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Archive for Februar 14th, 2009

Aktion Mensch: Kritik an Tafeln nicht erwünscht!

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12. Februar 2009
Warnung vor unkritischem Umgang mit „Die Gesellschafter“ von „Aktion Mensch“
Albrecht Müller

Heute erreichten uns gleich mehrere Mails mit Hinweisen auf “Die Gesellschafter”. In einer Mail werden wir darauf aufmerksam gemacht, dass ein leicht kritischer Kommentar zu den “Tafeln” bei “Die Gesellschafter” nicht aufgenommen wurde. Aus Kreisen von Attac erreicht uns folgendes: „Hallo, da viele linke Gruppierungen sich ganz unkritisch an den Gesellschaftern beteiligen, hätte ich die Frage, ob Sie kritisches Material dazu haben.“ – In der Tat haben wir das. Bei uns finden Sie einen vorweihnachtlichen Eintrag vom 22. Dezember 2006: „Aktion Mensch macht neoliberale Propaganda“. Hier werden Gelder, die mit Hinweis auf Behinderte für soziale Zwecke gesammelt werden, für die Organisation einer öffentlichen Debatte mit meist neoliberal eingefärbter Stoßrichtung missbraucht. Meiner im Dezember 2006 formulierten Meinung habe ich nichts hinzuzufügen. Ich kann mich über die Blauäugigkeit mancher Zeitgenossen/innen nur wundern […]

http://www.nachdenkseiten.de/?p=3765

08.02.09

Der geplante Gastkommentar von Stefan Selke beim Politischen Tagebuch der Gesellschafter zensiert!

Alle reden über die Tafeln. Doch Kritik ist in dieser Gesellschaft nicht erwünscht! Gerade diejenige Initiative, die fragt, in welcher Gesellschaft wir leben wollen, erlaubt es sich, unerwünschte Meinungen einfach zu zensieren.

Was ist passiert?

Der geplante Gastkommentar von Stefan Selke im Rahmen des „Politischen Tagebuchs“ wurde von der Redaktion der Aktion Mensch zensiert.

Am 28. Januar wurde ich von der PR-Agentur „blond + braun presse und pr“ aus Köln, gebeten, einen Gastkommentar zur Tafelbewegung zu schreiben. Dieser Kommentar sollte am 6. Februar auf der Webseite diegesellschafter.de der Aktion Mensch veröffentlicht werden.

Was ist daran problematisch?

Das Tagebuch verfolgt folgendes Anliegen: „Im Gesellschafter-Tagebuch verfassen viele wechselnde Autoren Einträge zu tagespolitischen Anlässen oder Ereignissen Ihrer Wahl: subjektiv, persönlich, direkt.“ (Quelle: Webseite die gesellschafter.de/tagebuch)

Mein Kommentar „Tafeln in Deutschland: Von der spontanen Grasswurzel-Bewegung zum selbstverständlichen Pannendienst der Gesellschaft“ wurde von der Reaktion abgelehnt, weil er zu kritisch sei. Die Aufforderung der Aktion Mensch: „Nachdenken, Diskutieren, Handeln“ (Quelle: Webseite die gesellschafter.de) kann also nicht sehr ernst gemeint sein. Statt nachdenken zu fördern wird nachdenken verboten!

Warum Kritik an Tafeln notwendig ist

Tafeln sind keine unhinterfragbare Selbstverständlichkeit. Niemand sollte sich vom Charme der einfachen Idee blenden lassen. Als Soziologe fühle ich mich verpflichtet, auch einen zweiten Blick zu wagen, der auch problematische Seiteneffekte aufzeigt.

Tafeln berühren unser gesellschaftliches Selbstverständnis elementar. Aber genau deshalb ist es notwendig, aufzuklären. Als Wissenschaftler und Bürger kann und muss ich meine Meinung frei äußern dürfen – vor allem wenn ich danach gefragt werde. Es ist daher nicht nur äußert unhöflich, einen bereits verfassten Beitrag abzulehnen. Es ist auch ein Zeichen der doppelmoralischen Kultur einer Aktion, die sich das humanitäre Mäntelchen übergezogen hat, sich aber gegen jede Form von Kritik immunisiert.

Wohin soll das führen?

Mir geht es nicht so sehr darum, das „mein“ Beitrag nicht veröffentlicht wird. Was mich schockiert, ist die Tatsache, dass Kritik systematisch unterdrückt wird. Dies ist kein Einzelfall. Gerade dort, wo eine offene Diskussion notwendig ist, macht sich Konformismus und vorauseilender Gehorsam breit. Hatten wir das nicht alles schon einmal in unserer Gesellschaft?

In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?

Liebe Gesellschafter! Ich möchte vor allem in einer Gesellschaft leben, in der ich als Mensch, Bürger und Wissenschaftler meine Meinung frei äußern kann. Eine Gesellschaft, in der andere Menschen, Bürger und Wissenschaftler die Chance bekommen, sich mit meiner Meinung ebenso kritisch auseinander zu setzen, anstatt diese ängstlich zu unterdrücken. Ich möchte in einer Gesellschaft leben, in der Redaktionen nicht darüber entscheiden, was Leser und Leserinnen wissen wollen und müssen. Ich möchte in einer Gesellschaft leben, in der die eigene (politische) Meinung nicht per se wichtiger ist, als Wahrheit. Mit der Ablehnung meines Gastkommentars hat die Aktion Mensch eine solche Gesellschaft wieder ein Stück unmöglicher gemacht. Darum tut es mir leid, nicht um meine verschwundenen Worte.

Stefan Selke

Hier geht es zum Original-Beitrag.

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:: link zum Tafelforum.de hier ::

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„die gesellschafter“ ein tolles projekt ?

Liz Benefiz 13.02.2009 19:11 Themen: Medien Soziale Kämpfe Ökologie

Mal wieder ist ein neues Filmfestival von „den gesellschaftern“ angelaufen und etliche kritische Gruppen machen dort mit. Obwohl es sofort bei der Bekanntmachung der Stiftung „die gesellschafter“ einen kritischen Bericht dazu auf den Nachdenkseiten gab. ( http://www.nachdenkseiten.de/?p=1960).

Ich gebe zu ich gehöre auch zu einer Gruppe, die sich an dem Filmfestival ueberArbeiten beteiligt hatten. Es gab zwar einige kritische Anmerkungen, aber wir hatten gedacht dass die Vorteile überwiegen. Denn wir selber hätten nicht die Möglichkeit gehabt, derart viel Werbung zu machen und somit breitere Bevölkerungsschichten zu erreichen.

Bei dem zweiten Festival ueberMorgen wurde allerdings bekannt, dass die Stadtkoordination des Festivals in Gütersloh an die Bertelsmann-Stiftung vergeben wurde.
Trotz Protest waren die verantwortlichen nicht Bereit die Stadtkoordination zurückzuziehen
.( http://sandimgetriebe.attac.at/6418.html ). Eigentlich hätte so jeder merken müssen, dass „die gesellschafter“ nicht ganz das sind, was sie augenscheinlich vorgeben. Es gab sicher bei „den gesellschaftern“ auch viele die mit Idealismus das Projekt unterstützt haben und „die gesellschafter“ sind sicher nicht äquivalent zur Bertelsmann-Stiftung. Nur bei Betrachtung der Unterstützer des Projekts ( http://diegesellschafter.de/projekt/unterstuetzer/index.php?sid=d9aabbdc4ae21c4dd35a54188edac872 ), ist zu sehen, dass neben Wohlfahrts- und Behindertenverbänden, sowie einigen NGOs fast die ganze deutsche Medienlandschaft vertreten ist. Da ein großer Teil der deutschen Medien indirekt oder direkt zur Bertelsmann AG gehört, besteht für Bertelsmann indirekt über diesen Weg die Möglichkeit Einfluss zu nehmen. D.h. es war nicht nur reine Höflichkeit, wenn trotz Protesten die Vergabe der Stadtkoordination nicht zurückgezogen wurde. Zwar haben die verantwortlichen versichert, dass die Stadtkoordination nicht wieder an die Bertelsmann-Stiftung vergeben wird, aber es ist nicht auszuschließen das es diesmal an die Stadtstiftung GT geht (welche zum größtenteils von der Bertelsmann-Stiftung finanziert wird).

Weiter ist zu beobachten, dass es bei der Auswahl der Filme eine gewisse Tendenz nach rechts und insbesondere weg von der Kritik an deutschen Zuständen gibt. D.h. ein gewisse Beeinflussung von Bertelsmann in Gestalt von Gruner+Jahr ist anzunehmen. Beim ersten Festival gab es z.B. noch einen Film zu HartzIV von kanalb. Beim jetzigen aktuellen Filmfestival ueberMacht ist der einzige Film, welcher aus Deutschland stammt derjenige über Magersüchtige. Dabei gibt es über diesen Themenkreis Macht auch genug deutsche Filme, wie z.B. Filme über den G8-Gipfel. Bei dem Film über „Monsanto mit Macht und Genen“ wird dann die Einflussnahme durch Bertelsmann offensichtlich. Das passende Buch zum Film wird von Random-House/Bertelsmann herausgegeben:
http://www.randomhouse.de/webarticle/webarticle.jsp?aid=14432&mid=2498

Die Praktiken von Monsanto sind absolut kriminell und kritisierenswert. Nur ist Monsanto ein direkter Konkurrent von BASF, welche auch im Bereich Gentechnik aktiv sind. Im Aufsichtsrat der Bertelsmann AG sitzt wiederum der BASF-Chef Jürgen Strube.

Ganz aktuell zeigt sich der Einfluss an der Zensur eines kritischen Beitrages zu den Tafeln eines Soziologieprofessors im Bereich Tagebuch der Webseite von „den gesellschaftern“.
( http://www.nachdenkseiten.de/?p=3765 )
Rudolph Bauer beschreibt den Sinn von Ehrenamt bei der Bertelsmann-Stiftung folgendermaßen:
Die Stiftung beschränkt sich darauf, die bürgergesellschaftliche Entwicklung am Hauptkriterium von Wirtschafts- und Unternehmerfreundlichkeit auszurichten. Sie sieht die Vorzüge des bürgerschaftlichen Engagements vor allem daran, in welchem Umfang dieses kompensatorisch dazu beiträgt, den bisherigen Anteil des Öffentlichen Sektors in der direkten und indirekten Bereitstellung von Gütern und Dienstleistungen einzuschränken.
(Quelle: https://medienwatch.wordpress.com/burgergesellschaft-als-bertelsmann-projekt/)

Da in dem zensierten Beitrag vor allem die kompensatorische Leistung der Tafeln kritisiert wurde ist klar welchen Hintergrund die Zensur hat.

So ich hoffe dieser Artikel dient als Diskussionsanregung und fzs, attac, noya, RAV, mehr Demokratie e.V. und ak vorratsdaten sollten sich mal fragen wofür sie sich haben einspannen lassen.

http://de.indymedia.org/2009/02/241831.shtml

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Februar 14, 2009 at 13:00

[Wasseraktie°] artbase-projekt: Wasser für Somalia (gfok)

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Ein artbase Projekt in Kooperation mit Sofi »Soma-Infusion«

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Nicola Kaatsch* MSF, IPPNW, Lühr Henken (seinerzeit bundespolitischer Sprecher „Für Frieden und Internationales“, Grüne) , Ahmed Guled (Pres. from Organisation for Somali Unity) , Jörg Stange (artbase)
artbase in Zusammenarbeit mit Gunnar F. Gerlach (Kunstwissenschaftler, Sofi), Gerd Stange (Künstler, Sofi), Harald Finke (Künstler, Sofi), Cornelius Buchmann (Politiker, Autor), Beate Brost (Fotografin), ECOTERRA* (Prof. Julian Bauer, Agrarwissenschaftler etc., Oxfam), Hartmut Heller (Friends of Nature, deutsche Sektion: Freunde der Naturvölker e.V.)  mit Unterstützung von Gerda Zorn (Autorin), Peggy Parnass (Autorin, Schauspielerin), Arie Goral-Sternheim (Autor und Maler), Rolf Grömmer (Druckerei), Gunter Gerlach (Autor), Reimer Eilers (Autor), Heinz Östmann (Fischer), Dr. Benjamin Leunmin (Afrikanische Union), Peter de Vries (Hutmacher und Musiker), »Notruforchester« Hannes Wienert u.a., Mechthild Bausch, Julia Kossmann, Hajo Schiff (JournalistInnen), Schulen (Projektunterricht etc.) und v.a. … Kunsthaus Hamburg: artbase-sofi Projekt in “Bahomas Land” auf Einladung von Mike Hentz 1994 *ECOTERRA, „Verein für umweltgerechtes Wirtschaften” (cooperiert mit Oxfam)

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Schutz für humanitäre Hilfsorganisationen

Erfahrungsbericht aus Somalia => 1 [::]

Von Nicola Kaatsch, IPPNW, Ärzte ohne Grenzen (MSF)

Die Konzeptlosigkeit zu Beginn der militärischen Intervention und die Unkenntnis über politische und gesellschaftliche Strukturen in Somalia haben mit dazu geführt, daß die UN-Truppen sich in der Gewaltspirale verfangen haben.“ (…) http://www.wissenschaft-und-frieden.de/seite.php?artikelID=1020

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Taz-Bericht

Von Hajo Schiff

Feldpostkarten zu Wasseraktien

Mit der sozialökologischen Freiheitsinitiative (SOFI)

Haben Sie in letzter Zeit mal wieder eine Feldpostkarte bekommen? Nicht vom Flohmarkt sondern aus aktuellem Kriegsgebiet, wo sich unsere Jungs nützlich machen? Na dann sind sie gar nicht auf dem Laufenden: 12 einberufene Postbeamte leiten die mit FELDPOST abgestempelten Briefe aus Belet Weyne zum deutschen Inlandsporto von der Front in die Heimat.

Und unsere 1700 Jungs da unten haben bestimmt viel zu erzählen, haben sie doch im staubigen Afrika mächtig Durst und greifen ganz schön ein: In die Ökologie der stets gefährdeten Trockenzone vor allem. Es ist die Rede davon, den Webi Shabeelle* (The Shebelle River), einen für die Versorgung der Bevölkerung wichtigen Fluss für den Gebrauch der Truppen zu stauen und sich auch sonst ganz neokolonial gemütlich einzurichten. 186 Millonen Mark sind für die Soldaten eingeplant, für ökologisch orientierte Hilfsprojekte, wird das Geld dagegen immer knapper. Der Hamburger Künstler Jörg Stange erhielt irrtümlich einen Feldpostgruß und begann über seine Möglichkeiten zur alternativen Hilfe nachzudenken. Ergebnis ist eine durchaus politische Kunstaktion des ARTBASE-PEACEBASE-PROJEKTS: Wasseraktien für Somalia. In Zusammenarbeit mit „ECOTERRA, Verein für umweltgerechtes Wirtschaften“ und unterstützt von der Ökobank und der Fachgruppe „Frieden und Internationales“ der GAL ist gegen Spende ein künstlerisch mit sandgefüllter Weinflasche auf Mäanderkachel gestaltetes Papier als „Aktie“ für Hilfsprojekte in Nordsomalia zu erwerben. Als erstes ist an die Wiederbelebung der brachliegenden Fischereifabrik von Las Koreh gedacht. Unterstützt wird Jörg Stanges Konzept von der SOFI, der Sozialökologischen Freiheitsinitiative mit einer Wasseraktion von Harald Finke, Gunnar Gerlach und Gerd Stange. In schwarz, weiß und grüner Kleidung wird Elbwasser geschöpft, erhält eine Infusion und wird in Ölfässer gefüllt. Alle BesucherInnen sind zudem gebeten einen Liter Wasser in einem geschlossenen Behältnis mitzubringen. Diese Aktion steht unter dem Adorno-Zitat, daß die bildende Kunst einen politischen Auftrag habe und ist vor allem dem Beuysschen Kunstbegriff der sozialen Plastik verpflichtet. Dazu soll ein Forum eröffnet werden für eine Fülle von Informationen über das Horn von Afrika. Zwei Filme des somalischen Filmemachers Abdulkadir Ahmed Said und neueste Dokumentaraufnahmen geben einen Eindruck vom neuen Interessengebiet des militärisch-industriellen Komplexes. Informationsstände der beteiligten Organisationen, somalische Musik und das Saxofon blasende „Notruf-Orchester“ werben für Verständnis und Geld für das notleidende und in Clan-Gebiete desintegrierte Land.
Wie jedoch die Intervention der UNO-Truppen die im Vergleich zu anderen Ländern der Sahelzone kaum schlimmeren Zustände verbessern könnte, ist nicht zu erkennen. Es gibt hinreichende Anzeichen, daß die Strategen eher an der Kontrolle der gesamten Region und den Ölvorkommen interessiert sind als an Hungerhilfe. Diese Hilfe in vernünftigen Dimensionen jenseits von Korruption, Mißwirtschaft und Ausbeutung zu ermöglichen, ist das Hauptziel aller an der Aktion Beteiligten. Hajo Schiff
Sonntag, 3. Oktober, 15 Uhr Landungsbrücken, Oberdeck Brücke 3. (TAZ) 1993

*Durch eine Resolution an die Vereinten Nationen (verfasst durch Angelika Beer Grüne), in Zusammenarbeit mit artbase: über einen  Wasserexperten aus Somalia – telefonisch vemittelt u.a. über die Küstenfunkstelle Norddeichradio – durch Gespräche mit Prof. Julian Bauer ECOTERRA + artbase , konnte das Einstauvorhaben des Flusses “Webi Shabeelle” verhindert werden. Nomaden sind von von dem Fluss abhängig, der Fluss wäre durch das Einstauen auf weite Strecken ausgetrocknet. Über Wasseraufbereitungsanlagen sollte  die Deutsche Blauhelmtruppe versorgt werden. Es flossen des Weiteren EU-Mittel an eine Fischerreikooperative in Las Koreh…. Der somalische Wasserexperte reiste aus Somalia an und nahm an der “artbase-Sofi-Soma-Infusions-Performance” an den Landungsbrücken teil. (Radiobeitrag: NDR “Hamburg Welle” in den Nachrichten)

 

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SPUREN Zeitschrift für Kunst und Gesellschaft e.V. in Zusammenarbeit mit der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Herausgeber Karola Bloch | Jochen Hiltmann | Druck:ConBrio Verlagsgesellschaft, Regensburg. Redaktion Gunnar F. Gerlach. (verantwortlich) Jan-Robert Bloch, Susanne Duddda, Achim Lenger

 

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Jörg Stange und Heinz Östmann (Foto: Martin Seemann)

[ Die Wasseraktie – Wasser für Somalia ]

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TAZ-HAMBURG 06.08.1994
TAZ-Bericht Julia Kossmann

Die Kunst der Hilfe zur Selbsthilfe

Hamburger Kunstprojekt artbase arbeitet für Somalia / Mappenwerk zur Aktion erschienen

An die 500 Millionen Mark hat die Bundeswehr während ihres Einsatzes in den brennend heißen Wüstensand Somalias gesetzt. Ende März dieses Jahres wurden die letzten der 1.700 deutschen Soldaten heimgeholt. Geblieben ist außer ein paar Brunnen mitten in der Wüste nichts. Schon ist das Weltinteresse wieder mit einer neuen und ebenfalls auf den historischen Fundamenten des Kolonialismus wurzelnden Katastrophe in Ruanda beschäftigt.

Die europäische Einmischung in Afrika, einem Kontinent mit über 1.000 Völkern, die in Staaten leben, deren Grenzen mit den traditionellen afrikanischen „Staatsformen“ nicht in Übereinstimmung zu bringen sind, hat sich bisher als kontraproduktiv erwiesen. Orientiert an den Bedürfnissen und Gegebenheiten des Landes ist dagegen das artbase-Projekt, das der Hamburger Künstler Jörg Stange im vergangenen Herbst initiierte und am 3. Oktober 1993 in der konzertierten Kunstaktion „Wasser für Somalia“ gemeinsam mit dem SOFI (sozial-ökologisches-Freiheits-Institut) an den Landungsbrücken vorstellte. Mittlerweile arbeiten Menschen aus den verschiedensten Bereichen der Kunst, Kultur, Wissenschaft und Politik und in Deutschland lebende Somalis bei artbase mit.

Ausgehend von der Maxime „Schenke einem Mann einen Fisch und du ernährst ihn einen Tag, gib ihm eine Angel, und er wird in seinem Leben nicht mehr hungern müssen“ unterstützt artbase den Wiederaufbau einer Fischerei-Kooperative in Las Koreh im Norden Somalias. Obwohl nie direkt vom Bürgerkrieg betroffen liegen auch hier im Norden Somalias die Handels- und Versorgungswege brach, und Raubfischer aus Industrienationen schöpfen mit modernen Booten die Fischbestände ab. Um die traditionellen Boote wieder instandzusetzen, fehlt das Geld, das nun artbase aufbringen will.

Für den Kontakt zu den Fischern sorgt der somalische Veterinär Ahmed M. Guled von der Organisation für die somalische Einheit (OSE), denn „Informationen aus erster Hand und der Dialog vor Ort sind für das Gelingen des Projektes unverzichtbar“, heißt es im soeben erschienenen Mappenwerk, einer künstlerisch gestalteten Selbstdarstellung von artbase, dessen Verkaufserlös wieder direkt dem Projekt zufließt genauso wie Erlöse aus der von Jörg Stange gestalteten Wasser-Aktie. Der Hamburger Fischer Heinz Oestmann, ebenfalls bei artbase engagiert, sagt: „Fischerei hat in dieser Gegend nur dann eine Zukunft, wenn traditionelle Fangmethoden ausgebaut und möglichst kostenarme Mittel dafür verwendet werden.“

„In Las Koreh handelte einst Sindbad, der Seefahrer, mit Weihrauch. Er könnte es getan haben. Sollen wir keine Händler sein? Warum denn nicht? Tauschen wir in Sindbads Fahrensreich die braven Narreteien gegen Tausendundeine Nacht. Verwandeln wir in Somalia deutsche Maschinengewehre, Panzer und Lenkraketen zu Wasser. „Werden wir die Händler der Wasseraktie“, schrieb Reimer Eilers, Bezirksvorsitzender des VS in Hamburg, Ende 1993, als die deutschen Jungs noch in Somalia hockten, in dem Aufsatz „Sindbad rettet die Bundeswehr“. Die Bundeswehr braucht in Somalia nun keine Hilfe mehr, während die Somalis jetzt erst recht Unterstützung brauchen. „Politik, so sagt man, sei die Kunst des Machbaren. Doch wo die Politik versagt, hinter ihren Grenzen, ergreift die Kunst selbst die Initiative“, heißt es in der art-base-Mappe. Folglich will Jörg Stange, der mit einigen artbase-Mitarbeitern im Herbst Somalia besuchen wird, auch neue Wege gehen, um Geld aufzubringen. Er will auch mit einem Mineralwasser-Hersteller verhandeln, einige 100.000 Wasserflaschen mit einem künstlerisch gestalteten Etikett zum erhöhten Solidaritätspreis zu verkaufen, um weitere Mittel in das Projekt fließen zu lassen, so daß es wie geplant weitergehen kann: „Ohne viel Bürokratie. Ohne aufwendige Zwischenstationen. Aber mit direkter Kontrolle. Und mit viel Phantasie.“ Und als ein zukunftsweisendes Modell einer aufrichtigen Hilfe zur Selbsthilfe.

Julia Kossmann

artbase-Mappenwerk und Wasser-Aktie zu beziehen über:
(ehemalige Adresse): Artbase-Projektlabor, Essener Str. 2, 22419 Hamburg,
stange[at]metasynapse.de
Spendenkonto: OSE e. V., Kennwort „artbase“, Kto.Nr.:

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HYDROMEMORIES ON THE THEME OF WATER:

http://hydromemories.com/

Hydromemories is an interdisciplinary artistic project
on the theme of water

COMMON GROUND: PROJECTS FOR THE LAGOON

FREE AS AIR AND WATER

1% WATER AND OUR FUTURE

MASSIMO DI NONNO

RACHEL WHITEREAD WATER TOWER

BOTTLE PROJECT – SUSTAINABLE WATER

HIGH WATER LINE

WATERPOD PROJECT

WASSERAKTIE – WASSER FÜR SOMALIA

PEACE REAL SPACE

FREE DIMENSIONAL

ART MEETS SCIENCE

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medienwatch.wordpress.com

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Februar 14, 2009 at 11:58