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Archive for Januar 20th, 2009

Die Geschichte beginnt nicht mit den Qassams

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Die Geschichte beginnt nicht mit den Qassams

von Amira Hass
14.01.2009 — Ha’aretz
— abgelegt unter: Naher Osten, Krieg in Gaza (2009)

Die Geschichte beginnt nicht mit den Qassamraketen. Aber für uns, die Israelis beginnt die Geschichte immer dann, wenn die Palästinenser uns verletzen und dann ist der Schmerz völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Wir denken, wenn wir den Palästinensern viel größeren Schmerz verursachen, dann werden sie eine Lektion lernen. Manche nennen dies einen „Erfolg“.

Trotz allem bleibt die „Lektion“ für die meisten Israelis abstrakt. Die israelischen Medien geben Informationen auf sehr niedrigem Niveau, Diät für ihre Konsumenten mit Wahrheit auf niedrigem Niveau …Sie sind bescheiden und rühmen sich nicht unserer Leistungen: die getöteten Kinder und die Leichen, die unter den Ruinen verwesen, die Verwundeten, die zu Tode verbluten, weil unsere Soldaten auf die Sanitäter schießen, die kleinen Mädchen, deren Beine wegen schrecklicher Wunden von neuer Munition amputiert werden mussten, von erschütterten Vätern, die bittere Tränen weinen, die Wohnviertel, die vernichtet wurden, die schrecklichen von weißem Phosphor verursachten Brände, und der Mini-Transfer – Zehntausende Menschen wurden aus ihren Häusern vertrieben und sind noch immer vertrieben und nun zusammengedrängt in anderen Wohnvierteln, die immer kleiner werden und die ständig bombardiert und beschossen werden.

Seit die palästinensische Behörde errichtet wurde, hat die PR-Maschinerie die Gefahr der militärischen Bedrohung übertrieben, die die Palästinenser für uns darstellen. Als sie von Steinen zu Gewehren wechselten und von Molotow-Cocktails zu den Bomben auf Beinen, vom Sprengstoff am Straßenrand zu den Qassams und von den Qassams zu den Grads und von der PLO zur Hamas sagten wir mit einem Siegesschrei „Sagten wir es nicht; sie sind Antisemiten.“ Und deshalb haben wir das Recht , auf einen Rachefeldzug zugehen.

Was ermöglicht Israel solch einen militärischen Rachefeldzug – ich konnte das richtige Wort dafür nicht in meinem Wörterbuch finden – es war die immer strengere Isolierung des Gazastreifens. Die Isolierung machte die Bewohner des Gazastreifens zu immer abstrakteren Objekten, ohne Namen und Adressen, außer den Adressen der bewaffneten Männern – und ohne Geschichte außer den Daten die vom Shin Bet-Sicherheitsdienst bestimmt wurden.

Die Belagerung von Gaza begann nicht erst, als die Hamas die Kontrolle über die Sicherheitsorgane übernahm oder als Gilad Shalit gefangen genommen wurde oder als die Hamas in demokratischen Wahlen gewählt wurden. Die Belagerung begann 1991 – vor den Selbstmordattentaten. Und seitdem ist es nur immer raffinierter geworden und erreichte 2005 ihren Höhepunkt.

Die israelische PR-Maschinerie stellte den Abzug der Siedler glücklich als das Ende der Besatzung dar – mit unverschämter Missachtung der Tatsachen. Die Isolierung und die Absperrung wurden als militärische Notwendigkeiten dargestellt. Aber wir sind ja große Jungen und Mädchen und wir wissen, dass „militärische Notwendigkeiten“ und ständige Lügen dem Staat dienen. Es war Israels Ziel, die Zwei-Staaten-Lösung zu verhindern. Die Welt aber hatte dies erhofft, nachdem 1990 der Kalte Krieg beendet war. Das wäre keine perfekte Lösung gewesen – aber die Palästinenser wären dafür bereit gewesen.

Gaza ist keine Militärmacht, die seinen winzigen, so friedensliebenden Nachbar angreift. Gaza ist ein Gebiet, das Israel 1967 mit der Westbank besetzt hat. Seine Bewohner sind ein Teil des palästinensischen Volkes, das 1948 sein Land, seine Heimat verloren hat.
1993 hätte Israel eine einmalige goldene Gelegenheit gehabt, um der Welt zu beweisen, dass das, was die Leute über uns sagen, nicht wahr ist: dass Israel nicht dem Wesen nach ein kolonialistischer Staat ist. Dass die Vertreibung eines Volkes von seinem Land, die Vertreibung der Menschen aus ihren Häusern und der Raub von palästinensischem Land, um dort Juden anzusiedeln, nicht die Basis und Essenz unserer Existenz sind.

In den 90ern hatte Israel eine Chance zu beweisen, dass 1948 nicht sein Paradigma ist. Aber es versäumte diese Gelegenheit. Stattdessen vervollkommnete es seine Techniken des Landraubs und der Vertreibung der Menschen aus ihren Häusern und zwang die Palästinenser in isolierte Enklaven. Und jetzt, während dieser dunklen Tage beweist Israel, dass 1948 nicht zu Ende war.
Amira Hass

Sie ist die einzige israelische Journalistin, die einzige Journalistin weltweit, die den Alltag der Palästinenser lebt, über den sie schreibt. Amira Hass arbeitet für die linksliberale Tageszeitung Ha’aretz.
Übersetzt von: Ellen Rohlfs

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http://zmag.de/artikel/die-geschichte-beginnt-nicht-mit-den-qassams

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Januar 20, 2009 at 18:13

taz-Reise in die Zivilgesellschaft: Die andere Seite der Mauer

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Die andere Seite der Mauer

Fruchtbare Olivenfelder ohne Ernte auf der einen, ein „einfach perfektes“ Leben auf der anderen Seite. Begegnungen mit engagierten Gruppen in Palästina VON JASNA ZAJCEK

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Israelis ist es per Gesetz verboten, Palästina zu besuchen.

Der Dialog ist gekappt, legt uns die Autorin Sumaya Farhart-Nasar beim Abendessen eindringlich dar. Aber wie auch andere Palästinenser, die wir noch treffen sollten, überrascht sie durch unbändigen Lebenswillen, trotz widrigster Umstände. Bei jedem Gespräch wird uns klar, dass die palästinensische Zivilgesellschaft nur durch NGOs, Nichtregierungsorganisationen, aufrecht erhalten werden kann. Beispielsweise bei RIWAQ, einer Initiative, die als innoffizielles Katasteramt Palästinas fungiert und sich um den Erhalt archäologischer Bauten bemüht, oder bei der Musikschule „Al-Kamanjati“, in der Kinder auf Instrumenten europäischer Spender von internationalen Freiwilligen unterrichtet werden (…)

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Mitten im alltäglichen Elend werkeln junge Menschen an einer Theaterbühne. Ringsherum Steinwüste. Dschenin ist ein mühsam wieder aufgebautes Flüchtlingslager, welches die Einwohner nicht verlassen dürfen. Das ist Realität seit 1953. Märtyrerplakate an fast jedem betongrauen Haus. Die Aussichtslosigkeit und die Beklemmung des Camp-Lebens ist spürbar. An was will man als junger Mensch hier glauben, wenn nicht an den Freiheitskampf? Das „Freedom Theatre“ schafft das Unmögliche: Es bringt junge Männer weg von dem für sie lange Zeit einzig erstrebenswerten Ziel, „Märtyrer“ zu werden. (…)

http://www.taz.de/4/reise/asien/israel/artikelseite/1/die-andere-seite-der-mauer/

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Buchtip:

Ramadan Blues
zoom
Jasna Zajcek
Ramadan Blues
Wie sich eine Berlinerin, ein Leipziger und ein Jordanier aufmachen, den Nahen Osten kennenzulernen
Verlag Herder
187 Seiten
Bestell-Nr. 4030102
ISBN 978-3-451-03010-9
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Januar 20, 2009 at 11:39

Mord in Moskau: Politkowskaja-Anwalt + Journalistin erschossen

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MOSKAU dpa/ap Der bekannte russische Menschenrechts-Anwalt Stanislaw Markelow ist am Montag in Moskau auf offener Straße erschossen worden. Der Jurist, der unter anderem die ermordete regierungskritische Reporterin Anna Politkowskaja vertrat, wurde kurz nach einer Pressekonferenz in Kremlnähe von einem Unbekannten mit einem Kopfschuss getötet (…)

Die Journalistin Anastasja Baburowa, die für die kremlkritische Zeitung „Nowaja Gaseta“ arbeitete und Markelow begleitet hatte, wurde durch Schüsse schwer verletzt und starb später im Krankenhaus. Dutzende Passanten wurden Zeugen der Bluttat im Zentrum der russischen Hauptstadt. (…)

http://www.taz.de/1/politik/europa/artikel/1/politkowskaja-anwalt-erschossen/

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Januar 20, 2009 at 11:24

Veröffentlicht in Allgemein

Auch Hamas ruft Waffenstillstand aus

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Israels Armee beginnt mit dem Rückzug aus dem Gazastreifen

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Januar 20, 2009 at 09:00

Hessenwahl = „Hier ist eine mediale Treibjagd gelaufen“

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„Hier ist eine mediale Treibjagd gelaufen“

SPD-Weggefährte von Andrea Ypsilanti zieht Bilanz

Hermann Scheer im Gespräch mit Friedbert Meurer | 20.01.2009

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer hat das Verhalten gegenüber der zurückgetretenen hessischen SPD-Vorsitzenden Andrea Ypsilanti als einmalig und schlichte Geschichtsfälschung bezeichnet. Man sei nach dem Motto vorgegangen, nicht der Täter, sondern das Opfer ist schuld. Scheer schloss Kooperationen mit der Linkspartei auf Bundesebene zwar aus, zeigte sich aber überzeugt, dass in anderen Bundesländern eine solche Parteienkonstellation möglich sei.

Friedbert Meurer: Die SPD in Hessen, sie hat bei der Landtagswahl vorgestern erheblich Federn lassen müssen, 13 Prozent verloren. Damit hat die Partei die Quittung dafür erhalten, dass sie eine Zusammenarbeit mit der Linken angesteuert hat, obwohl sie das genau vor der Wahl vor einem Jahr ausgeschlossen hatte. Nur Minuten nach der Schließung der Wahllokale hat am Sonntag Abend Andrea Ypsilanti ihre Konsequenzen gezogen und Partei- und Fraktionsvorsitz aufgegeben. CDU und FDP bereiten sich jetzt auf die Übernahme der Regierung vor.
Hermann Scheer ist SPD-Bundestagsabgeordneter, Mitglied im SPD-Bundesvorstand und ein enger Weggefährte von Andrea Ypsilanti, die ihn zum Wirtschaftsminister machen wollte. Guten Morgen, Herr Scheer!

Hermann Scheer: Guten Morgen.

Meurer: Ist es das, was von Andrea Ypsilanti übrig bleiben wird, dass sie der SPD die schlimmste Niederlage aller Zeiten in Hessen zugefügt hat?

Scheer: Das ist ja genau die Lesart, die von der über Monate hinweg gehenden Treibjagd. Es war eine Treibjagd, die gegen Andrea Ypsilanti artikuliert wird, und ich halte das für eine schlichte Geschichtsfälschung, die nach dem Motto vorgeht, nicht der Täter oder die Täter sind schuld, sondern das Opfer ist Schuld.

Meurer: Wieso soll das eine Geschichtsfälschung sein, wenn diejenige, die sich eines Wortbruchs schuldig gemacht hat, anders dargestellt wird?

Scheer: Ja. Nun ist es doch so, als ginge es in Hessen, als wäre es in Hessen ausschließlich um einen einmaligen Sündenfall gegangen, nämlich dass man ein Wort nicht einhalten konnte, das man vor der Wahl gegeben hat, mit wem man eine Regierung bildet oder nicht. So etwas ist im Dutzend vorgekommen in der Bundesrepublik. Es gab nur nicht ein einziges Mal eine derart anhaltende, lange Kampagne dagegen. Das ist jetzt keine Entschuldigung für einen solchen Fehler. Natürlich war es ein Fehler. Es war ein Fehler, der ist nicht geringer, aber auch nicht größer als etwa der Fehler, den SPD wie CDU/CSU auf Bundesebene gemacht haben im Jahr 2005, als sie beide vor der Wahl gesagt haben, unter keinen Umständen machen wir eine Große Koalition, und dann wurde sie anschließend doch gemacht. Wo blieb die ein Jahr anhaltende Empörung?

Meurer: Der Unterschied war, dass das nicht tausendprozentig ausgeschlossen wurde. In Hessen war es anders.

Scheer: Nein, nein. Das wurde schon tausendprozentig ausgeschlossen. Im Verhältnis zu dem Bundesbeispiel kann keine Rede davon sein. Es wurde sogar doch von der SPD plakatiert damals, keine Merkel-Steuer, keine zwei Punkte Mehrwertsteuererhöhung, dicke Plakate, und dann wurden drei Prozent gemacht, drei Punkte in der Großen Koalition. Also mit anderen Worten: Es ist doch ziemlich klar, dass hier in einer Unverhältnismäßigkeit ohne gleichen ein Vorgang ausgeschlachtet worden ist im Namen einer politischen Moral, und das Ergebnis ist, dass derjenige jetzt wieder im Amt bleibt, der als der unmoralischste Politiker der Bundesrepublik Deutschland gilt, der mit übelster Ausländerkampagne gemacht hat, Hetzmeuten in Gang gesetzt hat, bei dem die Herkunft von 20 Milliarden Parteispenden für die hessische CDU immer noch nicht geklärt ist.

Meurer: … aber der jetzt von der Bevölkerung oder von den Wählern wiedergewählt worden ist, Herr Scheer.

Scheer: Ja, weil es gegen ihn auch nicht eine solche Kampagne gegeben hat.

Meurer: Da sagen aber diejenigen, die als Abweichler bezeichnet worden sind, wir sind Opfer der Kampagne, wir sind Opfer einer Treibjagd.

Scheer: Entschuldigung, das sehe ich – – Es ist über viele Monate hinweg so gelaufen, dass hier eine Erbschuldige quasi fast im alttestamentarischen Zustand ausgemacht worden ist und bis hin zu dem im Grunde – es tut mir leid – – Das hat nichts mehr damit zu tun, dass ich ein enger Weggefährte von Andrea Ypsilanti bin. Ich würde das auch sonst so sehen, wenn drei Abgeordnete über Monate hinweg eine Willensbildung mitmachen und sagen ja, wir machen das mit, wir wählen diese neue Regierung, und sie geben x Versprechungen ab und der Parteitag entscheidet mit 95 Prozent, und es gibt dann 24 Stunden vorher ein Nein, wir machen nicht mit, und sie lassen eine ganze Partei ins Messer laufen und dann sagen sie, Andrea Ypsilanti ist Schuld. Es tut mir leid, die müssen mal wirklich die Tassen im Schrank lassen. Hier ist eine mediale Treibjagd gelaufen und davon kann man nicht ablenken. Es gibt ja auch Artikel, die dazu geschrieben worden sind.

Meurer: Gibt Hessen einen Vorgeschmack – Entschuldigung, Herr Scheer – auf das, was der SPD blühen würde, wenn sie sich im Bund für ein Bündnis oder eine Zusammenarbeit mit der Linken entschiede?

Scheer: Nein. Es ist natürlich so: wenn es zu einer Kooperation mit der Linkspartei kommt – und das hat man auch in Ost-Deutschland gesehen; für die Bundesebene halte ich das für abwegig, sich so etwas vor dem Hintergrund der jetzigen Situation und der Parteienkonstellation nach der Bundestagswahl 2009 und nach der nächsten vorzustellen, aber es wird in anderen Bundesländern dazu kommen.

Meurer: Wieso ist das im Bund abwegig?

Scheer: Ja, weil dazu die bundespolitischen Disponierungen, die programmatischen, noch zu stark auseinander liegen. Da geht es in erster Linie natürlich um außenpolitische Fragen, die Fragen zur EU, die Fragen bezogen auf NATO, die Fragen bezogen auf die internationalen Sicherheitseinsätze, wo wirkt man mit, unter welchen Umständen kann man mitwirken. Da gibt es überall noch eine klare Absage der Linkspartei. Es gibt auch noch psychologische Probleme. Wir haben jetzt gar keine Zeit, das zu vertiefen. Die sind ja auch im Wesentlichen bekannt. Es wird für die Bundesebene nicht passieren können. Es wird auf der Länderebene passieren, ist ja auch angekündigt. Das, was in Hessen geschehen ist, versucht worden ist, ist im Grunde genommen genau das gleiche, was versucht worden ist erstmals (jetzt bezogen auf West-Deutschland) im Jahre 1985 in Hessen von Holger Börner. Es gab übrigens damals genau dasselbe Theater.

Meurer: Wenn man das dazu anlegt – es kam dann zu rot/grün -, gibt es doch eine Zukunft für rot/rot.

Scheer: Erstens hängt es davon ab, wie die Wähler entscheiden, und natürlich wäre es das beste, wenn die SPD in einem Zustand wäre der Akzeptanz in einer Wählerschaft, so dass das Problem an der Linkspartei gar nicht erst entstanden wäre. Natürlich wäre das besser, aber das kann man nicht einfach dekretieren. Man kann sich natürlich nicht selbst aussuchen, ob es andere Parteien gibt oder nicht.

Meurer: Man kann aber den Kurs beispielsweise ändern.

Scheer: Ja, man kann den Kurs so ändern. Das heißt, im Grunde genommen müsste die SPD dann einen Kurs haben, der vielen Wählern, die heute links wählen, verdeutlicht, ihr braucht das nicht, ihr seid nach wie vor bei der SPD gut aufgehoben. Aber das haben viele Wähler in den letzten Jahren so nicht gesehen. Übrigens am relativ meisten haben das in Hessen die Menschen so gesehen. Deswegen war ja die Linkspartei nur mit 5,1 Prozent im letzten Jahr in den Landtag gekommen. Man darf ja bei allem nicht vergessen, dass der politische Kurs, mit dem Andrea Ypsilanti überhaupt in die Möglichkeit der Regierungsbildung gekommen ist, im letzten Jahr acht Prozent Zugewinn brachte. Es war der erfolgreichste Wahlkampf der SPD über viele, viele Jahre hinweg in einer Zeit, wo andernorts überall nur Minuswerte auftraten bei Wahlen.

Meurer: Aber dann hat die SPD eben alles wieder verspielt, Herr Scheer. Hat die SPD ohne Die Linke irgendeine Perspektive, wieder den Kanzler zu stellen?

Scheer: Ich habe Ihnen eben gesagt, die SPD könnte eine Perspektive haben. Das hängt von der Art der Politik ab und ihrer inneren Glaubwürdigkeit und Konsequenz, wie das verfolgt wird, in der gar keine Linkspartei neben ihr existiert. Das könnte sein, aber das ist im Moment nicht so. Also muss die SPD damit rechnen, dass sie unter Umständen in vielen Bundesländern überhaupt nicht mehr regieren kann, wenn es nicht so wie in den 80er Jahren kommt, wo sie manchmal gar nicht mehr regieren konnte, obwohl es vorher Alleinregierungsmöglichkeit gab, ohne die Grünen-Partei. So kann das auch mit der Linkspartei geschehen, und zwar als Grundproblem, als Dauerproblem, aber das hängt von der Politik der SPD ab, natürlich auch von der Politik der Linkspartei. Wenn die sich so zerlegt, dass sie am Schluss die Prozente, die sie haben, nicht mehr kriegen und deutlich runtergehen, dann klärt sich das Problem in einer anderen Weise, aber das kann niemand voraussagen. Man kann Parteien nicht wie Schachfiguren behandeln, wie hölzerne Figuren. Nein, das sind lebende Organismen und die können alle möglichen Dinge mit sich machen oder mit sich machen lassen, gute wie schlechte.

Meurer: Der SPD-Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer bei uns heute Morgen im Deutschlandfunk. Schönen Dank und auf Wiederhören, Herr Scheer.

Scheer: Bitte schön!

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http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/906636/

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Januar 20, 2009 at 08:34

Blues zur Nacht = Soundtrack eines Lebens: Sandy Dillon

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Deutschlandfunk-Nacht-Radio

20. Jan 2009

01:05 Uhr


Sandy Dillon – Soundtrack eines Lebens
Am Mikrofon: Luigi Lauer
„Alles, was einem widerfährt, jeder, den man trifft, trägt zum Soundtrack deines Lebens bei“, sagt Sandy Dillon. Wer sie singen hört, muss sich fragen, was ihr denn Schreckliches widerfahren ist und wen um Himmels willen sie wohl getroffen haben mag. Die Dillon stöhnt und knarzt, keucht und brummt, poltert und krächzt, und das mit einer Stimme, die sich mit Whiskey allein nicht erklären lässt. Am Berklee College, wo sie Musik studierte, hat sie das sicher nicht gelernt. Dass die Dame den Blues hat, ist kaum zu überhören. Sie präsentiert ihn unberechenbar, mal ganz traditionell, mal mit viel Elektronik. Mal ertönt eine singende Säge, mal eine Kinderorgel. Und Sandy Dillon ist dabei weit mehr als die weibliche Version eines Tom Waits.

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Sandy Dillon 2000 Konzert in Hamburg

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Januar 20, 2009 at 08:25