medienwatch & metainfo (gfok)

Medienrecherche: Politik | Wissenschaft | Kunstprojekte

Ägypten: die Stützen der Diktatur + Analyse der Machtverhältnisse

with 3 comments

desert-testcard-jst/gfok 2011, medienwatch

Steht das Ende der jahrhundertealten neokolonialen Dominanz bevor?
Nur selten wird in westlichen Medien berichtet über die Stützen der Diktatur in den nordafrikanischen und anderen arabischen Ländern, die gleichzeitig gern als Beispiele dafür zitiert werden, dass demokratische Verhältnisse in islamischen Ländern nicht möglich seien. Das westliche Publikum ist deshalb weitgehend unwissend, wenn es um die tatsächlichen Machtverhältnisse in diesen Ländern und deren Hintergrund geht: mitverursacht werden sie nämlich durch Kräfte, mit denen die Medien des Westens sympathisieren und deren PR sie vielfach betreiben.

Nur selten gehen die europäischen Medien ein auf die Hintergründe der verkrusteten und nur schwach bemäntelten Diktaturen im islamischen Raum.
Tatsächlich nämlich ist festzustellen, dass diese Diktaturen die Unterstützung der europäischen Staaten und besonders der USA genießen. Nicht umsonst erhielt das ägyptische Militär 2-stellige Milliardenbeträge an Sponsoring der USA.
Die Logik dahinter ist ausgesprochen simpel und entzieht sich dabei den meisten europäischen Journalisten, für die es nicht opportun ist, diese Dinge beim Namen zu nennen: dies würde das eigene politische Lager beschädigen, das von den Diktaturen im islamischen Raum profitiert.
Schon die Vorstellung, diese Länder würden demokratisch regiert und in ihrer Politik den Willen der Bevölkerung zum Ausdruck bringen, treibt kundigen westlichen Diplomaten und Journalisten den Angstschweiss auf die Stirn: dies könnte nämlich dazu führen, dass man in diesen Ländern nicht mehr so willig wäre, sich von europäischen und amerikanischen Konzernen ausplündern oder zu komfortablen Bedingungen die Geschäfte westlicher Konzerne abzuwickeln zu lassen. Oder dass diese Länder und ihre Regierungen anfangen, die Interessen ihrer Bevölkerungen zu vertreten, die nicht auf der Linie Washingtons, Londons oder Tel Avivs liegen.

Hinzu kommen außenpolitische und strategische Vorteile: wenn man sich zur Durchsetzung eigener Interessen in einer Region darauf beschränken kann, einer korrupten Führungskaste die Taschen zu füllen, ihre Macht zu stützen und zu sichern durch nachhaltige Unterstützung und Kooperation der Geheimdienste und nicht zuletzt das Militär mit finanziellen Mitteln abhängig zu machen, dann ist damit viel gewonnen zugunsten imperialer oder neokolonialer Machtinteressen und Kontrolle: hierbei handelt es sich um die klassischen Methoden der neokolonialen Dominanz, die sich als effizienter erwiesen, als die direkte koloniale Beherrschung eines Landes, die hohen militärischen Einsatz erfordert und schnell zur Zielscheibe der einheimischen Bevölkerung wird.

Etablierung einer solchen neokolonialen Kontrolle ist in Ägypten unter der Herrschaft Mubaraks offenbar gut gelungen. Geostrategisch ist die Lage Ägptens sehr bedeutsam, insbesondere durch die Passage des Suezkanals, die hier kontrolliert wird. Gleichzeitig hat sich Ägypten unter Mubarak zu einer wichtigen Stütze Israels entwickelt, also des wichtigsten westlichen Vorpostens im Nahen Osten, der einen wichtigen Beitrag dazu leistet, die westliche – besonders die amerikanische – Dominanz über die umfangreichen Energieressourcen des Nahen Ostens zu sichern. Allein im Jahr 2007 wurde von seiten der USA eine Summe von mehr als 60 Milliarden Dollar an Militärhilfe für die Verbündeten im Nahen Osten bereitgestellt, zu deren größten Empfängern Israel und Ägypten gehörten.

Ohne Übertreibung kann man deshalb feststellen, dass die Macht Ägyptens auf diesem Weg gekauft wurde: ohne diese umfangreiche Unterstützung, die dem Militärapparat zugute kommt, auf dem letztlich die Staatsmacht beruht, ist davon auszugehen, dass Mubarak schon vor längerer Zeit gestürzt worden wäre.

Wenn Mubarak heute die Proteste in seinem Land brutal durch die Polizei niederknüppeln lässt, dann erfolgt dies letztlich auch im Auftrag der amerikanischen und der israelischen Regierungen, die ein großes Interesse an einer Kontinuität der Herrschaft Mubaraks haben, der sich ihnen in den vergangenen Jahrzehnten als kooperativer und entgegenkommender Partner zeigte, während er sich über die Interessen und die Stimmungslage in der eigenen Bevölkerung hinwegsetzte.

Nicht viel anders gilt dies auch für die europäischen Regierungen: sie stehen zum Einen in der Loyalität ihrer NATO-Mitgliedschaften und der hiermit kaum verdeckten Absicht zur Kontrolle der nahöstlichen Energiereserven. Darüberhinaus betreiben sie bzw. bei ihnen angesiedelte große Konzerne wichtige Geschäfte in Ägypten und anderen arabischen und nordafrikanischen Staaten, etwa der Touristikbranche: eine liberalere Staatsführung, die womöglich Aktivitäten der Gewerkschaften zulässt, könnte für sie unangenehme Konsequenzen haben, wenn etwa das Hotelpersonal in den Regionen am Roten Meer oder am Mittelmeer nicht mehr mit niedrigsten Löhnen abgespeist werden kann oder ihnen steuerliche Abgaben zur Finanzierung der Infrastruktur auferlegt würden.

Nahost-Regime und Israel / US-Beziehungen: eine Hand wäscht die andere

Eine Reihe von Staaten im islamischen Raum arbeitet darüberhinaus mit den Geheimdiensten der USA und Israels zusammen um die Staatsmacht der jeweiligen autoritären Regierung abzusichern: die Schlagkraft und Effizienz besonders auch des israelischen Geheimdienstes stehen diesbezüglich in sehr vorteilhaftem Ruf und Aufträge zur Beratung oder Reorganisation für die Bekämpfung der innerstaatlichen Opposition werden unter anderem auch von südamerikanischen Regierungen nach Israel vergeben. Früher bestand entsprechend eine enge Kooperation mit dem südafrikanischen Apartheidsregime. Diese Aktivitäten und Kooperationen wurden vielfach durch Amnesty und andere Menschenrechtsorganisationen belegt. Auf israelischer Seite besteht ein großes Interesse daran, die autokratisch-diktatorischen Regime des Nahen Ostens zu stützen, da diese sich der Stimmungslage der jeweiligen Bevölkerungen entgegenstellen, die ein Ende der israelischen Besatzung der palästinensischen Gebiete fordern. Effektiv besteht zwischen den arabischen Regimen gegenüber den Regierungen Israels und der USA ein Verhältnis des „eine Hand wäscht die andere“, bei dem Israel und die USA diesen Regimen helfen, ihre Macht zu stabilisieren und im Gegenzug ein entgegenkommendes politisches Verhalten erwarten können.

Bedrohungslage durch den Aufstand der ägyptischen Bevölkerung gegen die Diktatur

Die aktuellen Entwicklungen bedeuten nun eine schwere Bedrohung für die bisherige Partnerschaft der nahöstlichen Regime mit den USA und Israel: die Letzteren befinden sich praktisch in einem Boot mit den bedrohten Autokraten. Sollten diese durch den Volkszorn hinweg gefegt werden, dann bedeutet dies auch für die Regierungen Israels und der USA eine schwerwiegende Herausforderung, die bisherige vorteilhafte Beziehung wiederherzustellen. Für Israel ergäbe sich eine sehr unangenehme Perspektive, wenn der große Nachbarstaat im Südwesten sich nicht mehr willig-kooperativ sondern entsprechend den von der überwiegenden Mehrheit geteilten Vorstellungen der Bevölkerung zur Aussenpolitik verhält. Ebenso wären durch eine solche Entwicklung wesentliche strategische Interessen der USA (aber auch besonders der früheren Kolonialmacht Großbrittannien) bedroht.
Es kann deshalb davon ausgegangen werden, dass die Drähte zwischen den an der bisherigen Partnerschaft beteiligten Ländern glühen, dass Krisenstäbe eingerichtet wurden, um dem bedrohten Partnerregime in Ägypten unter die Arme zu greifen.

In dieser Hinsicht liegt der Fall also erheblich schwerwiegender, als etwa in Tunesien, wo die strategischen Positionen als eher nachgeordnet gelten können und wo als aussenpolitischer Partner in erster Linie die vergleichsweise schwache französische Regierung involviert war. Somit ist die Herausforderung für die ägyptische Bevölkerung, ihre diktatorische Staatsmacht abzuschütteln, als eine sehr viel größere zu betrachten.

Ein Ende der jahrhundertealten (neo)kolonialen Dominanz?

Ein Ende der autokratisch-diktatorischen Regime im islamischen Raum hätte insbesondere eine schwere Krise bei der Vertretung und Durchsetzung westlicher Interessen in diesen Ländern zur Folge, mutmasslich ein Ende der spätestens seit dem 19.Jahrhundert bestehenden kolonialen bzw. neokolonialen Dominanz der Region durch die europäischen Kolonialmächte und der USA. gw | 29.01.11

.
Fuer vollständige Info / Quellen / Bildmaterial / Videos usw. den nachfolgenden angegebenen Link zum Beitrag aufrufen!

================

globalisierungskritische Nachrichten WWW.Meta-Info.De

Link zum Beitrag / Hintergrundinfo, Quellen oder Pressehinweis:

www.meta-info.de?site=metainfo&lid=33652

Redaktionspool – metainfo hamburg – http://www.meta-info.de

.
http://www.abendblatt.de/politik/ausland/article872070/USA-ruesten-Verbuendete-in-Nahost-auf.html

http://www.sueddeutsche.de/politik/aegypten-wie-der-westen-mubarak-stuetzt-milliarden-fuer-den-autokraten-1.1051614

http://www.globaldefence.net/kulturen-im-konflikt/30-islamische-kulturen-und-israel/171-niltal-aegypten.html?start=2

http://www.dasdossier.de/land/aegypten

http://english.aljazeera.net/indepth/spotlight/anger-in-egypt/

http://www.indymedia.org/de/

.

ARD: »Propaganda wird eingestanden«

Was von unserer Seite wiederholt moniert worden war: die propagandafoermige Berichterstattung der grossen Medien, wurde nun vom ARD-Nachrichtenchef zugegeben: die einseitige Berichterstattung. die etwa im Fall Chinas sofort den Reflex und Fokussierung auf Menschenrechtsverletzungen aktivierte, waehrend man einen Diktator Mubarak unter die guten Despoten rechnete.

Hinweise auf „Merkwuerdigkeiten“ dieser Art erfolgten nicht nur von unserer Seite, sondern auch vielfach durch Leser der Online/Portale der grossen Medien, die darauf in Leserkommentaren aufmerksam machten.
Die verantwortlichen Journalisten erwiesen sich ueberwiegend als resistent gegenueber solchen Hinweisen und ignorierten sie souveraen. Vor diesem Hintergrund kann das Bekenntnis von ARD/Nachrichtenchef Gniffke als bemerkenswert gelten und es stellt sich die Frage, wodurch dieser Stimmungswandel  die – vorsichtige – Verabschiedung von der bisher gewohnten Einseitigkeit verursacht wurde.

Unsererseits ist dabei festzustellen, dass die Welt derzeit geopolitisch als in weitreichenden Umbruechen befindlich anzusehen ist: die Strukturen und Masstaebe, die fuer lange Jahre, wenn nicht fuer Jahrhunderte, massgeblich waren, verlieren ihre Tragfaehigkeit, eine Umorientierung in erheblichem Umfang wird unerlaesslich, um sich einzurichten auf die stark veraenderten Rahmenbedingungen der Zukunft. Selbst Medienprofis die sich an die Definitionshoheit gegenüber der Realitaet gewoehnt haben, koennen sich diesen Veraenderungen nicht mehr entziehen. gw – metainfo | 04.02.11

.

ARD-Nachrichtensendung: Ausnahmerecht nicht hinreichend gewürdigt

ARD-Nachrichtenchef übt vorsichtige Selbstkritik

ARD-aktuell-Chef Kai Gniffke hat im „Tagesschau“-Blog Versäumnisse des Senders bei der Berichterstattung über Ägypten eingeräumt – Kritik am Umfang der Nachrichten vom Aufstand im Land dagegen wies er in einem Radiointerview zurück:
http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,743364,00.html

Ergänzende Info:

http://news.web-hh.de/?newsfull=1&lid=33656&rubrik=politik

.

.

Foto: Hajor (oben/unten), Transformative-Test-Grafik-Bildbearbeitung egypt-pyramid(e)card-desert: jörg stange gunnar f. gerlach-gfok-kunstarchiv

.

.

.

Die ägyptische Revolution und plündernde Polizei

Nach Berichten von Beobachtern, die seit langer Zeit mit den Verhältnissen im Land vertraut sind, ist es angemessen, das gegenwärtige Geschehen in Ägypten als eine Revolution zu bezeichnen. Selbst wenn es noch nicht zum angestrebten Rücktritt des Diktators gekommen ist, hat sich die Lage doch in einer Form gewandelt, dass Mubarak keine Zukunft mehr bleibt. Entscheidend waren offenbar die Ereignisse vom Freitag, als die Bevölkerung die verhasste Polizei des Despoten im Verlauf massiver Auseinandersetzungen in die Flucht schlug. Der Erfolg wird nun gemeinsam mit der Armee gefeiert.

Auch eine Depesche der US-Botschaft, die durch Wikileaks bekannt wurde, belegte die hoffnungslose Situation in Ägypten insoweit es um den Schutz der Menschenrechte ging. Folter und Brutalität waren an der Tagesordnung und jeder musste damit rechnen, schwere Misshandlungen durch die Polizei zu erfahren. Dass die Auseinandersetzung mit diesen Schergen des Regimes zur wichtigsten Schlacht der ägyptischen Revolution wurde, war deshalb nicht zufällig. Von den Menschen wird das Verschwinden der Polizei von den Strassen der Hauptstadt als Befreiung betrachtet.
Mit den Truppen der Armee hingegen fanden vielfach Verbrüderungen statt. Zumindest in den unteren Rängen scheint Mubarak keinen Rückhalt mehr zu genießen. Es kam offenbar auch dazu, dass Truppen der Armee Demonstranten vor Angriffen der Polizei schützten. Auch gab es von ihrer Seite keine ernsthaften Versuche, die Ausgangssperre durchzusetzen, die von vielen durchbrochen wurde.

Die beobachteten Plünderungen wurden mindestens in einigen Fällen von der Polizei durchgeführt: Al Jazeera gab Hinweise darauf und auch die ZEIT erwähnte in einem Bericht, dass die Armee plündernde Polizisten in Gewahrsam nahm. Auch in einer Reihe anderer Fälle fiel auf, dass die Plünderer Polizeimarken trugen.
Darüberhinaus wurden Berichten zufolge von der Polizei auch kriminelle Gefängnisinsassen freigelassen, die sich an den Plünderungen beteiligte, nachdem sie durch die Polizei daran nicht gehindert wurden.
Es sollte der Bevölkerung anscheinend das Signal gegeben werden, dass sie, wenn sie nicht die Dominanz der Polizei im öffentlichen Raum respektierte von ihr auch keinen Schutz mehr zu erwarten habe. Als wesentliches Ereignis der Veränderung wird von Beobachtern und Kennern der ägyptischen Verhältnisse berichtet, dass die Furcht vor dem bisher nahezu allmächtigen Sicherheitsapparat Mubaraks gebrochen wurde; dass die Bevölkerung aus unterschiedlichsten Schichten, Arme wie Reiche und Geschäftsleute sich gemeinsam zur Wehr setzten und damit erfolgreich waren. Nun wird bezweifelt, dass Mubarak noch über eine Macht verfügt, die über seinen eigenen Amtssitz hinaus reicht. Sämtliche verhängten Ausgangssperren wurden von von der Bevölkerung ignoriert. Der Regierung fehlte offensichtlich die Macht zur Durchsetzung. Die verhasste Polizei vermied es, noch in Erscheinung zu treten. Um die Ereignisse der ägyptischen Revolution weiter zu verfolgen, bietet sich aktuell der Livestream des Senders Al Jazeera an, zu finden unter:

http://english.aljazeera.net/indepth/spotlight/anger-in-egypt/
Auch auf Twitter treffen in hoher Frequenz neue Informationen ein:
http://twitter.com/sharifkouddous
http://www.zeit.de/politik/2011-01/revolution-der-pluenderer

Redaktionspool – metainfo hamburg – http://www.meta-info.de

http://news.web-hh.de/?site=metainfo&lid=33653

.

.

.

.

+++ Mubarak befördert Geheimdienstchef +++

Statt Rücktritt gibt es einen Vize

Der neue Vizepräsident Ägyptens wird ein Vertrauter Mubaraks, der Geheimdienstchef Omar Suleiman. Trotz erneuter Ausgangssperre ziehen Tausende durch die Straßen, das Militär bleibt ruhig. 29.01.2011
http://www.taz.de/1/politik/nahost/artikel/1/statt-ruecktritt-gibt-es-einen-vize/

.

Protest: „Empört euch!“

Der 93-jährige ehemalige französische Widerstandskämpfer und Autor Stéphane Hessel über seine Streitschrift „Empört euch!“, die zum friedlichen Aufstand gegen die herrschenden Verhältnisse aufruft, und über seine Rolle als Held einer unzufriedenen Jugend
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,druck-741046,00.html

.

.

dradio hoeren: Interview

„Eine Bewegung, die die Bevölkerung irgendwie beeindruckt“

Ex-Widerstandskämpfer Hessel hofft auf Eroberung der Demokratie in Tunesien und Ägypten
Stéphane Hessel im Gespräch mit Christopher Ricke
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/interview/1374946/.

.

Sonntag, 30. Januar 2011 12:00 Uhr

Ägyptische Regierung verbietet Fernsehsender Al Dschasira – Tausende Gefangene geflüchtet

Die ägyptische Regierung hat den arabischen Fernsehsender Al Dschasira abgeschaltet. Einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Mena zufolge ordnete der scheidende Informationsminister El Fekki ein Arbeits- und Empfangsverbot für den Sender an:
http://www.dradio.de/nachrichten/201101301200/1

.

.

Ägypten

Deutsche Firmen ziehen Mitarbeiter ab

Die Unruhen in Ägypten behindern die Produktion zahlreicher deutscher Unternehmen. Bei BMW und Daimler in Kairo stehen die Bänder still. ThyssenKrupp rät seinen Mitarbeitern, zu Hause zu bleiben. RWE hat seine Angestellten bereits nach Deutschland zurückgeholt:
http://www.faz.net/s/RubEC1ACFE1EE274C81BCD3621EF555C83C/Doc~E70CC7FFE6C4D452783F436EEF8EFFB44~ATpl~Ecommon~Scontent.html

.

Ägypten Mubarak lässt Al-Jae

Ägyptens Opposition ruft zu Massenprotesten auf, doch Mubaraks Regime versucht, die Kommunikationswege zu stören. Mehrere Al-Jazeera-Mitarbeiter wurden festgenommen:
http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-01/aegypten-opposition-generalstreik

.
Politologe übers Kräfteverhältnis in Ägypten | 01.02.2011

„Die Armee hilft uns“

Noch spielt das Militär eine wichtige Rolle. Aber auch das wird sich erledigen, meint der Politologe Amr Hamzawy, der am Tahrir-Platz protestierte. An eine islamistische Wende glaubt er nicht:
http://www.taz.de/1/politik/nahost/artikel/1/die-armee-hilft-uns/

.

Ägyptische Perspektiven: Analyse der Machtverhältnisse

Der Diktator schlägt zurück

Nach mehr als einer Woche der ägyptischen Proteste sind die bestehenden Fronten einigermassen deutlich geworden. Während die oppositionellen Gruppierungen sich insgesamt kooperativ präsentierten, zusammengesetzt aus allen Schichten der Gesellschaft, erschien bisher als große Unbekannte in diesem Spiel die Armee, das Militär. Die vielfachen Verbrüderungen zwischen Demonstranten und Armeetruppen bezeichnen nur eine Seite dieser Medaille. Auf der anderen Seite steht Mubarak selbst als Oberkommandierender des Militärs.

Zur Auflösung dieser Gleichung im agyptischen Revolutionsspiel gibt Pepe Escobar in der Asia Times ein paar Hinweise: die wichtigsten Positionen in der Führung des agyptischen Systems sind bisher besetzt mit Führungskadern des Militärs. Neben Mubarak selbst sind eine Reihe von gewichtigen Positionen besetzt mit Militärs, die ihre Karriere in der Luftwaffe gemacht haben und die daraus einen Anspruch auf die Zugehörigkeit zur Machtelite ableiten. Diese sind deshalb weitgehend mit dem System Mubaraks verbunden, wie auch Shafiq, der designierte Regierungschef. Daneben zählen die Republikanischen Garden 60.000 Mann, kommandiert von Verteidigungsminister Tantawi, der mit dem Pentagon eng verbunden ist und dessen Truppen den systemstabilisierenden Kräften zuzurechnen sind.
Die eigentliche Armee umfasst 450.000, zum großen Teil wehrpflichtige Rekruten. Sie neigt am ehesten den Aufständischen zu und es war ihr Chef, Sami Annan, der erklärte, man werde nicht auf die Demonstranten schiessen.

Verhältnismässig eindeutig kann die Position des Sicherheitsapparats und der Polizei identifiziert werden: deren Angehörige stehen überwiegend hinter dem System Mubaraks. Sie stehen aktuell mit dem Rücken zur Wand: sie sind bei der Bevölkerung verhasst durch die alltäglich ausgeübte Folter und Brutalität ebenso, wie durch die hier grassierende Korruption. Dass sie verantwortlich sind für gewalttätige Aktivitäten und Plünderungen wurde wiederholt berichtet. Auch zum aktuellen Zeitpunkt der Auseinandersetzungen zwischen Regimegegnern und Anhängern Mubaraks kann davon ausgegangen werden, dass Letztere sich insbesondere aus dem Sicherheitsapparat rekrutieren.

Hinzu kommt die Praxis, die nicht nur aus Ägypten bekannt, sondern in vielen Ländern der 3. Welt, etwa auch in Indien üblich ist, regimetreue Demonstrationen und Kundgebungen (wie auch die Manipulation von Wahlen und Abstimmungen) mithilfe von Bewohnern der Slums und anderer verelendeter Kreise zu organisieren, die dafür mit kleinen Geldbeträgen entlohnt werden.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist zu beobachten, dass Mubarak und sein Sicherheitsapparat tief in die Kiste der schmutzigen Tricks greifen, um die Situation zu ihren Gunsten zu wenden. Was allerdings 3 Jahrzehnte lan funktionierte, erscheint nun kontraproduktiv: die Augen der Öffentlichkeit, nicht nur in Ägypten, fokussieren sich auf das Geschehen und viele der Manipulationen werden schnell als solche erkannt und verschärfen damit das Urteil gegen das Mubarak-Regime. Es kann damit noch einen Zeitgewinn erzielen, riskiert aber dabei, im Ergebnis die Fallhöhe noch einmal deutlich zu steigern.
Der Konflikt droht aufgrund der hinhaltenden und manipulativen Reaktion des Mubarak-Regimes noch einmal erheblich zu verschärfen, um möglicherweise schließlich vollständig ausser Kontrolle zu geraten, so dass ein gemässigter Übergang in eine Demokratisierung unter politischen Exponenten, wie El Baradei ausgeschlossen wird und fundamentalistische Kräfte die Oberhand gewinnen, wie vor 3 Jahrzehnten im Iran.

Gleichzeitig muss das Vorgehen der US-Regierung, die fraglos ein großes Interesse daran hat, dass sich wenig am status quo ändert, als zwielichtig betrachtet werden: während man in offiziellen Statements die Demokratisierung und Gewaltfreiheit einfordert, wird ein Sonderbotschafter, Frank Wisner, nach Kairo entsandt, der sich bei genauerem Hinsehen als Lobbyist und enger Partner des Mubarak-Regimes herausstellt.
Die Distanzierung von diesem Regime ist offenbar nur eine vorgespiegelte. Sicher ist man in Washington bereit, Mubarak fallen zu lassen, wenn sich dieser als unhaltbar herausstellt. Es ist naheliegend, die Ernennung von Geheimdienstchef Suleiman als Vizepräsidenten als einen Schritt auf Anweisung aus Washington zu betrachten: mit Suleiman hätte man einen geeigneten Ersatz, der nahezu nahtlos die Politik Mubaraks fortzusetzen verspricht.

Insgesamt ergibt sich der Eindruck, dass die amerikanische Linie mit der des ägyptischen Diktators überein geht: man ist bemüht, nur die absolut unverzichtbaren Zugeständnisse an die Bewegung des Widerstands zuzulassen und gleichzeitig sämtliche Register zu ziehen, bzw. Ägyptens Diktator dabei zu beraten und zu begleiten, um diese unter Kontrolle zu bringen.
Ein Kurs, der sich als sehr gefährlich, als ein vabanque-Spiel herausstellen kann, bei dem der ganze bisherige Einsatz auf dem Spiel steht, wenn sich in der Folge die radikalen Kräfte des Widerstands durchsetzen. Dass dann noch die besänftigenden Statements Obamas helfen, muss bezweifelt werden. gw, metainfo – 03.02.11 1831

http://www.atimes.com/atimes/Middle_East/MB03Ak02.html

http://www.juancole.com/2011/02/mubaraks-basij.html

http://english.aljazeera.net/news/middleeast/2011/02/201122124446797789.html

http://www.huffingtonpost.com/2011/02/03/vodafone-egypt-text-messages_n_817952.html

.

Fuer vollständige Info / Quellen / Bildmaterial / Videos usw. den nachfolgenden angegebenen Link zum Beitrag aufrufen!

================

globalisierungskritische Nachrichten WWW.Meta-Info.De

Link zum Beitrag / Hintergrundinfo, Quellen oder Pressehinweis:

www.meta-info.de?site=metainfo&lid=33655

Redaktionspool – metainfo hamburg – www.meta-info.de

.

+++Gewalt in Ägypten: Liveticker „Wenn ich heute zurücktrete, wird Chaos ausbrechen“+++
http://www.sueddeutsche.de/politik/machtkampf-in-aegypten-liveticker-mindestens-fuenf-tote-und-kein-ende-der-gewalt-1.1054777

.

.

Medien: Gebetsmühlen drehen für die Diktatur

Nachdem für einige Tage bei den liberalen Medien Verständnis aufflackerte für den Widerstand gegen die ägyptische Diktatur hat sich nun der Wind wieder gedreht und staatstragende Beiträge, die für Toleranz und „Geduld“ gegenüber dem Gewaltregime werben, dominieren wieder die Medienlandschaft.

Die Financial Times veröffentlicht aktuell einen Beitrag, in dem sie die seit Jahrzehnten vorgetragene Legitimation der Mubarak-Diktatur bekräftigt: die Moslem-Bruderschaften seien gefährlich und müssten unter Kontrolle gehalten werden. Wer in Ägypten Demokratie und Freiheit zulasse, müsse damit rechnen, dass die muslimischen Netzwerke, die Gelegenheit nutzten, die Demokratie zu beseitigen.
Eine Argumentation, die an die des Generals im Vietnamkrieg erinnert, als er erklärte, dass man eine Stadt zu ihrem Schutz habe zerstören müssen: das Mubarak-Regime verweigert den Ägyptern numehr seit 30 Jahren Freiheit und Demokratie – mit dem Hinweis der Bedrohung durch die Moslem-Bruderschaften.

Wikileaks-Dokumente belegen, dass dies auch wieder durch den nun zum Vizepräsidenten ernannten Omar Suleiman versucht wurde, der sich bemühte, eine Dämonisierung der Moslembruderschaften zu erreichen. Selbst Vertreter des US-Außenministeriums hatten darauf skeptisch reagiert.

Ungeachtet dessen bemühen sich auch deutsche Journalisten wieder, diese Argumentation gebetsmühlenartig ihrem Publikum einzuhämmern.
Auch die FAZ erklärt Geduld zum „Gebot der Stunde“. Die Begleitung des Demokratisierungsprozesses durch die USA werde dafür sorgen, dass der Lauf der Dinge in Ägypten den richtigen Weg nehme.
Dass die Gegner des Regimes weiterhin in den Gefängnissen dessen Folterknechten ausgesetzt sind, berührt weder Angela Merkel noch die diversen Journalisten, die aktuell staatstragende Kommentare mit der Mahnung zur „Geduld“ verfassen. Auch die ZEIT interessiert sich nicht mehr dafür, wie es den Opfern der brutalen Maschinerie des ägyptischen Sicherheitsapparats ergeht, nachdem die westlichen Journalisten aus der Haft entlassen wurden. Stattdessen widmet sie einen Beitrag den Befindlichkeiten des ägyptischen Großunternehmers Sawiris, der ebenfalls wenig Grund zur Eile sieht. Zu den Ausnahmen gehört der Veteran unter den westlichen Nahost-Korrespondenten, Robert Fisk, der im englischen „Independent“ seine Recherchen und Analysen ausbreitet. Im Unterschied zu den deutschen Medien ist er der Frage nachgegangen, die von unserer Redaktion in der vergangenen Woche aufgeworfen wurde, wie es dazu kommen konnte, dass vom US-Aussenministerium Frank Wisner, von dem Hillary Clinton wissen musste, dass es sich bei ihm um einen Lobbyisten, also einen Interessenvertreter Mubaraks handelte, als Sondergesandter und Vermittler nach Kairo geschickt wurde.

Auch im Übrigen deckt er die Lügen und die Doppelmoral des Gewaltregimes und seiner westlichen Unterstützer auf. Er erwartet allerdings eine wenigstens teilweise positive Entwicklung und zitiert den lateinamerikanischen Schriftsteller Marquez: „the dictator tries to test the limits of the engine, by doing everything except what he should do. He becomes dangerous. After that, he agrees to do anything they want him to do. Then he goes away“. Der Diktator werde also erst die Leistungsfähigkeit seines Systems testen, indem er sich allen Forderungen der Bevölkerung widersetzt; er würde sich bedrohlich verhalten. Anschliessend werde er sich einverstanden zeigen mit dem, was von ihm verlangt werde, und schließlich abtreten.

Fisk zerstreut allerdings auch die Illusionen, dass Vizepräsident Suleiman als Förderer der Demokratioe angesehen werden können. Suleiman sei der Chef des Folterregimes gewesen und sei darüberhinaus quasi als „Dienstleister“ der Amerikaner aufgetreten, um ihnen Verhörmöglichkeiten in ägyptischen Geheimgefängnissen anzubieten.

In den kommenden Wochen müsse sich der Erfolg des Protestes erweisen. Andernfalls würden viele seiner Teilnehmer damit zu rechnen haben, zu nächtlicher Stunde aus den Betten geholt zu werden. gw – 07.02.11 1126

.
http://www.ftd.de/politik/international/:agenda-die-demokratie-taeuschung-der-muslimbrueder/60008420.html

http://www.ftd.de/politik/international/:wikileaks-dokumente-aegypten-wollte-muslimbrueder-international-daemonisieren/60008381.html

http://www.huffingtonpost.com/2011/02/06/omar-suleiman-muslim-brotherhood_n_819341.html

http://www.huffingtonpost.com/mya-guarnieri/an-arabamerican-speaks-fr_b_818529.html

http://www.huffingtonpost.com/2011/02/03/lara-logan-detained-egypt_n_818278.html

http://www.faz.net/s/Rub7FC5BF30C45B402F96E964EF8CE790E1/Doc~E98A602DD64F944A2AECA15DB9A243786~ATpl~Ecommon~Scontent.html

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,743823,00.html

http://www.zeit.de/wirtschaft/2011-02/aegyten-unternehmen

www.meta-info.de/?lid=33655

http://www.independent.co.uk/news/world/americas/us-envoys-business-link-to-egypt-2206329.html

Fuer vollständige Info / Quellen / Bildmaterial / Videos usw. den nachfolgenden angegebenen Link zum Beitrag aufrufen!

================

globalisierungskritische Nachrichten WWW.Meta-Info.De

Link zum Beitrag / Hintergrundinfo, Quellen oder Pressehinweis:

www.meta-info.de?site=metainfo&lid=33659

Redaktionspool – metainfo hamburg – www.meta-info.de

.

.

.

Münchner Sicherheitskonferenz

Westen verpennt Revolution

Die Staatschefs warnen auf ihrem Münchner Treffen vor einem überstürzten Machtwechsel in Ägypten. Denn sie haben Angst vor einem Machtvakuum. VON GORDON REPINSKI  | 06.02.2011
http://taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/westen-verpennt-revolution/

.

Es fehlt Angela Merkel an jeglicher Fantasie

Feigheit und Opportunismus

06.02.2011 KOMMENTAR VON BETTINA GAUS
http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/feigheit-und-opportunismus/

+++Proteste in Ägypten: Ringen um eine Übergangsregierung, tagesthemen, 22:05 Uhr [Thomas Stephan/ Alexander Stenzel, ARD Kairo]+++ Videos:
http://www.tagesschau.de/ausland/aegyptenkrise112.html

.

Menschenrechte Journalisten berichten von Folter in ägyptischem Gefängnis

„Das Schlimmste war nicht, wie wir selbst behandelt wurden“, sagen sie, „sondern was wir gesehen haben“. Reporter und AI-Mitarbeiter waren in ägyptischen Lagern in Haft.
http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-02/aegypten-folter-berichte

.

Human Rights Watch: Ägypten – Angriffe auf friedliche Demonstranten beenden

Fortsetzung der Gewalt soll Aussetzung der US-Militärhilfe nach sich ziehen
http://www.hrw.org/de/news/2011/02/03/gypten-angriffe-auf-friedliche-demonstranten-beenden

.

.

 

..

Paul Klee in Ägypten etc. »Durchgeistigung durch Primitivität«

https://medienwatch.wordpress.com/paul-klee-in-agypten/

.

.

.

,

.

Advertisements

Written by medienwatch & metainfo

Januar 29, 2011 um 22:20

Veröffentlicht in Allgemein

3 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. […] den Beitrag weiterlesen: Ägypten: die Stützen der Diktatur « medienwatch & metainfo (gfok) Tags:der-einheimischen, die-sich, hauptseite, beherrschung, dominanz, hierbei-handelt, schnell-zur, […] http://www.my-tag.de/webnews/?s=medienwatch


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: