nicht funktionalisierbarer Autonomie (Immanuel Kants Idee: der Mensch gibt sich selbst – auto – seine Gesetze – nomos -) in dialektischer An- und Absicht zuwiderläuft. Unfreiheit scheint auf, auch als einer als (Schein-)Freiheit meistbietend verkauften, vermeintlich demokratischen Heterogenität, die zu häufig jeder differenzierten  historischen und gegenwärtigen Fundamentierung ermangelt. Wer aber auf verbindliche Kriterien somit verzichtet, dem fehlt  die begründete und begründbare Logik der Auswahl als Zeichen reflektierter Mündigkeit im Diskursgefälle von Moderne, klassischer Moderne, Zweiter Moderne, Postmoderne oder, wie ein neues Zeitgeistwort lautet, Ultra-Moderne. Diese auch mit ihren tragischen geschichtlichen Einbrüchen im 19. und 20. Jahrhundert bei der Anschauung von Kunst mitzudenkenden Phasen müssten dann zudem auf einen Avantgarde-Begriff hin relationalisiert werden, der eingedenk auch einer die Zeichensysteme durchdringenden Globalisierung in neo-liberalistischer und medien-totalitärer Zeit nur noch von speziell forschenden, interdisziplinär arbeitenden Gruppen zu bewältigen wäre.

Der Essayist, Kritiker und Romancier Gilbert Adair, Jahrgang 1944, hat hierzu provokant Erhellendes in seinem Essay-Band „Wenn die Postmoderne zweimal klingelt – Variationen ohne Thema“ als subjektive Zeitgeist-Analyse der vergangenen 15 Jahre beigetragen: „In gleicher Weise existiert die Kunst hauptsächlich, um die Kulturindustrie mit dem nötigen Treibstoff zu versorgen und den leutseligen  Diskurs mit einem immer wieder aufgefüllten und potentiell unerschöpflichen Vorrat an Verweisen zu füttern (…) Für die Mehrheit der Menschen, selbst diejenigen, die sich einbilden, über kulturelle Bildung zu verfügen, machte es nicht den geringsten Unterschied, wenn die Stücke, Filme, Bücher, Opern, Konzerte und Ausstellungen, auf die man sie mit der Nase gestoßen hat, vollkommen schimärische Dinge wären, reine Erfindungen, die kollektiv von denjenigen verantwortet werden, deren Beruf oder Berufung es ist, die Kulturindustrie zu schmieren und in Gang zu halten.“

Was also ist geschehen, wenn vereinseitigt rational-technoide und funktional-ökonomisierte Vernunft stetig zunehmend in neue Barbareien (auch der Diskurse, Debatten und politischen Strategien) und Verzerrungen münden, um dies mit der „Dialektik der Aufklärung“ von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno nochmalig nachzufragen? „Die Gewalt der Industriegesellschaft (der Autor möchte hinzufügen: der digitalisierten und medientotalisierten Globalisierungs-Gesellschaft, die nur für wenige zynische Profiteure eine Gemeinschaft ist) wirkt in den Menschen ein für allemal. Die Produkte der Kulturindustrie können darauf rechnen, selbst im Zustand der Zerstreuung alert konsumiert zu werden. Aber ein jegliches ist ein Modell der ökonomischen Riesenmaschinerie, die alle von Anfang an, bei der Arbeit und der ihr ähnlichen Erholung, in Atem hält.“

Dies gilt auch und gerade für die ausgewählten Künstler, die das „Arbeitsstipendium für Bildende Kunst für das Jahr 2007“ der Freien und Hansestadt Hamburg erhalten haben. Ihre Fragen an Kunst und Gesellschaft – formuliert in nahezu allen aktuell zugänglichen Medien und auch mit klassischen Kunstinstrumenten ausgeführter Kunst der Linie (Zeichnung), ironisch neo-barockisierenden Meta-Collagen, in installierten und fotografierten  Leerstandsräumen thematisierte Heterotopie á la Foucault, Ästhetiken der Negation und Unterlassung oder Verdoppelung der Kunstarbeit als Infragestellung der Autorschaft in arbeitsloser Zeit – leiten dies schreibende Denken und denkende Schreiben als Versuch parallel zur Kunstarbeit in und mit ihr, um nicht hierarchisch über sie ins anschauende Denken zu geraten.

Die Fragen der Künstler richten sich dabei nicht nur an Rezipienten aus Leidenschaft, Profession oder Interesse, sondern als eine Frage nach der eigenen Arbeit vor allem zuerst an sich selbst: wie bewerbe ich mich so, dass ich einer mehr oder minder wohl gesonnenen Jury und ihren Diskussionskriterien gerecht werden kann, ist dabei eine der schwersten Fragen. Von der eigenen auch strategischen Vorauswahl bis hin zu dem, was im Katalog der Öffentlichkeit zu zeigen ist (und sich möglicherweise von den eingereichten Arbeiten unterscheidet) und sich in einer Ausstellung als ein individuelles Selbst inszenieren lässt, reicht das Ringen um die konstruktivste Seite des Stipendiums: die einjährige Befreiung von finanziellen Nöten, Anpassungsnotwendigkeiten und Kopfzerbrechen um Subsistenz und Existenz. In einer ideologisch auf Konkurrenz zugerichteten Gesellschaft spielt dann auch die Überlegung einer Abgrenzung von anderen, in den Genuss des Förder- und Arbeitsstipendiums gekommenen Künstlern, eine nicht unwesentliche Rolle in Anbetracht einer von Markt, Medien und Mogulen beherrschten Kunstprozess-Realität. Mit dieser auch bitteren Realität geht einher die Reflexion der Künstler als Menschen in einer Zeit der großen Widersprüche zwischen Ästhetik und Ethik: der Mensch als Bestandteil einer nahezu nicht mehr detailliert zu analysierenden Apparatur und die gesellschaftlich eingeforderte Abstimmung von Leib und Geist auf die Maschinerie, von der alle hier vertretenen Künstler auf je spezifische Art der Methode und des Ausdrucks Zeugnis ablegen. Das ist die überkommene Bindung der Aufklärung an die herrschaftliche Kultur und ihre Historizität, sich und seine Natur beherrschen zu müssen. Hatte nicht Andy Warhols legendärer Wunsch, eine Maschine sein zu wollen schon prophetische  Züge – das tragische, komische, verzerrende und realsatirische Moment der Gegenwart antizipierend? Das kafkaeske Bild vom wilden Tier im Käfig bedeutet doch auch erzwungenes Verstümmeln der eigenen, subjektiven Sinnlichkeit und dennoch die eigenen Fragestellungen zum künstlerischen Gestalten, Denken und Handeln aus einem „Dennoch“ und „Trotzdem“ auch widerständlerisch zu entwickeln. Loderndes Feuer, beängstigend und wärmend zugleich.

Dieser Tage stellt sich zudem die elementare Frage nach einem Verhältnis von Bildnerei und Bildung.  Den ernsthaften Versuchen wie den in Politik und Ökonomie auftretenden Phrasen stehen doch schon die in Evaluierungsprozessen auftretenden Fragen und Behauptungen selbst im Wege. Gefragt wird und ist, was funktionalisierbar ist und in unverbindliche und  durch mehrfache Entfremdung umgerechnete Abstraktionen als vermeintliche Wertschöpfung umzuleiten ist. Aufklärung verkommt auch an dieser Nahtstelle zum Massenbetrug. Tatsächlich ist in pekuniäre Werte umrechenbare Kreativität als gleichgemachte, reproduzierbare gemeint – und nicht als konstruktiv und mutig in gesellschaftliche Sphären handelnd eingreifende „operative Kunst“. Den Logiken der Geschichte (Materie und Geist oder ist Geist auch Materie?), der Sinnlichkeit, sogar des Herzens werden hineingepresste Standardisierungen und kontrollierbare Organisationsformen entgegengestellt – mit stählernem und digitalem Rhythmus und gläserner Überwachungsmelodie. Gefordert werden so präparierte Wahrnehmungsorgane, die das schon zum Klischee geronnene reproduzieren sollen: Kunst ist Malerei, Picasso ist Moderne und Musik ist Schlager. Massenreproduzierbare, unkomplexe Objekte des vermeintlich subjektiven Begehrens werden zu Metaphern von Gesundheit und Genesung propagandistisch in Welt und Bild projiziert. „Gesund“ ist, was sich wiederholt in Natur, Kultur, Kunst und Industrie. Die Kunst darf dabei erwünschter Weise die Statthalterfunktion der Suggestion von anderen Denk- und Handlungswesen aufrechterhalten – historisch dem Denkbild und der Funktion des Hofnarren geschuldet. Der approbierte unendliche Betrug durch die Welt der Schau (Show, Revue, medialer Zirkus-Artistik) – nicht zu verwechseln mit einer von Ernst Bloch und Herbert Marcuse her zu denkenden differenzierten Ästhetik des Scheinhaften und ihren Möglichkeiten zur affirmativen Subversion – innewohnt. „Krank“ in dem bisher erwähntem Sinne ist demnach vieles, was sich als unwiederholbar erweist und Geist, Gedanke und Wahrnehmung irritiert bis hin zur Unterlassung als einer Ästhetik der Negation. Einige der ausstellenden Künstler werden dies in visuellen Strategien und Handlungen in der Ausstellung thematisieren und damit zu Recht Handlung und Haltung als wesentliche ästhetische Kriterien zur Anschauung bringen.

Die Wissenschaft liefert hier neben und parallel zur Kunst interessante Fragestellungen und untersucht  die kalkulierte Einsetzung von Leerstellen (Hans Robert Jauß) und die Kunst der Unterlassung (Bazon Brock) oder die Kunst der Leerstellen als Vermittlerin realer Erfahrung.  Gerade auch die noch nicht durch Erziehung, Ökonomie und Ideologie und Bildung kontrollierbaren Prozesse können zu psychischen und physischen Aktionen werden, die in jenem notwendigen Gegenraum (Heterotopie nach Michel Foucault) aufgehen und aufleuchten, der gerade erst  die für schöpferische Gestaltung wesentliche Offenheit schafft und zur Durchschau und Durchsicht – Transparenz, Transzendenz und Transformation – führen kann: im „Dazwischen Sein“(Inter Esse) und „Dazwischen Lesen“ (Inter Legere) als evolutionär-revolutionäres Entwicklungsfeld für eine auch dialektische und re-poetisierende Aufklärung, die den Betrachter auch zum Mittäter an Kunstgeschehen, Kunstarbeit und Kunstwerk werden lässt.

Gleichzeitig wird so vor dem Hintergrund einer nicht mehr existenten Kategorie, wie es die „Authentizität“ darstellte, die Autorschaft in Frage gestellt und zum Material künstlerischer Erprobung als Einheit von Sinneswahrnehmung, Reflexion und Provokation. Kunst greift ein in den sozialen Zusammenhang von Entwicklungen und analysiert mit visuellen Mittel den Auseinanderfall und die Verkehrung des Verhältnisses von Subjekt und Objekt, von Zeichen und Bezeichnetem. Sie entspricht dabei dem linguistischen Relativitätsprinzip. Damit wird deutlich: nicht alle Betrachter werden durch die gleichen physikalischen Sachverhalte und sprachlichen Hintergründe zu einem einheitlichen „Weltbild“ geführt. „Alles trennt sich und totalisiert sich zugleich; alles verdinglicht sich und bricht zugleich in sich zusammen: es triumphiert der Zufall.“ Wir können diesen nach Henri Lefebvre in seiner „Einführung in die Modernität“ zitierten Zufall auch mit der eingangs erwähnten Willkür und Beliebigkeit vergleichen, um wiederum mit Lefebvre das „Paradoxon“ festzustellen: „Man stellt uns vor eine `Welt‘ aus Fragmenten, gestückelt in tausend kleine `Welten‘. Zur gleichen Zeit ist diese Dislokation – die bis in die Grundlagen der Praxis, bis an die Fundamente des Bewusstseins, bis an die Wurzeln des Handelns reicht – von einer immer bündigeren Integration begleitet.“

Um diesem Dilemma zu entgehen, müssen wir den Prozess einer Auswahl problematisieren.  Gab es und gibt es  verallgemeinerbare und verbindliche Kriterien, die eine logische Stringenz der auszuwählenden Kunst erkennen lassen? Kriterien dieser Art könnten vor einem je spezifischen zeitlichem Hintergrund u.a. sein: Kontinuität in Ausdruck oder Fragestellung, bildnerische Inhalte, die über das Selbstreferentielle hinausweisen, Beziehungen zur gesellschaftlichen Realität, Integration aktueller technischer Verfahrensweisen,  die gesellschaftliche Produktionsbedingungen spiegeln oder bewusst konterkarieren bis hin zu der Frage nach  autobiografischen und autorschaftlichen Fragen und Infragestellungen. Interessanterweise begegneten dieser Art Fragestellungen während der Recherche erstaunte Augen, Blicke und Rückfragen. Nach dem Realitätsbezug des Fragenden wurde von ehemaligen und aktuellen Stipendiaten und Jury-Mitgliedern zurückgefragt und lässt sich wie folgt zusammenfassen: Du weißt doch, wie so etwas läuft und natürlich nicht ohne Beziehungen, aber andererseits ist die Fragestellung von elementarer Berechtigung. Es wird ja dennoch nicht irgendwer ausgewählt und vor dem Hintergrund einer Bildungsdebatte stellt sich mit Notwendigkeit ein Problem nach der Relevanz von Kriterien.

Reziprok reflektiert und gespiegelt, wird der Kunst unausgesprochen zumindest der Statthalterplatz der kritischen Reflexion als Residuum  und berechtigtem Rest-Avantgardismus als  Widerstandsleistung zugestanden und aufrechterhalten. Wie berechtigt dieses Festhalten gerade in schwierigen Zeiten ist, wissen gerade die in der „Fundgrube Warenhaus“ bewanderten Künstler dieses Auswahl-Jahrganges 2007. Auch sie haben einen langen „Marsch durch die Illusion“ (Walter Grasskamp)zwischen Kunst, Hochschulen und Gesellschaft mit ihren großen Maskeraden und mürrischen Kompromissen durchschaut – je nach Alter und Erfahrung diesen Prozess durchlebt und durchlitten.

Von diesem Ende als neuem Anfang her gedacht sind auch die Fragestellungen in diesen Ausführungen anders zu verstehen: wollte man einen einführenden Katalog-Beitrag als Möglichkeit zu einer wissenschaftlichen Analyse nutzen, müsste dies ein längeres Forschungsprojekt werden. Denn da es keine verbindlichen Kriterien der Auswahl oder der Künstler untereinander gibt, kann auch kein Diskurs dies in gebotener Kürze liefern. Allein die divergenten und differenzierten Strategien der Künstler zwischen der Nutzung traditioneller Mittel, aber neuer Inhalte zwischen transzendierender, transformierter, affirmativer und subversiv-affirmativer künstlerischer Praxis auch als Reflex auf „Modernität“ verlangte nach verbindlichen, vergleichbaren Maßstäben. Und da beginnt schon der Begriff der „Moderne“ und seine Folgen einen Ungeheuer gebärenden Schlaf der Vernunft mit schlaflosen Schockzuständen zu evozieren.

Für die Möglichkeiten des einführenden Textes als Versuch einer einkreisenden Problemumschreibung ist so die Möglichkeit gegeben, der Stereotypie der verkürzten Werk- und Biografie-Beschreibungen zu entkommen, und stattdessen die Künstler als forschende und experimentierende Navigatoren mit ihren Fragestellungen, Methoden und Techniken ernst zu nehmen: kunst- und kulturpolitisch ist die Auswahl besonders interessant und zu loben, weil sich keine Generationsgleichheit und kaum überschneidende Methoden und Materialien ausmachen lassen – also keine erzwungene Integration für

Berndt Jasper (geb. 1965), Ruth May (geb. 1974), Geelcke Gaycken (geb.1971), Kora Jünger (geb. 1973), Michael Pfisterer (geb.1976),  Jochen Schmith,  Jan Holtmann (geb. 1966), Arne Klaskala (geb. 1968), Jörg Rode (geb. 1957), Oliver Ross (geb.1967).

Die Künstler stehen fast schon für drei Generationen (in kurzlebiger Zeit) von Künstlern, die zumindest alle innerhalb ihrer Ausbildungs- und Studiengänge an der Hochschule für Bildende Kunst in Hamburg Station machten – allerdings in verschiedenen Fachbereichen und bei unterschiedlichen Dozenten. Und so wie die meisten Künstler ihren Katalogteil in der Form des Künstlerbuches  nutzen, wird auch deutlich, dass die formelle Heterogenität und Unvergleichbarkeit ästhetischer Vorbilder und Praktiken, stilistischer Ableitungen und vergleichbarer Kunstgattungen zwischen Zeichnung, Fotografie, operativer Kunst,  Verzicht auf eine repräsentative Praxis zu Gunsten einer präsentativen, eine Spiegelung der Gegenwart ist, die aber auf der anderen Seite erstaunliche Koinzidenzien der künstlerischen Fragestellungen nach Chancen und Bedeutungen der Gegenwartskunst aufweisen, die nicht nur aus den künstlerischen Arbeiten – ob prozessual oder verdinglicht – sondern auch aus Gesprächen heraus aufscheinen. Gerade der Konsens-Verzicht stellt sich bei genauerer Betrachtung als ein konstruktiver Wille zur Differenz mit und ohne Ausweg heraus.

So sollen im Folgenden die von den Künstlern aufgeworfenen Fragen die Betrachter und Interessenten navigatorisch  begleiten, um den Betrachter als aktiven Mittäter, der auch im Bild ist, als am Gesamtprozess Beteiligtem von Auswahl, Katalog, Künstlerbuch und Ausstellung in die dialektisch selbstaufklärerische Pflicht und Freiheit zu nehmen. Dies ist ein Angebot, sich selbst im ästhetischen und erkenntnistheoretischen Prozess so ernst zu nehmen, wie es die Arbeit der Künstler in Kontinuität  mit allen Bruchlinien, Ab-, Um- und Aufbrüchen erfordert.
Eine historische Voraussetzung sollte dabei mitgedacht werden: Mit seiner Überführung des Alltagsgegenstandes in die Sphäre der Kunst stellte Marcel Duchamp zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Frage nach der Bedeutung des Raumes, in dem ein Objekt, mit dem Label „Kunst“ belastet in Erscheinung tritt. Duchamps revolutionärer Akt bestand zum einen darin, das Museum als Bollwerk einer elitären Kunstauffassung zu sprengen. Andererseits verlieh er dem individuell gefertigten Objekt durch Platzierung in den Kontext der sanktionierten Hochkultur den entsprechenden ‚Rahmen‘, der das gewöhnliche Ding zum Kunstgegenstand erhob und somit der ästhetischen Reflexion freigab. Die Aufhebung gängiger Wahrnehmungsmuster und Bewertungskategorien führte so auch in der künstlerischen Praxis zu nachhaltigen Veränderungen: der auswählende Blick löste den handwerklich-schöpferischen Prozess ab, der Kontext bestimmte zusehends die Botschaft. Das greifbare, auch vorgefertigte Industrieprodukt wurde schließlich vom immateriellen Massenprodukt der Medien abgelöst – und vom medial reproduzierten Abbild des Menschen. Die Kunst als nicht nur ernsthafter sondern auch Denk-, Gestaltungs- und Handlungs-perspektiven schaffender Prozess von sozialen Ereignissen, bildungsfordernden und fördernden Wahrnehmungen ist heute mehr denn je ein Arbeitsbündnis, das die Handlungen, Haltungen und Kenntnisse aller am Prozess Teilhabenden befragt:

Die künstlerischen Fragestellungen werden zu einer eigenen kleinen Geschichte der Erkenntnis: Warum hieß früher Verfilzung, was heute Vernetzung heißt? Sind selbst Kunsthallen Boutiquen geworden? Warum werden ästhetische Werte wie Tages-Spekulations-Gelder mit börsianischem Bewusstsein gehandelt? Ist ein Museum heute Sammelbecken für ungesicherte Werte? Ich nenne meine eigenen Sachen nicht Kunst, sondern frage, ob sie richtig in der Zeit waren. Wird der komplexe Begriff Kunst nicht viel zu schnell auf alles Zeitgenössische übertragen? Müssten wir Künstler selbst nicht viel häufiger gegen falsche Einordnungen protestieren? Ist es nicht mit der Kunst wie mit dem Leben, dass sich Komplexität nicht auf verkürzte, rational beschreibbare Formeln bringen lässt? Müssen wir uns abarbeiten an der Frage, was der Mensch und entsprechend der Künstler war, sein sollte und sein könnte? Kann man etwas Unbestimmtes zur Erscheinung bringen? Benötigt unsere Gegenwart noch große Künstlergesten oder eher Ironisierungen und Selbstironisierungen von Kunst, Künstler, Publikum und Material? Was ist eine wahre Ware? Sind wir wirklich die Erweiterer-Generation? Wie kann die Kunst als philosophisch konstruktive Kunst der Enttäuschung für individuelle und soziale Prozesse genutzt werden? Welche Verantwortlichkeiten gibt es im heutigen Kunstbetrieb zwischen Sammlern, Kritikern, Kollegen, Galerien, Medien und Museen? Geht es nicht wirklich um die Verantwortung aller Beteiligten am Betriebs-System Kunst? Gibt es überhaupt Freiheit und was ist dann künstlerische Freiheit? Von wem möchte ich mit welchen Mitteln enttäuscht werden?

Fragestellungen wurden so auch zu Forderungen: Wir benötigen Räume, die an „unmöglichen“ Orten stattfinden für Eingriffe und soziale Aktionen. Wir müssen (Kunst)Markt-Verschliessungs-Kriterien entwickeln lernen. Kunst muss im gegen-institutionellem Raum stattfinden und thematisch die Diskurse bündeln. Wir sollten lernen, den Menschen beizubringen,  dass wir selbst ja auch gar nicht hier sind. In der Wirklichkeit des Lebens wird nicht ernsthaft nach der sozialen Einbindung der Kunst in die Prozesse gesellschaftlicher Produktion gefragt. Es ist für den Erkenntnisprozess nicht entscheidend wer die Autoren sind – es geht um viel mehr …

Die zu den Visionen des gelungenen Lebens führenden Operationen können als konstruktive soziale und gestalterische Widerstandsformen und Haltungen Ausdruck mannigfaltiger Erfahrungen, Emotionen und Reflektionen sein, die sich, den auf Beherrschbarkeit zielenden Vereinheitlichungen, durch Politik und Ökonomie zu entziehen trachten. Dies mit Verantwortungsbewusstsein zu verbinden bedeutet, die eigenen Handlungen in Relationalität zu den Bedürfnissen und Wünschen der und des Anderen zu entwickeln und die symbolischen Zeichen in realer Handlungsform aufgehen zu lassen. Das ist eine gesellschaftliche Konsequenz des schöpferischen Handelns zwischen Kunst und Politik – und dafür sind arbeitsfördernde Maßnahmen für Künstler und am Prozess Beteiligte eine Möglichkeit.

Gunnar F. Gerlach
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Katalogtext Stipendiaten 2007
Kunsthaus Hamburg
Herausgeber: Kulturbehörde Hamburg

Veröffentlichung mit freundl. Genehmigung Kulturbehörde Hamburg u. Gunnar F. Gerlach

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PDF Katalogtext Gerlach_2007

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März 11, 2011 at 13:51

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BLAU Zimmer für Kunst und andere: »Kurze Schatten« von Gerd Roscher«

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»Kurze Schatten« von Gerd Roscher«

Filmabend

15. Dezember 2010, 20:30

Im Jahr 1858 fährt Albrecht Roscher von Hamburg nach Sansibar. Er hat gerade seine Doktorarbeit über die Karte des Ptolomäus und die Entdeckung der Nilquellen geschrieben und will nun, ausgestattet mit einem Stipendium des bayrischen Königs, die dort entwickelten Thesen zur Lage der Nilquellen empirisch begründen. Große Hoffnungen hatten den jungen Wissenschaftler nach Ostafrika begleitet, er könne der bedeutsamste deutsche Afrikaforscher werden. „Ich verweigere für mein Unternehmen nicht, alles aufs Spiel zu setzen.“ Den Menschen aber, so schreibt er aus Sansibar, könne „nichts so ruinieren wie Unruhe, insbesondere bei Entdeckungsreisenden, welche alles am Ende ertragen lernen, aber durch das ewige Gefühl der Unruhe aufgerieben werden.“ Er ist nur 23 Jahre alt geworden.

© GEBRUEDER BEETZ FILMPRODUKTION 2005

Gerd Roscher

Geboren 1943, Studium der Germanistik und Philosophie in München und Frankfurt (bei Negt, Adorno). Seit 1972 Professor für Dokumentarfilm und Video an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. In dieser Funktion Betreuer vieler heute bekannter FilmemacherInnen.

http://www.gerdroscher.net

http://www.blau-zimmerfuerkunst.de/

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Januar 2, 2011 at 19:25

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DG Reiß: Kunst ist kein Marketing-Hit + mehr

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Kunst ist kein Marketing-Hit

Ein Kommentar von DG Reiß zur »Kreativität« und den Kampagnen zur »Kultur- und Kreativwirtschaft«.

Von Hamburger Politikern werden die neuen Kreativinstanzen oftmals als kulturelles Allheilmittel verstandenen, auch und gerade für die bildende Kunst. Im Hamburger Abendblatt vom 19./20. Juni 2010 war ein Interview mit dem Hamburger Maler Daniel Richter zu lesen, in dem es unter anderem um die neu gegründete „Kreativagentur“ (jetzt: „Hamburg Kreativ Gesellschaft“) ging:

Richter: „Tja. Das sind so Versuche, etwas zu institutionalisieren. Schon dieser Name. Das sind doch keine Danone-Berater! Das ist der Versuch, etwas zu verwalten, von dem man gar keinen Begriff hat. Kreativität ist etwas für Werber, Grafiker und Fotografen, die hat mit Kunst erst mal nichts zu tun. Der Akt des Schaffens als Künstler ist ein anderer als der eines Auftragnehmers für einen Konzern oder Sportverein. Dass man immer noch denkt, Kreativität und Kunst seien die gleiche Mischpoke, ist totaler Quatsch. Die Logik dahinter: Kunst ist immer erst interessant, wenn sie bereits durchgesetzt ist …“ Abendblatt: „… und vermarktbar …“

In dem Nachschlagewerk »Meyers Großes Lexikon« (1983) findet sich zu dem Begriff Kreativität die »Fähigkeit, produktiv zu denken und die Ergebnisse dieses Denkens v. a. originell, als neue Verarbeitung existierender Informationen zu konkretisieren, etwa in Form einer neuen Erfindung oder eines Kunstwerkes.«

Insofern sind Künstler selbstverständlich auch kreativ. Nur: die Art und Weise, wie seit einigen Jahren mit dem Begriff Kreativität umgegangen wird, stößt bei den Künstlern immer mehr auf Unverständnis, sorgt für Unbehagen. Von der Stadt in Auftrag gegebene Studien wie die der Unternehmensberatung Roland Berger zur »Talentstadt Hamburg« empfehlen, die »Kultur- und Kreativwirtschaft« im Sinne eines Image-Gewinns für die Stadt stärker zu fördern. Unter Kreativität wird in dieser Art Studien alles irgendwie »Künstlerische« gefasst. Vor allem effektvolle, öffentlichkeitswirksame Bildsprachen und Strategien sind gemeint. Unter diesem Begriff von Kreativität finden sich Bildende Künstler verständlicherweise nur ungern eingeordnet. Kunst ist kein Marketing-Hit. Das passt einfach nicht zum Wesen von künstlerischer Forschung, visueller Reflektion und anderen Fragestellungen, die die Arbeit von Künstlern im Kern ausmachen.

Hier liegt ein Missverständnis vor, und ein weiteres schließt sich dem gleich an. Es geistert durch die Köpfe derer, die von Kreativität reden, nämlich dass sie zwangsläufig neue Geschäftsmodelle und damit verbundene Gewinnaussichten kreiert. Gegen Gewinn ist überhaupt nichts einzuwenden, ich möchte da nicht missverstanden werden. Aber Kunst funktioniert nun mal nicht unbedingt so. Gegenüber dem Finanzamt alljährlich die erforderliche »Gewinnerzielungabsicht« nachzuweisen, ist vielen Künstlerinnen eine wohl bekannte Hürde.
Müssen wir uns von den fundamentalen Kriterien des »Kunst-Machens« verabschieden? Müssen wir Kunst umwidmen wegen einer politischen Leitlinie, einer städtischen Werbestrategie? Die bildenden KünstlerInnen fordern zu Recht, dass der Besonderheit künstlerischer Tätigkeit Rechnung getragen wird und die Begriffe von Kunst und Kreativität künftig in der politischen und öffentlichen Diskussion differenzierter verwendet werden.

Unter solchen Vorzeichen würden wir eine »Kreativ-Gesellschaft« prinzipiell begrüßen: Kunstförderung nicht als Alimentation, sondern als wichtige Investition für die Zukunft der Gesellschaft zu begreifen. Zwischen dem, was so auch der Geschäftsführer der »Hamburg Kreativ Gesellschaft«, Herr Egbert Rühl, kürzlich in einem Interview in der Zeitung »Die Welt« äußerte, und uns Künstlern gibt es gar keinen Dissens. Doch wird hier wirklich eine neue Lobby für Kunst und Kultur entstehen? Wie kann die Bildende Kunst tatsächlich davon profitieren? Wo sind die tauglichen Konzepte?

Bereits bestehende Maßnahmen und Initiativen – seien es die Förderprogramme der Behörde für Kultur, Sport und Medien, das Engagement der Off-Räume oder die Arbeit der Fachgremien, der Kunst fördernden Vereine und nicht zuletzt des Berufsverbandes – müssten in der politischen Wahrnehmung als vielschichtiges Ganzes verstanden werden. Nur so kann eine nachhaltige Strategie, eine zukunftstaugliche Politik entwickelt werden, wie sie seit langem vermisst wird.

Das Kunstwerk, die Kunstaktion als unverzichtbarer Begleiter durch den Alltag, als geistige und emotionale Bereicherung: Ideen aus den 1980er Jahren, Forderungen wie »Kunst für alle«, wären durchaus geeignet, die Kulturpolitik wieder glaubhaft zu machen und sie nicht hinter Kreativverwaltung zu verschanzen. Einige der damaligen „Erfindungen“ wären mit Sicherheit heute mehr denn je brauchbar. Eine neue »Woche der  bildenden Kunst« zum Beispiel oder gute Voraussetzungen für engagierte Stadtteilgalerien, dies wären erkennbare Zeichen im Stadtraum und eine niedrigschwellige Erweiterung des Kunstfelds. Wären das vielleicht sogar Zielrichtungen, die mit der ebenfalls neu gegründeten »Initiative Kultur- & Kreativwirtschaft« der Bundesregierung und ihrer Suche nach neuen »Geschäftsideen« vereinbar sind? Die »Hamburg Kreativ Gesellschaft« könnte tatsächlich als Schnittstelle wirken, um einen Dialog zwischen Kunst, Politik – und letztlich auch der Wirtschaft effektiv einzuleiten. DG Reiß (Berufsverband bildender Künstler)

PS: Zur Erinnerung und als Diskussions-Grundlage, noch ein Zitat aus »Meyers Großes Lexikon«, diesmal zum Stichwort Kunst: Es bezeichnet »die Gesamtheit des von Menschen Hervorgebrachten, das nicht durch eine Funktion eindeutig festgelegt oder darin erschöpft ist, zu dessen Voraussetzungen hohes und spezifisches Können gehört und das sich durch seine gesellschaftliche Geltung auszeichnet als Ausdruck von Besonderheit. Bei der Beurteilung der Kunst gelten in der jeweiligen Gesellschaft und Epoche unterschiedliche, von den historischen Bedingungen abhängige Maßstäbe, mit denen Wert, Funktion, und Bedeutung des Kunstwerkes bestimmt werden. Kunstwerke setzen eine kognitive (die Erkenntnis betreffend) praktisch sinnliche Aneignung der Welt voraus, diese Aneignung geschieht dadurch, dass die Welt wahrgenommen, gedeutet (d.h. in einem für die jeweilige Gesellschaft bedeutsamen Sinnzusammenhang gestellt) und im Vollzug willentliche Einwirkung Umwandlung und Bearbeitung gestaltet wird. Soweit in dieser Gestaltung die Kunst auf Erkenntnisse bezogen ist, eignet ihr ein Anspruch auf Wahrheit, der – im Falle seiner Unterdrückung – das kritische Potenzial von Kunst, das sich gegen diese Unterdrückung wendet, deutlich und wirksam werden lässt. Andererseits besagt dieser Bezug der Kunst zu existenzieller Wahrheit, dass saturierte, akademische  oder von Staats wegen offizielle Kunst, Pseudo-Kunst bleiben muss. Die Freiheit der Kunst, zumindest von totaler Reglementierung, ist eine ihrer Existenzbedingungen; in der BRD ist sie ausdrücklich garantiert, Art.5 GG.«

P.S: Die Hamburg Kreativ Gesellschaft lädt Akteure aus dem Bereich der Bildenden Kunst ein: Kantine der Phoenix-Werke, Hannoversche Straße 88, 21079 Hamburg, 20. Oktober 2010 um 19:00 Uhr

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Objekt: Weisse Neuseeländer: Rammlerschau «Beckenknochen, Hoden etwas lang» Jörg Stange, Gunnar F. Gerlach GfoK Kunstarchiv | Zur besseren Lesbarkeit: Doppelklick!

https://medienwatch.wordpress.com/gerhard-richter-das-was-das-schwierigste-ist/

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Musikstadt. Kunsthalle. Schauspielhaus. Elbphilharmonie. Große Ziele, leere Kassen. In Hamburg steht die neue kulturpolitische Führung unter Senator Stuth vor schwierigen Aufgaben. Und der größte Teil der Kulturszene fragt sich, wie es weitergeht. Was wird geschehen: Folgt man weiterhin dem kulturökonomischen Ansatz der Creative City Richard Floridas? Wie löst man das Problem der Flächenkonkurrenz zwischen Immobilienentwicklern und Kreativen? Kann ein ausgewogeneres Verhältnis zwischen punktuellen und medienwirksamen kulturpolitischen Interventionen hergestellt werden?

Die internationale Konferenz ‚Music City. Hamburg?! Musikalische Annäherungen an die kreative Stadt‘ versucht Antworten auf diese aktuellen Fragen im Hinblick auf die vielschichtigen Schnittpunkte von Musik und Stadt zu finden. Im Rahmen von Vorträgen und Diskussionen international renommierter Wissenschaftler auf den Gebieten der Musiksoziologie, Kulturgeografie und kultureller Stadtentwicklung gilt es, aktuelle Forschungsergebnisse und Entwicklungen kritisch unter die Lupe zu nehmen und anhand des Beispiels Hamburg zu diskutieren.

Das dreitägige Programm umfasst neben der theoretischen Einführung die thematischen Schwerpunkte ‚Stadt, Musik & Creative Diversity‘, ‚Performing & Marketing‘, ‚Politics & Policies‘ und die Vorstellung empirischer, auf die Stadt Hamburg bezogene, Forschungsergebnisse. Vortragstitel wie ‚Bauen für Musik. Die Elbphilharmonie aus kulturgeschichtlicher Sicht‘, ‚Wie klingt die Stadt wenn sie vermarktet wird? Zum Zusammenhang von urbanen Musikpraktiken, Ortmythen und Werbung’ oder ‚Musik als Standortfaktor: Die ökonomische Sichtweise‘ zeigen die breite thematische Anlage.

Als Referenten treten u.a. auf: Adam Krims (University of Nottingham), Bastian Lange (Humboldt Universität Berlin), Martin Cloonan (University of Glasgow), Malte Friedrich (ISoMe Berlin), Andreas Gebesmair (Institut Mediacult Wien) und Alexander Grimm (Goethe-Universität Frankfurt/Main).

Als Ergänzung zu den eher wissenschaftlich orientierten Vorträgen diskutieren kontrovers besetzte Roundtables mit Akteuren des Hamburger Kulturlebens die Themen ‚Kulturelle Vielfalt in Hamburg‘, ‚Vermarktung der Musikstadt Hamburg‘ und ‚Förderung und politische Strategien‘ am Beispiel der Hansestadt. Hierbei sind u.a. vertreten: Egbert Rühl (Kreativgesellschaft), Alexander Steinhilber (BKSM), Christoph Twickel (Journalist und Autor), Andrea Rothaug (RockCity e.V.), Kurt Reinken (STEG), Kai-Michael Hartig (Körber-Stiftung), Katja Scheer (Netzwerk Musik von den Elbinseln), Fahrid Müller (GAL) und Andy Grote (SPD).

Die Ergebnisse der Konferenz sollen 2011 in Buchform erscheinen.
Programm und Informationen zur Teilnahme findet Ihr im angehängten Programm.

Robin Kuchar, M.A.
Institut für Kulturtheorie, Kulturforschung und Künste
Scharnhorststraße 1, Raum C1.113
21335 Lüneburg
Fon. 04131-677 1306
Mail. robin.kuchar(at)leuphana.de

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Wir haben schon verstanden:

Wir, die Musik-, DJ-, Kunst-, Theater- und Film-Leute, die kleine-geile-Läden – Betreiber und ein-anderes-Lebensgefühl-Bringer, sollen der Kontrapunkt sein zur „Stadt der Tiefgaragen“ (Süddeutsche Zeitung). Wir sollen für Ambiente sorgen, für die Aura und den Freizeitwert, ohne den ein urbaner Standort heute nicht mehr global konkurrenzfähig ist. Wir sind willkommen. Irgendwie. Einerseits. Andererseits hat die totale Inwertsetzung des städtischen Raumes zur Folge, dass wir – die wir doch Lockvögel sein sollen – in Scharen abwandern, weil es hier immer weniger bezahlbaren und bespielbaren Platz gibt. Mittlerweile, liebe Standortpolitiker habt ihr bemerkt, dass das zum Problem für euer Vorhaben wird. Doch eure Lösungsvorschläge bewegen sich tragischer Weise kein Jota außerhalb der Logik der unternehmerischen Stadt. Eine frische Senatsdrucksache etwa kündigt an „die Zukunftspotenziale der Kreativwirtschaft durch Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit zu erschließen“. Eine „Kreativagentur“ =
https://medienwatch.wordpress.com/not-in-our-name-marke-hamburg/

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CD 1

Theodor W. Adorno: Kultur und Verwaltung

Theodor Ludwig Adorno, eigentlich Theodor Wiesengrund, später Theodor W. Adorno, * Frankfurt am Main 11. September 1903, † Visp (Kanton Wallis) 6. August 1969; war Philosoph und Soziologe, Musiktheoretiker und Komponist. Er gilt neben Max Horkheimer als Hauptvertreter der Kritischen Theorie der Gesellschaft („Frankfurter Schule“).

Sendung: 26.07.1959, SWF Aufnahmeort: Baden-Baden, Kunsthalle
Aufnahmeleitung: Biallowancz; Kranz

Inhalt: Wer Kultur sagt, sagt auch Verwaltung. Kultur ist gemäß deutscher Begrifflichkeit der Verwaltung erst einmal entgegengesetzt. Sie soll das Höhere und Reine sein, das, was nicht angetastet und zurechtgestutzt wird. Die Kultur ist damit der nackten Notdurft des Überlebens enthoben. Was jedoch unter die nützlichen Güter eingereiht wird, ging schon immer über die biologischen Notwendigkeiten des Überlebens hinaus. Die Reproduktion der Arbeitskraft ist keine statische Naturkategorie, sondern folgt dem jeweils historisch erreichten Standard. Umgekehrt ist das Nützliche nichts Unmittelbares, da nicht aus Gründen der Nützlichkeit, sondern um des Profits Willen produziert wird. Kultur soll daher als bewusst unnütz von den Planungsmethoden der materiellen Produktion unterschieden sein, damit auf der anderen Seite das angeblich Nützliche an Profil gewinnt. Kultur erhält Kultur und Verwaltung allen Institutionen gegenüber ein kritisches Moment: Indem überhaupt etwas gedeiht, was nicht zu verwerten ist, zeigt Kultur die Fragwürdigkeit der herrschenden Praxis auf. Durch ihr Unpraktischsein hat die Kunst einen polemischen Zug und wird erst wenn der Kulturbegriff seine mögliche Beziehung zur Praxis einbüßt, ein Moment des Betriebs. Das Polemische und Unnütze wird dann zum Nichtigen oder zum schlechten Nützlichen, nämlich zu den Produkten der Kulturindustrie. Man lässt Kultur in einer Art Zigeunerwagen herumfahren, doch dieser Zigeunerwagen bewegt sich in einer monströsen Halle. Es gibt keine Schlupfwinkel mehr. Keine Armut in Würde, nicht einmal mehr die Möglichkeit des Überwinterns für den, der aus der Verwaltung herausfällt. Spontaneität schwindet, weil die Planung des Ganzen der einzelnen Regung vorgeordnet ist. Kritik wird ausgehöhlt, weil der kritische Geist den reibungslosen kulturellen Ablauf stört. Stattdessen reift parallel zur östlichen Spruchbanddenkerei eine westliche UNESCO-Philosophie heran. Willfährige Intellektuelle, die lebensbejahend den kritischen Geist verdächtigen, finden sich genug. Der für die Verwaltungswelt typische Jargon ist nicht die Verwaltungssprache alten Stils, in der noch eine relative Trennung zwischen Verwaltung und Kultur vorlag. Die Verwaltung plustert sich mit Sprachbestandteilen aller gesellschaftlichen Bereiche auf, als wäre jeder Beamte sein eigener Radiosprecher. Nimmt man den Begriff Kultur als die Entbarbarisierung der Menschen, der sie dem Zustand bloßer Natur enthebt, so ist Kultur misslungen. Kultur ist längst in sich selber fragwürdig zum geronnenen Inhalt des Bildungsprivilegs geworden, der sich als verwalteter Anhang in den Produktionsprozess eingliedert.

(siehe auch: Theodor W. Adorno, Kultur und Verwaltung, in: Gesammelte Schriften Bd. 8, Soziologische Schriften I, Frankfurt am Main 1972, S. 122–146)
http://www.quartino.de/programm/produkt.asp?IDProduct=18

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Oktober 14, 2010 at 08:53

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Kritische Theorie der Sport-Party: Was die Massen begeistert

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Literatur | Sachbuch
Kritische Theorie der Sport-Party

Was die Massen begeistert

Von Mario Scalla | 30. Juni 2010
Begeisterungsverläufe kannte Adorno noch nicht. Aber er hatte die Kulturindustrie studiert und ihre Fähigkeit, Menschenmassen zu organisieren und wo nötig zu manipulieren. Die Kritische Theorie hat seitdem dieses Studium fortgesetzt, sich allerdings eher auf die Massenmedien beschränkt. Der Philosoph Martin Seel hat zwar gelegentliche Ausflüge in diesen Teil der Massenkultur unternommen, doch sportsoziologisch hat die Frankfurter Schule Nachholbedarf:
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/literatur/2757712_Kritische-Theorie-der-Sport-Party-Was-die-Massen-begeistert.html

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Thomas Jedlitschka

„Eine WM für reiche Weiße“

Der Berliner Jurist Thomas Jedlitschka war als Berater für die Fanbetreuung in Pretoria und Johannesburg tätig. Nach zwei Turnierwochen kommt er zu dem Schluss, dass die Idee von einer afrikanischen WM missglückt ist:
http://www.tagesspiegel.de/sport/fussball-wm2010/eine-wm-fuer-reiche-weisse/1872360.html

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Armee sichert Township

Hinter dem Tafelberg brodelt Hass | 01.07.2010
Die Fußball WM hat in Südafrika Ressentiments gegen Migranten neu entfacht. Im Kapstädter Township Du Noon versucht die Armee Pogrome gegen Ausländer zu verhindern. VON ELENA BEIS
http://www.taz.de/1/sport/wm-2010/artikel/1/hinter-dem-tafelberg-brodelt-hass/

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Fußball im Abseits – Partynationalismus und Starkult kommen vor dem Spiel

Deutschland blüht wieder einmal im Glanze seines schwarz-rot-goldenen Glücks. „Wir“ sind wieder Deutschland und die ganze Nation scheint bemüht, die Nationalismusexzesse der WM 2006 noch zu überbieten:
http://www.nachdenkseiten.de/?p=6035#h19

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Fußball

Der Fußballwahn ist eine Krankheit,
aber selten, Gott sei Dank!
Ich kenne wen, der litt akut
an Fußballwahn und Fußballwut.
Sowie er einen Gegenstand
in Kugelform und ähnlich fand,
so trat er zu und stieß mit Kraft
ihn in die bunte Nachbarschaft.
Ob es ein Schwalbennest, ein Tiegel,
ein Käse, Globus oder Igel,
ein Krug, ein Schmuckwerk am Altar,
ein Kegelball, ein Kissen war,
und wem der Gegenstand gehörte,
das war etwas, was ihn nicht störte.
Bald trieb er eine Schweineblase,
bald steife Hüte durch die Straße.
Dann wieder mit geübtem Schwung
stieß er den Fuß in Pferdedung.
Mit Schwamm und Seife trieb er Sport.
Die Lampenkuppel brach sofort.
Das Nachtgeschirr flog zielbewußt
der Tante Berta an die Brust.
Kein Abwehrmittel wollte nützen,
nicht Stacheldraht in Stiefelspitzen,
noch Puffer, außen angebracht.
Er siegte immer, 0 zu 8,
und übte weiter frisch, fromm, frei
mit Totenkopf und Straußenei.
Erschreckt durch seine wilden Stöße,
gab man ihm nie Kartoffelklöße.
Selbst vor dem Podex und den Brüsten
der Frau ergriff ihn ein Gelüsten,
was er jedoch als Mann von Stand
aus Höflichkeit meist überwand.
Dagegen gab ein Schwartenmagen
dem Fleischer Anlaß zum Verklagen.
Was beim Gemüsemarkt geschah,
kommt einer Schlacht bei Leipzig nah.
Da schwirrten Äpfel, Apfelsinen
durch Publikum wie wilde Bienen.
Da sah man Blutorangen, Zwetschen
an blassen Wangen sich zerquetschen.
Das Eigelb überzog die Leiber,
ein Fischkorb platzte zwischen Weiber.
Kartoffeln spritzten und Zitronen.
Man duckte sich vor den Melonen.
Dem Krautkopf folgten Kürbisschüsse.
Dann donnerten die Kokosnüsse.
Genug! Als alles dies getan,
griff unser Held zum Größenwahn.
Schon schäkernd mit der U-Boots-Mine,
besann er sich auf die Lawine.
Doch als pompöser Fußballstößer
Fand er die Erde noch viel größer.
Er rang mit mancherlei Problemen.
Zunächst: Wie soll man Anlauf nehmen?
Dann schiffte er von dem Balkon
sich ein in einen Luftballon.
Und blieb von da an in der Luft,
verschollen. Hat sich selbst verpufft. -–
Ich warne euch, ihr Brüder Jahns,
vor dem Gebrauch des Fußballwahns!

Joachim Ringelnatz  (1883-1934) [::] [::] [::]

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Der FC St. Pauli wird 100 Jahre alt

Wie ein „Schmuddelverein“ die Fußball-Welt veränderte

Der FC St. Pauli gilt als „der etwas andere“ Verein. Geprägt wurde das Image des Stadtteilclubs, der heute 100 Jahre alt wird, in den 1980er-Jahren, als Hausbesetzer aus der Hafenstraße das Millerntor-Stadion mit ihren Totenkopf-Fahnen enterten. Heute lebt der Club gut von dem alternativen Image.
Von Marcel Müller, Kristopher Sell und Patrick Gensing, NDR
http://www.tagesschau.de/sport/fcstpaulieinhundertjahre100.html

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Metatipp: Kunst und Sportverein Wilhelmsburg

https://medienwatch.wordpress.com/2010/06/23/kunst-und-sportverein-wilhelmsburg/

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Gespräch mit Jeff Wall | 2.7.2010 – 13:36 Uhr

Mit Manet spielen

Eine Ausstellung in Dresden feiert den großen Fotokünstler Jeff Wall. Ein Gespräch über Zufall, Schönheit und barocken Fußball:
[..] Viele dieser Kunstwerke wirken wie Journalismus, der einfach als Readymade in den Kunstkontext verpflanzt wurde. Aber da alles Kunst sein kann, darf auch der Journalismus ein Readymade sein [..]
http://www.zeit.de/2010/26/Interview-J-Wall?page=1

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ARD Sportschau transportiert über Kinder „nationalistische Kakophonie“ zur Fussball WM

https://medienwatch.wordpress.com/2010/06/16/sportschau-transportiert-uber-kinder-nationalistische-kakophonie-zur-fussball-wm/

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Meta Transport(e) GfoK »Vorsicht Kunst!« Gleichschaltung + Widerstand

https://medienwatch.wordpress.com/transportformen-gfok-objekte-etc/?preview=true&preview_id=15034&preview_nonce=50492c33a7

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medienwatch.wordpress.com | medienwatch.de | meta-info.de | sw-fotos: „heiligengeistfeld“ jörg stange, gunnar f. gerlach, gfok kunstarchiv

Written by medienwatch & metainfo

Juni 30, 2010 at 14:47

Veröffentlicht in Allgemein

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