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Archive for Oktober 2011

München: Unternehmen Universität – Bertelsmann macht Hochschule

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Veranstaltungshinweis: Die ver.di Betriebsgruppen der LMU und der TUM laden ein zu einem Vortrag mit Diskussion „Unternehmen Universität – Bertelsmann macht Hochschule“ Dienstag, den 25.10.2011, 18.00 Uhr LMU, München, Referent: Prof. Rudolph Bauer

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„Die Hühner fühlten sich plötzlich verpflichtet, statt Eiern Apfeltörtchen zu legen.“

Wenn der Präsident der TU-München, Wolfgang A. Herrmann, die „unternehmerische Universität“ beschwört und dabei seine „Top University of Munich“ gegenüber der „Lower Munich University“ hoch leben lässt: dann löst das zwar ein leichtes Schmunzeln im Podium und Publikum aus – selbst bei solchen, die ihm weniger wohlgesonnen sind, etwa beim Präsidenten der LMU -, aber hinter dieser Witzelei  verbirgt sich bitterer Ernst. Bei „top“ und „low“ wird man nämlich an diverse Rankings erinnert, nach denen Hochschulen seit einigen Jahren bevorzugt bewertet werden, und nur wer sich dabei gegenüber der
Konkurrenz beständig „top“ zeigt, kann noch mit besonderer staatlicher finanzieller Förderung, z.B. mittels der Exzellenz- und Elite-Initiativen, rechnen, während sich „low“ mit einem Existenz-Minimum zufrieden geben muss. Hochschulen sollen also wie Unternehmen bewertet,
gemanaged und präsentiert werden, tönt es allerorten; die Konsequenzen dieser „Ökonomisierung der Hochschulen“ sind mannigfaltig und längst  spürbar, jedoch bewusstem politischen Handeln vermehrt entzogen, da von „Sachzwängen“ diktiert.

„Think-Tank“, Denk-Fabrik für diese ökonomistische Ausrichtung der Hochschulen ist hierzulande die Bertelsmann-Stiftung – zusammen mit dem „Centrum für Hochschulentwicklung“ (CHE). Es sind dort gut 300 Wissenschaftler beschäftigt, die in Form eines „überparteilichen Forschungsinstituts“ auch zuständig sind für politische Einflussnahme und den Aufbau eines Netzwerks von Politikern, Journalisten, Professoren u.ä. „Der Name Bertelsmann steht zugleich für Big Business und Philanthropie, nämlich sowohl für den Konzern Bertelsmann AG als auch für die Bertelsmann-Stiftung. Obwohl beide, die Aktiengesellschaft und die Stiftung mit Stammsitz in der westfälischen Kreisstadt Gütersloh, international agieren, ist nur sehr wenig über diejenigen Aktivitäten der Stiftung bekannt, die die Globalisierung des deutschen Medienunternehmens flankieren. Zusammen mit der Stiftung gleichen Namens bildet der Bertelsmann-Konzern eine weltweit einflussreiche Agentur der Bewusstseinsindustrie, der Wissens- und Informationsvermittlung, der Meinungsproduktion sowie der Unterhaltungsbranche. Zu den Unternehmenszweigen der AG  gehören Buch- und Musikclubs, Musikfirmen, Verlage, Fernseh- und Radiosender, TV- Produktionsfirmen, Druckereien, inzwischen aber auch Internet-Angebote sowie Adresshandel, Medien-, Industrie- und Verwaltungsdienstleistungen.“
http://www2.bdwi.de/uploads/bertelsmann_bauer_veranstaltung_2011_okt_25.pdf

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Broschüre gegen Ökonomisierung und Bertelsmann

https://medienwatch.wordpress.com/2009/08/23/broschure-gegen-okonomisierung-und-bertelsmann/

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Zitat: „Die Hühner fühlten sich plötzlich verpflichtet, statt Eiern Apfeltörtchen zu legen.“  von Erich Kästner

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Oktober 19, 2011 at 12:24

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Friends and Lovers in Unterground

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Eröffnungsrede von Hans-Joachim Lenger

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Hans-Joachim Lenger

Retina und Leichentuch

Zur Eröffnung der Ausstellung „ Friends and Lovers in Unterground“
Vielen Dank für die freundliche Einladung; sie kam einigermaßen überraschend, und weiß Gott, ich habe mich gefragt, in welchem „Untergrund“ ich wohl landen würde, wenn ich sie annehme. Im äußersten Fall könnte ja, wo er von Freunden und Liebenden bevölkert wird, etwas unangenehm Kuscheliges herauskommen, uns etwa mit verspäteter Nestwärme oder dem heimsuchen, was von ihr übrig blieb.
Der Untergrundkämpfer dagegen plakatiert seine Liebschaften und Freundschaften nicht öffentlich. Ebenso wenig stellt er sie mit Namen, Adresse, Öffnungszeiten und Telefonnummer ins Internet. Vielmehr hütet er die Tugenden einer Verschwiegenheit, die sein eigenes Incog­nito und das der anderen wahrt, deren Kampf er teilt. Denn er weiß, dass die Strukturen, die ihn agieren lassen, ins Feld eines öffentlichen Sehens und Gesehen-Werdens nicht rücken dürfen; ja dass sie selbst dem eigenen Auge verborgen bleiben müssen, um ihm und anderen ein Mindestmaß an Sicherheit zu gewähren. Sein chthonisches Medium ist das eines Dunkels, das ihn vor dem Blick anderer wie auch dem eigenen schützt.
Immer und nicht zuletzt geht es um solche Anordnungen von Sichtbarem und Unsichtbarem, von Sprechen und Schweigen, wo vom „Untergrund“ die Rede ist. Und sollte dieser „Untergrund“ heute noch Anlass zu einigem Nachdenken geben, so wäre deshalb nach den Beziehungen oder Kräfteverhältnissen zu fragen, die zwischen diesem Licht und diesem Dunkel, diesem Sprechen und diesem Schweigen bestehen. Als Duchamp den jungen Künstlern vor 50 Jahren riet, in den Untergrund zu gehen, da tat er es jedenfalls nicht von ungefähr im Namen eines bestimmten Sehens und Nicht-Sehens. Ausdrücklich und insistierend sprach er von der Retina, der Netzhaut des Auges, jener Schale also, in der sich das Licht niederschreibt, in der es aufgefangen wird und überfließt. Wie Duchamp in seinem Statement bemerkte, hängt die ästhetische Lust nämlich allein von dem Eindruck ab, den das Licht in diese Retina einschreibt, ohne dass diese Inschrift  irgendwelcher zusätzlicher Interpretationen bedürfte.
Im Zeichen dieses Entzugs jeder zusätzlichen Interpretation verlieh Duchamp seiner Hoffnung auf eine Revolution der Askese Ausdruck, die dem allgemeinen Publikum allerdings entgehen müsse. Vielmehr werde sie nur wenige Eingeweihte hervorbringen: an den ausgefransten Rändern einer Welt, wie er sagte, die vom Feuerwerk der Ökonomie erblindet sei. Und darauf erst folgte jener Satz, der auch dieser Ausstellung als Zitat dient: „The great artists of tomorrow will go underground.“ Nur so, meinte Duchamp, könnten sie jener Mittelmäßigkeit entgehen, die sich wie ein Leichentuch über die Gegebenheiten gelegt habe.
Die Retina also, auf der sich das Licht niederschreibt, und die Mittelmäßigkeit, die sich dieser Retina zu bemächtigen sucht. Das Rieseln des Lichts und das Leichentuch eines gewissen Todes, der dieses Licht erstickt. Die Erblindung im Feuerwerk der Ökonomie und der Schutz eines Dunkels, den allein der Untergrund gewährt: Duchamps Intervention generiert alles in allem ein Tableau, in dem sich nicht weniger abzeichnet als ein Streit um das Licht. In diese Auseinandersetzung allerdings treten die jungen Künstler ein, und wir dürfen annehmen, dass Duchamp den äußeren Umständen ihres Kampfes alle Aufmerksamkeit gewidmet hätte.
Sein Interesse hätte beispielsweise jener Ankündigung gegolten, mit der die Firma Apple in diesen Tagen ihre Kunden zu beeindrucken sucht: „Was ist das Beeindruckendste“, so lesen wir da, „das du auf dem iPhone siehst? Alles. Denn mit dem fantastischen Retina Display ist alles, was du liest, siehst und spielst hunderte von Pixeln besser. Deine Augen werden es kaum glauben können.“1
Liest man den gleichen Text nun auf der amerikanischen Homepage, so weicht er im letzten Satz von seiner deutschen Übersetzung nicht unerheblich ab. Im Amerikanischen ist nämlich keineswegs davon die Rede, die Augen würden irgend­etwas nicht glauben. Hier findet sich vielmehr eine gebieterische Aufforderung: „try to pry your eyes away“,2 „versuche, deine Augen auszu­hebeln“; oder noch wörtlicher: Versuche, deine Augen wegzuhebeln.
Was aber könnte es erlauben, dieser Aufforderung Folge zu leisten? Glaubt man den Herstellern, so geht es beim Retina Display darum, die Netzhaut einer unausgesetzten Überbelichtung auszusetzen. Die Auflösung dieses Displays soll höher sein als die der menschlichen Retina. Es unterwirft sie einer beständigen Überforderung. Denn das Display gibt mehr zu sehen, als sich sehen lässt. Und dies soll die Augen aushebeln oder außer Gefecht setzen. Es überfordert sie als Mehr an Licht und Farbe, das sie nicht wahrnehmen können. In bestimmter Hinsicht wird dieses Licht, wird diese Farbe selbst also unsichtbar. Sie bewegt sich ihrerseits in einem gewissen Dunkel.
Nicht weniger Interesse hätte Duchamp den Untersuchungen Paul Virilios geschenkt, die in der Forderung nach „Menschenrechten des Auges“ gipfelten. Virilio machte auf technologische Innovationen aufmerksam, die in Zukunft auf alle Bildträger verzichten sollen, wie sie das Retina Display der Firma Apple noch darstellt. Stattdessen werden die optischen Eindrücke mit einem Laserstrahl von geringer Intensität direkt auf die Netzhaut geschrieben. Kann man unter solchen Umständen überhaupt noch von „Bildern“ sprechen, fragt  sich Virilio, und er fährt fort: „Sollten wir demzufolge nicht so etwas wie ein Recht auf Blindheit in Betracht ziehen, wie es schon ein Recht auf Stille und relative Taubheit, zumindest auf eine Senkung des Lärmpegels in den gemeinschaftlich genutzten Räumen, an den öffentlichen Orten gibt? Sollten wir nicht schnell eine Intensitätsverringerung von Bildübertragungen verlangen?“3
Welche Blindheit aber, so wird man sich fragen; wird sie von den Technologien einer Überbelichtung nicht beständig schon erzeugt? Und welches Recht auf Taubheit, wo der Lärmpegel des Sound-Designs sie doch unausgesetzt produziert? Das Feuerwerk der Ökonomie setzt die Erblindungen und Taubheiten selbst bereits in Szene, und die Forderung nach einem „Recht auf Blindheit“ läuft Gefahr, sich – wie jeder Reformismus – dem Gleichklang der Gegebenheiten nur zu unterwerfen.
Duchamps Erinnerung an einen Untergrund dürfte insofern militanter, seine Forderung nach einer „Revolution“ realistischer gewesen sein. Wo sie in diesen revolutionären Kampf eintreten, werden sich die Künstler allerdings mit einem bestimmten Dunkel verbünden müssen. Denn sie werden die techno­logischen Regimes des Lichts, die Mächte der Überbelichtung nur durchkreuzen können, wenn sie aus den Unsichtbarkeiten und Verschwiegenheiten eines Untergrunds operieren, in dessen Schutz sie sich zugleich bewegen. Nicht zuletzt werden sie das Dunkel und die Verschwiegenheiten dabei selbst ins Spiel bringen müssen.
Wie aber sieht es mit einem solchen Operationsplan aus? Lässt er sich in Diagrammen niederschreiben oder vorzeichnen? Denn immerhin, er ist keineswegs voraussetzungslos. Die „Annäherung an die Netzhaut“, the retinal approach, wurde von den Impressionisten eröffnet, wie Duchamp sagt, und von den Surrealisten zu neuer Intensität inspiriert. Was aber, wenn Technologien des Retina Display oder einer retinalen Niederschrift als Laser den Abschluss dieses Weges markieren sollten? Wenn die Tyranneien der Konditionierung und Kontrolle, die an die Stelle der Ideologien traten, im Universum der Technologien triumphiert hätten? Welche Fluchtwege könnten im Untergrund noch gebahnt werden, um den porenlosen Körper dieser tyránnis mit Öffnungen zu übersäen?
Dieser Untergrund bietet jedenfalls nichts, was die Herzen höher schlagen ließe. Mit revolutionärer Romantik hat er nicht aufzuwarten; die kuschelige Atmosphäre von Verschwörungen ist ihm fremd, wie sie in Hinterzimmern, Kellerräumen, in Kanalisationen, U-Bahn-Schächten oder Parkhäusern aufkommen mag. Vor allem verlangt dieser Untergrund nach einer Askese, dieser ersten Tugend des Künstlers. Sie lässt ihn im Medium eines Dunkels, im Raum einer Verschwiegenheit operieren, die seinen Kampf erst möglich macht. Er entzieht sich der Allgemeinheit, und ebenso wenig ist der Künstler selbst seiner mächtig, überschaut oder kontrolliert er ihn. Die ästhetische Lust bleibt nicht nur den Augen der Öffentlichkeit verborgen, sondern auch den eigenen. Eine Kunst der Verborgenheit, des Sich-Entzie­hens also. Vielleicht kann sie nur deshalb ästhetische Lust auch sein.
Wie aber führt sich diese Trennung des Untergrunds von sich dann ein, um ein Feld des Genießens zu eröffnen? Tatsächlich ist dieser Untergrund nicht nur von Ambiguitäten gezeichnet. Mehr noch wird er von Differenzen durchzogen, in denen jede Lust sich selbst gegenüber auf Abstand hält. Ganz so, wie Jacques Derrida in Marx’ Gespenstern von einer „doppelten Barrikade“ sprach, müsste möglicherweise von den Dopplungen, den Vervielfältigungen und Zerstreuungen auch dieses Untergrunds gesprochen werden.
Denn was ist das: ein „Untergrund“? Architekten und Statiker beispielsweise prüfen den Untergrund eines Bodens, in den sie ihre Fundamente einlassen, auf seine Konsistenz und Tragfähigkeit. Unter Umständen müssen sie diesen Untergrund selbst stützen und befestigen, um Verschiebungen zuvorzukommen, die ihren Bau andernfalls in Gefahr bringen dürften. Künstler wählen Holz, Leinwand oder Papier als Untergrund, bevor sie mit Techniken einer Grundierung beginnen, die der künstlerischen Niederschrift dann als Grundlage dient. Und ganz so spricht auch die Semiotik vom materiellen Element, das der Sprache zwar nicht angehöre, doch unverzicht­bar für sie sei, um sie zu begründen: „Die konventionellen Werte“, erklärt de Saussure, „haben es alle an sich, dass sie nicht zusammenfallen mit dem greifbaren Gegenstand, der ihnen als Stütze dient.“4
Überall fungiert der Untergrund als eine solche Stütze, die ein Bauen, Malen oder Sprechen erst erlaubt. Zugleich aber bedroht er ihre Ökonomien. So bedarf das Fundament des Architekten eines Untergrunds, doch ebenso trifft es in ihm auf die beständige Gefahr, sich zu verschieben oder zu dis-fun­dieren,. Ebenso setzt sich die Grundierung eines Bildes der Gefahr aus, von seinem Untergrund verzogen, verfremdet oder abgestoßen zu werden. Und der signifikante Wert der Semiotik könnte von einem Untergrund heimgesucht werden, den er ebenso ausschließt, wie er sich in ihm abstützt. Wovon sonst sprechen die Revolten der Lyrik wenn nicht davon, dass die Materialität des Signifikanten dessen Idealität heimsuchen und damit ihn selbst verheeren kann? Überall können die konventionellen Werte nur zirkulieren, indem ihre Ökonomien in einem Untergrund Halt finden, der ihre Tiefen zugleich erschüttert und zerstreut.
Die doppelte Barrikade, der doppelte Untergrund also: worauf mochte sich Duchamps Hoffnung deshalb stützen, die jungen Künstler könnten im Untergrund „to a more profound expression“, zu einem tiefgreifenderen Ausdruck finden? Tatsächlich weist die Frage dieses doppelten, sich verschiebenden Untergrunds einige Komplexität auf. Und um die Schwierigkeiten noch zu steigern: nicht anders steht es um den „Ausdruck“ Duchamps, „the profound expression“. Gewiss, wo immer das Wort „profound“ auftaucht, wird an eine bestimmte Tiefe appelliert. „To found“ bedeutet so viel wie „gründen“, „begründen“ und „etablieren“. Und „profound“ ist, was sich der Tiefe dieser Gründung und Begründung zuwendet, um sich ihrer zu versichern. Doch wenn diese Zuwendung in Gründe und Begründungen zugleich ins Bodenlose gleitet, dann weil kein Untergrund den Ökonomien des Ausdrucks letzte Sicherheiten bieten wird. In sich selbst ist er einer beständigen Dis-Fundie­rung, einer Entgründung und sprunghaften Verschiebung ausgesetzt, die ihn zerrüttet und unausgesetzte Revolutionen ankündigt.
Wie aber ließe sich das terminologisch fassen? Machen wir einen Versuch. Jeder „Unter-Grund“ wird von einem „Un-Grund“ durchquert, der ihn beständig von sich selbst trennt und sprunghaften Verschiebungen aussetzt. Ganz so hatte auch Freud den Begriff eines „Unterbewusstseins“ zurückgewiesen, den er in früheren Schriften noch benutzt hatte. Denn das „Unterbewusstsein“ legt immer noch nahe, Teil des „Bewusstseins“, dessen Reservoir oder eine Stütze zu sein, in der es sich fundiert. Das Unbewusste dagegen ist Niederschrift eines anderen Textes, der die Architektur des Bewusstseins unterbricht. Sie durchkreuzt alle Anstrengungen einer Grundierung, in der sich das Ich in ungeteilter Selbstgegenwart ein­finden könnte. Und es erschüttert alle Versuche, sich auf den „Signifikanten“ wie auf ein Material zu stützen, aus dem sich die ideale Bedeutung einer Semiotik in vollendeter Transparenz erheben würde.
Weniger von einem „Untergrund“ als einem „Un-Grund“ müsste deshalb auch hier die Rede sein, wo nach den Verschiebungen, den Sprüngen und Brüchen des Untergrunds gefragt wird. Dieser „Un-Grund“ grundiert den Untergrund nicht noch einmal, um ihn zu befestigen, und ebenso wenig verschafft er ihm  einen Halt. Vielmehr durchquert er ihn, entgründet er ihn und teilt ihn von sich selbst in jedem einzelnen seiner Elemente. Alle Unruhe, alle Virulenz, die diesen Untergrund erschüttern, rührt aus dieser Kraft einer Differenz. Ohne ins Feld eines Sichtbaren einzutreten, verteilt sie selbst Licht und Dunkel, Sichtbares und Unsichtbares. Und ohne sich zu Gehör zu bringen, unterbricht sie die Stimme in Zäsuren eines Schweigens, dessen sie selbst nicht Herr ist. Der Ausdruck, den Duchamp meinte, als er die Frage einer kommenden Kunst umriss, „the profound expression“, spricht deshalb nicht einfach aus gesicherten Fundamenten. Noch weniger aus einem bloßen Untergrund. Dieser Ausdruck steigt aus jener Distanz auf, die diesen Untergrund selbst quert und deren Platzhalter die Kunst ist. Insofern steigt die Distanz bis an die Oberflächen der Gegebenheiten auf, um sie zu zerreißen.
Aussichtslos deshalb, das „Un-“ des Untergrunds mit einem systemtheoretischen Federstrich ins Exil eines „unmarked space“ verbannen zu wollen. Und ebenso aussichtslos, es beim „re-entry“, beim Wiedereintritt in Bezirke des Systems, den Passkontrollen seiner Re-Codierung zu unterziehen, wie sie Grenzbeamte einer systemischen Ordnung vornehmen wollen. Das „Un-“ bleibt ihnen unver­ortbar, und erst darin könnte sich der „Untergrund“ nachzeichnen lassen, in den zu gehen Duchamp die jungen Künstler aufforderte.  Diese Unver­ortbarkeit könnte das Dunkel und seine Verschwiegenheiten lesbar machen, die sich ihrem Selbstverlust ebenso beständig aussetzen wie den insistierenden Möglichkeiten anderer Verkettungen.
Heute hat sich Feuerwerk der Ökonomie, das Duchamp beim Namen nannte, in einen Dauerbeschuss von Effekten verwandelt, die ein kalkuliertes Erblinden an die Stelle der Ideologien, eine technologische Allgegenwart von Kontrolle und Selbstkontrolle an die Stelle der Disziplin setzen sollen. Apples Aufforderung, die eigenen Augen auszuhebeln, bringt dies in vollendeter Klarheit zum Ausdruck. Und Techniken, optische Eindrücke per Laserstrahl auf die Retina zu schreiben, demonstrieren den Einsatz, mit dem hier gekämpft wird. Er ist ebenso der Einsatz der Künste. Doch bringen sie ihn um eine winzige, allerdings entscheidende Nuance versetzt ins Spiel. Eine Nuance, die ihnen erlaubt, andere Hebel anzusetzen, aus einem anderen Winkel anzugreifen. Das Dunkel nämlich, aus dem heraus sie operieren, ist nicht zu verorten. Und dies stattet sie mit einer Unangreifbarkeit aus, in der sie sich dem Feuerwerk der Ökonomie ebenso entziehen wie den Erblindungen entgehen kann, die es erzeugt.
Dies meint die Askese Duchamps, und gewiss ist sie nichts fürs breite Publikum. Denn sie kennt Kommentare ebenso wenig wie den privilegierten oder repräsentativen Ort, an dem sie sich adressieren ließe. Schon gar nicht wird sie im Hinterzimmer, im Keller, im U-Bahn-Schacht oder einem Parkhaus heimisch, wo sie erneut vom kuscheligen Leichentuch des Mittelmaßes erstickt werden könnte. Ihre Tugenden sind Unverortbarkeit, unvermittelte Intervention und augenblicklicher Rückzug. Zu gewinnen hat sie dabei nichts. Und gewiss, darin ist sie ihrerseits ein „Nichts von Bedeutung“. Doch eben darin ist sie unverzichtbar und unschätzbar.
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fotos: jst,gfok

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Friends and Lovers in Unterground

http://friendsandloversinunderground.de/projekt

http://friendsandloversinunderground.de/

Tagebuch

http://friendsandloversinunderground.de/archives/category/fortschritt

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Parkhaus Große Reichenstraße

Ob Arm oder Reich – im Untergrund sind sie alle gleich

Das temporäre Museum „Friends And Lovers In Underground“ ist die Galerie der Woche. Bis Anfang November ist es in einer Tiefgarage zu Gast. Wolf Jahn 18.10.2011
http://www.abendblatt.de/kultur-live/article2062785/Ob-Arm-oder-Reich-im-Untergrund-sind-sie-alle-gleich.html

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Text: mit freundl. „Freigabe“ des Autoren Prof. Dr, Hans-Joachim Lenger für medienwatch & metainfo (gfok)

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Oktober 19, 2011 at 06:19

Veröffentlicht in Allgemein

Weltweiter URAN-Abbau schreitet voran

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»Strahlende ZUkunft« foto: jst, gfok

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URAN-Abbau

Angesichts der erwarteten Nachfragesteigerung nach Uran durch den Bau von Kernkraftwerken, werden neue Erzlagerstätten erkundet und erschlossen. Neue Minen nehmen den Betrieb auf und bestehende werden ausgebaut.
http://www.nuklearforum.ch/de/aktuell/e-bulletin/fokus/uranvorkommen-weltweit-voranschreitende-exploration

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Erstes Bohrloch auf der Kupfer-Uranlagerstätte Olympic Dam aus dem Jahr 1975

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Enklaven-Geheimnisse [URAN-UHR° tickt]

»Der Menschheit zu helfen«

Strahlende Zukunft° in der Slowakei Investment-Text = als .JPG – was den Text betrifft ist dieser „Suchmaschinen resistenT“. Braucht man Urangwinnung überhaupt noch für die Zukunft? Offensichtlich mehr als zuvor: „Geheime Werbung“ für Projekt in Brasilien. Auskunft nur bei namentlicher Anmeldung etc,pp
http://www.irw-press.com/bericht/awareness_TE_2010/index.php?gclid=CIG72ZHg7KsCFSIhtAodzjaMJg

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[Aktive Archive] Spiegelausgabe von 1949
[::] Das Schicksal der böhmischen Bäderstadt ist besiegelt, seit die Russen 1945 die nördlich Karlsbad liegenden Joachimsthaler Uran-Bergwerke übernommen und ausgebaut haben. Nachdem jetzt auch in dem südwestlich von Karlsbad gelegenen Schlaggenwald Uranerz gefunden wurde und hier ein ähnlicher Raubbau wie in Joachimsthal bevorsteht, ist die Zerstörung der Karlsbader Heilquellen nicht mehr aufzuhalten.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-44435376.html

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memo

Grenzwerte erhöht: Deutschland im nuklearen Notstand + mehr = Stand: 7-04-11

https://medienwatch.wordpress.com/2011/03/30/21292/

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Uranabbau

Als Uranabbau wird die Gewinnung von Uran aus Uranlagerstätten bezeichnet. Er findet im großen Stil in Kanada, Australien [1] (z. B. Ranger-Uran-Mine), Kasachstan, Russland, Niger, Namibia, Usbekistan und den USA statt. Rund 70 % der bekannten weltweiten Uranvorräte finden sich auf indigenem Land.[2] Uran kann auch aus der Asche von Kohlekraftwerken gewonnen werden.
http://de.wikipedia.org/wiki/Uranabbau

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Uranerz (Geomartin | flickr.com | CC BY-SA 3.0)

dradio: Hören: Uranbergbau Kleinstadt in Brasilien verseucht

Eine Reportage von Ralph Weihermann

Im Nordosten Brasiliens wird nahe der Stadt Caitité Uran abgebaut. Das Trinkwasser ist verseucht, viele Einwohner der Stadt haben Krebs.

Offiziell gibt es das Problem nicht, daher bleibt jede Hilfe aus. Bisher regt sich auch in der Region nur schwacher Protest, zu viele sind abhängig von den Jobs in der Mine.

Der Energiehunger Brasiliens ist gigantisch, schließlich ist das Schwellenland auf dem Weg zur Industrienation. Da in Brasilien riesige Uranvorkommen liegen, setzt das Land zunehmend auf Atomkraftwerke. Eine Energiediskussion nach Fukushima bleibt bisher aus.

Die Menschen haben Angst
Beispiel Brasilien: Viele Bewohner der Stadt Caitité sind verunsichert und haben Angst. Unweit ihrer Häuser wird von einem staatlichen Unternehmen Uran abgebaut, Brunnen sollen nicht mehr benutzt werden, Trinkwasser wird mit LKW gebracht. Die Betreiber der Uranmine beteuern aber, dass alles in Ordnung sei. Die Unsicherheit bleibt, ebenso wie viele unerklärliche Krebsfälle.
http://wissen.dradio.de/uranbergbau-kleinstadt-in-brasilien-verseucht.37.de.html?dram:article_id=12307

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Im folgenden dokumentieren wir den Redebeitrag zur Begrüßung der Fahrrad-Demonstration und den Redebeitrag, der auf der Abschlußkundgebung der großen Demonstration auf dem Römer gehalten wurde.
Redebeitrag auf dem Kurfürstenplatz zur Begrüßung der Fahrrad-Demonstration:
http://stilllegen.blogsport.de/2011/07/01/redebeitraege-auf-der-demo/

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Written by medienwatch & metainfo

Oktober 16, 2011 at 09:01

Veröffentlicht in Allgemein

Kunstaktion am Brandenburger Tor: gewerbliches Stempeln verboten!

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»Kommunikativer Checkpoint« Provinzposse in der Hauptstadt: Kunstaktion im Keim erstickt. Im Vordergrund, protestieren IranerInnen, gegen die Verfolgung kritischer Geister der Demokratiebewegung im Iran. Im Hintergrund wird eine „commerzielle Kunstaktion“ von Polizeibeamten, vor den Augen verwunderter Berlintouristen, untersagt und abgebrochen. Fotos: Jörg Stange

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Kunstaktion im Keim erstickt

Berlin. Ein, den Behörden bekannter Ökonomiestudent performt in amerikanischer Uniform vor dem Brandenburger Tor. Kurze Zeit später muss er seine Aktion beenden, weil diese nicht als Kunstaktion angemeldet wurde. Er vergibt die Passport-Stamps auf Karten, gegen eine art Spende, um sein Studium zu finanzieren. Dies ist, nach Auskunft der Polizisten illegal, an diesem historischen Ort, „könnte ja sonst JEDER machen“, so das Verbotsmotiv. „Wer verallgemeinert ist ein Idiot.“ sagte schon William Blake. „Gewerbliche Stände“ sind auf dem Platz vor dem Brandenburger Tor explizit untersagt. Kunst sei da nicht ausgenommen. So die Annahme der Polizisten. Ein erneutes Ermittlungsverfahren würde eingeleitet – der Student sei ein „Wiederholungstäter“.

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„Bei soviel Maskerade, vor Ort, muss die Frage erlaubt sein: „sind die Polizisten echt oder verkleidete Vopos? Sinds westliche Uniformen im performativen Rollentausch – ist das ganze ein realfake? Eine semiologisch potente Mütze riecht schon den kritischen Fotografen, auf grosse räumliche Distanz, und äugt auffällig misstrauisch – gut gespielt – oder bornierter Ernst? Absurdes Stehgreiftheater – gesponsert über Endartmittel aus der Kulturstaatskasse? Diese Frage konnte abschließend nicht geklärt werden“.

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Der Student bricht die Performance ab, weil er sonst festgenommen wurden wäre. Seine Personalien wurden festgehalten.

Die Beamten waren deutlich verunsichert, weil ein beherzter Passant, argumentativ, überzeugend intervenierte. Da die Aktionsform Reminiszenzen weckte, und sich interessierter Nachfrage und damit weitergehender Kommunikation erfreute, so eine seiner Begründungen, der Abbruch seitens der Polizei willkürlich, intollerant und als kunstfeindlich wahrgenommen würde. In der Akademie der Künste, lief parallel eine retrospektive Sigmar Polke Ausstellung . Ein Kunststempel Polkes, befand sich geschützt in einer Vitrine der Akademie. Auf die Frage, ob denn diese bedeutende Ausstellung, den Beamten bekannt wäre?, kam ein nüchterndes Nein! Die Beamten waren noch nie in der „Akademie der Künste“ am Pariser Platz, gleich vis-a-vis… warum, wofür für WAS auch? Das Weltbild der „rechtmässig uniformierten Kollegen“, könnte möglicherweise, eine gewisse ästhetisch-reflexive Irritation erfahren und ihren Maßnahmenkatalog, insbesondere „für solche Fälle“ – und überhaupt? „kreativ heilsam“, durcheinander wirbeln… „Ready-Made-Stempel“ lebensnah im Einsatz! – wo kommen wir denn dahin!“ – wurde ironisch seitens des erwähnten Passanten noch nachgeschoben… Der Student, bedankte sich, für die solidarisch erbauliche Unterstützung.

Die Verfilmung von Carl Zuckmayer, der „Hauptmann von Köpenick“, als transformiertes Rollen und Possenspiel, des preußischen Ober- und Untertanengeistes, ist nur als Unterhaltungsfilm eine profitable Groteske. Im wirklichen Leben, wird „die Freiheit der Kunst“ perfide ausgebremst, behördenjuristisch ausgehebelt und über Bußgeldverfahren drangsaliert und sanktioniert, wie hier zum Leidwesen des Betroffenen wiederholt zu erfahren ist.,..

Die Staats-Kasse zu plündern, bleibt Finanzjongleuren und willfährigen Politikern vorbehalten, das ganz ohne Uniform, hier reichen gepflegte Anzüge, weiße Hemden und Krawatten. Das sind die aktuellen Filme der Gegenwart – aus Hollywood etc… Das findet aber mittlerweile niemand mehr lustig oder auch nur tragisch komisch!

„Verhaften sie die üblichen Verdächtigen“, erscheint hier als kleinkarierte Parole und Gebrauchsanweisung zum Possenspiel, als scheinbar unreflektiert, stotternd tragendes Schmieren-Staatstheater, vor dem erschreckenden Hintergrund desaströser „finanzpolitischer Apokalyptik“ und einhergehender neoliberaler Kriegstreiberei. Verdoppelte Rüstungsgewinne in der falschen Ressourcenfrage kennt keine Krise, geschweige staatliche Verfolgung. Die behauptete „Stabilisierung“ vertieft Hass und Gewalt und den zunehmenden Import terroristischer Reaktionen. Massentod wird als Realität „billigend in Kauf“ genommenen, sowie der ethisch-moralische Hirntod, ihrer fundamentalistischen Treiber auf beiden Seiten – findet seinen gesteigerten Ausdruck, im dosiert gesteuertem „Clash des Ganzen“?.. Das „Ganze“ wird als notwendige „Stabilisierung“ medial weitergereicht: „Geld weg, Kultur weg, Gier bleibt = 3. Weltkrieg?: Alles weg! Gegner dieses „Modells“ werden als „Gutmenschen“ und naive Kriegsgegner denunziert und belächelt – sind latent Schuld, wegen subversiver Entschleunigung, dieser bigotten desaströsen Schrittfolge… Realismus geht anders! Aufgeklärter Realismus heißt der aufrichtige „Dialog der Kulturen“. Die politische Form, entzieht in ihrer Konsequenz, den Fanatikern die Basis und isoliert (faschistoide) Fundamentalisten in ihren Absichten.  jst/gfok

Seite im Aufbau.

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Der Hauptmann von Köpenick
http://www.freundederkuenste.de/empfehlung/theater/einzelansicht/article/der_hauptmann_von_koepenick.html

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Verfilmung : Köpenick ist überall
Der Hauptmann von Köpenick in Nairobi: Eine Berliner Produktionsfirma hat eine afrikanische Version der legendären Hauptmann-Posse gedreht. 04.10.2011
http://www.tagesspiegel.de/berlin/koepenick-ist-ueberall/4682122.html

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Written by medienwatch & metainfo

Oktober 3, 2011 at 21:10

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STAMP – Straße frei zum Stampfen, Sprühen, Tanzen

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Goethe lässt Wagner im Faust sagen: „Mit Euch, Herr Doktor, zu spazieren / Ist ehrenvoll und ist Gewinn / Doch würd’ ich nicht allein mich her verlieren / Weil ich ein Feind von allem Rohen bin / Das Fiedeln, Schreien, Kegelschieben Ist mir ein gar verhasster Klang / Sie toben wie vom bösen Geist getrieben / Und nennen’s Freude, nennen’s Gesang.“
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Moritz von Kernten

STAMP

Kunst ins Leben, Leben gleich Kunst und Kunst gleich Leben – und am besten beides auf die Straße, in den öffentlichen Raum transferieren: das sind heutzutage schon klassisch zu nennende Forderungen der künstlerischen Avantgarden seit dem 19. Jahrhundert, die damit Schwellenängste in Bezug auf die Künste abbauen wollten zugunsten einer eingreifenden (operativen) Kunstpraxis die auf Partizipation des Publikums setzte.Vom 2. bis 4. September soll nun die Große Bergstraße gerockt, gesprüht und getanzt werden. Mit „The Street Arts Melting Pot“ – kurz: ‚STAMP‘ – zeigen sich 60 Straßenkünstler und Gruppen mit rund 2.000 Teilnehmern zwischen Haus-Drei und Großer Bergstraße, zwischen „IKEA“-Baustelle am Goetheplatz und Max-Brauer-Allee.

Die auf „Hutgeld“ spielenden und performenden Künstler aus den Bereichen HipHop-Dance, Graffiti, Street Art, Artistik und Akrobatik treffen auf Paraden und Kostümkunst, Clowns und Comedy. Im letzten Jahr hatte das auch folkloristische Multi-Kulti-Spektakel bereit 200.000 Besucher und bietet auch diesjährig Gelegenheit zur öffentlichen Fortbildung in Workshops und Gesprächsforen im Festival Centre. Der in zwei großen Paraden (Nightparade am Samstag und STAMP-Parade am Sonntag) kulminierende karnevalesque, multikulturelle und auch sozial-politische Anspruch ist allerdings gefährlich, aktuell und notwendig zugleich, denn die zu fröhliche Zurschaustellung der StreetArts darf die Brutalitäten posmodern-liberaler Bürger- und Menschen-Enteignung der Städte nicht nur mit lauter Buntheit überdecken.

Gerade in jüngster Zeit hat der Prozeß über den in Hamburg agierenden, auch monomanischen Sprayer und Künstler „OZ“ nahezu skandalös deutlich gemacht, wie weit die Rechtssprechung mit ihren aus den frühen 80er Jahren des 20. Jahrhunderts stammenden Paragraphen und Rechtsgrundlagen hinter den mittlerweile global anerkannten, neuen Formen der künstlerischen Kommunikatiuonm und Zeichengebung der letzten 30 Jahre hinterherhängen! Gefängnisstrafen für künstlerisch-kommunikativ die grauen Stahl- und Glaswüsten belebende Zeichensetzungen wird härter geahndet, als die sozialstrukturellen und architektonischen Untaten und Verbrechen im Rahmen neo-liberaler und globaler Enteignungen und Gentrifizierungen. Daher sei an dieser Stelle noch einmal daran erinnert, mit welchem legitimen Anspruch sich die aus ghettoisierten Situationen entwickelten Formen und Inhalte der Straßenkünste entwickelt haben.

Die Kunstgattungen der StreetArts waren und sind eine logische Konsequenz aus den Erfahrungen von Fluxus, Kapitalistischem Realismus und politischer POP-Art im Kontext eines Wunsches nach Demokratisierung der Kunst und des Kunstbegriffes über die Kommunikation mit visueller Kontaktaufnahme mit den Individuen der jeweiligen Umgebung und Bevölkerung. Die Künstler „…kreieren ein dynamisches Medium und holen die Kunst aus dem beschränkten Kreis von Galerien und Museen heraus…Da gibt es keine Zweideutigkeit: handelt es sich doch um eine Umweltpolitik – bei der die Stadt gewinnt und die Kunst ebenso. Denn weder explodiert die Stadt durch den Einbruch einer frei sich gebärdenden Kunst in der Straße, noch explodiert die Kunst beim Kontakt mit der Stadt. Die ganze Stadt wird zur Kunstgalerie und die Kunst entdeckt in der Stadt ein neues Manövrierfeld.“ Diese klugen Überlegungen stammen von dem renommierten Professor für Soziologie, dem französischen Philosophen Jean Baudrilliard aus seinem mittlerweile legendären Aufsatz „Kool Killer oder Der Aufstand der Zeichen“ aus dem Jahr 1975 (dt.1978)!!

Von dem mit Joseph Beuys eng befreundeten Künstler Harald Nägeli, dem „Sprüher von Zürich“, bis hin zu mittlerweile musealisierten zu Hochpreisen gehandelten Künstlern von Basqiuat bis Banksy handelt es sich dabei nach wie vor um den legitimen Versuch, einen elitären Begriff von Kunst mit den Mittel individueller Zeichen-Setzung und Gebung subversiv-affirmativ und parallel neben die staatlichen und kommerziellen Zeichensysteme (auch gegen die mittlerweile nahezu ‚terroristisch‘- vereinnahmend agierende Werbung im öffentlichen Raum!) zu platzieren. Und dieser Versuch ist insofern immer wieder legitim, da in einer demokratisch verfaßten Gesellschaft der Anspruch auf Ausdruck zu einem Anrecht des Menschen im Gemeinwesen gehört.

Und so erwarten die Besucher auch unerwartete, kreative Eingriffe in den öffentlichen Raum und die agierenden Künstler sind bei Ihrer Arbeit zu beobachten und anzusprechen. In den Räumen des Ausstellungsraumes „Kunst-Nah“ wird dann am 1. September um 19 Uhr eine Urban Art-Ausstellung des seit 1994 im public space arbeitenden, hamburger Künstelers „1010“ (sprich: tenten) zu sehen sein: bereits an seinem Künstlernamen ist abzulesen, daß er auf die Programmierungen und fatalen Automatismen der erschreckend digitaliserten Gegenwart der Nullen und Einsen reagiert und Fragen der gegenwärtigen kulturpolitischen Strategien thematisiert und ironisiert.

Es wär dem STAMP-Festival, seinen Organisatoren und künstlerischen Protagonisten zu wünschen, neben allen karnevalistischen Aktionen, den kunst- und kulturpolitischen Ernst der subversiven Affirmation ins Geschehen zu integrieren und sich an die Geschichte der selbstvertretenen Gattung StreetArt zu erinnern. Vielleicht steht dann auf dem IKEA-Bauzaun auch wieder eine Parole, die bereits 1981 auf einer Hauswand in Berlin zu lesen war: „Wer hier räumt hat ausgeträumt“. Die Sehnsucht nach der mit Kunst zu füllenden Straße hatte ja bereits der us-amerikanische Dichter Walt Whitman poetisch beschrieben: „O öffentliche Straße, ich habe keine Angst, dich zu verlassen, doch liebe ich dich, Du drückst mich besser aus, als ich mich ausdrücken könnte, Du sollst mehr für mich sein als mein Gedicht.“ Und das englische Wort ’stamp‘ steht ja nicht nur für (zer)stampfen, sondern auch im Sinne des frankierens für „frei machen“… tanzt und sprüht die Straße frei …

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Obiger Autoren-Text erschien in der September-Print-Ausgabe „Szene Hamburg“ 2011 – ohne das Goethe Zitat – dieses wurde von der Red. hier hinzugefügt.

Dank an Moritz von Kernten für die Rechte zur Veröffentlichung. In der Szene-Hamburg, ist der Text in Teilen leicht abgewandelt erschienen.

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STAMP

(Video + DIA Bildmaterial der vielseitigen Performances)

Mehr als 2.000 Künstler aus aller Welt bringen seit 2010 die Straßen von Altona-Altstadt von am ersten Septemberwochenende zum Brodeln. Über 200.000 Besucher kommen zu dem Straßenkunstspektakel zwischen Haus-Drei und Großer Bergstraße, zwischen „IKEA-Baustelle“ am Goetheplatz und Max-Brauer Allee.
http://www.stamp-festival.de/deutsch/home.html

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(Test-Seite im Aufbau)

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„Freie Tags“ im WC des berühmten Underground-Theater Foolsgarden

fotos: jörg stange, »tags im foolsgarden«

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„Lebenskringel und Tags“ in ihrer Summe geahndet wie Schwerverbrechen

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Narretei

Torheiten begangen, Torheiten gemacht,
Ich mache deren noch immer.
Ich hab sie gemacht bei Tag und bei Nacht,
Die nächtlichen waren weit schlimmer.

Ich hab sie gemacht zu Wasser und Land,
Im Freien wie im Zimmer.
Ich machte viele sogar mit Verstand,
Die waren noch viel dümmer.

(Heinrich Heine, Lamentationen)

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8 Jahre im Gefängnis wegen Graffiti und Graffitikürzel

https://medienwatch.wordpress.com/2011/07/29/8-jahre-im-gefangnis-wegen-graffiti-und-graffitikurzelnarretei/

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Graffiti Taxonomy presents isolated letters from various graffiti tags, reproduced in similar scales and at close proximity. The intent of these studies is to show the diversity of styles as expressed in a single character. In these photographs, the S‘ is reproduced from photographs of tags taken in the Lower East Side of Manhattan, while the ‚A‘ is reproduced from tags from Central Park North to 125th St. in Harlem.

This project is still in progress. I am currently seeking any leads for funding or from publications that would allow me to complete each letter of the alphabet from tags found throughout New York City.
http://evan-roth.com/graf_taxonomy/graf_tax_04.php
http://evan-roth.com/graf_taxonomy/graf_tax_11.php
http://evan-roth.com/graf_taxonomy/graf_tax_02.php

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<object style=“height: 390px; width: 640px“><param name=“movie“ value=“http://www.youtube.com/v/axq3ngoFK_s?version=3″><param name=“allowFullScreen“ value=“true“><param name=“allowScriptAccess“ value=“always“></object>

Graffiti im alten Rom = Monty Python »Das Leben des Brian« – Lateinunterricht

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Gängeviertel: Graffiti als Erstes waren die Zeichen da.
https://medienwatch.wordpress.com/2009/10/12/gangeviertel-schrittwechsel-macht-fortschritte/

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Oktober 2, 2011 at 19:56

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Ägypten am Scheideweg in eine neue Ära?

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Ein paar Hintergründe zu den Anfängen in Ägypten

Ägypten am Scheideweg in eine neue Ära?

Von Rüdiger Heescher
Geschichtlich gesehen hat Ägypten immer wieder Umwälzungen erfahren und kennt den Wandel der Zeiten aus einer 5000 Jahre alten Geschichte nur zu gut. Die Pharaonen leben aber weiter im Gedächtnis der Ägypter und es werden heute Witze über Mubarak gemacht. Mubarak zeigt sich stolz auf Bildern mit Ronald Reagan, Maggie Thatcher oder Helmut Schmidt. Auf einmal holt er ein Bild von sich mit Napoleon heraus. Die Lacher sind auf der Seite des Witzeerzählers. Aber dieses Verhalten zeigt auch das Verständnis, in dem sich Mubarak sieht und auch von einer ägyptischen Bevölkerung geteilt wurde. Bis jetzt! Seit dem 25.1.2011 ist alles anders geworden.
Vize-Präsidentnachfolger mit harter Hand in seinem Land. In seiner Regierungszeit, seit Oktober 1982, herrscht Kriegsrecht und Notstandsgesetze werden gegen die Bevölkerung eingesetzt. Er vermittelt den Eindruck als Übervater für das ägyptische Volk alles zu managen und den Frieden zu erhalten. Das wird ihm auch vom Westen und vor allem von Amerika sowie den europäischen Staaten zu gute gehalten. Die Beziehungen zum Westen wurden so gut, dass Ägypten ausserhalb der NATO zum wichtigsten Verbündeten für die USA wurde. Ägypten wurde sogar von Amerika in der Aufrüstung bevorzugt zu manch anderen NATO Partnern. Ägypten hat es unter Mubarak geschafft eine dominierende Rolle in der arabischen Liga zu spielen und ist das wirtschaftlich sowie militärisch stärkste Land auf dem afrikanischen Kontinent sowie der arabischen Welt. Allerdings auf Kosten der Bevölkerung.

Innenpolitisch wurde so getan, als wenn Ägypten eine Demokratie hätte, welche zu vergleichen ist mit der ehemaligen DDR. Es gibt eine dominierende Partei, die auch den Präsidenten stellt. Mubaraks National Demokratische Partei (NDP – bis zum 31.1.2011 Mitglied der „sozialistischen Internationale“ in der die New Labour Party, SPD oder auch SPÖ vertreten sind) könnte man mit der SED vergleichen und alle anderen Parteien sind Blockparteien mit eigenen kleinen Interessen, die ihnen auch solange gewährt wurden, solange sie das System ansich oder generellen Richtlinien nicht in Frage stellen. Eine Opposition in dem Sinne gibt es nicht in der Parteienlandschaft. Hat einmal wirklich jemand substantielle Kritik in der Öffentlichkeit geäussert wurde er gleich verhaftet und ins Gefängnis gesteckt. Meist unter fadenscheinigen Gründen, die formal begründet wurden. Noch vor 2 Jahren stellte sich ein mutiger Mann mit dem Namen Kamal El Gnzory in die Öffentlichkeit und war besorgt um die Wirtschaft sowie die ägyptische Währung in der Finanzkrise. Er bemängelte, dass die Gebühren für den Suezkanal in Euro und Dollar abgerechnet werden, aber kaum etwas davon in den Staatshaushalt fliessen würde.

Er machte den Vorschlag, dass die Gebühren in ägyptische Pfund erhoben werden sollen, was zum einen den Pfund aufwerten würde und zum anderen auch die Lebensmittelpreise stabil halten könnte über die Subventionen. Denn dafür sind die 25 Mio Dollar pro Tag Einnahmen aus den Suez Kanal Gebühren gedacht. Ein Fladenbrot kostete so subventioniert 5 Piasta, was sich jeder leisten konnte. Heute kostet es 25 Piasta. Das hat Diskussionen ausgelöst, die viele Dinge, die mit daran hingen, in der Öffentlichkeit offenbarten. Es wurde bekannt, dass sich jeder an dem Ausbau und Reparatur des Suezkanals bereicherte und das meiste in Taschen weniger landet. Es wurde bekannt, dass die Amerikaner keine Gebühren zahlen müssen. Es wurde bekannt, dass es kein Interesse gibt, dass dieses stolze Ägypten eine stärkere Währung haben sollte, um den europäischen Interessen vor allem zu dienen. Kamal El Gnzory wurde verhaftet und sitzt seit 2 Jahren im Gefängnis. Deutsche Unternehmen und Banken verdienen mit an dem Ausbau und Reparatur des Suezkanals, was heute unter dem Entwicklungsministerium Niebels verwaltet und gemanaged wird.

Dieses sind Auslandsschulden, die exorbitant die letzten Jahre gewachsen sind, da sich auch in der EU insgesamt die Entwicklungshilfe mehr darauf versteht Kredite zu geben, um europäischen Unternehmen eine Möglichkeit von Aufträgen zu geben. Das Prinzip ist das gleiche, wie man es in Deutschland in Kommunen kennt vom Strassenbau und Sanierung. Unternehmen bekommen den Zuschlag eine Strasse neu zu asphaltieren und bekommen jedes Jahr aufs neue diesen Auftrag, auch wenn es nicht notwendig wäre, wenn sie von vornherein guten Asphalt verwendet hätten. So findet in einem gemeinsamen Agreement der ägyptischen Regierung mit den europäischen Staaten Entwicklungshilfe statt. Die Regierungsmitglieder stecken sich Geld in die Tasche von den Auftragsnehmern und die Auftragsnehmer haben ständig neue Aufträge garantiert. Je mehr „Entwicklungshilfe“ geleistet wird, desto mehr wächst die Auslandsverschuldung Ägyptens und je reicher werden einige wenige.

Ägypten hat so 50 Dollar Milliardäre hervorgebracht, wovon bei der letzten Parlamentswahl Ende letzten Jahres 35 für die NDP im Parlament sitzen. Die Wahlen waren offensichtlich gefälscht, denn im September sollte Mubarak oder sein Sohn Jamal als Präsident vom Parlament gewählt werden. Die NDP hat so 4/5 aller Sitze bekommen, was die Wahl nicht gefährden kann. Doch seit dem 25.1.2011 ist jetzt alles anders.

Die Bevölkerung hat verstanden, wie die Zusammenhänge sind, warum die einen immer mehr korrupt sich bereichern und auf der anderen Seite die Überlebenschancen für die Masse immer schlechter werden. Ägypten hat eine breite gebildete junge Facebook Generation, die sich nicht das Brot vom Teller nehmen lässt und ihre Chancen für ihr Leben suchen.

Rüdiger Heescher (ehemaliger Mitarbeiter der Bundestagsfraktion und Parteivorstand der Linken, attac) hat 1 Jahr im nahen Osten vor, während und nach der Revolution in Ägypten verbracht. Ab November 2011 hält er Vorträge und Diskursveranstaltungen zum arabischen Frühling zu seiner Erfahrung im Rückblick, wie er die Revolution erlebt hat und wie seine Einschätzung zur weiteren Entwicklung im nahen Osten ist.

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medienwatch & metainfo
Ägypten: 70 Milliarden Privatbesitz des Diktators in einem armen Land
https://medienwatch.wordpress.com/2011/02/05/agypten-70-milliarden-privatbesitz-des-diktators-in-einem-armen-land/

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Ein paar Hintergründe zu den Anfängen in Ägypten
Ägypten am Scheideweg in eine neue
http://www.ngo-online.de/2011/09/30/agypten-am-scheideweg/

Dollar-Grafik: Jörg Stange (Dank an Rüdiger Heescher für die Rechte zur Veröffentlichung)

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Written by medienwatch & metainfo

Oktober 1, 2011 at 12:32

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