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Texte + Diskurse = Gunnar F. Gerlach

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Adorno Gerlach Maus Stange 10Ardorno-Gemälde: Jürgen Mau | Fotos + Montage + Bildbearbeitung: Jörg Stange

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Zum 40. Todestag von Theodor W. Adorno

Adorno existiert literarisch und virtuell, vereinzelt – einsam im medialen „Gaga-Zitate-Dschungel”, als historisches Phänomen [auch ´negativ] dialektischer´ Intervention weiter. Hier auf dieser Seite einige seltene diskursive Beispiele, der Durchdringend von Kunst und Wissenschaft, gegenwärtiger Diskurse aus nächster Nähe von Ersehenem, Erdachtem und Erfühltem, aus transformierter Erkenntnis gespeistem…

Durch die „erlesene Haltung“, durch Befragung von Ausstellungen, als subversiver Spiegel der Gesellschaft und „ihrer“ Kultur, durch Besprechung – unter Nutzbarmachung des parallel einfliessenden diskursiv-kritischen Geistes anderer Denker, erweiterter Wahrnehmung befähigter Menschen, durch subtile Sichtung des Gegenstands – des Materials in Kunst und Gesellschaft. Die Gesellschaft, dass System als gestaltbares Material … Die Situation und das Leben, Masse und Kollektiv, der Einzelne und das „aufgelöste Gemeinwesen“, zum System der Beliebigkeiten generiert gilt die Aufmerksamkeit und  Betrachtung.

Es ist kein unmittelbarer Adorno-Rekurs, da sind seine (!) Texte zu lesen. Seine vielschichtige Erkenntnistheorie wird leider nicht immanent reflektiert und transformiert, – als substanzielle Grundlage von kritischer Betrachtung, und Intuition auf Gesellschaft gedacht, eingesetzt. Das universelle Erkenntnisgut Adornos lebt nur dann – wenn sein unbestechlich sezierender Geist und „siebtes Auge“ lebendig vermittelt eingelesen wird: In der Gegenwart zu verankern im Sinne Schillers. „Bildung allein ist es nicht“ (Jean-Jacques Rousseau). Da muss schon „tiefer gelesen“ werden. „Andere Wahrnehmer“ und „offene Köpfe“ -oder die es werden sollten, mögen unter Berücksichtigung seiner Erkenntnisweite, ihre Wahrnehmung schulen und befragen können – damit Sprache und Impetus überhaupt weiter aufklärend wirken kann… – „ES“ sollte eben nicht in elitären Zirkeln hängen bleiben und durch „geistige Verknappungsgrenzen“ des «Bachelor & Master», in Folge eliminiert… Es gibt eben „kein richtiges Leben im Falschen“ – es ist eine kurze radikalerkenntnisreiche Setzung, die ihre Wirkung nicht verfehlen sollte. Erste Zweifel an den Vorgaben und Vorlagen sind ein Anfang zur Änderung, beim „Üben“ in doppelter Entfremdung absurd gespiegelter Wirklichkeit… Jörg Stange

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Kleine Auswahl gesammelter Texte von Gunnar F. Gerlach mit Verweisen oder Zitaten von Adorno: Zum 40. Todestag von Theodor W. Adorno

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„Pop-Kultur und Film-Industrie sind auch so noch immer Bestandteil einer Kulturindustrie, die „Aufklärung als Massenbetrug“ (Horkheimer/Adorno) meistbietend an Spezialisten der Genres verkauft und von ihnen lebt. Der „neue Mensch“ im Sinne eines Joseph Beuys, sollte ja nicht nur ein Rocker sein, der seinen Willen bestätigt, auch nicht nur Hippie, der sein Gefühl gutheißt, und auch kein bloßer Theoretiker, der nur Reflexion will. Er möge alle diese Kräfte in sich vereinigen. „It’s a long way to the top, if you wanna Rock’n Roll“ (AC/DC)“…

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Gunnar F. Gerlach 1969

Die erneute Erwartung des eingeborenen Menschensohnes

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Ein Versuch über Erfindung und Realität von Mythen und Missverständnissen in Pop, Kultur und Politik zwischen Hoffnung und Horror „Man beginnt allmählich einzusehen, daß zur künstlerischen Vollendung einer Mordtat doch etwas mehr gehört als zwei Dummköpfe, einer, der tötet, und einer, der getötet wird, ein Messer, eine Brieftasche und eine dunkle Gasse. Formgebung, meine Herren, Sinn für Gruppierung und Beleuchtung, poetisches Empfinden und Zartgefühl werden heute zu einer solchen Tat verlangt.“

Thomas De Quincey, „Der Mord als eine schöne Kunst betrachtet“, 1827/1854

„Ja, ja, ja, ja, nee, nee, nee, nee“

27. März 1969: Fluxus-Konzert „…oder sollten wir es verändern?“ Joseph Beuys: Klavier; Henning Christiansen: Geige; Städtisches Museum, Mönchengladbach

Bereits das Aufschreiben des von Legenden umwobenen Jahres 1969 gleicht mittlerweile der Erwähnung eines Mythos aus bedeutender Zeit zwischen Schauen und Schaudern: befangen in emotionalen Zwillingspaaren von „Euphorie und Exzess“, „Pop und Politik“, „Aufbruch und Untergang“, „Hoffnung und Horror“. In der Tat gehören die nur im fließenden Übergang zu begreifenden Jahre 1968/69 in den Bereich jener historisch-wissenschaftlichen Kategorie der „Schwellenzeit“, die durch ein Höchstmaß irritierender Vorgänge, Prozesse und Realitäten in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen gekennzeichnet ist und evidente Aus- und Nachwirkungen bis in die aktuelle Gegenwart zeitigt. Wer denkt schon an eigene, erinnernde Zusammenhänge zwischen dem „White Album“ der Beatles und dem kongenialen Künstler Richard Hamilton als Gestalter von Cover und Poster dieser Inkunabel, der psychedelisch-konzeptuell werdenden Musik der scheinbar so heiter surfenden Beach Boys, dem Altamont-Debakel der Rolling Stones während der Live-Performance von „Under my Thumb“ und der Parallelität von ‚Love, Peace and Happiness‘ während des Woodstock-Festivals mit der begleitenden Realität einer Mordserie, die Charles Manson in Los Angeles mit seiner „Family“ inszenierte und realisierte? Alles dies geschieht in weniger als einem Jahr, und ist auf reale bis surreale Art und Weise miteinander verstrickt . Wer registriert schon mit Bewusstsein die in den letzten 30 Jahren entstandenen (Pop-)Kulte und Manson bezogene Medien: T-Shirts, Poster, Anstecker, Aufnäher und Bücher, die Internetpräsenz neben Publikationen im Audio- und Video-Bereich, und weiß darum, dass Charles Manson den Rekord als Strafgefangener mit den meisten E-Mails, Briefen und Grußkarten hält? Dieser Komplexität der parallelen Ereignisse gerecht werden zu wollen, kann im folgenden nur als Versuch begriffen werden, einzelne Segmente zu betrachten, um sie in einer oszillierenden Horizontlinie begreifen zu lernen. Tatorte, Tote und Trivialmythen Schwül soll es gewesen sein in dieser Nacht vom 8. auf den 9. August 1969 als auf der schmalen Straße am Cielo Drive, Haus 10 050, oberhalb von Bel Air, Los Angeles, an einer Ecke der Garage und dem Zaun elektrische Weihnachtskerzen leuchteten. Von der Schauspielerin Candice Bergen waren sie angeschafft worden, die bei dem vorherigen Mieter des Anwesens, Terry Melcher, Sohn der Schauspielerin Doris Day mit dem Posaunisten Al Jordan, gewohnt hatte. Terry Melcher, Mitorganisator des Monterey Pop Festivals (das als Durchbruch der neuen Rockmusik angesehen wurde), Fernseh- und Plattenproduzent, wurde 1968 durch den Schlagzeuger der Beach Boys, Dennis Wilson (1944–1983), mit einem gewissen Charles Manson bekannt gemacht. Nun waren hier, im Sommer der euphorischen Jugend-, Studenten- und Außenseiter-Bewegung von Woodstock, über der Lichtdurchfluteten „Stadt der Engel“ fünf Leichen zu finden. Eine Vision hatte sich zum Trauma gewandelt, denn drei Mädchen aus “gutem Hause“ waren in diesen Bungalow eingefallen und „metzelten alle in einem Mordrausch nieder, der wahrhaftig nur mit der Raserei mythischer Bacchantinnen zu vergleichen war“1. Eines der Opfer war prominent: Die Frau des Kult-Regisseurs Roman Polanski, die mittlerweile zur Neu-Ikone Hollywoods avancierte Schauspielerin Sharon Tate. Die Getötete, bekannt geworden durch die Filme „Tanz der Vampire“ und „Das Tal der Puppen“, lag nun im geblümten BH und dazu passendem Bikini-Höschen blutverschmiert vor dem Sofa: jung, blond, hochschwanger. Diesem als „Schlachthaus“ beschriebenem Horror-Szenario folgte ein weiteres in der folgenden Nacht. Das Ehepaar LaBianca – Supermarktbesitzer, wohnhaft im Haus 3301 Waverley Drive in Los Angeles – wurde ebenfalls abgeschlachtet. An der Tür der gemieteten Villa von Polanski und Tate hatte die blutige Inschrift „PIG“(Schwein, Slang für ‚Bulle‘) gestanden. Der tote Mr. LaBianca bekam ins bloße Fleisch das Wort „War“ (Krieg) geritzt. Mit Blut geschriebene Inschriften fanden sich an drei weiteren Flächen im Haus: Hoch oben an der nördlichen Wand standen die Worte „DEATH TO PIGS“ (Tod den Schweinen), an der gegenüberliegenden Wohnzimmerwand klebte blutig das Wort „RISE“ (erhebt Euch) und auf der Kühlschranktür standen zwei Worte, von denen das erste auch noch falsch geschrieben war: „Healter Skelter“ – Drunter und Drüber! Sollten diese Schmierereien, die heute, zynisch betrachtet, wie frühe Graffitis und alternative Fresken wirken, nur „Zufalls-Produkte“ einer durchgedrehten Band(e) sein, die das Schutzschild „Hippie“ und „Revolte“ ohne jegliche Reflexion, aus reiner mordender Blutgier vor sich hertrugen? Und waren die in diesem Umfeld ventilierten Namen und Begriffe wie „The Beatles“, „fünfter Beatle“, „Jesus Christus“, „Weathermen“, „Hitler“, „Sympathy for the Devil“, „Revolution 9/Revelation 9“ bloße Hirngespinste oder kurz geschlossene (von Mythen, Sozialisationen, Drogen, Narzissmen und Verzweiflungen ausgelöste) Aktionen und Pseudo-Performances einer gegen die Eiseskälte des US-amerikanischen Kapitalismus reagierenden, jungen Generation? Produkte genau dieser gesellschaftlichen Entwicklung zwischen Hoffnung, Hype und Horror, Super-Luxus oder einem Leben „Under the Bridge“? Das in dieser Zeit ein neues Bewusstsein am Werden war, eine neue Sensibilität und Sensitivität genauso, wie die Verheißung dionysischen Rausches durch die Kombination aus „Sex & Drugs & Rock’n Roll“ kombiniert mit politischen Reflektionen und neuen, alltagstauglichen Praktiken zwischen Rock-Musik und Mini-Rock, gegen eine narzisstische, auf Karriere, Konkurrenz, Kampf und auch individuellen Krieg hin erzogene, vermeintliche Elite, ist eindeutig. Mord, Musik und Manson Charles Milles Manson kam 1968 nach Los Angeles und hatte bereits die Hälfte seines Lebens in Besserungsanstalten verbracht. Als uneheliches Kind zur Welt gekommen hatte er bis 1967 bewaffnete Überfälle, Autodiebstähle, Scheckfälschungen und Zuhälterei als Delikte begangen. Während seiner letzten Haft im Gefängnis Terminal Island hatte er eine geradezu obsessive Liebe für die Beatles entwickelt und sich autodidaktisch das Gitarre spielen und Song schreiben beigebracht. Jetzt, nach seiner Entlassung, war er in San Francisco in der Haight-Ashbury-Szene untergekommen, wo er sich von den anderen Freaks in Aussehen und Haltung nicht unterschied. Hier „begann er auch, seine ‚Family‘ um sich zu scharen – junge attraktive Mädchen, nicht selten aus besserer Familie, alle mit dem einen oder anderen psychischen Knacks und entsprechend empfänglich für die Schmeicheleien eines ernsten, charismatischen ‚Hippies’“.2 „Just follow the music, just follow the sound“ ist auf einem der von Manson und der Family komponierten Folk-Rock-Songs zu hören.3 Mit der wachsenden Gefolgschaft junger Frauen, die von der „Philosophie“ des ehemaligen Zuhälters beeindruckt waren, wuchs bei Manson eine rassistische Ideologie mit seinem Anspruch auf Führerschaft und die Vision einer neuen Welt. Und auch seine „Family“ wurde nun autoritärer geführt. Seine Auffassungen waren ein religiös-politischer und musikalischer Mischmasch aus biblischer Offenbarung, Scientology, Interpretationen von Beatles-Kompositionen (besonders vom im November 1968 erschienenem „White Album“) und eigenen Song-Texten über einfachste zwei- bis drei- Akkord „Hippie-Lagerfeuer-Klampfen-Lieder“ mit pseudo-engelsgleichen Hintergrundgesängen seiner weiblichen Todesengel. Manson zog in der Hoffnung auf einen Plattenvertrag mit seiner Familie nach L.A., wo sich Folgenschweres ereignete als der Drummer und Sänger der damals schon legendären „Beach Boys“, der 1983 verstorbene, depressive Dennis Wilson, zwei Anhalterinnen der Manson-Family in sein Haus am Sunset Boulevard mitgenommen hatte. Als Wilson eines Tages vom Einkaufen nach Hause kam, war plötzlich Charles Manson mit der ganzen „Family“ bei ihm eingezogen. Manson und Wilson sollen sich gut über Musik unterhalten haben und spielten gemeinsam Gitarre, begannen sogar zusammen Songs zu schreiben. Wilsons Brüder, Brian und Carl, produzierten davon ein Demo-Band und machten Manson mit dem Produzenten Terry Melcher bekannt. Eben jenem vormaligen Mieter des späteren Schlachthauses am Cielo Drive 10 050. Melcher jedoch soll die Musik von Manson verspottet haben. Eine seiner Kompositionen, „Cease to Exist“, schaffte es 1969 dennoch auf die B-Seite einer Beach-Boys-Single. Das Lied, für 100.000 Dollar abgekauft, wurde zum Zorn Mansons stark verändert und erschien unter dem Titel „Never Learn Not to Love“. Okkultismus und vermeintliche Avantgarde waren eine unselige Gemeinschaft geworden und Manson und seine Hippie-Rock-Band „The Family“ zogen sich auf die Spahn Movie Ranch zurück, die etwas abseits im Norden von Los Angeles gelegen war. Er verkündete seinen JüngerInnen christusgleich von seiner Vision eines schwarzen Aufstandes gegen die Weißen. Auf Grund ihrer Rasse seien sie jedoch nicht fähig, sich selbst zu organisieren und würden ihn daher zu ihrem neuen Führer wählen und zum Herrscher über die Welt machen. Unter dem Death Valley (Tal des Todes), rund 400 km von der Spahn-Ranch entfernt, sei „The Hole“, eine Höhle als Eingang zum Paradies, in der man sich vor den zukünftigen Unruhen verstecken könnte und später würden alle vom neuen „Menschensohn“ (Man Son) und den Beatles – den vier Engeln – in die Seligkeit geführt. Schlüsselwort für diese Phantasterei war „Helter Skelter“, seine Hommage an einen Song vom „Weißen Album“, „dessen Text er völlig ungebrochen als persönliche Botschaft der Beatles interpretierte, als Bestätigung seiner apokalyptischen Vision“.4 Aber Helter Skelter ließ auf sich warten. Manson verkündete nun, dass man den Negern zeigen müsse, wie man das macht. Am 8.8.1969 brachen dann Patricia Krenwinkel, Tex Watson, Susan Atkins und Linda Kasabian auf zum Cielo Drive. Die bizarr-tödliche Melange aus Wahn und Wirklichkeit kurz vor Woodstock (14.-17.8.1969) wurde zu einer Realität analog zu der Szenerie, die der Dramatiker Heiner Müller (mit Bezug auf seine eigene Biografie und Andy Warhols Kunstpraxis) am Ende seiner „Hamletmaschine“ mit Hinweis auf die „scaring phonecalls“ von Susan Atkins beschrieben hatte: „Es lebe der Hass, die Verachtung, der Aufstand, der Tod. Wenn sie mit Fleischmessern durch eure Schlafzimmer geht, werdet ihr die Wahrheit wissen“.5 Wie bei einem Hitler, analysierte der einstige Manson-Ankläger Vincent Bugliosi, sei hier der verhinderte Künstler-Ehrgeiz in Vernichtungswut umgeschlagen6 als Manson seinen ‚Judgement day‘ plante und ausführte: „All You Need Is Love“ und „Revolution“ der Beatles waren ins Gegenteil verquert und in eine grausame „Magical Mystery Tour“ (im Dezember 1967 erschienen) umgeschlagen. Mit dem Titel „Piggies“ vom „White Album“ waren von George Harrison die feisten Bürger gemeint, die in ihren „gestärkten weißen Hemden“ mit ihren „Piggie-Weibchen“ zum Dinner gehen und mit „Gabel und Messer ihren Speck verzehren“. Im fröhlichen Original-Song heißt es: „In ihrem Leben fehlt etwas//was sie brauchen ist eine Tracht Prügel“. Und DEATH TO PIGS und PIGS stand an den blutigen Tatorten. Und eine Gabel steckte im rundlichen Leib des Opfers Leno LaBianca. Charles Manson, der sich selbst als verborgenen „fünften Beatle“ sah, hielt sich jetzt auch für den „fünften Engel“ bezogen auf das 9. Kapitel der biblischen Offenbarung des Johannes, jener Apokalypse, die das Neue Testament mit einer Vision des Grauens beschließt und die Wiederkehr des eingeborenen Menschensohnes, Jesus Christus, beschwören sollte: „Und der fünfte Engel…tat den Brunnen des Abgrundes auf, …und es ward verfinstert die Sonne… und es ward ihnen gesagt, dass sie nicht sollten Schaden tun dem Gras auf Erden…, sondern allein den Menschen, die nicht haben das Siegel Gottes an ihren Stirnen…“7 Nach Mansons Meinung waren die vier Engel die Beatles, die Führer, Sprachrohre und Propheten. Und für Susan Atkins, die die ausgeführten Morde als „schön“ empfunden haben soll8, wie für die beiden anderen Jüngerinnen, bedeutete das schützende Kreuz das „Siegel Gottes“, das sie sich noch im Gefängnis mit heißen Nadeln in die Stirn ritzten – Tattoos als bekennende Insignien der Leidenschaft. Die gefährdete Phantasie zwischen „Surrealismus und Terror“9, mit der der selbsternannte, neue Menschensohn Man Son, seine „Family“ beeindruckte, war Wirklichkeit geworden. Da war sogar die „bottomless pit“, der „Brunnen des Abgrunds“ in der kalifornischen Wüste des Death Valley Realität. Und der Name der Band(e) schien dem harmoniesüchtigen Zeitgeist harmlos eingeschrieben, wie die Namen so vieler anderer Bands: Sly and the Family Stone, Frank Zappa and The Mothers of Invention. Mansons Weltgerichts-Phantasie war dem Zeitgeist der Rock- und Pop-Bewegungen auf den Leib geschneidert und wie viele parallele Irrläufer der Zeit in den Bannkreis von Satanismus und schwarzer Magie geraten. Aus einem berechtigten Aufruhr gegen die kapitalistische Oberschicht und ihren ökonomischen Interessen geschuldeten, eigenen Exzessen in Vietnam und gleichzeitigen rassistischen „Riots“ (Unruhen) in „Gods Own Country“ war ein Alptraum erwachsen – ein Aufbruch in Dimensionen der anderen Art. Hintergründe, Hipsters und Halluzinogene Es ist kein Zufall, dass die afro-amerikanische Band „The Versatiles“, die für den ‚California Soul` stand, ihren Durchbruch im Bereich der Pop-, Soul- und Rock-Musik erst mit dem Song „Up, Up and Away“ feierte und in diesem Moment „The Fifth Dimension“ hieß. Weltberühmt wurde sie 1969 durch ihre erfolgreiche Medley-Adaption aus dem bis heute populären Musical „Hair“: „Aquarius & Let the Sunshine in“. Der vermeintliche „Summer of Love“ war durch pop- und rockmusikalische, poetische und politische Werke und Akte längst in die Realität kapitalistisch günstiger Verkaufszahlen transformiert worden. Das der „fünften Dimension“ zugehörige Album der gleichnamigen, erfolgreichen Gruppe hatte bezeichnenderweise den Titel: „The Age of Aquarius“ – das Zeitalter des Wassermanns. Dieser Titel ging, dem Zeitgeist geschuldet, schwanger mit der Hoffnung auf eine völlig neue gesellschaftliche Praxis, die in den bis dahin konservativen Kategorienbildungen in Alltag, Politik, Kunst und Musik und ihren strengen Abgrenzungen, keine Möglichkeit auf Gegenwart und Zukunft mehr sah. Den revoltierenden Gedanken aus dem Geist der deutschen Romantik verpflichtet bis hin zur Verehrung Hermann Hesses – und hier besonders dem Protagonisten Harry Haller in seinem „Steppenwolf“ (die nach diesem Roman gleichnamig benannte Band „Steppenwolf“ um den ursprünglich deutschstämmigen John Kay, spielte harten Rhythm & Blues mit rockigen Einflüssen: „Born to be Wild“!) – hatte eine Generation die Vision, Klassenschranken nieder zu reißen und scheinbar antagonistische Elemente miteinander zu verknüpfen: Esoterik mit Politik, „Sit In“ mit „Action“, elektrisch verzerrte Instrumente (zumeist Gitarre und Bass) mit poetischen, romantischen und realistischen Weltbeschreibungen (die Poeten der Beat-Generation in den USA, in Deutschland die Apologeten der so genannten 68er), innere Emigration (Natur, Liebe, Weltabgewandheit, Gurus) und Heldentum der Revolte auf der vermeintlich proletarischen Straße der universellen Revolte (The Rolling Stones und ihr legendärer Hit „Street Fighting Man“). Diese Kombination aus Religion, Poesie, Esoterik, politischer Praxis (auch aus dem Geist der Gegner Bakunin und Marx/Engels), Rausch und Ekstase für die nicht nur alltägliche, sondern auch zukünftig erwünschte Lebenspraxis, wurde prägend für diese Zeit. Nach der Auffassung damaliger Esoteriker, Okkultisten und anglo-indischen Theosophen (heute: New Age-Anhängern) stand damit die zweite Hälfte des so grausamen 20. Jahrhunderts im „Wassermann-Zeitalter“. Das Symbol sowohl des gleichnamigen Tierkreiszeichens als auch des Sternbildes ist die doppelte Wellenlinie. Sie sollte nach zeitgenössischer Auslegung Schwingungen und Elektrizität (ähnlich dem Zeichen für Wechselspannung) zeigen. Gemäß dieser Auffassung trat vor ca. 2150 Jahren der Frühlingspunkt in das Sternbild der Fische. Für die Hippiekosmologie war Jesus von Nazareth, der Verkünder einer neuen Zeit, in der die Liebe als menschliches, mikrokosmisches Abbild der Sonne die Herrschaft über die Menschen gewinnt: „Love, Peace and Happiness“ in Ansehung eines neuen Zeitalters aus Geschlechter- und Klassen-Harmonie, aus vermeintlich körperkultureller Nacktheit und revolutionärem Kampfgeist. Timothy Learys Buch und Theorie einer „Politics of Extasy“, unter Einfluß psychedelischer, bewusstseinserweiternder Drogen wie LSD und Psylocibin, Marihuana und Haschisch geschrieben, sowie Theorien über das neu zu bestimmende Verhältnis von Sexualität und Gesellschaft im politischen Kampf speisten diese heterogenen Vorstellungswelten. In der äußerst anregenden und erhellenden Einführung von Christoph Grunenberg im Katalog „Summer of Love – Psychedelische Kunst der 60er Jahre“ beschreibt der Autor diesen Sachverhalt im Kapitel „Politik der Ekstase: Kunst für Geist und Körper – Von ‚psychodelisch‘ zu ‚psychedelisch’“ wie folgt: „Timothy Leary, oberster Guru des LSD-Kults und laut Präsident Nixon ‚der gefährlichste Mann in Amerika‘ (…) erklärte sich bescheiden zum ‚Sprachrohr‘ und fragte: ‚Sind wir über Messiasse und Märtyrer nicht hinaus?‘, während er gleichzeitig am New Yorker Village Theater als ‚Reinkarnation Christi‘ angekündigt wurde. Veranstaltungen der von Leary gegründeten League of Spiritual Discovery (L.S.D.) kombinierten religiöse Zeremonien mit psychedelischen Lightshows und offenbarten den stark spirituellen Aspekt in Learys Lehre, die eine Art Ersatzreligion für eine säkularisierte, materialistische Gesellschaft bot. Für Leary waren ’spiritual discovery‘ und politische Opposition eng miteinander verknüpft. Gleichzeitig lehnte er die Politik als irrelevant ab und vertrat die Auffassung, eine radikale Veränderung des ‚Systems‘ sei nur durch fundamentale Bewusstseinsveränderung möglich. (…) Trotz seiner messianischen Auftritte repräsentierte Leary die ‚kultivierte‘ Seite der psychedelischen Bewegung (…).“10 Aber auch innerhalb der Bewegung existierten folgenreiche Antagonismen. Der anarchische Hedonismus, u. a. eines Ken Kesey und seinen Merry Pranksters, wollte durch spielerische Experimente mit Drogen bis zum Wahnsinn und ostentativer Extrovertiertheit provozieren und durch Tabubrüche gezielt Empörung hervorrufen. Mit einem kaum voraus zu ahnendem Paukenschlag sollte das mythisch verbrämte und bis heute legendärste Festival aller Zeiten in Woodstock zur Ein- und Ausgangstür für die folgenden Szenarien werden. Tosende Wellen, die Europa erreichten, die politisch-philosophische Debatten erhitzten, ideologisch besetzten, und die westdeutsche Atmosphäre befeuerten. Die Schwingungen der elektrifizierten Bewegung, „Vibrations“, wurden mehr als das Kürzel des legendären Beach Boys Hits „Good Vibrations“. Es war der westdeutsche Literaturkritiker und Autor Helmut Salzinger, der in seinem bis heute gültigem Standard-Essay aus dem Jahre 1972, „Rock Power oder Wie musikalisch ist die Revolution“, die Musik-, Design-, Kunst-Welt und ihre nur dialektisch zu fassenden Verkaufsstrategien und Wirksamkeiten von Rock-Musik als einen die Gesellschaft verändernden Prozess analysierte. Er brachte ihre bis in die Gegenwart gültige Doppelbödigkeit durch einen ironisch-verzweifelten Blick zur Sprache: „Woodstock Nation bedeutet Verweigerung, bedeutet Abkehr, bedeutet Subversion. Woodstock Nation bedeutet den Bruch mit der bestehenden Gesellschaft, mit ihren Gesetzen, Traditionen, Werten und Normen.“11 Plakate und Buchtitel (wie im Falle von u. a. Rolf-Ulrich Kaiser) trugen im Jahr 1969 Titel wie „Underground? Pop? Nein! Gegenkultur!“ Irrsinn, Ideologie und Ikonographie Neben der Ästhetik von Platten-Covern, Plakaten und Kunstwerken spricht die Ästhetik der Selbstdarstellungen und Inszenierungen der Musiker und Künstler Bände – auch für die weiteren Entwicklungen der Rock- und Pop-Musik: von John Lennon und Jim Morrison (Sänger von The Doors, Song-Titel u.a. „Break on through (to the other Side)“, „The End“) bis zu Charles Manson erscheint ein Bildtypus, der an alter, christlich-humanistischer Malerei seit der Dürer-Zeit orientiert ist und Christus als einen Weltschmerz und Weltwissen tragenden Mann zeigt, der seine Jünger und weiblichen Engel um sich geschart hat. Die männlichen Hauptdarsteller erscheinen dabei als christusgleiche Erlöser und markieren symbolisch einen Aspekt, der sich auch in den schwarz-magischen und bewusst provozierenden Songs und Texten bis in die Gegenwart fortgesetzt hat. Sie sind zu bewusst Tabubrechenden Schockmomenten geworden, die sich als Gegenkultur gewinnbringend vermarkten lassen. Die Trivialisierung der Rock-Mythen und Pop Art-ikonischen Grundmuster hatten sich in Parallel-Erscheinungen zwischen Mansons „Family“ und anderen Cliquen, Bands und Banden in der Musikbranche als werbeträchtig herauskristallisiert: „Manson mochte keinen Plattenvertrag bekommen haben, er hatte trotzdem das Zeug zum Rockstar – das wallende Haar und der Jesusbart, eine Kiste voll Songs, die schönen und unterwürfigen jungen Mädels, die ihm zuliefen und die man andernorts, etwa in Zappas Szene oder Vito Paulekas‘ Studio, als Groupie bezeichnet hatte.“12 Das Phänomen des Rockstars, in Anlehnung an die biblische Heilslehre mit dem für die Menschheit geopferten Menschensohn, wurde gesellschaftlich approbiert und reif für ein Musical: „Jesus Christ Superstar“. Als Folge von „Hair“ wurde der Mythos auf universelle Erlösung im Zeichen und Zeitalter des Wassermanns bis heute auch medien- und marktwirksam beschworen. Charles Manson erschien als Hippie-Christus am Kreuz auf Druckgraphiken und als Titelheld auf populären Magazinen vom „Tuesday’s Child“ bis zum „Rolling Stone“. Einen Kult- und Ikonenartigen Status erreichte das Cover des „Life“-Magazins vom 19. Dezember 1969 und wurde zu einer Art Markenzeichen für spätere Manson-Devotionalien. Auch der selbst malende Rock-Performer und bekennende „Anti-Christ“ Marilyn Manson trägt bewusst seinen Namen: Nicht um seine Bewunderung für Charles Manson auszudrücken, sondern um die Extreme der US-amerikanischen ökonomischen und kriegstreibenden Realität kritisch als provokantes Statement zwischen Marilyn Monroe als Pop-Ikone und Charles Manson als Anti-Pop-Ikone zusammenzufassen. Tragik und Irrsinn des Systems werbeträchtig vermarktbarer Starkulte zwischen Pop Art und Rock Musik sollen verdeutlicht werden. Auf seiner CD „Portrait of an American Family“ (1994) veröffentlichte er ein Lied von Charles Manson: „My Monkey“. Die Geschichte der nachäffenden Affen im Kontext einer ernst gemeinten und berechtigten Revolte gegen den Vietnam-Krieg, rassistische Ideologien und Unruhen gegen eine ökonomisch herrschende Klasse bis hin zur ikonisch-werbeträchtigen Ausbeutung von Corporate Identities, Namen und Logos lassen sich bis in die Jetzt-Zeit fortschreiben. So, wie der Name „Charles Manson and The Family“ ins kollektive Gedächtnis eingebrannt und vermarktbar ist, kann und muss nun nach den realen Folgen der RAF und ihren buchstäblichen Transformationen in den Bereich trivialisierender Mythen und verkaufsträchtiger Ikonographisierungen gefragt werden. Deutsche Rock-Bands mit prägenden Namens-Kürzeln wie BAP und DAF hätte es ohne sie kaum gegeben. Pop-Kultur und Film-Industrie sind auch so noch immer Bestandteil einer Kulturindustrie, die „Aufklärung als Massenbetrug“ (Horkheimer/Adorno) meistbietend an Spezialisten der Genres verkauft und von ihnen lebt. Der „neue Mensch“ im Sinne eines Joseph Beuys, sollte ja nicht nur ein Rocker sein, der seinen Willen bestätigt, auch nicht nur Hippie, der sein Gefühl gutheißt, und auch kein bloßer Theoretiker, der nur Reflexion will. Er möge alle diese Kräfte in sich vereinigen. „It’s a long way to the top, if you wanna Rock’n Roll“ (AC/DC)…

https://medienwatch.wordpress.com/2009/01/30/gunnar-f-gerlach-1969-die-erneute-erwartung-des-eingeborenen-menschensohnes/

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(1) Zit. nach Der Spiegel, Nr 49, 28. Jg., 2. Dezember 1974, S. 122 (ohne Angabe des Autors). Mit dieser Ausgabe begann die vierteilige Spiegel-Serie „US-Staatsanwalt Bugliosi über den Mordfall Sharon Tate“. In Heft 49 finden sich unter der Rubrik „Deutschland“ bezeichnenderweise auch zwei Artikel über „Baader-Meinhof“: „Verwirrspiel um Terroristen“ und „Interview mit Jean-Paul Sartre über seinen Besuch bei Andreas Baader“. (2) Michael Walker: Laurel Canyon – Im legendären Tal des Rock’n‘ Roll, Berlin 2007, S. 174. (3) Charles Manson: „The Family Jams“, „A Gambling Man Come From Natchez“, 1970/1997. (4) Walker 2007, S. 174. (5) Heiner Müller, „Die Hamletmaschine“, zit. nach: Revolutionsstücke, Hrsg. v. Uwe Wittstock, Stuttgart, 1995, S. 46. Zu Müllers Erwähnung von Susan Atkins, einer der Täterinnen am Cielo Drive, vgl. Heiner Müller, „Krieg ohne Schlacht“, Köln, 1994, S. 294. (6) Zit. nach: Der Spiegel, Nr 49, 28. Jg., 2. Dezember 1974, S. 124 (ohne Angabe des Autors). (7) Die Bibel, Neues Testament, Die Offenbarung des Johannes. (8) Vgl.: Spiegel, Nr. 50, 28. Jg., 9. Dezember 1974, S.110. (9) Vgl. Karl Heinz Bohrer: Die gefährdete Phantasie, oder Surrealismus und Terror, München 1970. (10) Christoph Grunenberg: „Politik der Ekstase: Kunst für Geist und Körper – Von ‚psychodelisch‘ zu ‚psychedelisch’“, in: Ausst.-Kat. Summer of Love – Psychedelische Kunst der 60er Jahre, hrsg. v. Christoph Grunenberg, Tate Liverpool, London; Schirn Kunsthalle, Frankfurt; Kunsthalle, Wien, 2005-2006, S. 14-15. (11) Helmut Salzinger, Rock Power oder Wie musikalisch ist die Revolution?, Reinbek bei Hamburg 1972/1982, S. 195. (12) Walker 2007, S. 182.. http://www.hamburger-kunsthalle.de/manson/catalog/gerlach.htm

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Laudatio für Michael Dörner zum Edwin Scharff-Preis 2006 der Freien u. Hansestadt Hamburg

Preisverleihung am 24. September 2007, Nordhalle der Deichtorhallen

Gunnar F. Gerlach

Meine sehr geehrten Damen und Herren, lieber Michael – Bolisch – eine Laudatio über ein so umfangreiches, vielgestaltiges und reflektiertes Werk, wie es das von Michael Dörner glücklicherweise darstellt, in 5 Minuten zu halten, ist nicht nur unter einem Angemessenheits- und Gerechtigkeits-Aspekt eine schwierige Aufgabe. Der umfangreichen Veranstaltung des heutigen abends gestundet, habe ich mich deshalb dazu entschlossen, die konventionelle Form des kunstwissenschaftlich reflektierten Rede aufzulösen und mich für die Form des persönlichen Briefes mit öffentlicher Lausch-Angriffs-Erlaubnis entschieden. Mein lieber Michael, verbunden mit meinen allerherzlichsten, freundschaftlichen Glückwünschen möchte ich versuchen in gebotener Ver-Kürzung bestimmte wesentliche Aspekte Deiner Arbeit in Erinnerung zu rufen, die auch mir stetige Anregung und Reflektions-Koinzidenz zu weiteren Arbeit waren und sind. Ein Gedanke von Edgar Wind in „Kunst und Anarchie“ scheint dabei auf: „Widerspruchsgeist und Unzufriedenheit standen von jeher den Künsten nicht feindlich gegenüber, sondern begleiteten sie wie Schutzgeister … Wer sich im Leben nichts Höheres zu wünschen vermag als seine Ruhe, der tut gut daran, sich nicht mit Kunst zu befassen.“ In diesem Sinne hast Du dir wirklich alle Mühe gegeben kaum eine gestaltete Form, Kategorie, Gattung oder Reflektion unbefragt zu lassen: Befreiung durch Befragung. Es scheint mir eine unentfremdete Koexistenz von Mentalität, Vermögen und reflektierter Gestaltungs-Kraft zu sein, die Dich prägt als Grenz-Wahrnehmer, Grenzen befragender, auflösender (ja, sprengender) und neu-Ersteller aus auch ethischen und ästhetischen Notwendigkeiten. Hilfreich bei diesem weit über ästhetische und akademische Grenzungen hinausweisende Methode war dabei sicher auch das durch Deinen HfbK-Lehrer vermittelte Wissen – des von uns beiden geschätzten Franz Erhard Walther. Der Zusammenhang von Material-Bestimmung und Auslotung im Verhältnis zu sinnlich reflektierten Wahrnehmungsformen, die zu (auch sozialen) Handlungen im Raum führen und damit auch Haltung dokumentieren: geistig, sinnlich, sozial, politisch und philosophisch. Gegen die normativ gebundenen und gefesselten, einseitigen Ordnungssysteme zumeist der herrschenden Moral, die selten die Moral der Herrschenden ist, sind für Dich Bild, Relief, Plastik, Installation, Architektur zudem ein Verweis auf darin zu entbergende Aktions- und Handlungs-Möglichkeiten, die auch Humor, Spott, Satire und Surrealität vertragen müssen: ein in durchschaubares, farbiges Fruchtgummi gegossener Menschenkopf wird bei Dir zur Tischlampe – verweist auf den Kopf als Ort der Einheit von substanzieller Sinneswahrnehmung und Reflektion und des Nach-denkens als Vor-denken: In der innersten Struktur der Synapsen und Transmitter voller Bewegung, außen jedoch in scheinhafter, fester Form. Augen, Ohren, Nase und Mund sind jedoch gestisch begabt und dienen der Kommunikation über visuelle und akustische Zeichen. Sinne und Denken können sich jedoch untereinander in ihren Erkenntnisformen widersprechen. In Glas und Gummi gearbeitet wird deutlich: das Gehirn, die Tischlampe, leuchtet, weil es sich in Widersprüchen und Gegensätzen – auch des Materials – bewegt. Und dies heißt auch, mit den Worten von Charles William Morris: „Überzeugendsein eines Zeichens ist nicht dasselbe wie seine Wahrheit oder Zuverlässigkeit.“ So, wie wir der Zeichen symbolisch, lieber „bolisch“, bedürfen für den sozialen Austausch, braucht Austausch eben auch Zeichen! Du hast dies bei einer unserer Aktionen sinnfällig formuliert:“ Begriffe manifestieren sich in Dingen und die sind ja aus Material geschaffen…Begriffe tauchen auf, sind da und doch nicht. Und in dem Moment fängt unser Denken an und Sprache bildet sich.“ Auf dieser Grenze „Zwischen Risiko und Einrichtung“ arbeitest Du Bruchlinien heraus, die sich auf elementare sinnes- und geisteserzieherische Aspekte beziehen – gegen Vor-Urteile und falsche, zumindest befragungswürdige, Normen und Konventionen – auch im falschen Leben, um dies mit Adorno auszusprechen. Diese Widersprüche u.a. zwischen Bild, Gebilde, Geflecht und Sprache und ökonomisch-politischen Bedingungen durch kapitalzweckgebundene Bewertungen verursachen auch über den Kunstmarkt einen „Zerrspiegel“ (M. Dörner). Eine Deiner gestalterischen Wege diesem Fatalismus zu entkommen sind ritualisierte Formen der Zusammenkunft verschiedener Menschen und Interessensgruppen im Spiel: eine Überwindung des Dramas der gebrochenen Zeiten, Räume und Lebensläufe durch Erstellung von Gegenräumen. Heterotopia nannte dies Michel Foucault. In diesem Reich der Gesten und Rituale befinden wir uns zugleich und parallel im Bereich autarker und realer Zeichen: Bildformen, Klänge, physische und psychische Bewegungen werden zusammengegossen und heben die Grenze von Trick, Können, Kenntnis und Aufrichtigkeit auf. So kann bei Dir das so völlig zu unrecht als Prolet-Kult desavouierte Skat- und Fußballspiel Kunstform bleiben und wieder werden, genauso wie das Ritual von Speisen- und Tisch-Genossenschaft oder astrologisches forschen mit kathartischem Aufführungscharakter. Hier wird zusammengefügt, was tatsächlich zusammengehört: die Einheit von substanzieller Sinnlichkeit und Reflektion als Bedingung der Wahrnehmung von Widersprüchen zu höherer, sozialer Erkenntnis und Kompetenz. Dies ist auch eine künstlerische Handlungs- und Haltungsanleitung zum Widerstand gegen verführtes Bewusstsein einer einseitig technoid-instrumentalisierten Vernunft. Für mich gelingt Dir so eine sinnliche und intelligente Synthese aus Experiment, Erfahrung und einer nach Vorne gedachten künstlerisch-historischen Rückbesinnung auf die Forderungen hierarchiefreier Versuche und Operationen (Eingriffe) seit dem 19.Jh. bis in die Gegenwart: die ins konstruktiv-alltägliche hineingelagerte Praxis und Theorie als operierende Ko-Operative zur Auflösung begrenzter Realitäten und vermeintlicher Wahrheiten. Es ist mir Freude und Ehre zugleich mit Dir sinnlich, reflektorisch und freundschaftlich verbunden sein zu dürfen. „Crosstown traffic“ von Jimi Hendrix war und ist uns beiden ein wunderbares Weg-Zeichen. Auch durch Deine Weg-Gefährtin und Frau Eva und Eure drei Rasselbanden-Jungs wurde viel ermöglicht: vor allem denke ich, Durchhaltevermögen und Hoffnung in Liebe auch in weniger guten Zeiten. Du hast 2006 im Kunstverein Göppingen einen großen Regenschirm mir Warburg’scher Ritual-Kenntnis aufgebaut – der aus sich selbst heraus regnende Regenschirm. Werk und Katalog sind betitelt „Freut Euch“. Deine Weggefährten tun das sehr. Ich wünsch Dir und Deiner Familie in diesem humorig-gedrehten Sinne einen großen SonnenSchirm… Ganz herzlich Dein Gunnar

http://michaeldoerner.de/texte.html

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Michael Dörner 1994
Bildformen, Klänge, Korridor- und Essens-Gänge, aus Fruchtgummi hergestellte durchsichtige Kleidung als skulpturale Außenhaut, physische und psychische Bewegungen heben auf Zeit die Grenzen von Trick, Können, Kenntnis und Kommunikation auf. Sie werden in eine neue, mögliche andere Wirklichkeit durch irritierende Transparenz transformiert. So können auch das Skat- und Fußballspiel Materialien und Kunstformen werden wie das gemeinsame Speisen. Verbunden mit dem Gedanken der Tischgenossenschaft sind sie reale Handlungsperspektiven zum Erreichen eines hierarchiefreien, anderen Raumes. Substantielle Sinneswahrnehmung, Reflektion und Kommunikation erstellen eine kooperative Basis für eine geheimnisvolle Terra incognita8 und bringen das scheinbar verloren Gegangene, abenteuerlich Unbekannte und Unheimliche, dessen wir bedürftig sind, zurück. Dem muss sich Kunst nach der „Ästhetische(n) Theorie“ von Theodor W. Adorno verpflichtet fühlen: „Alle Kunstwerke, und Kunst insgesamt, sind Rätsel; das hat von alters her die Theorie der Kunst irritiert. Dass Kunstwerke etwas sagen und mit dem gleichen Atemzug es verbergen, nennt den Rätselcharakter unterm Aspekt der Sprache. Er äfft clownshaft; ist man in den Kunstwerken, vollzieht man sie mit, so macht er sich unsichtbar; tritt man heraus, bricht man den Vertrag mit ihrem Immanenzzusammenhang, so kehrt er wieder wie ein spirit.“9 Den Spirit von Michael Dörner bildet die sinnliche und geistreiche Synthese aus Experiment, Erfahrung, Erkenntnis und Erfindung zwischen Innen und Außen. Sie ist einer ins Utopische gedachten, künstlerisch-intellektuellen Rückbesinnung geschuldet und transformiert die Versuche und Operationen zur Gewinnung hierarchiefreier Räume und Kommunikationen: die ins Alltägliche hineingelegte Praxis und Theorie der Kunst als Kooperative aller Prozessbeteiligter zur Gewinnung eines neuen Spielraumes. Hier können dann die Räume, Köpfe, Städte, Formen und Inhalte wieder strahlen: in heimlich-unheimlicher Transparenz und Transzendenz.

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1 Zitiert aus: Franz Erhard Walther. Mit dem Körper sehen, Ausst.Kat., Kunstsammlung Gera, 1997, S.19.
2 Veronika Schöne, Eine andere Ordnung der Dinge, In: Michael Dörner „heimlich“-Installationen und Aktionen
zwischen Risiko und Einrichtung, Ausst. Kat. Art Kite Museum, Detmold, 2003, S.7.
3 Vgl. Gunnar F. Gerlach, Assoziationen zum Skat als Spielform zwischen Schein, Sein und Kunst. In: Ausst.Kat.,
Michael Dörner „bolisch“, Kunstraum Elbschloss, Hamburg, 1997.
4 Vgl.: Erwin Panofsky, Et in Arcadia ego […] (1936). In: ders., Sinn und Deutung in der bildenden Kunst, Köln,
978, S. 351ff.
5 Vgl. M for M, Ausst. Kat. Stedelijke Museum voor Actuelle Kunst, Gent, 2007, S. 49 ff.
6 Vgl. Dörners begehbaren Installationen im öffentlichen Raum seit 2001 wie „Lolita“, Gesamtschule
Hohenlockstedt, 2007; Denkmal für den HSV, Rothenbaumchaussee / Hallerstraße, Hamburg, vorauss. 2008.
7 Wladimir Tatlin, Denkmal der III. Internationale, 1919/20.
8 Vgl. nordskulptur: licht, Ausst. Kat. Neumünster, 2007, S. 20f.
9 Theodor W. Adorno, Ästhetische Theorie, Frankfurt a. M., 1980 (4. Aufl.), S. 182f.

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[PDF] Michael Dörner,

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der Kunstformen von Michael Dörner, Gunnar F. Gerlach …. der „Ästhetische(n) Theorie“ von Theodor W. Adorno verpflichtet fühlen: „Alle Kunstwer-
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wagenlenker-invertiert-stange“Der Wagenlenker von Delphi”

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Von Gunnar F. Gerlach

Dialektik der Entsteuerung

Es gibt sozusagen zwei Motive, die ich der Dialektik der Entsteuerung voranstellen möchte und zwar den kleinen Versuch, die scheinbare Ordnung der verordneten Diskurse mit konstruktiver Störarbeit in kritischer Idylle gegenzuverwirren.

Ich beginne mit drei Zitaten:

1. Johann W. v. Goethe
2. André Breton
3. Theodor W. Adorno

Altmeister Goethe sagt 1805 in den Annalen oder Tag- und Jahresheften:
Was hilft es, die Sinnlichkeit zu zähmen, den Verstand zu bilden, der Vernunft die Herrschaft zu sichern – die Einbildungskraft dauert als der mächtigste Feind. Sie hat von Natur einen unwiderstehlichen Trieb zum Absurden, der selbst im gebildeten Menschen mächtig wäre gegen alle Kultur, die Anstand und Hoheit Fratzenlügner bildend, mitten in der anständigen Welt wieder zum Vorschein kommt.
Fast 150 Jahre später, 1941, fordert André Breton, zu der Zeit hart attackiert von den hardcore-Leuten der kommunistischen Partei: Was nützt uns diese Vernunft, wenn sie von einer Generation zur nächsten nur in den Wahnsinn neuer Kriege führt.

Zitat 3 – Theodor W. Adorno in “Meditation zur Metaphysik”, 1966, Teil übrigens der “Negativen Dialektik”:
“Was einmal der Geist als seinesgleichen zu bestimmen oder zu konstruieren sich bemühte, bewegt sich auf das hin, was dem Geist nicht gleicht, was seiner Herrschaft sich entzieht und woran sie doch als absolut Böses offenbar wird. Die summarische sinnferne Schicht des Lebendigen ist Schauplatz des Leidens, das in den Lagern alles Beschwichtigende des Geistes und seiner Objektivationen der Kultur ohne Trost verbreitet. Unbewusstes Wissen flüstert den Kindern zu, was da von der zivilisatorischen Erziehung verdrängt wird ins ” was ist das?” und “wohin geht es?”.

Ja, genau das ist die Frage: “wohin geht das” und “was ist das” und was soll diese kleinen assoziativen Gedankenschiffchen in drei kleinen Ausfahrten auf das ungewisse Gewässer lenken, steuern und navigieren.

Der 1. Punkt wäre dann die Frage: zu welchem Ziel und Zwecke steuern, lenken und navigieren wir in geistigen und künstlerischen Angelegenheiten zur Zeit und welchem dialektischen Prozess, Sinn einer Dialektik der Aufklärung, müssen wir dabei begegnen?

2. Was leitet und lenkte mich persönlich in meine künstlerisch, philosophische Projektarbeit in die Irrenanstalt nach Bedburg – Hau, in die Umgebung von Joseph Beuys und den Begriff der sozialen Plastik.

Und 3.: Welche Zwischenergebnisse lassen Ableitungen für eine andere, künstlerisch philosophische und vielleicht sogar kunsttheoretische und kunsthistorische Praxis treffen.
Beginnen wir also, etwa analog zu Silke, mit dem Versuch, aus der Etymologie sozusagen, eine Grundsteuerung zu erkennen. Da wir das bei Silke gehört haben, verkürze ich das sehr stark: lenken – tatsächlich zu lank und lache – kommt eben auch von Hüfte und Gelenk und dessen Wirkung ist ungeläufig, dass es eben auch vom Geh-Lenk kommt. Joseph Beuys, erinnere ich nur: ich denke sowieso mit dem Knie, sagte er übrigens als eine Studentin während eines Vortrages im Getümmel gegen ihn fiel, ihm fast das Bein zerbrochen hatte, am Kniegelenk hängen blieb mit ihrer Schädeldecke. Das ist schon spannend…
Steuer von stiura, mhdt.. Bedeutung ist zunächst Stütze und Unterstützung und ziemlich kurz danach – Steuer, Ruder – und natürlich dann späterhin – Silke (Peters) hatte auch schon drauf hingewiesen – im Zusammenhang mit dem Schiff – also das Steuerbord, die rechte Seite des Schiffes lenken.

Das würde mich jetzt assoziativ noch mal wieder an Noras Vortrag über den Wagenlenker erinnern, wozu ich jetzt nichts ausführen werde, weil ich dazu demnächst ‘ne größere Ausstellung kuratieren soll zum Thema der Navigation.
Ich erinnere nur daran, dass Mythologisches bei Heraklit – so in der Aeneis -, dass der Steuermann nämlich, auftaucht. Der heißt Palinurus. Palinurus ist jener einzig befähigte Steuermann, der mit Aeneas nämlich gen Rom in Italien segeln kann, wo keiner die Gewässer kennt, und mit dessen Glück Aeneas zu dem wahnsinnigen Plan der Gründung eines Weltreiches aufbricht.
Allerdings, kurz bevor sie sozusagen in die Untiefen geraten, verlässt der Steuermann das Schiff.

Und Vergil gibt 5 Thesen an. Eine davon ist u.a.: Aeneas hätte seine damalige Freundin, die er heiraten wollte, so schlecht behandelt, dass es dann dem Palinurus peinlich war, das mit anzusehen, dass so ein Typ dann auch noch ein Weltreich gründen soll.
Immerhin erfahren wir aber dadurch, dass das Problem des Steuerns und Lenkens immer auch im Zusammenhang mit dem Schiff und dem Ziel eben bestimmt war und dass das gar nicht so ist, wie wir das eigentlich denken.
Dieser Zielpunkt nämlich ist ja auch ein “Erziehen”. Etymologisch Erziehen und zielen geht ja unmittelbar zusammen. Da gibt es einen berühmten Mann namens Bazon Brock, der hat sich auch schon die Frage gestellt, wer erzieht eigentlich die Erzieher?, die ja auch Autor, autorhaft, autooperativ gelenkte Systeme sind.

Wenn wir also den Begriff der Navigation bestimmen und Einhal- tung des Kurses – fast sprachlich dem 16. Jhdt. entlehnt -, so lateinisch navigatio, navigationis – die Schifffahrt, also navigare – schiffen, segeln, fahren zu navis – Schiff und zu agere – in Bewegung setzen. Zunächst in mehr allgemeiner Bedeutung verwendet, dann Spezialisierung auf das Wort Nautik und basiert tatsächlich auf dieser Entsprechung von griech. naūs, nauti.

Dann käme man dazu: mit welchem Schiff schwimmen wir eigentlich auf dem schmalen Grat zwischen Vernunft und Wahnsinn. Symbolisch in der Kunstgeschichte hat das Schiff ja folgende Bedeutung – auch religiös – die Arche Noah als Hort des Lebens und der Hoffnung in einer sonst wüsten Welt, sozusagen als Symbol Mitglied zu werden auf diesem Schiff, durch das das Leben gerettet werden kann.
Die Analogie kennen wir auch. Sie wird für jeglichen Sakralbau auch heute noch mit den Begriffen Mittel-, Quer- und Seitenschiff verwendet.
Die Fahrt mit dem Schiff wird dann häufig auch als Lebensweg interpretiert. Der Steuermann ist auf den Schutz, die Gnade Gottes angewiesen, der ihm die richtigen Winde schickt und ihn vor Unwettern schützt.

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Frage bleibt dann: Wohin das Ganze?

Wir haben mit diesem Schiff auch wieder abendländisch eine doppelte Bedeutung, nämlich mit der schönen Metapher bei Michèle Foucault, mit dem Narrenschiff (stultifer navis), aus der er auch die literarisch, philosophisch, bildnerische Wirklichkeit seit dem 15. Jhdt. angenommen hatte. Nun weiß die neueste Forschung, dass unser Bild ein etwas falsches…- Foucault war nämlich davon ausgegangen, dass sich hier nun genau jene fatale Herrschaft, die wir heute im Kapitalismus haben, dokumentiert – weil die, die anders sind, auf die Schiffe gesetzt werden – ohne Steuermann – um hier in den elenden Tod einfach entsorgt zu werden, also so eine Art frühes KZ ohne Steuermann.

Die psychoanalytische Forschung hat nun herausgefunden, dass es sich dabei, bei diesem Narrenschiff, tatsächlich um eine Metapher handelt; denn das sei eher früheren Fastnachts- und Karnevalsbräuchen zugestanden gewesen, dass sich Leute verkleiden. Nichtsdestotrotz halte ich insofern gerne an dem Gedanken des Narrenschiffes, das sein Ziel sucht, fest: ein ZIEL, mhdt. zil, wird dabei deutlich vorausgesetzt, ein Ziel und erreichen, aber auch das Bestellen des Feldes und sich beeilen. Und es steht etymologisch im Zusammenhang – und das finde ich wichtig – mit dem Lebensende und dem Tod und dem Wort für passend.

Mit Hüfte und Gelenk stetig ans Lebensende denkend versuchen wir, uns in Bewegung zu setzen, um Passendes zu finden, passend zu der Fest- und Fragestellung: Was ist Verstehen und Verständnis als Zielbestimmung unter der Voraussetzung des Satzes von Adorno, dass es kein wahres, bzw. richtiges Leben im falschen Leben geben könne?
Dies ist bei ihm logisch und folgerichtig hervorgegangen aus Überlegungen, die Moderne und Modernität im Sinne z.B. Beaudelaires kennzeichnen, mit den Worten Henry Lefèbres “in der gesellschaftlichen Praxis brechen heute die Bilderwände auf zwischen dem Spontanen und dem Abstrakten, zwischen Natur und Technik, zwischen Natur und Kultur. Deren Verhältnis ist ausschließlich im Rahmen eines dialektischen Konfliktes zu erfassen.”
Da diese Art mit dialektischen Betrachtungen aus politisch-ökonomischer Ideologie des Turbokapitalismus ausgegrenzt wird, befinden wir uns also innerhalb der zum Unverständnis und zur Wertelosigkeit entgrenzten globalisierten Zeichensysteme, die uns vermeintlich verwirren sollen: Konsum- Freiheit als Frustbewältigung zur eigenen Unmündigkeit. Der Autor steuert nicht mehr sich selbst, also quasi, um einer komplexen und komplizierten Fahrwassermarkierung zu entgehen.

Also wenn er nicht mehr den Weg richtig oder falsch oder dagegen oder dafür geht und die sog. Normalität bezeichnet, also eine Norm, die längst keine mehr ist, was ist dann unnormal, was ist dann gesund und was ist dann krank und was bedeutet dies dann für eine künstlerischen und philosophische Praxis, die um die hegelsche Tatsache, aus der nur zweifach wahr ist, das nur insofern etwas in sich selbst einen Widerspruch hat und Widerstand leisten kann, das Antrieb und Tätigkeit besitzt. Ferner, dass Autonomie im Sinne einer Erziehung zur Mündigkeit, – Selbststeuerung als kreative Fähigkeit -, nicht mehr vorhanden ist und auch verbindliche Ziele der Ethik und Ästhetik der Subjekte Platz machen müssen für eine Objektivierung von Produktion.

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Ware und Person als Warenobjekte

In diesem Zusammenhang – möchte ich kurz ausführen -, ein wunderbarer Aufsatz von Jean Beaudrillard über die Absolutheit der Ware, wo er auf geniale Art und Weise darauf kommt, dass Beaudelaire der wahre Vorgänger von Andy Warhol ist.
Die gleiche Tragik, die sich daran anknüpft, wenn Menschen schon nicht mehr zwischen Subjekt und Objekt unterscheiden, wie es in Noras Ausführungen ja auch ganz klasse zur Sprache kam.

Dann muss man das natürlich auch weiterfragen, was wir überhaupt von Kunst und ihren Gegenständen haben wollen.
Wenn nämlich Objekte Objekte machen, müssen wir uns vom Begriff des Subjektes natürlich verabschieden und dann würden wir uns innerhalb einer neuen Logik einbezogen finden, die dann natürlich erst recht, sozusagen, die Frage stellt, was ist dann Werbung, was ist dann Objekt, was ist ‘n Produkt und was ist dann noch Kunst, vor allem freie Kunst, wenn – dann noch angehängt – der Begriff der freien Kunst sowieso abhängig ist von einem Begriff der Freiheit, der aus der Renaissance kommt, also aus dem 15./16. Jhdt., nämlich der neoplatonischen Akademie zu Florenz und schon lange gar nichts mehr mit unserer Bestimmung von a) frei und b) Autonomie zu tun hat.

Dazu habe ich auch mal ‘nen Aufsatz geschrieben. Da geht es darum, wie wir Duchamps und den Gedanken des ready mades eigentlich weiterdenken müssen. Wenn also die gefakte Signatur als Steuerungsmechanismus “dies bin ich selbst” oder bei Goya “Io lo visto” – ich habe dies gesehen – den Krieg, Euren Wahnsinn, Eure Paradoxie, Eure Scheiße auf deutsch gesagt, und ich als Künstler habe immer noch die Autonomie, dies einfach wiederzugeben, dann muss man sich natürlich fragen, was jetzt innerhalb von eigentlich nur 150 Jahren eigentlich wirklich passiert ist, dass sozusagen hinterm Berg fast jeder verschwindet, sodass wir mit Recht a) sagen können: sehr häufig ist mittlerweile das Werk klüger als der Autor, also der sich selbst steuern will, und zweitens mit Heiner Müller: “ganz häufig ist dann auch noch die Metapher klüger als das Werk”.

Wenn also die nun bekannten herkömmlichen Wege, Pfade und auch Sehwege im doppelten Sinne so vom Rudern und Steuern als vom mal-so-gucken besetzt sind, können wir in unserer von außen idealökonomisch und politisch verordneten Steuerlosigkeit diese vielleicht konstruktiv dialektisch als Instrument be- nutzen.

Wir nutzen das Missverständnis, das zumeist negativ bewertet wird, und beginnen einen konstruktiven Nutz- und Spielraum fruchtbar zu machen.

Missverständnisse nutzbar zu machen – da gibt es ein wunderschönes kunsthistorisches Beispiel: Als der großartige Wiliam Morris <zum Kern seines Ansatzes kam, Anm. E.S.>, noch sogar kurz bevor er die Arts- and Crowd-Bewegung gegründet hat, (in der Hoffnung sozusagen, eine Kunde von Nirgendwo, also Nirgendwo noch gedacht als Utopia, zu verwirklichen, indem er die Künste enthierarchisiert und den geistigen Mittätern sozusagen am Gesamtgebilde des Gesamtkunstwerkes eine gleiche Stellung einräumt, also dem kleinen Glasschneider die selbe Stellung sozusagen wie dem großen Architekten oder dem hervorragenden Maler, aber auch dem Schnitzer für irgendein Geländer) – da ist nämlich das Missverständnis aufgetreten, dass er durch die Verkehrung des Mittelalters als einer nahezu harmonischen Tauschgesellschaft eigentlich auf die Idee kam, <Folgendes zu formulieren Anm. E.S.> – sozusagen zur Enthierarchisierung und diese Gedanken sozusagen in einem sozialen Mittelweg sah zwischen Bakunin, also freie Assoziation der frei Assoziierten contra Marx – , der Behauptung eben, wir brauchen eine vermittelnde Institution. Er nannte sie Partei, die Menschen erst in diese Höhe tragen muss. Da kam jener Gedanke her, der späterhin in dem sogenannten Arbeitsmarkt für Kunst 1919 – Gropius – Caesar Klein / Hamburger Maler und Bildhauer – und dann zum Bauhaus geriet.
Wir gehen den Weg in die kritische Idylle mit einer tradierten, aber wirksamen Kraft, der sogenannten, aber oft désavouierten ‘Innerlichkeit’ als Störarbeit im Heineschen Sinne. Als Ort und Gegenort zugleich begegnen sich nun in der Wildnis als Restnatur, und im wilden Denken als contralogischem Humus zwischen Geflecht und Gestaltung, Gegenwelten. Idealität und Realität in Riss und Lücke, Bruchlinien und Abgründe, über die wir ein gespanntes Seil der Hoffnung spannen.

Michèle Foucault prägte hierfür den Begriff: Heterutopia, Orte, die in einem realen Raum Räume bilden, die unvereinbar schei- nen und nur im Übergang fassbar sind. Denken heißt Überschreiten sagte Ernst Bloch und heißt es auch für Foucault – also unsere Discursebene sozusagen- : was ist Philosophie heute, ich meine “philosophische Aktivität”, wenn ich die kritische Arbeit des Denkens an sich selber, den Auto-Autor und wie weit es möglich wäre, an das zu denken. Also arbeiten wir seit Kant nicht nur mit der Arbeit an den Kategorien und der Differenzierung, sondern auch mit der Innerlichkeit als Bedeutungsinversion, die der kapitalsverordneten Schizophre- nie, wie es bei Déleuze und Guattarie zu lesen ist, vergleichbar ist. Also eine surreale Praxis, d.h. sich selbst rhizomatisch zu entwickeln.

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Auf nach Bedburg-Hau

*”Eine merkwürdige Reise in die innere Mongolei mit Ausflügen zu Erlebnis-Freiheitsparks, Gehegen des Wilden und der Tollheit – eine Phantasmorgie über Geschehenes, Gesehenes, Gespürtes, Gedachtes und Geglaubtes.”

Vorausgesetzt habe ich damals-, und das möchte ich noch erwähnen, wir haben dann überlegt, kann man einen Katalog machen, wenn man zweieinhalb Wochen mit 15 Leuten sich ständig in dieser Fragestellung bewegt: wer ist innen, wer ist außen. Keiner weiß mehr genau, warum wer grinst, warum wer stolpert, holpert, ist es ein Arzt, ein Freigänger, ein Entflohener, ist man selbst schon drin? Man begegnet Menschen, die sind genauso monomanisch sich selbst vorbringend und spinnen, wie man selber und was markiert den Unterschied? Also dachte ich mir wieder, zwei Motti müssen dem Ganzen vorangehen: “Wahr sind nur die Gedanken, Gedanken, die sich selbst nicht verstehen” (Adorno)
und – mein Lieblingssatz – Max Ernst – “Man muss die Realität nicht so sehen, wie ich bin.”

Anfahrt: Schneeregenmatschiges Grau bei einbrechender Dämmerung an den Gestaden des Niederrheins kann eine zarte Farbe der Erwartung sein: bizarre Konstruktion einer Stadt- silhouette mit Hafenhang, die aus mittelalterlicher Burg- und Kirchenarchitektur ihre eigene Höhe ins Licht industrie- städtischer Architektur eines ausgehenden Jahrtausends speist.

Sichern die erstaunten Augen die Spuren des atmosphärisch-geografisch bedingten Mystizismus zwischen Schmerzensmännern und letzten heiligen Josephs und Hanns Dieters?
Entstanden in diesen heiligen Gefilden die letzten poetischen Gedanken, die ein Hagenbuch wieder einmal, neulich, zugegeben hat? “Wer nicht denken will, fliegt raus” und “ohne Rose geht hier gar nichts mehr” als letzt Aufforderung und Mahnung nicht nur an die Deutsche Bank, sondern auch an jene nicht ge- und benannte, zumeist willkürlich und selbstverleugnend lebende, amorphe Masse, die sich Staat nennt. Nation oder Bevölkerung? Anfahrten ins Nichts wecken zumindest keine Erwartungen. Und doch verführt ein Name wie ,Emmrich’ dazu, reflexartig eine linke Klebe mit Aussenrist von der linken Eckfahne des Feindterrains in den hintengelegenen, entgegengesetzten und damit entlegensten Winkel vor dem inneren Auge zu sehen: “Ecken// Winkel // Cézanne// Dank” verdichtete einst der Meister der Holzwege und etymologisch / existentialistischen Entschlüsselungskunst im Prozess substantieller Wahrnehmung und innerem Verständnis gegenüber und mit dem großen Berggucker, der das Immergleiche ins Immerneue, Poetische der Malerei erhob. Mit der linken Klebe Einkehr, rechte Heimkehr nach Kleve – durch sinnliches Grau nach Bedburg – Hau.
Weites Land heißt nicht “waste land”, liegen aber hier in der Blickempfindung nahe beieinander. Melancholie bei der Wahrnehmung des Immergleichen hat auch schöne Seiten. Zu schöne, wie sich bei Gewahrwerdung eines kleinstadtgroßen Gebietes herausstellt. Bizarr wie stahlgläserne Wolkenkratzer im schnee-romantischen Hochgebirge zur Weihnachtszeit: eine idyllische Feriensiedlung, ästhetisch zwischen bäuerlichen Schwarzwaldhöfen und Blockbauten schwebend, in denen Ferienmachen möglich schiene? Langsam, sehr langsam kriecht Argus in die Iris, erspäht die geschickt getarnten Drähte von Verschlägen, Zäunen, Käfigen. Camouflierter Stacheldraht schafft jene eben nicht mehr semipermeablen Lamellen, die zwischen Innen und Außen zwar augenscheinlich nur schwer zu scheiden vermögen, in der steinharten Realität aber nicht nur Welten, sondern Weltanschauungen und ihre resultierenden Verhalten, Haltungen und Handlungen ideologisch trennen.
In aller Ambivalenz zumindest im Vorschein entstehen Orts- und Menschenassoziationen. Nicht enthalten allerdings jenes heroisch-erotische Toxicologicum surrealer Provinienz, das aus dem schwer verifizierbaren Augensinn die steingewordene Tatsache einer Irrenanstalt macht. Und doch hier scheint seit 96 Jahren der deutsche Wald eine heilsbringende Metapher geworden zu sein…..

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Aufnahme

…Was wohl die Unfreiwilligen und unfreiwilligen Freigänger seit 1908, dem Baubeginn der Rheinischen Kliniken, für ein Wohlbefinden des Freizeitgefühl mit sich rumgetragen haben und weiterhin tragen? Mythen über Mythen: Wald, Wiese und Flur, Wanderer, Via Romana, Antoniusorden vom heiligen Antonius, Joseph Beuys (und die Gebrüder van der Grinten) und der Rhein – schon immer der mythologisch, mystisch und romantisch rauschhaft nährende Strom der Dichter, Denker, Meistermaler…”Die Zeit vergeht, die Erinnerung bleibt”…”Menschen, die wir lieben” // bleiben für immer, // denn sie hinterlassen Spuren // in unseren Herzen”…”Du hast die Welt nicht mal gesehen //und musstest doch schon von uns gehen. // Mußt einen langen Weg beschreiten // auf dem dich niemand kann begleiten //……“Mit den Flügeln der Zeit fliegt die Traurigkeit davon” schrieb Jean de la Fontaine….

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Führung

…Und sei auch kein materielles Wesen nur aus sich selbst heraus tätig, wie Jean-Jaques bereits es erkannte, fährt er doch fort, dies gleich wieder in eine poetische Ambiguität – der auf Handlung gerichteten Erkenntnis im Verhältnis zu einem möglichen Subjekt zu betrachten, denn der redliche Mann, wie er ihn sich vorstellt, ist ein Kämpfer, der am liebsten nackt streitet. Auch die Masken und Rollen – Verschwiegenheit, Verstellung und Vorstellung – sind nur Instrumente der Macht. Von einem “ich aber bin es” zu einem “je suis un autre” liegt eine hauchzart -güldene Folie künstlerischer Technikbeherrschung als Mittel, Medium – nicht Selbstzweck.

Und Technik ist mit dem frischen Max ein Kniff, ,die Welt so einzurichten, dass wir sie nicht erleben müssen’. Was für eine tief empfundene Sicht auf das Leben: “Aufatmen” -die Verzweiflung wechseln. Das Auto fährt allein”! Und sie reisen und kreisen in Kreisen: in Reisekreisen.
Vertikale Kreisel, teleskopische Kegel: Wahrnehmungen der Veränderungen in der Längsneigung. Richtungskreiseln. Korrektursignale zu Quer und Seit und Hoch: der Auto(r)pilot als Operateur im unsichtbar Sicht- und Sinnbaren und -lich(t)en. Es gibt keine Gespenster in Bildern – nur Geist, der zwischen schmerzendem ‘ICHundWELT’ und rauschhaft-euphorischem Erfahren von “der ganze Wahnsinn auch ohne mich und Ich” oszilierend, ein zu bergender und entbergender ist. Gottfried Benn spricht friedlich aus der Höhe heilenden geiste(rn)s:

“Tauchen musst du können, musst du lernen,
einmal ist es Glück und einmal Schmach,
gib nicht auf, du darfst dich nicht entfernen,
wenn der Stunde es an Licht gebrach. “

Aus diesem kurzen ,Dazwischen’, nämlich inter-esse, also dem “Dazwischen” sage ich also dem Zeichen/Bezeichneten einen letzten Rest von selbssteuerndem Trieb mit gestalterischer Selbsttätigkeit zu. Ganz so, wie es vielleicht dieser Tage in einer fröhlich humorvollen Entgrenzung von Kapital und Spiel, von Fieber und Wahn für das Spiel mit dem Fußball erlebbar ist. Noch einmal König Fußball:
Sein Geburtsjahr wird ja allgemein mit 1863 angegeben. Doch schon Shakespeare warnte vor der Brutalität des Spiels:

“Fortrollen soll ich. Bin ich denn ein Ball, den man mit Füßen tritt und vorwärts stößt, hin und rück und nach Lust schlägt mich ein jeder? Soll das noch lange Zeit währen, so näht mich erst in Leder.”***

Und ungeachtet der Verletzungsgefahr meinte ein uns allen bekannter 1759 geborener Regimentsmedicus – wir würden heute Mannschaftsarzt sagen – ;

“Wort gehalten wird in jenen Räumen
jenem schönen gläubigen Gefühl.
Wage du zu irren und zu träumen.
Hoher Sinn geht oft mit kindschem Spiel”.

Und in diesem Zusammenhang wird bei Platon u.a. der Begriff der “Heiligen Scheu” eingeführt.

Diese Spielform also, antik zwischen Agon und Illings, ist die in Bewegung und Prozessualität des wechselseitigen Kampfes sich bedingender Temperamente und Kräfte von apollinisch und dionysisch im Sinne Nietzsches.
Kraft, Gedächtnis und Einfallsreichtum, also Agon, gegen oder in Rivalität zu Rotation und Fallbewegung, die in sich selbst einen organischen Zustand der Verwirrung und des außer sich Geratens – extasis – erreichen sollen mit dem Ziel, zu einem reflektierenden Selbst in dem Begreifen und Verstehen notwen- diger und sozialer Abhängigkeiten zu gelangen. Also wie im Spiel.

Soziale Kompetenz des Steuerns wird so über die Dialektik der Entsteuerung zu einer künstlerischen und philosophischen Haltung und – hoffentlich – immer wieder auch zu einer Handlung.
Und hier müsste eigentlich ein Plaidoyer der operativen Kunst im Sinne Sergej Tretjakovs folgen, aber davor möchte ich Euch bewahren.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit. (Vortrag im Einstellungsraum e.V)
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* Gunnar F. Gerlach:
Aufatmen – die Verzweiflung wechseln
12 Künstler in der Anstalt
Hrsg. Uwe Schloen
Huck – Finn – Verlag Amsterdam, Hamburg 2005

***W. Shakespeare: Komödie der Irrungen, 2.Akt, 1. Szene, Dromio.

Einstellungsraum e.V. (Transcript Elke Suhr) […] >

https://medienwatch.wordpress.com/2009/01/09/einstellungsraum-gunnar-f-gerlach-dialektik-der-entsteuerung/

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Vortrag von Gunnar F. Gerlach Ort: Gustav Heinemann – Bildungsstätte; Vortrag gehalten im Rahmen einer Tagung der “Erich Mühsam Gesellschaft” (Lübeck) 1996

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Modelle operativer Kunst zwischen Avantgarde und Anarchismus Überlegungen zum Verhältnis von Kunst und Politik.

“Wie lange wollen Sie noch beim ersten Schritt bleiben?” (Joseph Beuys)

+ [Einführung] in die Gesellschaft für operative Kunst, GfoK =

https://medienwatch.wordpress.com/gesellschaft-fur-operative-kunst/

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Gunnar F. Gerlach

Gebastelte Gebilde und gebildetes Gebastel

Eine Ideenskizze zu den plastischen (Kunst)Geschichten von Nils Knott

„Er versicherte mir, daß ihm die Pantomimik dieser Puppen viel Vergnügen machte, und ließ nicht undeutlich merken, daß ein Tänzer, der sich ausbilden wolle, mancherlei von ihnen lernen könne.“ Heinrich von Kleist, „Über das Marionettentheater“

„Darunter zeigte das zweite Relief dieselbe Unbekannte, wie sie in einem prächtigen Saal saß und aus der aufgetrennten Naht eines reich bestickten Kissens eine rosarot kostümierte Puppe zog, der ein Auge fehlte.“ Raymond Roussel, „Locus Solus“

Die ideologisch verklärte, rational-technoid bestimmte Gegenwart mit ihren, auch brutalen, ökonomischen und politischen Konsequenzen für alle menschlichen Bereiche, schreit nahezu nach Gegenentwürfen – besonders aus dem Geist der Künste (Musik, bildende Kunst etc.). Die im folgenden aufscheinenden Ideen zu der Kunst von Nils Knott, gehen aus von dem Staunen über seine plastischen Erzählungen und Erfindungen im Gewande der Kunst und der formschlüssigen Spiel- und Erfindungsfreude doppeldeutigen Maskenspiels zwischen Tragik und Kömmödie, Ironie und satirischer Energie. Die vielgestaltige und vielgesichtige Welt der Plastiken, Arrangements und Szenarien des 1973 in Münster geborenen Künstlers geben Auskunft von einer grenzüberschreitenden Kunstform, der tatsächlich jedes „Ding“ als Experimentier-, Spiel- und Assoziationsmaterial dienen kann. Diese individuelle Spiel- und Kunstform der neo-surrealen und assoziativen Kunsterzählungen, speist sich aus unterschiedlichsten Quellen, sowohl des Materials, als auch des erzählerischen und gestalterischen Formwillens: traditionelle, handwerkliche Bestimmungen aus der Kunstgeschichte treffen dabei auf grenzüberschreitende Maßnahmen seit der Kunst der 60er Jahre, integrieren den Spirit und die Ästhetik von avantgardistischer Rockmusik genauso, wie Impulse aus DaDa, Collage, Comic, POP und Politik.

https://medienwatch.wordpress.com/2009/07/12/westwerk-%c2%bbdie-silberne-stadt%c2%ab/

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PRESSEMITTEILUNG: G(ebt) 8(cht)! zum Segeln und Kegeln

Adorno segelt mit…

http://www.flickr.com/groups/kunst-trifft-g8/discuss/72157600307205463/

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Adorno „Dialektik der Aufklärung“ etc. zum 40. Todestag

https://medienwatch.wordpress.com/2009/08/06/dialektik-der-aufklarung-vor-40-jahren-starb-der-philosoph-theodor-w-adorno/

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Bildarbeit | Animation: jörg stange | gfok

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August 6, 2009 at 11:18

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Meta-Matrix-303-Memo(s): Eben als… etc.

with one comment

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Memo | Pressemitteilung.

Gesellschaft für operative Kunst (Gunnar F. Gerlach + Jörg Stange) Society for operativ Arts demonstriert(e) am 31.05.000 ab 20.00

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„Operation in Production – Revolution Triple O“

Nach den Ein-Stellungen und Aktionen „ero[t]ica toxicologia“ (Künstlerhaus Weidenallee, Februar 2000) und „Re:Duchamp“ (Kulturbahnhof Bremen, Lubelsky Galleries New York, etc.) nun der dritte Teil eines An- und Um- und Drunter- und Auf-Liegens, Stehens und Handelns in der Anderwelt.

Auf der Basis einer von dem Kunstwissenschaftler, Dozenten und Kurator, Gunnar F. Gerlach, erarbeiteten Theorie, gegenwärtig sich logisch und kohärent entwickelnder Prozesse, im neu zu definierenden Kontext der Kunst ( auch im Sinne einer anonymen Kunst-Produktion mittelalterlicher Mönche bis hin zu u.a. Gustave Courbet, William Morris, Marcel Duchamp, Sergej Tretjakov, KP Brehmer und Joseph Beuys), die ihre spezifische historische Verankerung besitzt, stellt sich seit der unfreundlichen Übernahme von Wort und Bild, durch Medien- und Militär-technologische-Strategien nunmehr die Frage, nach dem Eigentlichen der Kunst in Gegenwart und Zukunft.

Die Zusammenführung der Zeiten in postmoderner Ideologie, Verblendung und Ausblicks-Möglichkeit (Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in Einem) bietet- positiv betrachtet und gedacht- eine Chance nun endlich zusammenzuführen, was jahrhundertelang von den ökonomisch-geistigen hierarchischen Führern bekämpft wurde: eine organische soziale Theorie und Praxis in Haltung und Handlung einer sokratisch und ethischen „Nicht-Wissen-Können“s – Weisheit.SOFI, die (Schutz)Heilige von Wahrheit, Wissen und Weisheit, breitet ihre Flügel aus:

SKYFLY!.

In diesem Sinne handelt die Gesellschaft für operative Kunst in Prozeßen der tatsächlichen Rest-Humanen und avantgardistischen Traditionen und Systeme, sieht die „Kunstwerke“ an der Wand und im Raum als AB-Glanz und Vor-Schein einer bewussteren geistigen, ökonomischen, gestalterischen und philosophischen Haltung.

Die Repräsentanz der Gebilde, Gebäude und Gewirke ist Zeichen einer erweiterten Sinnlichkeit und Erkenntnis, (Chiffre: Kegel= von der Alchemie zur Erotik und Philosophie als erweitertes Wahrnehmen, -Sehen, Sprechen, Hören, Fühlen-) die mit assozierten Kräften (Energien) aus anderen Feldern verknüpft werden:

Sprache, Denken, Musik, Computer, Film, Kunst- Gespräche,Vorträge zu einer gereinigten Einstellung statt egomaner oder gar narzistischer Ausstellungspraxis in Matrix und Kontext.

Die Mithandelnden sind bei diesem Fest:

Michael Dörner (bolisch), Ralph Jurszo, Peter Boué, Berndt Jasper, Hannes Wienert, Ninebyte und Gäste. Diese hinzugewonnenen Kräfte bilden eine Anderwelt der energetischen Erweiterung. Zur Theorie & Praxis, Aktionen, Planungen etc. der Gesellschaft für operative Kunst kann in unseren Räumen (Studio e, Claus Cohnen II. Stock, Mexikoring 33, ehemaliges SAT 1 Studio) am 31.5 und 1.6.000 nachgefragt werden.

(siehe auch u.a. unter: http://www.kuenstlerhaushamburg.de/ausvor.html http://transfer.to/eroticatoxicologia, ® im Internet. http://www.kuenstlerhaushamburg.de/austaus5.html)

© Gunnar F. Gerlach, Jörg Stange

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Eben als…

Er betrachtete, im Geiste, eines der Geschenke seines Freundes, dass vordergründig genommen eigentlich kein Geschenk im Sinne des Schenkungsgedanken war. Auf ein Gefühl bezogen und gedacht, dass einfach „nur“ erfreuen sollte, sondern der „Doppelbödigkeit des Objektes“ eine andere Bedeutung innewohnte, als ein Geschenk in gewöhnlichem Sinne. Ein schlichtes Schränkchen, sehr wahrscheinlich für das Badezimmer entworfen und gebaut, löst erst jetzt etwa ein Jahr später weitergehende Assoziationen aus, die in sich genommen Anlass genug bergen – die Gedanken und die Kette ihrer gestrigen und gegenwärtigen ansatzhaften Deutungen, als ein Antrieb zu nehmen und weitergehende Reflexionen zuzulassen. Jedem Gegenstand wohnt diese Möglichkeit inne. Hier, handelt es sich um ein kleines Hängeschränkchen, rund 60X40X20 cm klein oder groß, welches auf den ersten Blick äußerlich nicht gleich offenlegt, für welche Art künftigen Inhalt’s es denn erfunden wurde. Beim Koffer hingegen wüsste man es gleich. Das stimmt natürlich nur an der Oberfläche des Begriffs, kennt man die anderen Koffer, – wie bei Joseph Beuys oder Christian Boltanski [::] fällt ihm ein…

Oder an sein „Fundstück“ den alten Samsonite mit dem 303 Code, – reicht schon hier das Transformative in den Meta-Bereich und wird zum semiotischen Funkspruch geheimer Codierung [Trinity]

Der türkisfarbene Ton der linken Tür und der mehr ins gräulich-bläulich gehende Ton der zweiten Tür.

Er wusste nicht mehr genau… So musste er sich vom Schreibstuhl erheben, um seine Erinnerung am Gegenstand selbst aufzufrischen. Um den Kasten nicht gleich gänzlich neu zu erfinden. Obwohl ihm das notwendig erscheint. Eine intensive Inaugenscheinnahme gibt keinen Aufschluss darüber, weshalb die eine Tür sich gegenüber der anderen farblich gelesen, abhebt. ..“Meine Farbe heißt leben“.., dachte er so bei sich und dem Anderen… Im Inneren sind die Farben des Türkisen – auch von der farblich abweichenden Tür ganz klar identisch.

Die andere Tür, ist nur äußerlich an ihrer Oberfläche abweichend vom Rest des Holzes. Die Regale, im inneren sind bereits aus Kunststoff allerdings im exact gleichen Farbcode. Offensichtlich, ist die optisch von außen andere Tür nur farblich durch ein anderes Farbspritzbad gelaufen. Der stetige Lichteinfluss kann diese flächig-begrenzte Veränderung nicht auf den Grad genau verursacht haben, da die farbliche Trennung, ab Ende der geschnittenen Form, keinen Rückschluss auf diesen Verlauf zulässt. Auf der linken Seite, der Innentür, befand sich ein mit Tesafilm eingeklebter Apotheken-Kalender, aus den 70ziger Jahren. Daran kann er sich erinnern… Diesen hatte er zwischenzeitlich abgezogen, um ihn sorgfältiger zu studieren und ihn als Beipackzettel des Schrankes – zur weiteren Bearbeitung als Dokument – auf die Festplatte seines Computers zu heben. Als Beweis für den Text, an dem er gerade arbeitete. Der Kalender als Blickfang, wie bei einer Zeitungsseite als „Kreuzworträtsel“.

Es erschlich ihn eine gewisse Unsicherheit, da er den Verbleib dieses Kalenders, den genauen Ort, nicht mehr erahnte. Er wusste nur, dass er sich irgendwo zwischen den Papierbergen und Dingen seines selbst inszenierten Chaos befinden würde. Nur wo genau?, diese Frage nervte ihn, denn dieser Kalender ließ gewissermaßen auch, den Rückschluss auf die Medikamente etc. jener Zeit zu, – allerdings der Gegegnstand selber auch. Denn wozu sollte dieses Schränkchen, so wie es auf ihn wirkte auch sonst gedient haben? Welchen anderen Nutzen als den bisher erkannten? Der >Schrank< grub sich als Muster in sein Hirn und er sah keinen anderen Freiraum mehr als das dieser >Schrank< für Arzneien gebaut wurden war, unauffällig integrierbar in das Puzzle einer zeitbedingten Design-Ästhetik, designter Drogen anerkannter und (postum) verbotener Gifte, in seinem Gedächtnis selbsthaftend, wie ein Pflaster für andere Zwischenreiche. Eine kleine Schublade im Inneren, für Arnika-Tinkturen oder Novalgin + tödliche Nebenwirkungen? Nun fiel ihm auch ein, was ihn so alles Umtrieb in jener Zeit. Seine Enttäuschung über vergangene Lieben und sein Entschluss am Frühstückstisch – ganz mit sich allein beim Zeichnen… Sein Leben sollte einen anderen Sinn erfahren, als der der genormten Seele und er wollte sich selbst achten können, bei aller Kritik und trotz des emotionalen Verlustes durch Trennungen und Distanzen. 1972 welch ein Jahr! Der Halt und die Orientierung, sollte über Literatur und Kunst erfolgen. Daran wolle er mit aller Hingabe seiner Energie arbeiten, um dort hinzu gelangen, dass dieser Prozess eine gewisse Selbstverständlichkeit erreicht und diese Einsicht und ihr Weg, eine unumstößliche Verinnerlichte wird. Die persönliche Anerkennung sollte nicht vordergründig, durch das normatierte Format des bürgerlichen Maßes geschehen, sondern durch würdige und authentische Menschen, die mit dem zweiten Blick fürs Vor- der Ahnung oder Vision und des Zurück, komplexer und universalistischer Wahrnehmung, auf das – oder besser aus dem Leben ihre Bezüge auf ihre Bewegung hin ab und einzuleiten, imstande sind..

Die Surrealisten schwebten ihm vor und das entbehrungsreiche Leben Van Goghs, die reine Malerei.. Aber er wollte kein Märtyrer werden nur für seine gewonnen Erkenntnisse einstehen und was sich vielleicht auch romantisch und revolutionär damit verbinden lässt… Es erschien ihm alles noch eher schemenhaft und in naiver Form… Jetzt kam ihm diese Schranktür, noch einmal in den Sinn. Warum unterschied diese sich von den anderen? Ist diese Tür ein Fenster sozusagen, einem Fehldruck gleich, oder eher ein Unfall im industriellen „Kegel-Komplex“ und die hiermit kontrastierenden Projektionen?

Ein Farbventil, für das Mischungsverhältnis – zu weit auf oder zu gedreht, wen interessiert das schon? Aber dieser Fehler übertragen auf Gen-Patente, hätte möglicherweise fatale Folgen. Auch auf ein Mischungsverhältnis soziokultureller etc. Belange hin gedacht: welcher Hahn z.B. war bei der Vorbereitung einer Tat, oder politischen Idee zu lange auf oder zu? Da wirds dann spannender und differenzierter denkt er. Aber hängt nicht alles miteinander zusammen? Eine plötzliche Erfahrung für alles? Medial multipliziert und als ab und eingeleiterter Glaube von Realität. Realität als ein an der Oberfläche gesteuerter Infarkt der reinen Funktion mit ihren ignoranten Parametern, in Unterschlagung der Bündelung sichtbarer und unsichtbarer Lebenszeichen, im Rest der Parallelität, -abgestürzt auf das Betriebssystem Gleichschaltung. Als ein Supergau gescheiterter Hoffnungen und von der Erkenntnis getragen, ein letztes,  unübersehbares Zeichen zu setzen? …Ein Zeichen, gegen die permanente Verfügbarkeit im Mainstream und die zu erwartende langfristige Stagnation am Bau eines gerechteren Gestaltungsprinzips?

Wie profiliert, oder interpoliert sich der Schrei, oder anders gefragt: warum wird der Schmerz, instrumentalisiert für mehr Schmerz? (Oder für mehr Kapital?) Über die Trauer zur Barbarei? Trauer als Vorzeichen für größeres Unheil?

Welche Interessen verbergen sich politisch hinter diesen Toden? Der verdrängte Tod, als surreales Schmiermittel für Kriegsgewinnler, im verschränkten Interesse der Rüstungsindustrie mit ihren parallel operierenden Töchtern – ihren verlappenden und betäubenden Tittitainment-Injekteraten… Ein gigantischer Todesacker, durchschossener verbrannter und vergifteter Körper…, – umgeflügt und über das Vergessen kultiviert für den Gen-Mais kompatibler Konzerne. Dieser Sicherheitscode 303, fällt ihm wieder ein, der war doch auch in diesem Matrix-Film auf einer Hotelzimmertür. Die Zahl missbraucht in ihrem Wert, als digitales Zählwerk der Moderne, entzaubert, kalt… Die Drei, steht in der christlichen Zahlenmysthik für die Trinität, die 0 für Chaos, dann wieder die Drei, – an der Schnittstelle des Chaos sich gegenüberstehend sozusagen… Im eklyptischen Loch der Null, sich dialogisch spiegelnd und fragend: …“Was bist du, symbolische 3  – wo dein Übertrag an Glaube, an Gerechtigkeit, wo deine Liebe und Nächstenliebe, wo deine Hoffnung, Haltung und Handlung für diese Maxime der Menschheit…? Jörg Stange, 2000

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teeglas-gfok-700Foto: Jörg Stange, GfoK

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19.06.2010
Zum Tode José Saramagos

„Der Mensch hat aufgehört, sich selbst zu achten“

[..] Unter den vielen folgenden Romanen fanden zwei besondere Beachtung: „Das Todesjahr des Ricardo Reis“ (1984) und vor allem „Die Stadt der Blinden“ (1995), eine düstere Parabel, die 2008 auch als Kinofilm Furore machte. Diesen Roman, so sagte Saramago 1998 in seiner Nobelpreisrede, habe er vor allem geschrieben, um daran zu erinnern, „dass wir die Vernunft pervertieren, wenn wir Leben erniedrigen, dass die menschliche Würde tagtäglich von den Mächtigen dieser Welt erniedrigt wird, dass die universelle Lüge die vielfachen Wahrheiten ersetzt hat, dass der Mensch aufhörte, sich selbst zu achten, als er die Achtung vor seinen Artgenossen verlor“ [..] Von Volker Hage

http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,701688,00.html

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Abwesenheit durch Anwesenheit

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nada-kino-kroatien-1998Bilder und Begriffe, bilden und bedingen sich wechselseitig, in kulminierende und konterkarierende Dualitäten, im reflexiven Kontext der Grenzen von Deutbarkeit..

Schon bei dem Begriff Urlaub, -als DenkBild eines semiotisch/semantischen Zeichenbretts: denkt im allgemeinen der Einzelne, an seinen eigenen „Kurz oder Lang“ zurück liegenden Horizont und seiner Erlebnis Vertikale, des unsichtbaren Verlustes und Zugewinns an Freiheit, seines erweiterten Lebensgefühls….

Das Zu/Hören, – oder Einlassen auf das Fremde, birgt Frust oder Freude, deren man auch in der Hamburger U- Bahn begegnen dürfte -würde dort mehr kommuniziert… Pardon (!), wir können uns entscheiden: verengen wir uns im Tunnel-Blick, oder erschließen wir uns die Einlassung auf eine Art Klärung durch die Dinge selbst, – sowie natürlich über die Empfindung und Erfahrung tragenden Individuen, quasi durch die Einstellung zur Freistellung „avec non Krawatt“… (Die Krawatte wurde ursprünglich für das Militär erfunden)

Der UR…Laub, wir fahren in den Uuur…laub zunächst klingt das sehr unprätenziös… also Ur:..laub was heißt das denn im Wurzel-Katalog der Wortwanderung und der Analog-Ausdeutung, im paralellen “Widerspruchs-Kosmos” universeller Wahrnehmung und ihrer konstituierenden Parameter, einhergehender Verknappungsgrenzen – innerhalb und außerhalb installierter Begriffswelten ?

Vor der virtuellen oder visualisierten Landschaft, als Gegenstand der Reflexion, durch den Betrachter -als streitbarer Kontrapunkt in der na(r)zistischen Re:Präsentations-Gesellschaft im „Rückblick und Vorausschauen“, von latenter Restnaturerfahrung ?¿ ,…

In dem sich das letzte Individuum, mit seiner Störung – in Form korrumpierter Muster, in das möglicherweise doch noch andere Ritual, der Beschäftigung mit den Dingen begibt, als das bereits touristisch kontaminierte bereits ist – oder prozessual verwirkt.. Der imaginierte Mythos Mensch kann indoktriniertes Implantat oder sinnstiftende Metapher zugleich sein…

(siehe Beiträge des Kunstwissenschaftler und Kurators: Gunnar F. Gerlach: Katalogtexte zum Diskurs auch im Internet. Austausch braucht Zeichen, Zeichen brauchen Austausch…

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Der Gedanke und seine Ausformung, als ein kulturelles Erbe genommen, am Busen der Natur, -verweist semantisch diskursiv auf das alte Ägypten -in eine Zeit, in der man vor 7000 tausend Jahren das Kegeln erfand: mit Steinkugel und aufgestelltem Knochenbein, -als auch auf den pyramidablen Ewigkeitsanspruch auf Versklavung und Verklammerung, als Virus der Vergangenheit, immer wieder aufbereitbar für Bürgerkriege und andere Formen kontrollierter Ausbeutung.. Es verweist aber auch auf das subversiv operative Bowling, in den heutigen Medien, als den Versuch sinnstiftender Rückgewinnung verlorengeangener Territorien, -bei einer Tasse Tee im Teashirt, -als die andere freundliche Übernahme…

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Fragen über Fragen… – die Frage wird zum Eingriff zum [FraGen°] auf Handlung und Haltung – wird zum transformativen Projekt sozusagen…
Sich etwas „erlauben“ und „trauen“ : Urlaub leitet sich etymologisch von erlauben ab.. sich – oder mit anderen [mehr oder weniger°]. Die „ERlaubnis“ gesetzgeberisch angelegt, – gönnerhaft vergeben durch manche Firmenchefs…, aber auch sich etwas ERlauben.. also möglicherweise eine erhoffte Freie und Freu..he Zeit – zu erlauben. Ist vor dem Hintergrund der Ereignisse und Unsicherheiten nahezu mit der Hoffnung und Sehnsucht in sich selbst erschüttert, in Ambivalenz als warer Wert storniert… Das Politische, sowie die terroristische Gewalt umschifft im kontemplativen, der polyglotten Reiseführer die eigentlichen Tiefen und Untiefen. – Nun zunehmend der ERkenntnis weichen wird, dass die Prämissen des Tittitainments-Injekterats neoliberaler und multinationaler Verdrängungsästhetizismen, im Betriebssystem Gleichschaltung, Risse bekommen hat… In symbolträchtigen Bildern, in denen die Bedingungen angelegt und ausgelegt werden, für den Rest der Welt und ihrer letzten (Schein-)Nischen..
Die Probleme dieser korrumpierten (Kriegs)Politik offenbaren immer offensichtlicher ihre bedrohlichen Folgen: Djerba, Bali, Kenia, noch gescheiterte Akte in Paris… – man besinnt sich nunmehr auf heimische Folklore und schickt die Militärs auf Reisen..

 

Das Klima der Freiheit, ist gefühlt, dass der Individuen, ihrer Andersartigkeit und ihrer Anwesenheit im Fremden der Fremde, -im Gegenüber (!), -als es uns Paradigmen übergeordneter, vermeintlicher Interessenlagen, als unverrückbaren Gegenstand der Status quo Gemengelage, von Gleichschaltung und Gleichgültigkeit vorzugaukeln suchen…

Anwesenheit in Abwesenheit als übersetzbare Codierung in der kollektiven Gestaltungsfrage, behindert durch die Dominanz kapitaler Egometer, und ihrer opportunen Erfüllungsstrukturen..

Das Partikulare, als sinnstiftender Parcur der Eigenheit von Kulturen…, – immer geht es letztlich um den Liebes- und Freiheitsbegriff:

(Andre Breton:, …“die Zukunft wird convulsisch“, …“das letzte eigenliche Wort das mich zu begeistern imstande ist : heißt Freiheit“…..) Roland Barthes über seine „Mythen im Alltag“ und seine politischen Pommes Frites.. Die gegenwärtigen Verschwörungstheorien, nun auch bei ECO und Deleuze & Guattari, im Transport der ethisch digitalisierten Muster auf Veränderung..

(Digitalis: ein giftiger Fingerhut auch als Rachenblütler bekannt, verursacht Hirn oder Herzrauschen kommt wohl auf die Dosis an.) Nada hatte mich vor ein paar Jahren, als sie noch im Rechtshaus ihr gestaltgewordenes Cafe Projekt betrieb, zu recht auf das Grundgesetz hingewiesen, mit dem Satz u.a. „Eigentum verpflichtet“, damit konnten Freunde gut arbeiten, es wurde sozusagen zum subkulturellen Naturgesetz neodadistischer Leidenschaften und transavantgardistischer Übersetzungsformen.. Dieses berühmte [ER°] vor ER-lau-ben steht auch für ein chemisches Zeichen-Kürzel: [Erbium°] und verweist auf den Grundstoff seltener Erden etc… also auf eine Ressource… auch des von einer „multilateralen Elite“ gesteuerten globalen Konflikt an sich..

(M.A.I. Profit over People; Naom Chomsky) Noch ein ER, als Präfix genommen kommt ER von UR: als altes verbal Abstraktum..

(im fast schwitterischem „Singen“ schon):

Laub Laub -das Blatt Blatt- Futterlaub -weil man es rupft oder ab-reißt vom Busch-Baum, als Heil- oder Hausmittel… Ab-häuten und schälen gehören zu einem rhizomatischen Doppelungs-Stamm – leub in lit. Lubti ab häuten…lupiti.. im russischen lupi-ti: schälen , enthülsen im gr. Olopto leubh ich reiße ab, schäle ab.. liber ohne klein E -gleich Bast und russisch Rinde, kläret sich und anderes, wer erkennen will liest und sieht… riecht, fühlt und trinkt die unsichtbaren Haarberge, zwischen [Scheitel & Schnitt°], an diesem schnitträchtigen Ort – situationistischer Zweckentfremdung* diskursiver Haartracht…..

c/0 Gesellschaft für Operative Kunst

*Guy DEBORD: 1958 Gebrauchsgsanweisung zur Zweckentfremdung. Bezüge zur Ausstellung: Nada Mandiç u. Jörg Stange in der Haar-Werkstatt, Schanzenstr. 73, Hamburg Ausstellung I, am 01.12 2002, Urlaubsfotos aus Kroatien: NADA Mandiç / Text-Entwurf zur Ausst. Jörg Stange: Lesung/Eröffnung 16.00

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Matrix

Thomas A. Anderson ist Programmierer bei einer weltweit erfolgreichen Softwarefirma und lebt einen unauffälligen Alltag. In seinem Privatleben jedoch ist er ein professioneller Hacker, der unter dem Pseudonym Neo Aufträge gegen Bezahlung ausführt. Doch seit Jahren beschäftigt ihn das Gefühl, dass mit seinem Leben irgendetwas nicht zu stimmen scheint. Im Internet sucht er schon lange nach dem Anführer einer geheimnisvollen Untergrundbewegung mit dem Decknamen Morpheus. Von ihm erhofft er sich die Erlösung von der ihn quälenden Ungewissheit. Ohne sein Wissen wird er aber bereits vom Geheimdienst beobachtet. Als Neo Morpheus endlich treffen kann, erfährt er, dass er selbst die zentrale Frage bereits kenne: „Was ist die Matrix?“. Morpheus, den Neo durch die Hackerin Trinity kontaktieren konnte, eröffnet ihm auch den eigentlichen Grund seiner Suche.

„Ich will dir sagen, wieso du hier bist. Du bist hier, weil du etwas weißt. Etwas, das du nicht erklären kannst. Aber du fühlst es. Du fühlst es schon dein ganzes Leben lang, dass mit der Welt etwas nicht stimmt. Du weißt nicht was, aber es ist da. Wie ein Splitter in deinem Kopf, der dich verrückt macht. Dieses Gefühl hat dich zu mir geführt.“

– Morpheus

Morpheus eröffnet Neo, dass es schwierig sei zu erklären, was die Matrix ist, und dass jeder sie selbst erleben müsse. Er stellt ihn vor die Wahl: Entweder entscheide er sich für die Wahrheit oder dafür, sein Leben als Thomas A. Anderson fortzusetzen. Neo wählt Ersteres und wird aus der Matrix befreit.

Er erwacht in einer für ihn bis dahin unvorstellbaren realen Welt: Bis auf wenige Überlebende und Befreite werden alle Menschen von intelligenten Maschinen in riesigen Zuchtanlagen als Energiequelle benutzt. Ihre Gehirne sind hierbei an ein hochkomplexes Computerprogramm angeschlossen, das als Matrix bezeichnet wird und ihren Geist kontrolliert. Es hält sie in einer virtuellen Welt gefangen, die ihnen als das wirkliche Leben erscheint. Die Agenten, die Neo verfolgt hatten, entpuppen sich als… :

http://de.wikipedia.org/wiki/Matrix_(Film)

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The Matrix Movie Mistakes

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http://www.youtube.com/watch?v=RJ0v5H3Uctw

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Schäuble goes Matrix (SEK Chor) *uncut*

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http://www.youtube.com/watch?v=Eb64Tg4IO7U

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Operation in Production – Revolution Triple O + mehr

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https://medienwatch.wordpress.com/category/system/

https://medienwatch.wordpress.com/?s=System+Hohenlockstedt

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wird erweitert

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Re:search «Triple O»

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Sound-Installation ‚The Whispers‘ von Christian Boltanski auf der Folkestone Triennale (2008) [:::]

 

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Written by medienwatch & metainfo

Juli 6, 2009 at 20:19

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