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Archive for Mai 14th, 2009

Akademie dokumentiert «Kunst und Revolte ‘89» + «60 Jahre 60 Werke» im Berliner Martin-Gropius-Bau

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Klaus Staeck 1997 im Gespräch / Interview mit dem Kunstwissenschaftler Gunnar F. Gerlach u. Jörg Stange, Film/Fotos: Udo Herzog

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«60 Jahre 60 Werke» im Berliner Martin-Gropius-Bau

Es ist schon ein starkes Stück, die engagierte Kunst aus der ehemaligen DDR einfach auszuklammern. Die Künstlerinnen wirkten subversiv und schufen das Klima einer aufbegehrenden substanziellen Aufklärung. Die eigens installierte Galerie Eigenart°, war einer der ersten “Off-Räume”, von der aus sich freie subversive Formen entwickeln konnten. Die Künstler standen unter Beobachtung, aber dies hinderte sie nicht daran ihre Ausstellungen, Lesungen, Performances etc. zu realisieren. Das zu ignorieren ist Ausdruck von Desinformiertheit und verletzender Ignoranz + Arroganz. Es legt auch die doppelte Moral der verantwortlichen Protagonisten offen, welche sich hier schamlos inkarniert. In Wahrheit will auch die “BRD” nichts mit “subversiver Kunst” – im Sinne von Aufklärung am Hut haben. Das sind alles Scheingelübde. Man benutzt sie als Mäntelchen von Freiheit – die medialen Transporte allerdings, sorgen für die notwendige inhaltliche Kasteiung. Das ist offensichtlich in doppelter Hinsicht, die Erfahrung und der Impetus, auch dieser Schau: «60 Jahre 60 Werke» im Berliner Martin-Grobius-Bau. Wie stolz ist man nun den Beuys Flügel in die Schau integriert zu haben. Bild-Chefredakteur Kai Diekmann hielt neben Angel Merkel die Laudatio: Was er nicht erwähnt, ist, dass die Bildzeitung über Jahrzehnte über Beuys hergefallen war, als sei er ein Betrüger. Beuys kann sich nicht mehr wehren. Das Fazit: “Nur ein toter Künstler ist ein guter Künstler”. Und der Rest an “Off-Künstlern” etc. hängt am Hungerhaken. Kredite einer Bank gibts schon gar nicht, – da braucht man nähmlich Sicherheiten, Beuys zum Beispiel – Butterberge oder Aktien in der Schweinegrippe. Jörg Stange

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„Neues vom Gold“ 1995, Gunnar F. Gerlach (gfok) und Jörg Stange (gfok)

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In anderen Bildzeitungsbeiträgen wurde Joseph Beuys zu Lebzeiten, wiederholt als Scharlatan verunglimpft und die Öffentlichkeit demagogisch verBILDet:

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Auschnitt BILD-Zeitung: Druck-Collage „Neues vom Gold“

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„Dass es heute keine großen Künstlerpersönlichkeiten wie Beuys mehr gibt, hängt nicht nur mit der Unübersichtlichkeit des Marktes zusammen. Die Fähigkeit von Beuys, sich als lebendes Kunstwerk zu stilisieren, hat längst etwas Unzeitgemäßes. In ihr manifestierte sich, wie der Kunsthistoriker Donald Kuspit anmerkte, der letzte große Versuch, ein Genie zu inszenieren. Heute, wo Beuys nicht mehr als Person präsent ist, beschimpft ihn auch niemand mehr als Scharlatan. Die Provokation ist verblasst und das Jubiläum nichts weiter als die Pflichtübung der Museen, ein paar Vitrinen zu verschieben“ (…)

http://www.intro.de/magazin/steil/23034804/joseph-beuys-stilles-jubilaeum

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Sehenswerte Videos zur Eröffnung der Gala

http://www.berlinerkunstkontakter.de/flash/2009/kw1809/60_60_30042009.htm.

http://www.berlinerkunstkontakter.de/flash/2009/kw1809/60_60_voices30042009.htm

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Weitere Videos:

http://kunst-blog.com/2009/05/60_jahre_60_wer.php

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Akademie dokumentiert «Kunst und Revolte ‘89»

11. Mai 2009
Die Berliner Akademie der Künste dokumentiert im 20. Jahr des Mauerfalls in mehreren Veranstaltungen und Ausstellungen die kulturpolitischen Umbrüche der Wendezeit von 1989/1990 in Deutschland.

Dazu gehört der Themenschwerpunkt «Kunst und Revolte ‘89» in beiden Häusern am Pariser Platz und am Hanseatenweg, mit dem die Künstlersozietät nach der Rolle der Künste bei den gesellschaftlichen und politischen Umbrüchen fragt, die zum Mauerfall am 9. November 1989 führten. Am 9. Oktober wird es in diesem Zusammenhang auch eine «Künstlernacht “Kunst und Revolte”» geben, kündigte der gerade wiedergewählte Akademiepräsident Klaus Staeck (71) in seiner Jahrespressekonferenz am Montag an (…)
Bitte hier weiterlesen:

http://www.ruhrnachrichten.de/nachrichten/kultur/kulturwelt/art617,559190

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DDR-Kunst

Prüde gegenüber den Reizen der sichtbaren Welt

Von Wilfried Wiegand

“Hundertfünfunddreißig Künstler sind vertreten, und an stilistischer Vielfalt wird mehr geboten, als man der DDR jemals zugetraut hat. Zwar wird die Ausstellung, wie man es erwartet, von realistischer Gegenständlichkeit beherrscht, aber es ist schon erstaunlich, was für unterschiedliche Positionen es sonst noch gab: hastiges Informel und akkurate Geometrie, naive Phantastik und eine tagebuchartige, privatistische Zeichenkunst in bester Paul-Klee-Tradition” (…) FAZ

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Wenn Zuckerbäcker Zeitgeschichte deuten

Von Karin Schulze

Man knete 60 deutsche Künstler zu Teig, überziehe ihn mit schwarz-rot-goldener Glasur – und fertig ist der Geburtstagskuchen fürs Grundgesetz! So haben sich das die prominenten Macher der Berliner Schau “60 Jahre, 60 Werke” gedacht – und doch nur schwer verdauliches PR-Gebäck abgeliefert.
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http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,622154,00.html

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Ärztezeitung

Fett, Filz + Blut – Joseph Beuys und seine Materialien

Seine Fettecken und Anzüge aus Filz sind Legende. Doch mindestens ein Dutzend weiterer Materialien hat der 1986 gestorbene Kunst-Schamane Joseph Beuys in sein Werk integriert.

„Honig, Margarine oder Wachs stehe oft im engen Zusammenhang mit der „plastischen Theorie“ von Beuys, für den die Verformbarkeit durch den Menschen zum Gleichnis für die Wandelbarkeit der Gesellschaft wurde. Blut und Schwefel verweisen auf organisches Leben, das eher selten benutzte Gold deutet auf überweltlich Geistiges“ (dpa, 2006)

http://www.aerztezeitung.de/panorama/?sid=427021

http://www.moyland.de/pages/josephbeuysarchiv/

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Klaus Staeck: „Berliner Bankenskandal“, Postkarte 2005 sign. u. adressiert an Jörg Stange „zur Kenntnis“

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Kampnagel KX Ausstellung: »Störfall Kunst«, Klaus Staeck 1997 im Gespräch mit dem Kunstwissenschaftler Gunnar F. Gerlach u. Jörg Stange

Für die filmische Dokumentation »Störfall Kunst«  GfoK-Kunstarchiv „Neues vom Gold“, Bild-Beuys-Collage 1995, Gunnar F. Gerlach + Jörg Stange, Film + s/w Foto (oben): Udo Herzog

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medienwatch.wordpress.com

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Mai 14, 2009 at 10:27

Me(e)r-Blick: In Portbou wurde Dani Karavans Denkmal für Walter Benjamin eingeweiht

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Dani Karavan, “Benjamin-Passage” Port Bou, Spanien Foto: Jörg Stange 1995

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Passai und letzte Station

In Portbou wurde Dani Karavans Denkmal für Walter Benjamin eingeweiht

Am 25. September 1940 überquert Walter Benjamin mit einer kleinen Gruppe von Flüchtlingen die Pyrenäen. Der herzkranke Philosoph muß streckenweise den Berg heraufgeschleppt werden; die schwere schwarze Aktentasche, in der sich ein Manuskript befindet, um das er mehr bangt als um Leib und Leben, läßt er keine Sekunde aus den Augen. Der Weg führt vom französischen Banyuls aus über einen unwegsamen alten Schmugglerpfad zum spanischen Grenznest Portbou, von wo aus Benjamin, versehen mit einem Visum für die USA, nach Lissabon Weiterreisen will. Die Nacht hat er allein in den Bergen verbracht; er weigerte sich, nach einem Erkundungsgang am Abend zuvor, noch einmal umzukehren. Auf der Flucht vor der Gestapo hat der jüdische Philosoph nur noch zwei Dinge zu verlieren: sein Manuskript und seine Contenance. „Die Welt gerät aus den Fugen“. Von Andrea Köhler
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http://www.zeit.de/1994/21/Passai-und-letzte-Station

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Gisèle Freund / Walter Benjamin in the Bibliothèque National / 1939

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„Seine Marseilleaufenthalte und die danach entstandenen epischen Texte spielten für ihn in seiner Loslösung vom Surrealismus, der Überwindung dessen, was er das „Verharren im Traumbereich“ nannte, eine ebenso grosse Rolle wie für die Bestimmung des eigenen theoretischen Standorts im „Passagen-Werk“, Benjamins grosser Fragment gebliebener Hinterlassenschaft“  Sabine Günther 1997, Basler Zeitung

Prolog

Du steigst im alten Viertel von Marseille tausend enge Treppen hoch, bis du endlich auf einem mit Autos vollgestopften und von ungekämmten Frauen in Morgenröcken beherrschten Platz stehst. Zu deiner Linken erstaunt dich ein Bauwerk, das du dieser Stadt niemals zugetraut hättest: La Vieille Charité. Du fragst dich ob das hier war, wo Rimbaud…, =

http://web.me.com/passageetco/ratlos-in-marseille/PASSAGE_DE_LORETTE_TEXT.html

http://www.passage-co.com/

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Meine Mahnmale sind Spielplätze

Eine Retrospektive im Martin-Gropius-Bau zeigt die Werke von Dani Karavan. Der israelische Bildhauer im Gespräch über Kunst und Trauer. Herr Karavan, nach Tel Aviv zeigen Sie Ihre große Retrospektive nun in Berlin im Martin-Gropius-Bau, gleich neben der Topographie des Terrors. Welches Verhältnis haben Sie zu Deutschland?

Es gab eine Zeit, da habe ich jegliche Beziehung zu Deutschland abgelehnt. Als ich aber 1977 zur Documenta 6 eingeladen wurde, musste ich zusagen, denn trotz der Gestaltung der Knesset-Wand und des Nationalpreises war ich in der Kunstwelt Israels nicht akzeptiert. Die Documenta-Einladung bedeutete für mich internationale Anerkennung. In Kassel lernte ich Menschen kennen, durch die sich mein Blick auf Deutschland änderte, allen voran Documenta-Chef Manfred Schneckenburger, der die Atmosphäre eines Kibbuz verbreitete und im Büro auf einer Matratze schlief (..) Interview Von Nicola Kuhn
http://www.tagesspiegel.de/kultur/Ausstellung-Martin-Gropius-Bau;art772,2494208

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walter-benjamin-karavan-stange-port-bou-medienwatch1995-sw300pDer morbide Reiz von Portbou

Alte Wachtürme, kleine romanische Kapellen und Weinreben am Wegesrand: Auf der Ruta Walter Benjamin vom südfranzösischen Banyuls ins spanische Portbou verbindet sich die Erinnerung an den Philosophen mit landschaftlichen Reizen einer alten Kulturlandschaft. Eine Wanderung in den Pyrenäen. VON ULRIKE WIEBRECHT
http://www.taz.de/4/reise/europa/frankreich/der-morbide-reiz-von-portbou/

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Documenta 6 (Kassel)

http://www.kunstaspekte.de/index.php?tid=9280&action=termin

Dani Karavan »Benjamin Passage« Port Bou

http://www.mihm-fotografie.de/karavan/kara1.htm

Buchtip(p): »Über das Warten« Andrea Köhler

http://www.perlentaucher.de/buch/28110.html

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»Ich bin ich, weil mein kleiner Hund mich kennt.« Gertrude Stein => [::]

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Walter Benjamin zum Gedächtnis 1/4
http://www.youtube.com/watch?v=WwdjcXJZ94Q&NR=1

Walter Benjamin zum Gedächtnis 2/4
http://www.youtube.com/watch?NR=1&v=OOW0Lq7GMbs

Walter Benjamin zum Gedächtnis 3/4
http://www.youtube.com/watch?v=uxkaKJhYvW8&NR=1

Walter Benjamin zum Gedächtnis 4/4
http://www.youtube.com/watch?NR=1&v=84HDpaciGTw

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Fotos: Jörg Stange, Benjamin Passage, 1995 in Port Bou [aktive Archive°], Gunnar F. Gerlach GFOK Kunstarchiv

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Mai 14, 2009 at 08:53