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Die Wahl in Afghanistan – ein Desaster und eine Farce

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Von Norbert Cobabus 

Bereits einen knappen Tag nach Beendigung der Präsidentenwahlen in Afghanistan ließ der Wahlmanager von Hamid Karsai verkünden, dass Karsai die Wahl möglicherweise mit absoluter Stimmenzahl gewonnen hätte und somit eine Stichwahl nicht erforderlich sei.

Tatsächlich wurden auf Grund von Terrorangriffen der Taliban mindestens 50 Menschen getötet. Bekannt ist auch, dass keineswegs alle Wahllokale geöffnet werden konnten und schon gar nichts weiß man bisher darüber, wie viele Personen angesichts der Drohungen durch die Taliban wirklich zur Wahl gegangen sind.

Bis zum Tag der Wahl hieß es noch, dass erst im September – auf Grund der schwierigen und unübersichtlichen Lage im Land – das Wahlergebnis bekannt gegeben würde. Wenige Stunden nach der Wahl verkündete laut den „westlichen“ Medienagenturen die „internationale Öffentlichkeit“ – womit die wirtschaftlich-politisch-militärische Führungsriege in den „westlichen“ Industriestaaten gemeint ist, die die von ihnen beherrschten Staaten selbst als „Demokratie“ bezeichnen (siehe dazu auch den Artikel unter https://medienwatch.wordpress.com/2009/08/09/der-mythos-von-der-demokratie/ ), dass die Wahl in Afghanistan „ein voller Erfolg“ gewesen sei. Diese Verlautbarungen erinnern an jene, wie wir sie aus Staaten kennen, in denen mehr oder weniger diktatorische Verhältnisse herrschen und bei denen bei den nur pro Forma abgehaltenen Wahlen der Sieger, nämlich der bisherige Diktator, schon von vornherein feststeht. Viel anders dürfte es bezüglich des Ergebnisses auch in Afghanistan nicht sein, denn die „westliche“ Welt, also die o. g. Herrschaftsschichten in diesen Staaten, wollen ihren Adlatus Karsai weiter als Präsidenten sehen. Deshalb wird zu einem Zeitpunkt, zu dem noch überhaupt nichts zur Wahlbeteiligung und zu den Wahlergebnissen gesagt werden kann, bereits der Sieg und der Erfolg verkündet. Zudem wurde bereits in den letzten Wochen und Tagen vor der Wahl im „Westen“ immer wieder verlautbart, dass Karsai der eindeutige Favorit sei, obgleich das überhaupt niemand bezogen auf das ganze Land vorhersagen konnte. Afghanistan ist seit der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts äfte dHälfür den „Westen“ nur aus geostrategischen Gründen interessant. Denn man will es sich als Transitstrecke für fossile Rohstoffe sichern. Deshalb braucht man in diesem ganz überwiegend islamisch orientierten Land, das schon seit mehreren Jahrhunderten eine in unterschiedliche ethnische Stammesgruppen zergliederte Region darstellt, einigermaßen stabile Verhältnisse. Damit sind aber Verhältnisse gemeint, die im Sinne des „Westens“ funktionieren. Das muss also keine wirkliche Demokratie sein und es muss schon gar nicht allen Bevölkerungsteilen gerecht werden; es genügt jene „Stabilität“, die die Rohstofftransitmöglichkeiten gewährleisten würden. Daher ist dem „Westen“ das Schicksal des Gros der Bevölkerung in dieser Region letztlich auch völlig gleichgültig, wie sie leben und darben und sich daher derzeit vorwiegend auch nur mit Anbau von Mohn für Opium am Leben erhalten können. Leider stören die Stammesgegensätze und vor allem die islamisch-fundamentalistischen Taliban dieses Konzept. Es sind dies jene Taliban, die die USA noch während der Zeit des „Kalten Krieges“ gegen die Sowjetunion militärisch unterstützt hatte. Ab September 2001 hat sich dann das Blatt gewendet und US-Präsident George W. Bush schickte nun seine Soldaten in diese Region, um Al QU’aida und die Taliban zu bekämpfen. Inwieweit dabei vor allem auch die zivile Bevölkerung getötet und in weitere Armut gedrängt wurde und wird, ist dem US-Regime völlig egal. Wie bei jedem schmutzigen Krieg – und alle Kriege sind schmutzig – muss die Zivilbevölkerung darunter am stärksten leiden. Mag sein, dass vor allem in Kabul und eventuell auch noch in ein oder zwei anderen Städten ein größerer Teil der Einwohner die Taliban mit ihrem extremen islamischen Konservativismus nicht mögen, aber die in ihrem Land Krieg führenden „westlichen“ Truppen, zu denen sich seit einigen Jahren auch Truppen aus Deutschland gesellt haben, mögen die Menschen hier – besonders jene außerhalb dieser Städte – auch nicht, weil sie durch sie letztlich keine Verbesserung ihrer Lage erfahren, im Gegenteil. Hinzu kommt, dass die US-Generalität in Afghanistan inzwischen zugibt, dass die Taliban das Geschehen bestimmen und die westlichen Militärkräfte derzeit nur noch reagieren können. Alles das fordert von Tag zu Tag mehr Menschenleben. Die Regierung in Kabul um Hamid Karsai ist dabei völlig machtlos. Das Land ist von einer Demokratie meilenweit entfernt und sie ist auch in zumindest absehbarer Zukunft nicht in Sicht. Im Ergebnis lässt sich feststellen, dass der „Westen“ – voran die USA, aber nun neben dem stets getreuen Vasallen Großbritannien auch Deutschland mit seinem ab 1999 inzwischen zum Kriegsministerium mutierten früheren Verteidigungsministerium folgend – wieder einmal aus strategischen Gründen in einem anderen Land einen Krieg mit hohen Menschenverlusten führt und ein System gegen die Bevölkerung bzw. ohne Aussicht für ihre verbesserte Lage unterstützt, nur um ihre eigenen Herrschaftsinteressen soweit wie möglich abzusichern. Wieder einmal bestimmt hier der Zynismus und die Brutalität der „westlichen“ Herrschenden Gruppierungen aus Wirtschaft, Politik und Militär das Geschehen, an dem sich wieder einmal eine unterwürfige Journaille mit entsprechenden verlogenen Verlautbarungen beteiligt. 21.8.2009

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Written by medienwatch & metainfo

August 24, 2009 um 18:21

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