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Archive for Januar 2009

1969: Die erneute Erwartung des eingeborenen Menschensohnes

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Fotos: Jörg Stange

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Gunnar F. Gerlach

1969: Die erneute Erwartung des eingeborenen Menschensohnes

Ein Versuch über Erfindung und Realität von Mythen und Missverständnissen in Pop, Kultur und Politik zwischen Hoffnung und Horror

„Man beginnt allmählich einzusehen, daß zur künstlerischen Vollendung einer Mordtat doch etwas mehr gehört als zwei Dummköpfe, einer, der tötet, und einer, der getötet wird, ein Messer, eine Brieftasche und eine dunkle Gasse. Formgebung, meine Herren, Sinn für Gruppierung und Beleuchtung, poetisches Empfinden und Zartgefühl werden heute zu einer solchen Tat verlangt.“

Thomas De Quincey, „Der Mord als eine schöne Kunst betrachtet“, 1827/1854

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„Ja, ja, ja, ja, nee, nee, nee, nee“

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27. März 1969: Fluxus-Konzert „…oder sollten wir es verändern?“ Joseph Beuys: Klavier; Henning Christiansen: Geige; Städtisches Museum, Mönchengladbach

Bereits das Aufschreiben des von Legenden umwobenen Jahres 1969 gleicht mittlerweile der Erwähnung eines Mythos aus bedeutender Zeit zwischen Schauen und Schaudern: befangen in emotionalen Zwillingspaaren von „Euphorie und Exzess“, „Pop und Politik“, „Aufbruch und Untergang“, „Hoffnung und Horror“. In der Tat gehören die nur im fließenden Übergang zu begreifenden Jahre 1968/69 in den Bereich jener historisch-wissenschaftlichen Kategorie der „Schwellenzeit“, die durch ein Höchstmaß irritierender Vorgänge, Prozesse und Realitäten in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen gekennzeichnet ist und evidente Aus- und Nachwirkungen bis in die aktuelle Gegenwart zeitigt. Wer denkt schon an eigene, erinnernde Zusammenhänge zwischen dem „White Album“ der Beatles und dem kongenialen Künstler Richard Hamilton als Gestalter von Cover und Poster dieser Inkunabel, der psychedelisch-konzeptuell werdenden Musik der scheinbar so heiter surfenden Beach Boys, dem Altamont-Debakel der Rolling Stones während der Live-Performance von „Under my Thumb“ und der Parallelität von ‚Love, Peace and Happiness‘ während des Woodstock-Festivals mit der begleitenden Realität einer Mordserie, die Charles Manson in Los Angeles mit seiner „Family“ inszenierte und realisierte? Alles dies geschieht in weniger als einem Jahr, und ist auf reale bis surreale Art und Weise miteinander verstrickt . Wer registriert schon mit Bewusstsein die in den letzten 30 Jahren entstandenen (Pop-)Kulte und Manson bezogene Medien: T-Shirts, Poster, Anstecker, Aufnäher und Bücher, die Internetpräsenz neben Publikationen im Audio- und Video-Bereich, und weiß darum, dass Charles Manson den Rekord als Strafgefangener mit den meisten E-Mails, Briefen und Grußkarten hält? Dieser Komplexität der parallelen Ereignisse gerecht werden zu wollen, kann im folgenden nur als Versuch begriffen werden, einzelne Segmente zu betrachten, um sie in einer oszillierenden Horizontlinie begreifen zu lernen.

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Tatorte, Tote und Trivialmythen

Schwül soll es gewesen sein in dieser Nacht vom 8. auf den 9. August 1969 als auf der schmalen Straße am Cielo Drive, Haus 10 050, oberhalb von Bel Air, Los Angeles, an einer Ecke der Garage und dem Zaun elektrische Weihnachtskerzen leuchteten. Von der Schauspielerin Candice Bergen waren sie angeschafft worden, die bei dem vorherigen Mieter des Anwesens, Terry Melcher, Sohn der Schauspielerin Doris Day mit dem Posaunisten Al Jordan, gewohnt hatte. Terry Melcher, Mitorganisator des Monterey Pop Festivals (das als Durchbruch der neuen Rockmusik angesehen wurde), Fernseh- und Plattenproduzent, wurde 1968 durch den Schlagzeuger der Beach Boys, Dennis Wilson (1944–1983), mit einem gewissen Charles Manson bekannt gemacht. Nun waren hier, im Sommer der euphorischen Jugend-, Studenten- und Außenseiter-Bewegung von Woodstock, über der Lichtdurchfluteten „Stadt der Engel“ fünf Leichen zu finden. Eine Vision hatte sich zum Trauma gewandelt, denn drei Mädchen aus “gutem Hause“ waren in diesen Bungalow eingefallen und „metzelten alle in einem Mordrausch nieder, der wahrhaftig nur mit der Raserei mythischer Bacchantinnen zu vergleichen war“1. Eines der Opfer war prominent: Die Frau des Kult-Regisseurs Roman Polanski, die mittlerweile zur Neu-Ikone Hollywoods avancierte Schauspielerin Sharon Tate. Die Getötete, bekannt geworden durch die Filme „Tanz der Vampire“ und „Das Tal der Puppen“, lag nun im geblümten BH und dazu passendem Bikini-Höschen blutverschmiert vor dem Sofa: jung, blond, hochschwanger.

Diesem als „Schlachthaus“ beschriebenem Horror-Szenario folgte ein weiteres in der folgenden Nacht. Das Ehepaar LaBianca – Supermarktbesitzer, wohnhaft im Haus 3301 Waverley Drive in Los Angeles – wurde ebenfalls abgeschlachtet. An der Tür der gemieteten Villa von Polanski und Tate hatte die blutige Inschrift „PIG“(Schwein, Slang für ‚Bulle‘) gestanden. Der tote Mr. LaBianca bekam ins bloße Fleisch das Wort „War“ (Krieg) geritzt. Mit Blut geschriebene Inschriften fanden sich an drei weiteren Flächen im Haus: Hoch oben an der nördlichen Wand standen die Worte „DEATH TO PIGS“ (Tod den Schweinen), an der gegenüberliegenden Wohnzimmerwand klebte blutig das Wort „RISE“ (erhebt Euch) und auf der Kühlschranktür standen zwei Worte, von denen das erste auch noch falsch geschrieben war: „Healter Skelter“ – Drunter und Drüber!

Sollten diese Schmierereien, die heute, zynisch betrachtet, wie frühe Graffitis und alternative Fresken wirken, nur „Zufalls-Produkte“ einer durchgedrehten Band(e) sein, die das Schutzschild „Hippie“ und „Revolte“ ohne jegliche Reflexion, aus reiner mordender Blutgier vor sich hertrugen? Und waren die in diesem Umfeld ventilierten Namen und Begriffe wie „The Beatles“, „fünfter Beatle“, „Jesus Christus“, „Weathermen“, „Hitler“, „Sympathy for the Devil“, „Revolution 9/Revelation 9“ bloße Hirngespinste oder kurz geschlossene (von Mythen, Sozialisationen, Drogen, Narzissmen und Verzweiflungen ausgelöste) Aktionen und Pseudo-Performances einer gegen die Eiseskälte des US-amerikanischen Kapitalismus reagierenden, jungen Generation? Produkte genau dieser gesellschaftlichen Entwicklung zwischen Hoffnung, Hype und Horror, Super-Luxus oder einem Leben „Under the Bridge“?

Das in dieser Zeit ein neues Bewusstsein am Werden war, eine neue Sensibilität und Sensitivität genauso, wie die Verheißung dionysischen Rausches durch die Kombination aus „Sex & Drugs & Rock’n Roll“ kombiniert mit politischen Reflektionen und neuen, alltagstauglichen Praktiken zwischen Rock-Musik und Mini-Rock, gegen eine narzisstische, auf Karriere, Konkurrenz, Kampf und auch individuellen Krieg hin erzogene, vermeintliche Elite, ist eindeutig.

Rudolf Herz: ZUGZWANG 

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Mord, Musik und Manson

Charles Milles Manson kam 1968 nach Los Angeles und hatte bereits die Hälfte seines Lebens in Besserungsanstalten verbracht. Als uneheliches Kind zur Welt gekommen hatte er bis 1967 bewaffnete Überfälle, Autodiebstähle, Scheckfälschungen und Zuhälterei als Delikte begangen. Während seiner letzten Haft im Gefängnis Terminal Island hatte er eine geradezu obsessive Liebe für die Beatles entwickelt und sich autodidaktisch das Gitarre spielen und Song schreiben beigebracht. Jetzt, nach seiner Entlassung, war er in San Francisco in der Haight-Ashbury-Szene untergekommen, wo er sich von den anderen Freaks in Aussehen und Haltung nicht unterschied. Hier „begann er auch, seine ‚Family‘ um sich zu scharen – junge attraktive Mädchen, nicht selten aus besserer Familie, alle mit dem einen oder anderen psychischen Knacks und entsprechend empfänglich für die Schmeicheleien eines ernsten, charismatischen ‚Hippies’“.2 „Just follow the music, just follow the sound“ ist auf einem der von Manson und der Family komponierten Folk-Rock-Songs zu hören.3 Mit der wachsenden Gefolgschaft junger Frauen, die von der „Philosophie“ des ehemaligen Zuhälters beeindruckt waren, wuchs bei Manson eine rassistische Ideologie mit seinem Anspruch auf Führerschaft und die Vision einer neuen Welt. Und auch seine „Family“ wurde nun autoritärer geführt. Seine Auffassungen waren ein religiös-politischer und musikalischer Mischmasch aus biblischer Offenbarung, Scientology, Interpretationen von Beatles-Kompositionen (besonders vom im November 1968 erschienenem „White Album“) und eigenen Song-Texten über einfachste zwei- bis drei- Akkord „Hippie-Lagerfeuer-Klampfen-Lieder“ mit pseudo-engelsgleichen Hintergrundgesängen seiner weiblichen Todesengel.

elena-kovylina-2008-220p-jstManson zog in der Hoffnung auf einen Plattenvertrag mit seiner Familie nach L.A., wo sich Folgenschweres ereignete als der Drummer und Sänger der damals schon legendären „Beach Boys“, der 1983 verstorbene, depressive Dennis Wilson, zwei Anhalterinnen der Manson-Family in sein Haus am Sunset Boulevard mitgenommen hatte. Als Wilson eines Tages vom Einkaufen nach Hause kam, war plötzlich Charles Manson mit der ganzen „Family“ bei ihm eingezogen. Manson und Wilson sollen sich gut über Musik unterhalten haben und spielten gemeinsam Gitarre, begannen sogar zusammen Songs zu schreiben. Wilsons Brüder, Brian und Carl, produzierten davon ein Demo-Band und machten Manson mit dem Produzenten Terry Melcher bekannt. Eben jenem vormaligen Mieter des späteren Schlachthauses am Cielo Drive 10 050. Melcher jedoch soll die Musik von Manson verspottet haben. Eine seiner Kompositionen, „Cease to Exist“, schaffte es 1969 dennoch auf die B-Seite einer Beach-Boys-Single. Das Lied, für 100.000 Dollar abgekauft, wurde zum Zorn Mansons stark verändert und erschien unter dem Titel „Never Learn Not to Love“.

Okkultismus und vermeintliche Avantgarde waren eine unselige Gemeinschaft geworden und Manson und seine Hippie-Rock-Band „The Family“ zogen sich auf die Spahn Movie Ranch zurück, die etwas abseits im Norden von Los Angeles gelegen war. Er verkündete seinen JüngerInnen christusgleich von seiner Vision eines schwarzen Aufstandes gegen die Weißen. Auf Grund ihrer Rasse seien sie jedoch nicht fähig, sich selbst zu organisieren und würden ihn daher zu ihrem neuen Führer wählen und zum Herrscher über die Welt machen. Unter dem Death Valley (Tal des Todes), rund 400 km von der Spahn-Ranch entfernt, sei „The Hole“, eine Höhle als Eingang zum Paradies, in der man sich vor den zukünftigen Unruhen verstecken könnte und später würden alle vom neuen „Menschensohn“ (Man Son) und den Beatles – den vier Engeln – in die Seligkeit geführt. Schlüsselwort für diese Phantasterei war „Helter Skelter“, seine Hommage an einen Song vom „Weißen Album“, „dessen Text er völlig ungebrochen als persönliche Botschaft der Beatles interpretierte, als Bestätigung seiner apokalyptischen Vision“.4

Aber Helter Skelter ließ auf sich warten. Manson verkündete nun, dass man den Negern zeigen müsse, wie man das macht. Am 8.8.1969 brachen dann Patricia Krenwinkel, Tex Watson, Susan Atkins und Linda Kasabian auf zum Cielo Drive. Die bizarr-tödliche Melange aus Wahn und Wirklichkeit kurz vor Woodstock (14.-17.8.1969) wurde zu einer Realität analog zu der Szenerie, die der Dramatiker Heiner Müller (mit Bezug auf seine eigene Biografie und Andy Warhols Kunstpraxis) am Ende seiner „Hamletmaschine“ mit Hinweis auf die „scaring phonecalls“ von Susan Atkins beschrieben hatte: „Es lebe der Hass, die Verachtung, der Aufstand, der Tod. Wenn sie mit Fleischmessern durch eure Schlafzimmer geht, werdet ihr die Wahrheit wissen“.5 Wie bei einem Hitler, analysierte der einstige Manson-Ankläger Vincent Bugliosi, sei hier der verhinderte Künstler-Ehrgeiz in Vernichtungswut umgeschlagen6 als Manson seinen ‚Judgement day‘ plante und ausführte: „All You Need Is Love“ und „Revolution“ der Beatles waren ins Gegenteil verquert und in eine grausame „Magical Mystery Tour“ (im Dezember 1967 erschienen) umgeschlagen. Mit dem Titel „Piggies“ vom „White Album“ waren von George Harrison die feisten Bürger gemeint, die in ihren „gestärkten weißen Hemden“ mit ihren „Piggie-Weibchen“ zum Dinner gehen und mit „Gabel und Messer ihren Speck verzehren“. Im fröhlichen Original-Song heißt es: „In ihrem Leben fehlt etwas//was sie brauchen ist eine Tracht Prügel“. Und DEATH TO PIGS und PIGS stand an den blutigen Tatorten. Und eine Gabel steckte im rundlichen Leib des Opfers Leno LaBianca.

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Charles Manson, der sich selbst als verborgenen „fünften Beatle“ sah, hielt sich jetzt auch für den „fünften Engel“ bezogen auf das 9. Kapitel der biblischen Offenbarung des Johannes, jener Apokalypse, die das Neue Testament mit einer Vision des Grauens beschließt und die Wiederkehr des eingeborenen Menschensohnes, Jesus Christus, beschwören sollte: „Und der fünfte Engel…tat den Brunnen des Abgrundes auf,…und es ward verfinstert die Sonne… und es ward ihnen gesagt, dass sie nicht sollten Schaden tun dem Gras auf Erden…, sondern allein den Menschen, die nicht haben das Siegel Gottes an ihren Stirnen…“7 Nach Mansons Meinung waren die vier Engel die Beatles, die Führer, Sprachrohre und Propheten. Und für Susan Atkins, die die ausgeführten Morde als „schön“ empfunden haben soll8, wie für die beiden anderen Jüngerinnen, bedeutete das schützende Kreuz das „Siegel Gottes“, das sie sich noch im Gefängnis mit heißen Nadeln in die Stirn ritzten – Tattoos als bekennende Insignien der Leidenschaft.

Die gefährdete Phantasie zwischen „Surrealismus und Terror“9, mit der der selbsternannte, neue Menschensohn Man Son, seine „Family“ beeindruckte, war Wirklichkeit geworden. Da war sogar die „bottomless pit“, der „Brunnen des Abgrunds“ in der kalifornischen Wüste des Death Valley Realität. Und der Name der Band(e) schien dem harmoniesüchtigen Zeitgeist harmlos eingeschrieben, wie die Namen so vieler anderer Bands: Sly and the Family Stone, Frank Zappa and The Mothers of Invention. Mansons Weltgerichts-Phantasie war dem Zeitgeist der Rock- und Pop-Bewegungen auf den Leib geschneidert und wie viele parallele Irrläufer der Zeit in den Bannkreis von Satanismus und schwarzer Magie geraten. Aus einem berechtigten Aufruhr gegen die kapitalistische Oberschicht und ihren ökonomischen Interessen geschuldeten, eigenen Exzessen in Vietnam und gleichzeitigen rassistischen „Riots“ (Unruhen) in „Gods Own Country“ war ein Alptraum erwachsen – ein Aufbruch in Dimensionen der anderen Art.

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Hintergründe, Hipsters und Halluzinogene

Es ist kein Zufall, dass die afro-amerikanische Band „The Versatiles“, die für den ‚California Soul` stand, ihren Durchbruch im Bereich der Pop-, Soul- und Rock-Musik erst mit dem Song „Up, Up and Away“ feierte und in diesem Moment „The Fifth Dimension“ hieß. Weltberühmt wurde sie 1969 durch ihre erfolgreiche Medley-Adaption aus dem bis heute populären Musical „Hair“: „Aquarius & Let the Sunshine in“. Der vermeintliche „Summer of Love“ war durch pop- und rockmusikalische, poetische und politische Werke und Akte längst in die Realität kapitalistisch günstiger Verkaufszahlen transformiert worden. Das der „fünften Dimension“ zugehörige Album der gleichnamigen, erfolgreichen Gruppe hatte bezeichnenderweise den Titel: „The Age of Aquarius“ – das Zeitalter des Wassermanns. Dieser Titel ging, dem Zeitgeist geschuldet, schwanger mit der Hoffnung auf eine völlig neue gesellschaftliche Praxis, die in den bis dahin konservativen Kategorienbildungen in Alltag, Politik, Kunst und Musik und ihren strengen Abgrenzungen, keine Möglichkeit auf Gegenwart und Zukunft mehr sah. Den revoltierenden Gedanken aus dem Geist der deutschen Romantik verpflichtet bis hin zur Verehrung Hermann Hesses – und hier besonders dem Protagonisten Harry Haller in seinem „Steppenwolf“ (die nach diesem Roman gleichnamig benannte Band „Steppenwolf“ um den ursprünglich deutschstämmigen John Kay, spielte harten Rhythm & Blues mit rockigen Einflüssen: „Born to be Wild“!) – hatte eine Generation die Vision, Klassenschranken nieder zu reißen und scheinbar antagonistische Elemente miteinander zu verknüpfen: Esoterik mit Politik, „Sit In“ mit „Action“, elektrisch verzerrte Instrumente (zumeist Gitarre und Bass) mit poetischen, romantischen und realistischen Weltbeschreibungen (die Poeten der Beat-Generation in den USA, in Deutschland die Apologeten der so genannten 68er), innere Emigration (Natur, Liebe, Weltabgewandheit, Gurus) und Heldentum der Revolte auf der vermeintlich proletarischen Straße der universellen Revolte (The Rolling Stones und ihr legendärer Hit „Street Fighting Man“).

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Diese Kombination aus Religion, Poesie, Esoterik, politischer Praxis (auch aus dem Geist der Gegner Bakunin und Marx/Engels), Rausch und Ekstase für die nicht nur alltägliche, sondern auch zukünftig erwünschte Lebenspraxis, wurde prägend für diese Zeit. Nach der Auffassung damaliger Esoteriker, Okkultisten und anglo-indischen Theosophen (heute: New Age-Anhängern) stand damit die zweite Hälfte des so grausamen 20. Jahrhunderts im „Wassermann-Zeitalter“. Das Symbol sowohl des gleichnamigen Tierkreiszeichens als auch des Sternbildes ist die doppelte Wellenlinie. Sie sollte nach zeitgenössischer Auslegung Schwingungen und Elektrizität (ähnlich dem Zeichen für Wechselspannung) zeigen. Gemäß dieser Auffassung trat vor ca. 2150 Jahren der Frühlingspunkt in das Sternbild der Fische. Für die Hippiekosmologie war Jesus von Nazareth, der Verkünder einer neuen Zeit, in der die Liebe als menschliches, mikrokosmisches Abbild der Sonne die Herrschaft über die Menschen gewinnt: „Love, Peace and Happiness“ in Ansehung eines neuen Zeitalters aus Geschlechter- und Klassen-Harmonie, aus vermeintlich körperkultureller Nacktheit und revolutionärem Kampfgeist. Timothy Learys Buch und Theorie einer „Politics of Extasy“, unter Einfluß psychedelischer, bewusstseinserweiternder Drogen wie LSD und Psylocibin, Marihuana und Haschisch geschrieben, sowie Theorien über das neu zu bestimmende Verhältnis von Sexualität und Gesellschaft im politischen Kampf speisten diese heterogenen Vorstellungswelten. In der äußerst anregenden und erhellenden Einführung von Christoph Grunenberg im Katalog „Summer of Love – Psychedelische Kunst der 60er Jahre“ beschreibt der Autor diesen Sachverhalt im Kapitel „Politik der Ekstase: Kunst für Geist und Körper – Von ‚psychodelisch‘ zu ‚psychedelisch’“ wie folgt: „Timothy Leary, oberster Guru des LSD-Kults und laut Präsident Nixon ‚der gefährlichste Mann in Amerika‘ (…) erklärte sich bescheiden zum ‚Sprachrohr‘ und fragte: ‚Sind wir über Messiasse und Märtyrer nicht hinaus?‘, während er gleichzeitig am New Yorker Village Theater als ‚Reinkarnation Christi‘ angekündigt wurde. Veranstaltungen der von Leary gegründeten League of Spiritual Discovery (L.S.D.) kombinierten religiöse Zeremonien mit psychedelischen Lightshows und offenbarten den stark spirituellen Aspekt in Learys Lehre, die eine Art Ersatzreligion für eine säkularisierte, materialistische Gesellschaft bot. Für Leary waren ’spiritual discovery‘ und politische Opposition eng miteinander verknüpft. Gleichzeitig lehnte er die Politik als irrelevant ab und vertrat die Auffassung, eine radikale Veränderung des ‚Systems‘ sei nur durch fundamentale Bewusstseinsveränderung möglich. (…) Trotz seiner messianischen Auftritte repräsentierte Leary die ‚kultivierte‘ Seite der psychedelischen Bewegung (…).“10

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Aber auch innerhalb der Bewegung existierten folgenreiche Antagonismen. Der anarchische Hedonismus, u. a. eines Ken Kesey und seinen Merry Pranksters, wollte durch spielerische Experimente mit Drogen bis zum Wahnsinn und ostentativer Extrovertiertheit provozieren und durch Tabubrüche gezielt Empörung hervorrufen. Mit einem kaum voraus zu ahnendem Paukenschlag sollte das mythisch verbrämte und bis heute legendärste Festival aller Zeiten in Woodstock zur Ein- und Ausgangstür für die folgenden Szenarien werden. Tosende Wellen, die Europa erreichten, die politisch-philosophische Debatten erhitzten, ideologisch besetzten, und die westdeutsche Atmosphäre befeuerten. Die Schwingungen der elektrifizierten Bewegung, „Vibrations“, wurden mehr als das Kürzel des legendären Beach Boys Hits „Good Vibrations“. Es war der westdeutsche Literaturkritiker und Autor Helmut Salzinger, der in seinem bis heute gültigem Standard-Essay aus dem Jahre 1972, „Rock Power oder Wie musikalisch ist die Revolution“, die Musik-, Design-, Kunst-Welt und ihre nur dialektisch zu fassenden Verkaufsstrategien und Wirksamkeiten von Rock-Musik als einen die Gesellschaft verändernden Prozess analysierte. Er brachte ihre bis in die Gegenwart gültige Doppelbödigkeit durch einen ironisch-verzweifelten Blick zur Sprache: „Woodstock Nation bedeutet Verweigerung, bedeutet Abkehr, bedeutet Subversion. Woodstock Nation bedeutet den Bruch mit der bestehenden Gesellschaft, mit ihren Gesetzen, Traditionen, Werten und Normen.“11 Plakate und Buchtitel (wie im Falle von u. a. Rolf-Ulrich Kaiser) trugen im Jahr 1969 Titel wie „Underground? Pop? Nein! Gegenkultur!“

Irrsinn, Ideologie und Ikonographie

Neben der Ästhetik von Platten-Covern, Plakaten und Kunstwerken spricht die Ästhetik der Selbstdarstellungen und Inszenierungen der Musiker und Künstler Bände – auch für die weiteren Entwicklungen der Rock- und Pop-Musik: von John Lennon und Jim Morrison (Sänger von The Doors, Song-Titel u.a. „Break on through (to the other Side)“, „The End“) bis zu Charles Manson erscheint ein Bildtypus, der an alter, christlich-humanistischer Malerei seit der Dürer-Zeit orientiert ist und Christus als einen Weltschmerz und Weltwissen tragenden Mann zeigt, der seine Jünger und weiblichen Engel um sich geschart hat. Die männlichen Hauptdarsteller erscheinen dabei als christusgleiche Erlöser und markieren symbolisch einen Aspekt, der sich auch in den schwarz-magischen und bewusst provozierenden Songs und Texten bis in die Gegenwart fortgesetzt hat. Sie sind zu bewusst Tabubrechenden Schockmomenten geworden, die sich als Gegenkultur gewinnbringend vermarkten lassen. Die Trivialisierung der Rock-Mythen und Pop Art-ikonischen Grundmuster hatten sich in Parallel-Erscheinungen zwischen Mansons „Family“ und anderen Cliquen, Bands und Banden in der Musikbranche als werbeträchtig herauskristallisiert: „Manson mochte keinen Plattenvertrag bekommen haben, er hatte trotzdem das Zeug zum Rockstar – das wallende Haar und der Jesusbart, eine Kiste voll Songs, die schönen und unterwürfigen jungen Mädels, die ihm zuliefen und die man andernorts, etwa in Zappas Szene oder Vito Paulekas‘ Studio, als Groupie bezeichnet hatte.“12

Das Phänomen des Rockstars, in Anlehnung an die biblische Heilslehre mit dem für die Menschheit geopferten Menschensohn, wurde gesellschaftlich approbiert und reif für ein Musical: „Jesus Christ Superstar“. Als Folge von „Hair“ wurde der Mythos auf universelle Erlösung im Zeichen und Zeitalter des Wassermanns bis heute auch medien- und marktwirksam beschworen. Charles Manson erschien als Hippie-Christus am Kreuz auf Druckgraphiken und als Titelheld auf populären Magazinen vom „Tuesday’s Child“ bis zum „Rolling Stone“. Einen Kult- und Ikonenartigen Status erreichte das Cover des „Life“-Magazins vom 19. Dezember 1969 und wurde zu einer Art Markenzeichen für spätere Manson-Devotionalien.

Auch der selbst malende Rock-Performer und bekennende „Anti-Christ“ Marilyn Manson trägt bewusst seinen Namen: Nicht um seine Bewunderung für Charles Manson auszudrücken, sondern um die Extreme der US-amerikanischen ökonomischen und kriegstreibenden Realität kritisch als provokantes Statement zwischen Marilyn Monroe als Pop-Ikone und Charles Manson als Anti-Pop-Ikone zusammenzufassen. Tragik und Irrsinn des Systems werbeträchtig vermarktbarer Starkulte zwischen Pop Art und Rock Musik sollen verdeutlicht werden. Auf seiner CD „Portrait of an American Family“ (1994) veröffentlichte er ein Lied von Charles Manson: „My Monkey“.

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Die Geschichte der nachäffenden Affen im Kontext einer ernst gemeinten und berechtigten Revolte gegen den Vietnam-Krieg, rassistische Ideologien und Unruhen gegen eine ökonomisch herrschende Klasse bis hin zur ikonisch-werbeträchtigen Ausbeutung von Corporate Identities, Namen und Logos lassen sich bis in die Jetzt-Zeit fortschreiben. So, wie der Name „Charles Manson and The Family“ ins kollektive Gedächtnis eingebrannt und vermarktbar ist, kann und muss nun nach den realen Folgen der RAF und ihren buchstäblichen Transformationen in den Bereich trivialisierender Mythen und verkaufsträchtiger Ikonographisierungen gefragt werden. Deutsche Rock-Bands mit prägenden Namens-Kürzeln wie BAP und DAF hätte es ohne sie kaum gegeben. Pop-Kultur und Film-Industrie sind auch so noch immer Bestandteil einer Kulturindustrie, die „Aufklärung als Massenbetrug“ (Horkheimer/Adorno) meistbietend an Spezialisten der Genres verkauft und von ihnen lebt. Der „neue Mensch“ im Sinne eines Joseph Beuys, sollte ja nicht nur ein Rocker sein, der seinen Willen bestätigt, auch nicht nur Hippie, der sein Gefühl gutheißt, und auch kein bloßer Theoretiker, der nur Reflexion will. Er möge alle diese Kräfte in sich vereinigen. „It’s a long way to the top, if you wanna Rock’n Roll“ (AC/DC)…

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(1) Zit. nach Der Spiegel, Nr 49, 28. Jg., 2. Dezember 1974, S. 122 (ohne Angabe des Autors).

Mit dieser Ausgabe begann die vierteilige Spiegel-Serie „US-Staatsanwalt Bugliosi über den Mordfall Sharon Tate“. In Heft 49 finden sich unter der Rubrik „Deutschland“ bezeichnenderweise auch zwei Artikel über „Baader-Meinhof“: „Verwirrspiel um Terroristen“ und „Interview mit Jean-Paul Sartre über seinen Besuch bei Andreas Baader“.

(2) Michael Walker: Laurel Canyon – Im legendären Tal des Rock’n‘ Roll, Berlin 2007, S. 174.

(3) Charles Manson: „The Family Jams“, „A Gambling Man Come From Natchez“, 1970/1997.

(4) Walker 2007, S. 174.

(5) Heiner Müller, „Die Hamletmaschine“, zit. nach: Revolutionsstücke, Hrsg. v. Uwe Wittstock, Stuttgart, 1995, S. 46. Zu Müllers Erwähnung von Susan Atkins, einer der Täterinnen am Cielo Drive, vgl. Heiner Müller, „Krieg ohne Schlacht“, Köln, 1994, S. 294.

(6) Zit. nach: Der Spiegel, Nr 49, 28. Jg., 2. Dezember 1974, S. 124 (ohne Angabe des Autors).

(7) Die Bibel, Neues Testament, Die Offenbarung des Johannes.

[8] Vgl. : Spiegel, Nr. 50, 28. Jg., 9. Dezember 1974, S.110.

(9) Vgl. Karl Heinz Bohrer: Die gefährdete Phantasie, oder Surrealismus und Terror, München 1970.

(10) Christoph Grunenberg: „Politik der Ekstase: Kunst für Geist und Körper – Von ‚psychodelisch‘ zu ‚psychedelisch’“, in: Ausst.-Kat. Summer of Love – Psychedelische Kunst der 60er Jahre, hrsg. v. Christoph Grunenberg, Tate Liverpool, London; Schirn Kunsthalle, Frankfurt; Kunsthalle, Wien, 2005-2006, S. 14-15.

(11) Helmut Salzinger, Rock Power oder Wie musikalisch ist die Revolution?, Reinbek bei Hamburg 1972/1982, S. 195.

(12) Walker 2007, S. 182.

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(°)

Zum Kurzfilm G(ebt) 8(cht) zum Segeln und Kegeln = Auf dem Grabstein von Ulrike Meinhof steht/stand (Siehe Installation in der Hamburger Kunsthalle) mit Kreide geschrieben: „Freiheit ist nur im Kampf um Befreiung möglich“. Dieser Text, ein Lenin-Zitat, wurde 2007 in dem Mattejat-Film, mit Gesang in der adäquaten Film-Sequenz unterlegt, -während die „fliegende Kamera“ Richtung Zaun Heilgendamm (Heimkind) unterwegs ist: Aber hören sie, hört selbst. Gradzeichen klicken zwischen der Klammer (oben). Oder in weniger guter Auflösung -daher geringere Datenmenge zur Übertragung hier => [::]


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https://medienwatch.wordpress.com/2009/01/14/man-son-1969-vom-schrecken-der-situation/

https://medienwatch.wordpress.com/322/

https://medienwatch.wordpress.com/man-son1969-pressetermin-bildmaterial/

http://www.hamburger-kunsthalle.de/manson/catalog/gerlach.htm

http://www.hamburger-kunsthalle.de/manson/catalog/haenlein.htm

man-son-wenn-asthetik-auf-politik-trifft-medienbeitrage-zur-ausstellung

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Am 10. Dezember starb Henning Christiansen

Wir sind tief traurig (gfok)

https://medienwatch.wordpress.com/henning-christiansen-ist-gestorben/

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Foto I: Joseph Beuys

„I like Amerika – America likes me“ 1974

`69, 2009 Stefan Hunstein*

Rudolf Herz 1995 | 2009 Zugzwang (H D)

Teresa Margolles, Caida Libres* / Freier Fall

Stephan Huber: =>[::]<=Parallele Intervention im Bonner Kunstmuseum

(Marionetten + Film in d. Ausstellung)

Josephine Meckseper – RAF + Jean Baudrillard (Bücher), Installation Schaufenster. Foto: jst/gfok

Till Gerhard, Foto: Kunsthalle

Stefan Micheel, Installation

Pressetermin:

Galerie der Gegenwart, Kunsthalle Hamburg 2009

Bildmaterial: Jörg Stange, gfok

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*Triptychon Manson Hells Angel, Mondfahne
* Menschenfett aus einer Leichenhalle in Mexico

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Petition: Indianischer Friedensaktivist Leonard Peltier seit dreissig Jahren in einem US-Gefängnis

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Zum Hintergrund von Leonard Peltier (* 12. September 1944 in Grand Fork, North Dakota) ist ein indianischer Aktivist des American Indian Movement in den USA. Er war Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre an einflussreicher Stelle bei verschiedenen Widerstandsaktionen gegen die US-amerikanische Indianerpolitik beteiligt. 1977 wurde er in einem umstrittenen Gerichtsverfahren trotz fragwürdiger Beweislage des Mordes an zwei Polizisten angeklagt und verurteilt. Seither ist er inhaftiert. In den Augen verschiedener Menschenrechtsorganisationen gilt er als politischer Gefangener der USA.

http://de.wikipedia.org/wiki/Leonard_Peltier

Leonard Peltier Petition

Let President Barack Obama, Attorney General Eric Holder, the Federal Prison system, Congress and the media know you
HOLD THEM ACCOUNTABLE FOR THE SAFETY AND WELLBEING OF LEONARD PELTIER, and you WANT HIM RELEASED!


Internationally known Native American political prisoner Leonard Peltier has been victimized and brutalized since being transferred to U.S. Penitentiary Canaan in Pennsylvania on January 14. Shortly after arrival he was jumped and brutally beaten by gang members, none of whom he knew. He was subsequently put in solitary confinement in the hole and on restricted meals, endangering his diabetic condition, and is being allowed only one telephone call per month. He is being prevented from meeting face-to-face with his lawyers.Please submit the Hands Off Leonard Peltier – Release Him Now! ONLINE PETITION at http://www.iacenter.org/native/leonardpeltierpetition to let President Obama, Attorney General Holden, the Federal Prison System, the warden at Canaan penitentiary, congressional leaders and the media know YOU WILL HOLD THEM ACCOUNTABLE FOR LEONARD’S SAFETY AND WELL-BEING and you demand his release.

The text of the online petition is as follows:

To: President Barack Obama, Attorney General Eric Holder, U.S. Penitentiary-Canaan Warden Ronnie R. Holt, Federal Bureau of Prisons Northeast Regional Director D. Scott Dodrill, U.S. Prisons Director Harley G. Lappin cc: The Congressional Black Caucus, Congressional Leaders, U.N. Secretary-General Ban Ki-moon, the American Civil Liberties Union and members of the national media

SAFETY, HUMANE TREATMENT AND RELEASE FOR LEONARD PELTIER NOW!

It has come to my attention that internationally known Native American political prisoner Leonard Peltier, prisoner #89637-132, has been victimized and brutalized since being transferred to U.S. Penitentiary Canaan in Pennsylvania on January 14.

Shortly after arrival he was jumped and brutally beaten by gang members, none of whom he knew. He was subsequently put in solitary confinement in the hole and on restricted meals, endangering his diabetic condition, and is being allowed only one telephone call per month. He is being prevented from meeting face-to-face with his lawyers.I hold the warden and the prison system responsible for Leonard Peltier’s safety, wellbeing and humane treatment. Leonard Peltier is an internationally known Indigenous activist and has become a global symbol of US injustice and prison abuse. Imprisoned in the late 1970s for allegedly murdering two FBI agents, Peltier has never been given a fair trial. Federal authorities have quashed or destroyed thousands of pages of evidence that might have freed Peltier decades ago.

The Leonard Peltier Defense Offense Committee points out that „Amnesty International considers Leonard Peltier to be a political prisoner whose avenues of redress have long been exhausted….Amnesty International recognizes that a retrial is no longer a feasible option and believes that Leonard Peltier should be immediately and unconditionally released.“

The LPDOC adds that „Documents show that although the prosecution and government pointed the finger at Peltier for shooting FBI agents at close range during the trial in 1976, for three years the prosecution withheld critical ballistic test results proving that the fatal bullets could not have come from the gun tied to Leonard Peltier. This trial also denied evidence of self defense.“

The LPDOC further notes that „The U.S. Prosecutor, during subsequent oral arguments, stated: ‚We can’t prove who shot those agents‘ and the Eighth Circuit found that „There is a possibility that the jury would have acquitted Leonard Peltier had the records and data improperly withheld from the defense been available to him in order to better exploit and reinforce the inconsistencies casting strong doubts upon the government’s case.“

Judge Heaney who authored the denial, now supports Mr. Peltier’s release, stating that the FBI used improper tactics to gain Mr. Peltier’s conviction.

Now 64 years old, Peltier is suffering from diabetes and a series of other serious ailments brought on by his decades in prison. He has great- grandchildren he has never seen.

The gross miscarriage of justice in the case of Leonard Peltier has gone on long enough. He should be released immediately. Since he is a member of a sovereign Native nation, I ask that President Obama work „nation to nation“ with the Turtle Mountain Chippewa to bring Peltier home to North Dakota.

Furthermore, Peltier has been a model prisoner for decades. He is long overdue for parole, but the FBI is improperly intervening to prevent his release.

At a time when the government is seeking to restore its international reputation by moving to close down the prison at Guantanamo, Leonard Peltier has been languishing unjustly in the U.S. prison system for decades longer than the Guantanamo prison has existed.

Release Leonard Peltier now!

Sincerely,
(Your signature will be appended here based on the contact information you enter online. You will also have the opportunity to edit or personalize the text)

Please Let President Barack Obama, Attorney General Eric Holder, U.S. Penitentiary-Canaan Warden Ronnie R. Holt, Federal Bureau of Prisons Northeast Regional Director D. Scott Dodrill, U.S. Prisons Director Harley G. Lappin, the Congressional Black Caucus, Congressional Leaders, U.N. Secretary-General Ban Ki-moon, the American Civil Liberties Union and members of the national media know you HOLD THEM ACCOUNTABLE FOR THE SAFETY AND WELLBEING OF LEONARD PELTIER!

YOUR EMERGENCY ACTION IS NEEDED NOW!

Please submit the Hands Off Leonard Peltier – Release Him Now! ONLINE PETITION at http://www.iacenter.org/native/leonardpeltierpetition NOW!

For more information on Leonard Peltier, go to
http://www.whoisleonardpeltier.info

International Action Center
c/o Solidarity Center
55 W 17th St #5C
New York, NY 10011
www.iacenter.org
actioncenter@action-mail.org

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Januar 30, 2009 at 14:39

Kunsthalle Hamburg: Musik in der Hackert-Ausstellung: Schubert, Schönberg u.a.

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Musik in der Hackert-Ausstellung

„SCHUBERTIADE MODERN“

am Sonntag, den 1. Februar 2009, um 14 Uhr

Lieder des Goethe-Zeitgenossen Franz Schubert im musikalischen Kontext des 20. und 21. Jahrhunderts: Studierende der Liedklasse von Prof. Burkhard Kehring an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg nähern sich den Liedkompositionen Schuberts aus dem Blickwinkel der so genannten „modernen“ Musik. Den Lyrik-Vertonungen Schuberts werden Werke von Rihm, Scelsi, Henze, Saariaho und anderen Komponisten unserer Zeit gegenübergestellt.

Einführung: Prof. Dr. Hubertus Gaßner

Moderation: Prof. Burkhard Kehring

Ein musikalischer Rundgang durch die Hackert-Ausstellung

am Samstag, den 14. Februar 2009, um 14 Uhr

mit Corinna Meyer-Esche (Mezzosopran)

Katharina Hempel und Klaus Hempel (Gitarren) und Thomas Sello

Mit Werken von Schubert, Paganini, Rossini u. a.

Veranstaltungsort: Hackert-Ausstellung, Galerie der Gegenwart

Eintritt 6 € zzgl. Museumseintritt

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Sonntag, den 1. Februar 2009, 14 Uhr

in der Hamburger Kunsthalle

“Franz Schubert und die Moderne“

Konzert der Liedklasse Prof. Burkhard Kehring (HfMT Hamburg)

Einführung zu Philipp Hackert:

Prof. Dr. Hubertus Gaßner

Moderation: Prof. Burkhard Kehring

Franz Schubert Der Fischer (Goethe)

1797-1828

Arnold Schönberg Erwartung (Dehmel) op. 2,1

(1874-1951) Erhebung (Dehmel) op. 2, 3

Larissa Neudert, Sopran

Mariana Popova, Klavier

Franz Schubert Iphigenia (Mayrhofer)

Hanns Eisler Andenken (Hölderlin) (1943)

(1898-1962)

Franz Schubert An die untergehende Sonne (Kosegarten)

Steinunn Skjenstad, Sopran

Eva Barta, Klavier

Anton Webern Die geheimnisvolle Flöte (Li Tai Po/Bethge) op.12, 2 (1916)

(1883-1945) Schien mir’s als ich sah die Sonne (Strindberg) op.12, 3

Ernst Krenek Aus O Lacrimosa (Rilke) op. 48: Aber die Winter! (1926)

(1900-1991)

Franz Schubert Bei Dir allein! (Seidl)

Larissa Neudert, Sopran

Mariana Popova, Klavier

Franz Schubert An Mignon (Goethe)

Mignon: Heiss mich nicht reden (Goethe)

Mignon: So lasst mich scheinen (Goethe)

Steinunn Skjenstad, Sopran

Eva Barta, Klavier

Wolfgang Rihm Aus Das Rot (Günderode) (1990):

(*1952) Hochrot

Liebst du das Dunkel

Franz Schubert Liane (Mayrhofer) D 298

Otfried Büsing Mozart an’s Bäsle (Mozart) 1998

(*1955)

Franz Schubert Lied der Delphine (Schütz)

Larissa Neudert, Sopran

Mariana Popova, Klavier

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Julian Yu Vier Haikus op. 27 (Basho) (1987)

(*1957) Steinunn Skjenstad, Sopran

Eva Barta, Klavier

Francis Poulenc Aus Fiancailles pour rire (Vilmorin) (1939):

1. La dame d’Andrè

3. Il vole

5. Violon

Larissa Neudert, Sopran

Mariana Popova, Klavier

Giacinto Scelsi Perdus (Wahl) (1937)

1905-1988

Olivier Messiaen Aus Chants de Terre et de Ciel (Messiaen) (1937):

(1908-1992) Danse du bébé-Pilule

Steinunn Skjenstad, Sopran

Eva Barta, Klavier

Isabel Mundry Anagram (Mundry) (2000)

(*1963) Larissa Neudert, Sopran

Mariana Popova, Klavier

Leonard Bernstein I hate Music! (Bernstein) (1943)

(1918-1990) Steinunn Skjenstad, Sopran

Eva Barta, Klavier

George Crumb Aus Apparition (Whitman) (1978):

(*1929) Approach Strong Deliveress!

Larissa Neudert, Sopran

Mariana Popova, Klavier

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http://www.meta-info.de/index.php?newsfull=1&lid=32863&rubrik=politik

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http://www.hamburger-kunsthalle.de/archiv/seiten/hackert.html

Wir danken Klavier Knauer für die Bereitstellung des Flügels Knauer & Sons

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Januar 30, 2009 at 13:28

Man Son: Zwischen Utopie und Gewalt

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Ausstellung „MAN SON 1969“ in der Hamburger Kunsthalle

Von Anette Schneider

Die Ausstellung „MAN SON 1969. Vom Schrecken der Situation“ blickt auf die 60er-Jahre zurück, auf die Utopien von damals und auf das, was aus ihnen geworden ist. Als Ausgangspunkt für die Betrachtungen dient der Kriminelle und Sektenführer Charles Manson.

1969 – das waren Vietnamkrieg und Woodstock. Die Mondlandung und Morde, die der größenwahnsinnige Charles Manson Mitglieder seiner Manson-Family ausführen ließ. – 1968 ist abgefeiert, und so suchten die Kuratoren Frank Barth und Dirck Möllmann offenbar nach Eckdaten des Jahres 69, an denen sich bestimmte gesellschaftliche Widersprüche und Entwicklungen des Jahrzehnts verdichten, und zu einer Ausstellung machen ließen. Dirck Möllmann:

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/fazit/911922/

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„Helter Skelter“ | „Anklage gegen Bush“ | „Manson im Live Magazin“ | Vitrinen-Einlage in  der Ausstellung „Man Son: Im Schrecken der Situation“

Foto: jst | 2009

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Januar 29, 2009 at 23:18

Terrorcamp-Gesetz: Per Mausklick zum Terrorist

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[sueddeutsche] Ein Kommentar von Heribert Prantl

Das sogenannte Terrorcamp-Gesetz verfolgt angebliche Täter, ohne dass es eine Straftat gibt. Gäbe es den Straftatbestand der Missachtung der Gerichte, dann wäre er mit diesem Gesetz verwirklicht.

Bisher war Sinn und Zweck des Strafrechts die Bestrafung des Straftäters. Was sonst. Aber das so Selbstverständliche gilt nicht mehr, wenn es um Terrorbekämpfung geht.

Der Bundestag hat in erster Lesung ein Gesetz verhandelt, das nicht mehr zur Bestrafung, sondern nur zur Verfolgung taugt, ja nur diese bezweckt: Der Gesetzgeber weiß, dass es zu einer Bestrafung der angeblich gefährlichen Person nach dem neuen Gesetz nicht kommen wird; aber das ist ihm ziemlich egal.

Die Hauptsache ist, dass der Staat ermitteln, belauschen und Computer durchsuchen darf. Die Straftat wird quasi fingiert, weil man sie braucht, um massiv in die Grundrechte des Beschuldigten eingreifen zu können.

Schon der amtliche Titel des neuen Gesetzes verrät dies. Es lautet: „Gesetz zur Verfolgung der Vorbereitung von schweren staatsgefährdenden Gewalttaten“. Das Gesetz wird landläufig Terrorcamp-Gesetz genannt, weil mit ihm angeblich die Leute gepackt werden sollen, die sich dort ausbilden lassen. Davon findet sich im Gesetzestext kein Wort (…)

http://www.sueddeutsche.de/politik/924/456592/text/

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Foto: jst | Export Import | Badewanne 2008

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Januar 29, 2009 at 20:00

»Reihe:Ordnung sagt – Freiheit«

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»Reihe:Ordnung sagt – Freiheit«
mit Discoteca Flaming Star

Eröffnung: Donnerstag, den 29. Jan. 2009, 19 Uhr
Es spricht: Ulrich Schöttker
Ausstellungsdauer: 30. Jan. bis 20. März 2009
Öffnungszeiten: Mi. bis So., 14 bis 18 Uhr
Kunstverein Harburger Bahnhof, im ehemaligen Wartesaal über Gleis 3
und 4, Fernbahnhof Harburg, Hannoversche Str. 85, 21079 Hamburg

Die 1998 von Cristina Gomez Barrio und Wolfgang Mayer gegründete Gruppe Discoteca Flaming Star ist ein interdisziplinäres Kunst-Performanceprojekt mit wechselnder Besetzung, das seine Auftritte und Ausstellungen als politische und soziale Ereignisse versteht.
Angelehnt an die Idee und Funktionsweise einer Rockband erforschen sie gemeinsam mit befreundeten KünstlerInnen, TänzerInnen und MusikerInnen gesellschaftliche Fragen und Wünsche, deren Umsetzungen und ihre Begrenzungen. Als Discoteca Flaming Star erproben sie Handlungsmodelle, die sich, anstatt berechenbare Stärke zu demonstrieren, glamourös dem Schwachsein, der Zerbrechlichkeit und dem Modus des Zweifelns widmen. Sie sind, in den Worten von Gomez Barrio/Mayer, »unehrerbietige haltlose Fans, die die eigenen Kenntnisse und Unkenntnisse benutzen und das Begehren inszenieren, auf der Bühne zu sein und sich zu zeigen. Sie trinken von Anita Berber, von Warhols Perücke, Geistern, Rita McBride’s Arena, Gregg Bordowitz, Mary Shelley, Karl Valentin & Lisl Karlstadt, der Wiener Gruppe, Alvaro, Joey Arias und Raven O – und nennen das Ergebnis Hardcore-Karaoke. Discoteca Flaming Star bringt Lieder über Liebe, Konsum, Hingabe und Feminismus, Bauchtanz, Schnulzen, großartige schlechte Lieder und Dinge, die zusammen gehen, obwohl sie das nicht sollten«.

Für den Kunstverein Harburger Bahnhof entwickelt die Gruppe eine Installation aus bearbeiteten Teppichen, die sich wie Eisschollen im Raum verteilen. Die ursprüngliche Beschaffenheit der Teppiche, ihre Muster und Farbgebungen, wird dabei zu großen Teilen durch schwarze Acrylfarbe verschleiert. Deutlich sichtbar blitzt sie nur in den durch Schriftzüge gebildeten Negativformen auf, die sich unter anderem dem Thema »Freiheit«, der einladenden Institution und der historischen Funktion des Raumes als Wartesaal widmen. Eine weitere Ebene bildet die Auseinandersetzung mit dem amerikanischen Musiker Morton Feldmann, ein Freund und Zeitgenosse von John Cage, der durch asymmetrische Teppichmuster zu Kompositionen inspiriert wurde, und der Dialog mit dem Teppichsammler Christopher Pan Talon. Letzterer liebt an seiner Sammlung das Aufeinandertreffen von rigide vorgegebenen Mustern und unabhängigen Gestaltungen. Freiheit wird hier produktiv verstanden: Nicht als Gegenbehauptung gegen das, was sie einschränkt, sondern als Freiheit des Denkens, Kombinierens und Handelns innerhalb bestimmter Strukturen. Auf diese Weise entstehen innerhalb des Ausstellungsraumes neue »Räume«, »Denkräume«, die in zwei Performances um die Dimensionen »Handlung« und »Zeit« erweitert werden.

Freiheit ist die sechste Ausstellung im Rahmen der von 2007 bis 2009 im Kunstverein Harburger Bahnhof gesetzten Reihe:Ordnung. In insgesamt sieben Ausstellungen werden – eng orientiert an der Verortung des Kunstvereins in einem Bahnhofsgebäude – bestehende Systeme in ihrem Paradox aus Stillstand und Bewegung, aus Aussagekraft und Durchlässigkeit aufgegriffen. Vorherige Titel der Reihe waren Arbeit, Liebe, Geld, Macht und Sex, das Schlusslicht
bildet Zukunft. Die Ausstellungsreihe fungiert als indirekte Herausforderung von Seiten des Publikums an die teilnehmenden KünstlerInnen: Die titelgebenden Schlagwörter suggerieren eine konkrete Erwartungshaltung, die vor der Betrachtung steht, während die Stärke und die Freiheit der damit konfrontierten künstlerischen Produktion darin besteht, an genau diesem Punkt ansetzen zu können.

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Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung:

Samstag, 31. Jan. 2009, 16 Uhr: Künstlergespräch mit Discoteca Flamingstar. Ab 18 Uhr zeigen wir den Film »El Espíritu de la Colmena«, Victor Erice, 1973. (OV mit engl. Untertiteln). In einem kleinen kastilischen Dorf sieht sich die sechsjährige Ana zusammen mit ihrer Schwester und den Dorfbewohnern einen Horrorfilm an. Von diesem inspiriert, flüchtet sie sich in eine Traumwelt aus Todessehnsucht und Hoffnung.

Freitag, 6. Feb. 2009, 20 Uhr: Discoteca Flaming Star »Anda…El tren blindado…the creature and die liebe (2)«, dia-bass-frankenstein-banner-make-up-gesang-angel-text-stück-performance, 60 min. Realisierung (1) im Sommer 2008 in Zusammenarbeit mit Stefan Pente.

Freitag, den 20. Feb. 2009, 19 Uhr: Führung durch die Ausstellung

Freitag, den 20. Feb. 2009, 20 Uhr: Ursula Panhans-Bühler »Unter der Teppich/und über – einige Blicke auf eine marginalisierte Kunst«. Europäer wendeten Teppiche, sobald sie diese für sich entdeckt hatten, aus der Horizontalen in die Vertikale – mit Bildern versehen.
Was haben Teppiche für eine Beziehung zum Boden, zum Fliegen, zum Verschwimmen von Raum und Zeit? Und: zu Dekor und Ornament? Der Vortrag wird diesen Fragen anhand einiger Teppiche aus Ost und West nachgehen.

Dienstag, den 10. März 2009, 20 Uhr: Helmut Draxler »Gefährliche Substanzen«, Buchvorstellung mit anschließender Diskussion. In seinem 2007 erschienenen Buch formuliert Draxler die »gefährliche« These, dass der substantielle Kunstbegriff keineswegs überholt ist, auch wenn er nicht mehr mit Genie- und Autonomievorstellungen gefüllt werden kann. Die Kunst ist gewissermaßen zu ihrem eigenen Fluchtpunkt geworden. Diskurse, Institutionen und Medien stellen ihre »eigene apparathafte Realität her, anstatt der Wahrheit der Kunst produzieren sie Wahrheitseffekte, statt der Absolutheit des Anspruchs zeigen sie die Relativität von Prozessen, anstelle von Einheit und Überzeitlichkeit sehr spezifische, moderne Formen von vielfach mediatisierten Erfahrungshorizonten.«

Freitag, den 20. März, 20 Uhr: Discoteca Flaming Star »for boris for ingrid«, Performance und Finissage.

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Kunstverein Harburger Bahnhof im Bahnhof Harburg über Gleis 3 und 4 Hannoversche Str. 85, 21079 Hamburg

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Januar 29, 2009 at 12:55

Man Son 1969: Wenn Ästhetik auf Politik trifft | Medienbeiträge zur Ausstellung

with one comment

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Kunst als Schock-Erlebnis

In der Hamburger Kunsthalle thematisiert die Ausstellung „MAN SON 1969. Vom Schrecken der Situation“ Extreme der späten 1960er-Jahre.

Hamburg | Von Wolf Jahn

Eigentlich ist die Erinnerungs-Party längst gelaufen. Das große Memo an das Jahr 1968 fand in 2008 statt. In der Kunsthalle aber beginnt die historische Aufarbeitung. Schuld daran trägt Charles Manson, berüchtigter Anstifter zum Massenmord. Die Manson-Morde ereigneten sich 1969, zeitgleich zur Mondlandung und zum Mord auf dem Altamont-Rockfestival. Alle drei Ereignisse begreift die Ausstellung „MAN SON 1969. Vom Schrecken der Situation“ als ein Zeitphänomen. Und will damit auf die Ambivalenz utopischer Visionen aufmerksam machen, auf das Umkippen friedfertiger Heilsbotschaften in blutrünstige Grausamkeit (…)

http://www.abendblatt.de/daten/2009/01/29/1028266.html

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Als ’68 vorbei war

Eine Hamburger Ausstellung beschäftigt sich damit, wie nach ’68 und dem Sommer der Liebe Charles Manson zum Paten neuer Schrecken wurde. von Radek Krolczyk

Einen guten Einstieg in die Ausstellung »Man Son 1969 – Vom Schrecken der Situation«, die zurzeit in der Hamburger Kunsthalle zu sehen ist, bietet Stephan Hubers Puppenfilmarbeit »Love & Peace«. Dort erlebt man Kasperl, der von der öden heimat­lichen Idylle des Starnberger Sees die Schnau­ze voll hat. Er baut sich eine Zeitmaschine und macht sich, von Sex, Drugs & Rock’n’Roll träumend, auf den Weg in die aufregenden sechziger Jahre.

http://jungle-world.com/artikel/2009/09/32755.html

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68er Ausstellung

Keine leichte Schau

Sie strotzt vor mutigen Thesen, bekennt sich aber letztlich zu keiner davon: Die Ausstellung „Manson 1969“ in der Hamburger Kunsthalle kommt seltsam überfrachtet und unschlüssig daher. VON PETRA SCHELLEN

http://www.taz.de/regional/nord/nord-aktuell/artikel/1/keine-leichte-schau/

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KUNSTHALLE
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»Man Son 1969«

Die Ausstellung zeigt die Extreme der späten 60er

JFK, Vietnam, Mondlandung, Woodstock und die bestialischen Morde, initiiert von Charles Manson: 40 Jahre ist es her, dass die Welt der Blumenkinder im Sommer umkippte und zum Jahr der Extreme wurde. „Man Son 1969 – Vom Schrecken der Situation“ heißt eine neue Schau in der Kunsthalle, die ab morgen versucht, einen Bogen bis heute zu spannen. Dazu haben die Kuratoren Frank Barth und Dirck Möllmann 35 Künstler gebeten, sich mit den Ereignissen von damals zu beschäftigen. Das Ergebnis ist umwerfend. Im wahrsten Wortsinne. Und schockierend (…)

http://www.mopo.de/2009/20090129/hamburg/kultur/man_son_1969.html

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MAN SON 1969 Galerie der Gegenwart, bis 26. April.

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Mörder als Motive – Grausame Kunst in Galerie der Gegenwart

29. Januar 2009, 02:52 Uhr

Eine nackte Frau, die einen Hula-Hoop-Reifen aus Stacheldraht schwingt, ein Kleinkind im roten Shirt mit Hakenkreuz und die RAF-Terroristen Andreas Baader und Gudrun Ensslin lachend in einem Paris-Café: Unter dem Titel „MAN SON 1969. Vom Schrecken der Situation“ zeigt die Kunsthalle ab Freitag bis zum 26. April Arbeiten, die sich mit politischen, kulturellen und sozialen Extremen auseinandersetzen. Dazu wurden 35 internationale Künstler gebeten, sich mit dem Jahr 1969 zu befassen.(…)

http://www.welt.de/welt_Moerder-als-Motive–Galerie-der-Gegenwart

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Ausstellung: Man Son 1969

Der Mann mit den Mädchen

Von Peter Richter

02. Februar 2009 Vierzig Jahre Achtundsechzig wären rum; jetzt kommt: vierzig Jahre Neunundsechzig. Das hat, könnte man so sagen, eine gewisse Folgerichtigkeit. Und 1969 kam ja auch eine Menge zusammen: Woodstock und Altamont zum Beispiel, das wiedertäuferische Schlammbad der sogenannten Blumenkinder und das Festival, bei dem ein Fan der Rolling Stones von einem Ordner der Hells Angels erstochen wurde. Es war das Jahr, in dem der erste Mensch den Mond betrat – und drei Wochen später betraten, ebenfalls wie Wesen von einem anderen Stern, vier Todesengel aus dem Clan des Sektenführers Charles Manson die Villa des Regisseurs Roman Polanski am Cielo Drive in Los Angeles und massakrierten unter anderem dessen Ehefrau, die Schauspielerin Sharon Tate (…)

http://www.faz.net/

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Das Böse in der Welt der Blumenkinder

Von Belinda Grace Gardner 25. Januar 2009, 02:03 Uhr

Woodstock, Mondlandung, die Morde von Charles Manson und seinen Anhängern: An 1969 als Jahr der Extreme erinnert jetzt eine Ausstellung in der Hamburger Galerie der Gegenwart

Ein Hula-Hoop-Reifen kreist um die Hüften einer jungen Frau am Strand. Doch das Spiel ist nicht lustig und unbeschwert, sondern schmerzhaft – denn der Reif ist aus Stacheldraht geformt. Die Szene ist Teil der 2001 geschaffenen Filmarbeit „Barbed Hula“ von Sigalit Landau. Das Werk der israelischen Künstlerin steht am Anfang der Ausstellung „MAN SON 1969“, die jetzt im Sockelgeschoss der Galerie der Gegenwart eröffnet wird – und passt gut zum Untertitel der Schau: „Vom Schrecken der Situation“ (…)

http://www.welt.de/wams_

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„MAN SON 1969“

Jeder Tropfen ein Mord

VON SANDRA DANICKE

fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/1667426_Jeder-Tropfen-ein-Mord

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Ausstellung über Charles Manson

Der letzte Hippie

03.02.2009 | Marilyn Manson, der Halloween-Heilige und ein mörderischer Horror-Chic: Wie wurde aus dem brutalen Mörder Charles Manson eine Kultfigur? Eine Hamburger Schau betreibt Spurensuche jenseits des Pop-Events. Von T. Briegleb

http://www.sueddeutsche.de/kultur/324/456987/text/

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BLUTRÜNSTIGE HIPPIES

[artmagazin] Jesus trifft auf Charles Manson – die Ausstellung „MAN SON 1969. Vom Schrecken der Situation“ in der Hamburger Kunsthalle beschäftigt sich mit der Ambivalenz der Extreme.

// JENNIFER RUMBACH, HAMBURG

Mit geneigtem Kopf und gesenkten Lidern zeigt „Jesus der Schmerzensmann“ seine Wunden, drei Engel halten sein Gewand und das Himmelstuch: Christus steht hier für das Leben und den Tod zugleich. Das Bild von Meister Francke, um 1435 entstanden, ist der älteste Bezugspunkt der Ausstellung „MAN SON 1969 – Vom Schrecken der Situation“.

http://www.art-magazin.de/kunst/14922/man_son_1969_kunsthalle_hamburg

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Die Achse des Bösen

Durchgedrehte Sektenführer, mordende Weltverbesserer und gescheiterte Utopien: Mit der Ausstellung „MAN SON 1969. Vom Schrecken der Situation“ begibt sich die Hamburger Kunsthalle auf verwirrende Spurensuche im Reich des Bösen

http://www.kunstmarkt.com/pagesmag/kunst/_id170351-/ausstellungen_berichtdetail.html?_q=

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KSTA.DE » Kultur

Kölner Stadtanzeiger

Kunsthalle Hamburg

Die dunkle Seite der Hippie-Ära

Von Thorsten Keller, 03.02.09
Wie konnte der verhinderte Rockstar, Guru und Mörder Charles Manson zu einer Ikone werden? Eine Ausstellung in der Hansestadt sucht Antworten – und katapultiert den Besucher in die Zeit von Mondlandung und Woodstock.

http://www.ksta.de/html/artikel/1233586084959.shtml

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Kunsthalle man-son-1969-vom-schrecken-der-situation/

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*Die erneute Erwartung des Menschensohnes/2009/01/26/gunnar-f-gerlach-1969

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„Schattensprecher“

Intervention im Foyer des Bonner Kunstmuseums

Stephan Huber verwickelt Besucher in kontroverse Gespräche“ – Moritat zeigt Film „Love & Peace“ Von Thomas Kliemann

http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=loka&itemid=10003&detailid=559186

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Bild: „Les Nus“ Martin Eder 2008 | In der Ausstellung „MAN SON 1969: Vom Schrecken der Situation“ | Hamburger Kunsthalle


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medienwatch.wordpress.com | medienwatch.de | meta-info.de | Foto (oben): Jörg Stange, 2009

Deutschland: Staat im Würgegriff der Bankrotteure

with one comment

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[meta-info.de] Nachdem die Finanzindustrie längst im eigenen Sumpf der Spekulation, der Spielsucht und des Bankrotts versunken ist, bemüht sie sich nun, den Staat in Mithaftung zu ziehen: offenbar mit Erfolg, während das Publikum wenig begreift und den ungehemmten Zugriff der Bankenlobby auf die Sparstrümpfe des Gemeinwesens widerstandslos geschehen lässt. Nun werden auch finanzielle Mittel, die dringend für öffentliche Aufgaben, für Klimaschutz, Bildung, die Bekämpfung des Hungers usw. gebraucht würden, für die Aufrechterhaltung der globalen Spielhölle der Banken geopfert.

In einem Artikel des „Tagesspiegel“ beschreibt Harald Schumann die laufenden Vorgänge, insbesondere des sogenannten „Bankenrettungspakets“.
Er stellt fest, dass riesige Summen hiermit offenbar nun eingesetzt werden, um die systemischen Probleme, die zur Finanzkrise führten, weiter zu verschärfen, anstatt sie zu lösen.
Anstatt etwa die Größe der Banken auf ein Mass zu reduzieren, bei dem ein Versagen nicht mehr zur Bedrohung des gesamten Systems werden kann, wird mit Mitteln aus dem Bankenrettungspaket ihre Vergößerung gefördert.
Keine einzige der erforderlichen Kontroll- und Regulierungsmassnahmen gegenüber der ungehemmten Spekulation wurde bisher ausgearbeitet und als Gesetzentwurf vorgelegt.Anstatt die Verbrennung öffentlicher Mittel durch Spekulation im globalen Finanzcasino einzudämmen, werden die Voraussetzungen geschaffen, um sie zu intensivieren.
Durch die gesetzlichen Massnahmen wurde inzwischen praktisch jedes Risiko der Finanzindustrie an den Staat , auf Kosten des Steuerbürgers übertragen, während der so gut wie keine Kontrolle über die Verwendung der hunderten von Milliarden erhält, die angeblich zur Stabilisierung des Systems dienen, in Wahrheit jedoch den Weg in den Staatsbankrott ebnen, der in Großbrittannien offenbar unmittelbar bevorsteht.Hoffnungslos ist offensichtlich das Verhalten der deutschen Politik: anstatt den Worten, in denen etwa Merkel und Steinbrück vorgeben, die Probleme der Krise erkannt zu haben, Deregulierung und Gier nun bekämpfen zu wollen, Taten folgen zu lassen, verbergen sie hinter der Fassade ihrer Rhetorik eine fast unbegrenzte Willfährigkeit gegenüber denselben Bankern, die ihre Institute in den Bankrott führten. Wer sich nicht vom Schein der finanzpolitischen PR blenden lässt, erkennt, dass von der Politik keine Rettung zu erwarten ist, sondern im Gegenteil eine drastische Verschlimmerung des globalen Finanzdesasters, der Weg in den Staatsbankrott zu erwarten ist.

Zum Hintergrund und zur Motivation der Beteiligten erschien nun von dem Schweizer Autor und Kommunikationsberater der Finanzbranche Rene Zeyer, der als Journalist unter anderem für die Neue Zürcher Zeitung schrieb, das Buch „Bank, Banker, Bankrott“.
Er beschreibt hier die nahezu undurchdringliche Vernetzung zwischen Finanzindustrie und Politik, die über die Jahre hinweg ein Biotop der Gier generierte.
Die Entwicklungen der Finanzkrise bezeichnet er als den „größten Bankraub aller Zeiten“. gw (Buchbesprechung in der „Zeit“)

http://www.tagesspiegel.de/meinung/kommentare/;art141
http://www.zeit.de/online/2009/05/bank-banker-bankrott?page=all
http://www.zeit.de/online/2009/05/grossbritannien-bankrott-iwf-siland
http://www.zeit.de/online/2009/05/banken-verstaatlichung

Originalartikel bzw. ergänzende Info hier

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Januar 28, 2009 at 15:03

Koalition will Atomkonzerne auf Kosten der Allgemeinheit entlasten

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Koalition will Atomkonzerne entlasten
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Fast in einer Nacht- und Nebelaktion will die große Koalition am kommenden
Freitag das Atomgesetz so ändern, dass nicht mehr die Atomkonzerne,
sondern die Allgemeinheit die Kosten für den Atommüll in der Asse zahlen
soll. Erst am Donnerstag haben die Fraktionen von SPD und Union einen
entsprechenden Änderungsantrag eingebracht – am Freitag soll die Novelle
des Atomgesetzes im Bundestag abschließend beraten und abgestimmt werden.

Wieder einmal sollen also die Stromkonzerne auf Kosten der Allgemeinheit
finanziell entlastet werden  im Fall des einsturzgefährdeten
Atommülllagers „Asse II“ geht es um bis zu 2,5 Milliarden Euro.

Wir meinen: Die Konzerne, die mit ihren Atomkraftwerken die Gewinne
kassieren und den Müll produzieren, müssen auch die Kosten tragen, um den
Atommüll im Bergwerk Asse zu sichern.

Wenn das möglichst schnell viele Menschen an die Bundestagsfraktionen von
SPD und CDU/CSU sowie an einzelne Bundestagsabgeordnete schreiben, haben
wir die Chance, den skandalösen Coup noch zu vereiteln!

Wir haben eine Muster-Mail vorbereitet, die Ihr mit zwei Klicks
verschicken könnt, sowie einen kurzen Text mit Hintergrund-Infos.

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http://www.ausgestrahlt.de/atom/asse

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Januar 28, 2009 at 14:52

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» Schreibtischtäter « Mappenwerk im Bleimantel

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»Schreibtischtäter« 1989/92 = Erinnerung an Karl-Heinz Richheimer 1920-1993 Text von Karl-Heinz Richheimer für das Mappenwerk im Bleimantel  (Jörg Stange) Streiflichter des Hamburger Widerstands VVN: Richheimer-Friedemann-Kreis: sogenannter Hamburger Zweig der Weisse Rose


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TAZ-Bericht mechthild bausch
vom 21.08.1992

„All die Erschlagenen, wer lebt für die?“

Der Hamburger Künstler Heinz Richheimer hat die Internierung in zwei KZs überlebt. Über seine Erinnerungen, sein Leben, über Schuldgefühle und Bewältigung sprach er mit taz-Redakteurin Mechthild Bausch.

Vorbei an Wiesen und Feldern, Kühen, sogar ein Pferd, das am Ufer eines kleinen Flusses steht und den Kopf ins Wasser hängt. Es ist heiß, das Fenster ganz heruntergelassen. Auch Heinz Richheimer muß gerade diesen Weg gekommen sein, über die Autobahn Richtung Geesthacht, Ausfahrt Curslack, es ist ja ausgeschildert: Gedenkstätte Neuengamme fünf Kilometer, durch das Dorf und über den Deich, wo eine Straße, die links abgeht, „Zwischen den
Zäunen“ heißt.

Er steigt aus dem Auto, vom Beifahrersitz, und geht um den Wagen herum. Freundlich sieht er aus, bedächtig, fast ein bißchen abwesend, jedenfalls nicht sehr aufgeregt. Er spricht nicht laut, er kann nur flüstern, eine Verhärtung der Stimmbänder sei der Grund, sagt er. Wir gehen hinüber zu dem großen schwarzen Würfel, dem Dokumentenhaus des ehemaligen Konzentrationslagers, das auf dem kurzgeschorenen Rasen steht. Er schaut gar nicht um sich, blickt auf den Boden oder sucht mit den Augen nach seinen Begleitern. Ob irgend etwas so ist wie in seiner Erinnerung? „Nein“, sagt er, und das Rauschen der vielen Bäume ist fast so laut wie das rauhe Flüstern. „Aber das ist ja auch ein halbes Jahrhundert her.“ Was er damals bei seiner Ankunft im Lager wahrgenommen habe? „Ich erinnere mich an einen Wagen mit Gummirädern, der von Menschen statt von Tieren gezogen wurde.“

Sonderbefehl RU: „Rückkehr unerwünscht“

„6. Juni“ steht am Ende ganz zuoberst auf meinem Notizblock, die Scheu läßt einen wohl zunächst nach Daten greifen. Wegen Bombenangriffen auf die Innenstadt wurden die Häftlinge des Gefängnisses Fuhlsbüttel im Juni 1944 nach Neuengamme gebracht, darunter auch der „Polizeihäftling“ Heinz Richheimer, damals 24 Jahre alt. Im gleichen Transport waren seine Freunde Max Kristeller, Felix Jud und Jürgen Friedemann, mit denen er 1942 eine Widerstandsgruppe in Hamburg gegründet hatte, die Flugblätter verteilte, Verfolgte des Nazi-Regimes versteckte und Kontakte ins „feindliche Ausland“ unterhielt.

Direkte Verbindung bestand auch zu den UKE-Ärzten Heinz Lord, John Gluck und dem Studenten Frederik Geussenhainer, die ihrerseits Kontakt zur Weißen Rose in München hielten. Auch sie waren in dem Transport vom Gefängnis Fuhlsbüttel ins KZ Neuengamme.

Für Heinz Richheimer und Jürgen Friedemann war Neuengamme nur eine Durchgangsstation auf dem Weg ins österreichische KZ Mauthausen, wohin sie schon wenige Wochen später mit „Sonderbefehl RU“ – „Rückkehr unerwünscht“ – deportiert wurden. Auch John Gluck, Max Kristeller und Frederick Geussenhainer kamen später dorthin. Von allen hier Genannten erlebte Geussenhainer die Befreiung nicht mehr.

Heinz Richheimer war nach den „Nürnberger Rassegesetzen“ ein „Halbjude“. Sein Vater, ein aus Heidelberg stammender Kaufmann jüdischer Herkunft, überlebte Nazizeit und Krieg, indem er sich mit Frau und Familie in einer Hamburger Wohnung versteckte. In Fuhlsbüttel gab es einen Aufseher namens „der Lange Paul“, erinnert Heinz Richheimer sich. „Und ich war so wahnsinnig blond und sah so arisch aus, und der Lange Paul fragte mich, wie ich als deutscher Mann überhaupt dahin käme.“ Beim Transport nach Neuengamme habe ihn der Lange Paul in die Bauchdecke getreten, und, als er ihn dann wiedererkannte, sich „quasi noch entschuldigt“.

Ein Weg führt über den grünbewachsenen Boden hinüber zu dem rekonstruierten „Plattenhaus“, eine Art behelfsmäßiges Einfamilien-Musterhaus, das KZ-Häftlinge nahe des Grabens, der das Gelände von der Zufahrtsstraße trennte, aufbauen mußten. Im Plattenhaus, in dem heute ein Büro ist, treffen sich Heinz Richheimer, sein Freund Jörg Stange und Detlev Garbe, Leiter der Gedenkstätte, zu einem ersten Gespräch: Die Mitarbeiter der Gedenkstätte erstellen eine Dokumentation über das Leben ehemaliger KZ-Häftlinge. Das Projekt umfaßt bereits Gesprächsprotokolle mit über 100 ehemaligen Gefangenen aus ganz Europa.

„Sagen Sie, ich war Block 17, wo war das denn?“, fragt Heinz Richheimer und erfährt, daß die Holzbaracken des damaligen „Quarantänelagers“, in dem die Polizeihäftlinge isoliert wurden, nach dem Krieg abgerissen worden sind. Auch an die Ziegelbrennerei erinnert Richheimer sich noch und erkundigt sich, ob es die noch gibt. Sie steht noch, und er ist vor zehn Minuten daran vorbeigegangen.

Heinz Richheimer fragt nach einer Scheibe Brot. Eine Scheibe Brot gibt es hier nicht, dafür aber Kekse. Er erzählt dann, wie er im KZ Mauthausen Auftragsporträts zeichnete und dadurch „Vorzugsposten“ bekam. Irgendwann habe „Hamburg rückgefragt, ob wir etwa noch leben“. Dann habe man ihn gefoltert. „Ich hatte ein neues Deutschlandlied geschrieben“, sagt er und stimmt unvermittelt und mit heiserer Stimme eine Strophe an: „Sie sollen die Ketten tragen. Wir wollen die Freien sein“. Er habe das Lied gesungen, und, als die Folterer, erst völlig erstaunt, weiter mit dem Ochsenziemer auf ihn eingeschlagen hätten, wieder von vorne angefangen. „Ich kam da raus und habe nur gelacht“, sagt er, „ich habe keine Schmerzen gespürt, obwohl mein Rücken blutig geschlagen war.“

„Wer das KZ überlebt hat, fühlt sich oft schuldig“

Da hatte es sich auch schon herumgesprochen, das mit seinem Deutschlandlied, er sei eine Art Held gewesen. Nach ihm war ein Zeuge Jehovas dran. „Wie hießen die noch damals?“, fragt er in die Runde. „Bibelforscher“. Und als entfessele dieses Wort einen Sturm der Erinnerungen, bricht er plötzlich in ein irres Lachen aus, das eigentlich kein Lachen, sondern ein Schmerz ist. „Bibelforscher“, wiederholt er. „Den haben sie mit Hunden zu Tode gehetzt.“

„Wissen Sie“, sagt er, und das ist bei unserer zweiten Begegnung, die eine Woche später in seiner Wohnung in Alsterdorf stattfindet, „es ist oft so, daß Menschen, die das KZ überlebt haben, große Schuldgefühle haben, weil sie glauben, die anderen, die Toten, sind für sie gestorben. Auch ich habe jahrzehntelang Alpträume gehabt, daß einer von ihnen vor meinem Bett steht und mich anklagt. Am besten kommt man darüber hinweg, wenn man in einer quasi adäquaten Situation etwas für jemand anderen tut.“ Und so habe er über 20 Jahre lang seine Frau gepflegt, die an Multipler Sklerose litt.

Von der Terrasse des Wohnzimmers geht der Blick ins Grüne, ein Kanal, Büsche, Bäume, dahinter versteckt Reihenhäuser. Von weitem ist das Autorauschen der Alsterkrugchaussee zu hören. An den Wänden hängen Bilder, die Heinz Richheimer gemalt hat, Aquarelle, Federzeichnungen, auch Ölbilder. In einem
Bücherregal lehnen Fotopostkarten von Francois Truffaut und Audrey Hepburn.

Man könne sich die Aufbruchsstimmung, die direkt nach dem Krieg geherrscht habe, sicher heute nicht mehr vorstellen, sagt er. Ida Ehre gründete ihre Kammerspiele, Wolgang Borcherts Draußen vor der Tür wurde dort
uraufgeführt… In einem Zimmer, in dem Richheimers Bilder aufbewahrt sind, steht auch ein in warmen Ölfarben gemaltes Porträt von Ida Ehre.

Nach der Rückkehr aus Mauthausen, ein Weg, den er zusammen mit Jürgen Friedemann zu Fuß begann, widmete er sich, nachdem er wieder einigermaßen bei Kräften war, der Malerei, dem Zeichnen, schrieb und drehte Dokumentarfilme, spielte Kabarett und traf sich mit all jenen, die ähnliches wie er er- und überlebt hatten: mit dem Buchhändler Felix Jud und Max Kristeller, der eine Galerie eröffnete, in der Heinz Richheimer seine Bilder ausstellte.

„Ein Jude ist für mich jemand, der verfolgt ist“

1958, im gleichen Jahr, als sie von Margaret Richheimers Krankheit erfuhren, zog das Ehepaar in die Alsterdorfer Wohnung ein. Auf der Terrasse konstruierte Heinz Richheimer eine große Sonnenuhr aus Glas für seine Frau.
Er baute Rollstühle aus Rattan und Metall zusammen, auch eine Rampe vom Wohnzimmer nach draußen, über die er sie in den Garten fuhr. Viele Fotos von Schwänen und Enten, die in den Garten, sogar in die Wohnung kamen, kleben in seinen Fotoalben, und noch viel mehr Fotos von Margaret, die er Mäggi nennt,
und für die er Kleider schneiderte und der er jeden „Hochzeitstag“ im Monat eine rote Rose schenkte.

Nach dem Tod seiner Frau fand er bald darauf eine neue Liebe – und heiratete sie. Als er seine in dieser Zeit entstandenen erotischen Zeichnungen ausstellte, hätten das einige seiner Bekannten nicht verstanden, ihm fast übelgenommen. Gekümmert habe ihn das aber nicht.
Seine zweite Frau und er trennten sich nach einigen Jahren, und dann kam Corinna, seine um fast 30 Jahre jüngere Freundin, für die er ein ganzes Heft voller Liebesgedichte geschrieben hat, auch das Märchen von dem Bart, der, wenn man liebt, viel schneller wächst.

Ob er eine jüdische Identität habe, frage ich Heinz Richheimer am Ende des Gesprächs. Nein, sagt er, und, nach einer Pause: „Ein Jude ist für mich jemand, der verfolgt ist.“ Aber ähnlich wie der Jude und Schriftsteller Jurek Becker einmal auf diese Frage geantwortet hat, gebe es vielleicht so etwas wie ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das diese jüdische Identität ausmache. Er selbst fühle sich zum Beispiel Menschen vertraut wie der Frau in seiner Nachbarschaft, die lange Jahre an einer schweren Krankheit gelitten habe. „Verstehst du, was ich meine?“

Über Heinz Richheimer wurde das erste Mal am 12. Juni dieses Jahres in der taz geschrieben. Beziehungsweise: Heinz Richheimer schrieb selbst.
Ausgangspunkt war eine Arbeit seines Freundes, des Hamburger Künstlers Jörg Stange, der seine Installation in der ehemaligen Polizeiwache in der Eppendorfer Martinistraße 40 in einem Mappenwerk dokumentierte. Heinz Richheimer kannte diese Wache noch aus Nazi-Zeiten.

Sein Bericht, den die taz damals veröffentlichte, wurde Teil des Mappenwerks, das inzwischen Jörgen Bracker, Direktor des Museums für Hamburgische Geschichte, gekauft hat. Gemeinsam wurde das Konzept für eine Art biographische Ausstellung von und über Heinz Richheimer entworfen, die das Museum 1993 zeigen wird.

Einen seltsamen Begriff von eines Menschen Zeit zeigt indes die Kulturbehörde: Jörg Stange hatte dort schriftlich angeregt, den heute 72jährigen Richheimer für seinen Widerstand im ‚Dritten Reich` zu ehren, etwa, so schlug er vor, mit einer neuen Ida-Ehre- oder Wolfgang-Borchert-Medaille. In dem Antwortschreiben bedankte sich jetzt der leitende Regierungsdirektor Klaus-Peter Dencker im Namen der Senatorin „für den Hinweis“ und fährt fort: „Der Senat hat bisher zu den sogenannten ‚runden` Geburtstagen oder bei ganz aktuellen Anlässen Ehrungen vorgenommen.
Die nächste Möglichkeit wäre der 75. Geburtstag von Herrn Richheimer.“ TAZ-HAMBURG 21.08.1992

“All die Erschlagenen wer lebt für die?
HEINZ RICHHEIMER
Geboren am 31. Januar 1920 in Güstrow,
1923/24 Umzug der Familie Richheimer nach Hamburg.
Schulbesuch – Realgymnasium und Mittelschule – muß abgebrochen werden:
Heinz Richheimer gilt als „nichtarisch“.
Normale Berufsausbildung aus gleichem Grund unmöglich.
1938 Als Dekorateur und Plakatmaler tätig.
1941 Illegales Studium der Malerei bei dem während des ‚Dritten Reiches`
„nicht erwünschten“ Ivo Hauptmann, Enkel des Dramatikers Gerhart Hauptmann.
1942 Bildung der Widerstandsgruppe Friedemann-Richheimer.
1944 Verhaftung durch die Gestapo. Transport über Fuhlsbüttel
und Neuengamme in das Konzentrationslager Mauthausen (Österreich).
Sonderbefehl: „Rückkehr unerwünscht“.
1945 Erste öffentliche Ausstellung bei Max Kristeller in Hamburg.
1947 Künstlerischer Leiter eines kleinen Theaters.
1948 Texte und Bühnenbilder für das „literarische Cabaret“.
1940/50 Autor, Regisseur und Produzent mehrerer Dokumentarfilme.
1953 Längere Arbeitslosigkeit, Aushilfsarbeiten.
1956/57 Wandgemälde in Sgraffito- Technik (12×3 Meter), u.a. im Sitzungssaal
der Kalitransportgesellschaft, City-Hochhaus am Klosterwall 4.
1958 Beginn von Margaret Richheimers Krankheit.
1960/62 Entstehung des Romans „Die Kathedrale von Lima“,
erschienen 1962 im Marion-von- Schröder-Verlag.
1963 bis heute Restaurierungsarbeiten an kleineren Antiquitäten.
1964 bis 1979 Hauptsächlich schriftstellerische Arbeiten:
Roman „Leonidas oder die Würde des Menschen“
(nicht veröffentlicht).
Ernste Satire „Lemuel Gullivers Reisen in das Land der Demokraten“
(Fragment).
Gleichzeitig Bilder, Porträts und Plastiken.
1979 bis 1986 Entstehung der Erzählung „Die Seifenblase“.
1980 Erotische Zeichnungen, Ausstellung.
1983 bis 1992 Die „Corinna- Bilder“.
Zwei kürzere Prosastücke:
„Die Wiedergeburt des achtbeinigen Tieres“ und „Das letzte Wort“.
Ein Band „Liebesgedichte“.
1992 „Eine Geschichte in Eppendorf“ für die Dokumentation:
„Schreibtischtäter“ (Mappenwerk von Jörg Stange).

» Schreibtischtäter «

Zur Erinnerung an Karl-Heinz Richheimer 1993 gest.

Der Maler und Schriftsteller Karl-Heinz Richheimer war Mitgründer der Widerstandsgruppe „Richheimer-Friedemann-Kreis“ (so genannt in „Streiflichter des Hamburger Widerstands“, VVN). Die Gruppe von jungen Widerständlern verteilte u.a. Flugblätter der „Weisse Rose“ und war vernetzt mit Ärzten des UKE Prof. Degkwitz, Dr. Lord*, Dr. Gluck*, Dr. Geussenheiner* -ihren Söhnen und Freunden. Öffentliche Anerkennung, oder jegliche Form von „Wiedergutmachung“ nach erlittender KZ Haft in Neuengamme und Mauthausen -auch Mordhausen genannt, ist ihm bis zu seinem Tode versagt geblieben. Eine Anregung Dritter, an die damalige Kultursenatorin und die Kulturbehörde wurde mit einem „Dankeschön“ beantwortet und man werde den Vorschlag prüfen. Es wurde darauf hingewiesen das „Ehrungen“ zu sogennannten „Runden Geburtstagen“ zelebriert würden. „Man wolle es prüfen“ – den „Runden Geburtstag“ erlebte Heiner Richheimer nicht mehr: Es wurde noch nicht einmal ein Kranz geschickt -geschweige denn ein Wort in Form eines Nachrufs verloren…

Durch die persönliche Empfehlung des Historiker Prof. Ulrich Bauche und dem Direktor des Museum für Hamburgische Geschichte Prof. Jörgen Bracker konnten wir gemeinsam erreichen, dass das Mappenwerk „Schreibtischtäter“ vom MfHG als Dauerleihgabe für die Gedenkstätte Neuengamme angekauft und archiviert wurde. Eine erwünschte Ausstellung, seitens des Museums zu Lebzeiten von Karl-Heinz Richheimer scheiterte, weil die Kulturbehörde Mittel für einen adäquaten Dokumentations-Katalog versagte. Der Anspruch an die Ausstellung, sollte keine Anerkennung seiner Lebensleistung, sondern ausschliesslich Zeitzeugenschaft sein: „Geschichte eines Jahrhundert – gesehen im Leben eines einzelnen Menschen“, so der Maler und Schriftsteller Karl-Heinz Richheimer in einer handschriftlichen Hinterlassenschaft… Seine Gemälde und Schriften, befinden sich eingelagert auf einem ungeheizten Dachboden in Kartons verstaut. Ein aussergewöhnlich aussdrucksstarkes Portrait von Ida Ehre ist auch dabei… Jörg Stange

*= UKE Ärzte Dr. Lord, Dr. Gluck => „Cap Arcona“ [etc…]

Bild | Mappenwerk oben: »Schreibtischtäter« = [Stempel der Allierten 1946 = TELECOMES SENSORSHIP PASSED] Mappenwerk im Bleischuber | Material: Pappe, Karton, Holz, Blei, A3 | 1992, Karl-Heinz Richheimer 1920 – 1993, Installation in der „Alte Wache“ Martinistrasse, (Jörg Stange), mit Bildtafeln und einem Erlebnisbericht von Karl-Heinz Richheimer für dieses Mappenwerk, -über die NS-Zeit und die Phase der Nachkriegszeit.

 

*Frederik Geussenheiner u.a

http://www.abendblatt.de/extra/service/944949.html?url=/ha/1994/xml/19940913xml/habxml940709_12736.xml

TAZ-Bericht Mechthild Bausch

11.03.1993

Plötzlich dem Tod begegnet

Der Autor und Maler Heiner Richheimer starb 73jährig in Hamburg

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Jetzt ist die Zeit,

wo ich nur warten kann

und hoffen, daß es mich

ganz plötzlich trifft.

Und alle Pläne,

was noch kommen soll,

sind Schall und Rauch!

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Heiner Richheimer, der vor nicht allzu langer Zeit diese Zeilen schrieb, starb am Montag im Alter von 73 Jahren in Hamburg. Sein Tod, so schmerzlich traurig er für die ist, die ihn kannten, enthebt ihn der Verlängerung eines Leidens, dessen weitere medizinische Behandlung er wohl ganz bewußt abgelehnt hatte.

Der Lebensgeschichte von Heiner Richheimer eine Öffentlichkeit zu verleihen, dieser Versuch ist in der taz mehrfach unternommen worden. Ein weiterer wird ihm nun nachgetragen: Die Ausstellung im Museum für Hamburgische Geschichte über den „Zeitzeugen Heiner Richheimer“, die er mit seinen Freunden in den letzten Monaten zusammenstellte, soll im Laufe dieses Jahres gezeigt werden.

Geboren wurde Heiner Richheimer 1920 in Güstrow. Weil sein Vater Jude war, mußte er in Hamburg die Schule abbrechen. 1942 gründete er eine Widerstandsgruppe, deren Mitglieder 1944 an die Gestapo verraten und inhaftiert wurden. Vom KZ Neuengamme wurde Heiner Richheimer ins österreichische KZ Mauthausen deportiert. Nach seiner Rückkehr nach Hamburg begann er seine Bilder auszustellen und arbeitete als Regisseur und Schriftsteller. In seiner autobiographischen Erzählung „Die Seifenblase“ schreibt er, ganz sanft, über das Sterben seiner Frau. Auch Heiner Richheimer war jetzt nicht allein. M. Bausch

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[..] Verfolgung

Neben Maurice Sachs wurden weitere Spitzel in die Gruppen eingeschleust, so die Gestapo-Agentin Yvonne Glass-Dufour, die als „Widerstandskämpferin pazifistischer Gesinnung“ auftrat und sich im Frühjahr 1943 in dem Kreis der Candidates of Humanity Vertrauen schaffte. Zudem fand sie Zugang in den Kreis um Heinz Rasche und Karl Heinz Richheimer, sowie um Jagda Hoppstock-Huth (Hochmuth, Seite 402 f.)

Ein weitere Aktivität war die Geldsammlung für die Familie des im zweiten Weiße Rose Prozess verurteilten und am … hingerichteten Professors Kurt Huber. Da er als Volksfeind hingerichtet wurde, wurde der Witwe keine Pension ausgezahlt. Sowohl in Hamburg wie in München sammelten Hans Leipelt und Marie Luise Jahn Geld für die Witwe. Sie wurden schließlich im Oktober 1943 denunziert und verhaftet. (siehe Berichte Marie Luise Jahn und Dorle Zill, Hochmuth Seite 408)

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„All die Erschlagenen, wer lebt für die?“

http://de.wikipedia.org/wiki/John_Gluck

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Der Mann hinter Adenauer

http://www.sueddeutsche.de/kultur/136/313044/text/

 

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schreibmaschine-medienwatch-stange-300

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Nr. 80 vom 04.04.1963, Seite 11Original-Zeitungsseite als PDF ansehen

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Pankow ermittelt gegen Staatssekretär Globke

Tschechoslowakei beschuldigt sieben Deutsche

Deutsche Presse-Agentur – ap

Berlin, 4. April 1963

Gegen den Staatssekretär im Bundeskanzleramt Dr. Hans Globke hat der Pankower Generalstaatsanwalt Josef Streit ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Sollte die Zone nach Abschluß der Ermittlungen ein Strafverfahren gegen Globke eröffnen, wäre das der zweite Propaganda- SchauprozeB gegen einen Bonner Politiker.

Vor wenigen Jahren hatte (wie berichtet) das Oberste Zonen-Gericht gegen den früheren Bundesvertriebenenminister Oberländer (CDU) in Abwesenheit verhandelt und ihn zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt

Pankower SED -Funktionäre hatten später nacb dem Rücktritt Oberländers wiederholt angedeutet, daB als nächster Globke „abgeschossen“ werden solle.

Pankow hat bekanntgegeben, daß bei den jetzt eingeleiteten Ermittlungen geklärt werden soll, ob Globke für die Verfolgung und Ausrottung von Millionen Juden, Slawen und Angehörige anderer Völker im „Dritten Reich“ verantwortlich gewesen sei.

Der Zonen-Generalstaatsanwalt Streit soll, wie Pankow behauptet, der Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe vorgeschlagen haben, Vereinbarungen über alle Fragen zu treffen, die für ein mögliches Strafverfahren gegen Globke von Bedeutung seien. Eine Antwort auf dieses Angebot sei nicht eingegangen.

Globke steht schon seit Jahren wegen angeblicher Mitwirkung an einem Kommentar zu den Nürnberger Rassegesetzen während des NS-Regimes im Mittelpunkt von Angriffen. Als im Jerusalemer Eichmann-Prozeß sein Name genannt wurde, leitete die Bonner Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen ihn ein, das jedoch eingestellt wurde. (…)

erschienen am 04.04.1963

bitte hier im weiterlesen:

[Hamburger Abendblatt Link]

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Die nachfolgenden Beiträge trugen dazu bei, dass Leben und Wirken des Malers und Schriftstellers Karl-Heinz Richheimer, während des NS-Regimes, in Beziehung zu setzen.

Die Spinne

Sehenswert: Wie Adenauers Kanzleramtschef Hans Maria Globke aus dem Schatten der Lichtgestalt trotz brauner Vergangenheit ins Zentrum der Macht kam, zeigt Arte in einem Portrait. Es gab viele Mitläufer der Nazis, die es nach dem Zusammenbruch der NS-Diktatur in Deutschland verstanden, sich bestens mit den neuen Verhältnissen in der Nachkriegszeit zu arrangieren. Nur ganz wenigen aber gelang so ein nahtloser Übergang wie dem Ministerialbeamten Hans Maria Globke: Einstmals einer der Kommentatoren von Hitlers Rassegesetzen, stieg Globke nach dem Krieg zum Staatssekretär im Kanzleramt auf, wo er jahrelang als rechte Hand von Konrad Adenauer wirkte. Von Ch. Kohl

http://www.sueddeutsche.de/kultur/136/313044/text/

Arte Text zum Film:

Der Mann hinter Adenauer

(Deutschland, 2008, 52mn)
WDR
Regie: Bernhard Pfeltschinger, Jürgen Bevers

(…) 1949 wird in der neu gegründeten Bundesrepublik Deutschland der erfahrene Jurist Dr. Hans Maria Globke ins Bundeskanzleramt berufen. Wegen seiner Vergangenheit im Reichsinnenministerium wagt es Kanzler Adenauer noch nicht, ihn zum Staatssekretär zu ernennen, aber der verschwiegene, effizient arbeitende rheinische Katholik wird auf Anhieb Adenauers Vertrauter und zum im Verborgenen agierenden Schattenmann.
Globke verfügt über den „Reptilienfonds“, mit dem er die erwünschte innen- und außenpolitische Stabilität auch durch Geldzahlungen sichert. Und er spielt zunehmend in der neuen Regierungspartei CDU die entscheidende Rolle. Der bestinformierte Mann in Bonn beeinflusst als engster Berater Adenauers die Richtlinien der Politik. Globke ist sicher das prominenteste Beispiel für die bruchlose Kontinuität von Karrieren im Staatsdienst vor und nach 1945.Adenauers Vertrauter und zum im Verborgenen agierenden Schattenmann.
Globke verfügt über den „Reptilienfonds“, mit dem er die erwünschte innen- und außenpolitische Stabilität auch durch Geldzahlungen sichert. Und er spielt zunehmend in der neuen Regierungspartei CDU die entscheidende Rolle. Der bestinformierte Mann in Bonn beeinflusst als engster Berater Adenauers die Richtlinien der Politik. Globke ist sicher das prominenteste Beispiel für die bruchlose Kontinuität von Karrieren im Staatsdienst vor und nach 1945.
http://www.arte.tv/de/woche/244,broadcastingNum=928130,day=5,week=41,year=2008.html

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Januar 27, 2009 at 20:21

Kinder-Hartz-IV verfassungswidrig

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verwoehnaroma

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Urteil des Bundessozialgerichts

Kinder-Hartz-IV verfassungswidrig

[taz] Die Sozialrichter geben zwei Klägern recht: Die niedrigeren Hartz-IV-Regelsätze benachteiligen Kinder gegenüber Erwachsenen. Die gesetzlichen Bestimmungen werden nun ein Fall für Karlsruhe.

KASSEL ap Hoffnung für Hartz-IV-Kinder: Der Regelsatz für Kinder bis 14 Jahre ist nach Ansicht des Bundessozialgerichts (BSG) verfassungswidrig. Der 14. Senat des obersten deutschen Sozialgerichts beschloss am Dienstag, die entsprechenden gesetzlichen Regelungen nun dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe vorzulegen. (…)

Weiterlesen bitte Link

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http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/kinder-hartz-iv-verfassungswidrig/

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Bildmontage: Jörg Stange

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Januar 27, 2009 at 13:42

Haaretz: Bombenanschlag an der Gaza-Grenze

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Januar 27, 2009 at 13:20

Privatisierungskrake-Bertelsmann: „Wir verhalten uns rechtmäßig“

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[nw] Gütersloh (ram). Die Bertelsmann-Stiftung reagiert auf die Bertelsmann-Kritiker, die am Wochenende in Gütersloh getagt haben, und der Stiftung eine Verquickung mit der Bertelsmann AG vorwarfen sowie deren Gemeinnützigkeit in Frage stellten (die NW berichtete gestern). (…)

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http://www.nw-news.de/nw/lokale_news/guetersloh/guetersloh/?cnt=2810824

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Januar 27, 2009 at 13:08

Vorratsdatenspeicherung: Aktionsbündnis Freiheit statt Angst lädt ein zum Filmfestival „ueber Macht“

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Aktionsbündnis Freiheit statt Angst lädt ein zum Filmfestival „ueber Macht“

Strange Culture/Fremdkulturen
Film über den Künstler Steve Kurtz von Critical Art Ensemble

Freitag, 30. 01. 2009 19 h
Kino METROPOLIS
Steindamm 52-54
Reservierung: 040-342353

danach Podium:
Peer Stolle, RAV e.V. (Republikanischer Anwältinnen- und Anwaltsverein)
Kai-Uwe Steffens, AK Vorrat Hamburg
Jokinen, bildende Künstlerin
Ricardo Cristof Remmert-Fontes, Aktion Freiheit statt Angst
Moderation: Wulf Beleites, Journalist, im Bundesvorstand von dju in
ver.di

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Strange Culture/Fremdkulturen
(USA 2007, Mit Tilda Swinton und Thomas Jay Ryan)

Steve Kurtz ist Performance-Künstler, seine Arbeit dreht sich um das Thema Biotechnologie. Seine Arbeitsmittel – harmlose Bakterienkulturen – erregen in der Terrorfurcht nach dem 11. September die Aufmerksamkeit des FBI. Agenten in Schutzanzügen durchsuchen seine Wohnung. Der Vorwurf: Bio-Terrorismus. Unvermittelt sieht Kurtz sich von einem übermächtigen Staat bedroht, der offenbar um jeden Preis eine Verurteilung erzielen will. Ihm drohen 20 Jahre Haft für den Besitz von Bakterien, die jeder frei über das Internet bestellen kann. Dieser Film ist Teil einer internationalen Aktion, mit der sich bekannte Künstler wie Tilda Swinton und die Residents mit Kurtz solidarisieren.

*

mehr:
http://diegesellschafter.de/uebermacht/film/inhalt.php?fid=40

Nach dem Film wartet eine spannende Diskussion mit Vertretern der Filmpartner und Gästen. Wir möchten diskutieren, welche Auswirkungen der Ausbau des Sicherheitssektors und der entsprechenden Gesetze auf die Gesellschaft haben; hier am Beispiel eines Künstlers dargestellt, der sich kritisch mit Gesellschaft und Politik auseinandersetzt. Es stellt sich beispielsweise die Frage, inwieweit die Ausweitung des Begriffs des „Gefährders“ und eine immer stärkere Präventivlogik in der Kriminalitätsbekämpfung dazu führen kann, daß immer mehr Unschuldige unter Verdacht geraten. Welche Auswirkungen hat das auf die Bereitschaft der Menschen, an Demokratie, politischen Meinungsbildungsprozeßen undgesellschaftlichem Leben an sich teilzunehmen?
Wie sind insbesondere KünstlerInnen hiervon betroffen?

————————————————

Am 09. Januar begann das diesjährige nicht-kommerzielle Filmfestival der
Aktion Mensch bzw. die Gesellschafter.de, das unter dem Titel „ueber
Macht“ mit Filmen zum Thema „Kontrolle, Regeln und Selbstbestimmung“ bis zum Herbst 2009 in 120 Städten zu Gast sein wird. „Ueber Macht“ knüpft an die Festivals 2006 (ueber arbeiten) und 2007 (ueber morgen) an und vereinigt wieder rund 30 bundesweite und mehr als 1.000 regionale
Verbände und Initiativen der Zivilgesellschaft, die das Festival vor Ort
organisieren. „Ueber Macht“ will sensibilisieren, die Ambivalenz von
Macht und Machtmissbrauch darstellen und dazu ermutigen, „im Alltag, in
der Öffentlichkeit und in der Politik öfter, nachhaltiger und unbequemer
die Machtfrage zu stellen“.

Das „Aktionsbündnis Freiheit statt Angst“ als Kooperationspartner des bundesweiten Filmfestivals übernimmt zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine, dem Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung, der Humanistischen Union, sowie dem
Republikanischen Anwältinnen- und Anwälteverein die Patenschaft für den Film „Strange Culture/Fremdkulturen“.

Das Aktionsbündnis „Freiheit statt Angst“

Das Aktionsbündnis ist eine Plattform zur Koordination eines friedlichen Protestes für eine freie demokratische Gesellschaft und gegen Massen Überwachung, unkontrollierte Datenspeicherung und den uferlosen Ausbau des „Sicherheitssektors“. Es soll den Dialog zwischen Gesellschaft, Verbänden und Politik in Bezug auf Sicherheits- und Überwachungsgesetzgebung fördern. Es bündelt und verbreitet juristische und politische Expertise und verbreitet aktuelle Informationen zur politischen Entwicklung. Es will aufklären und informieren und organisiert und koordiniert friedlichen und kreativen Protest. Als Dachverband in Form eines gemeinnützigen Vereins soll es auch die Interessen der Mitglieder und Mitgliedsorganisationen in nationalen und internationalen Gremien bündeln und vertreten.

Das Aktionsbündnis „Freiheit statt Angst“ ist überparteilich und überkonfessionell und arbeitet mit allen Parteien, zivilgesellschaftlichen, weltanschaulichen und religiösen Organisationen und Institutionen zusammen, die sich zu einer demokratischen und freien Gesellschaft bekennen.
Das Bündnis schließt explizit die Zusammenarbeit mit gewalttätigen und menschenverachtenden Positionen aus.

Weitere Informationen:

* Aktionsbündnis Freiheit statt Angst: http://www.aktionfreiheitstattangst.org
* Aktion Mensch http://www.aktion-mensch.de
* dieGesellschafter.de http://diegesellschafter.de
* Filmfestival „ueber Macht – Kontrolle, Regeln,
Selbstbestimmung“ http://www.ueber-macht.de
* Der Film“Strange Culture/Fremdkulturen“ http://diegesellschafter.de/uebermacht/film/inhalt.php?fid=40

Aktionsbündnis Freiheit statt Angst
c/o Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung Berlin

Malmöer Str. 6
D-10439 Berlin

Fon: +49-30-692099221
Fax: +49-30-692099229

E-Mail: kontakt(et)aktion-fsa.de
Web: http://www.aktion-freiheitstattangst.org

*

Demo in Hamburg:

https://medienwatch.wordpress.com/category/vorratsdatenspeicherung-demo-in-hamburg-3112-2008/

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Januar 27, 2009 at 11:17

„Kalenderblatt“: Ludwig Quidde = Kritiker von Kaiser Wilhelm II

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[medienwatch | d-radio-kultur] Wir nehmen die Anregung des Historikers Wolfgang Wippermann, im Interview mit dem D-Radio Kultur ernst, und huldigen besser den Pazifisten Ludwig Quidde, als den imperialistischen Kaiser Wilhelm II zum 150. „runden Geburtstag“: „Mitten im Frieden überfällt uns der Feind. Darum auf zu den Waffen. Jedes Schwanken, jedes Zögern wäre Verrat am Vaterlande. Um Sein und Nichtsein unseres Reiches handelt es sich, das unsere Väter sich neu gründeten. Noch nie war Deutschland überwunden, wenn es einig war. Vorwärts mit Gott, der mit uns sein wird, wie er es mit den Vätern war.“ = Wie jeder weiss wurde auch der „Erste Weltkrieg“ verloren.

[Kaiser W. : „Pardon wird nicht gegeben! Gefangene werden nicht gemacht!“, zum militärischen Vorhaben des Kaisers, gegen den sogenannten Boxeraufstand in China. Kaiser W. kam glücklicherweise zu spät, sonst hätte es noch mehr blutiges Unheil in der deutschen Geschichte gegeben. Jörg Stange]

Bejubelt und weggejagt

Vor 150 Jahren wurde der letzte deutsche Kaiser, Wilhelm II., geboren

Von Claus Menzel

Schwadroneur und Schwärmer, Kriegsherr und launischer Tunichtgut – Kaiser Wilhelm II. gehört zu den am meisten umstrittenen Figuren der deutschen Geschichte. Über seine Verantwortung für die Beteiligung Deutschlands am Ersten Weltkrieg wird bis heute gestritten. Als er 1918 ins Exil ging, endete die deutsche Monarchie. Vor 150 Jahren wurde Wilhelm II. geboren.

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kalenderblatt/909743/

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Ludwig Quidde (* 23. März 1858 in Bremen; † 4. März 1941 in Genf), war ein deutscher Historiker, Publizist, Pazifist und linksliberaler Politiker in der Zeit des Deutschen KaiserreichsWeimarer Republik. Er war ein prominenter Kritiker von Kaiser Wilhelm II. und erhielt 1927 den Friedensnobelpreis für seine Leistungen als treibende Kraft in der deutschen Friedensbewegung. Für den PazifismusDeutschen Friedensgesellschaft (DFG) sowie Teilnehmer an und Redner bei verschiedenen internationalen Friedenskongressen sowie Organisator des 16. Weltfriedenskongresses 1907 in München. und der engagierte er sich etwa als langjähriger Vorsitzender der

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Einstieg in Politik und Friedensbewegung

Quiddes geerbtes Vermögen ermöglichte es ihm, sich nun ganz auf die Politik zu konzentrieren. Bereits 1893 war er in die 1868 gegründete Deutsche Volkspartei (abgekürzt: DtVP) eingetreten, die seiner antimilitaristischen, antipreußischen, demokratischen und pazifistischen Orientierung entsprach. Die DtVP, die ihre Hochburgen vor allem in Süddeutschland hatte, setzte sich als eine der größeren bürgerlich-demokratischen Parteien gegen die Nationalliberalen für föderale Strukturen im Deutschen Reich ein, stand in Opposition zur Vorherrschaft Preußens und engagierte sich für eine Stärkung des Parlaments und demokratischere Verhältnisse in Deutschland, wobei Quidde mit seiner antimonarchischen und republikanischen Haltung auch innerhalb der Partei hervorstach. Auch gab es in der DtVP eine Bereitschaft zur punktuellen Zusammenarbeit mit der damals noch marxistisch ausgerichteten Sozialdemokratie.

Im Jahr seines Eintritts in die DtVP hatte Ludwig Quidde die Schrift Der Militarismus im heutigen Deutschen Reich. Eine Anklageschrift. Von einem deutschen Historiker – zunächst anonym – veröffentlicht. Schon im Vorjahr, 1892, war Quidde der neugegründeten Deutschen Friedensgesellschaft (DFG) beigetreten und wurde bald regelmäßiger Teilnehmer der Sitzungen des Rates des Internationalen Friedensbüros. Von 1894 bis 1900 war er Herausgeber der demokratischen Tageszeitung „Münchner Freie Presse“, in der er 1898 die sozialkritische Artikelserie „Arme Leute in Krankenhäusern“ veröffentlichte. 1895 wurde Quidde Vorsitzender des bayerischen Landesausschusses der DtVP und erarbeitete ein neues Parteiprogramm, in dem die Parlamentarisierung, eine Justiz- und Heeresreform sowie der Ausbau föderaler Strukturen gefordert wurden. In führender Funktion in der bayerischen DtVP, seit 1902 im Münchener „Kollegium der Gemeindebevollmächtigten“,[6] wurde er 1907 erstmals in den bayerischen Landtag gewählt, wo er bis 1918 Abgeordneter blieb. Inzwischen hatte sich 1910 die Deutsche Volkspartei mit der Freisinnigen Volkspartei und der Freisinnigen Vereinigung zur Fortschrittlichen Volkspartei zusammengeschlossen, woran Quidde nur widerstrebend teilnahm, da er sich durch die Vereinigung an den Rand gedrängt sah. (…)

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http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Quidde

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Written by medienwatch & metainfo

Januar 27, 2009 at 08:31