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Ägypten: 70 Milliarden Privatbesitz des Diktators in einem armen Land

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Montage: Jörg Stange

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Zu den Umbrüchen in Ägypten und Mubaraks Abgang

Nach Berechnungen von englischen Nahost-Experten könnte das Vermögen der Mubarak-Familie 70 Milliarden Dollar umfassen. Geld, das weltweit angelegt ist, auf Schweizer Banken, in deutschen und englischen Immobilien aber auch in anderen Kontinenten. Der größte Teil der ägyptischen Bevölkerung gehört der wirtschaftlichen Unterschicht an. Dafür belegt der Diktator des Landes und seine Familie einen Spitzenplatz unter den Superreichen des Planeten und kann damit mutmasslich Bill Gates ausstechen.

Die finanzielle Prosperität arabischer Despoten und ihre Implikationen

Der Umfang dieses bemerkenswerten Vermögens macht es nachvollziehbar, warum sich der ägyptische Gewaltherrscher an sein Präsidentenamt klammert: ein Abschied von der Macht hat dem Volumen der Besitztümer von Potentaten seines Kalibers selten gut getan: vielfach wurden Forderungen laut, die Vermögen der Despoten seien unredlich aus den Ressourcen seines Landes abgezweigt worden. Und in einigen Fällen führten solche Reklamationen zum Erfolg.
Solange jedoch der Diktator nicht unbedeutenden Landes kooperiert mit den Staaten des Westens und den von diesen angemeldeten geschäftlichen und politischen Interessen, muss er sich erfahrungsgemäss keine Sorgen darum machen, dass er etwa wegen der Vielzahl von Regimegegnern, die den Aufenthalt in seinen Haftanstalten oder Polizeistationen nicht überlebten, mit einer Störung seiner persönlichen finanziellen Befindlichkeiten konfrontiert wird. Ein verantwortungsvoller Finanzberater wird einem solchen Despoten ohne Zweifel den guten Tip geben, die Rolle des fürsorglichen, wenn auch strengen, Landesvaters solange fortzusetzen, wie sich dies mit den Umständen vereinbaren lässt. Und – optimalerweise – sein lukratives Staatsamt in der eigenen Familie weiterzureichen.
Bekanntermassen war dies bereits eingefädelt worden: der Mubarak-Sohn Gamal hatte die Thronfolge antreten sollen.
Die Tatsache, dass dieser bereits sorgsam vorbereitete Plan aufgrund des obstinaten Widerstands seiner rebellischen Untertanen aufgegeben werden musste, lässt nachvollziehen, dass der Herrscher nun guten Grund hatte, ungehalten zu sein und ihn anschließend zu Züchtigungsmassnahmen greifen liess, wie sie in den vergangenen Tagen zu beobachten.

Die angemessene Abfindung für einen vorzeitigen Rücktritt

Darüberhinaus ist es ja als gängige Praxis bekannt, dass leitende Angestellte und Führungskräfte im Fall ihres vorzeitigen Abtritts einen Anspruch auf eine angemessene Ablösesumme, eine Abfindung haben, wie etwa kürzlich vom Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin durchgesetzt, etwa im Umfang von 5 oder zehn Jahresgehältern bzw. entsprechende Pensionsansprüche.
Es ist davon auszugehen, dass auch Mubarak, nach nunmehr 62 Jahren im ägyptischen Staatsdienst von entsprechenden Ansprüchen ausgeht. Diese könnten sich messen an den Einnahmeausfällen, die durch seinen vorzeitigen Abgang wie auch durch das Scheitern der Machtübergabe an seinen Sohn Gamal, zu erwarten sind.

Hierbei wäre zu berücksichtigen, dass sich die eingeschätzten 70 Milliarden Dollar des Familienvermögens im Verlauf der vergangenen 30 Jahre nicht mit einer Stetigkeit von jährlich gut 2 Milliarden aufstockten und dass es sich anstatt mit einer linearen Dynamik eher um logarythmische Einkommenszuwächse handelte. Vereinfacht angenommen mag der Diktator im Jahr seines Antritts über 10 Millionen verfügt haben, die er im Verlauf eines Jahrzehnts um das 20fache vermehren konnte, also auf etwa 200 Millionen; ein Jahrzehnt darauf entsprechend auf die nennenswerte, aber nicht übermässige Summe von 4 Milliarden und bis heute – mit einer weiteren Verzwanzigfachung auf das vom Guardian aktuell vorgestellte Ergebnis.
In dieser Dynamik wäre also aktuell ein jährlicher Vermögenszuwachs anzusetzen, der bei 8 Milliarden oder mehr liegt, und der somit als Basis einer angemessenen Abfindung – wie sie in der westlichen Welt für Führungskräfte üblich ist – dienen würde.

Die – unter Berücksichtigung der angesprochenen Dynamik – zu erwartenden Einnahmeausfälle über die kommenden zehn Jahre kalkuliert, also wiederum um das 20-fache augestockte Summe, würde bei solcher Rechnung schon zum großen Teil in Verzicht gehen, also ein umfassendes Zugeständnis im Wert von über 1000 Milliarden.

Mubaraks Verhandlungsposition und seine Unterstützer

Als in Finanzfragen sicherlich kompetent einzuschätzen, wird der ägyptische Potentat seine Verhandlungsposition sicher entsprechend seriös eingestuft haben und mindestens einen Teil seiner zu erwartenden Einnahmeausfälle sowie die Bedrohung seiner Besitztümer durch den Machtverlust kalkuliert haben. Die entsprechenden Verhandlungen muss er zwangsläufig führen und zum Abschluss gebracht haben, BEVOR es zu seinem Rücktritt kommt. Anschliessend wäre die Sache verloren. Sein Druckmittel liegt gegenwärtig darin, dass die ungeklärte Situation die ägyptische Wirtschaft schwer beschädigt und umfassende Einnahmeverluste verursacht, die sich also bis zu einer Klärung fortsetzen werden. Unterstützung erfährt er dabei von großen Teilen des ägyptischen Staatsapparats, die ihm loyal verbunden sind, insbesondere von den 1,5 Millionen Beschäftigten bei der Polizei und dem Sicherheitsapparat, nicht zu vergessen die ca. 3 Millionen Mitglieder der Regierungspartei: fast alle ausgestattet mit Pfründen der ein oder anderen Art, die im Fall eines Kollapses des Regimes hinfällig sind.

Darüberhinaus ist davon auszugehen, dass auch seine Partner bei den westlichen Regierungen involviert sind in Mubaraks Verhandlungen um Sicherung seines Vermögens: sie haben ggf. zu garantieren, dass es nicht etwa zu einer Pfändung, etwa aufgrund von Forderungen einer künftigen ägyprischen Regierung kommt.
Sein Druckmittel liegt ihnen gegenüber unter anderem in einer Drohung mit einem unkontrollierten Abgang oder der Machtübergabe an die Muslim-Bruderschaften oder ähnliche Kräfte.

Deutsche Aussenpolitiker am Ball

Dies Risiko wurde offenbar bereits sogar vom aussenpolitischen Sprecher der CDU, Rupert Polenz, erkannt, der es befürwortete, vorsorglich mit den gemässigten Teilen der Muslimbruderschaften in Kontakt zu treten – zweifellos ein vernunftgesteuerter Gedanke, um sich aus der Erpressungssituation, die aktuell von Mubarak dominiert wird, zu befreien.

Ungeachtet dessen haben zwischenzeitlich sämtliche Politiker des Westens effektiv zugunsten des schwerreichen Diktators abgegeben: fraglos werden in hoher Frequenz Lippenbekenntnisse pro Demokratie und pro Menschenrechte abgegeben: dies scheint aktuell als Vorschrift für jedes Politikerstatement zur Situation in Ägypten zu gelten. Gleichzeitig stellt, wer den substantiellen Gehalt dieser Statements untersucht, fest, dass keinerlei konkrete Schritte zur Unterstützung der Demonstranten und einer von ihnen geforderten Demokratie enthalten ist: durchweg werden Mubarak und seinem Regime sämtliche Hintertüren offengehalten, um nach einigen Wochen der Unruhe wieder zum repressiven business as usual, wie es diese Diktatur seit 30 Jahren kennt, zurückzukehren. Angela Merkel ging aktuell sogar soweit, vor baldigen Wahlen zu warnen. Sie empfiehlt den Gegnern der Demokratie Geduld, ohne Rücksicht darauf, dass zu erwarten steht, dass mit einem Ende der Protestaktivitäten umfassende Säuberungsmassnahmen durch Polizei, Geheimdienst und den übrigen Sicherheitsapparat zu erwarten stehen, um den Widerstand vollends zu ersticken.
Angela Merkel hat vor dem Aufflammen der Proteste nie einen Grund gesehen, sich über Diktatur, Unterdrückung, umfassende Menschenrechtsverletzungen usw. zu beklagen. Es steht nicht zu erwarten, dass sie sich anders verhält, sollte es dem Regime gelingen, sich durch eine weitere Kampagne der massiven Unterdrückung zu stabilisieren. gw, metainfo – 05.02.11
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Mubarak family fortune could reach $70bn, say experts
Egyptian president has cash in British and Swiss banks plus UK and US property
http://www.guardian.co.uk/world/2011/feb/04/hosni-mubarak-family-fortune

http://news.web-hh.de/?newsfull=1&lid=33657&rubrik=politik

Fuer vollständige Info / Quellen / Bildmaterial / Videos usw. den nachfolgenden angegebenen Link zum Beitrag aufrufen!

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USA setzen 70 Milliarden Dollar in ägyptischen Wüstensand

Thema: Massendemonstrationen in Ägypten 6/2/2011
http://de.rian.ru/opinion/20110203/258261319.html

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weitere Beiträge:

Hieroglyphenschrift aus gr. hierós = ‚heilig‘ + gr. glýphein = ‚eingravieren‘ Chepren’s Pyramid [::] Foto: Hajor, Grafik jst

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Ägypten: die Stützen der Diktatur + Analyse der Machtverhältnisse

https://medienwatch.wordpress.com/2011/01/29/agypten-die-stutzen-der-diktatur/

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Desert-Dollar-Test-Card-Bildarbeiten: Jörg Stange, Gunnar F. Gerlach, Gfok-Kunstarchiv medienwatch


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Written by medienwatch & metainfo

Februar 5, 2011 um 16:55

Veröffentlicht in Allgemein

2 Antworten

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