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Vermögen in Deutschland zunehmend ungleich verteilt

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KP Brehmer | 1970 »Korrektur der Nationalfarben, gemessen an der Vermögensverteilung« Foto: jst|08 Museum-Fridericianum Kassel: Ktlg. 1998, Schwarz = Mittelstand | Rot = restl. Haushalte | Gold = Grosskapital

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21.01.2009
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Neue Studie warnt vor Altersarmut

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Die Ungleichheit bei der Vermögensverteilung in Deutschland ist in den letzten Jahren weiter gewachsen. Bei Anrechnung aller Verbindlichkeiten verfügte das wohlhabendste Zehntel der erwachsenen Bevölkerung im Jahr 2007 über 61,1 Prozent des privaten Vermögens. 2002 waren es noch 57,9 Prozent. Auf das reichste Hundertstel konzentrieren sich allein knapp 23 Prozent des Nettovermögens. Dagegen besaßen die weniger wohlhabenden 70 Prozent der Erwachsenen 2007 nur knapp neun Prozent des gesamten Nettovermögens – rund 1,5 Prozentpunkte weniger als 2002 . Zu diesem Ergebnis kommt eine neue, von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Untersuchung von PD Dr. Joachim R. Frick und Dr. Markus M. Grabka.

Nach Berechnung der Wissenschaftler am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) haben etwa zwei Drittel der erwachsenen Bevölkerung netto kein oder nur ein geringes Geld- oder Sachvermögen. 27 Prozent aller Erwachsenen besitzen netto gar kein Vermögen, oder sie haben unter dem Strich sogar mehr Schulden als Eigentum. Diese Anteile haben sich trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs in den letzten Jahren gegenüber 2002 kaum verändert. Die Vermögensunterschiede zwischen West- und Ostdeutschland haben sich zwischen 2002 und 2007 deutlich vergrößert.

Die Berliner Forscher stützen ihre Vermögensrechnung auf die aktuellsten verfügbaren Daten aus dem sozio-oekonomischen Panel (SOEP), einer repräsentativen Langzeitbefragung. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich die Schere bei der Vermögensverteilung künftig weiter öffnet. Zwar hätten zahlreiche Geldanlagen, etwa Aktien, infolge der Finanzmarktkrise an Wert verloren. Insbesondere finanzstarke Anleger seien aber oft nicht gezwungen, in der gegenwärtigen Baisse zu verkaufen und damit Verluste zu realisieren.

Dagegen treffe Arbeitslosigkeit häufiger Menschen mit geringerem Vermögen, die dieses im Verlaufe der Arbeitslosigkeit aufzehren. Daten, die zwischen 2002 und 2007 einen deutlichen Vermögensrückgang in den mittleren Altersgruppen in Ostdeutschland anzeigen, lassen Frick und Grabka vermuten, dass die Einführung des Arbeitslosengeldes II diesen Trend verstärkt. Die Regelungen des ALG II dürften „zu einem stärkeren Entsparen im Falle von Arbeitslosigkeit beigetragen haben, da eigenes Vermögen zunächst weitgehend aufgezehrt werden muss, bevor diese staatliche Unterstützung in Anspruch genommen werden kann“, schreiben die Forscher in ihrer Studie, die am heutigen Mittwoch als DIW-Wochenbericht Nr. 4/2009 erscheint. Sie sehen diese Ergebnisse als Indikator dafür, dass das Risiko von Altersarmut wächst, insbesondere in Ostdeutschland. Angesichts sinkender Rentenniveaus werde der Rückgriff auf private Vorsorge und Vermögen im Alter wichtiger.

Zudem dürften die Abgeltungssteuer und die reformierte Erbschaftsteuer „zu einer weiteren Vermögenskonzentration führen und die ökonomische Ungleichheit in Deutschland weiter verstärken“, so die Forscher. Sie halten es für geboten, insbesondere die Ausgestaltung der Erbschaftsteuer erneut zu überdenken, „um das Prinzip der Chancengleichheit in Deutschland zu stärken, denn nicht nur die Bildungschancen werden maßgeblich von der sozialen Herkunft bestimmt, sondern auch die Höhe der erwarteten Erbschaften.“

Die breite Datenbasis erlaubt sehr differenzierte Aussagen zur Vermögensschichtung nach Region, Alter und beruflicher Situation sowie zur Entwicklung in den vergangenen Jahren:

– Anstieg auf durchschnittlich rund 88 000 Euro –
Mit den hochgerechneten SOEP-Daten lässt sich das private Brutto-Vermögen (ohne PKW und Hausrat) in Deutschland 2007 auf rund 8,055 Billionen Euro beziffern. Den größten Anteil daran hatten der Grund- und Immobilienbesitz mit 5,3 Billionen Euro. Die verbreitetsten Vermögensformen waren private Versicherungen und Geldvermögen, über die jeweils etwa jeder zweite Erwachsene verfügt. Dem standen Verbindlichkeiten der Privathaushalte von gut 1,4 Billionen Euro gegenüber. Das Nettogesamtvermögen lag so bei rund 6,6 Billionen Euro.

Damit verfügte jeder Erwachsene 2007 im Durchschnitt über ein individuelles Nettovermögen von gut 88.000 Euro – knapp 8000 Euro mehr als 2002. Dass beide Zahlen indes wenig über die reale Verteilung des Wohlstandes aussagen, zeigt der Blick auf den Medianwert, der die wohlhabendere Hälfte der Bevölkerung von der ärmeren Hälfte trennt: 2007 lag der Median bei einem Vermögen von lediglich 15.288 Euro – ein Anstieg um weniger als 300 Euro oder 1,9 Prozent gegenüber 2002. Zudem beruht der gesamtdeutsche Zuwachs allein auf einer deutlichen Steigerung im Westen. In Ostdeutschland sanken Durchschnittswert und Median. Die Vermögen konzentrieren sich somit zunehmend bei den reicheren Gruppen der Bevölkerung, die insbesondere im Westen leben. So wuchs das durchschnittliche Nettovermögen im wohlhabendsten Zehntel der Bevölkerung von gut 208.000 auf gut 222.000 Euro. Die Angehörigen des reichsten Prozents der Bevölkerung besaßen 2007 durchschnittlich gut 817.000 Euro. 2002 waren es noch knapp 743.000 Euro.

– Wachsende Unterschiede zwischen Berufs- und Einkommensgruppen –
Analysiert man die Vermögensentwicklung nach Berufsgruppen, dann haben Selbständige und Unternehmer das höchste durchschnittliche Nettovermögen. Es reichte 2007 von rund 177.000 Euro bei Selbständigen ohne Angestellte bis zu 1,1 Millionen Euro bei Personen, die mehr als zehn Mitarbeiter haben. Ein beträchtlicher Teil des Vermögens von Unternehmern entfällt auf das Betriebsvermögen. Betriebsvermögen besitzen lediglich 4,4 Prozent der Bevölkerung. Dabei muss allerdings beachtet werden, dass die DIW-Analyse das Sozialversicherungsvermögen, also etwa Ansprüche an die Rentenversicherung oder an die betriebliche Altersvorsorge, mangels aussagekräftiger Daten nicht berücksichtigen kann. Würde man sie hinzurechnen, fiele der Vermögensvorsprung der Selbständigen kleiner aus.

Beamte des gehobenen oder höheren Dienstes erreichen im Durchschnitt ein Nettovermögen von rund 140.000 Euro. Es folgen Angestellte in Führungspositionen, die durchschnittlich über 119.000 Euro netto verfügen. In diesen beiden Berufsgruppen finden sich am seltensten Personen, die netto kein Vermögen oder sogar mehr Schulden als Besitz haben. Qualifiziertes Fachpersonal, etwa Meister oder Vorarbeiter, besitzen durchschnittlich gut 70.000 Euro. Beamte des einfachen und mittleren Dienstes verfügen über 63.000 Euro.

Facharbeiter oder Angestellte mit einfacher Tätigkeit kommen auf knapp 46.000 Euro. Un- oder angelernte Arbeiter und Angestellte haben im Schnitt 35.000 Euro. In der Gruppe der Nichterwerbstätigen und Arbeitslosen liegt das Nettovermögen bei durchschnittlich rund 51.000 Euro. Menschen ohne Vermögen oder mit mehr Schulden als Besitz sind bei Angelernten und unter Arbeitslosen mit Abstand am häufigsten. Unter den Arbeitslosen wuchs ihr Anteil im Vergleich zu 2002 deutlich an: von 41 Prozent auf 49 Prozent. Rentner und Pensionäre besaßen 2007 netto im Durchschnitt gut 113.000 Euro.

Selbständige und Unternehmer verzeichneten von 2002 bis 2007 auch den höchsten Vermögensanstieg: plus 50.000 Euro bei Selbständigen, die maximal neun Mitarbeiter haben, plus 20.000 Euro bei Unternehmern mit mehr Beschäftigten. Qualifizierte und leitende Angestellte sowie höhere Beamte erreichten kleine Zuwächse. Bei geringer qualifizierten Arbeitern, Angestellten und Beamten schrumpfte das Durchschnittsvermögen dagegen leicht. Deutliche Einbußen erlitten Nichterwerbstätige und Arbeitslose – in dieser Gruppe sank das durchschnittliche Nettovermögen um 13 Prozent oder rund 7400 Euro.

Das gleiche Muster ergibt sich bei einer Analyse, die Vermögen und Einkommen in Beziehung setzt: Das durchschnittliche Nettovermögen der 30 Prozent mit den geringsten Einkommen ging zwischen 2002 und 2007 sogar nominal – also ohne Berücksichtigung der Preissteigerung – zurück. Im mittleren Einkommenssegment stagnierten die Vermögen. Dagegen wuchsen die Vermögen ab dem achten Einkommenszehntel. Wer in der Einkommenshierarchie zu den obersten zehn Prozent zählte, hatte 2007 durchschnittlich 60.000 Euro mehr Vermögen als 2002

– Starker Vermögensrückgang in Ostdeutschland –
Auch im Ost-West-Vergleich ging die Entwicklung der Nettovermögen deutlich auseinander. Während in Westdeutschland die Nettovermögen zwischen 2002 und 2007 von durchschnittlich knapp 91.000 Euro auf gut 101.000 Euro stiegen, sank der Mittelwert im Osten: von rund 34.000 auf weniger als 31.000 Euro. Dieser Rückgang hat nach Analyse der DIW-Forscher zwei Ursachen: Einerseits verlieren Immobilien in vielen ostdeutschen Regionen deutlich an Wert. Andererseits habe die hohe Arbeitslosigkeit dazu beigetragen, dass in den Altersgruppen zwischen 35 und 65 Jahren die durchschnittlichen Vermögen um mehr als zehn Prozent gesunken sind. Dieser Schwund sei „auch sozialpolitisch besorgniserregend“, warnen Frick und Grabka: Arbeitslosigkeit und niedrigere Erwerbseinkommen dürften etlichen Menschen mittleren Alters künftig vergleichsweise geringe Renten bescheren – ohne Vermögenspolster drohe ihnen Altersarmut.

http://www.boeckler.de/320_94199.html

Weitere Informationen:

in: Böckler Impuls 1/2009

Die komplette Untersuchung im DIW-Wochenbericht 4/2009

oder einfacher hier =

Aufsatz / Issue Online herunterladen / Download PDF-Document 430 KB

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medienwatch.wordpress.com

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Written by medienwatch & metainfo

Januar 21, 2009 um 21:10

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