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Thealit: Was ist Verrat?

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Wenn unhinterfragtes Vertrauen besteht und an die persönliche Freiheit geglaubt wird, kann Verrat die einzige Möglichkeit sein, durch Zerstörung Vertrauen erstmals zu rechtfertigen und Freiheit tatsächlich zu wagen. Anstandslos. Umstandslos. Trotz und wegen eines besseren Wissens – startet er, der Verräter, neu durch.

Sein Verrat lässt alles hinter sich, in einem Freiheitsrausch, der immer schon recht gehabt haben wird. Verrat ist Revolte und Treue. Denn Verrat braucht das Gewissen, um verraten zu können. Selbst wenn der Verräter sein Liebstes verrät, geschieht das allein der Freiheit zuliebe. Er handelt stets siegreich.

Der Verräter kann alles Einengende hinter sich lassen. So kann er  destruieren, was immer er will. Auch sich selbst. Er kann Geheimnisse – eigene oder fremde – ausplaudern und vergessen. So kann er immer wieder ganz neu beginnen, was das Vergessen trainiert und ewige Jugend praktiziert. 1

Derjenige, der verrät, ist stets der Andere gewesen und genau daraus ist seine strahlende Kraft gezogen. Die Trägheit der Bürokratie und Institutionen ist dem unterlegen, was den Verräter immer weiter treibt. Neu beginnen, in Todesverachtung 2, das ist die einzige Bedingung seines Erfolgs. So kennt er den Zeitpunkt, wann alles über Bord zu werfen ist. Stets wird er wie jeder Verbrecher und Verführer glühende Nachfolger haben…

Verrat muss furchtlos vor möglicher Rache3 sein und große Geheimnisse lieben, weil sie am schönsten und kunstvollsten verraten werden können. Wenn aber nun keine mehr verfügbar, nämlich schon verraten sind? Dann müssen sie wieder und wieder zumindest als Intimitäten der Langeweile erfunden werden. Ganz im Vertrauen, mit facebook, myspace, twitter, youtube scheint heute die Indiskretion bevorzugt zu werden – ein maßloser und minimalistischer Verrat. Eine Mediengesellschaft des aufgespeicherten – lässigen oder listigen – Verrats ahmt die gesetzlichen Auskunftspflichten, Überwachungen, Evaluationszwänge nach.

Uns bleibt nur mehr, in letzter Anstrengung4 der verbrecherischen Tugend,  den Verrat um seiner selbst willen zu begehen! Es heißt den Wahnsinn, die extreme Gewalt eines Verrats, das Schöpferische zu wählen!5

Verrat ist Verrat ist Verrat. Und Eros, ist eine Rose ist eine … 6

Ein Verrat – errat’s! –  er ist vor allem an der eigenen Freiheit begangen7, sonst heißt er Revolution.8 Wir haben uns selbst verraten, sind Schöpfer und Mörder unserer Freiheit. Würden wir uns doch eingestehen, dass wir lebenslang Verräter sind! Hat uns nur der einfache Mut gefehlt, uns unseres Verstandes ohne Rücksicht auf die Konventionen zu bedienen?9 Was nun, nach dem Ende der einst verratenen Geschichte?

Unfreiheit zeigt sich nur denjenigen, deren Verstand noch die Bedeutung von Verrat und Freiheit erträgt, ohne daran in Notwehr zu zerschellen. Gesetzt wird auf die Schwäche und Sentimentalität, auf ermattetes Einverständnis und zunehmende Erpressbarkeit der Einzelnen in einem System der Korruption.10 Kalkuliert ist der schwindende Mut in einer kapitalistischen Ordnung, die alltäglichen, unterwürfigen Verrat an sich selbst zur Pflicht gemacht hat wie ‚Loyalität’ in jedem beliebigen Abhängigkeitsverhältnis.

Darum wagt es! Werdet maßlos! Verratet euch! Nicht die kleinen Fehler denunziert, sondern den eigenen Verrat verratet! Hic rhodos, hic salta! Loveliness extreme.

Claudia Reiche, Andrea Sick

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http://www.thealit.de/lab/verrat/

Konzept

(Text als pdf)

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TERMINE:

Lesegruppe
seit April 2010
(genaue Termine bei Interesse erfragen)


Forschungsprojekte im ARBEITSZIMMER thealit

Oktober 2010 bis Januar 2011

Das ARBEITSZIMMER thealit
finden Sie in der Faulenstr. 73,
28195 Bremen
AUSSTELLUNG
4.-20. Februar 2011
Ort: Vor dem Steintor 136 – 28203 Bremen
Eröffnung: 3. Februar, 19h

SYMPOSIUM
11.-13. Februar 2011
Ort: K. Rabus Kulturprojekte – Plantage 13 Shed 6 –  28215 Bremen

Teilnahmegebühren für das Symposium:

Für alle drei Tage:    20 € 10€
Für zwei Tage:         14 €  8 €
Für einen Tag:          10 €  5 €
Einzelner Vortrag:             3€

Eine Anmeldung zum Symposium ist nicht erforderlich, aber erwünscht.
Info(at)thealit.de
Fon: +49-421-701632

http://www.thealit.de/lab/verrat/

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Written by medienwatch & metainfo

Januar 24, 2011 um 14:19

Veröffentlicht in Allgemein

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