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Archiv für die Kategorie ‘Katastrophale Sicherheitslage in US-Bayerwerk in der Kritik

Pharma-Korruption: ehemaliger BAYER-Mitarbeiter packt aus etc.

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Presse Information

11. Mai 2009

Rede in morgiger BAYER-Hauptversammlung in Düsseldorf

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Pharma-Korruption: ehemaliger BAYER-Mitarbeiter packt aus

Alfredo Pequito arbeitete jahrelang als Pharmareferent für Bayer Portugal. Als er seine Arbeit aufnahm, wurde er von Bayer darauf aufmerksam gemacht, dass ihm zur „Verkaufsförderung“ hohe Summen zu Verfügung stünden. Hiermit sollten Urlaubsreisen, Elektrogeräte und Geldgeschenke finanziert werden, um das Verschreibungsverhalten von Ärzten zu beeinflussen.

Auch waren die medizinischen Berater von Bayer dazu angehalten, Dossiers über Ärzte anzufertigen, die u.a. die Zahl der Kinder, Hobbies, politische Einstellung und sogar sexuelle Vorlieben enthielten. Pequito deckte zudem auf, dass das Unternehmen in Portugal klinische Tests durchführte, die bei den Gesundheitsbehörden nicht angemeldet waren. Hierbei kam es zu Todesopfern. Da Pequito die schwarzen Kassen des Konzerns nicht nutzte, wurde er von Bayer gefeuert.

Alfredo Pequito wird in der morgigen Hauptversammlung der Bayer AG in Düsseldorf eine Offenlegung aller korrupten Praktiken fordern: „Ich möchte den Vorstandsvorsitzenden Werner Wenning fragen, ob er weiterhin Korruption und Bestechung bei seinen ausländischen Tochterfirmen toleriert. Welche Konsequenzen hat die Firma Bayer daraus gezogen, dass sie in Portugal der Korruption überführt wurde?“, so Pequito. „Warum versucht Bayer, Ärzte und Apotheker zu kaufen? Vertraut Bayer seinen Produkten nicht und greift deswegen zu solchen Verkaufsmethoden?“.

Eine Anzeige von Pequito führte zu umfangreichen Untersuchungen der portugiesischen Staatsanwaltschaft. Demnach verwandte Bayer zwischen fünf und zehn Prozent des Pharma-Umsatzes für korrupte Praktiken. Durch enge Verbindungen zur portugiesischen Politik gelang es BAYER jedoch, nur zu kleineren Geldstrafen verurteilt zu werden.

Gegen Pequito wurden bereits mehrere Anschläge verübt, er steht seitdem unter Polizeischutz. Er reist auf Einladung der Coordination gegen BAYER-Gefahren nach Deutschland. An der Hauptversammlung nehmen neben Tausenden von Aktionären auch Vorstand und Aufsichtsrat des BAYER-Konzerns teil.

Vor und während der Versammlung steht Pequito für Interviews und Rückfragen zu Verfügung (Tel: 0035 – 1918544611, pequito.alfredo@gmail.com). Gerne senden wir seinen Redetext zu: CBGnetwork@aol.com

TREFFPUNKT: Messe Düsseldorf, Eingang Nord (Hallen 8a und 8b)

DATUM: 12. Mai, 8.30 Uhr bis 10.30 Uhr

weitere Informationen:

· Artikel “BAYER-Gate und kein Ende“: http://www.cbgnetwork.org/Ubersicht/Zeitschrift_SWB/SWB_2001/SWB_04_01/Bayer-Gate_Portugal/bayer-gate_portugal.html

· Artikel Expresso “Eight deaths force the cancellation of a trial of Bayer’s drug”: www.cbgnetwork.de/2581.html

Artikel “Bribery claims may bow to pressures from Germany”: http://www.icis.com/Articles/2000/10/16/124307/bribery-claims-may-bow-to-pressures-from-germany.html

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In der gestrigen BAYER-Hauptversammlung in Düsseldorf forderten englische Opfer des hormonellen Schwangerschaftstests Primodos (in Deutschland unter dem Namen Duogynon auf dem Markt) eine Entschuldigung. Diese wurde vom BAYER-Vorstand verweigert. Lesen Sie hierzu eine Pressemitteilung sowie die gestrige Rede von Karl Murphy, einem Betroffenen aus Liverpool. Weitere Informationen und Fotos unter: www.cbgnetwork.de/2885.html.

Medikamenten-Opfer fordern Entschuldigung von Bayer Schering

Fehlbildungen durch Hormonpräparat Primodos / Schering bot in den 70er Jahren Vergleich an

In der Hauptversammlung der BAYER AG in Düsseldorf forderten englische Medikamenten-Opfer eine Entschuldigung des Konzerns sowie finanzielle Kompensation. In den 60er und 70er Jahren hatten Tausende von Kindern schwere Fehlbildungen durch einen Schwangerschaftstest auf Hormonbasis erlitten. Das weltweit von der Firma SCHERING unter den Produktnamen Duogynon, Cumorit und Primodos vertriebene Präparat führte zu Herzfehlern, fehlenden Gliedmaßen, Gaumenspalten, Nierenschäden und anderen Geburtsschäden.

Karl Murphy aus Liverpool, der seit seiner Geburt schwere Behinderungen hat, in der heutigen Versammlung: „Mein Leben wurde durch zwei Tabletten zerstört. Warum hat SCHERING das Medikament Primodos auf dem Markt belassen – trotz zahlreicher Hinweise auf erhöhte Missbildungsraten? Ich fordere BAYER als den heutigen Besitzer von SCHERING auf, einzugestehen, dass damals ein Fehler gemacht wurde. Es ist überfällig, dass die Firma auf die Opfer von Duogynon und Primodos zugeht.“

Valerie Williams, Vorsitzende des Betroffenen-Verbands ASSOCIATION FOR CHILDREN DAMAGED BY HORMONE PREGNANCY TESTS, ergänzt: „Seit 40 Jahren erleben wir die Leiden unserer Kinder. Ich möchte Sie, liebe Aktionäre und auch Sie im Vorstand fragen, wie Sie sich fühlen würden, wenn Ihr Kind wegen eines Hormonpräparats schwerwiegende Behinderungen erlitten hätte? Tausende von Eltern in aller Welt warten auf eine ehrliche Aussage von BAYER SCHERING zum Thema Primodos und auf eine Entschuldigung“. Die Firma SCHERING hatte Valerie Williams im Jahr 1978 – vier Wochen vor Gründung des Betroffenen-Verbands – ein Vergleichsangebot unterbreitet. Williams lehnte das Angebot wegen der damit verbundenen Schweigepflicht ab.

Bereits Ende der 60er Jahre schrieben zwei medizinische Berater der britischen SCHERING-Tochter einen Brief an die Firmenzentrale in Deutschland und warnten vor den Risiken von Primodos. In dem von der Zeitung Sunday Times veröffentlichten Brief heißt es wörtlich: „Wir müssen bezüglich des möglichen Zusammenhangs von Primodos und Geburtsschäden zu einer Lösung kommen. Als Hersteller ist es unsere moralische Pflicht, alles Menschenmögliche zu unternehmen, die Sicherheit unserer Produkte zu gewährleisten.“ Trotzdem stellte das Unternehmen den Verkauf des Mittels in Deutschland erst 1981 ein.

Die Ärztin Isabel Gal hatte schon 1967 festgestellt, dass Mütter missgebildeter Kinder zu einem überdurchschnittlich hohen Prozentsatz hormonelle Schwangerschaftstests verwendet hatten. Eine Studie des ROYAL COLLEGE OF GENERAL PRACTITIONERS zeigte 1969, dass Hormontests zu einer höheren Wahrscheinlichkeit von Fehlgeburten führten. Der Studienleiter empfahl ein sofortiges Verbot solcher Tests. Die französische Firma Roussel, die ein ähnlich wirkendes Präparat herstellte, stellte noch im selben Jahr die Produktion ein. SCHERING hingegen beließ Primodos auf dem Markt und sandte keinerlei Warnungen an die Ärzte, so dass das Mittel noch jahrelang verschrieben wurde – obwohl längst risikolose Urintests auf dem Markt waren. Nach Schätzungen von Dr. Claus Newman, einem bekannten britischen Pädiater, sind hormonelle Schwangerschaftstests für mehr Schädigungen verantwortlich als Contergan

Die Firma SCHERING, Weltmarktführer für Kontrazeptiva, wurde 2006 von BAYER übernommen. Duogynon/Primodos enthielt die selben Hormone, die heute in geringerer Konzentration als Antibaby-Pille verkauft werden. Kritiker vermuten, dass die jahrelangen Warnungen vor hormonellen Schwangerschaftstests in den Wind geschlagen wurden, um negative Publicity für Kontrazeptiva zu vermeiden.
Valerie Williams aus London sowie der 36-jährige Karl Murphy aus Liverpool reisen auf Einladung der Coordination gegen BAYER-Gefahren nach Deutschland. An der Hauptversammlung nehmen neben Tausenden von Aktionären auch Vorstand und Aufsichtsrat des BAYER-Konzerns teil.

Rede Karl Murphy

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Karl Murphy. Ich bin 36 Jahre alt und lebe in Liverpool. Meine Gesundheit wurde durch ein Medikament der Firma Schering, die heute zu Bayer gehört, schwer geschädigt. Ich möchte Sie daher bitten, meine Lebensgeschichte anzuhören und meine Fragen zu beantworten.

1969 wurde meine Mutter erstmals schwanger. Sie erhielt von ihrem Arzt einen hormonellen Schwangerschaftstest, zwei Tabletten mit dem Namen Primodos. Meine Mutter nahm diese ein und erlitt wenige Wochen später eine Fehlgeburt. Primodos wurde von Schering hergestellt, in Deutschland war das Mittel unter dem Namen Duogynon auf dem Markt.

Drei Jahre später war meine Mutter erneut schwanger. Wieder erhielt sie von ihrem Frauenarzt Primodos. Sie wies ihn auf ihre vorherige Fehlgeburt hin. Der Arzt versicherte ihr jedoch, dass dies nicht wieder geschehen werde.

Er hatte Recht. Sie erlitt keine Fehlgeburt. Aber ich wurde mit einer Reihe von Fehlbildungen geboten: ich habe eine Gaumenspalte und an meinen beiden Händen fehlen Finger. An meinem linken Fuß fehlen alle Zehen, an meinem rechten Fuß fehlt ein Zeh. Direkt im Krankenhaus wurde meine Mutter gefragt, welche Medikamente sie eingenommen hatte. Meine Mutter gab an, dass ihr Arzt ihr Primodos verschrieben hatte.

Ich habe heute den alten Arztbrief meiner Mutter dabei. Darin wird Primodos zweimal genannt, der Krankenhausarzt hat diese Angabe extra eingekreist. Ich habe auch die Unterlagen von weiteren Menschen mit Fehlbildungen, deren Mütter Primodos eingenommen hatten.

Auf den Tabletten-Schachteln befanden sich keinerlei Warnhinweise. Einige Jahre später hingegen schrieb Schering, dass Primodos im Fall einer Schwangerschaft nicht eingenommen werden dürfe. Warum wurden diese Warnungen nicht früher angebracht? Wurden wir damals als Versuchskaninchen benutzt?

Seit meiner Geburt ist mein Leben die Hölle. Mehrfach musste ich operiert werden, um die Folgen dieses Medikaments zu lindern. In der Schule wurde ich wegen meiner Hände und Füße gehänselt, einige meiner Spott-Namen waren Hummer-Hand, Lustiger Finger oder Haxen-Hand. Ich hatte kein Selbstvertrauen und keine Freunde und saß alleine an einem Tisch, keiner wollte mit einem Monster zu tun haben. Ich konnte nicht einmal die Griffe von meinem Fahrrad festhalten. Nach Beendigung der Schule bewarb ich mich immer wieder auf Jobs, die ich wegen meiner Behinderungen nicht erhielt.

Ich frage Sie: warum hat Schering das Medikament Primodos auf dem Markt belassen – trotz zahlreicher Hinweise auf erhöhte Missbildungsraten? Ich fordere Bayer als den heutigen Besitzer von Schering auf, einzugestehen, dass damals ein Fehler gemacht wurde. Ich kann akzeptieren, dass Fehler gemacht werden. Aber dann müssen diese auch zugegeben werden. Und den Opfern muss geholfen werden.

Ich habe bis heute Probleme, mich anzuziehen, Knöpfe zu öffnen oder einen Reißverschluss zu schließen. Auch mein Essen kann ich nicht schneiden und sogar Türen oder Flaschen zu öffnen ist ein Problem für mich. Wenn ich in einem Geschäft bezahle, ziehen die Verkäufer vor Schreck ihre Hand zurück. Ich kann nicht in Urlaub fahren, da ich von den Versicherungen abgewiesen werde. Ich war niemals schwimmen, da die Leute auf meine Hände und Füße starren würden. Ich kann kein Werkzeug halten und muss jede Reparatur bezahlen. Ich muss sogar jemanden bitten, eine kaputte Glühbirne für mich auszutauschen.

Ich weiß, dass Schering und Bayer immer behauptet haben, dass dieses Medikament niemanden geschädigt hat und dass die Missbildungen andere Gründe haben. Ich habe aber Dokumente bei mir, aus denen hervorgeht, dass Schering damals einer Betroffenen eine außergerichtliche Entschädigung angeboten hat, verbunden mit einer Schweigepflicht. Warum wurde dieses Angebot nicht allen Geschädigten unterbreitet?

Ein damaliger Mitarbeiter von Schering bot einer Geschädigten damals an, für eine Summe von 10.000 Pfund interne Dokumente zu Primodos zu besorgen. Warum wurden diese Unterlagen nicht veröffentlicht?

Englische Schering-Mitarbeiter warnten die deutsche Schering-Zentrale schon 1968 vor erhöhten Missbildungsraten durch Duogynon. Warum hat die Firma darauf nicht reagiert? Sollte der Umsatz von Duogynon und der von Verhütungsmitteln, die die gleichen Hormone enthielten, nicht gefährdet werden?

Gibt es Gespräche zwischen Bayer und britischen oder deutschen Behörden, um den Opfern zu helfen?

Vor einigen Monaten habe ich Dr. Peter Longthorne, den medizinischen Direktor von Bayer Schering Pharma in England angeschrieben und um Firmenunterlagen zu Primodos gebeten. Ich erhielt schriftlich die Antwort, dass Bayer Schering „keine Dokumente zu diesem Medikament besitzt“. Dies ist wenig glaubhaft, schließlich wurde dieses Präparat über Jahrzehnte hinweg von Schering verkauft.

Wollen Sie wirklich die Behauptung aufrecht erhalten, keinerlei Unterlagen mehr zu Primodos bzw. Duogynon zu besitzen? Wie können Sie überhaupt Fragen zu diesem Thema beantworten, wenn Sie keine Unterlagen mehr besitzen?

Bis heute enthalten Kontrazeptiva von Bayer Schering den Wirkstoff Norethisteron Acetat. Auf der Packungsbeilage findet sich der Hinweis, dass der Wirkstoff im Fall einer Schwangerschaft nicht eingenommen werden darf. Ich frage Sie, wenn sich dieser Wirkstoff heute in Verhütungsmitteln findet, warum wurde er damals in Schwangerschaftstests verwendet? Wenn Sie einen Beweis sehen möchten, zeige ich Ihnen gerne eine alte Primodos-Packung.

Bislang hat Bayer Schering versucht, das Problem unter den Teppich zu kehren und von der Öffentlichkeit fern zu halten. Die schrecklichen Deformationen, die wir erlitten haben, scheinen Ihnen gleichgültig zu sein.

Ich fordere Sie auf, nach der heutigen Versammlung mit mir zu sprechen. Ich habe Unterlagen aus den vergangenen 30 Jahren bei mir, darunter Empfehlungen der britischen Gesundheitsbehörde und von Fachzeitschriften, Primodos wegen der Gefahr von Fehlbildungen nicht als Schwangerschaftstest einzusetzen. Nach diesen Warnungen wurde das Mittel jedoch weitere zehn Jahre eingesetzt. Ich stelle Ihnen auch von diesen Dokumenten gerne Kopien zu Verfügung.

Das heutige Bayer-Management trägt keine Schuld an den Entscheidungen von Schering in den 60er und 70er Jahren. Aber durch die Übernahme von Schering trägt Bayer heute die Verantwortung für alle Schering-Produkte, auch die in der Vergangenheit verkauften. Ich meine, dass die Übernahme von Schering durch Bayer der richtige Moment ist, auf die Opfer von Primodos zuzugehen.

Mein Leben wurde durch zwei Tabletten von Schering zerstört. Bitte denken Sie an Ihre eigenen Kinder und stellen Sie sich vor, wie diese mit den Schwierigkeiten und dem Spott klarkommen müssten, dem meine Familie und ich täglich ausgesetzt sind. Ich appelliere heute an den Bayer-Vorstand, sich im Namen ihrer Tochterfirma Schering zu entschuldigen und die Opfer von Primodos zu entschädigen.

Ich stehe gerne für weitere Rückfragen zu Verfügung. Kontakt: KCBM@BLUEYONDER.CO.UK

Coordination gegen BAYER-Gefahren
www.CBGnetwork.org
Tel 0211-333 911, Fax 0211-333 940

Beirat
Prof. Dr. Jürgen Rochlitz, Chemiker, ehem. MdB, Burgwald
Dr. Sigrid Müller, Pharmakologin, Bremen
Prof. Dr. Anton Schneider, Baubiologe, Neubeuern
Prof. Jürgen Junginger, Designer, Krefeld
Dr. Erika Abczynski, Kinderärztin, Dormagen
Eva Bulling-Schröter, MdB, Berlin
Dr. Janis Schmelzer, Historiker, Berlin
Wolfram Esche, Rechtsanwalt, Köln

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Presse Info vom 11. Mai 2009

Coordination gegen BAYER-Gefahren

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Katastrophale Sicherheitslage in US-Bayerwerk in der Kritik

Nicht-Entlastung des Vorstands in morgiger Hauptversammlung gefordert / US-Kongress: Explosion in Institute hätte „Desaster von Bhopal in den Schatten stellen können“

Kritische Aktionäre fordern in der morgigen BAYER-Hauptversammlung aufgrund der katastrophalen Sicherheitslage im US-Werk Institute die Nicht-Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat. Die Fabrik gilt als „Schwester-Werk“ der Anlage in Bhopal, aus der 1984 rund 30 Tonnen der Chemikalie MIC austraten, wodurch über 10.000 Menschen den Tod fanden.

Im vergangenen Jahr war es in Institute zu einer schweren Explosion gekommen, bei der zwei Mitarbeiter starben und tonnenweise Chemikalien austraten. Ein vom US-Kongress einberufener Untersuchungs-Ausschuss kam Ende April zu dem Ergebnis, dass die Region nur knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt ist. Wörtlich heißt es in dem Untersuchungsbericht: „Die Explosion war besonders beunruhigend, weil ein mehrere Tonnen schwerer Rückstandsbehälter 15 Meter durch die Luft flog und praktisch alles auf seinem Weg zerstörte. Hätte dieses Geschoss den nahen MIC-Tank getroffen, hätten die Konsequenzen das Desaster in Bhopal 1984 in den Schatten stellen können.“

Nach der Explosion hatten BAYER-Sprecher zunächst behauptet, dass die Tanks mit tödlichen Gasen wie MIC und Phosgen in einem anderen Teil der Fabrik untergebracht seien. Erst Wochen später stellte sich heraus, dass sich weniger als 20 Meter vom Explosionsort entfernt ein überirdischer Behälter befindet, der sieben Tonnen MIC enthielt. Institute ist die einzige Fabrik in den USA, in der große Mengen MIC produziert und gelagert werden.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Es ist genug mit den ewigen Beschwichtigungen! Wir haben bereits in der letztjährigen Hauptversammlung – vier Monate vor der tödlichen Explosion! – auf die mangelnde Sicherheit im Werk Institute hingewiesen. Nun hat die Realität unsere Befürchtungen weit übertroffen. Gemeinsam mit den Bürgerinitiativen vor Ort fordern wir, dass BAYER endlich auf MIC- und Phosgen-freie Verfahren umstellt“. In den deutschen Fabriken kommt BAYER in der Pestizidproduktion seit langem ohne MIC-Tanks aus.

US-Manager von BAYER hatten in der Anhörung des Kongress unter Eid zugeben müssen, dass die Firma Anti-Terrorgesetze dazu mißbrauchen wollte, die öffentliche Diskussion über die Sicherheitslage abzuwürgen. Das Unternehmen hatte Tausende von Dokumenten als sicherheitsrelevant eingestuft, um diese der Untersuchung zu entziehen. Der US-Kongress kam zu dem Ergebnis, dass sich „BAYER an einer Geheimhaltungskampagne beteiligte. Die Firma hat den Sicherheitskräften entscheidende Informationen vorenthalten, hat den Ermittlern der Bundesbehörden nur eingeschränkten Zugang zu Informationen gewährt, hat die Arbeit von Medien und Bürgerinitiativen unterminiert und hat die Öffentlichkeit unrichtige und irreführend informiert.“

Die Erschütterungen bei der Explosion waren in einem Umkreis von 15 Kilometern zu spüren, Tausende Anwohner durften über Stunden ihre Häuser nicht verlassen. Die amerikanische Arbeitsschutzbehörde OSHA stellte in einer Untersuchung des Störfalls 13 schwere Verstöße gegen Sicherheitsbestimmungen, darunter “mangelhafte Sicherheits-Systeme, signifikante Mängel der Notfall-Abläufe und eine fehlerhafte Schulung der Mitarbeiter“ fest.

„Hochgefährliche Stoffe wie Phosgen oder MIC haben in der Massenproduktion nichts verloren – schon gar nicht in der Nähe der Wohnbevölkerung. Vorstand und Aufsichtsrat von BAYER haben keine Schritte zur Verbesserung der Sicherheitslage in Institute und zur Aufklärung der Öffentlichkeit unternommen und dürfen daher morgen nicht entlastet werden“, so Philipp Mimkes weiter.

Mimkes steht – auch während der morgigen Versammlung – für Interviews und Rückfragen zu Verfügung. Tel: 0211 – 333 911

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Die Spur des Giftes

BAYER-Pestizide im Baumwoll-Anbau

In schrottreifen indischen Fertigungsstätten lässt BAYER anderswo längst verbotene Pestizide herstellen. Die Baumwoll- FarmerInnen des Landes versprühen die Agrochemikalien in rauhen Mengen und verschaffen den Mitteln damit Eintritt in die gesamte Kette der Kleidungsproduktion. Die LandwirtInnen haben unter ihrer Wirkung dann genauso zu leiden wie die PflückerInnen und die WeiterverarbeiterInnen in den Kleider- Fabriken. Sogar die fertige Kleidung in den Geschäften von C&A, METRO oder H&M weist noch Chemie-Rückstände auf. Diese Spuren des Giftes hat der Film “100 Prozent Baumwolle – Made in India” von Inge Altemeier und Reinhard Hornung minutiös nachgezeichnet.

Von Axel Köhler-Schnura und Jan Pehrke

http://www.cbgnetwork.org/Ubersicht/Zeitschrift_SWB/SWB_2004/SWB_01_2004/Pestizide___Indien/pestizide___indien.html

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