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»Reihe:Ordnung sagt – Freiheit«

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»Reihe:Ordnung sagt – Freiheit«
mit Discoteca Flaming Star

Eröffnung: Donnerstag, den 29. Jan. 2009, 19 Uhr
Es spricht: Ulrich Schöttker
Ausstellungsdauer: 30. Jan. bis 20. März 2009
Öffnungszeiten: Mi. bis So., 14 bis 18 Uhr
Kunstverein Harburger Bahnhof, im ehemaligen Wartesaal über Gleis 3
und 4, Fernbahnhof Harburg, Hannoversche Str. 85, 21079 Hamburg

Die 1998 von Cristina Gomez Barrio und Wolfgang Mayer gegründete Gruppe Discoteca Flaming Star ist ein interdisziplinäres Kunst-Performanceprojekt mit wechselnder Besetzung, das seine Auftritte und Ausstellungen als politische und soziale Ereignisse versteht.
Angelehnt an die Idee und Funktionsweise einer Rockband erforschen sie gemeinsam mit befreundeten KünstlerInnen, TänzerInnen und MusikerInnen gesellschaftliche Fragen und Wünsche, deren Umsetzungen und ihre Begrenzungen. Als Discoteca Flaming Star erproben sie Handlungsmodelle, die sich, anstatt berechenbare Stärke zu demonstrieren, glamourös dem Schwachsein, der Zerbrechlichkeit und dem Modus des Zweifelns widmen. Sie sind, in den Worten von Gomez Barrio/Mayer, »unehrerbietige haltlose Fans, die die eigenen Kenntnisse und Unkenntnisse benutzen und das Begehren inszenieren, auf der Bühne zu sein und sich zu zeigen. Sie trinken von Anita Berber, von Warhols Perücke, Geistern, Rita McBride’s Arena, Gregg Bordowitz, Mary Shelley, Karl Valentin & Lisl Karlstadt, der Wiener Gruppe, Alvaro, Joey Arias und Raven O – und nennen das Ergebnis Hardcore-Karaoke. Discoteca Flaming Star bringt Lieder über Liebe, Konsum, Hingabe und Feminismus, Bauchtanz, Schnulzen, großartige schlechte Lieder und Dinge, die zusammen gehen, obwohl sie das nicht sollten«.

Für den Kunstverein Harburger Bahnhof entwickelt die Gruppe eine Installation aus bearbeiteten Teppichen, die sich wie Eisschollen im Raum verteilen. Die ursprüngliche Beschaffenheit der Teppiche, ihre Muster und Farbgebungen, wird dabei zu großen Teilen durch schwarze Acrylfarbe verschleiert. Deutlich sichtbar blitzt sie nur in den durch Schriftzüge gebildeten Negativformen auf, die sich unter anderem dem Thema »Freiheit«, der einladenden Institution und der historischen Funktion des Raumes als Wartesaal widmen. Eine weitere Ebene bildet die Auseinandersetzung mit dem amerikanischen Musiker Morton Feldmann, ein Freund und Zeitgenosse von John Cage, der durch asymmetrische Teppichmuster zu Kompositionen inspiriert wurde, und der Dialog mit dem Teppichsammler Christopher Pan Talon. Letzterer liebt an seiner Sammlung das Aufeinandertreffen von rigide vorgegebenen Mustern und unabhängigen Gestaltungen. Freiheit wird hier produktiv verstanden: Nicht als Gegenbehauptung gegen das, was sie einschränkt, sondern als Freiheit des Denkens, Kombinierens und Handelns innerhalb bestimmter Strukturen. Auf diese Weise entstehen innerhalb des Ausstellungsraumes neue »Räume«, »Denkräume«, die in zwei Performances um die Dimensionen »Handlung« und »Zeit« erweitert werden.

Freiheit ist die sechste Ausstellung im Rahmen der von 2007 bis 2009 im Kunstverein Harburger Bahnhof gesetzten Reihe:Ordnung. In insgesamt sieben Ausstellungen werden – eng orientiert an der Verortung des Kunstvereins in einem Bahnhofsgebäude – bestehende Systeme in ihrem Paradox aus Stillstand und Bewegung, aus Aussagekraft und Durchlässigkeit aufgegriffen. Vorherige Titel der Reihe waren Arbeit, Liebe, Geld, Macht und Sex, das Schlusslicht
bildet Zukunft. Die Ausstellungsreihe fungiert als indirekte Herausforderung von Seiten des Publikums an die teilnehmenden KünstlerInnen: Die titelgebenden Schlagwörter suggerieren eine konkrete Erwartungshaltung, die vor der Betrachtung steht, während die Stärke und die Freiheit der damit konfrontierten künstlerischen Produktion darin besteht, an genau diesem Punkt ansetzen zu können.

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Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung:

Samstag, 31. Jan. 2009, 16 Uhr: Künstlergespräch mit Discoteca Flamingstar. Ab 18 Uhr zeigen wir den Film »El Espíritu de la Colmena«, Victor Erice, 1973. (OV mit engl. Untertiteln). In einem kleinen kastilischen Dorf sieht sich die sechsjährige Ana zusammen mit ihrer Schwester und den Dorfbewohnern einen Horrorfilm an. Von diesem inspiriert, flüchtet sie sich in eine Traumwelt aus Todessehnsucht und Hoffnung.

Freitag, 6. Feb. 2009, 20 Uhr: Discoteca Flaming Star »Anda…El tren blindado…the creature and die liebe (2)«, dia-bass-frankenstein-banner-make-up-gesang-angel-text-stück-performance, 60 min. Realisierung (1) im Sommer 2008 in Zusammenarbeit mit Stefan Pente.

Freitag, den 20. Feb. 2009, 19 Uhr: Führung durch die Ausstellung

Freitag, den 20. Feb. 2009, 20 Uhr: Ursula Panhans-Bühler »Unter der Teppich/und über – einige Blicke auf eine marginalisierte Kunst«. Europäer wendeten Teppiche, sobald sie diese für sich entdeckt hatten, aus der Horizontalen in die Vertikale – mit Bildern versehen.
Was haben Teppiche für eine Beziehung zum Boden, zum Fliegen, zum Verschwimmen von Raum und Zeit? Und: zu Dekor und Ornament? Der Vortrag wird diesen Fragen anhand einiger Teppiche aus Ost und West nachgehen.

Dienstag, den 10. März 2009, 20 Uhr: Helmut Draxler »Gefährliche Substanzen«, Buchvorstellung mit anschließender Diskussion. In seinem 2007 erschienenen Buch formuliert Draxler die »gefährliche« These, dass der substantielle Kunstbegriff keineswegs überholt ist, auch wenn er nicht mehr mit Genie- und Autonomievorstellungen gefüllt werden kann. Die Kunst ist gewissermaßen zu ihrem eigenen Fluchtpunkt geworden. Diskurse, Institutionen und Medien stellen ihre »eigene apparathafte Realität her, anstatt der Wahrheit der Kunst produzieren sie Wahrheitseffekte, statt der Absolutheit des Anspruchs zeigen sie die Relativität von Prozessen, anstelle von Einheit und Überzeitlichkeit sehr spezifische, moderne Formen von vielfach mediatisierten Erfahrungshorizonten.«

Freitag, den 20. März, 20 Uhr: Discoteca Flaming Star »for boris for ingrid«, Performance und Finissage.

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Kunstverein Harburger Bahnhof im Bahnhof Harburg über Gleis 3 und 4 Hannoversche Str. 85, 21079 Hamburg

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Written by medienwatch & metainfo

Januar 29, 2009 um 12:55

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