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Wem gehört Afghanistan? Bob Woodward (Watergate) Pepe Escobar

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Text/Recherche: Gerhard Wendebourg, Grafik: Jörg Stange,  GfoK/Medienwatch

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Wem gehört Afghanistan?

Aufschlussreiche Erklärungen auf die Frage, wer über Afghanistan verfügt, wurden aktuell mit dem jüngst veröffentlichten Buch von Bob Woodward (Watergate) gegeben. Auf den Punkt gebracht werden die Informationen, die dem Leser dabei zuteil werden, durch Pepe Escobar, Kolumnist bei der Asia Times. Gleichzeitig tritt er auf als Spielverderber für das allgemein beliebte Rätselraten darüber, welchen Zweck eigentlich die Präsenz der NATO in Afghanistan habe, verfolgen könne oder solle, nachdem alle offiziell genannten Gründe für praktisch jeden erkennbar nicht tragfähig sind: er gibt plausible Antworten.

Allerdings haben die Antworten und Schlussfolgerungen, die Escobar übermittelt, den Makel, dass sie einer Legitimation des NATO-Aufenthalts in dem Land sowie der Präsenz der Bundeswehr nicht dienlich sind.
Vor diesem Hintergrund ist es nicht wahrscheinlich, dass sie auch von westlichen Medien publiziert werden oder hier Erwähnung finden.

In einem früheren Beitrag hatte Escobar bereits den scheidenden Kommandeur McChrystal verglichen mit der Romanfigur aus Joseph Conrad’s „Heart of Darkness“, Mr. Kurtz, der sich im afrikanischen Bush als Halbgott inthronisiert (ähnlich verfilmt durch Coppola in „Apocalypse Now“) und der in Ausübung seines despotischen Regimes über die ansässige Bevölkerung den Kanon der rassistischen Ideologie durchdekliniert.

McChrystal war bekannt als Experte für „counterinsurgency“, also Aufstandsbekämpfung; Die langjahrige Tradition der Durchsetzung amerikanischer Interessen, vielfach gegen den Widerstand ansässiger Bevölkerungen, führten unter anderem zur Ausarbeitung und Umsetzung der sogenannten „Salvador-Option“ (früher bereits aus Vietnam bekannt als „Operation Phoenix“), bei der unter Führung oder Anleitung der CIA oder von Spezialeinheiten der Armee Freiwillige unter der jeweiligen Bevölkerung rekrutiert wurden, um mit ihnen Todesschwadronen zusammenzustellen, um Gegner der US-Interessen (oder als solche Verdächtige) aufzuspüren, oft zu foltern oder zu exekutieren. In Vietnam und in den lateinamerikanischen Staaten wurde so jeweils eine mindestens 5-stellige Zahl an Zivilisten, nicht selten Lehrer, Journalisten, Gewerkschafter usw. eliminiert. In Indonesien ist die Rede von bis zu 2 Millionen Regimegegnern, die nach dem Putsch des durch die USA geförderten Suharto innerhalb der ersten Jahre nach dem Putsch ermordet wurden. Todeslisten waren damals von der US-Botschaft aufgestellt und an die Putschisten übergeben worden.

Für Afghanistan legte Woodward nun in seinem Buch offen, dass auch hier entsprechende Programme und Pläne bestehen.
Unter McChrystal waren bekanntermassen bereits die nächtlichen Razzien, die häufig den Tod unbeteiligter Zivilisten zur Folge hatten, stark intensiviert worden, ungeachtet der Tatsache, dass dies Vorgehen massiven Unmut unter der Bevölkerung verursachte: häufig kamen Unbeteiligte dabei ums Leben oder wurden teilweise über Jahre inhaftiert, ohne eine Auskunft über ihren Verbleib.

In der Lektüre von Bob Woodwards Veröffentlichung greift Escobar entsprechend den Nachfolger McChrystals, General Petraeus auf, den er als stromlinienförmigere Variante von McChrystal / Kurtz betrachtet.
Dieser hatte zu Obama’s Bemühungen, den Krieg abzukürzen erklärt: „I don’t think you win this war. I think you keep fighting. … This is the kind of fight we’re in for the rest of our lives and probably our kids‘ lives.“ Dies sei der Krieg, den die gegenwärtige Generation für den Rest ihres Lebens zu führen habe, und möglicherweise ihre Kinder ebenfalls.
Nach Auskunft Woodwards hatte Obama wiederholt beim Pentagon auf einen Abzugsplan für Afghanistan gedrängt, jedoch nie eine Antwort erhalten. Nach dem Drängen der Generale hatte Obama eine Aufstockung der Truppen bewilligt mit dem Ziel, diese baldmöglichst wieder abzuziehen und alsbald das Land zu verlassen. Die Militärs hingegen wollten eine zeitlich unbefristete Aufstockung.

Escobar fasst zusammen, das Ziel von Petraeus und der übrigen mit dem Mittleren Osten befassten Militärs beabsichtigten sei offenbar ein endloser Krieg.

Zu den Gründen hierfür erklärt er, dass weder von Woodward noch von den Medien des Mainstreams eine Antwort zu erwarten sei: es gebe eine Anzahl von Gründen und Motiven für den Krieg, die ungenannt blieben: das neue „Great Game“ um Eurasien am Hindukusch 1), die Nutzung Afghanistan als militärische Spionageplattform gegenüber den Konkurrenten Russland und China, die Option des lange geplanten Pipelinebaus von den Erdöl- und Gasreserven Turkmenistans an den indischen Ozean (Hamid Karzai war in den 90er-Jahren beschäftigt im Auftrag des US-Konzerns Unocal, die dies Projekt vorbereitete) und nicht zuletzt die Erfüllung der Doktrin des Pentagon, das die „full spectrum dominance“ anstrebe, und mit diesem Ziel die unbegrenzte Ausdehnung der militärischen Budgets ermögliche und damit die Interessen des immer weiter ausufernden militärisch-industriellen Komplexes bedient.
Diese Motive zu offenbaren ist fraglos politisch nicht opportun und findet deshalb in der westlichen Debatte höchstens hinter vorgehaltener Hand statt.

Obama wiederum steht nach Escobars Einschätzung hingegen offensichtlich machtlos dem Treiben seiner Militärs, die ihn – und insbesondere sein Anliegen, den Krieg baldmöglichst zu beenden – nicht ernst nehmen, gegenüber. Keine neue Situation: auch Jimmy Carter wurde zu seiner Amtszeit die Einsicht in Akten, die ihn interessierten, verwehrt: der damalige CIA-Chef George H.Bush erklärte, Carter verfüge nicht über eine ausreichende „security clearence“, um die Informationen zu erhalten, die er einforderte.
Nach seiner Einschätzung besteht für Obama keine Chance, die Entwicklung in Afghanistan zu kontrollieren oder in nennenswertem Umfang zu beeinflussen: ihm gegenüber stehe das gesamte Pentagon, seine Militärs und der militärisch-industrielle Komplex, die bereit ständen, jeden Versuch zu vereiteln, an der Situation des permanenten Kriegszustandes etwas zu ändern.

1) die zugrundeliegenden Thesen zum „Great Game“ wurden zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts on dem Briten Mackinder formuliert. Zusammenfassend erklären sie, dass geostrategisch gesehen die Kontrolle Zentralasiens der Schlüssel sei für die Beherrschung Eurasiens. Die Beherrschung Eurasiens wiederum führe logisch zur strategischen Dominanz gegenüber dem Rest der Welt. Umgekehrt sei es wichtig, Bündnisse zwischen den eurasischen Staaten zu verhindern.
Zu den weiteren Vertretern dieses geostrategischen Konzepts gehört unter anderen der US-Stratege und frühere Sicherheitsberater Jimmy Carters Zbigniev Brzezinsky: er entwickelte in der zweiten Hälfte der 70er-Jahre den Plan für das amerikanische Vorgehen in Afghanistan, mit dem in den 80er-Jahren die Mujaheddin – mithilfe der CIA – Afghanistan unter islamistische Vorherrschaft brachten. gw 28.09.10 19:01

http://www.huffingtonpost.com/pepe-escobar/its-obama-vs-infinite-war_b_738120.html
http://news.yahoo.com/s/yblog_upshot/20100922/us_yblog_upshot/new-woodward-book-shows-obama-fighting-his-generals-on-afghanistan
Afghanistan
http://www.globalresearch.ca/index.php?context=va&aid=7064
http://www.atimes.com/atimes/South_Asia/LF25Df04.html
http://www.sueddeutsche.de/politik/buch-ueber-obamas-kriege-das-kann-nicht-funktionieren-1.1003389-2

Originalartikel bzw. ergänzende metainfo hier

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Krieg in Serie als american way of life

https://medienwatch.wordpress.com/krieg-in-serie-als-american-way-of-life/

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Foto + Montage 1999: Jörg Stange gfg,gfok Kunstarchiv

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Written by medienwatch & metainfo

September 28, 2010 um 19:04

Veröffentlicht in Allgemein

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