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eipcp: Europäische Kulturpolitiken vorausdenken

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This issue of transversal steps directly into the field of a rapidly changing art education and interrogates the concepts it is based on, detecting its ever widening fault lines and marking the signs of its historical transformation. One cannot deny it any longer: There is a crack in academia. That’s how the light gets in – disclosing the neoliberal takeover and illuminating the sites of resistance. But that’s also how the knowledge gets out – escaping from its patriarchal, elitist confinement, abandoning the form of its historical decadence and reinventing itself in the praxis of social life and labour. Thus, it’s time again to listen to the voices from the ground, from the realm of – always already political – contingency where the knowledge is confronted with what it cannot know and can bring us to catastrophe or salvation.

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Europäische Kulturpolitiken vorausdenken

Therese Kaufmann / Gerald Raunig, eipcp.

Übersetzung aus dem Englischen: Therese Kaufmann

Therese Kaufmann / Gerald Raunig

Im Auftrag von IG Kultur Österreich und EFAH,  mit Unterstützung des BKA, Kunstsektion, Abt. II/7.

Einleitung

„Man erzählt uns über die Zukunft Europas und von der Notwendigkeit, Banken, Versicherungen, Binnenmärkte, Unternehmen, Polizei zu vereinheitlichen, Konsensus, Konsensus, Konsensus – aber das Werden der Leute?“ (Gilles Deleuze)

Der europäische Konvent strebt die Erarbeitung einer umsetzbaren Konstitution für eine ebenso vertiefte wie erweiterte Europäische Union an. Dieser Konstituierungsprozess ist eher als später Versuch zu sehen, die existierenden Verträge und ihre Verbindungen untereinander transparent, kontrollierbar und kritisierbar zu machen, denn nur als Zentralisierungsmechanismus, der die Rechte der in Europa lebenden Menschen minimiert. Vielmehr ist dies eine Gelegenheit, die viel weit reichendere, über einen reinen Konsens der europäischen Regierungen und die bevorstehende Ratifizierung neuer Verfassungsdokumente hinausreichende, Konsequenzen nach sich zieht. Es geht um einen konstituierenden Prozess, der eine fortwährende konfliktuelle Diskussion über die Zukunft Europas begründen und in einer formativen Entwicklung europäischer Öffentlichkeiten für die in Europa lebenden Menschen resultieren muss.

Der vorliegende Text will diese Diskussion durch eine Stärkung des Bewusstseins über die spezifischen Funktionen des zeitgenössischen kulturellen Felds, seiner AkteurInnen und Institutionen in der zukünftigen Entwicklung Europas intensivieren. Diese Auseinandersetzung muss von den bestehenden Grundlagen ausgehen, den gesetzlichen Rahmenbedingungen und aktuellen Ansätzen zum Thema Kulturpolitiken auf EU-Ebene. In einer Betrachtung der historischen Entwicklung sowie einer Re-Lektüre und Diskussion der existierenden Dokumente und ihrer einzelnen Paragraphen wird deshalb im ersten Teil des vorliegenden Texts die aktuelle kulturpolitische Diskussion auf EU- Ebene untersucht.

Im zweiten Teil sollen Konzepte vorausgedacht wer„Man erzählt uns über die Zukunft Europas und von der Notwendigkeit, Banken, Versicherungen, Binnenmärkte, Unternehmen, Polizei zu vereinheitlichen, Konsensus, Konsensus, Konsensus – aber das Werden der Leute?“ (Gilles Deleuze) den, die die engen, sich nur allzu oft entweder auf ihren primären Gegenpol, den Markt, oder aber auf sich selbst konzentrierenden kulturpolitischen Diskurse hinter sich lassen. Kulturpolitik in Europa dreht sich heute vornehmlich um veraltete Begrifflichkeiten mit geringem Bezug zu zeitgenössischen diskursiven und theoretischen Ansätzen. Die Basis der Kulturpolitik scheint vor allem aus den Gerüchten von den Brüsseler Korridoren und dem auf Flügen von und nach Brüssel verbreiteten Tratsch zu bestehen. Um diesen Kreislauf traditionellen kulturpolitischen Jargons und seiner hohlen Phraseologie zu durchbrechen und zeitgenössische Theorien mit aktuellen kulturpolitischen Themen zu verknüpfen, schlagen wir im zweiten Teil des vorliegenden Texts eine Reihe von neuen Begrifflichkeiten und Konzepten für diese Diskurse vor. Wir konzentrieren uns auf allgemeinere zentrale Konzepte, die als Basis für ein neues Verständnis von Kulturpolitik dienen sollen: Politiken der Differenz, temporäre Autonomie im kulturellen Feld, neue Formen der Subjektivität im kulturellen Feld, Transversalität, Partizipation und die Herstellung kritischer Öffentlichkeiten.

Im dritten Teil des Texts schlagen wir schließlich eine vorläufige Liste adäquater Maßnahmen zur Stärkung des zeitgenössischen kulturellen Felds und zur Unterstützung der Umsetzung neuer Kulturpolitiken innerhalb des rechtlichen Rahmens der EU vor. Intention dieser vorläufigen Forderungsliste ist es, eine nachhaltige Debatte über konkrete Maßnahmen und Programme in Gang zu bringen, die in der Lage ist, über die Gemeinplätze aktueller Kulturpolitik hinauszugehen. Es ist uns durchaus bewusst, dass es sich bei dieser Liste nur um einen Beginn handelt. Trotzdem glauben wir, dass es notwendig ist, ein – wenn auch fragmentarisches – Modell für die Entwicklung verschiedener konkreter Vorschläge aus den abstrakten Konzepten heraus zu erarbeiten. Es ist unser Ziel, die Arbeit an dieser Verknüpfung fortzusetzen und uns über die nächsten Monate und Jahre – sowohl von Seiten des eipcp als auch mit der Unterstützung EFAHs und der Netzwerke, Institutionen und AkteurInnen im kulturellen Feld in Europa – in die Diskussion einzuklinken.

Da die drei Teile dieses Texts drei unterschiedliche politische Ebenen repräsentieren (von einer analytischen über eine konzeptuelle zu einer pragmatischen Ebene), unterscheiden sie sich notwendigerweise auch stilistisch, und  die diskursiven Lücken und Brüche zwischen ihnen sollen nicht verborgen werden. Ebenso wie diese Differenzen implizit kennzeichnend sind für die betreffenden Diskurse, ist es eines der Ziele und eine grundlegende Konzeption des eipcp, die Linien zu untersuchen, die die verschiedenen Ebenen von Theorien, Praxen und Politiken verbinden und überschreiten.

Für die Arbeit an diesem Text haben wir nicht bei Null begonnen, sondern  wir stützen uns auf die Ideen, Gedanken, Fragestellungen und Vorschläge, die in zahlreichen Dokumenten, Diskussionspapieren und Diskussionen von vielen Personen und Organisationen im kulturellen ebenso wie im akademischen Feld entwickelt wurden. Einige dieser Dokumente und Materialien führen wir in der Literaturliste an, doch war es uns nicht möglich, allen Linien der AutorInnenschaft der letzen Jahre zu folgen und all jene anzuführen, die zu einem Prozess der Konzeptualisierung europäischer Kulturpolitiken beigetragen haben.

Wir nehmen im vorliegenden Diskussionspapier einen kritischen Standpunkt gegenüber nationalistischen und lokalistischen Perspektiven ein, die –  u. a. auf  der Basis eines zwanghaft engen Verständnisses des „Prinzips der Subsidiarität“ – gewissenhaft jede Erwähnung europäischer Kulturpolitiken vermieden haben. In gewisser Weise wird dies hier umgedreht. Wir berücksichtigen keine anderen kulturpolitischen Ebenen, sondern konzentrieren uns hier ausschließlich auf mögliche Szenarien europäischer Kulturpolitiken und auf die Argumentation, warum diese dringend notwendig sind. Nicht spezifisch auf Fragen der Aufteilung von Kompetenzen zwischen den lokalen, regionalen, nationalen und europäischen Ebenen einzugehen, bedeutet allerdings nicht, das Prinzip der Kompetenzenteilung ganz aufzugeben. Stattdessen geht es uns darum, nachdrücklich zu betonen, dass das Konzept der Subsidiarität nicht als Entschuldigung gebraucht werden sollte, um einer kritischen Diskussion und konkreten Aktionen in Bezug auf die Verantwortung und die Möglichkeiten der EU auszuweichen. Dieser Text konzentriert sich deshalb auf die Förderung von Vielfalt und einer Politik der Differenz durch die Umsetzung konkreter europäischer Kulturpolitiken.

Mit besonderem Dank an
Frédérique Chabaud und Dragan Klaic (EFAH), Andrea Hummer, Raimund Minichbauer und Stefan Nowotny (eipcp)

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I. Voraussetzungen für Kulturpolitiken in der Europäischen Union: eine Rekonstruktion

„Kultur“ in der EU – eine ambivalente Situation

Hier bitte weiterlesen:

http://eipcp.net/policies/aecp/kaufmannraunig/de



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http://eipcp.net/transversal/1210/editorial/editorial
http://eipcp.net/transversal/1210
http://eipcp.net/policies

10- 2010
Cornelia Sollfrank: No, art education is not about the artists who are teaching. It is about the students

Boris Buden in conversation with Cornelia Sollfrank, Dmitry Vilensky and David Riff

http://eipcp.net/transversal/1210/buden-interviews/sollfrank
http://eipcp.net/transversal/1210/buden-interviews/buden

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Written by medienwatch & metainfo

Dezember 4, 2010 um 20:38

Veröffentlicht in Allgemein

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